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6. Juni 2009

Zitat des Tages: "Ausgerechnet im liberalen Holland ...". Ja, ist denn Geert Wilders kein Liberaler?

Das Ergebnis ist ernüchternd: Ausgerechnet im liberalen Holland landet der islamkritische Populist Geert Wilders bei der Abstimmung zum Europa- Parlament auf Platz zwei.

Die "Welt" über den Wahlerfolg von Geert Wilders.

Kommentar: "Ausgerechnet im liberalen Holland"? Als wenn Geert Wilders kein Liberaler wäre. Nicht ausgerechnet, sondern logischerweise hat er im liberalen Holland einen Wahlsieg errungen.

Lieber Leser, Sie glauben nicht, daß Geert Wilders ein Liberaler ist? Ich habe es auch nicht geglaubt, weil ja überall das behauptet wird, was in dem Zitat steht. Bis ich recherchiert habe. Das Ergebnis habe ich vor gut einem Jahr in diesem Artikel aufgeschrieben.

Und falls Sie es mir nicht glauben, dann mögen Sie es vielleicht bei Henryk M. Broder nachlesen.



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26. Mai 2009

Zitat des Tages: "Gerade am Religionsunterricht erweist sich der säkulare Charakter unseres Staates". Über Schäubles Integrationspolitik

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat am Dienstag im Berliner Wissenschaftskolleg seine Ansicht bekräftigt, dass das Religionsverfassungsrecht der Bundesrepublik sich bewährt habe und für die Integration der Muslime den geeigneten Rahmen bilde.

In Schäubles pointierter Auffassung erweist sich gerade am Religionsunterricht der säkulare Charakter unseres Verfassungsstaates. Der Staat maßt sich nicht an, Nützliches und Schädliches in den religiösen Überlieferungen gemäß eigenem, überlegenem Wissen zu sortieren, wie es Voraussetzung für eine Umstellung vom Bekenntnisunterricht auf vorgeblich neutrale Religionskunde wäre, sondern kooperiert in der Ausbildung der Religionslehrer mit den Religionsgemeinschaften.


Patrick Bahners in der FAZ über einen Diskussionsbeitrag Wolfgang Schäubles auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, des Wissenschaftskollegs und der Thyssen- Stiftung anläßlich der diesjährigen Carl- Heinrich- Becker- Vorlesung. Diese hielt der amerikanisch- sudanesische Jurist Abdullahi An-Na'im von der Emory University in Atlanta, der sich für einen modernen Islam einsetzt.



Kommentar: Abdullahi An-Na'im ist ein Sudanese, der vor den dort regierenden Islamisten in die USA fliehen mußte. Sein Lehrer Mahmud Muhammad Taha wurde im Januar 1985 von den Islamisten öffentlich gehenkt. Sein Vergehen: Er sei vom Islam abgefallen.

Abdullahi An-Na'im vertritt eine interessante These, die dem entgegengesetzt ist, was hier in Deutschland viele über den Islam zu wissen vermeinen: Die Trennung von Staat und Religion sei dem Islam keineswegs fremd, ja sie liege in dessen Wesen. Bahners:
Das Prinzip des Islams ist nach An-Na'im individualistisch: Nur der einzelne Gläubige kann Gottes Gebote befolgen. Der Staat kann nicht religiös sein; die staatliche Kodifizierung der Scharia verformt das Religionsgesetz, weil staatliche Sanktionen das Wesen des religiösen Gehorsams verfehlen.
Gewiß macht man sich mit solchen Auffassungen bei Islamisten keine Freunde; auch An-Na'im wurde schon mit dem Tod bedroht. Umso mehr sollten wir im liberalen Westen auf Wissenschaftler wie ihn hören.

Die Interpretation des Islam durch die Islamisten benutzt diesen als die Grundlage für eine totalitäre Ideologie. So, wie der Marxismus den Kommunisten, wie den Nazis ihre Rassenlehre die ideologische Basis für einen alle Lebensbereiche durchdringenden totalitären Staat lieferte. Kein totalitäres System kommt ohne eine solche weltanschauliche Fundierung aus; sie ist der Geßlerhut, den alle Bürger als Zeichen ihrer Unterwerfung grüßen müssen.

Nur ist das eben nicht der Islam schlechthin. Es ist eine seiner Interpretationen. In unserem Interesse liegt es, den Einfluß anderer, liberaler Interpretationen wie derjenigen von Abdullahi An-Na'im zu stärken. Mir scheint, daß Wolfgang Schäuble das verstanden hat.



Schäuble hat aber auch verstanden, daß Experimente à la "Schulfach Ethik" das Gegenteil von liberal sind. Denn ein solches Fach braucht ja einen Lehrplan. Indem er diesen aufstellt, maßt der Staat sich an, darüber zu entscheiden, was denn ethisch relevant sei, wie verschiedene Religionen und ethische Haltungen zu betrachten seien usw.

Auch wenn in einem solchen Fach "alle Religionen und Weltanschauungen" (welche?) "gleichberechtigt" behandelt werden sollen, müssen sie doch unter bestimmten Gesichtspunkten, nach bestimmten Kriterien, in einer bestimmten Selektion behandelt werden. Insofern dringt der Staat mit einem solchen obligatorischen Fach in die Privatsphäre des Bürgers ein.

Religionsunterricht ist dagegen nicht obligatorisch (und war es übrigens auch in der Bundesrepublik niemals; auch nicht zur Adenauer- Zeit). Wer den Unterricht seiner Konfession besucht, der tut das freiwillig. Den Staat geht das nichts an. Er stellt den Rahmen zur Verfügung - die Lehrer, die Räume. Er ermöglicht damit Vielfalt, aber er dekretiert sie nicht.

Nur insofern hat der Staat das Recht, sich in den Religionsunterricht einzumischen, als er es nicht dulden kann, daß verfassungsfeindliche Inhalte gelehrt werden. Daß zum Beispiel Anhänger anderer Religionen herabgewürdigt werden oder daß die Trennung von Staat und Religion in Zweifel gezogen wird.

Hier trifft sich dann das, was Schäuble gesagt hat, mit der Position von Prof. An-Na'im.



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1. April 2009

Zehn Wörter, die man gegenüber Moslems vermeiden sollte. Das Neueste zur Political Correctness. Sprache als politische Waffe

Der Westen hat es vorgemacht, vor allem die USA haben uns das vorgemacht, als in den siebziger, den achtziger Jahren die Sprache gereinigt wurde.

Wörter wie "Neger", "Zigeuner", "Eskimo", "Behinderter", "Blinder", "Tauber", ja sogar das deutsche "Fräulein" oder die "Frau Professor" wurden tabuisiert. Man konnte sie nicht mehr unschuldig verwenden. Wer sie entgegen der Tabuisierung benutzte, der setzte sich dem Verdacht aus, ein Rassist, ein male chauvinist, ein Elitärer, wenn nicht Schlimmeres zu sein.

Aufgrund dieses Drucks war es schließlich auch so, daß nur noch solche Leute diese Begriffe verwendeten. Diejenigen, die die Sprache als Waffe einsetzten, hatten auf der ganzen Linie gesiegt.

Denn die Sprache ist eine mächtige Waffe beim Kampf um kulturelle Dominanz. Das haben inzwischen auch die Moslems erkannt.

Oder jedenfalls hat es ein Autor erkannt, Chris Seiple, der sich am Wochenende im Christian Science Monitor Gedanken darüber machte, welche Begriffe und Ausdrücke man im Umgang mit Moslems vermeiden sollte. Titel: "10 terms not to use with Muslims", zehn Begriffe, die man gegenüber Moslems nicht verwenden sollte.

Er wolle, schreibt Seiple, "share the advice given to me from dear Muslim friends worldwide regarding words and concepts that are not useful in building relationships with them", die Ratschläge weitergeben, die ihm liebe moslemische Freunde aus aller Welt gegeben hätten, was Wörter und Begriffe angehe, die für den Aufbau einer Beziehung zu ihnen nicht von Nutzen seien.



Was dann in der Liste der zehn Begriffe kommen würde, habe ich zum Teil erwartet. Andere Begriffe, die ich erwartet hatte - "Kreuzzug" zum Beispiel, oder "Kolonialvölker" - kommen nicht darin vor. Bei der Mehrzahl der Begriffe hat es mir aber doch sozusagen die Sprache verschlagen.

Hier ist sie, die Liste der zehn Wörter, die man beim Umgang mit Moslems laut Chris Seiple vermeiden sollte; er ist übrigens Präsident eines Institute for Global Engagement, das für weltweite Religionsfreiheit eintritt:
1. "The Clash of Civilizations."

2. "Secular"

3. "Assimilation"

4. "Reformation"

5. "Jihadi"

6. "Moderate"

7. "Interfaith"

8. "Freedom"

9. "Religious Freedom"

10. "Tolerance"
Mit anderen Worten, Seiples "liebe Freunde" wünschen sich, daß wir auf so ungefähr alle Begriffe verzichten, die sich auf die Werte unserer Kultur beziehen - von Freiheit und Säkularität bis zu Toleranz und dem interreligiösen Dialog ("Interfaith").

Wie begründen sie das, die lieben Freunde? Nehmen wir zwei Beispiele:
8. "Freedom." Unfortunately, "freedom," as expressed in American foreign policy, does not always seek to engage how the local community and culture understands it. Absent such an understanding, freedom can imply an unbound licentiousness. The balance between the freedom to something (liberty) and the freedom from something (security) is best understood in a conversation with the local context and, in particular, with the Muslims who live there. "Freedom" is best framed in the context of how they understand such things as peace, justice, honor, mercy, and compassion.

8. "Freiheit". Leider sucht "Freiheit", wie es in der amerikanischen Außenpolitik zum Ausdruck kommt, nicht immer zu erfassen, wie die örtliche Gemeinschaft und Kultur sie versteht. Fehlt ein solches Verständnis, dann kann Freiheit unbegrenzte Beliebigkeit bedeuten. Die Balance zwischen der Freiheit für etwas (Handlungsfreiheit) und der Freiheit von etwas (Sicherheit) läßt sich am besten im Gespräch mit dem lokalen Kontext und vor allem den Moslems begreifen, die dort leben. "Freiheit" sollte am besten im Zusammenhang mit der Art und Weise gefaßt werden, wie sie Dinge wie Frieden, Gerechtigkeit, Ehre, Gnade und Mitleid verstehen.

9. "Religious Freedom." Sadly, this term too often conveys the perception that American foreign policy is only worried about the freedom of Protestant evangelicals to proselytize and convert, disrupting the local culture and indigenous Christians. Although not true, I have found it better to define religious freedom as the promotion of respect and reconciliation with the other at the intersection of culture and the rule of law – sensitive to the former and consistent with the latter.

9. "Religionsfreiheit". Leider vermittelt dieser Begriff allzu oft die Wahrnehmung, daß die amerikanische Außenpolitik sich nur um die Freiheit protestantischer Evangelikaler kümmert, Abtrünnige zu gewinnen und zu bekehren und damit die örtliche Kultur und die das Christentum der Einheimischen zu zerstören. Zwar stimmt das nicht, aber ich finde es besser, Religionsfreiheit als die Förderung des Respekts und der Versöhnung mit dem Anderen zu definieren; und zwar an der Schnittstelle zwischen Kultur und Gesetzlichkeit - sensibel für die erstere und in Übereinstimmung mit der letzteren.
Wenn ich Seiple nicht ganz falsch verstehe, dann will er mit dem letzten Satz sagen: Wir müssen sensibel für die Kultur der Anderen sein, auch wenn ihnen die Scharia vorschreibt, angebliche oder tatsächliche Ehebrecherinnen bis zum Hals einzugraben, die Ehebrecher bis zur Hüfte, und dann solange Steine auf sie zu werfen, bis sie eines qualvollen Todes gestorben sind. Und wir müssen die dortige Gesetzlichkeit respektieren, die nun einmal - auch wenn das nicht unbedingt unseren Wertvorstellungen entspricht - dies verlangt.



Wer ist schon Chris Seiple? Man könnte ihn vergessen, wenn er nicht eine Meinung bis zu ihrern absurden Konsequenzen vertreten würde, die im linken Lager, bis zu den "Linksliberalen", weit verbreitet ist: Kulturen sind nun mal verschieden. Wir respektieren, daß fromme Moslems Ehebrecherinnen steinigen. Dafür erwarten wir, daß sie es respektieren, wenn bei uns den Männern nur eine Ehefrau erlaubt ist.

Was schon etwas seltsam ist. Aber in Wahrheit ist es ja noch schlimmer. Denn während Leute wie Seiple dafür eintreten, die unmenschlichen "Werte" der Scharia zu respektieren, denken deren Verfechter natürlich überhaupt nicht daran, die westlichen Werte der Freiheit des Individuums, der Trennung von Staat und Religion, der Achtung von Minderheiten, kurz: der Aufklärung zu respektieren.

Mit anderen Worten: Seiple möchte gern, daß wir Toleranz im westlichen Sinn üben, und daß wir zugleich diesen westlichen Begriff der Toleranz gegenüber den Moslems verleugnen.



Für Kommentare bitte hier klicken. Mit Dank an Daniel Pipes. Titelvignette: Suleiman der Prächtige, zeitgenössische Darstellung. Public Domain.

30. März 2009

Zitat des Tages: "Zum Glück bisher kein Konsens". Über islamistische Verflechtungen in Deutschland

El-Zayats Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) gehört zum dort vertretenen Dachverband "Zentralrat der Muslime", mit der Milli Görüs ist er privat wie geschäftlich eng verbandelt.

Der Zentralrat wiederum gehört zu jenem selbsternannten politischen Bündnis namens "Koordinierungsrat der Muslime" (KRM), zu dem auch die aus der Türkei gesteuerten Ditib und der Verein Islamischer Kulturzentren - bekannt für seine antisäkulare und integrationsfeindliche Kinder- und Jugendarbeit - und der Islamrat gehören.

Letzterer ist auch ein Dachverband, der von Funktionären der Milli Görüs dominiert wird. Deren Generalsekretär diskutiert gar in der Arbeitsgruppe "Sicherheit und Islamismus", die auf leisen Sohlen einen Konsens sucht, der - man möchte sagen: zum Glück - bisher nicht zu finden war.


Regina Mönch heute in der FAZ über islamistische Verflechtungen in Deutschland. Überschrift des Artikels: "Distanziert euch von den Islamisten".

Kommentar: Der Artikel ist kenntnisreich und engagiert, wie man es von Regina Mönch gewohnt ist.

Die Autorin sieht Wolfgang Schäubles Islamkonferenz positiv; sie sei "das einzige Forum, dem es langsam gelingt, Muslime und ihre Interessen differenziert wahrnehmbar zu machen. Denn dort streitet kein Kollektiv über vermeintliche Selbstverständlichkeiten wie einen Wertekonsens und die Freiheit der Einzelnen, sondern es stehen Radikale und verbohrt Orthodoxe gegen Muslime, die sich nicht auf eine religiöse Identität reduzieren lassen wollen und zuerst einmal Bürger sind".

Die letzteren sieht Mönch als die Vertreter der Mehrheit der Moslems in Deutschland an. Nur sind sie, mit Ausnahme der Aleviten, nicht organisiert.

Bestens organisiert aber sind diejenigen, von denen jetzt - das ist der Anlaß für Regina Mönchs Artikel - hohe Funktionäre ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sind. Ihnen wird nach einer europaweiten Razzia unter anderem Betrug mit Fördergeldern, Geldwäsche, Steuerbetrug und Urkundenfälschung vorgeworfen. "Und so weiter". Auch von der Unterstützung von Terroristen ist bei dieser europäischen Razzia nämlich die Rede.

Die Beschuldigten gehören zum Teil dem Islamrat an. Es mehrten sich Forderungen, schreibt Regina Mönch, daß sie mindestens ihre Mitarbeit ruhen ließen.

Berechtigt, wie mir scheint. Wie man im Innenministerium wohl überhaupt darüber nachdenken sollte, wie zu erreichen ist, daß den Gemäßigten, daß den säkularen Moslems im Islamrat dasjenige Gewicht gegeben wird, das ihrem Anteil an der moslemischen Bevölkerung entspricht.



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28. Januar 2009

Barack Obama und die Moslems. Ein seltsamer Satz in der Antrittsrede des Präsidenten. Seltsame Formulierungen in seinem ersten Interview

Die Antrittsrede eines Präsidenten der USA, die Inauguration Address oder Inauguration Speech, ist ein Dokument von großer Bedeutung.

Sie ist halb Regierungserklärung und halb Thronrede. In ihr nennt der Präsident die Ziele seiner Amtszeit, gibt er zu erkennen, welche Prioritäten er zu setzen gedenkt. Der Text wird in der Regel wochenlang vorbereitet, immer wieder diskutiert und überarbeitet. Jedes Wort ist am Ende sozusagen geprüft und für gut befunden.

Was der in sein Amt eingeführte Präsident dann vorträgt, das sollte man also genau lesen.

Ebenso ist es von Bedeutung, wohin den Präsidenten seine erste Auslandsreise führt; wem er sein erstes Interview gibt. Da werden Präferenzen sichtbar, da werden Signale gesetzt.



Das erste offizielle Interview, das Präsident Obama einem Medium gegeben hat, gewährte er Hisham Melhem vom arabischen Sender Al-Arabyia. Laut dem von Al-Arabiya publizierten Text sagte er darin über den Friedensprozeß im Nahen Osten:
And it's going to be difficult, it's going to take time. I don't want to prejudge many of these issues, and I want to make sure that expectations are not raised so that we think that this is going to be resolved in a few months. But if we start the steady progress on these issues, I'm absolutely confident that the United States -- working in tandem with the European Union, with Russia, with all the Arab states in the region -- I'm absolutely certain that we can make significant progress.

Und es wird schwierig werden; es wird Zeit brauchen. Ich will nicht viele dieser Fragen im Vorhinein beurteilen, und ich will dafür sorgen, daß keine Erwartungen geweckt werden, so daß wir denken, daß das in ein paar Monaten gelöst werden kann. Aber wenn wir den stetigen Fortschritt zu diesen Fragen einleiten, dann bin ich völlig zuversichtlich, daß die Vereinigten Staaten - in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, mit Rußland, mit allen arabischen Staaten in der Region - ich bin völlig sicher, daß wir bedeutsame Fortschritte machen können.
Fällt Ihnen etwas auf an dieser Passage? Mit der EU, mit Rußland und den arabischen Staaten will Präsident Obama zusammenarbeiten. Israel erwähnt er nicht.

Nun gut, man kann argumentieren, die Beteiligung Israels sei ja ohnehin selbstverständlich. Also habe Obama sie nicht ausdrücklich genannt.

Sehen wir uns eine Passage etwas später in dem Interview an:
And what I've said, and I think Hillary Clinton has expressed this in her confirmation, is that if we are looking at the region as a whole and communicating a message to the Arab world and the Muslim world, that we are ready to initiate a new partnership based on mutual respect and mutual interest, then I think that we can make significant progress.

Now, Israel is a strong ally of the United States. They will not stop being a strong ally of the United States. And I will continue to believe that Israel's security is paramount. But I also believe that there are Israelis who recognize that it is important to achieve peace. They will be willing to make sacrifices if the time is appropriate and if there is serious partnership on the other side.

Und was ich gesagt habe, und ich glaube, daß das Hillary Clinton in der Anhörung zu ihrer Bestätigung im Amt gesagt hat, ist, daß wenn wir auf die Region als Ganzes blicken und eine Botschaft an die arabische Welt und die moslemische Welt senden, daß wir bereit sind, eine neue Partnerschaft einzuleiten, basierend auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamem Interesse, dann denke ich, daß wir bedeutsame Fortschritte machen können.

Nun ist Israel ein fester Alliierter der Vereinigten Staaten. Sie werden nicht aufhören, ein fester Alliierter der Vereinigten Staaten zu sein. Und ich werde weiter glauben, daß die Sicherheit Israels vorrangig ist. Aber ich glaube auch, daß es Israelis gibt, die anerkennen, daß es wichtig ist, Frieden zu erreichen. Sie werden willens sein, Opfer zu bringen, wenn die Zeit passend ist und wenn es ernsthafte Partnerschaft auf der anderen Seite gibt.
Wie, lieber Leser, beurteilen Sie diese Passage?

Der Präsident will eine "neue Partnerschaft" mit "der moslemischen Welt".

Er anerkennt, daß Israel ein "fester Alliierter" der USA ist. Ein Israel, das in Frieden mit den Arabern leben will? Nein, "es gibt Israelis", die willens seien, "Opfer zu bringen".

Von Opfern der Araber spricht der Präsident nicht.

Nicht wahr, das klingt, als sehe Obama die Welt doch etwas mehr aus der Perspektive der Araber als aus derjenigen Israels?

Zugegeben, das ist Interpretation, Philologie sozusagen. Sehen wir uns also eine andere Passage an:
Now, my job is to communicate the fact that the United States has a stake in the well-being of the Muslim world that the language we use has to be a language of respect. I have Muslim members of my family. I have lived in Muslim countries.

(Hisham Melhem: The largest one.)

The largest one, Indonesia. And so what I want to communicate is the fact that in all my travels throughout the Muslim world, what I've come to understand is that regardless of your faith -- and America is a country of Muslims, Jews, Christians, non-believers -- regardless of your faith, people all have certain common hopes and common dreams.

Nun ist es mein Job, die Tatsache zu vermitteln, daß die Vereinigten Staaten Anteil am Wohlergehen der moslemischen Welt haben, daß die Sprache, die wir verwenden, eine Sprache des Respekts sein muß. Ich habe Mitglieder meiner Familie, die Moslems sind. Ich habe in moslemischen Ländern gelebt.

(Hisham Melhem: Dem größten)

Dem größten, Indonesien. Was ich also vermitteln möchte, das ist der Umstand, daß bei allen meinen Reisen überall durch die moslemische Welt ich zu dem Verständnis gekommen bin, daß unabhängig von ihrem Glauben - und Amerika ist ein Land von Moslems, Juden, Christen, Nichtgläubigen - daß unabhängig vom Glauben die Menschen gewisse gemeinsame Hoffnungen und gemeinsame Träume haben.
Der Feststellung, daß alle Menschen gemeinsame Hoffnung haben - daß sie nämlich alle in Frieden, Gesundheit und Wohlstand leben wollen - wird man nicht widersprechen können.

Aber ist Ihnen aufgefallen, in welcher Reihenfolge der Präsident die Religionen und Weltanschauungen in den USA nennt? "Moslems, Juden, Christen, Nichtgläubige". Die Moslems vor den Juden. Die Christen auf Platz drei.



Jetzt hört Zettel aber das Gras wachsen, werden Sie vielleicht denken, lieber Leser. Obama steht einem Moslem Rede und Antwort, auf einem arabischen Sender. Da ist es doch normal, daß er die Moslems an vorderster Stelle nennt.

Womit wir bei der Inauguration Address sind.

Dieser Satz nämlich war ein leicht verändertes Zitat aus der Inauguration Address. Dort lautete er:
We are a nation of Christians and Muslims, Jews and Hindus - and non-believers.

Wir sind eine Nation von Christen und Moslems, Juden und Hindus - und Nichtgläubigen.
Auf das Seltsame an diesem Satz - der sich nun gar nicht speziell an Moslems wendet, sondern an die amerikanische Nation - haben in den vergangenen Tagen etliche Kommentatoren aufmerksam gemacht: An erster Stelle werden Christen und Moslems zusammengefaßt, dann folgen gemeinsam Juden und Hindus, und am Ende folgen die Nichtgläubigen.

Wie seltsam das ist, erläutern zum Beispiel Daniel Pipes und Hugh Fitzgerald. Dieser schreibt:
The traditional formulation has always paired "Christians" with "Jews" -- "Christians and Jews." (...) ... on what basis did Obama make the decision to move up "Muslims" in the ranking, right after, or even possibly paired with, Christians, leaving the Jews demoted, in a sense? It cannot be on the basis of population, for there are twice as many Jews in the United States as there are Muslims (and of the approximately 3 million Muslims, 2 million are unorthodox Black Muslims).

Die traditionelle Formulierung faßt stets "Christen" mit "Juden" zusammen - "Christen und Juden". (...) ... auf welcher Grundlage traf Obama die Entscheidung, in der Rangordnung "Moslems" nach vorn zu schieben, direkt nach - und sogar wohl gepaart mit - Christen, während die Juden gewissermaßen herabgestuft sind? Das kann nicht in der Bevölkerungszahl begründet sein, denn es gibt in den Vereinigten Staaten doppelt so viele Juden wie Moslems (und von den ungefähr drei Millionen Moslems sind zwei Millionen unorthodoxe Black Muslims).
Tja, das ist die Frage, auf welcher Grundlage der Präsident diese Entscheidung getroffen hat.

Wie eingangs gesagt - Zufall ist so etwas nicht in einer Inauguration Speech, in der jedes Wort Absicht ist; keine Nachlässigkeit, kein Versehen.

Fitzgerald diskutiert die Möglichkeit, daß in der schriftlichen Fassung des Textes das Komma falsch gesetzt worden sein könnte. Daß also Obama gar nicht gemeinsam an erster Stelle Christen und Moslems und dann - wieder gemeinsam - an zweiter Stelle Juden und Hindus nennen wollte, sondern daß es hätte heißen sollen: " ... nation of Christians, and Muslims, Jews, and Hindus, and unbelievers (" ... Nation von Christan, und Moslems, Juden, und Hindus, und Nichtgläubigen").

Aber so ist es nicht. Der Text, aus dem ich zitiert habe, ist der offizielle, vom Presidential Inaugural Committee verbreitete Text. Es gibt auch eine Abschrift der geprochenen Rede. Diese findet man zum Beispiel in der New York Times; und dort ist die Interpunktion des Satzes in der Tat anders. Aber nicht an der entscheidenden Stelle, sondern erst am Ende: "We are a nation of Christians and Muslims, Jews and Hindus, and nonbelievers".



Im Wahlkampf ist darauf hingewiesen worden, daß Barack Obama väterlicherseits aus einer moslemischen Familie stammt, daß sein Vater ihm aus diesem Grund den Middle Name "Hussein" gegeben hat und daß er in Indonesien auf eine islamische Schule gegangen ist; vielleicht - das blieb umstritten - sogar dort als Moslem geführt wurde.

Wer hierauf hinwies, der wurde in der Regel als unverbesserlicher Rechter abgetan. Jetzt redet Obama selbst darüber. Wie Thomas Lifson am Tag vor der Inauguration im American Thinker schrieb:
Now that he is elected and almost inaugurated, the rules of public discourse have changed when it comes to Barack Obama and Islam. During the campaign, you were a racist if you noticed that his middle name is Hussein. If you added that his father was a Muslim, and that Islam regards anyone born of a Muslim father as a Muslim, then you were a fear-mongering hysteric.

But tomorrow when he takes the oath of office, he has let it be known he will use his full name. He has also let it be known that he will travel to the capital of an Islamic nation to meet with leaders of Muslim nations. Suddenly, Islam is "in".

Jetzt, wo er gewählt ist und vor der Einführung in sein Amt steht, haben sich in Bezug auf Barack Obama und den Islam die Regeln des öffentlichen Diskurses geändert. Während des Wahlkampfs war man ein Rassist, wenn man anmerkte, daß sein zweiter Vorname Hussein ist. Wenn man hinzufügte, daß sein Vater Moslem war und daß der Islam jeden, der von einem moslemischen Vater abstammt, als Moslem ansieht, dann war man ein hysterischer Panikmacher.

Aber morgen, wenn er den Amtseid ablegt, wird er - so ließ er bekanntgeben - seinen vollen Namen verwenden. Er hat auch wissen lassen, daß er in die Hauptstadt eines islamischen Staats reisen wird, um sich mit den Führern der moslemischen Nationen zu treffen. Plötzlich ist der Islam "in".
Wie sollte es auch anders sein?

Barack Obama wurde als Kind durch die moslemische Umgebung geprägt, in der er jahrelang aufwuchs; so, wie er später durch den christlichen Fundamentalismus des Pastors Jeremiah Wright geprägt wurde.

Mit dem Judentum hatte er nie Berührung. Er hat, soweit erkennbar, keine Beziehung dazu. Natürlich bestimmt sich die Politik eine Regierung nicht allein und nicht primär nach solchen persönlichen Prägungen. Aber ebenso falsch wie eine solche Vermutung wäre es, die Wirkung solcher Faktoren einfach zu vernachlässigen.

Sie waren bekannt, diese Faktoren im Leben Barack Obamas. Da war und ist nichts Geheimnisvolles. Das einzige Geheimnisvolle ist für mich, wieso 77 oder 78 Prozent der jüdischen Wähler für Obama und nicht für McCain gestimmt haben.



Die Titelvignette zeigt das offizielle Foto von Präsident Obama. Es wurde wenige Stunden vor seinem Amtsantritt von Peter Souza aufgenommen und ist unter Creative Commons Attribution 3.0 Unported License freigegeben. Für Kommentare bitte hier klicken.

14. Dezember 2008

"Lehrerin leugnet Weihnachtsmann - gefeuert". Was Sie dazu in "Spiegel- Online" nicht lesen können

Verschroben sind sie, die Engländer, und vor allem ganz, ganz konservativ: Nicht wahr, das wissen wir doch. Das haben wir schon in der Schule gelernt.

Womit ich schon fast beim Thema bin. Denn wieder, wie bei dem kürzlichen kleinen Quiz, geht es um eine Schule. Wieder eine britische Schule. Und wieder geht es um die Weihnachtszeit. Und wieder ...

Nein, den Hintergrund der Geschichte verschweigt Ihnen "Spiegel- Online". Um ihn zu erfahren, muß man sich schon die kleine Mühe machen, ad fontes zu gehen, was hier das Lokalblättchen der Stadt Oldham bei Manchester ist, der Oldham Evening Chronicle.



Aber eins nach dem anderen. Unter der vom Stil der "Bild- Zeitung" inspirierten Überschrift "VERRAT AN GRUNDSCHULE - Lehrerin leugnet Weihnachtsmann - gefeuert" brachte "Spiegel- Online" am Freitag eine Story, die der Redakteur Oliver Trenkamp im wesentlich aus einer Meldung von Agence France Presse gestrickt hatte, angereichert um eben jene Klischees, wie die Briten so sind. Gleich am Anfang werden wir entsprechend eingestimmt:
Auf Tradition legt kaum ein Volk so viel Wert wie die Briten: Queen, Union-Jack und Pub, da verstehen sie keinen Spaß. Und wie sich zeigt, sind die Empfindlichkeiten besonders ausgeprägt, wenn es um jemanden geht, der noch älter ist als Elisabeth II. - um den Weihnachtsmann.
Und dann erfahren wir, daß in an der Blackshaw Lane- Grundschule in Oldham eine gerade erst eingestellte Vertretungs- Lehrerin den in der Überschrift erwähnten "Verrat" begangen habe: "Sie leugnete die Existenz von Santa Claus".

Die verstörten Kinder erzählten das zu Hause, und von deren Eltern beschwerten sich einige bei der Schulleitung. "Spiegel- Online": "Direktorin Angela McCormick reagierte prompt: Sie bestellte die Santa- Claus- Leugnerin ein, verlangte eine Entschuldigung - und feuerte sie prompt".

Sie sind schon schrullig, die in ihre Traditionen vernarrten Briten, nicht wahr? "Wer sich in Großbritannien mit dem greisen Rauschebart anlegt, hat schlechte Karten", so resümiert der Redakteur Oliver Trenkamp den putzigen Vorfall.



Vielleicht hätte er, statt seine Klischees in die Tastatur fließen zu lassen, lieber mit ein paar Klicks die Quelle der AFP- Meldung aufsuchen sollen, die er verbraten hat. Dort nämlich hätte er erfahren, daß es nicht um den greisen Rauschebart ging, sondern um einen religiös- kulturellen Konflikt.

Die ursprüngliche Meldung erschien im Oldham Evening Chronicle vom 10. Dezember. Der Reporter Richard Hooton stützte sich im wesentlich auf den Bericht eines Vaters:
"My son came home and said that his substitute teacher had told the class that Santa doesn't exist and it's your mum and dad that put out presents for them. (...) He was distraught about it. He's only seven- years- old and it's part of the magic of Christmas to him. We told him that she did not believe in Father Christmas because of her religion and he's fine now. I found it shocking. She has done it maliciously.

Mein Sohn kam heim und sagte, daß seine Vertretungs- Lehrerin der Klasse erzählt hatte, daß es keinen Weihnachtsmann gibt und daß es Mami und Papi sind, die die Geschenke hinlegen. (..) Er war darüber verzweifelt. Er ist erst sieben Jahre alt und es gehört für ihn zum Zauber der Weihnacht. Wir sagten ihm, daß sie wegen ihrer Religion nicht an den Heiligen Nikolaus glaubt, und jetzt geht es ihm wieder gut. Ich fand es schockierend. Sie hat es aus Bosheit getan.
Am vorgestrigen Freitag, nachdem die Sache Kreise gezogen hatte, brachte der Oldham Evening Chronicle einen weiteren Artikel von Hooton, in dem der Hintergrund noch deutlicher genannt wird:
One complainant, a teacher at another school whose grandson was in the class, says the incident has raised issues over teacher training and cultural differences that should not be swept under the carpet.

She said: "The reason she told the children this story is because she is an Asian woman who does not believe in Christmas as she celebrates Eid. As a teacher we have to respect everyone's customs and religion and in this respect it was not done. This teacher has obviously not had the correct type of training. She must have some training to be told that you don't put your beliefs on these children."

Eine von denen, die sich beschwerten, Lehrerin an einer anderen Schule, deren Enkel in der Klasse ist, meint daß der Vorfall Fragen zur Lehrer- Ausbildung und zu kulturellen Verschiedenheiten aufgeworfen hätte, die nicht unter den Teppich gekehrt werden dürften.

Sie sagte: "Sie hat den Kindern deshalb diese Geschichte erzählt, weil sie eine Frau aus Asien ist, die nicht an Weihnachten glaubt; sie feiert ja Eid. Als Lehrer müssen wir die Sitten und die Religion aller respektieren, und in dieser Hinsicht geschah das nicht. Diese Lehrerin ist eindeutig nicht richtig ausgebildet worden. Sie muß ausgebildet werden, damit ihr beigebracht wird, daß es nicht angeht, den Kindern seinen eigenen Glauben aufzudrängen."
Deshalb also waren Eltern der betroffenen Schüler so empört, daß es laut Evening Chronicle "a near riot at the school" gab, fast eine Aufruhr an der Schule, als die Eltern diese aufsuchten.

Nicht schon deswegem, weil die Existenz des "greisen Rauschebarts" von einer Lehrerin geleugnet worden war. Sondern weil diese moslemische Lehrerin den Kindern ihre christliche Glaubenstradition nehmen wollte. Jedenfalls, was den Heiligen Nikolaus und die sich auf ihn beziehenden Traditionen angeht.



"Gefeuert" wurde übrigens die Lehrerin entgegen der Behauptung von "Spiegel- Online" keineswegs. Sie war nicht Angestellte der Schule, sondern der Rochdale and Oldham Supply Agency, einer überörtlichen Agentur, die beim Ausfall von Lehrern den Schulen Vertretungen zur Verfügung stellt. Dort wird sie auch weiter beschäftigt bleiben. Die Blackshaw Lane- Grundschule in Oldham hat lediglich darum gebeten, sie in dieser Schule nicht mehr einzusetzen.

Auch das hätte der Autor der Story in "Spiegel- Online" mit ein paar Klicks aus dem Oldham Evening Chronicle erfahren können.



Für Kommentare bitte hier klicken. Titelvignette freigegeben unter GNU Free Documentation Licence.

5. Dezember 2008

Kurioses, kurz kommentiert: Der Bock bietet sich als Gärtner an. Die Islamischen Staaten und die Religionsfreiheit

.... as stipulated in international human rights law, everyone has the right to hold opinions without interference and the right to freedom of expression.

( ... wie im internationalen Menschenrecht niedergelegt, hat Jedermann das Recht, ohne Beeinträchtigung seine Meinungen zu haben und das Recht auf freie Meinungsäußerung.)

So steht es in einem Resolutionsentwurf, den der Dritte Ausschuß der UNO- Vollversammlung am 30. Oktober verabschiedet hat und der demnächst der Vollversammlung zur Abstimmung vorliegen wird. Man kann sich den Text als Word- Dokument herunterladen.

Sie werden fragen, was in aller Welt an diesem Satz kurios ist. Nun, kurios ist nicht, was er beinhaltet, sondern kurios ist sein Kontext.

Wer hat die Resolution eingebracht, in der dieser Satz steht? Ich vermute, Sie wären nicht darauf gekommen: Uganda, Venezuela und Weißrußland. Drei besonders eifrige Verfechter der Freiheit der Meinungsäußerung, wie man weiß.

Uganda allerdings hat die Resolution nicht nur im eigenen Namen eingebracht, sondern zugleich im Namen von 57 Staaten.

Von 57 Staaten, in denen die Freiheit der Meinungsäußerung besonders hochgehalten wird? Die Liste dieser Staaten finden Sie hier, und dort sehen sie auch, was sie gemeinsam haben: Sie sind die Mitglieder der Organisation of the Islamic Conference (OIC), über die man Näheres in der Wikipedia erfahren kann.

Sind diese Länder plötzlich von der Aufklärung erfaßt worden? Nicht ganz. Denn - und das ist das zweite, was man zum Kontext des Zitats wissen sollte -, der zitierte Satz geht wie folgt weiter:
... and that the exercise of these rights carries with it special duties and responsibilities and may therefore be subject to limitations as are provided for by law and are necessary for respect of the rights or reputations of others, protection of national security or of public order, public health or morals

...und daß die Ausübung dieser Rechte besondere Pflichten und Verantwortlichkeiten mit sich bringt und deshalb Einschränkungen unterworfen sein kann, wie sie durch das Gesetz gegeben sind und wie sie erforderlich sind für die Achtung der Rechte oder des Ansehens anderer, für den Schutz der nationalen Sicherheit oder der öffentlichen Ordnung, der Volksgesundheit und der Moral.
Das liest sich schon ein wenig anders, nicht wahr?

Und noch erheblich anders stellt sich die Sache dar, wenn man sich den gesamten Resolutionsentwurf ansieht. Dessen Lektüre ich sehr empfehle, als eines Musterbeispiels dafür, wie der Versuch, Freiheiten einzuschränken, als Verteidigung der Freiheit verkauft wird.



Worum es geht, das hat Daniel Goodenough kürzlich in CNS News und das hat heute Joel J. Sprayregen im American Thinker dargelegt: Die Resolution zielt keineswegs darauf, die Freiheit der Meinungsäußerung zu sichern, sondern auf das genaue Gegenteil: Kritische Meinungsäußerungen über den Islam sollen verurteilt werden.

Der Islam ist die einzige Religion, die in dem Entwurf immer wieder genannt wird.

Da beklagt der Text die "negative projection of Islam in the media and the introduction and enforcement of laws and administrative measures that specifically discriminate against and target Muslims", die negative Darstellung des Islam in den Medien und das Erlassen und die Anwendung von Gesetzen und administrativen Maßnahmen, die speziell die Moslems diskriminieren und zum Ziel haben.

Da äußert der Text einen "deep concern ... that Islam is frequently and wrongly associated with human rights violations and terrorism", eine tiefe Besorgnis, daß der Islam oft und falsch mit Verletzungen der Menschenrechte und Terrorismus in Verbindung gebracht wird.

Und das ganze läuft hinaus auf "the need to effectively combat defamation of all religions and incitement to religious hatred, against Islam and Muslims in particular", die Notwendigkeit, die Diffamierung aller Religionen und die Anstachelung zum religiösen Haß, gegen den Islam und Moslems insbesondere, wirksam zu bekämpfen.

Das verlange "the obligation of all States to enact the necessary legislation", die Pflicht aller Staaten, die erforderlichen Gesetze zu erlassen.



Die Feinde der Freiheit beharren dort, wo sie nicht an der Macht sind, stets vehement auf ihren Freiheitsrechten.

Das war so, als in der alten Bundesrepublik die Kommunisten just jene Rechte aus dem Grundgesetz immer wieder für sich reklamierten, die sie doch abzuschaffen entschlossen waren.

Hier ist es nicht anders. Natürlich denken die 57 Staaten der OIC nicht daran, bei sich zu Hause beispielsweise Christen dieselben Rechte einzuräumen, die Moslems haben. Natürlich werden sie nicht die Freiheit der Meinungsäußerung einführen. Was sie bei sich zu Hause machen, wird durch keine UN-Resolution beeinflußt werden.

Wohl aber das, was in demokratischen Rechtsstaaten geschieht. Wird diese Resolution von der Vollversammlung angenommen, dann werden künftig Versuche wie derjenige, Mohammed- Karikaturen zu verbieten, sich auf die Rechtslage bei den Vereinten Nationen berufen können.



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8. August 2008

Marginalie: Scheidung auf malaysisch. Die Scharia und das Handy

Malaysia ist ein seltsames Land. Dort haben sich die kommunistische DAP und die islamistische PAS zur einer Koalition zusammengeschlossen. Und Malaysia ist ein nominell pluralistischer Rechtsstaat, in dem aber toleriert wird, daß die Moslems ihre eigene Rechtsgemeinschaft bilden, in der statt nach weltlichem Recht nach der Scharia geurteilt wird.

Vor einem Jahr wurde das zum Gegenstand einer Meldung, als das Oberste Gericht Malaysias entschied, es sei rechtens, einer vom Islam zum Christentum konvertierten Frau eine entsprechende Änderung der in ihrem Paß eingetragenen Religion zu verweigern. Denn aus dem Islam könne man nicht austreten.

Jetzt gibt es aus Malaysia eine Meldung, bei der ich überlegte, ob ich sie unter "Kurioses, kurz kommentiert" bringen sollte. Aber so abwegig die Sache ist - lustig ist sie leider überhaupt nicht.

Gefunden habe ich die Meldung in einem Beitrag von Jack Fairweather in PostGlobal, einer gemeinsam von der Washington Post und Newsweek betriebenen Diskussions- Plattform.



Es geht um das Scheidungsrecht. Die Scharia erlaubt es bekanntlich dem Ehemann, seine Frau durch eine einfache Mitteilung zu verstoßen. Nach einer Frist von drei Monaten wird das als Scheidung rechtswirksam. (Die Frau dagegen kann eine Scheidung nur über ein Gerichtsurteil erlangen, wenn sie dem Mann einen Mangel nachweisen kann, etwa Impotenz).

Das allgemeine Recht in Malaysia sieht eigentlich auch für den Mann nur den Weg über eine Gerichtsentscheidung vor. Aber weil eben die Scharia inzwischen als gültige Rechtsordnung für die Moslems akzeptiert wird, finden bei diesen auch die Scheidungen nach der Scharia statt.

Die absurde, aber leider bezeichnende Frage, die jetzt den Rechtsgelehrten vorgelegt wurde, war nun, ob das Verstoßen nach den Vorschriften der Scharia auch per SMS erfolgen dürfe. Die Entscheidung: Ja, das ist rechtsgültig.

Nun gut, könnte man sagen, wie die Moslems die Scharia auslegen, ist ihre Sache. Das Gericht, das dieses Urteil fällte, war aber ein Gericht des Staats Malaysia.

Mitteilenswert ist auch der Kommentar des Beraters der Regierung Malaysias für Religionsfragen, Dr. Abdul Hamid Othman. Eine SMS sei doch nichts als "another form of writing", eine andere Art des Schreibens.



Aber dies sind doch exotische Verhältnisse in einem fernen Staat? Nicht ganz. Denn mit der zum 1. Januar 2009 in Kraft tretenden Änderung des Personenstandsgesetzes wird auch bei deutschen Moslems der Fall häufig sein, vielleicht zur Regel werden, daß sie nur nach der Scharia heiraten, ohne eine standesamtliche Trauung.

Ob dann wohl auch hier in Deutschland der Ehemann seiner Angetrauten, wenn er ihrer überdrüssig ist, per SMS mitteilen kann: "Verstoße dich, CU"?



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

28. März 2008

Zettels Meckerecke: Geert Wilders und die "besonnenen Reaktionen"

Ein Film wird ins Internet gestellt. Darauf passiert das, was Dirk Schümer in der FAZ so beschreibt:
Alarmstufe Rot in den Niederlanden. Ein Fax geht vom Innenministerium in Den Haag an alle Gemeinden im Land: Wilders' Film steht im Internet. Die holländischen Polizeicorps werden in Alarmbereitschaft versetzt, bei den Botschaften in muslimischen Ländern tritt ein lange ausgearbeiteter Stufenplan in Kraft, der Notrufrichtlinien, Reisewarnungen und für den äußersten Fall sogar Evakuierungen umfasst.
Was ist da los?

Ein Filmemacher, der auch Politiker ist, hat eine bestimmte Meinung zum Islam und drückt sie in diesem Film aus. So, wie andere eine vielleicht ebenso negative Meinung zum Christentum, zum Kapitalismus, zum Kommunismus, zu sonst einer Religion, einem Gesellschaftssystem oder was immer haben und das künstlerisch, agitatorisch oder - wie anscheinend hier - künstlerisch- agitatorisch umsetzen. (Das NRC Handelblad hat laut Schümers den Film in dieselbe Kategorie gestellt wie die Filme Michael Moores oder Gores "Eine umbequeme Wahrheit").

Also ein normaler, ja ein banaler Vorgang: Ist das ein Grund, die Polizei in Alarmbereitschaft zu versetzen?

Es scheint so.

Denn spätestens seit dem Streit um die "Mohammed- Karikaturen" wird eine intolerante, aufgeregte, ja gewaltsame Reaktion von Moslems auf derartige Kritik an ihrem Glauben offenbar nicht nur befürchtet, sondern nachgerade in Rechnung gestellt.

So daß es nun schon einen Aufmacher wert ist, wenn das Selbstverständliche zu berichten ist: Daß jemand seine Meinung in dieser filmischen Form ausgedrückt hat, ohne daß es sofort zu Demonstrationen und Aufruhr gekommen ist. Im Augenblick macht Welt Online mit der Schlagzeile auf: "Muslime reagieren besonnen auf Anti-Koran-Film".

Na toll. Da dürfen wir uns aber freuen.

So, nicht wahr, wie wir uns darüber gefreut haben, daß die amerikanischen Konservativen besonnen auf die Anti- Bush- Filme Michael Moores reagiert haben.

Und sogar die Umweltskeptiker haben besonnen auf das "Machwerk", auf "ein plumpes und pauschales Propaganda- Video" (so in der "Frankfurter Rundschau" Stephan Hebel über den Film von Wilders) von Al Gore reagiert.

Allerdings brachten diese besonnenen Reaktionen keine Schlagzeilen.



Alter Witz: "Heute habe ich meinem Hund eine Freude gemacht. Ich habe ihn erst geschlagen. Dann habe ich aufgehört. Da hat er sich gefreut".

Mit ihrer Intoleranz, mit ihren Reaktionen auf Rushdie, auf die Mohammed- Karikaturen haben es radikale Moslems fertiggebracht, daß wir uns wie der Hund im dem Witz schon freuen, wenn sie einmal nichts tun.

Zumindest nichts in Form von Demonstrationen und Aufruhr, zumindest bisher. Hinter den Kulissen allerdings scheinen Islamisten nicht untätig zu sein.

In Zettels kleinem Zimmer hat C. heute Abend um 19.53 Uhr zwei Sites verlinkt, die den Film zur Verfügung stellten. Eine davon tut es nicht mehr.

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30. Oktober 2007

Zettels Meckerecke: "Deutschland ist das islamischste Land, was ich kenne"

"Deutschland ist das islamischste Land, was ich kenne. (...) Hier kann ich meine Religion besser ausleben als in der Türkei, im Iran oder in Saudi-Arabien".

Worte eines islamischen Gemeindevorstehers, dokumentiert in "Planet Wissen"; Thema heute: "Integration - vom Neben- zum Miteinander".

Eine ausgezeichnete, zugleich gründlich und interessant gemachte Sendereihe, dieses "Planet Wissen", eine Gemeinschaftsproduktion von SWR und WDR unter Beteiligung von Bayern Alpha.

Auch diese Sendung war wieder alles andere als pc Propaganda. Der Experte im Studio, der Historiker Klaus J. Bade, beschönigte nichts; auch die beiden Moderatoren waren, wie immer, präzise und objektiv bei ihren Fragen. Die Einspieler waren informativ.



Und in einem dieser Einspieler fiel die eingangs zitierte Bemerkung.

Es ging um die Klassenfahrt einer Hauptschul- Abschlußklasse, an der teilzunehmen, wie das so üblich ist, moslemische Väter ihren Töchtern verboten hatten.

Was machten nun die Lehrerin, der Lehrer? Sie veranstalteten als erstes einen Elternabend, zu dem noch nicht mal eine Handvoll Eltern kamen.

Also ging die Lehrerin - zweite Raketenstufe - von Familie zu Familie und versuchte zu überzeugen.

Ohne Erfolg, jedenfalls soweit das berichtet wurde. Gewiß, sie versicherte, die Lehrerin, sie werde auf die Tugend der Mädchen aufpassen wie ein Zerberus. Der Lehrer werde nächtlings bei den Jungs sein und dafür sorgen, daß niemand an der Tugend der Mädchen zu rütteln versuche.

Es half nichts.

Dann zündete man die dritte Raketenstufe. Die Schulleiterin suchte den Imam und den Gemeindevorsteher auf. Sie suchte sie auf in der Hoffnung, sie würden zustimmen und damit die Eltern beeinflussen.

Da nun freilich war sie schon ein wenig naiv, die Schulleiterin.

Denn dem Imam, dem Gemeindevorsteher ging es keineswegs nur um die Tugend der Mädchen. Ihnen ging es ums Essen.

"Ein Problem, das man natürlich ansprechen muß, ist das Problem der Ernährung", sagte der Imam.

Eilfertig versicherte die Schulleiterin, daß selbstverständlich kein Schweinefleisch auf dem Speiseplan stehen werde.

Kein Schweinefleisch? Das schien dem Imam, dem Gemeindevorsteher selbstverständlich zu sein. "Aber das ist noch nicht alles", sagte der Imam. Und der Gemeindevorsteher fuhr fort: "Wir wollen nach islamischem Ritus geschächtetes Fleisch haben. Ob es nun Schweinefleisch ist oder Rindfleisch - was nicht geschächtet ist, ist in der gleichen Kategorie für uns".

Tja, da guckte die Schulleiterin doch ziemlich belämmert. Und an dieser Stelle sagte der Gemeindevorsteher - vielleicht wollte er sie ja trösten, die Schulleiterin -, daß Deutschland das islamischste Land sei, das er kenne.

Immerhin doch etwas. Auch wenn es mit der Bereitstellung geschächteten Fleischs auf Klassenfahrten leider noch zu hapern scheint.

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25. Oktober 2007

Ist der Islam eigentlich wichtig; ist es der terroristische, der totalitäre Islamismus?

Der Islam interessiert mich nicht. Ich werde nicht Arabisch lernen, um den Koran lesen zu können, um die Auseinandersetzungen zwischen den Spielarten des Islam verstehen zu konnen. Wenn ich mich einmal mit Religionen beschäftigen sollte, dann mit dem Judentum und mit dem Buddhismus - zwei Religionen philosophischen Zuschnitts.

Was mir der Islam, diese Verkündigungsreligion, überhaupt nicht zu sein scheint. Er scheint mir im wesentlichen in Vorschriften zu bestehen, die einzuhalten die Gläubigen verpflichtet sind, und ein paar schlichten Glaubenssätzen, die sie vermutlich just wegen ihrer Schlichtheit inbrünstig glauben. Die Gelehrten des Koran befassen sich, so scheint mir, hauptsächlich damit, zu entscheiden, was erlaubt und was verboten ist.

Naja, vielleicht irre ich mich da. Ich verstehe halt nichts vom Islam.

Ja, aber muß man sich denn nicht mit dem Islam befassen, weil er politisch so bedeutsam ist? Weil Moslems nach Europa einwandern, in solchen Scharen, daß manche gar eine "Islamisierung" Europas fürchten? Weil es einen kriminellen Islamismus gibt, der mit seinen Verbrechen weltweit die Völker zu terrorisieren trachtet?

Weil ein islamisches Land, Pakistan, schon die Atombombe hat und ein zweites, der Iran, dabei ist, sie zu bauen? Weil im Irak eine Schlacht zwischen demokratischem Fortschritt und der Rückständigkeit einander und den Westen bekriegender Frommer geschlagen wird?



Gewiß, das sind gegenwärtige Probleme, es sind aktuelle Krisenherde.

Aktuell freilich auch in dem Sinn, daß diese Themen erst seit ein, zwei Jahrzehnten so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Verwandten vor vielleicht fünfzehn Jahren, der einen rechtskonservativen Informationsdienst, die "Vertraulichen Mitteilungen", bezog. Dort hatte er viel von der Gefahr des Islamismus gelesen und versuchte mir das nahezubringen. Ich hielt das für abwegig; so wie wohl fast alle, die sich damals für Politik interessierten. Propaganda von rechtsaußen, so sah man das seinerzeit.

Nun, heute ist diese Präokkupation mit dem Islam längst kein "rechtes Thema" mehr. Gewiß nicht ohne Grund; sicherlich aufgrund der Ereignisse, die seither stattgefunden haben. Nicht zuletzt dadurch, daß die Bedrohung Israels, die lange Zeit von säkularen nationalistischen, oft auch sozialistischen arabischen Organisationen ausging, immer mehr zu einer Bedrohung durch islamistische Gruppen geworden ist.

Aber sind das sozusagen säkulare Ereignisse? Ereignisse, die unsere Epoche prägen? Hat sich an der Bedrohung Israels etwas fundamental geändert dadurch, daß nicht mehr die PLO und die PFLP es von der Landkarte tilgen wollen, sondern die Hamas und die Hisbollah? Wird für spätere Geschichtsschreiber einmal der Islamismus im Mittelpunkt dessen stehen, was sie über die ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts schreiben?



Ich bezweifle das. In der kleinen Serie über die Misere Arabiens habe ich argumentiert, daß der Islamismus wesentlich eine Folge der Rückständigkeit des arabischen Kulturkreises ist; und ich habe auf einen der Faktoren aufmerksam gemacht, die meines Erachtens dafür kritisch sind: Arabien wurde nicht von einer westlichen Macht kolonisiert, sondern es gehörte Jahrhunderte zum rückständigen Osmanischen Reich.

Der Erfolg vieler Staaten in den Teilen der Welt, die einmal die "Dritte Welt" hießen, beruhen auf Kultur und Bildung, vor dem Hintergrund einer eigenen alten Hochkultur (China, Japan, Indien) und/oder der Kultur, die von Kolonialherren übernommen wurde (Indien, die meisten anderen der heute erfolgreichen Schwellenländer).

Die Araber aber haben eine jahrhundertelange Geschichte als Untertanen des Osmanischen Reichs hinter sich. Es fehlt ihnen - so habe ich in der Serie argumentiert - dadurch noch die Voraussetzung dafür, den Weg Indiens, Chinas oder auch Malaysias und Indonesiens zu gehen.



Wenn das richtig ist, dann ist der Islamismus ein vorübergehendes Phänomen. Auch die Länder des arabischen Kulturkreises werden den Weg in die Moderne gehen, und auch dort werden religiöse Fanatiker, sobald die Moderne Einzug gehalten hat, wieder eine kleine, radikale Minderheit ohne politischen Einfluß sein; so, wie überall auf der Welt.

Deshalb glaube ich nicht, daß in der Sicht späterer Historiker der Islamismus eine herausgehobene Rolle in der Geschichte der ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts spielen wird.

Was sie einmal als die zentralen Charakteristika unserer Epoche sehen werden, das ist, da wir noch mitten in dieser Epoche stecken, naturgemäß schwer zu sagen. Man braucht Distanz, um ein Zeitalter charakterisieren zu können.

Es gibt da viele Möglichkeiten: Vielleicht wird es der jetzt heraufziehende amerikanisch- chinesische Konflikt sein, der unser Zeitalter so kennzeichnet, wie der Kalte Krieg die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vielleicht wird es der Zerfall Afrikas sein, vielleicht ein Wiedererstehen des Kommunismus in Lateinamerika. Vielleicht sind es auch - obwohl ich das für eher unwahrscheinlich halte - klimatische Veränderungen, die einmal als das Hauptmerkmal unseres Zeitalters gelten werden.

Vielleicht wird man aber auch unser Zeitalter, wie ich hier optimistisch vermutet habe, als dasjenige charakterisieren, in dem sich im Rahmen der Globalisierung Aufklärung, Kapitalismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit weltweit durchzusetzen begonnen haben.

Der Islam jedenfalls wird, da bin ich ziemlich sicher, im Rückblick keine große Rolle spielen. Vielleicht wird man in seinem jetzigen Boom einen letzten Nachklapp des religiösen Zeitalters sehen, das mit der Aufklärung zu Ende ging.

Und gar der terroristische Islamismus, der islamistische Totalitarismus, wie er in Afghanistan herrschte und wie er immer noch im Iran herrscht - ich denke, ihn wird man als die letzte Variante des Totalitarismus sehen, der mit dem Kommunismus, dem Nazismus und dem Faschismus die Mitte des 20. Jahrhunderts prägte.

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9. Juni 2007

Marginalie: Der Islam im multiethnischen Malaysia - Hinweis auf eine spannende Diskussion

In "Al Jazeera" habe ich heute eine sehr informative Diskussion gesehen. Da sie vermutlich wiederholt wird (und auch über YouTube anzusehen sein dürfte), möchte ich kurz auf sie hinweisen.

Der Anlaß war der Fall einer Frau, die in Malaysia vom Islam zum Christentum konvertiert war und die nun verlangte, daß die betreffende Eintragung in ihrem Paß geändert würde.

Ein formaler Akt, sollte man meinen. Aber ihr wurde diese Änderung verwehrt, und zwar mit der Begründung, daß der Islam es nicht erlaube, ihn zu verlassen. Sie ging bis zum Obersten Gericht, und das verweigerte ihr kürzlich mit 2 : 1 Stimmen die Änderung der Eintragung. Es verwies sie zugleich an das oberste islamische Gericht, das nach der Scharia urteilt.



In der Diskussion wurde der Hintergrund dieser seltsamen Rechtslage sichtbar. Es diskutierten Dr. Syed Ali Tawfik Al-Attas, Direktor eines islamischen Instituts, Dr. Farish Noor, ein Soziologie mit säkularen Überzeugungen und der Jurist Dr. Lee Heng Seng, ein Rechtsanwalt und Christ.

Aus der Diskussion ging hervor, daß es in Malaysia ein gewissermaßen geschachteltes Rechtssystem gibt: Die Verfassung ist säkular. Aber unter ihrem Dach wird den einzelnen Gemeinschaften - die nicht nur religiöse, sondern zugleich ethnische Gruppen sind - ihre eigene Rechtsprechung zugestanden; jedenfalls dem Islam, der davon eifrig Gebrauch macht.

Und aus dem Islam kann nun mal niemand heraus, der einmal Moslem ist.

Ein stupendes Argument dafür brachte der islamische Gelehrte Al-Attas vor: Moslem zu sein sei ein Vertrag mit Gott. Wer den Islam verlasse, der werde also vertragsbrüchig. Und wer vertragsbrüchig sei, der werde in jeder Rechtsordnung bestraft.



Da er aber wirklich ein Gelehrter zu sein scheint, hat er auch den Hintergrund des Verbots, den Islam zu verlassen (samt drastischer Strafen), erläutert: Es sei ergangen, als in der Frühzeit des Islam die akute Gefahr bestanden habe, daß schon zum Islam Bekehrte wieder zu Stammesreligionen zurückkehrten. Es sei zwar Bestandteil islamischen Rechts, aber nicht im Koran enthalten.

6. Juni 2007

Marginalie: Eine Soziologin türkischer Abstammung über Großmoscheen. Nebst Anmerkungen zur Kölner Stadtverwaltung

Bisher bin ich, als Liberaler, der Auffassung gewesen, daß Moslems, wie jede andere Religions- Gemeinschaft, im demokratischen Rechtsstaat ein Recht auf ihre Gotteshäuser haben müssen. Ich habe die Bedenken derer, die dagegen eintreten, daß in Deutschland Großmoscheen gebaut werden, nicht nachvollziehen können.

Ich habe meine Auffassung auch jetzt nicht geändert. Aber ich muß zugeben, daß ich nachdenklich geworden bin. Jedenfalls im Fall der geplanten Großmoschee in Köln- Ehrenfeld.

Es gibt zwei Gründe dafür, daß ich nachdenklich geworden bin.



Erstens: Eine der immerhin in dieser Sache Hauptverantwortlichen der Stadt Köln, die diesen Moscheebau will und fördert, die Sozial- und Integrations- Dezernentin Bredehorst, hat nicht nur erklärt: "Ich kenne nicht so viel vom Islam". Sondern sie bezeichnete in derselben Rede gleich auch noch den Holocaust als einen Ausrutscher.

Das war eine Rede auf einer Veranstaltung der Stadt Köln, von der ich aufgrund der mir bekannten Berichte nicht unbedingt den Eindruck habe, daß auf dieser Veranstaltung alle Seiten gleichermaßen zu Wort kommen konnten. Wenn - wovon ich überzeugt bin - dieser Augenzeugenbericht zutrifft, dann wurde von der Stadt Köln vielmehr, sagen wir, ein wenig einseitig verfahren.

Das begründet kein Vertrauen in die Kölner Stadtverwaltung, was ihr Verständnis für den Islam, was ihre Kenntnis des Holocaust, was überhaupt ihr Verständnis für Geschichte und Gesellschaft angeht.

Man hat vielmehr den Eindruck, daß da eine - vielleicht gutwillige, vielleicht aber auch auf die Wählerstimmen türkischer Einwanderer schielende - Laienspielschar am Werke ist.



Zweitens: In der FAZ beschreibt Necla Kelek, eine deutsche Soziologin türkischer Abstammung, sehr eingehend, was es mit einer solchen Großmoschee auf sich hat:
Wenn man in Ankara die größte Moschee, die Kocatepe Camii besichtigen will, steht man zunächst vor einem Einkaufszentrum. Man geht durch die Hosen- und Hemdenabteilung des Kaufhauses, bevor man den Aufgang zur Moschee findet. Die riesige Moschee ruht in ihrer ganzen Breite auf einem Geschäft. (...) Die Moschee ist in der islamischen Tradition ein sozialer und kein sakraler Ort. (...)

Moscheen erfüllten, wie der Islamwissenschaftler Peter Heine in seinem Islam-Lexikon schreibt, administrative Funktionen: "Hier fanden die Sitzungen des Stammesrates statt, und sie waren Versammlungsorte, wenn sich die Männer zu einem Kriegszug aufmachten." (...)

Moscheen sind selbst nach muslimischer Lesart keine Sakralbauten wie Kirchen oder Synagogen, sondern "Multifunktionshäuser". (...) Deshalb ist die Frage des Moscheebaus auch keine Frage der Glaubensfreiheit, sondern eine politische Frage. (...) So wie in vielen Moscheen in Deutschland der Islam praktiziert wird, erweist er sich als ein Hindernis für die Integration. Diese Moscheen sind Keimzellen einer Gegengesellschaft.

Vor allem die größeren Moscheen in Deutschland entwickeln sich zu "Medinas". (...) Dort üben schon Kinder die Abgrenzung von der deutschen Gesellschaft, dort lernen sie die Gesellschaft in Gläubige und Ungläubige zu unterscheiden, dass Frauen den Männern zu dienen haben, dass Deutsche unrein sind, weil sie Schweinefleisch essen und nicht beschnitten sind.

Diese Moscheen entwickeln sich zu Zentren, in denen wie in einer kleinen Stadt alle Bedürfnisse abgedeckt werden. (...) Freitagsmoscheen im Stadtbild sind wie die Kopftücher auf der Straße ein sichtbares politisches Statement. Es soll sagen: Wir sind hier, wird sind anders, und wir haben das Recht dazu. (...)

Die Zahl der Sekten und konkurrierender Glaubensrichtungen des Islam ist kaum zu überschauen, doch wird vorgegeben, man trete gemeinsam auf und es wird die taqiyya, die Kunst der Verstellung und des Verschweigens der wahren Haltung gegenüber „Ungläubigen“ praktiziert. Die Initiatoren der Kölner Moschee sind Vertreter der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Was die Ditib in Deutschland vorführt, ist Politik im Auftrag der türkischen Regierung (...)
Die Regierung Erdogan ist bekanntlich eine islamistische, eine türkisch- nationalistische Regierung. Wenn Frau Kelek Recht hat, dann stellt sich in der Tat die Frage ob es nicht zu kurz gesprungen ist, den Bau einer solchen Moschee nur unter dem Gesichtspunkt der Glaubensfreiheit zu sehen.

Gebetsorte, vergleichbar unseren Kirchen und den jüdischen Synagogen, stehen selbstverständlich im säkularen Rechtsstaat auch Moslems zu.

Aber der Bau eines politisch- religiösen Zentrums, das auf die Förderung einer Parallel- Gesellschaft gerichtet ist, in dem eine kleine Stadt entsteht mit Friseuren, Geschäften, Teestuben - das scheint mir weder durch das Grundgesetz begründet noch politisch vernünftig zu sein.

21. März 2007

Scharia am Main? Schauen wir uns den Fall mal genau an

"Sturm der Entrüstung über Koran- Richterin" titelt im Augenblick "Spiegel-Online". Und bietet weitere Beiträge sowie ein Forum an, alle unter der Überschrift "Justiz-Skandal": "Gewalt- Rechtfertigung mit Koran". "Deutsche Richterin rechtfertigt eheliche Gewalt mit Koran". "Koran kontra BGB - Rechtfertigung für eheliche Gewalt".

Gleich zwei Redakteurinnen und ein Redakteur haben sich der momentanen Aufmacher- Story angenommen und teilen uns mit:
Der Richterin, die mit Verweis auf den Koran Gewalt gegen eine Ehefrau rechtfertigte, wurde der Scheidungsfall entzogen. Politiker und Öffentlichkeit sind über den Fall empört. Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz fordert disziplinarische Konsequenzen.

(...) "Abenteuerlich", nannte der Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach den Frankfurter Fall, der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sprach von einer "eklatanten Fehlentscheidung einer Richterin". (...) "Es handelt sich aus meiner Sicht um eine massive Rechtsstaatswidrigkeit, die nicht einfach durch Befangenheit aus der Welt zu schaffen ist".
Hm, hm. Wenn der Abgeordnete Wiefelspütz empört ist, dann ist Vorsicht angebracht. Wir erinnern uns an den "Skandal hoch drei", den "Anschlag auf das Parlament", als in einem Abgeordnetenbüro Mikrofone gefunden worden waren, die mit Wanzen ungefähr so viel Ähnlichkeit hatten wie ein Omnibus mit einem Smart. Sie waren, wie sich bald herausstellte, harmlos - vor Jahren einmal zum Scherz eingebaut und dann vergessen worden.



"Scharia am Main - Prügeln per Gerichtsbeschluß" überschreibt die "Frankfurter Rundschau" einen Kommentar von Peter Michalzik, in dem zu lesen ist:
Dass gnadenlos exekutierter Kulturrelativismus und liebgewonnene Einfühlungsreflexe wie bei der political correctness zu absurden Ergebnissen führen und den schönen Begriff der Toleranz zu dem Ring machen, an dem wir uns wie Tanzbären durch die Manege der groteskesten Selbstverrenkungen führen lassen, bleibt nach wie vor gewöhnungsbedürftig.
Dann allerdings kriegt der Autor doch noch die Kurve zur deutschen Selbstbezichtigung:
Am Ende geht die Gefahr nicht von bombenlegenden Opernbesuchern und prügelnden Ehemännern aus, sondern von uns selbst.
Klar, am Ende sind wir immer die Schuldigen. Weil wir Tanzbären eine Ring aus dem Begriff der Toleranz schmieden und an ihm in einer Manege herumtanzen, die aus Selbstverrenkungen besteht.



Was hat sich nun wirklich zugetragen? Darüber informiert der oben verlinkte Beitrag in "Spiegel-Online". Darüber informiert der aktuelle Artikel in der "Frankfurter Rundschau". Und auch in der übrigen Presse wird der Fall mehr oder weniger vollständig beschrieben, zum Beispiel in der "Süddeutschen Zeitung".

Es geht um eine Ehe- und Scheidungsgeschichte. Eine in Deutschland lebende Frau marokkanischer Abstammung hatte einen ebenfalls aus Marokko stammenden Mann in Deutschland geheiratet.

Die Ehe verlief offenbar unglücklich. Der Mann schlug die Frau. Diese wandte sich daraufhin an die Rechtsanwältin Barbara Becker- Rojczyk, weil sie sich von dem Mann scheiden lassen wollte. Im Mai 2006 reichte sie die Scheidung ein.

Das deutsche Scheidungsrecht sieht nach Einreichung des Scheidungsbegehrens ein sogenanntes "Trennungsjahr" vor, bevor die Scheidung ausgesprochen wird. Dieses soll den Ehegatten Gelegenheit geben, das Scheidungsbegehren noch einmal zu prüfen und sich gegebenenfalls wieder zu versöhnen.

Wenn nun aber einer der Ehepartner gewalttätig gewesen ist, dann wenden die Gerichte oft das Gewaltschutzgesetz an. So geschah es auch hier: Die Frankfurter Richterin, die mit dem Fall befaßt war, verhängte gegen den gewalttätigen Ehemann ein sogenanntes Näherungsverbot: Er durfte sich nicht in der ehelichen Wohnung aufhalten, die der Frau zugesprochen war, und sich der Frau auch sonst nicht nähern. Dieses Verbot verlängerte die Richterin im Januar 2007. Soweit bisher bekannt ist, hat der Mann sich hieran auch gehalten.

Nun wollte die Frau aber darüber hinaus noch eine sogenannte vorzeitige Scheidung erreichen; also eine Scheidung vor dem Mai 2007, in dem das Trennungsjahr abgelaufen wäre. Dies ist in Härtefällen möglich.



Die Richterin hatte nun also zu entscheiden, ob ein Härtefall vorlag. Sie verneinte das, weil ja der Ehemann ohnehin keinen Zugang mehr zu seiner Frau hatte.

Sie tat aber noch ein Übriges: Sie begründete das Nichtvorliegen eines Härtefalls zusätzlich damit, daß eine Frau, die einen frommen Moslem heiratet, damit rechnen müsse, daß dieser sich gemäß dem Koran verhält:

"Für diesen Kulturkreis ist es nicht unüblich, dass der Mann gegenüber der Frau ein Züchtigungsrecht ausübt. Hiermit musste die in Deutschland geborene Antragstellerin rechnen, als sie den in Marokko aufgewachsenen Antragsgegner geheiratet hat" schrieb die Richterin.



Hat diese Richterin also etwa die Scharia angewandt, statt deutsches Recht? Nicht die Spur. Ist gar "Prügeln per Gerichtsbeschluß" sanktioniert worden? In keiner Weise. Durch das Näherungsverbot hat die Richterin ja im Gegenteil die Frau gegen den prügelnden Mann geschützt. Hat es eine "Gewalt- Rechtfertigung mit Koran" gegeben? Mitnichten.

Es ging allein um die Frage, ob ein Härtefall auch dann noch vorlag, als das Näherungsverbot ausgesprochen worden war. Bei der Entscheidung darüber hat die Richterin in ihre Überlegungen einbezogen, ob die Frau, als sie diesen Mann heiratete, damit hatte rechnen müssen, daß er sich gemäß den Vorschriften seiner Religion verhalten würde. Das hat sie bejaht.

Also kein Grund zur Aufregung. Jedenfalls kein Grund zu dem Empörungs- Theater, das jetzt abläuft. Den Vogel schießt mal wieder die unsägliche SPD- Bundestagsabgeordnete Lale Akgün ab, die laut "Spiegel-Online" gleich den Rechtsstaat bedroht sieht: "Doch in diesem Fall wird der Rechtsstaat ausgehöhlt. Mal davon abgesehen, dass Frauen- und Menschenrechte missachtet werden", zitiert "Spiegel-Online" Frau Akgün.




Um nicht mißverstanden zu werden: Nein, ich bin nicht dafür, in irgendeiner Weise in Deutschland islamisches Recht anzuwenden. Ich bin nicht dafür, Gewalttäter und Mörder milder zu bestrafen, weil sie sich gemäß "ihrem Kulturkreis" verhalten haben. Ich bin strikt dagegen.

Ich halte schon den Begriff des "Ehrenmords" für falsch. Menschen, die jemanden wegen der angeblichen "Ehre" umbringen, tun das in Wahrheit fast immer aus Egoismus - weil sie sich nicht der Mißachtung ihrer Glaubensgenossen, ihrer ethnischen Gruppe aussetzen wollen. Sie sind so zu bestrafen wie jeder Mörder aus niedrigen Beweggründen.

Ebenso kann es für Moslems, für Mormonen oder wen sonst auch immer kein Sonderrecht geben, was das Verhalten gegenüber Familienangehörigen angeht. Wer seine Tochter zwangsverheiratet, wer seine Frau schlägt, der ist in genau derselben Weise zu bestrafen; egal, wie die Sitten in seiner Heimat sind oder was seine Religion ihm erlaubt.

Da darf der demokratische Rechtsstaat meines Erachtens keinen Millimeter zurückweichen. Wer gegen deutsches Recht verstößt, der wird in Deutschland nach deutschem Recht verurteilt. Punktum.

Nur hat diese Frankfurter Richterin nach dem, was man bisher weiß, ja deutsches Recht angewandt und sonst nichts. Sie hat nur die Auffassung vertreten, daß eine Frau, die einen frommen Moslem heiratet, damit rechnen muß, daß er sich wie ein frommer Moslem verhält.

Könnte man das nicht auch als Realismus, sagen wir: sogar als kritischen, als islamkritischen Realismus verstehen?

Nachtrag: Inzwischen hat Karsten in B.L.O.G den Fall sachkundig untersucht. Er kommt zu einer ähnlichen Beurteilung wie ich, aber aufgrund einer gründlicheren juristischen Analyse. Lesenswert!