Die Nacht erstarb. Und der Tag erwachte. -
Draußen unter dem Sternenhimmel
Stand ein Droschkenpferd, ein Schimmel,
Und lachte.
Der Tag entwich und die Nacht begann.
Auf steiniger Ebene stand das Pferd.
Es hatte die Beine gen Himmel gekehrt
Und sann.
Und wieder durchzuckten die Sterne den Himmel. - -
Das rechte Auge des Pferdes tränte. --
Der Mann auf dem Kutschersitze gähnte
Und trank einen Kümmel.
- Joachim Ringelnatz, „Die Nacht erstarb“ (aus: Die Schnupftabakdose, 1912)
(Fotografie von Fritz Eschen, 1951)
Alfred Polgar, „Der Sternenhimmel”
Der gestirnte Himmel, zumal in der warmen Jahreszeit, ist ein prächtiger und erhebender Anblick. Man hat ihn selten in der Gegend, wo wir auf Sommerfrische sind, weil es hier meistens regnet. Dann spielen der Papa und die zwei Heren aus der Nachbarschaft im Zimmer Karten, wogegen sie das bei schönem Wetter auf der offenen Vernada tun. „Das Vergnügen ist doppelt so groß“, sagt der Vater, „wenn man im Freien tarockiert, über sich die ewigen Sterne.“
Kein Mensch bleibt von der Majestät des Sternenhimmels unberührt, ausgenommen die Blinden. Mein Hauslehrer kennt die Gestirne alle beim Namen, und Mathilde geht gerne mit ihm in den Garten, sich das Firmament erklären zu lassen. Oft sind sie so versunken in den himmlischen Zauber, daß man lange rufen muß, bis sie einen hören. Der Professor sagte, daß der Anblick des gestirnten Himmels dem Menschen Trost spende. Bei Zahnschmerzen, insbesondere bei Beinhautentzündung, wie ich aus Erfahrung weiß, versagt aber das Mittel. Mein Bruder, der im Krieg war, erzählt auch, daß ihn, als er mit einem Bauchschuß im feuchten Graben lag und auf die Sanitäter wartete, das Licht der über ihm funkelnden Sterne kalt gelassen hätte. Es scheint also, daß sie eine Freude nur gesunden und gut gelaunten Menschen machen. Aber denen macht ja bald etwas Freude, und der Regen lacht ihnen nicht minder als die Sonne.
























