10. Dezember 2018

Wahrheit. Häresie. Glashaus. Geisterfahrt. Eine kurze Meta-Reflexion

Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Aber wie kann man denjenigen, der seine Situation aufgrund der Größe des Gebäudes oder der Eigenschaften des Baumaterials nicht erkennt, von der Schadensneigung seiner handartilleristischen Ambitionen überzeugen? Dem unbefangenen Betrachter stellt sich das Glashaus vielleicht sogar als Echokammer dar, seinen Bewohnern häufig nicht. Wie die Bibel schon lehrt, ist es leichter, den Splitter im Auge des anderen als den Balken im eigenen Sehorgan wahrzunehmen.

9. Dezember 2018

Ist es eine Verschwörung, wenn es offen passiert? Ein Gedankensplitter.

Morgen soll dann also "endlich" der globale Migrationspakt in Marrakesch unterschrieben werden. Oder besser: Er wird von vielen Ländern unterschrieben werden, die ersten "klassischen" Länder an die man denkt, wenn es um Auswanderung geht, sind nicht dabei. Sowohl die USA als auch Australien haben sich aus dem Pakt verabschiedet. 

8. Dezember 2018

Die vertane Chance. Die gewahrte Chance. Gedanken zur Wahl des CDU-Parteivorsitzenden

Und ernüchtert seh ich den grauen Tag.
Wo ist der November geblieben?
Wo ist das Volk, das einst unten lag,
Von Sehnsucht nach oben getrieben?
Stille. Vorbei. Es war nicht viel.
Ein Spiel. Ein Spiel.
So lautet die letzte Strophe von Kurt Tucholskys wunderbarem Gedicht "Dantons Tod". Und so ließe sich wohl auch (in poetischer Sprache) das Gefühl beschreiben, das viele Konservative gestern Abend ergriff, als sie die Nachricht von Annegret Kramp-Karrenbauers Sieg bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden vernahmen. Kollege Llarian hat diese Enttäuschung in unserem Blog in umschweifslos klare Worte gefasst. Unter dem Eindruck der Ereignisse hätte ich (fast) jeden Satz in Llarians Text unterschrieben. Heute bin ich anderer Auffassung. Vielleicht war es, auch und gerade aus konservativer Sicht, ein großer Segen, dass Friedrich Merz gestern nicht zum Präsidenten seiner Partei erkoren wurde.

7. Dezember 2018

Auf wiedersehen CDU. Gute Nacht, Deutschland.

Es war eine Hoffnung. Eine kleine Hoffnung von vorneherein. Aber wie kleine Hoffnungen eben so sind, sie tun einem trotzdem weh, wenn sie im Wind der Realität zerplatzen.

Friedrich Merz war eine solche Hoffnung. Sicher kein Traumkandidat, aber doch wenigstens ein Aussenseiter auf die Möglichkeit die verheerende Politik der letzten Jahre wenigstens in den Folgen zu begrenzen. Es wäre eine Augias-Aufgabe gewesen, doch selbst wenn der Stall am Ende nicht an allen Ecken geglänzt hätte, so wäre es wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

1. Dezember 2018

Liebe SPD, ich wünsche Dir viel Spaß beim Untergehen

Die SPD hat sich das Schicksal einer Partei, die in absehbarer Zukunft an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte, redlich verdient. Denn ihre führenden Vertreter haben offensichtlich nicht verstanden, welches Geschenk das Thema Dieselfahrverbote für eine Verjüngungskur der Alten Tante recht eigentlich wäre.

Holger Steltzner fand jüngst in der FAZ die richtigen Gedanken und eigentlich noch zu wenig drastische Worte: Dieselfahrverbote sind Klassenkampf von oben, und zwar des grünen Bobo-Milieus, das sich Altbauwohnungen in den Innenstädten gönnen kann, gegen schlechter remunerierte Arbeitnehmer, die der günstigeren Mieten und Grundstückspreise wegen in der Peripherie wohnen, und denen ein schnippisches "Dann sollen sie halt mit der Bahn fahren" wie das berühmte, Marie Antoinette zugeschriebene Zitat mit dem Kuchen vorkommen muss.

28. November 2018

Seefahrende Trolle

Die Kampagne zum "Migrations-Pakt" ist kaum vorbei, da treibt der Kreml schon die nächste Sau durchs Mediendorf. Und wieder einmal kann man gut beobachten, wie das organisiert ist.

Der Anlaß ist relativ klar: Die russische Marine hat ukrainische Schiffe angegriffen, beschossen, gerammt und gekapert. Diese Sachlage ist so eindeutig und unbestritten, daß selbst Nahost-geschulte deutsche Medien den Angegriffenen keine Mitschuld zuschieben können. Maximal kann auf Pseudo-Neutralität zurückgegriffen werden wie in der ZDF-Schlagzeile: "Ukraine und Rußland - Zwischenfall verschärft Konflikt".

25. November 2018

Rupert Brooke - "The Soldier / Der Soldat"



(Abb. Wikipedia)

Rupert Brooke - "The Soldier"

If I should die, think only this of me:
   That there’s some corner of a foreign field
That is for ever England.  There shall be
   In that rich earth a richer dust concealed;
A dust whom England bore, shaped, made aware,
   Gave, once, her flowers to love, her ways to roam,
A body of England’s, breathing English air,
   Washed by the rivers, blest by suns of home.

And think, this heart, all evil shed away,
   A pulse in the eternal mind, no less
     Gives somewhere back the thoughts by England given;
Her sights and sounds; dreams happy as her day;
   And laughter, learnt of friends; and gentleness,
     In hearts at peace, under an English heaven.

*          *         *

23. November 2018

Liebe RWE, stellt doch bitte mal den Strom ab!

Wenn kleine Kinder permanent mit einer Steckdose spielen, dann bleiben Eltern in aller Regel mindestens vier Möglichkeiten:
- Sie können das Kind ignorieren (oder gar noch bestärken).
- Sie können versuchen die Steckdose mit allerlei technischen Mitteln zu sichern.
- Sie können dem Kind gut zureden und versuchen an seinen Verstand zu appellieren.
- Sie können dem Kind eins auf die Finger geben.

Während eins sicher keine Lösung darstellt (und man solchen Eltern wohl besser die Kinder wegnehmen sollte), so ist Lösung zwei nur eine Scheinlösung. Natürlich kann man eine Steckdose blind machen, einen FI einbauen oder versuchen die Steckdosen mit Möbeln zu blockieren, in der Realität ist aber keine dieser Lösungen wirklich sicher. Kinder haben Zeit und sind erfinderisch, eine Kindersicherung hält einer Gabel nicht stand, ein FI schützt nur beim Kurzschluss mit der Schutzerde und Möbel lassen sich wegschieben. Am Ende läuft es immer auf eine Entscheidung zwischen drei und vier hinaus (wenn man das Problem überhaupt hat, viele Kinder haben kein Interesse an Steckdosen). Drei klingt natürlich nach einem Königsweg, und mag auch bei den meisten Kindern funktionieren, es bleibt aber eine nicht kleine Gruppe von Kindern übrig, bei denen das nicht klappt. Und dann hat man, als verantwortungsvoller Elternteil, eigentlich nur noch die Wahl zwischen vier oder nicht vier.

19. November 2018

Die Relativismus-Religion

Es wird geklagt, die political correctness führe zu einem Universalismus, der nicht mehr der Natur des Menschen entspreche: die Vielfalt würde vernichtet, wenn die Unterschiede zwischen Mann und Frau und zwischen den Kulturen geleugnet würden, die krampfhafte Gleichstellung sei ein Aufstand gegen den gesunden Menschenverstand. Auch die Kirchen in Deutschland seien inzwischen aus Angst vor einem Bedeutungsverlust abgefallen zu politisierten geistig-moralischen Wohlfühlleistern, um ihr Mitspracherecht zu behalten. Ist das die Realität und welches Anliegen äußert sich in diesen Klagen?

18. November 2018

Thwip. Zum Tode von Stan Lee.

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Der Ruhm kam vergleichsweise spät. 1961, also vor mehr als 50 Jahren schuf Stan Lee, zusammen mit Jack Kirby, den ersten großen Marvel Comic, die fantastischen Vier. Es folgten die bekannten Figuren vom Hulk bis zu seiner wohl erfolgreichsten Figur: Spider Man. Es mögen manche die Aussage in Zweifel ziehen, aber man könnte auch sagen, Stan Lee ist der eigentliche Schöpfer des Marvel Comic Universums, wie wir es heute kennen.

30. Oktober 2018

Die große Lösung und die lästigen Formalien

Es steht schlecht um die Regierungskoalition in Berlin, die einstmals eine große war. Schon von Beginn an mochte sie keiner so wirklich, inzwischen ist sie weiten Wählerschichten geradezu verhaßt. Und nicht nur die Anhänger der in der Koalition verhakten Parteien sehnen sich nach dem Befreiungsschlag, nach der großen Lösung, die den Frust endlich beendet.

Auf SPD-Seite wird schon seit Regierungsbildung darüber geredet. Spätestens seit dem Debakel in Bayern wird in weiten Parteikreisen und dem Parteiumfeld gefordert: Sofort raus aus der GroKo, die schadet uns nur.

Auf Unions-Seite blieb der Frust länger unter der Decke und richtete sich mehr gegen die Parteiführungen als den Koalitionspartner. Aber auch hier liegen seit den Wahldesastern in Bayern und vor allem Hessen die Nerven blank. Die bisher absolut Merkel-treue Hessen-CDU hat schon am Wahlabend unisono die Schuld an der Niederlage an die Berliner GroKo abgeschoben.
Und seit nun Merkel gestern ihren Abschied angekündigt hat, gibt es auch auf Unionsseite die Hoffnung auf die große Lösung. Ein Hoffnungsträger (irgendein Friedrich Kramp-Spahn) wird neuer Parteivorsitzender, übernimmt das Kanzleramt, und dann wird die Republik wieder so wie vor Merkel.

Es ist erstaunlich, daß bei diesen Wunschvorstellungen auch erfahrene politische Aktivisten oft vergessen, daß nach dem ersten Schritt noch einige weitere kommen werden. Und die sind dann nicht so einfach und erfolgbringend. Sondern das Risiko ist groß, daß nach der großen Lösung nicht die Befreiung kommt, sondern ein noch viel größeres Desaster.

29. Oktober 2018

Merz? Ja, ist denn heut scho Weihnachten?

­Die Hessenwahl war bei Licht betrachtet vor allem eins: Ziemlich langweilig. Es stellte sich allenfalls die Frage ob die SPD noch tiefer stürzen würde, als ohnehin schon überall eingepreist war, doch am Ende kam dann wirklich ein Ergebnis raus, dass die Demoskopen im Wesentlichen so erwartet hatten (eigentlich auch einmal etwas ungewöhnliches in letzter Zeit).

21. Oktober 2018

Ein Brief an Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

im Bundestagswahlkampf 2013 haben Sie mit dem Slogan „Sie kennen mich“ geworben. Das war zwar ein ungewollter politischer Witz; denn als Persönlichkeit sind Sie für die Deutschen in all den Jahren opak geblieben. Aber ich will Sie gleichwohl beim Wort nehmen. Ja, ich kenne Sie, Frau Bundeskanzlerin. Und deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass Ihnen diese lust- und mutlose Große Koalition in Berlin, diese pausenlosen Bloßstellungen, Demütigungen und Niederlagen noch den geringsten Spaß machen.

19. Oktober 2018

Moments bloguicaux: Paradoxes zum Herdenverhalten

Der Verfasser dieser Zeilen liest zwar keine bunten Blättchen. Doch wird er auf der Website seines E-Mail-Providers und in den Online-Auftritten der Qualitätsmedien gleichwohl ausreichend mit Geschichten aus dem Human-Interest-Ressort versorgt. Zugegeben: Manchmal können auch diese Nebensächlichkeiten den Anlass für eine nicht völlig belanglose Reflexion bilden.

Immer wieder wird berichtet, dass die Gewandungsgepflogenheiten aristokratischer Stilikonen, wie insbesondere der beiden Herzoginnen Kate und Meghan aus dem Vereinigten Königreich, dazu führen, dass ein Kleid in kurzer Zeit ausverkauft ist oder ein Internet-Shop zusammenbricht.

Dem Endunterfertigten stellen sich diesbezüglich zwei Fragen: Wie erkennen die Imitationswilligen so schnell, um welches Modestück es sich bei dem von den Blaublüterinnen (besser gesagt: durch Heirat blaublütig Gewordenen) handelt? Warum wollen nicht ganz wenige Frauen das gleiche Garderobenelement ihr Eigen nennen, da es doch als mittlere gesellschaftliche Katastrophe gilt, wenn zwei Damen zu einer Veranstaltung in übereinstimmendem Fummel erscheinen?

Und, als an- und abschließende Aporie des Autors hinsichtlich dieses Themas: Warum herrscht bei Männern Uniformzwang, der sich hinsichtlich der Notwendigkeit eines Strangulationsaccessoires in jüngerer Vergangenheit gottlob mehr und mehr auflockert, während den Frauen eine beneidenswerte Diversität an Körperbedeckungsvarianten offensteht?

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

17. Oktober 2018

Was dem einen sein Denunziant ist

­Aufgrund der Landtagswahl ist ein sehr schönes Thema in den letzten Wochen liegen geblieben: Die interessante Frage wie man richtig denunziert, wer alles ein Denunziant ist und vor allem wer alles kein solcher ist.
Doch fangen wir am Anfang an: Wie öfter in den letzten Jahren legt die AfD mal wieder vor. Nachdem sie für das Bundesland Hamburg bereits ein solches geschaffen hat, möchte sie nun auch in Sachsen ein Portal auflegen, in dem Schüler Anzeige gegen ihre Lehrer erstatten können, wenn diese die gebotene politische Neutralität missachten. Simpel übersetzt: Schüler sollen, auf Wunsch anonym, ihre Lehrer "verpetzen" können, wenn diese in ihrem Unterricht auf die AfD einprügeln.

15. Oktober 2018

It’s Upper Bavaria, stupid – Zu regionalen Besonderheiten im bayerischen Wahlverhalten

Das vorläufige Endergebnis der Wahl des Bayerischen Landtages gestaltet sich wie folgt (Angaben in Prozent):

CSU 37,2
Grüne 17,5
FW 11,6
AfD 10,2
SPD 9,7
FDP 5,1

Viele kluge Köpfe haben sich in Analysen dieses Resultats geübt. Der Verfasser dieser Zeilen möchte zum besseren Verständnis des Urnenganges im Freistaat auch sein intellektuelles Scherflein beitragen und dabei auf bestimmte regionale Besonderheiten im Abstimmungsverhalten näher eingehen. Schauen wir uns also zunächst an, wie die in den Landtag einziehenden Parteien in den einzelnen Regierungsbezirken abgeschnitten haben (alle Angaben in Prozent):

13. Oktober 2018

Ein bisschen Zahlenmagie zur Bayernwahl

Am Donnerstag habe ich mich der Landtagswahl in Bayern vom politischen Setting her genähert, heute will ich das Augenmerk auf die im Endeffekt alles entscheidenden Zahlen richten. Wenn man die in den letzten eineinhalb Monaten durchgeführten Umfragen heranzieht, ergeben sich für die Parteien, die Chancen auf einen Einzug in das Freistaatsparlament haben, voraussichtlich die folgenden Schwankungsbreiten (in Prozent ausgedrückt):

CSU 33–36
Grüne 16–19
AfD 10–14
SPD 10–13
FW 7–11
FDP 5–6
Linke 4–5

11. Oktober 2018

Weiß-blaues Wahlorama

Am Sonntag wählen wir Bayern unseren neuen Landtag. Wenn man trotz aller von Trump, Brinkhaus und dem Brexit eingeflößten Skepsis gegenüber Umfragen und Prognosen auf das vorliegende Sondierungsmaterial Bedacht nimmt, so könnte der 14. Oktober ein weiterer Meilenstein in der Erosion der Volksparteien werden. Die CSU pendelt in den Erhebungen zwischen 33 und 35 Prozent, die SPD ist in der von INSA zwischen dem 2. und 8. Oktober durchgeführten Befragung sogar auf gerade noch nicht einstellige 10 Prozent gefallen.

8. Oktober 2018

Und ewig grüßt die Apokalypse

­Vor knapp drei Jahren, im Dezember 2015, war es eine zukünftige Erderwärmung von zwei Grad Celsius, die deutlich unterschritten werden musste, um einen Übergang in eine "Heisszeit" - was immer das bedeutet - sicher zu verhindern.

Heute veröffentlichte das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in einem Sonderbericht die Kunde, dass eine Begrenzung der zukünftigen Erderwärmung auf lediglich 1,5 Grad Celsius immer noch möglich ist. Zumindest dann, wenn man zu "beispiellosen Veränderungen" in unserer Gesellschaft bereit ist. Wer es ein bisschen weniger sachlich möchte als in der "Süddeutschen", kann das Ganze auch im Qualitätsmedium "Die Zeit", unter der Rubrik "Wissen", nachlesen: Es weht ein Hauch biblischer Apokalypse durch die Neuzeit, die sich der sündige Mensch - mal wieder - selbst einbrockt. So weit also nichts Neues, außer vielleicht, dass es heuer die ehemals progressiven, linken Kräfte der jungen Bundesrepublik sind, welche den christlichen "Schuld und Sühne" Gedanken für sich entdeckt haben und nicht die ewig gestrigen, verstaubten und naiv bibeltreuen.

Fragen zu allen Dingen überhaupt: Ist es Kunst, kann es weg, und wenn es weg ist, ist es dann noch Kunst?

"Going, going, gone". 
(Banksy)

Die Briten haben den Deutschen nicht nur Errungenschaften wie eine eigene Währung, eine Königin und den Linksverkehr voraus, sondern auch - und das gehört in Deutschland zum Pflichtwissen gebildeter Kreise: Humor. Dieser wird auch gerne geschätzt, solange er im Bereich von toten Papageien oder einschlafenden Kirchenbesuchern verweilt. Was die Deutschen dagegen nie verstanden haben, ist der sogenannte practical joke oder kurz prank. Deshalb haben wir es nie zu einer Tradition gebracht - man denke nur an Verstehen Sie Spaß, wo ein zum Verzweifeln fader Schweizer  völlig einfallslos irgendwelche Prominenten "reinlegte", das galt dann als Samstag-Abend-Unterhaltung. Die wenigen gelungenen Ausnahmen - Bernd Fritz' großartiges Buntstiftschlecken bei Gottschalk oder kürzlich Joko und Klaas' Ryan-Gosling-Fake bei der Goldenen Kamera - wurden eher missbilligt

Einen außergewöhnlichen prank hat der britische Künstler Banksy jetzt im Vatikan des Kunstmarkts, bei Sotheby's in London abgezogen. Er hatte im Rahmen eines seiner Werke einen Schredder verbaut, der just in dem Moment, als der Hammer bei einem Gebot von 860.000 GBP fiel, das Bild in kleine Streifen zerschnitten hat.   

7. Oktober 2018

Warum Kavanaughs Ernennung eine gute Nachricht ist

Brett Kavanaugh wird Richter am Supreme Court of the United States. Das ist eine gute Nachricht. Und zwar nicht nur dann, wenn man für den 53-Jährigen oder seinen Förderer Donald Trump Sympathien hegt (die dem Verfasser dieser Zeilen ebenso fremd sind wie einschlägige Antipathien), sondern auch, wenn man bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen der letzten Jahre und Dekaden bedenklich findet.

Über Kavanaughs Qualität als Jurist kann der Endunterfertigte nicht urteilen, fehlen ihm dazu doch sowohl Einblicke in die bisherige Arbeit des Mannes aus Washington als auch Kenntnisse des amerikanischen Rechtssystems, die für eine halbwegs seriöse Bewertung ausreichen würden. Um Kavanaughs Fähigkeiten als Rechtsprechungsorgan ging es in der Debatte über seine Eignung als Höchstrichter auch gar nicht. Vielmehr wurde ihm zur Last gelegt, in jungen Jahren einen moralisch verwerflichen Lebenswandel geführt zu haben, der in der versuchten Vergewaltigung eines damals 15-jährigen Mädchens gegipfelt haben soll.

3. Oktober 2018

Marginalie: Verständnis für Alan Posener? Einfach nur peinlich

­Zugegeben: Sich an Alan Posener abzuarbeiten ist nicht viel ehrenvoller als an Jakob Augstein: Beide leben in einer linken Parallelwelt, die mit der Realität in Deutschland nur am Rande zu tun hat. Dennoch lohnt es sich das neueste Elaborat aus Poseners Feder, dass er heute auf online Seite der Welt veröffentlicht hat, einmal kurz durchzulesen, erlaubt es doch einen recht klaren Blick auf das linke Denken dieser Tage.

29. September 2018

Was wird da aufgedeckt in der Kirche?

Die Kräfte der Stille und der Mitte drohen Europa zu verlassen.
Gehen sie wirklich fort, dann muss das Abendland verdorren. (1933)

Romano Guardini, † 1. 10. vor 50 Jahren



Wie seltsam die alten Worte Stille und Mitte. Wir hören heute andere: Verstrickung, Vertuschung, Missbrauchstudie, Machtstrukturen, Risikofaktor, Frühwarnsysteme. Die Psychologen sind nicht erstaunt, dass die Anzahl der „Betroffenen“ in Deutschland genauso groß ist wie die in Irland, USA und Australien. Der Mensch ist überall derselbe. Aber von Christen und Amtsträgern erwartet man Vorbildlicheres.

25. September 2018

Ein Brief an Horst Seehofer

Lieber Horst Seehofer,

ich hoffe, Sie nehmen mir die vertrauliche Anrede nicht übel. Wir kennen uns ja nicht. Das heißt: Sie wissen nichts von mir (und das ist auch gut so) und ich lese, sehe und höre von Ihnen immer nur in den Medien. Was dort über Sie berichtet wird, ist jedenfalls seit drei Jahren meist nicht besonders wohlwollend. Von links wird Ihnen vorgeworfen, die Arbeit der Bundesregierung zu sabotieren; von rechts werden Sie des Maulheldentums geziehen. Wenn ich ehrlich sein darf: Beide Anschuldigungen sind, nachdem man sie ihrer polemischen Glasur entkleidet hat, nicht ganz unberechtigt. Und Sie haben mir oft genug Rätsel aufgegeben und mich zu verwundertem Kopfschütteln veranlasst.

Doch inzwischen glaube ich zu verstehen, was der Zweck Ihres Handelns ist. Als einer der letzten verbliebenen politischen Haudegen dieser Republik ist Ihnen natürlich klar, dass die CDU ein Kanzlerwahlverein ist, der ziemlich viele ideologische Kröten schluckt, wenn er sich mit der aktuellen Nummer Eins immer noch mehr Chancen ausrechnet als mit den designierten oder auch nur gemutmaßten Thronprätendenten. Und deshalb ist Ihr vordringliches Ziel, Merkel so weit zu schwächen, dass auch die Schwesterpartei einen Wechsel in der Führungsebene für geboten erachtet.

24. September 2018

Mooßn, du bleibst nee hiea!

"Es gab nur eine Hetzjagd", so tönt es allerorten in der konservativ-patriotisch-nationalen (Auf sich selbst nicht zutreffen wollendes bitte streichen) Filterbubble. Natürlich nicht vom "Hasen" gegen den "Kanacken", sondern von der Volksvernichterin Merkel im Verbund mit der Lügenpresse gegen Hans-Georg Maaßen. Ich spare mir einzelne Zitate und setze den Spin als bekannt voraus.

Der geschätzte Kollege Techniknörgler hat an dieser Stelle geschrieben, dass Merkel "inhaltlich" gewonnen habe, weil die Mehrheit der Bevölkerung Maaßen für untragbar hält. Nun war es Merkel ja offenkundig egal, ob Maaßen im Amt bleibt, und wenn ja, in welchem - Merkel handelt primär danach, was sie im Amt hält, und da wäre ein Rücktritt Seehofers gefährlicher geworden. Wenn nicht die SPD seinen Kopf gefordert hätte, würde er noch heute als Verfassungsschutzpräsident herumdilettieren - zumindest für ein paar Wochen. Und nach dieser kurzen Einleitung komme ich zum eigentlichen Thema. Auch wenn die jetzige Begründung an den Haaren herbeigezogen ist und mehr über die Entscheidenden aussagt als über den, über dessen Amt entschieden wurde - Maaßen war aus meiner Sicht tatsächlich entlassungsreif. Aber nicht wegen diesem unsäglichen Hype um das Zeckenbissvideo, sondern wegen seines Verhaltens rund um den Anschlag am Breitscheidplatz.