23. Juni 2017

Zitat des Tages: Kleiderordnung in der Schule

"Die Schule ist kein Schwimmbad, kein Laufsteg und auch keine Disco. Zu locker gekleidete Mädchen haben eine ablenkende Wirkung auf Jungs."

So der nur noch wenige Tage amtierende Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, im Interview mit WELT-Online in Bezug auf schulische Kleiderordnungen.

Kommentar: Josef Kraus scheint ein Mann dezidierter und - gemessen am Klischee des linken Lehrers - eher konservativer Meinungen zu sein. Darauf lässt jedenfalls die Timeline der Pressemitteilungen auf der DL-Homepage schließen.

19. Juni 2017

"Morgen in der Stadt" (1709), 討厭的早晨 (1944)



Jonathan Swift - "A Description of the Morning" (1709)

Now hardly here and there a hackney coach
Appearing, showed the ruddy morn's approach.
Now Betty from her master's bed had flown,
And softly stole to discompose her own.
The slipshod 'prentice from his master's door,
Had pared the street, and sprinkled round the floor.
Now Moll had whirled her mop with dext'rous airs,
Prepared to scrub the entry and the stairs.
The youth with broomy stumps began to trace
The kennel edge, where wheels had worn the place.
The smallcoal-man was heard with cadence deep,
Till drowned in shriller notes of chimney-sweep.
Duns at his lordship's gate began to meet;
And Brickdust Moll had screamed through half a street;
The turnkey now his flock returning sees,
Duly let out at nights to steal for fees.
The watchful bailiffs take their silent stands;
And schoolboys lag with satchels in their hands.


18. Juni 2017

Wider den Zwang zur Distanzierung. Was ich vor 25 Jahren nicht getan habe

Erinnern Sie sich noch an die Lichterketten, die im Winter 1992 in vielen deutschen Städten als Reaktion auf den Brandanschlag von Mölln stattfanden? Ich muss gestehen, dass ich an keiner solchen Veranstaltung teilgenommen habe.

Die Einstellung, die auf diesen Versammlungen vertreten wurde, nämlich dass man Verbrechen gegen Leib und Leben verurteilte, entsprach (und entspricht) freilich meiner Überzeugung. Ich hätte kein Problem damit gehabt, zu dieser Haltung zu stehen.

17. Juni 2017

Marginalie: Das Unterschichtenfernsehen? Nein, das Triebabfuhrfernsehen

Wenn eine Journalistin die von ihr rezensierte Fernsehsendung mit Attributen wie „Blase der Blödheit“ und „komplett sinnleere[n] Dauerschleife“ versieht; wenn sie die in dem Format auftretenden Kandidaten als „Dumpfgockel“, „Trottel“ und „Brunftwachteln“ apostrophiert; wenn sie für die weiteren Folgen der Show „zumindest einige Prolligkeiten aus dem Bückwarenbereich“ erwartet; dann könnte man als naiver Leser vermuten, dass es sich bei dem Artikel um einen drastisch formulierten, ja grenzwertigen Verriss handelt.

In Wirklichkeit ist Anja Rützel, Verfasserin eines auf Spiegel-Online erschienen, die vorstehenden Zitate enthaltenden Textes über die RTL-Produktion „Die Bachelorette“, laut Autorenporträt auf der Homepage der Fischer-Verlage „bekennender Trash-TV-Fan“. Ihrer Polemik ist zu entnehmen, dass sie mit den Zumutungen für ihr ästhetisches Empfinden gerechnet hat. Wie kann man als Freundin des sogenannten Unterschichtenfernsehens nur so despektierlich über einen Exponenten dieses Flimmerkistensegments schreiben, zumal ohnehin alles so gekommen ist, wie man es vorhergesehen hat?

16. Juni 2017

Helmut Kohl ist tot


Er war der erste Bundeskanzler, dessen Amtszeit der Verfasser dieser Zeilen voll und ganz miterlebt hat. Und er war der letzte Vertreter der rheinischen CDU, also einer katholisch-konservativen, aber gerade nicht nationalistischen, sondern der Westbindung und der europäischen Integration verschriebenen Partei.

Bug oder Feature?

Deutschland tut sich schwer mit dem "Neuland" Internet.
Einerseits versuchen geistig im Gestern und Vorgestern verhaftete Politiker die praktische Nutzung einzuschränken.
Andererseits soll die verbleibende Nutzung möglichst schnell laufen. Und wenn das irgendwo nicht klappt, setzt die große Diskussion ein: Staatsversagen oder Marktversagen?

Aber wie so oft lautet die Antwort: Das Versagen sitzt vor der Tastatur. Sowohl bei manchen Internet-Nutzern wie bei "Journalisten", die darüber berichten.
Denn das behauptete "Problem" ist keines, das gehört so.

Eine kleine Filmrezension für einen nicht hilfreichen Film

Die letzten Wochen rauschte es so ein kleines bischen im feuilletonistischen Blätterwald: Der Sender Arte weigerte sich eine bestellte Dokumentation über Antisemitismus in Europa mit dem Titel "Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa" zu senden. Begründet wurde dieser Schritt von Seiten Arte damit, dass die Autoren "das Thema verfehlt" hätten und am Ende eine ganz andere Reportage gemacht hätten, als man bestellt habe.
Da so etwas in Deutschland aus naheliegenden Gründen immer ein Politikum darstellt, lies es sich der Zentralrat der Juden in Deutschland nicht nehmen, den Sender nachdrücklich aufzufordern die Reportage doch bitte zu senden und nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Die Bild Zeitung, in ihren sinkenden Auflagen durchaus an etwas Aufmerksamkeit stark interessiert, heizte die Diskussion in den vergangenen Tagen dann weiter an, pfiff auf das Urheberrecht und setzte den Film in einer eher etwas ungewöhnlichen Aktion für 24 Stunden ins Netz.

15. Juni 2017

Der mediale Mythos des Raser-Problems – Teil 1

Die Temperaturen mögen zwar dazu passen, aber vermutlich wird in diesem Wahljahr das traditionelle Sommerloch nicht aufklaffen. Gleichwohl holen die Grünen einen alten Hut der medialen Saure-Gurken-Zeit aus der Requisite: Härtere Strafen für Raser werden gefordert. Der Straßenverkehrsgemeingefährdungsparagraph § 315c StGB soll nach Ansicht der Partei der Gutdünkenden dahin abgeändert werden, dass grob verkehrswidriges und rücksichtloses Zu-Schnell-Fahren, wodurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet werden, nicht nur dann strafbar ist, wenn es an unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen erfolgt (§ 315c Abs. 1 Nr. 2 lit. d StGB).

13. Juni 2017

Marginalie: Die SED will Steuern

Wenn sich ein Neoliberaler mit dem Steuerkonzept von Sozialisten auseinandersetzt, dann steht die Bewertung wohl schon vergleichsweise fest. Dennoch erscheint mir das, was die SED derzeit in ihr Parteiprogramm schreibt, derart wahnwitzig, dass es noch dem letzten auffallen müsste, dass das, was die SED da plant schlicht das Ende der BRD ist, wie wir sie kennen.

12. Juni 2017

Die Quadratur der Rente. Von und mit Martin Schulz

Martin Schulz, ersatzweise einem seiner Berater, ist die alter Weisheit aufgegangen, dass in einem Land mit einer überalterten Bevölkerung, das Thema Rente ein wunderbares ist, um auf Stimmenfang zu gehen. Nachdem man mit innerer Sicherheit bei den Landtagswahlen, vor allem in NRW, krachend gescheitert ist, der Schulz-Zug auf dem Abstellgleis irgendwo zwischen Düsseldorf und Berlin hängen geblieben ist und so allmählich die Apparatschik Mentalität, die Schulz in Brüssel an den Tag gelegt hat, durchsickert, wird es langsam eng für "den Kandidaten".

10. Juni 2017

徐志摩 - 在黑夜里奔 | Xu Zhimo, "Nachtzug" (1931)



徐志摩 - 在黑夜里奔


车擒火住轨,在黑夜里奔:
过山,过水,过陈死人的坟:

过桥,听钢骨牛喘似的叫,
过荒野,过门户破烂的庙;

过池塘,群蛙在黑水里打鼓,
过噤口的村庄,不见一粒火;

过冰清的小站,上下没有客,
月台袒露着肚子,像是罪恶。

这时车的呻吟惊醒了天上
三两个星,躲在云缝里张望;

那是干什么的,他们在疑问,
大凉夜不歇着,直闹又是哼,

长虫似的一条,呼吸是火焰,
一死儿往暗里闯,不顾危险,

就凭那精窄的两道,算是轨,
驮着这份重,梦一般的累坠。

累坠!那些奇异的善良的人,
放平了心安睡,把他们不论

俊的村的命全盘交给了它,
不论爬的是高山还是低洼,

不问深林里有怪鸟在诅咒,
天象的辉煌全对着毁灭走;

只图眼着过得,裂大嘴打呼,
明儿车一到,抢了皮包走路!

这态度也不错!愁没有个底;
你我在天空,那天也不休息,

睁大了眼,什么事都看分明,
但自己又何尝能支使运命?

说什么光明,智慧永恒的美,
彼此同是在一条线上受罪,

就差你我的寿数比他们强,
这玩艺反正是一片湖涂账。

8. Juni 2017

Meckerecke: Ex und cum. Ein Tiefpunkt des deutschen Gesinnungsjournalismus

Woran denken Sie, liebe Leser, wenn Sie das Wort "Steuerraub" lesen? An ein Diktum des Doctor Angelicus? Weit gefehlt. Der deutsche Gesinnungsjournalist bezeichnet mit dieser Vokabel das Ausnutzen von fiskalrechtlichen Regelungslücken, die vor ihrer Schließung jedenfalls in ihrer Cum-Cum-Variante von einem Sprecher des Bundesfinanzministeriums als "illegitim", aber nicht illegal bezeichnet wurden.

7. Juni 2017

Hat der einfache Gesetzgeber ein Steuererfindungsrecht? Zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts

Gemäß dem Beschluss des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 13. April 2017 zu 2 BvL 6/13 ist das Kernbrennstoffsteuergesetz mit Artikel 105 Absatz 2 in Verbindung mit Artikel 106 Absatz 1 Nummer 2 des Grundgesetzes unvereinbar und nichtig (hier der Entscheidungsvolltext; hier die Pressemitteilung).

Diese Entscheidung ist, wenn man rein ihren Tenor betrachtet, wenig aufsehenerregend, da das für nichtig erklärte Gesetz Betreiber von Atomkraftwerken, also eine überschaubare Zahl von Normadressaten, betraf. Für den Rest der Menschheit ist jedoch die Begründung von Interesse, mit welcher das Bundesverfassungsgericht seine Ansicht unterfüttert.

Denn die zentrale Frage, mit der sich die Karlsruher Richter auseinanderzusetzen hatte, lautete: In welchem Umfang hat der einfache Gesetzgeber ein Steuererfindungsrecht, also die Befugnis, neue Steuerarten einzuführen?

Ist die Bewilligung von Horst Mahlers Auslieferung eine Meldung wert?


Wenn der Chefredakteur des „Hintertupfinger Kuriers“ die Schlagzeile „Heute kein Verkehrsunfall auf der Dorfstraße“ in seine Zeitung setzt, dann liegen zwei Interpretationen nahe: Entweder handelt es sich um einen sehr schlechten Journalisten, der einer Selbstverständlichkeit Nachrichtenwert beimisst. Dies wäre der Fall, wenn es auch in den vergangenen Wochen keinen Verkehrsunfall auf der Dorfstraße gegeben hätte. Bekanntermaßen ist „Hund beißt Mann“ keine Meldung, „Mann beißt Hund“ dagegen schon. Oder es verhält sich so, dass Unfälle auf der Dorfstraße die Regel und nicht die Ausnahme sind. Dann ist ein reibungsloser Verkehrsfluss auf der Hauptgasse des kleinen Ortes sehr wohl erwähnenswert.

"Trumpen rabunken! Covfefe schtonk!"

Nun ist es also passiert. Am vergangenen Donnerstag hat der amerikanische Präsident das gemacht, was nach dem augenscheinlich einhelligen Urteil unseres polit-medialen Komplexes den Tatbestand eines Kapitalverbrechens erfüllt: Er hat ein Wahlversprechen eingelöst. Die Ankündigung, sich aus dem Pariser Klimaabkommen, dem Accord de Paris, beschlossen im Dezember 2015 auf der jährlichen Weltklimakonferenz und im November 2016 in Kraft getreten, zurückzuziehen, hat denn auch übergreifend durch die hiesigen Lager ein Beben auf der nach oben offenen Betroffenheits- und Empörungsskala ausgelöst. Wie zum Beweis, daß man wieder einmal keine Parteien, sondern nur noch Deutsche - Entschuldigung: Schonlängerhierseiende (SLHSs) - kennt, oblag es der Führung der nominellexistenten Opposition im Bundestag in Gestalt von Frau Katja Kipping, das Offenkundige auszusprechen: 
"dieser Austritt aus dem Klimaschutz ist eine Kriegserklärung" 
- freilich nicht nur an die Deutschen oder den Alten Kontinent, sondern gleich "an den Planeten" - aber da Mutter Gaia über wenige schlagfertige Divisionen verfügt, wird es wohl wieder einmal an den Deu...den Längerhieranwesenden hängenbleiben, den Fehdehandschuh aufzunehmen.

5. Juni 2017

齊豫 - 菊嘆 (1983)

Die Wochenenden immer den Künsten!



齊豫 - 菊嘆

所有的等待 只為金線菊
微笑著在寒夜裡 徐徐綻放
像林中的落葉 輕輕飄下
那種招呼 美如水聲
又微帶些風的怨嗔
讓人從蕨類咬住的小徑
驚見澄黃的月光
還有 傍晚樵夫遺下的柴枝
冷冷鬱結著的 褪了色的幽淒

所有的等待 只為金線菊
微笑著在寒夜裡 徐徐綻放
像林中的落葉 輕輕飄下
那種招呼 美如水聲
又微帶些風的怨嗔
讓人從蕨類咬住的小徑
驚見澄黃的月光
還有 傍晚樵夫遺下的柴枝
冷冷鬱結著的 褪了色的幽淒

走過總是垂髮低頭
故意是裝不來的 林外的溪水
緊緊攀著草葉的幾滴淚
此刻 在風中瓦解了
妳問我浮萍的邏輯
啊 ..... 那就是吧
露珠向大地 沉墜的輕喟
而菊 尤其金線菊 是耐於等待的
寒冬過了就是春天 

我用一生來等妳的展顏
我用一生來等妳的展顏
我用一生來等妳的展顏


3. Juni 2017

So, jetzt habt ihrs geschafft. Eine Anmerkung zum Kirchentag.

Als bürgerliches Mitglied der evangelischen Kirche muss man schon eine ganze Weile entweder ziemlich stark oder ziemlich blöde sein. Ersatzweise hilft auch ein bischen was von beidem. Aber so richtig ist es kein Geheimnis, dass sich die evangelische Kirche Deutschlands in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Außenstelle der Grünen verwandelt hat. Das die heutige Vorsitzende(!) der Grünen, Katrin Göring-Eckhardt, vorher Chef (Präses) der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland gewesen ist, ist dabei nur der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl. Auch andere Vorturner, wie die berühmte (oder eher berüchtigte) Margot Käßmann, machen nicht gerade einen Hehl aus ihren politischen Ansichten, als auch aus ihrem Anspruch diese Ansichten laut und deutlich in die Welt zu tragen.

2. Juni 2017

Zeitmarke. "It was twenty years ago today...."

­

"...Sergeant Pepper taught a band to play.
They've been going in and out of style,
But they're guaranteed to raise a smile.
So let me introduce to you
the one and only Billy Shears
and Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band!"


Als Paul McCartneys Stimme, heute vor 50 Jahren zum ersten Mal auf Abertausenden von Plattenspielern abgespielt, den Reigen im Songzyklus des zwölften Albums der Beatles eröffnete , um dann nach der absteigenden Bläserkaskade in G-Dur von Ringos Ringen um die rechte Tonart abgelöst zu werden, bildete das einen seltenen, nein: nie wieder seitdem erreichten Kulminations- und Umschlagpunkt auf gleich drei zeitgeistigen Ebenen. 


1. Juni 2017

Fußnoten zum Begriff der Leitkultur

In unregelmäßigen Abständen führt das Bundesbauerntheater einen Schwank in zwei Akten namens „Leitkulturdebatte“ auf. Dramatis personae sind nach guter altaltgriechischer Art neben einem einzigen Schauspieler nur die Mitglieder des Chores. Im ersten Aufzug tritt der stets schwarz gekleidete Protagonist auf die Bühne und deklamiert in hartem Stakkato seine Forderung nach einer (an dieser Stelle gestattet das Stück improvisatorische Freiheit) deutschen, europäischen, abendländischen, christlichen oder christlich-jüdischen Leitkultur. Den zweiten Akt füllt das näselnde Lamento des Chores aus linken Parteien, Multikulti-Lobbyisten und Medienvertretern, die den rechten, ja faschistischen Charakter des Monologes des düster gewandeten Hauptdarstellers rügen und dem Publikum mit der Subtilität eines Knallchargen versichern, das Grundgesetz reiche zur Lösung der Integrationsfrage völlig aus.

31. Mai 2017

Marginalie: Und jetzt wundern sie sich

­Ist es lustig? Oder ist des seltsam? Da haben nicht wenige Politiker, die deutschen vorneweg, seit Monaten wenig anderes zu tun, als Donald Trump zum Leibhaftigen zu erklären, und jetzt wundern sich genau die selben, dass der Leibhaftige ihnen den Stinkefinger zeigt.

Aktuelle "Fake News" kurz kommentiert

­Wie heute durch zahlreiche Presseportale vermeldet wurde, wies der UN Gernalsekretär Atonio Guterres, im Rahmen einer Rede darauf hin, "dass der Klimawandel wissenschaftlich bewiesen ist und eine allgegenwärtige Bedrohung darstellt." Viele Presseportale, wie zum Beispiel Die Zeit online, verbreiteten diese Nachricht.

Dazu ist meines Ermessens folgendes zu sagen:

1) Es kann per definitionem keinen wissenschaftlichen Beweis eines naturwissenschaftlichen Sachverhaltes geben. Entweder hat also Atonio Guterres wissenschaftliche Prinzipien nicht verstanden oder er sagt bewußt etwas Falsches.

2) Der Wandel des Klimas ist erdgeschichtliche Normalität, deren Wahrnehmung auch ohne Beweis auskommt. Mir ist kein ernstzunehmender Wissenschaftler bekannt, der diese Wahrnehmung anzweifeln würde.

3) Die Aussage der Klimawandel stelle eine allgegenwärtige Bedrohung dar direkt neben die Behauptung er sei bewiesen zu platzieren, versucht dieser willkürlichen Behauptung ebenfalls wissenschaftliche Seriosität zu verleihen.

30. Mai 2017

Brauner Wind im Wasserglas

Das diesjährige Basistreffen der Grünen findet im Lutherjahr statt. Und wer sich mit dem großen Reformator näher beschäftigt hat weiß, daß er deftige und kontroverse Wortmeldungen bevorzugte.

Entsprechend schlägt auch die offizielle Lutherbotschafterin der EKD zu:
Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern. Da weiß man, woher der braune Wind weht.

Und prompt kommt die Reaktion, in allen Internetforen rechts oder sehr weit rechts der Mitte wird das Zitat herumgereicht und wortreich Klage geführt, daß Kässmann alle "Biodeutschen" als Nazis verunglimpfen würde. Und Kolumnisten wie Broder schließen sich der Empörung an.

Aber: Stimmt das Zitat überhaupt?

29. Mai 2017

徐志摩 - 再别康橋 - Xu Zhimo, "Erneuter Abschied von Cambridge" (1928)



In Cambridge, direkt hinter der Brücke, über die der Weg vom King's College über die Cam führt, die den Campus der Universität teilt, findet sich seit dem Juli 2008 ein Gedenkstein, auf dem die letzten vier Zeilen eines Gedichts in hanzi, also in chinesischen Schriftzeichen, eingraviert sind. Es handelt sich um eines der bekanntesten Gedichte der modernen chinesischen Lyrik, und um eins der beiden bekanntesten seines Verfassers, Xu Zhimo (1897-1931). Das Gedicht ist seit vielen Jahrzehnten verpflichtende Schullektüre auf chinesischen weiterführenden Schulen in jenem Abschnitt, der bei uns der gymnasialen Mittelstufe entspricht, und man kann ruhigen Gewissens sagen, daß jeder dieser Schüler ein oder zwei Zeilen darauf im Gedächtnis bewahrt. Vollständig lautet das in reimenden Vierzeilern gehaltene Gedicht so:

再别康橋

輕輕的我走了,
正如我輕輕的來;
我輕輕的招手,
作別西天的雲彩。

那河畔的金柳,
是夕陽中的新娘;
波光裡的艷影,
在我的心頭蕩漾。

軟泥上的青荇,
油油地在水底招搖;
在康河的柔波裡,
我甘心做一條水草!

那榆蔭下的一潭,
不是清泉,是天上虹;
揉碎在浮藻間,
沉澱著彩虹似的夢。

尋夢?撐一支長篙,
向青草更青處漫溯;
滿載一船星輝,
在星輝斑斕裡放歌。

但我不能放歌,
悄悄是別離的笙簫;
夏蟲也為我沉默,
沉默是今晚的康橋!

悄悄的我走了,
正如我悄悄的來;
我揮一揮衣袖,
不帶走一片雲彩。

22. Mai 2017

Kleine Meldungen. Heute: Aus dem Willy-Brandt-Haus

Zu den Obliegenheiten, die mit dem Bürgerstatus einher gehen, zählen bekanntlich nicht nur -Rechte, sondern auch -Pflichten, deren oberste seit 211 Jahren bekanntlich die "Ruhe" darstellt. Als "Bürgerjournalist" (vulgo Blogger) erwächst dazu die Pflicht zur Information des geneigten wie aufrechten Publikums, falls sich die Möglichkeit bietet, der Aufklärungsarbeit gerade auch unserer öffentlich-rechtlichen Anstalten die eine oder andere hilfreiche Facette beizufügen. Da der Chronist nicht nur über ein scharfes inneres Auge verfügt, als Kompensation für eine nachgerade fledermausartige Blindnis in der stets überbewerteten Wirklichkeit verfügt, sondern auch über einen nachweisbaren Anflug von 7. Sinn - er hat, es kann auf Anfrage belegt werden, am 1. Mai exakt um 15 Uhr 45 in einem Facebook-Chat den Wahlerfolg der AfD bei den noch im Nebel des Futurs verborgenen Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen auf 7.4 Prozent taxiert - sieht er sich in der glücklichen Lage, zu einer Kleinen Meldung vom heutigen Tage Erhellendes beizusteuern.

Die folgende Meldung rauscht heute, kurz vor der Mittagszeit, kurz verstörend die hautstädtischen Medienoutlets. Unter der Headline "BOMBEN-ALARM UND WIRBEL UM PARTEIPROGRAMM: Riesen-Aufregung in der SPD-Zentrale" meldete etwa das Online-Portal der Zeitung mit den vier Großen Buchstaben:

Riesen-Aufregung in der SPD-Zentrale
SPD-Zentrale zeitweise geräumt - Quelle: Reuters
Inmitten der Beratungen des SPD-Parteivorstandes über das Regierungsprogramm für die Bundestagswahl ist am Montag die Parteizentrale in Berlin evakuiert worden. Um 9.45 Uhr wurde ein verdächtiger Gegenstand in der Poststelle des Willy-Brandt-Hauses gefunden. 
Die Mitglieder des Parteivorstandes und die Mitarbeiter versammelten sich für knapp zwei Stunden außerhalb des Gebäudes auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Parteivorstand sollte ab 10 Uhr eigentlich abschließend über den Entwurf des Regierungsprogramms beraten, über den ein Parteitag am 25. Juni entscheidet.

Weiter hieß es gegen Mittag in der über die Stunden leicht den wechselnden Gegebenheiten angepaßten Meldung:
Die Polizei sperrte das Gebäude ab, aus dem Warnsirenen zu hören waren. 
Hier dürfte womöglich vom Zeitungsschreiber eine voreilige Verbindung insinuiert worden sein. Nach den letzten drei Landtagswahlergebnissen sollte dies für diese Partei der Normalzustand sein.

Beim folgenden Satz:
Daher standen auch Spitzengenossen wie Fraktionschef Thomas Oppermann, Generalsekretärin Katarina Barley oder Arbeitsministerin Andrea Nahles auf dem Bürgersteig.
beschlich den Chronisten das sichere Gefühl, einen Blick in die Zukunft nach dem 24. September erhascht zu haben. Ab etwa 15:00 heute Nachmittag wurde die BILD-Meldung um diese Auskunft ergänzt:

Nach BILD-Informationen soll es sich bei dem Gegenstand um einen Holzkasten handeln, der einer Spendenbox ähnelt. Aus ihm sollen zwei Drähte herausgeguckt haben. Nach einer Überprüfung durch Röntgen konnte eine Gefahr ausgeschlossen werden. „Es sah so aus, als wenn in der Tat ein paar Drähte herausragen würden“, sagte der Polizeisprecher. Ob es sich um einen Scherz gehandelt hat, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen.
I call you fake news! Wie dem Chronisten aus gewöhnlich stets gutinformierten Kreisen versichert wurde, liegt hier eine Verwechslung vor. Bei dem "Holzkasten, aus dem Drähte herausguckten," soll es sich demnach um den Genossen Stegner gehandelt haben. Außerdem scheint der Name von Herrn Röttgen (mutwillig?) entstellt worden zu sein. Nun bleibt die Frage: welches denn nun wirklich jener verdächtige Gegenstand war, welcher bei den Genossen, und dies ganz wörtlich verstanden, die Alarmglocken schrillen ließ?

Der Chronist sieht sich hier in der glücklichen Lage, dieses Welträtsel aufzulösen: