12. Mai 2021

Streiflicht: Wie heute Gesetze gemacht werden. Avanti Dillettanti!

Eine lustige Kleinigkeit. Dieser Autor wollte mal nachsehen, was denn nun gerade in seinem Bundesland gilt, wenn nun das Ermächtigungsgesetz mangels Inzidenz außer Kraft tritt. Und man kann nachsehen, das Land NRW bietet hier die Information an.

Ein schönes Gesetz, so mit allen möglichen Strafen und Verboten. Und ein handwerklich tolles Gesetz, ist es im Prinzip doch fast genau das selbe Gesetz wie vier Wochen zuvor. Wenn man es genau nimmt, dann ist es tatsächlich wie vier Wochen zuvor. Man hat den Header geändert und ein paar kleine Zeilen im Text und das war es dann. Und man war so gut in Copy&Paste, dass man sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, das Gesetz auch nur noch einmal zu lesen. Sonst wäre vielleicht aufgefallen, dass man im letzten Paragraphen, der das Datum des Inkraft- und des Außer-Kraft-Tretens regelt, halt auch ein paar Daten drin hat, deren Kopie sich nicht ganz so anbietet. Denn dieses tolle Gesetz, datiert auf den 10. Mai, tritt nicht nur rückwirkend am 23. April in Kraft, nein, es tritt auch am 14. Mai wieder außer Kraft. Doll, oder?

9. Mai 2021

"Vom Verschwinden des Malers im Bild": Victor Segalen, "Peintures" (1916)





Tout ce que vous venez de voir, existe, si vous l’avez bien su voir. Mais ne faites point comme cet Empereur peu lettré du temps de SONG, à qui le Peintre vantait cette Peinture et les autres déjà déroulées, et qui se prit à soupirer lourdement.

Devant ces Palais dans les nues, devant ces abîmes accessibles, ces faces hantées, ces palpitations éclatantes, ces supplices pieux, ces lèvres rouges et ces flammes amantes, ces paysages écarquillés mieux que des visages, ces êtres démoniaques ou gesticulants, ces vies incarnées dans la soie, la porcelaine, les laques ou les laines ; le triomphe réglé des quatre saisons dans le ciel, — l’Empereur se prit à soupirer lourdement. Il déplorait que tout cela ne fût pas de son domaine, de sa maison.

8. Mai 2021

Dumm, schädlich aber nicht ungerecht. Eine kleine Provokation.

Die SED hat, gemäß ihren intellektuellen Möglichkeiten, mal wieder vorgeschlagen eine Vermögensabgabe in Deutschland umzusetzen. Und man ist nicht kleinlich, man möchte das reichste Prozent der Bevölkerung ordentlich zur Kasse bitten, gestaffelt mit einem Maximalenteignungssatz von 30 Prozent. "Großzügig" gestundet mit einem Zinssatz von 2 Prozent über die Frist von 20 Jahren. 

Auch wenn es was von Schattenboxen hat, so ist es zumindest interessant mal darüber nachzudenken was diese Abgabe alles ist. 

6. Mai 2021

Palmström@150. Vor 1½ Jahrhunderten wurde Christian Morgenstern geboren



Heute soll an dieser Stelle der vorerst letzte Hinweis in dieser kleinen Serie von Jubiläumshinweisen erfolgen, die die Laune der Chronologie in dieser Woche bereithält, nachdem in den letzten drei Tagen auf John Collier, Mynona und Napoleon verwiesen wurde. Heute vor 150 Jahren, am 6. Mai 1871, wurde nämlich im München Christian Morgenstern geboren. Und im Gegensatz zu seinem Zunftkollegen Salomo Friedländer und Collier ist der Dichter der "Galenlieder" un keineswegs zu den Verschollenen und Vergessenen der Literaturgeschichte zu zählen - auch wenn seit mittlerweile 100 Jahren alle Kritiker regelmäßig mutmaßen: wird Morgenstern eingentlich noch gelesen? Zudem stimmt es ja: zu ihrer Zeit bekannte, vielegelesene komische Poeten bleiben nicht lange im Gedächtnis der nachfolgenden Lesergenerationen erhalten. Julius Stettenheim, dessen "Persona" "Wippchen" angeblich von jedem Kriegsschauplatz seit dem deutsch-östereichischen Krieg von 1866 in Knittelversen berichtete, ist so verschollen wie die Gelegenheitsverse, die Frank Wedekind eine Generation später für den Münchner "Simplicissmus" lieferte. Selbst Joachim Ringelnatz oder Klabund (etwa mit seinem "Kinder-Verwirr-Buch" von 1931 dürften heute eher passionierten Lyrik-Lesern oder Fans der Roaring Twenties geläufig sein als dem allgemeinen Publikum. Wobei natürlich die Frage ist, was von der "leichten Muse" aus der literarischen Produktion der letzten 200, 250 Jahre überhaupt noch "päsent" ist. In diesem Phänomen dürfte sich der Wandel des Mediengebrauchs ebenso spiegeln wie das Vergehen der Zeit: lange Zeit war es normal, daß "klassische" Jazz-Stücke von der Swing-Ära an bis etwa zu Dave Brubeks "Take Five" in dieser Weise beim Hörpublikum in dieser Weise "präsent" waren; oder den Kanon der Ohrwürmer von Elvis, den Beatles bis zu dem großen Stars Ende der 1970er Jahre: seitdem hat der Wiedererkennungswert solcher Evergreens, ob nun als Musikstück, als ikonischer Filmauftritt oder als Merkvers rapide abgenommen.

5. Mai 2021

Napoleon und die Raumfahrt. Zwei kleine Erinnerungen



Nachdem vorgestern an dieser Stelle auf den 120. Geburtstag von John Collier verwiesen wurde und gestern auf den 150. von Salomo Friedländer alias "Mynona," soll heute der Hinweis auf den 200. Todestag Napoleon Bonapartes erfolgen, der am 5. Mai 1821 im Longwood House auf seiner Verbannungsinsel St. Helena an der einsamsten Stelle des Südatlantiks starb. (Genauer: an der zweiteinsamsten Stelle: die am weitesten von jedem anderen Flecken Land entfernte Insel ist Tristan da Cunha.) Solche kalendarisch-nomerologischen Häufungen haben keinen tieferen Sinn, wie Astrologen vermuten könnten: sie sind statistisch einfach unvermeidbar, wenn in der Welt genügend genau datierte Ereignisse wie in diesem Fall Geburtstag und Todesdatum registriert worden sind.

Ich gehe davon aus, daß die Person und die Taten des "kleinen Korsen," des "Weltgeists zu Pferde," auch heute noch hinreichend geläufig sind, um sie hier nicht weiter erörtern zu müssen. Und wenn nicht: die Bibliotheken sind gefüllt mit Arbeiten, Biographien, Spezialwerken zu jedem Aspekt seines Lebens. Sogar die in den letzten Jahrzehnten aufgekommene Frage, ob Napoleon wirklich einem Magenkrebs erlegen ist oder doch mit Arsen vergiftet wurde (oder durch das Schweinfurter Grün, das zur Einfärbung der Tapeten im Longwood House verwendet wurde und Arsen als Gas abgab) dürfte gemäß der Diagnose der Autopsie bestätigt worden sein.

4. Mai 2021

Mynona@150. Eine kleine Erinnerung an Salomo Friedländer





Gealtert fühlte sich Professor Faust;
Die Wissenschaft ließ ihn so unbefriedigt.
Er schließt, in einem seltsam kom'schen Zwielicht,
Mit Satan einen Pakt (jawohl, da schaust!).

Wird wieder jung (daß dich der Affe laust!),
Treibt's mit 'nem Backfisch (Hand vom Nähen schwielicht),
Und saust nach Griechenland (ist das ein Vieh nicht?).
Sie stirbt als Kindesmörderin (mir graust!).

Zurückgekehrt, wagt er sich an den Thron;
Der Teufel hilft, er wird des Staats Erretter.
Endet als Fürst mit eignem Schloß am Meer -
Natürlich graptscht der Satan jetzt voll Hohn
Nach seiner Seele. Doch ('s wird immer netter!)
Der Hölle jagt sie ab das Engelsheer.

- Mynona (aus: "Hundert Bonbons. Sonette," 1918)

Wenn John Collier, auf dessen 120. Geburtstag gestern an dieser Stelle verwiesen wurde, im deutschen Sprachbereich (und mittlerweile wohl auch im englischen), zu den unbekannten Autoren zu rechnen ist, dann ist Salomo Friedländer, der heute vor genau 150 Jahren, am 4. Mai 1871 im heute polnischen Gollantsch geboren wurde und der seine literarischen Werke unter dem Nom de plume "Mynona" veröffentlichte, zu den völlig Vergessenen. Manche Leser von Kurt Tucholsky werden sich vielleicht noch an diesen Namen im Zusammenhang mit Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neuues" erinnern, als "Mynona" die Veröffentlichung des Antikriegsromans zum Anlaß für eine scharfe Polemik nahm und "Tucho" ebenso scharf zurückschoß. Viellicht ist dem einen oder anderen Kenner der "Roaring Twenties" noch die "Tarzaniade" ein vage erinnerter Titel, mit der Mynona die Popularität, der Edgar Rice Burroughs' Dschungelheld Mitte der zwanziger Jahre auch in Deutschland erlebtge, kommentierte. Aber ansonsten zählt er zu den unzähligen Verschollenen der Literaturgeschichte. Überraschend ist das nicht. "Mynona" gehörte zu den Parodisten, zu den Verfassern von Grotesken - und solche verzerrenden Echowerfer ereilt die "Furie des Verschwindens" eher als die Originale, denen ihr Echo galt. Auch Robert Neumann, Friedländers Zeit- und Zunftgenossse und vielleicht der brillanteste Stimmenimitator der deutschedn Literatur, ist heute weitgehend vergessen, ebenso Franz Blei, dessen "Literarisches Bestiarium" gut zeigt, WARUM das Haltbarkeitsdatum solcher Echos knapp bemessen ist: viele zeitgenössische Bestseller und Modeautoren sind ihrerseits genauso vergessen, und wirkliche Klassiker, die es geschafft haben, von Generation zu Generation weiter gelesen und gekannt zu werden, stehen oberhalb jeder Parodie.

3. Mai 2021

John Collier, "Zum Nachspülen" (1941)





Nervös wie ein junges Kätzchen stieg Alan Austen die finsteren, knarrenden Treppen in einer Adresse in der Nähe der Pell Street hinauf und brauchte lange Zeit, bis er im Finsteren den Namen, den er suchte, auf einer der Türen ausgemacht hatte.

Er stieß die Tür auf, so wie es ihm gesagt worden war, und fand sich in einem winzigen Zimmer wieder, das außer einem Küchentisch, einem Schaukelstuhl und einem gewöhnlichen Stuhl unmöbliert war. An einer der gelblichen Wände hingen ein paar Regalbretter, auf denen vielleicht ein Dutzend Flaschen und Gläser standen. Ein alter Mann saß im Schaukelstuhl und las eine Zeitung. Alan überreichte ihm wortlos die Karte, die ihm gegeben worden war.

"Setzen Sie sich, Mr. Austen," sagte der alte Mann in ausgesucht höflichem Ton. "Es freut mich außerordentlich, Ihre Bekanntschaft zu machen."

"Stimmt es," fragte Alan, "daß Sie ein Mittel anbieten, das ganz außergewöhnliche Wirkungen hat?"

2. Mai 2021

"Vom Verschwinden im Bild": Die Mumins, Virginia Woolf und die "Fahrt zum Leuchturm"





***

I.
Die vielleicht bekannteste Episode des "Verschwindens im Bild," zumindest was für junge Leser im Kindesalter die erste Begegnung mit dieser Trope angeht, findet sich in einem Buch, dessen Status im Hinblick auf sein Publikum durchaus schillert. Eigentlich sind es sogar zwei Stellen: in Roald Dahls "The Witches" von 1983 (1986 in deutscher Übersetzung als "Hexen hexen" erschienen) findet sich in der Passage, in der die aus Norwegen stammende Großmutter ihrem ungläubigen Enkel von der Existenz wirklicher böswilliger Zauberinnen erzählt, als Illustration die Geschichte von ihrer Jugendfreundin, die von einer solchen Hexe in ein Gemälde gebannt wurde.

Und ihr habt wirklich gedacht, die Justiz würde Euch retten

Mein Lieblingszitat über den deutschen Rechtsstaat ist eine Statistik: 80% der Deutschen glauben an den Rechtsstaat. Die anderen 20% haben ihn schon kennen gelernt.

Es ist erstaunlich wie viele Leute, trotz permanent erlebtem Gegenteil, immer wieder darauf vertrauen, die Justiz werde die Kohlen, die von der Politik ins Feuer geworfen wurden, schon wieder heraus holen. 
Aber wie sollte sie? Es sind die selben Leute. In Deutschland existiert die Gewaltenteilung nur in der Theorie, in der Praxis werden Richter bis zum obersten Verfassungsgericht durch die Legislative, bzw. da selbst diese nicht von der Exekutive getrennt ist, im Wesentlichen durch die Exekutive ernannt und bestimmt. Der derzeit amtierende Präsident des Verfassungsgerichtes, wie auch des ersten Senates, ist Stephan Habarth. Und Stephan Habarth ist kein politikfremder Gelehrter wie sein Vorgänger, sondern schlicht CDU Parteipolitiker. Und zwar mit allem drum und dran.

30. April 2021

Und da ist sie, die Gesinnungsdikatur. Eine Notiz von Frank2000





Seit mindestens vier Jahren wird hier in Zettels Raum die Gefahr diskutiert, daß Deutschland von der Bonner Republik in eine Berliner Republik abrutscht. Alle Entwicklungen der letzten vier Jahre sind in diesem Blog und dem dazugehörigen Forum vorausgesagt worden. Und von einem Teil der Teilnehmer wurden diese Vorhersagen als dystopische Verschwörungstheorien abgekanzelt, als weinerliche Verliererpose und rechte Echokammer.

Diese Notiz wollte ich schon schreiben, als das Bundesverfassungsgericht erstmals sich zum Gesetzgeber erhob: mit dem im wahrsten Sinn des Wortes historischen Urteilsspruch, daß Klimaschutz (in diesem Fall in der Form der CO2-Ziele) grundrechtseinschränkend sein müsse. Nicht nur "dürfe" - sondern "sein muß."

Aber heute bin ich noch auf eine zweite Meldung gestoßen: der Verfassungsschutz hat eine neue Überwachungskategorie eingeführt:

"Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates"

27. April 2021

Streiflicht: Spaß mit dem Oskar.

In Zettels kleinem Zimmer wird ja dann und wann die These vertreten, dass die Kontrolle über alles Öffentliche inzwischen fest in linker Hand ist und sich eine Mehrheit dem eben irgendwie anschließt, insofern kein Ausweg aus dieser Einseitigkeit besteht. Sieht man sich den deutschen Propagandafunk an, so kann man diesen Eindruck auch durchaus oftmals bestätigen.

25. April 2021

Ihr müsst abschwören. Pluralismus in Deutschland 2021.

Wenn man eine kompakte Beschreibung für den Zustand der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland 2021, im 16. Jahr der Herrschaft Merkel, abgeben müsste, dann wären die Beschreibung der Vorgänge um die Aktion #allesdichtmachen kein schlechter Ansatz.

Was ist passiert? Eine kleine Gruppe von Initiatoren sprach eine Gruppe von Schauspielern an, ob sie sich nicht an einer Kunstaktion zum Thema Lockdown beteiligen wollten, wo man sich mit dem Stilmittel der Ironie mit dem Thema auseinandersetzt. Herausgekommen ist eine Sammlung von 53 Videos, eingestellt auf Youtube und jedes zwischen knapp einer und gut drei Minuten lang. 

24. April 2021

Der Ausflug ins Bild - Pearl S. Buck, "Kaiserliche Hoheit" (1956)





Die einfachste und üblichste Methode, einen "Spaziergang im Bild" zu unternehmen, ist das Spielenlassen der menschlichen Phantasie, die Versenkung ins Dargestellte, die Tagträumerei. Die Gemälde im westlichen Kanon, die dazu am meisten verführen, dürften wohl die Stadtveduten Canalettos sein. Und vor chinesischer Kulisse findet sich solch ein Ausflug in Pearl S. Bucks romanhafter Schilderung des Lebensweges von Cixi, der "Kaiserinwitwe," dem "alten Buddha", die zwar nicht dem Rang nach, aber doch ihrer Macht macht die letzte Kaiserin auf dem Drachenthron war. "Imperial Woman," 1956 erschienen und im gleichen Jahr von Hans B. Wagenseil ins Deutsche übersetzt, zeichnet Cixis Leben vom Eintritt in den kaiserlichen Harem im Alter von 17 Jahren im Jahr 1852 bis zum Ausbruch des Aufstandes der "Vereinten Kämpfer für das Recht," bei uns als "Boxeraufstand" geläufig, nach und schildert ihre Wandlung von einem verletzlichen Wesen mit Kunstsinn zu einem skrupellosen macchiavellistischen Machtmenschen, der im Wortsinn über Leichen geht.

(Der Name "Orchidee," bei Pearl S. Buck "Orchid," der erste der wechselnden Namen und Titel, die Cixi im Roman gemäß der historischen Vorgabe trägt, ist eine wörtliche Übersetzung des Namensteils im ersten "offiziellen" Titel, 蘭貴人 / Lan Guiren, "edle Dame" Lan / 蘭 - als Konkubine 6. Ranges, den sie von ihrem Eintritt am 26. Februar 1852 bis zum Aufstieg in den fünften Rang am 28. Februar 1854 führte. Betonen möchte ich, daß meine Übersetzung der beiden Passagen völlig unabhängig von Wagenseils Übertragung entstanden ist. Bei meiner Fassung habe ich, entgegen meiner Gewohnheit, die Umschrift der Namen nach dem System von Wade und Giles, wie es sich bei Buck findet, beibehalten. In meinen Amerkungen benutze ich die heute gebräuchliche Pinyin-Transliterierung.)

22. April 2021

Der nächste Sargnagel

Das Geschichte sich schon mal wiederholt ist eine Kalenderweisheit. Und auch diese Woche lässt sie uns nicht hängen, diesmal allerdings mit umgekehrten Protagonisten. Am 3. Oktober 1995 wurde O.J. Simpson im Prozess um den Mord an seiner Frau frei gesprochen. Im Zuge des Prozesses kam es zu massiven Unruhen, die amerikanischen Polizeieinheiten waren auf massive Ausschreitungen vorbereitet und über 100 Millionen Menschen sahen den Urteilsspruch live. Simpson wurde frei gesprochen und die befürchteten Unruhen blieben aus.
Aus Sicht der Jury war das vermutlich, unabhängig von Simpsons Schuld, die auch im Laufe der kommenden Jahre immer deutlicher werden sollte, die richtige Entscheidung. Wer will schon verantwortlich sein, wenn ganze Städte in Flammen versinken und wer will sein Leben riskieren, hier einen Schuldspruch zu vertreten. Geschworene sind auch nur Menschen, und es ist um Rahmen der Aufladung dieses Prozesses nicht unwahrscheinlich, dass die Geschworenen im Falle eines Schuldspruches entweder untertauchen oder zumindest sehr lange unter intensivem Polizeischutz hätten leben müssen.

20. April 2021

Novelle des Infektionsschutzgesetz und die langfristigen Folgen für den Rechtsstaat. Ein Gastbeitrag von Frank2000



Die Novelle des Infektionsschutzgesetzes ist wohl kaum noch aufzuhalten; auch ein aufschiebender Eingriff in letzter Sekunde durch das BVG ist unwahrscheinlich. Welche praktischen Konsequenzen das Gesetz haben wird, ist anderswo schon ausreichend beschrieben worden: ein halbes Dutzend essentieller Grundrechtsparagraphen sind betroffen.

Trotzdem regt sich kaum Widerstand. Ein paar Blogger und das übliche Geraune der letzten Oppositionspartei AfD kann man nur als Sturm im Wasserglas bezeichnen. Politik, ÖR-Medien, Kunst & Kultur, linke aktivistische Szene, Gewerkschaften, Kirche: es gibt keinen Widerstand. Warum? Ich behaupte: weil so ziemlich alle glauben, dass das Ermächtigungsgesetz ein Corona-spezifischer Sonderfall ist, der langfristig überhaupt keine Auswirkung auf unser Land haben wird. Ich behaupte, die These geht wie folgt:

Der Fluch des Irrtums und der Lüge. Ein Gedankensplitter.

"Was wird man im Leben schwer los? Lügen. Sie prägen einen fast ein Leben lang."

                                                                                                --- Sinan Gönül

Ein Mann beobachtet einen brutalen Überfall, ein großer Mann überfällt eine Frau, schlägt sie brutal zu Boden und verletzt sie dabei erheblich. Einen Tag später verhaftet die Polizei einen Verdächtigen und führt den Zeugen zu einer Gegenüberstellung. Der ist sich überhaupt nicht sicher und hadert mit sich. Der Polizist weist ihn darauf hin, dass die Frau nicht nur schwerstens verletzt worden ist, sondern auch drei kleine Kinder hat, die nun furchtbar leiden. Der Zeuge windet sich und entschließt sich schließlich für den größten Mann, in der Hoffnung den richtigen identifiziert zu haben. Der Polizist lobt ihn, das wird er wohl sein. Zwei Tage später gibt es dann einen Termin beim Haftrichter, der Zeuge identifiziert den Täter, dieser wird angeklagt. Vier Wochen später dann die Verhandlung, der Zeuge ist sich inzwischen sicher, dass es sich um den Täter handelt. Er identifiziert ihn zweifelsfrei und dieser wird, da die Frau inzwischen verstorben ist, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Nach einem Jahr im Gefängnis wird ein zweiter Verdächtiger verhaftet, der im Besitz von vielen Dingen ist, die beim Überfall erbeutet wurden. Es kommt zu einem weiteren Verfahren. Der Zeuge ist sich absolut und ohne Zweifel sicher den richtigen Täter benannt zu haben und das sagt er auch. Selbst als der zweite Verdächtige den Überfall gesteht, bleibt der Zeuge dabei, dass es sich dabei um eine Lüge handeln muss. Er weiß, was er gesehen hat.

18. April 2021

Das große Fressen. Ein Gedankensplitter zum Corona Bauch.

Frage an den eingesperrten Leser: Haben Sie heute schon gegessen? Und wieviel haben Sie sich bewegt? Und haben Sie jetzt schon ein schlechtes Gewissen, weil ich Ihnen nur zwei Fragen gestellt habe?

Das wir alle, einzeln aber auch insgesamt und als Gesellschaft, zuviel essen, ist kein Geheimnis. Kalorien sind billig, Zucker ist billig, Fett ist billig, Süßigkeiten sind billig und Gemüse ist zwar auch billig, schmeckt aber natürlich nicht halb so gut wie eine Tafel Schokolade (ja, ich weiß, Llarian erzählt mal wieder Binsen...). Prinzipiell ist das Aufnehmen von zu vielen Kalorien alleine noch nicht das große Problem. Wenn der Mensch sie auch verbraucht. Jemand, der auf dem Bau arbeitet, kann auch schon mal ein zweites Frühstück vertragen, wenn er denn ordentlich ranklotzt. Wenn er auf dem Bau arbeitet. Da ist es dauernd, dieses böse wenn. 

17. April 2021

Hail Lobster oder: Republikaner trinken auch Cola.

Während im deutschen der Kulturkampf eher noch im kleinen stattfindet (damit man ihn nicht so bemerkt), ist in den USA der Kampf in Folge der Wahl und des unerwarteten Sieges der Linken derzeit voll entbrannt. Die Linke wittert Morgenluft und schickt sich an nicht nur ein paar Gesetze zu ändern oder etwas Geld umzuverteilen, wie sie es historisch getan hat, die heutige Linke ist radikal unterwandert und hat begonnen das ganze Land von Grund auf neu zu gestalten und zu verändern.
Dieser Kampf ist schon lange nicht mehr auf die Politik (oder die Medien) selber beschränkt, selbst Universitäten und Schulen (sonst das liebste Feld der Gesellschaftsingenieure) sind nicht mehr der einzige Schauplatz. Heute bleibt in Amerika kein Feld mehr außen vor und ein wichtiges Feld ist das der Wirtschaft.  Angeführt von einigen Technologiekonzernen versucht die amerikanische Linke derzeit die Wirtschaft auf Linie zu bringen, ihre Politik zu teilen und nicht zuletzt ihre Propaganda zu verbreiten. Teilweise subtil, teilweise durch gesetzlichen oder sozialen Druck, teilweise sind einige Firmen auch freiwillig dabei, weil sie glauben dabei ein gutes Geschäft zu machen.

16. April 2021

Streiflicht: Ein bischen Hoffnung

Das der Vormarsch der Totalitären und Möchtergernfaschisten nicht nur diesem Autor, sondern auch vielen Zimmersleuten massiv Sorgen macht und die Laune verdirbt ist nicht neu. Wir bewegen uns mit massiven Schritten Richtung Diktatur und Unrechtsstaat, so dass jedem verbleibenden Rechtsstaatler oder gar Liberalen eigentlich nur Angst und Bange werden kann. Und dennoch sind es manchmal einzelne Streiflichter, die einem auch in dunklen Zeiten ein bischen Hoffnung aufs Gemüt scheinen lassen. Diesen speziellen Lichtstrahl, den ich heute bei der Achse des Guten wahrgenommen habe, möchte ich auch den Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten. Die Freiheit ist in Frankreich, auch wenn sie schwer unter Beschuss ist, immer noch zuhause.


Kleiner Nachtritt, weil ich es mir nicht verkneifen kann: Das also ist das Gesicht der Querdenker, "Rechten" und Reichsbürger, wenn sie in Frankreich auflaufen und nicht in der ARD kommentiert werden. 


Llarian

© (Text) Llarian. Für Kommentare bitte hier klicken.

15. April 2021

Tokio 1948, Gong Qiuxia, und der Swinghop von 2013. Eine Flanerie durch die Assoziationsgeschichte





Das letzte Rätsel in diesem Netztagebuch fand sich gleich am Anfang dieses Jahres, im Zusammenhang mit der römischen Universalsauce Garum, als die Frage nach dem Verfasser eines kleinen Textes zum Thema gestellt wurde. Heute soll es um die Bereiche "Musik" und "Film" gehen, in einer Vorblende auf die Auflösung zum Thema, die ich am Wochenende hochladen werden. Anstoß war der Ausschnitt aus Akira Kurosawas Film "Träume" in meinem letzten Posting, und die Überlegung, daß ich an dieser Stelle schon geraume Zeit keine Musik mit Bezug zu Ostasien zum Thema genommen habe.

12. April 2021

11. April 2021

Übersterblichkeit Reloaded: Merkwürdigkeiten, Rätsel und die Erkenntnis, dass wir alle sterben werden

Die Erkenntnis, dass wir alle sterben werden ist nicht allzu neu. Die Behauptung, dass wir alle viel früher sterben werden, war dagegen die Grundlage für den massiven Freiheitsverlust der vergangenen 13 Monate, gerne als "Corona-Maßnahmen" euphemisiert. Und das Bundesamt für Statistik, das gerade hier in einer etwas unrühmlichen Rolle diskutiert wurde, liefert auch gleich die passenden Zahlen dazu.

10. April 2021

Das Ende der Fahnenstange. Ein Gedankensplitter zu Inflation, Wachstum und anderen unwichtigen Dingen.

Bei der Hintergrundrecherche für einen anderen Artikel, der noch in Arbeit ist, habe ich mich ein wenig intensiver mit dem Thema Inflation beschäftigt. Sie wissen schon, die Inflation, die seit Jahren so vor sich hindümpelt und der EZB permanent als Begründung dient weiters Geld zu drucken. Die selbe Inflation, die "gefühlt" jedes Jahr mehr und mehr steigt und von der uns das statistische Bundesamt im Auftrag der Regierung permanent erklärt, das finde nur in unserem Kopf statt. 

8. April 2021

Die Wut im Bauch

Ein persönlicher, vielleicht auch mein (vor)letzter Artikel. Dieser Artikel ist eine innere Reflektion, nicht redigiert, nicht überdacht und in Wut geschrieben. Wen das nicht interessiert, der braucht ab hier nicht weiter zu lesen.

Ich kann nur schlecht beschreiben welche Wut ich inzwischen empfinde, der Begriff des Wutbürgers, der noch vor wenigen Jahren so gerne verwendet wurde, um diejenigen, die eine Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen befürchteten, zu brandmarken, beschreibt die Situation nicht einmal schlecht. Man ist erwachsen, man hat gelernt seine Aggressionen zu kanalisieren, sich zu benehmen, keine Kraftausdrücke zu benutzen, sich zurück zu halten und die Form zu wahren. Und dennoch ist alles was ich derzeit für den amtierenden Ministerpräsidenten, den ich gerne immer verharmlosend Flaschet genannt habe, übrig habe nur noch der kalte Hass, der eigentlich keine solche Bezeichnung mehr zulässt.

7. April 2021

Flaschet und die Möhre oder wie man sich mit Anlauf lächerlich macht

Flaschet hat nachgedacht. Ein ganzes Osterwochenende. Das muss ein sehr schwerer Prozess gewesen sein, denn am Ende kam dann das heraus, was sich ein Penäler auch in der 5-Minuten Pause hätte überlegen können. Ein "Brücken-Lockdown" soll es sein. Was nichts anderes ist als ein harter Lockdown nach Wunsch der Frau Bundeskanzler und ihres bayrischen Adlaten, nur mit einer Möhre vorneweg, auf die ohnehin nach einem Jahr kein Mensch mehr rein fällt. Der Berg kreiste und gebar eine Maus. Eigentlich nicht einmal die, denn das was Flaschet da vorstellt ist eigentlich nur noch hochnotpeinlich.