„Some German words are so long that they have a perspective. Observe these examples: Freundschaftsbezeigungen; Dilettantenaufdringlichkeiten; Stadtverordnetenversammlungen. These things are not words, they are alphabetical processions. And they are not rare; one can open a German newspaper at any time and see them marching across the page – and if he has any imagination he can see the banners and hear the music, too.” – Mark Twain
Auch wenn es nur eine Petitesse ist, eine Quisquilie (und deshalb an dieser Stelle auch nur mit einer Glosse bedacht werden soll), so ist der Vorgang, um den es geht, doch bezeichnend für das politische Klima in diesem Land. Worum geht es? Am vergangenen Dienstag, den 6. Oktober 2026, ist in Magdeburg der AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt worden. Für ihn stimmten 48 der insgesamt 82 Abgeordneten – das sind vier Stimmen mehr, als die Alternative und der BSW (der zuvor seine Unterstützung bekannt gegeben hatte) auf sich vereinigen. Da es unwahrscheinlich ist, daß diese Stimmen von Abgeordneten der Grünen oder der Sozialdemokraten gekommen sind, steht seitdem die Frage nach den „Abweichlern“ aus den Reihen der Christdemokraten im Raum, die das gesetzlich verbriefte Recht auf freie Gewissenentscheidung über die Parteiraison gestellt haben. Bundeskanzler Merz hat am Freitag freilich öffentlich eine „False-Flag-Aktion“ hinter diesem Wahlausgang vermutet, die seine treu zu ihm stehenden Paladine in ein schlechtes Licht rücken soll (die klassische Steigerung „Freund - Feind – Parteifreund“ dürfte aus seiner Sicht mit dem Anbruch der postmerkelschen Ägide wohl hinfällig sein), und Chan-jo Jun, immerhin stellvertretender Richter des bayerischen Verfassungsgerichts, hat gestern gefordert, daß alle CDU-Abgeordneten des Landtags eine eidesstattliche Erklärung über ihre Stimmabgabe leisten sollten, um die „Verräter“ dingfest machen zu können. Man fragt sich schon, mit welchem der beiden Adjektive “frei“ und „geheim“ ein Verfassungsrichter intellektuell überfordert ist. Und dann stellt man fest, daß er auf Betreiben der bayerischen Grünen auf diesen Posten gelangt ist und fragt es sich nicht mehr.



























