11. Februar 2019

Höcke: Ein Fall für den Verfassungsschutz? - Teil 3

Teil 3: Zusammenfassung


Ist Höcke "Rechts"? 

Antwort: Höcke ist auch rechts. Aber genauso links. Je nach Thema. Beim Frauenbild rechts, bei der Wirtschaftspolitik links. Bei der Einwanderungspolitik rechts, bei der Außenpolitik links. Und so weiter.

10. Februar 2019

Höcke: Ein Fall für den Verfassungsschutz? - Teil 2

Teil 2: Mit dem Feuer Zündeln: wirklich problematische Aussagen

2.1 Übergang vom Völkischen zum Faschismus

Höckes Buch ist ja insgesamt recht lang. Irgendwann bin ich das erste Mal über eine Formulierung gestolpert, deren Kontext ich tatsächlich problematisch finde:

Höcke: "Man könnte noch ein paar weitere hinzufügen, wie Schutz und Pflege von Landschaft, Ökologie und Kultur, eine ausgewogene Sozialstruktur. In der Summe geht es um das »gute Leben« des Volkes. Allerdings nicht hedonistisch-materialistisch verstanden, sondern als »eudaimonía« im antiken Sinne – als sinnvolles, sittlich-tugendhaftes Leben."

Höcke: Ein Fall für den Verfassungsschutz?

Ein Gastbeitrag von Frank2000.

Vorvorwort (von Llarian): Unser geschätzter Zimmermann Frank2000 hat einen extrem ausführlichen wie ausgesprochen lesenswerten Gastbeitrag geschrieben, der sich mit Björn Höcke beschäftigt. Aufgrund des Umfangs haben wir beschlossen den Beitrag in drei Teilen zu veröffentlichen, heute erfolgt Teil 1.)

Vorwort
Höcke ist nach allgemeiner Lesart ein AfD-Politiker, der selbst für die AfD ungewöhnlich "rechts" sei. Da bietet es sich doch an, diese Aussage zu überprüfen. Sollte sich allerdings herausstellen, dass Höcke tatsächlich radikale Positionen vertritt, muss das für die AfD insgesamt keineswegs gelten. Die folgenden Zitate stammen allein von Höcke und sind keine offizielle Stellungnahme oder Wahlaussage der AfD.

Nachprüfbare Zitate oder gar Texte zu Höcke sind in den Medien Mangelware. Das führte den Autor Llarian zu der wütenden Bemerkung: "Es kann doch nicht die Aufgabe des Bürgers sein, die journalistische Arbeit zu tun, nur weil die Journalisten keine Lust dazu haben." (Link).

6. Februar 2019

Freiheit ist, Dinge zu tun, die andere nicht mögen. Ein Gastbeitrag von Frank2000

Den ADAC kennt in Deutschland wohl jeder. Diese Organisation ist eine der größten und ältesten Lobbyorganisationen dieses Landes. Ganz früher nannte man so was mal Interessensgruppe, aber diesen Begriff würden heute nur noch wenige verstehen. Lobby. Dieses Wort ist heute verpönt, klingt ... unsozial, ausbeuterisch ... abweichlerisch. Vor allem Letzteres mögen die Kulturdeutschen nicht, heute noch viel weniger als früher. Aber ich schweife ab. Was ist eine Lobbyorganisation? Das ist ein Zusammenschluss von Menschen, um gemeinsame Interessen zu vertreten. Eigentlich etwas völlig ... Normales.

In der Mitgliederzeitschrift des ADAC (02/19) stand jetzt ein kleiner Hinweis auf die erste in Betrieb genommene "Section-Control". Ich lasse jetzt mal außen vor, warum das eigentlich englisch benannt wird. Warum nicht "Sektionskontrolle", "Streckenradar" oder "Mittelmessung"? Die deutsche Sprache ist so aufgebaut, dass man über Komposita neue Terme erzeugt - würde man von Anfang an zum Beispiel "Mittelmessung" verwenden, dann würde bereits in wenigen Monaten der Begriff so selbstverständlich verwendet werden wie "Brückenschlag", "Löffelbagger" oder zehntausend andere zusammengesetzte Begriffe, die zu neuen eigenständigen Worten wurden. Aber die Kulturdeutschen haben kollektiv beschlossen, verrückt zu werden. Und so wird jetzt statt "Mittelmessung" "Section-Control" eingeführt.

5. Februar 2019

Thema verfehlt

Die SPD hat schon länger das Problem, daß sie ihre Stammwähler nicht mehr zufrieden stellen kann und diese enttäuscht abwandern. Diese Stammwähler wären an mehr Wohnungsbau interessiert, an niedrigeren Strom- und Benzinpreisen, sie wollen weiter mit ihrem Diesel zur Arbeit fahren können und etwas mehr Netto im Geldbeutel würden sie auch gerne nehmen. Aber das sind alles keine Themen, bei der die SPD in der Bundesregierung echte Aktivitäten entwickeln würde.

Stattdessen versucht sich noch "sozialer" zu werden. Was im Zweifelsfall bedeutet, daß sie die Forderungen irgendwelcher Lobbyverbände oder der SED-Konkurrenz erfüllt - unabhängig davon, welche Folgen das hat.

Konkret bastelt Minister Heil derzeit an einer "Respekt-Rente". Die vor allem kompliziert und teuer ist - und zu sehr merkwürdigen und ungerechten Effekten führt.
Was genau ist eigentlich das Problem, das er beseitigen will?

2. Februar 2019

War auch wieder falsch.

Das Ritual ist inzwischen reichlich eingefahren, auch wenn es in Details schon einmal variiert wird:

Der Sozialismus/Kommunismus wird irgendwo mit großen Pauken und Trompeten eingeführt. Die vereinigte Linke ist sich einig, dass jetzt endlich(!) für das betreffende Volk die große Zeit der Freiheit und wirtschaftlichen Verbesserung eintritt, man sammelt Grußadressen, bejubelt die großen "Helden" der Freiheit und ist ganz außer sich vor Freude, wenn alle Verbindung zu vermeintlich "imperialistischen" Systemen umgehend gekappt werden. Demonstrationen werden im ganzen Landes abgehalten, um sich und der Welt so richtig zu beweisen das jetzt die Zeit des Glücks anfangen hat.

31. Januar 2019

„Europas Seele“?

Welchen stimmigen Ersatz gibt es für den umstrittenen Begriff „christliches Europa“? Es existiert noch das poetische Relikt „die Seele Europas“, aber das wirkt peinlich und überholt. Vielleicht die vagen Bezeichnungen „Europas ideelles Band“, „ideelle Substanz“? Da fehlen aber die Migranten, der Pluralismus. „Wertekosmos“ klingt ungeografisch und opahaft. „Wirtschaftsgemeinschaft“ wäre realer – aber das Leben ist bunter und hässlicher: Gemeinschaft auch mit Armen, mit Kinderehen, Genitalverstümmelungen und Antisemiten? Niemanden ausgrenzen – eine Utopie? Oder der Biss eines „europäischen Gewissens“? Am einfachsten ist es, man spricht nur abstrakt von einer „Identität Europas“. Ein Lokal ohne aushängende Speisenkarte.

30. Januar 2019

"Зимняя ночь" / "Winternacht"




Aus gegebenem Anlaß.

- Борис Пастернак, "Зимняя ночь" (1946)

Мело, мело по всей земле
Во все пределы.
Свеча горела на столе,
Свеча горела.
Как летом роем мошкара
Летит на пламя,
Слетались хлопья со двора
К оконной раме.
Метель лепила на стекле
Кружки и стрелы.
Свеча горела на столе,
Свеча горела.
На озаренный потолок
Ложились тени,
Скрещенья рук, скрещенья ног,
Судьбы скрещенья.
И падали два башмачка
Со стуком на пол.
И воск слезами с ночника
На платье капал.
И все терялось в снежной мгле
Седой и белой.
Свеча горела на столе,
Свеча горела.
На свечку дуло из угла,
И жар соблазна
Вздымал, как ангел, два крыла
Крестообразно.
Мело весь месяц в феврале,
И то и дело
Свеча горела на столе,
Свеча горела.

27. Januar 2019

Wann wird es Zeit für Mistgabeln?

Zugegeben: Die Frage ist natürlich mit einem kleinen Zwinkern gestellt. Aber auch nur mit einem kleinen. Denn angesichts dessen, dass diese Regierung sich inzwischen nicht mehr auf eine Möglichkeit beschränkt dieses Land zu vernichten, stellt sich wirklich die Frage, ob es nicht wirklich allmählich eine Revolution braucht, um diesem Spuk ein Ende zu machen.

24. Januar 2019

Aus der Schwalbenperspektive (19): Ist der Handball der bessere Fußball?

Auch bei Menschen, die sich für Fußball interessieren oder gar als Fans dieser Sportart bezeichnen, gehört Gejammer beziehungsweise, um es vorsichtiger zu wenden, eine kritische Haltung bezüglich einiger Phänomene im Zusammenhang mit der Lederkugeltreterei gleichsam zum guten Ton: Die Kapitalismusskeptiker betrauern die Kommerzialisierung der einstigen Arbeitervergnügung; an Fairness und Nüchternheit orientierte Zeitgenossen werden von der Schwalben- und Rudelbildungstheatralik abgestoßen, und außerdem wäre da ja noch der Videobeweis, der wie wahrscheinlich wenige andere Modifikationen des Regelwerks die Zuschauergemeinde spaltet.

23. Januar 2019

Marginalie: Der Polizist, dein Helfer und (vielleicht zukünftiger) Freund

Wer über die Beatles ein bisschen mehr weiß, als es der Allgemeinbildungskanon der Popkultur erfordert, kennt zweifellos das Lied „Lovely Rita“, das – auf dem nach Ansicht des Verfassers überschätzten Album Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band veröffentlicht – so etwas wie eine Liebesgeschichte zwischen dem lyrischen Paul-McCartney-Alter-Ego und einer meter maid, der offenbar eine reale Politesse vornamens Meta Pate stand (was uns jetzt nicht zu Meta-Reflexionen beschwingen soll), tonkünstlerisch fingiert.

Gefühlsberauschende Begegnungen zwischen der Staatsgewalt und dem einfachen Bürger (m/w) gibt es aber auch in der außermusikalischen Wirklichkeit, und so sucht(e?) die Berliner Polizei auf ihrem offiziellen Instagram-Account laut Pressemeldungen nach einer charmanten, wegsuchenden Unbekannten, die einem Uniformierten den Kopf verdreht hat.

„Das Netz“ reagiert(e?) auf diesen Aufruf, wenn man zum Beispiel WELT- und SPIEGEL-Online Glauben schenken darf, zum kleineren Teil mit einem Seufzer ob so hoher Romantik und zum größeren Teil mit Ablehnung, da diese zwischenmenschliche Dienstleistung in die Nähe von Stalking zu rücken sei.

Ansicht des Verfassers: Gerade die Berliner Polizei hätte etwas anderes zu tun, als den moderatore d’amore zu spielen, aber für einen #aufschrei reicht diese zweifellos gut gemeinte Aktion bei weitem nicht aus. Um es mit dem großen kanadischen Schauspieler William Shatner zu formulieren: „Get a life!“

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

17. Januar 2019

Dumm, dümmer, Gillette? Ein Streiflicht zu Filterblasen.

Der Markenname Gillette dürfte den meisten Erwachsenen der westlichen Welt ein Begriff sein. Auch wenn es das Unternehmen in eigener Form  nicht mehr gibt (es gehört seit 2005 zu Procter & Gamble) so ist die Marke Gillette immer noch deutlicher Marktführer bei Nassrasierprodukten, mit fast 50% Marktanteil. Und das will schon etwas heißen, auch in Anbetracht dessen, dass im Bereich dieser Produkte Gillette im oberen Preisbereich aufgestellt ist.

9. Januar 2019

Mitgeprügelt? Nein. Aber auch nicht unschuldig.

Die Republik ist entsetzt. Nicht zu Unrecht. Ein Bundestagsabgeordneter wurde von drei Vermummten niedergeschlagen, und als er bewusstlos am Boden lag noch mit Fußtritten attackiert. Das war dann doch einer zuviel. Das Bild, das die AfD daraufhin ins Netz stellte und von diversen Medien (wenn auch verpixelt) verbreitet wurde, trug dann vielleicht auch einen nicht unmaßgeblichen Teil dazu bei, dass man die ganze Aktion nicht, wie inzwischen schon zur Routine geworden, mit einem Schulterzucken ignorierte. Zu brutal und deutlich waren die Spuren und zu deutlich die Assoziation, dass es sich hier nicht um eine scheinbar so harmlose "Prügelei" handelte, sondern um einen bewussten Ausbruch von Brutalität, der, wenn eine Tötungsabsicht schon nicht nachgewiesen werden kann, so doch zumindest die Inkaufnahme einer Tötung impliziert.­

8. Januar 2019

Aus der Schwalbenperspektive: Ribe(r)ye oder La Bavette d'Or


Ein leider viel zu früh verstorbener Freund von mir arbeitete seinerzeit als Schlossführer in einer prächtigen fränkischen Barockresidenz. An ihn musste ich kürzlich denken, denn er hatte die Angewohnheit, bei seinen mehr als kurzweiligen Führungen immer dieselbe Fangfrage zu stellen. War die Besuchergruppe gegen Ende der Runde im mit reichlich Zierat versehenen Thronsaal versammelt, ließ er sie immer schätzen, wie viel Gold wohl in der prunkvollen Ausstattung verwendet worden war. Und meistens tappte der überwiegende Teil der Gruppe in die Falle: "Ein Kilo", hieß es - ja bis zu zehn Kilo wurden aufgerufen, bis mein Freund mit diebischer Freude verkündete, dass ein Gramm Blattgold ungefähr eine Fläche von einem halben Quadratmeter bedecken könne.

Nun ist selbst ein "Tomahawk-Steak", wenn man es rundum mit dem glänzenden Element überzieht, keinen halben Quadratmeter groß - der reine Materialwert der "kostbaren" Verpackung von Franck Ribérys Abendmahlzeit liegt also ungefähr einen Euro teurer als ein Meter Melitta Toppits extra reißfeste Alufolie, falls der französische Balltreter schwächeln und sich den Rest auf den Weg einpacken lassen sollte.

5. Januar 2019

Land unter im südlichen Bayern: Vorsicht vor einfachen Klimawahrheiten

Das Foto, mit dem ich diesen Beitrag illustriere, habe ich heute kurz vor Mittag im äußersten Südosten Bayerns aufgenommen. Es zeigt zwei Skistöcke mit einer Länge von 125 Zentimetern, die ich auf einer ebenen Fläche in einer Höhe von etwa 1000 Metern in den unberührten Schnee gerammt habe. Die Spitze (also der unterste Teil) der Stöcke erreichte übrigens nicht den Boden, sondern eine weitere, harte bis eisige Schneeschicht, die zu durchdringen die Stockteller verhinderten. Realistischerweise kann man von einer Schneehöhe an meinem Messort – Stand heute Mittag – von mindestens 130 bis 140 Zentimetern ausgehen. In den circa sieben Stunden seit meiner Sondierung dürften an der besagten Stelle noch einmal 15 bis 30 Zentimeter Schnee gefallen sein.

Warum erzähle ich Ihnen das? Wenn Sie nicht beschlossen haben, dieses Wochenende nachrichtenlos zu verbringen, haben Sie zweifellos von dem „Schneechaos“ – so ein häufig gebrauchter Terminus – in den Bergen gehört oder gelesen. Freunde des passiven Wintersportgenusses werden auch mitbekommen haben, dass der Qualifikationsdurchgang für das morgige Dreikönigsspringen in Bischofshofen – einem Ort im Salzburger Pongau, also in den östlichen Nordalpen (oder nördlichen Ostalpen, wenn man so will) – abgesagt wurde.

1. Januar 2019

Bitte ohne Schall und Rauch: Gedanken zur alljahresendlichen Feuerwerkskritik

Hand aufs Herz: Haben Sie gestern (beziehungsweise heute) die eine oder andere Rakete in den Nachthimmel steigen lassen? Wenn ja, dann haben Sie die – soweit ersichtlich – einhellige Empfehlung der Multiplikatoren-Elite dieses Landes, auf die Silvesterknallerei zu verzichten, entweder nicht mitbekommen oder vorsätzlich missachtet. „Brot statt Böller“ ist der Klassiker unter den Jahresendabrüstungsforderungen, später wurde die Kracherkritik dann auch auf den zu vermeidenden Stress für Haus- und Wildtiere gestützt, seit neuestem rücken die Gesundheitsgefahren für den Menschen, neben Verbrennungen und Schädigungen der Sinnesorgane auch körperliche Belastungen durch die Feinstaubfreisetzung, in den Vordergrund. Und der MDR rechnet uns dann noch die Anzahl an Straßenkilometern respektive Lehrern vor, die man mit dem Geld, das die Deutschen am 31. Dezember in die Luft blasen, sanieren beziehungsweise einstellen könnte.

31. Dezember 2018

Der Jahresrückblick mit Mesut und Claas

Der Silvestertag bietet traditionellerweise die Gelegenheit, einen Jahresrückblick anzustellen. Die enzyklopädischen Retrospektiven überlasse ich den Freunden von den Qualitätsmedien. Im Folgenden möchte ich vielmehr zwei in den vergangenen 365 Tagen an die Oberfläche getretene Ereignisse herausgreifen, die meines Erachtens symptomatisch für das Debattenklima in diesem Lande waren und sind und denen deshalb exemplarische, über den bloßen Einzelfall hinausgehende Bedeutung zukommt.

Der erste zu besprechende Themenkomplex ist die Erklärung Mesut Özils zu dem vielkritisierten Fototermin mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und die Reaktion der deutschen Presselandschaft darauf.

27. Dezember 2018

Streiflicht: Frank Underwood wehrt sich!

Die meisten Meldungen zu Weihnachten sind recht langweilig, bzw. nicht unbedingt zum Schmunzeln geeignet: Der Papst verkündet das wir uns um arme Menschen kümmern sollen (da die Kirche das nicht so recht hin bekommt), die Gegenstelle von protestantischer Seite verkündet das alles gut wird, wenn wir uns nur alle lieb haben ("beten mit den Taliban") und die deutsche Politik blüht in ihren kleinen Grabenkriegen auf (Merkel 2 versucht sich Merz vom Hals zu halten, Überraschung!). 

Originell dagegen war das kleine Weihnachtsvideo von Frank Underwood. Sie kennen Frank Underwood nicht? Dann wirds aber Zeit. Frank Underwood war immerhin Präsident der USA. Okay, zumindest wenn man der Serie "House of Cards" folgt, die seit 2013 von Netflix produziert wurde. 

24. Dezember 2018

Frohe Weihnachten!

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

nein, es ist kein Jahresendfest, es ist kein Lichterfest, es sind auch keine "frohen Feiertage" oder "frohe Festtage". Im Namen meiner Kollegen und mir selber, wünsche ich Ihnen:

Frohe Weihnachten!

Llarian

© Llarian. Für Kommentare bitte hier klicken.

23. Dezember 2018

Der Fall Relotius - eine journalistische Köpenickiade

Es fiele leicht, über den Fall Claas Relotius mit der dem SPIEGEL gern nachgesagten Häme zu schreiben. Denn es ist mehr als peinlich, dass das Leitorgan der deutschen Presselandschaft in Sachen Überprüfung der bei ihm eingereichten Artikel gerade bei den zum Teil wirklich plumpen Erfindungen des Überführten so schmählich versagt hat. Für den Spott über die nunmehr arg beschädigte Selbststilisierung der hauptberuflichen Welterklärer als bessere Alternative zu den Fake-News-Höllen der sozialen Netzwerke ist gesorgt.

Gerade auch in den klassischen Medien ist von einem Einzelfall die Rede, was im Hinblick auf Ausmaß und Dreistigkeit der Manipulationen des 33-Jährigen zweifellos richtig ist. Man fühlt sich gleichwohl an den Hauptmann von Köpenick erinnert, der mit seiner Rathausbesetzung zwar ebenfalls etwas Singuläres getan, dabei aber auch die Schwächen eines Systems, das der von einer Uniform ausgestrahlten Autorität bedenkenlos auf den Leim ging, ausgenutzt und offengelegt hat. In Deutschland wurde der Handstreich des Wilhelm Voigt überwiegend belustigt zur Kenntnis genommen. Die nachdenklichen Stimmen, die von einem - modern gewendet - bug und eben nicht von einem feature sprachen, waren in der Minderzahl.

16. Dezember 2018

Der Arbeitgeberpräsident schafft das

Es ist schon eine lustige Allianz, die sich da durch die letzten vier Jahre gebildet hat, angefangen von Angela Merkel, ihrer Partei, der versammelten deutschen Linken und ..... den Arbeitgebern. Zumindest den organisierten Arbeitgebern, oder besser noch, denjenigen Arbeitgebern die groß genug sind und sich im BDA organisieren. Der Präsident eben jener Organisation hat in einem viel zitierten Interview, dass die Augsburger Allgemeine am 14.12. veröffentlichte, ein paar sehr schöne Standpunkte zusammengetragen, die doch der Diskussion wert sind.

11. Dezember 2018

Muss Israel noch einen Krieg führen?

Allein der eine Satz „In Auschwitz ist nicht das Judentum gestorben, sondern das Christentum" (1946 im Bericht „Die Nacht") könnte Elie Wiesel unsterblich machen. Man möchte mehr von ihm wissen und lesen. 1986 bekam er den Friedensnobelpreis und 2016 ist sein Todesjahr.

Siebter von links in der zweiten Reihe von unten (links vom Pfosten): Wiesel im KZ Buchenwald, 16. April 1945, 5 Tage nach der Befreiung.

1982 veröffentlichte Wiesel fünf Porträts jüdischer Propheten: Josua, Elias, Saul, Jeremias und Jona. Ich wähle das erste und kriegerischste vom Eroberer: „Josua oder die Tragik des Siegers". Warum? Weil ich zeigen will, wie er mit dem biblischen Bericht, den er so nimmt, wie er da steht, ringen muss, um zu seinem Ziel zu kommen: Manchmal könne ein Krieg unvermeidlich sein und gerechtfertigt als Verteidigungskrieg. Aber hier war es anders: „Josua irritiert uns."

10. Dezember 2018

Wahrheit. Häresie. Glashaus. Geisterfahrt. Eine kurze Meta-Reflexion

Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Aber wie kann man denjenigen, der seine Situation aufgrund der Größe des Gebäudes oder der Eigenschaften des Baumaterials nicht erkennt, von der Schadensneigung seiner handartilleristischen Ambitionen überzeugen? Dem unbefangenen Betrachter stellt sich das Glashaus vielleicht sogar als Echokammer dar, seinen Bewohnern häufig nicht. Wie die Bibel schon lehrt, ist es leichter, den Splitter im Auge des anderen als den Balken im eigenen Sehorgan wahrzunehmen.

9. Dezember 2018

Ist es eine Verschwörung, wenn es offen passiert? Ein Gedankensplitter.

Morgen soll dann also "endlich" der globale Migrationspakt in Marrakesch unterschrieben werden. Oder besser: Er wird von vielen Ländern unterschrieben werden, die ersten "klassischen" Länder an die man denkt, wenn es um Auswanderung geht, sind nicht dabei. Sowohl die USA als auch Australien haben sich aus dem Pakt verabschiedet. 

8. Dezember 2018

Die vertane Chance. Die gewahrte Chance. Gedanken zur Wahl des CDU-Parteivorsitzenden

Und ernüchtert seh ich den grauen Tag.
Wo ist der November geblieben?
Wo ist das Volk, das einst unten lag,
Von Sehnsucht nach oben getrieben?
Stille. Vorbei. Es war nicht viel.
Ein Spiel. Ein Spiel.
So lautet die letzte Strophe von Kurt Tucholskys wunderbarem Gedicht "Dantons Tod". Und so ließe sich wohl auch (in poetischer Sprache) das Gefühl beschreiben, das viele Konservative gestern Abend ergriff, als sie die Nachricht von Annegret Kramp-Karrenbauers Sieg bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden vernahmen. Kollege Llarian hat diese Enttäuschung in unserem Blog in umschweifslos klare Worte gefasst. Unter dem Eindruck der Ereignisse hätte ich (fast) jeden Satz in Llarians Text unterschrieben. Heute bin ich anderer Auffassung. Vielleicht war es, auch und gerade aus konservativer Sicht, ein großer Segen, dass Friedrich Merz gestern nicht zum Präsidenten seiner Partei erkoren wurde.