21. Mai 2020

叶永烈 (1940年8月30日-2020年5月15日). "Vom kleinen Herrn Allwissend zum Smartphone." Zum Tod des Schriftstellers Ye Yonglie

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Zu einer der seltsamen Konstanten von diktatorischen Gesellschaften, von "formierten Gesellschaften" in ihrer rigidesten, den menschlichen Geist rigoros abtötenden Form, in der maximalen Verneinung der menschlichen Freiheit, scheint das formale Verbot der Zukunft zu gehören. Nicht in der Form, daß es sie nicht geben darf - denn totalitäre Sozietäten beziehen ihre ureigenste ideologische Rechtertigung daraus, daß sie - und nur sie - die Zukunft darstellen. Sondern in dem Verbot, von ihr zu erzählen, und sei es nur als utopische Einlösung all der vage beschworenen "lichten Zukunft".

Hierbei scheint eine Nebenbedingung zu sein, daß solche Gesellschaften über eine reichhaltige, über die Jahrhunderte zurückreichende literarische Erzähltradition verfügten, bevor ihnen, um George Orwells Wendung zu zitieren, die Partei "auf immerdar mit dem Stiefel auf das Gesicht eintrat": in Nordkorea unter den Kims wie in Albanien unter Enver Hodscha fehlte das, was man eine "bürgerliche Erzähltradition" nennen könnte: der reiche literarische Assonanzraum aus Lyrik, Epik, Historie und jener einzigartigen Erfindung des menschlichen Gedächtnisses: dem Roman, um sowohl das Abenteuer des Unbekannten, die Hoffnung der alltäglichen Erfahrung und die Teilnahme am Schicksal erdachter Personen in all ihren Facetten in dem aufbewahren zu können, was als mündliche Form der Legende und des Heldenepos begonnen hat.

18. Mai 2020

Hauptsache Verschwörungstheoretiker

In Deutschland wird wieder demonstriert. Nicht ausgeprägt, aber doch deutlich vorhanden, am vorvergangenen Wochenende in Stuttgart wohl um die 10.000, was ja immerhin schon eine gewaltige Zahl ist, wenn man bedenkt, dass die meisten Städte die (demokratisch mehr als  fragwürdige) Strategie fahren, erst gar keine Demonstration zu genehmigen, die eine knapp dreistellige Menschenmenge erreichen könnte. Auch wurden die Bussgelder noch einmal deftig erhöht mit denen man Druck auf die Demonstranten ausüben  kann, dass unter solchen Umständen überhaupt nennenswerte Menschenmengen zusammen kommen, zeigt, dass die Demokratie in Deutschland zwar schwer erkrankt aber  noch nicht tot ist.

14. Mai 2020

Ein Fundstück aus dem Frühjahr 1920

­Es dürfte, zumal im deutschsprachigen nördlichen Nachbarland, nicht wenige Zeitgenossen geben, nach deren Dafürhalten die Boole'sche Kombination der Vokabeln "SCHWEIZ" + "SATIRE" den Begriff der "leeren Menge" trefflich illustriert. Und dennoch: die Schweiz ist heute Heimat der ältesten satirischen, noch bestehenden Zeitschrift der Welt. Der Nebelspalter, 1875 nach dem Vorbild des englischen Punch, or The Modern Charivari als Wochenzeitschrift ins Leben gerufen, erscheint heute, wen auch schon seit geraumen Jahren nur noch im Monatsrhythmus. Und im Nebelspalter erschien von fast genau 100 Jahren, in der Ausgabe 10 des 46. Jahrgangs (der hier auf der Netzseite der ETH Zürich vollständig einzusehen ist) vom Dienstag, dem 6. März 1920, eines jener satirischen Zeitgedichte, die in all den Blättern dieser Gattung, vom Punch selbst über den Münchner Simplicissismus und die Berliner Weltbühne, das A und O des ironischen Kommentars zur Weltlage darstellten, mit denen sich Autoren wie Kurt Tucholsky, Erich Kästner oder Mascha Kaleko (oder auf der anderen Seite des Ärmelkanals etwa der bei uns völlig unbekannte R. P. Lister) ins Gedächtnis der Zeitgenossen eingeschrieben haben.

Unter dem Titel "Die Grippe und die Menschen" hieß es dort:

11. Mai 2020

SpX-DM2 und darüber hinaus. Nebst der Beantwortung der Frage: "Wer ist Elon Musk"?

­Lieber Leser, man mag es ja in diesen Zeiten kaum glauben, und doch ist es so: es gibt ein Leben außerhalb von Corona. Es gibt Projekte, Vorhaben, Unternehmungen, die (bislang jedenfalls und vorerst) von der viralen Heimsuchung der Welt nicht tangiert worden sind - was sich natürlich im Zuge dessen, was Nassim Nicholas Taleb den "Fat Tail" der Epidemie (also den ökonomischen Folgen und den kaskadierenden Tertiäreffekten) genannt hat, noch anstehen kann. Dazu gehört die Wiederaufnahme, wie zögerlich auch immer, jenes Projekts, das in der Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem griffigen, aber weit zuweit ausgreifenden Motto "die Eroberung des Weltraums" zuerst angegangen wurde. Hier nun der aktuelle Stand, was die kleinen Mosaiksteinchen betrifft, aus denen sich, vielleicht, möglicherweise, eine Brücke (oder, um im Bild zu bleiben: eine Furt) ergeben wird, die der Menscheit eine wie klein auch immer geratene Basis außerhalb ihrer evolutionären Wiege auf dem dritten Planeten des Sonnensystems errichten könnte. Und zwar in aufsteigender Reihe: vom nüchtern Praktisch-Pragmatischen übers Größenwahnsinnige bis hin zum vollends bengalisch irrlichternd Megalomanischen.

Doch zunächst zum Wichtigen: Die Frage: "wer ist Elon Musk?" läßt sich recht schlüssig bescheiden. Die Antwort lautet:

Elon Musk ist D. D. Harriman.

9. Mai 2020

Warum ich gehe


Auch ich verabschiede mich von Forum und Blog. Der Grund ist der Verlust des Kerns, welcher diesen virtuellen Ort für sehr lange Zeit ausmachte: Ein Wagschale zwischen Liberalismus und Konservatismus, zwischen denen immer abgewogen werden muss. Beide Positionen sind hier zwar noch immer vertreten. Es gibt auch genug Teilnehmer, die sowohl liberale als auch konservative  Positionen vertreten. Jedoch viele, besonders unter den aktivsten Teilnehmern, nicht mehr abwägend, sondern mit absolutistischer Selbstgewissheit – je nach Thema und emotionaler Prädisposition zu diesem – mal in die eine und mal in die andere Extreme ausschlagend ohne Spielraum für abwägende Zwischenpositionen.

Anstatt von der vernünftigen Standardannahme einer Position zwischen den Extrempositionen als Startpunkt ausgehend eine abwägende und differenzierte Analyse vorzunehmen, schwanken die aktivsten und lautesten Teilnehmer zwischen Panikmache und Weltuntergangsstimmung auf der einen Seite und Ignoranz für Gefahrenpotential und Risiko auf der anderen Seite, je nachdem bei welchem Thema die Amygdala wie angesprochen wird. Dabei geht das Ingorieren des Risikopotentials häufig mit einer Weltuntergangsstimmung anderer Art einher. Schließt man sich nicht den Panikmachern an, dann hat man halt panische Angst vor den Panikmachern. Hat man nicht Angst for der angeblichen oder tatsächlichen Gefahr (oder a-priori ernst zu nehmenden Gefahrenpotentials, auch wenn es starke Unsicherheiten gibt), hat man stattdessen Angst vor den Gegen- oder auch nur Vorsichtsmaßnahmen, welche die "Panikmacher" fordern oder gar umsetzen. Nachgeradezu panische Angst, möchte man sagen.

Nochmals: Das sehe ich nicht nur hier. Das sehe ich überall. Ich sehe hier auch noch überdurchschnittlich den Geist des liberal-konservativen Abwägens. Doch zunehmend sehe ich willkürliche Absolutismen. Und kurz gefasst: Den Vorwurf Autoritarismus das Wort zu reden und nicht freiheitlich (genug) gesinnt zu sein, kann ich mir auch bei links-progressiven Blogs und Foren abholen, in dem ich mich für verstärkte Einwanderungskontrolle ausspreche.

Zu abstrakt? Hier ein paar konkrete Beispiele:

Ein "entwürdigendes Spucktuch" verpflichtend im ÖPNV? Eine unterträgliche Grundrechtseinschränkung. Freiheit first, Beweise für ein Gefahrenpotential reichen nicht, es muss felsenfest belegt werden, dass eine Apokalypse sonst unvermeidlich ist, sonst handelt es sich um eine unterträgliche Freiheitseinschränkung. Darüber hinaus wird schon die Existenz eines Gefahrenpotentials geleugnet. Nicht genug Beweise für die Aufrechterhaltung der größten Grundrechtseinschränkung seit dem zweiten Weltkrieg.

Geschlossene Grenzen/Einwanderungskontrolle? Ja gerne, nix mit Freiheit zur globalen Freizügigkeit. Plötzlich überall ein Risiko, zumindest gefühlt. Da braucht es keine Beweise, die man aber an allen Enden zu sehen glaubt. Untergang der deutschen Wirtschaft, der Gesellschaft, der Kultur, Verlust der öffentlichen Sicherheit, alles ganz Gefährlich mit eindeutigen Beweisen belegt. Wird kommen. Ganz sicher. Und im übrigen sollten diejenigen das Risiko tragen, die es uns eingehen lassen und haben die Beweispflicht, dass es harmlos ist. Es geht schließlich um unsere Kinder und deren Zukunft!

Und was sind schon die paar Toten im Mittelmehr gegen die Chance durch einen harten Kurs abzuschrecken. Man hatte keine Beweise, das es funktioniert,  aber man wollte es glauben (Spoiler: Funktioniert nicht, die Flüchtlingszahlen korrelieren nicht mit der Härte des Abschreckungskurses, sondern mit der Situation aus den Ländern, aus denen geflohen wird).

Kannabis verbieten? Ja klar, ist gefährlich. Als Einstiegsdroge. Gibt es zwar keinen Beweis dafür, aber die Beweispflicht liegt bei denen, die es freigeben wollen. Ist schließlich ein Risiko, das vorher ausgeschlossen werden muss. Und die Freigabe wird ganz sicher zu mehr Kriminalität führen, auf keinen Fall zu weniger. Und überhaupt, was ist mit den Kindern, deren Konsum wird steigen. Gibt es zwar keine Beweis dafür, aber die Beweispflicht liegt bei denjenigen, die das Risiko eingehen wollen, nicht wahr?

Klimawandel? Alles erstunken und erlogen, irrationale Panikmache. Belege für eine signifikante menschengemachte Komponente werden ignoriert und weggeredet. Stattdessen sollten wir Angst haben vor diesen hinterlistigen Panikmachern und damit sind nicht nur die Politaktivisten gemeint,  die auf der Welle reiten, sondern auch die Klimawissenschaftler. Bekanntlich alles ein korrupter Haufen!

Energiewende? Ganz schlimm, das Ende des Wirtschaftsstandortes Deutschland! Glasklar bewiesen: Siehe Abwanderung der Stahlindustrie. (Nein wirklich, mal ganz ohne Polemik: Das ist tatsächlich eine reale Folge! Sowohl von Llarian sauber theoretisch begründet als auch durch Statistiken und realem Arbeitsplatzverlust belegt. Das non sequitur: Die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gehe verloren. Es ist zwar ein Indiz, dass hier ein Gefahrenpotential liegt, aber ein Beweis für ein unvermeidbare Folge ist es nicht.) Das die Wirtschaft (bis zu Corona) brummte, egal. Wird kommen, ganz sicher. Die Dicke wird singen, in spätestens 15-30 Jahren (interessanter Weise genau die Weltuntergangs-Konstante, die man bei den Klimaaktivisten zurecht kritisiert).

Und komme mir jetzt niemand damit, das Kriterium, bei wem die Beweislast liege, sei, wer den Staatseingriff fordere. Das ist ein bunter Mix. Anti-Corona-Maßnahmen sind staatliche Eingriffe in die Freiheit, genau so wie geschlossene Grenzen, Einwadnerungskontrolle und Canabis-Verbot. Die Selbstgeweisheit, die eigene Angst oder Furchtlosigkeit in Bezug auf eine Gefahr oder Gegenmaßnahme, sei ein Ausfluss liberaler Prinzipien lasse ich nicht gelten. Die Karte zieht man immer dann, wenn es gerade passt. Das tun auch die Grünen! Aber ich sehe diese Phänomen hier genau so. Das wäre in Ordnung - im Rahmen einer liberal-konservativen Abwägung und Kompromissfindung. Die Werte der Freiheit vs. Schutz und Bewahrung des Bestehenden abwägen im Rahmen eine gesitteten Diskussion mit agree-to-disagree-Menatlität, wie sie bei einem Diskussion um Abwägung zwischen Zwei im Konflikt stehenden Werten unabdingbar ist. Nicht ein willkürliches Wechseln zwischen den beiden Extrempolen je nach Thema und emotionaler Reaktion auf dieses (natürlich immer mit absolut sicheren Beweisen für die eigene Position bei gleichzeitigem absoluten Fehlen jedes Indizes, die Gegenseite könnte auch einen Punkt haben).



Techniknörgler

© Techniknörgler. 

8. Mai 2020

Fahrplan-Vorschlag

Im voran gegangen Artikel Zu Vorhersagen a priori und a posteriori habe ich einige allgemeine Bemerkungen zur Bewertung von Vorhersagen getroffen. Vor allem aber habe ich auf die große Unsicherheit verwiesen. Diese berücksichtigend möchte ich nun meinen Vorschlag für einen Fahrplan kund tun, denn andere zu kritisieren ist einfach, solange man selber keine konstruktiven Gegenvorschläge unterbreitet.
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Ich beschränke mich hier auf eine Auflistung der Maßnahmen, die mE von staatlicher Seite verbindlich vorgeschrieben werden sollten. Entsprechend wirkt meine Auflistung der Form nach wie ein (juristisch nicht sauber formulierter Entwurf) einer Allgemeinverfügung. Alles andere sollte entsprechend freigegeben werden. Darüber hinaus gibt es natürlich zu empfehlende Beschränkungen des sozialen Kontaktes, für die es Faustregeln geben kann, bei deren Einhaltung man aber nur an die Vernunft der Bürger appellieren sollte, da es sich um den (ohne ans autoritäre grenzende Maßnahmen) nur sehr schwer zu überwachenden Privatbereich der Bürger handelt. Ein Beispiel wäre die Faustregel sich in einem bestimmten Zeitraum nur mit Personen aus ein und dem selben anderen Haushalt privat zu treffen und nicht jeden Tag mit Leuten aus unterschiedlichen Haushalten.

Am schwierigsten dürfte vermutlich die von mir vorgeschlagene Dokumentation des Besuches bestimmter Einrichtungen umzusetzen sein, da im datenschutzfixierten Deutschland eher Shutdown alle Einzelhändler umzusetzen ist, als eine dezentrale, kurzfristige Datensammlung, die evt. sogar nur auf absolut nicht-digitalem Papier erfolgt. Dabei ist dies bei Lichte betrachtet die deutlich mildere Maßnahme, die einem Gleichzeitig bei der Verfolgung von Infektionsketten hilft, sollte sich die Corona-Pandemie doch als schwerwiegender und vor allem nicht ausgestanden erweisen. Es handelt sich also also um ein Sicherungsseil gegen einen erstaunlich geringen Preis, falls die Lockerung doch voreilig war. Einige weitere Einschränkungen noch ein oder zwei Wochen aufrecht zu erhalten dient u.a. auch der Vorbereitung darauf, entsprechende Gästelisten zu führen. Bekanntlich braucht so etwas in Deutschland ja alles einen Vorlauf.

Aber nun die Auflistung der mE aufrecht zu erhaltenden Maßnahmen.

Maßnahmen

A) Auf unbestimmte Zeit sollten folgende Maßnahmen in Kraft bleiben:
  1. Großveranstaltungen mit mehr als 300 Teilnehmern bleiben untersagt.
  2. In öffentlichen Verkehrsmitteln besteht eine Pflicht zum Verdecken von Mund und Nase.
  3. In allen Betrieben und allen öffentlich zugänglichen Einrichtungen ist wenn möglich und für den Betrieb (z.B. wirtschaftlich) zumutbar ein Mindestabstand von 1,5 bis 2 m einzuhalten oder eine Verdeckung von Mund und Nase zu tragen.
  4. Auf allen Verkaufsflächen (ob in geschlossenen Räumen oder unter freiem Himmel) sowie öffentlich zugänglichen Geschäftsräumen ist ein Mindestabstand von 1,5 bis 2 m einzuhalten, sofern kein anderweitiger Schutz vor Infektionen besteht. 
  5. Die Anzahl der sich gleichzeitig in öffentlich zugänglichen Geschäftsräumen (inkl. Verkaufsflächen) aufhaltenden Personen ist zu beschränken. Die Höchstzahl pro Fläche wird vom lokalen Gesundheitsamt nach Maßgabe der aktuellen Lage festgelegt.
  6. Öffentliche Tanzveranstaltungen mit Alkoholausschank sind untersagt.
  7. In Hallenbädern, Saunen, Sporteinrichtungen in geschlossenen Räumen sowie  auf Tanzveranstaltungen ist sowohl die Anzahl an Gleichzeitig pro Fläche anwesenden Personen zu begrenzen, als auch eine Liste aller Anwesenden zu führen, die Name, Anschrift und nach Möglichkeit eine elektronische Kontaktmöglichkeit erhält, welche 6 Wochen aufzubewahren ist (um eine Verfolgung der Infektionsketten durch die Gesundheitsbehörden zu ermöglichen, welche als einzige und nur dann Zugriff erhalten, falls eine meldepflichtige Infektionskrankheit bei einem Gast festgestellt oder begründet vermutet wird)
  8. Dienstleistungen mit großem Körperkontakt sind nur nach vorherigem Termin zulässig sowie nach Eintragung in eine Liste in Analogie zu Punkt 7.
  9. Besuche von mehr als einer Person am Tag für einen Bewohner eines Alten- und Pflegeheimes sind unzulässig und auch diese nur nach Eintragung in eine Liste in Analogie zu Punkt 7. Weitere Einschränkungen des Besuchsrecht werden nach Ermessen des lokalen Gesundheitsamtes festgelegt.
B) Bis einschließlich 6. Juni sind zu untersagen

  1. Besuche in Alten- und Pflegeheimen (Ausnahmen nach Ermessen des örtlichen Gesundheitsamtes möglich) (und ja, absichtlich so gelegt, das Pfingsten da noch mit rein fällt),
  2. der Ausschank von Alkohol über eine Höchstgrenze von bis zu 0,5 l Bier und 0,2 l Wein pro Gast nach 18 Uhr,
  3. öffentliche Tanzveranstaltungen, Konzerte und Public Viewings,
  4. Tanzveranstaltungen mit mehr als 10 Teilnehmern in geschlossenen Räumen sowie
  5. öffentliche Freizeitveranstaltungen bei denen der Mindestabstand von 1,5 bis 2 m nicht eingehalten werden kann, sofern sie in geschlossenen Räumen stattfinden oder mehr als 20 Teilnehmer aufweisen

C) Bis einschließlich 25. Mai sind 

  1. zu schließen: Kinos, Theater, Hallenbäder, Saunen sowie Sporteinrichtungen in geschlossenen Räumen
  2. untersagt: gastronomische Dienstleistungen nach 18 Uhr in geschlossenen Räumen (außer Bestellungen zum Mitnehmen) sowie Dienstleistungen mit großen Köperkontakt außer Friseure unter Einhaltung entsprechender Hygiene- und Mindeststandards.
  3. in geschlossenen, öffentlich zugänglichen Geschäftsräumen sind Mund und Nase zu verdecken.
D) Bis einschließlich 18. Mai sind zu schließen:

  1. Schwimmbäder (Hallen- wie Freibäder) und Saunen
  2. Sporteinrichtungen und Sportplätze
  3. Kitas, Kindergärten und Grundschulen (außer Notbetreuung)
  4. weiterführenden Schulen für die Jahrgänge bis zur 9. Klasse
E) Falls vom RKI für notwendig erachtet sind vom 29. Mai bis einschließlich 1. Juni Reisen außerhalb des Kreises oder der kreisfreien Stadt des Wohnortes, außer falls beruflich, gesundheitlich oder anderweitig zwingend notwendig, zu untersagen.

F) Die Maßnehmen sind in einem Kreis, einer Gemeinde oder kreisfreien Stadt wieder zu verschärfen, wenn mehr als 35 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner ohne Berücksichtigung von Alten- und Pflegeheimen oder 50 neue Infektionen pro 100.000 Einwohne insgesamt festgestellt wurden. Dabei sind mindestens die Maßnahmen nach Punkt B und C  für mindestens 3 Wochen zu ergreifen. Weitere Maßnahmen sind nach Ermessen des lokalen Gesundheitsamtes zu ergreifen.


G) Die Maßnahmen auf unbestimmte Zeit nach Punkt A sind aufrecht zu erhalten bis
  1. mindestens 3 Monate ohne eine Verschärfung nach Punkt F im selben Bundesland verstrichen sind
  2. mindestens 2 Monate ohne eine Verschärfung nach Punkt F im Bundesgebiet verstrichen sind und
  3. nach Rücksprache und Einholung von Expertenmeinungen durch das RKI selbiges das Risiko einer weiteren Welle trotz Aufhebung der Maßnahmen für gering einschätzt.

Die Maßnahmen sind jedoch bundesweit wieder in Kraft zu setzen, sollte eine einem Kreis, einer Gemeinde oder kreisfreien Stadt wieder eine Verschärfung nach Punkt F notwendig sein. Die Maßnahme nach Punkt A 1 (Verbot von Großveranstaltungen) sollte bis mindestens 30. November in Kraft bleiben, die Maßnahme nach Punkt A 2 (Mund- und Nasenabdeckung in öffentlichen Verkehrsmitteln) ist in diesem Jahr auf jeden Fall vom 1. Oktober bis 30. November anzuwenden.
Techniknörgler

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Zu Vorhersagen a priori und a posteriori

Groß ist der Graben zwischen den unterschiedlichen Lagern in der Corona-Krise. Die einen sagen (überspitzt oder vielleicht nicht einmal das) es sei nur wie eine Grippe zu bewerten, die Bezeichnung Pandemie sei übertrieben und in Anführungsstriche zu setzen sowie alle Maßnahmen überflüssig und nutzlos (außer vielleicht die Absage von Großveranstaltungen). Das geht häufig mit einer enormen emotionalen Abneigung gegen den Mund-Nasen-Schutz einher, der nur ein "entwürdigendes Spucktuch" oder ein "Staatsknebel" sei, damit Merkel ihr Gesicht wahren könne. Die anderen sagen, jegliche Lockerung sei ein Fehler, käme mindesten 3 Wochen zu früh und der Lockdown sowie andere staatliche Maßnahmen seien absolut notwendig, angemessen und wirksam, um den noch am Anfang stehenden exponentiellen Anstieg zu unterbinden. Ohne diese harten Maßnahmen drohe uns ein Desaster wie in Italien, Spanien oder New York, ein Abrücken von den Maßnahmen gefährde also auf unverantwortliche Weise Menschenleben.

Wahrscheinlicher ist ein Szenario in der Mitte, wonach einige Maßnahmen unabdingbar sind, um ein Desaster zu verhindern, andere sinnvoll, wieder andere einen geringen Nutzen haben, der aber außer Verhältnis steht, sowie schlussendlich andere wiederum vollkommen  nutzlos sind. Letztere Sichtweise wird mit dem Konzept des "Tanzes" nach dem "Hammer" (wie im viral gegangen Artikel "Coronavirus: The Hammer and the Dance" beschrieben, deutsche Übersetzung hier) assoziiert, kann aber auch mit der Sichtweise einhergehen, der "Hammer" (Lockdown) sei nicht notwendig oder gar total nutzlos gewesen, der "Tanz" jedoch sinnvoll bis unabdingbar (und hätte schon deutlich vor dem März beginnen sollen).

Wunderbar wurden diese drei Sichtweisen vom Spieltheortikers Prof. Rieck in seinem sehenswerten Youtube-Video "Drei mathematische Wege aus der Krise: Reproduktionszahl und politische Ansichten" in Bezug auf die Interpretation des zugrunde liegenden mathematischen Modells dargestellt und analysiert.

Vor allem aber gilt: Wir wissen es nicht (mit Sicherheit) und hinterher ist man immer schlauer. Oder wie Danisch es so schön auf den Punkt gebracht hat: 

Ich habe mich da insoweit am Zügel, dass ich nur wettere, wenn ich das mit demselben Wissensstand als falsch erkennen kann, wenn also eine a priori-Entscheidung auch a priori falsch aussieht. Aber ich werde nicht den Fehler machen, a posteriori die a priori-Entscheidung zu verurteilen, weil ich hinterher schlauer bin als die anderen vorher.
(Quelle: "Ein Systemling?" von Hadmut Danisch am 12.04.2020)

Hinterher werden aber auch diejenigen, die es im Vorhinein nicht besser wissen konnten, aber gut spekuliert und geraten haben, behaupten, ihre Vorhersage ginge aus den schon a priori verfügbaren Statistiken und Erfahrungsberichten hervor, auch wenn es doch nur Spekulation war und die a priori unwahrscheinlichere Vorhersage. Viele unserer Meinungen sind emotional geprägt und von unseren Weltbildern, subjektiven Erfahrungen, Wünschen, Sorgen und Ängsten abhängig und wir sind gut darin, unsere Vorstellungen zu rationalisieren und als angeblich nahe liegende Schlussfolgerung aus den Daten heraus zu lesen. Behält man dann tatsächlich recht, obwohl a priori das unwahrscheinlichere Szenario, sieht man sich darin bestätigt, man hätte die Vorhersage rational aus den Daten getroffen (und jeder andere hätte das auch tun könne, wären die nur nicht so verblendet gewesen). Auch dann, wenn bei nüchterner Betrachtung durch die Mehrzahl der Fachleute, eine andere Interpretation die Wahrscheinlichere war und sich lediglich a posteriori als falsch heraus stellt. Das ist auch immer möglich, denn "wahrscheinlicher" heißt nicht sicher und es wird immer eine signifikante Anzahl an Ereignissen geben, welche nicht den wahrscheinlicheren Ausgang einnehmen.


Techniknörgler

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2. Mai 2020

"Anschaulichere Umstände zum Virus": Ein Gastbeitrag von Michael Kouklakis

Spiele ohne Regeln

Wer mit kleinen Kindern Spiele spielt, deren Regeln nicht von vorneherein festgelegt sind, wird schnell die Erfahrung machen, dass er das Spiel nicht gewinnen wird. Weil das Kind, so es frei ist die Regeln zu ändern, dies immer so tun wird, dass es zu seinem Vorteil ist. David Zucker hat diese Beobachtung schon vor Jahren zu einer ganz netten Komödie (Basekettball) verarbeitet und natürlich auf die Spitze getrieben, so dass das entstehende Spiel danach recht absurden Regeln folgt. 

26. April 2020

20. April 2020

G. K. Chesterton, "Spargel" (1914)

Da die Spargelzeit, nicht zuletzt aufgrund des Streit um die Ausnahmegenehmigungen für saisonale Erntehelfer aus Osteuropa zu Zeiten von Corona vor kurzem ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt ist, und weil dieser Saison gerade im Münsterland, in dem ich dies schreibe, ein nachgerade liturgischer Rang zukommt, hier ein Beitrag zum Thema vom Vater des legendären Detektivs Father Brown und nach Oscar Wilde dem größten Meister des Paradoxen, Gilbert Keith Chesterton (soweit ich dies sehe, in deutscher Erstübersetzung), aus einer Zeit unmittelbar vor der Zäsur des Ersten Weltkriegs herübergrüßend, der die Weltordnung des Alten Europa unter sich begrub.

8. April 2020

Corona, der letzte Tritt für Europa?

In den letzten Wochen ist viel und noch mehr über die Krankheit COVID-19 und ihre Folgen diskutiert und debattiert worden, zweifelsfrei in voller Berechtigung angesichts der humanen Katastrophe, die sich in Italien oder Spanien zeigt und sich für Großbritannien und die USA gerade recht deutlich abzeichnet. 
Wenn der Sommer das Problem nicht eindämmt oder wie durch ein Wunder ein Impfstoff auftaucht, dann werden in diesem Jahr mehr Menschen in den westlichen Ländern sterben, als jemals zu Friedenszeiten seit mehr als 100 Jahren. 

Neben der menschlichen Tragödie gibt es mit Sicherheit aber auch soziale und nicht zuletzt gravierende wirtschaftliche Folgen. Nach Meinung dieses Autors werden die gravierendsten Folgen weltweit in Europa (EU) wiederzufinden sein. Und das soll hier begründet werden.

2. April 2020

Die Corona App. Zweiter Teil.

Dies ist der zweite Teil meines Kommentars zur "Corona App".

Den ersten Teil finden Sie hier.


Die Corona App. Von technischem Kokolores und einer politischen Bombe.

Seit einiger Zeit, den meisten spätestens seit gestern bekannt, geistert die "Corona-App" durch die Presse. Ein Handy-Programm (neudeutsche eben App), dass die Kontakte einer Person überwachen soll und dann, im Falle einer Infektion, alle Kontakte dieser Person warnen soll, dass sie eventuell infiziert sein könnten.
Der Verfasser dieser Zeilen hält das Erreichen des Zieles für extrem unwahrscheinlich, um nicht zu sagen das ganze für technischen Kokolores, der aber politisch extrem gefährlich ist. 

30. März 2020

Keine Sintflut mehr, sagt die Taube

Wer kennt noch das Zählen der Wochen in Genesis 8? Die literarisch-philosophischen Schreiber in der „WELT“ und in der „ZEIT“ suchen nach dem Sinn der Heimsuchung und des Stillstands. Sie stimmen darin überein, dass wir heute keine mythisch-religiöse Deutung in Richtung Strafe für Sünden der Gesellschaft suchen können oder gar einen mahnend erhobenen Finger des Schöpfergottes. Wer meint, versündigt hätten wir uns „an den Menschenrechten, am Rechtsstaat, den Rechten der Tiere, am Klima, an den Ozeanen und an der Erde“(WELT) , muss ein Pole sein; und er ist es auch (Szczepan Twardoch, 40 Jahre alt). Corona trifft alle, wie schon das Erdbeben in Lissabon sogar die Falschen am meisten traf: Die zum Gottesdienst im Dom Versammelten. Wir sind restlos aufgeklärt. Aber damit ist uns noch nicht geholfen.

26. März 2020

Konzepte

Gestern habe ich mich darüber ausgelassen, dass es kein Konzept gibt, sondern nur stochern im Nebel und vor einiger Zeit hat ein Zimmermann vorgeschlagen, doch einfach mal Ideen zu sammeln, was in der Krise zu tun ist. Das ist eigentlich gar keine schlechte Idee, denn mäkeln kann natürlich jeder, aber sich Gedanken zu machen, wie man es besser machen könnte, ist eine andere Ebene.

Bekanntlich gibt es in Deutschland gut 80 Millionen Bundestrainer, insofern gibt es keinen Grund warum es nicht auch 80 Millionen Chefvirologen geben soll. Und warum nicht? Gemessen an dem, was die Bundesregierung abliefert (oder eher nicht abliefert), glaube ich nicht, dass sich diese 80 Millionen Chefvirologen dümmer anstellen würden. Im Gegenteil, frei von politischen Überlegungen und der Macht der eigenen Person, lässt es sich oftmals deutlich freier denken. 

25. März 2020

Kein Konzept

Ganz Deutschland liegt im Lockdown. Fast ganz Deutschland. Die Chinesen legten es vor, die Italiener notgedrungen nach und jetzt eben auch die Deutschen. Die Chinesen haben das Problem fast besiegt, die Zahl der Neuansteckungen ist nahezu null, die ersten Beschränkungen sind bereits aufgehoben, mit weiteren ist zu rechnen. Nun sollte eigentlich Italien auch dahin kommen, oder? Tut es aber nicht. Im Gegenteil. Während in China zwei Wochen nach dem Lockdown die Zahlen dramatisch einbrachen, passiert das Ganze in Italien leider nicht. Und dieser Autor versteigert sich zu der Prognose, das wird in Deutschland nicht anders sein.

23. März 2020

Streiflicht: Merkel muss in Quarantäne

Angela Merkel muss in Quarantäne. Sie wurde am Freitag gegen Pneumokokken geimpft, und bei dem Arzt, der ihr die Impfung verabreichte, wurde das Corona-Virus nachgewiesen. 
Das wäre an und für sich kein besonderes Thema, sie konnte schlechterdings wissen, dass der Arzt ein Träger war. Und prinzipiell ist es für eine Frau ihres Alters durchaus eine gute Idee sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen, wenn eine Seuche, die auf die Lunge schlägt, gerade grassiert. Noch dazu, wenn man "gut vorbereitet" ist. Seit Wochen.  

22. März 2020

Das war’s. Die kollektive Besoffenheit hat gesiegt. Finis Noricus

Es ist wie 1914. Im Nachhinein ist leicht zu rekonstruieren, dass die europäischen Mächte seinerzeit geradezu ballistisch auf die sogenannte Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts zusteuerten. Doch für den damaligen Beobachter mag es zunächst gar nicht danach ausgesehen haben. Und als dann der Erste Weltkrieg ausbrach, war der Hurra-Patriotismus auch bei vielen groß, die sich wenige Jahre später dafür schämten oder davon nichts mehr wissen wollten.

Was die Gefährlichkeit des neuartigen Coronavirus betrifft, so bin ich nach wie vor Agnostiker. Es kann sein, dass wir gerade die schwerste medizinische Herausforderung seit hundert Jahren erleben. Es kann aber auch sein, dass wir es mit einer Schweingrippe 2.0 zu tun haben. Möglicherweise sind die von der Politik ergriffenen Maßnahmen völlig unzureichend. Aber es kann auch sein, dass diese Maßnahmen absolut überzogen sind. Vieles, was jetzt zum neuen Standard erklärt wird, ist mir alles andere als unsympathisch: Dass in Warteschlangen an Supermarktkassen die Unterschreitung einer körperlichen Schicklichkeitsgrenze fürderhin tabu ist, empfinde ich als eine riesige Errungenschaft. Man sollte aber schon auch bereit sein, die Schattenseiten des Kampfes gegen die Ausbreitung von Covid-19 ins Auge zu fassen.

20. März 2020

Nichts wird mehr wie es war

Vor knapp 20 Jahren entführte eine Bande von irren Mördern vier Linienmaschinen und setzen diese als fliegende Bomben ein, zwei davon brachten das World Trade Center zum Einsturz, alles in allem eine Tat mit etwa 3000 Toten und einem Sachschaden im Bereich von um die 10 Milliarden Dollar. Eigentlich nicht viel, sollte man meinen, aber es genügte das Denken einer ganzen Generation zu verändern, sorgte für massive Veränderungen sowohl im amerikanischen Haushalt wie auch in der amerikanischen Politik, innen wie außen. Es produzierte einen jahrzehntelangen Krieg, der selbst heute noch nicht beendet ist und kostete seitdem etliche zehntausend Menschen das Leben. Der 11. September 2001 war eine Zäsur der Geschichte, vielleicht nicht die alles umwerfende (wie der Beginn des zweiten Weltkrieges vielleicht), aber doch ein zentraler Wendepunkt.

18. März 2020

COVID-19. Münsterland. Update: Shutdown, Tag 2

...andererseits befanden sie sich in einer außergewöhnlichen Verfassung, in der sie, ohne die überraschenden Ereignisse, die über sie hereingebrochen waren, innerlich akzeptiert zu haben, natürlich genau spürten, daß etwas anders geworden war. Viele hofften immer noch, die Epidemie werde aufhören und sie und ihre Familie verschonen. Infolgedessen fühlten sie sich noch zu nichts verpflichtet. Die Pest war für sie nur ein unangenehmer Besuch, der eines Tages gehen mußte, wie er gekommen war. Erschreckt, aber nicht verzweifelt, war für sie der Augenblick noch nicht gekommen, in dem die Pest ihnen als ihre Lebensform schlechthin erscheinen sollte und sie das Leben vergessen würden, das sie bis dahin geführt hatten. Genaugenommen warteten sie ab.

- Albert Camus, Die Pest  



Die aktuellen Fallzahlen vom Mittwoch, dem 18. März 2020, dem zweiten Tag des "Shutdown":

In den letzten 24 Stunden hat sich weltweit die Zahl der registrierten Coronavirus-Infektionen auf über 200.000 erhöht (auf insgesamt 217.027); 84383 dieser Fälle sind noch "aktiv"; die Zahl der Todesopfer der Seuche stieg auf 8912. Frankreich verzeichnete in diesem Zeitraum einen Anstieg von 1404 auf 9134; Italien um 4207 auf  35.713 (die Zahl der Todesopfer nahm um 475 auf jetzt 2978 zu). Für Deutschland stieg die Zahl der Fälle um 2960 auf insgesamt 12.327, die Zahl der Verstorbenen erhöhte sich um 2 auf 28.

17. März 2020

COVID-19. Münsterland. Shutdown, Tag 1



(Netzfund: "So funktioniert Selbstisolierung: man schützt 1. sich selbst und 2. alle, die man nicht ansteckt.")

"Tout le malheur des hommes vient d'une seule chose, qui est de ne pas savoir demeurer en repos, dans une chambre."

Blaise Pascals bekanntes bonmot, alles Unglück auf der Welt rühre nur aus einer einzigen Ursache her: daß sich die Menschen nicht darauf verstünden, in Ruhe auf ihrem Zimmer zu bleiben (Pensées, II, 139), nimmt in diesen Tagen eine ganz neue Färbung an.

Heute, vier Tage vor dem astronomischen Frühlingsbeginn mit der Tag- und Nachtgleiche, ist der Frühling des neuen Jahres hier, am 52. Breitengrad, wirklich zum Ausbruch gekommen: heute morgen gaukelten gleich drei Zitronenfalter um die Büsche am Rand der Parkfläche unter meinem Fenster, bei frühlingshaften 13° Lufttemperatur.

16. März 2020

COVID-19. Münsterland. Shutdown, realiter

Jeder Leser dieses Blogpostings wird die Entwicklungen zum Ausbruch des Coronavirus und die drastischen Maßnahmen mitbekommen haben, welche die deutsche Regierung heute dazu erlassen hat. Ich werden mich also (gewissermaßen um meiner selbstauferlegten Chronistenpflicht nachzukommen), auf das kurze Notieren verlegen.

Mit dem heutigen Tag befindet sich das Land im Shutdown. Am Abend um 18 Uhr hat Bundeskanzlerin die entsprechenden Regelungen in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Das öffentliche Leben ist hiermit zum Erliegen gekommen; die Geschäfte zur Versorgung mit dem Lebensnotwendigen bleiben geöffnet - Supermärkte, Banken, Apotheken. Zwar scheint noch unklar, wie die Regelungen für den Einzelhandel aussehen (das mag daran liegen, daß dies nicht Angelegenheit des Bundes, sondern der einzelnen Länder ist - die unterschiedlichen Handhabungen der Feiertagsregelungen lassen grüßen); ich gehe aber davon aus, daß der überwiegende Teil des Einzelhandels ab morgen geschlossen bleibt, schon aus Rücksicht der Geschäftsführungen gegenüber ihrem Personal. Explizit von den angeordneten Schließungen sind betroffen:

15. März 2020

COVID-19. Münsterland. Geerdet



Der heutige Tag, Sonntag, der 15. März, wird in diesem fortlaufenden "Tagebuch des Seuchenjahrs" (um den Titel von Daniel Defoes halbfiktionalisierter aber faktengesättiger Schilderung der Pestepidemie in London 1665 ans dem Jahr 1725, A Journal of the Plague Year, anklingen zu lassen) als der Tag verbucht, an dem die deutsche Politik, salop ausgedrückt, "geerdet wurde" - als den nominell Verantwortlichen klar wurde, mit was wir es hier zu tun haben, daß die Reaktionen in der Nachbarstaaten nicht übertrieben sind und daß das bisherige: "es ist ja nur eine Art Grippewelle", "Grenzen können das sowieso nicht aufhalten", "wir sind gut aufgestellt!" und "nun ist es halt da!" nur ein Ausdruck der Hilflosigkeit, des Nichtstun und der brandgefährlichen Verantwortungslosigkeit darstellen. Heute hat die österreichische Regierung einen Lockdown über das Land verhängt - im an Norditalien angrenzenden Bundesland Tirol sogar im strikten Sinn einer flächendeckenden Ausgangssperre. Wie Bundeskanzler Kurz heute morgen in der Sondersitzung des österreichischen Parlaments erklärte:

Es gibt nur mehr drei Gründe, um das Haus zu verlassen:
1. Berufsarbeit, die nicht aufschiebbar ist.
2. Dringend notwendige Besorgungen, wie Lebensmittel.
3. Anderen Menschen helfen, weil sie es selbst nicht können.

14. März 2020

Corona, die zweite. Ein Gedankensplitter.

Inzwischen wird ja über kaum ein anderes Thema mehr gesprochen als über Covid-19, oder eben Corona, wie die Allgemeinheit eher sagt. Die Welle rollt heran wir ein Tsunami, man kann ihn fühlen, aber die Welle hebt sich langsam und wir wissen alle, dass wir bald im Wasser stehen. Es gibt inzwischen sowohl im restlichen Netz als auch in Zettels Raum ein paar sehr gute Artikel, die sich sowohl mit der eigentlichen Problematik qualitativ gut auseinandersetzen als auch das totale und andauernde Versagen der deutschen Regierung thematisieren. Ich denke nicht, dass ich dem derzeit noch viel zufügen kann und möchte, ohne das aufzugreifen was bereits wo anders steht oder gerade erst auch im kleinen Zimmer genannt worden ist.