17. Januar 2019

Dumm, dümmer, Gillette? Ein Streiflicht zu Filterblasen.

Der Markenname Gillette dürfte den meisten Erwachsenen der westlichen Welt ein Begriff sein. Auch wenn es das Unternehmen in eigener Form  nicht mehr gibt (es gehört seit 2005 zu Procter & Gamble) so ist die Marke Gillette immer noch deutlicher Marktführer bei Nassrasierprodukten, mit fast 50% Marktanteil. Und das will schon etwas heißen, auch in Anbetracht dessen, dass im Bereich dieser Produkte Gillette im oberen Preisbereich aufgestellt ist.

9. Januar 2019

Mitgeprügelt? Nein. Aber auch nicht unschuldig.

Die Republik ist entsetzt. Nicht zu Unrecht. Ein Bundestagsabgeordneter wurde von drei Vermummten niedergeschlagen, und als er bewusstlos am Boden lag noch mit Fußtritten attackiert. Das war dann doch einer zuviel. Das Bild, das die AfD daraufhin ins Netz stellte und von diversen Medien (wenn auch verpixelt) verbreitet wurde, trug dann vielleicht auch einen nicht unmaßgeblichen Teil dazu bei, dass man die ganze Aktion nicht, wie inzwischen schon zur Routine geworden, mit einem Schulterzucken ignorierte. Zu brutal und deutlich waren die Spuren und zu deutlich die Assoziation, dass es sich hier nicht um eine scheinbar so harmlose "Prügelei" handelte, sondern um einen bewussten Ausbruch von Brutalität, der, wenn eine Tötungsabsicht schon nicht nachgewiesen werden kann, so doch zumindest die Inkaufnahme einer Tötung impliziert.­

8. Januar 2019

Aus der Schwalbenperspektive: Ribe(r)ye oder La Bavette d'Or


Ein leider viel zu früh verstorbener Freund von mir arbeitete seinerzeit als Schlossführer in einer prächtigen fränkischen Barockresidenz. An ihn musste ich kürzlich denken, denn er hatte die Angewohnheit, bei seinen mehr als kurzweiligen Führungen immer dieselbe Fangfrage zu stellen. War die Besuchergruppe gegen Ende der Runde im mit reichlich Zierat versehenen Thronsaal versammelt, ließ er sie immer schätzen, wie viel Gold wohl in der prunkvollen Ausstattung verwendet worden war. Und meistens tappte der überwiegende Teil der Gruppe in die Falle: "Ein Kilo", hieß es - ja bis zu zehn Kilo wurden aufgerufen, bis mein Freund mit diebischer Freude verkündete, dass ein Gramm Blattgold ungefähr eine Fläche von einem halben Quadratmeter bedecken könne.

Nun ist selbst ein "Tomahawk-Steak", wenn man es rundum mit dem glänzenden Element überzieht, keinen halben Quadratmeter groß - der reine Materialwert der "kostbaren" Verpackung von Franck Ribérys Abendmahlzeit liegt also ungefähr einen Euro teurer als ein Meter Melitta Toppits extra reißfeste Alufolie, falls der französische Balltreter schwächeln und sich den Rest auf den Weg einpacken lassen sollte.

5. Januar 2019

Land unter im südlichen Bayern: Vorsicht vor einfachen Klimawahrheiten

Das Foto, mit dem ich diesen Beitrag illustriere, habe ich heute kurz vor Mittag im äußersten Südosten Bayerns aufgenommen. Es zeigt zwei Skistöcke mit einer Länge von 125 Zentimetern, die ich auf einer ebenen Fläche in einer Höhe von etwa 1000 Metern in den unberührten Schnee gerammt habe. Die Spitze (also der unterste Teil) der Stöcke erreichte übrigens nicht den Boden, sondern eine weitere, harte bis eisige Schneeschicht, die zu durchdringen die Stockteller verhinderten. Realistischerweise kann man von einer Schneehöhe an meinem Messort – Stand heute Mittag – von mindestens 130 bis 140 Zentimetern ausgehen. In den circa sieben Stunden seit meiner Sondierung dürften an der besagten Stelle noch einmal 15 bis 30 Zentimeter Schnee gefallen sein.

Warum erzähle ich Ihnen das? Wenn Sie nicht beschlossen haben, dieses Wochenende nachrichtenlos zu verbringen, haben Sie zweifellos von dem „Schneechaos“ – so ein häufig gebrauchter Terminus – in den Bergen gehört oder gelesen. Freunde des passiven Wintersportgenusses werden auch mitbekommen haben, dass der Qualifikationsdurchgang für das morgige Dreikönigsspringen in Bischofshofen – einem Ort im Salzburger Pongau, also in den östlichen Nordalpen (oder nördlichen Ostalpen, wenn man so will) – abgesagt wurde.

1. Januar 2019

Bitte ohne Schall und Rauch: Gedanken zur alljahresendlichen Feuerwerkskritik

Hand aufs Herz: Haben Sie gestern (beziehungsweise heute) die eine oder andere Rakete in den Nachthimmel steigen lassen? Wenn ja, dann haben Sie die – soweit ersichtlich – einhellige Empfehlung der Multiplikatoren-Elite dieses Landes, auf die Silvesterknallerei zu verzichten, entweder nicht mitbekommen oder vorsätzlich missachtet. „Brot statt Böller“ ist der Klassiker unter den Jahresendabrüstungsforderungen, später wurde die Kracherkritik dann auch auf den zu vermeidenden Stress für Haus- und Wildtiere gestützt, seit neuestem rücken die Gesundheitsgefahren für den Menschen, neben Verbrennungen und Schädigungen der Sinnesorgane auch körperliche Belastungen durch die Feinstaubfreisetzung, in den Vordergrund. Und der MDR rechnet uns dann noch die Anzahl an Straßenkilometern respektive Lehrern vor, die man mit dem Geld, das die Deutschen am 31. Dezember in die Luft blasen, sanieren beziehungsweise einstellen könnte.

31. Dezember 2018

Der Jahresrückblick mit Mesut und Claas

Der Silvestertag bietet traditionellerweise die Gelegenheit, einen Jahresrückblick anzustellen. Die enzyklopädischen Retrospektiven überlasse ich den Freunden von den Qualitätsmedien. Im Folgenden möchte ich vielmehr zwei in den vergangenen 365 Tagen an die Oberfläche getretene Ereignisse herausgreifen, die meines Erachtens symptomatisch für das Debattenklima in diesem Lande waren und sind und denen deshalb exemplarische, über den bloßen Einzelfall hinausgehende Bedeutung zukommt.

Der erste zu besprechende Themenkomplex ist die Erklärung Mesut Özils zu dem vielkritisierten Fototermin mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und die Reaktion der deutschen Presselandschaft darauf.

27. Dezember 2018

Streiflicht: Frank Underwood wehrt sich!

Die meisten Meldungen zu Weihnachten sind recht langweilig, bzw. nicht unbedingt zum Schmunzeln geeignet: Der Papst verkündet das wir uns um arme Menschen kümmern sollen (da die Kirche das nicht so recht hin bekommt), die Gegenstelle von protestantischer Seite verkündet das alles gut wird, wenn wir uns nur alle lieb haben ("beten mit den Taliban") und die deutsche Politik blüht in ihren kleinen Grabenkriegen auf (Merkel 2 versucht sich Merz vom Hals zu halten, Überraschung!). 

Originell dagegen war das kleine Weihnachtsvideo von Frank Underwood. Sie kennen Frank Underwood nicht? Dann wirds aber Zeit. Frank Underwood war immerhin Präsident der USA. Okay, zumindest wenn man der Serie "House of Cards" folgt, die seit 2013 von Netflix produziert wurde. 

24. Dezember 2018

Frohe Weihnachten!

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

nein, es ist kein Jahresendfest, es ist kein Lichterfest, es sind auch keine "frohen Feiertage" oder "frohe Festtage". Im Namen meiner Kollegen und mir selber, wünsche ich Ihnen:

Frohe Weihnachten!

Llarian

© Llarian. Für Kommentare bitte hier klicken.

23. Dezember 2018

Der Fall Relotius - eine journalistische Köpenickiade

Es fiele leicht, über den Fall Claas Relotius mit der dem SPIEGEL gern nachgesagten Häme zu schreiben. Denn es ist mehr als peinlich, dass das Leitorgan der deutschen Presselandschaft in Sachen Überprüfung der bei ihm eingereichten Artikel gerade bei den zum Teil wirklich plumpen Erfindungen des Überführten so schmählich versagt hat. Für den Spott über die nunmehr arg beschädigte Selbststilisierung der hauptberuflichen Welterklärer als bessere Alternative zu den Fake-News-Höllen der sozialen Netzwerke ist gesorgt.

Gerade auch in den klassischen Medien ist von einem Einzelfall die Rede, was im Hinblick auf Ausmaß und Dreistigkeit der Manipulationen des 33-Jährigen zweifellos richtig ist. Man fühlt sich gleichwohl an den Hauptmann von Köpenick erinnert, der mit seiner Rathausbesetzung zwar ebenfalls etwas Singuläres getan, dabei aber auch die Schwächen eines Systems, das der von einer Uniform ausgestrahlten Autorität bedenkenlos auf den Leim ging, ausgenutzt und offengelegt hat. In Deutschland wurde der Handstreich des Wilhelm Voigt überwiegend belustigt zur Kenntnis genommen. Die nachdenklichen Stimmen, die von einem - modern gewendet - bug und eben nicht von einem feature sprachen, waren in der Minderzahl.

16. Dezember 2018

Der Arbeitgeberpräsident schafft das

Es ist schon eine lustige Allianz, die sich da durch die letzten vier Jahre gebildet hat, angefangen von Angela Merkel, ihrer Partei, der versammelten deutschen Linken und ..... den Arbeitgebern. Zumindest den organisierten Arbeitgebern, oder besser noch, denjenigen Arbeitgebern die groß genug sind und sich im BDA organisieren. Der Präsident eben jener Organisation hat in einem viel zitierten Interview, dass die Augsburger Allgemeine am 14.12. veröffentlichte, ein paar sehr schöne Standpunkte zusammengetragen, die doch der Diskussion wert sind.

11. Dezember 2018

Muss Israel noch einen Krieg führen?

Allein der eine Satz „In Auschwitz ist nicht das Judentum gestorben, sondern das Christentum" (1946 im Bericht „Die Nacht") könnte Elie Wiesel unsterblich machen. Man möchte mehr von ihm wissen und lesen. 1986 bekam er den Friedensnobelpreis und 2016 ist sein Todesjahr.

Siebter von links in der zweiten Reihe von unten (links vom Pfosten): Wiesel im KZ Buchenwald, 16. April 1945, 5 Tage nach der Befreiung.

1982 veröffentlichte Wiesel fünf Porträts jüdischer Propheten: Josua, Elias, Saul, Jeremias und Jona. Ich wähle das erste und kriegerischste vom Eroberer: „Josua oder die Tragik des Siegers". Warum? Weil ich zeigen will, wie er mit dem biblischen Bericht, den er so nimmt, wie er da steht, ringen muss, um zu seinem Ziel zu kommen: Manchmal könne ein Krieg unvermeidlich sein und gerechtfertigt als Verteidigungskrieg. Aber hier war es anders: „Josua irritiert uns."

10. Dezember 2018

Wahrheit. Häresie. Glashaus. Geisterfahrt. Eine kurze Meta-Reflexion

Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Aber wie kann man denjenigen, der seine Situation aufgrund der Größe des Gebäudes oder der Eigenschaften des Baumaterials nicht erkennt, von der Schadensneigung seiner handartilleristischen Ambitionen überzeugen? Dem unbefangenen Betrachter stellt sich das Glashaus vielleicht sogar als Echokammer dar, seinen Bewohnern häufig nicht. Wie die Bibel schon lehrt, ist es leichter, den Splitter im Auge des anderen als den Balken im eigenen Sehorgan wahrzunehmen.

9. Dezember 2018

Ist es eine Verschwörung, wenn es offen passiert? Ein Gedankensplitter.

Morgen soll dann also "endlich" der globale Migrationspakt in Marrakesch unterschrieben werden. Oder besser: Er wird von vielen Ländern unterschrieben werden, die ersten "klassischen" Länder an die man denkt, wenn es um Auswanderung geht, sind nicht dabei. Sowohl die USA als auch Australien haben sich aus dem Pakt verabschiedet. 

8. Dezember 2018

Die vertane Chance. Die gewahrte Chance. Gedanken zur Wahl des CDU-Parteivorsitzenden

Und ernüchtert seh ich den grauen Tag.
Wo ist der November geblieben?
Wo ist das Volk, das einst unten lag,
Von Sehnsucht nach oben getrieben?
Stille. Vorbei. Es war nicht viel.
Ein Spiel. Ein Spiel.
So lautet die letzte Strophe von Kurt Tucholskys wunderbarem Gedicht "Dantons Tod". Und so ließe sich wohl auch (in poetischer Sprache) das Gefühl beschreiben, das viele Konservative gestern Abend ergriff, als sie die Nachricht von Annegret Kramp-Karrenbauers Sieg bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden vernahmen. Kollege Llarian hat diese Enttäuschung in unserem Blog in umschweifslos klare Worte gefasst. Unter dem Eindruck der Ereignisse hätte ich (fast) jeden Satz in Llarians Text unterschrieben. Heute bin ich anderer Auffassung. Vielleicht war es, auch und gerade aus konservativer Sicht, ein großer Segen, dass Friedrich Merz gestern nicht zum Präsidenten seiner Partei erkoren wurde.

7. Dezember 2018

Auf wiedersehen CDU. Gute Nacht, Deutschland.

Es war eine Hoffnung. Eine kleine Hoffnung von vorneherein. Aber wie kleine Hoffnungen eben so sind, sie tun einem trotzdem weh, wenn sie im Wind der Realität zerplatzen.

Friedrich Merz war eine solche Hoffnung. Sicher kein Traumkandidat, aber doch wenigstens ein Aussenseiter auf die Möglichkeit die verheerende Politik der letzten Jahre wenigstens in den Folgen zu begrenzen. Es wäre eine Augias-Aufgabe gewesen, doch selbst wenn der Stall am Ende nicht an allen Ecken geglänzt hätte, so wäre es wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

1. Dezember 2018

Liebe SPD, ich wünsche Dir viel Spaß beim Untergehen

Die SPD hat sich das Schicksal einer Partei, die in absehbarer Zukunft an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte, redlich verdient. Denn ihre führenden Vertreter haben offensichtlich nicht verstanden, welches Geschenk das Thema Dieselfahrverbote für eine Verjüngungskur der Alten Tante recht eigentlich wäre.

Holger Steltzner fand jüngst in der FAZ die richtigen Gedanken und eigentlich noch zu wenig drastische Worte: Dieselfahrverbote sind Klassenkampf von oben, und zwar des grünen Bobo-Milieus, das sich Altbauwohnungen in den Innenstädten gönnen kann, gegen schlechter remunerierte Arbeitnehmer, die der günstigeren Mieten und Grundstückspreise wegen in der Peripherie wohnen, und denen ein schnippisches "Dann sollen sie halt mit der Bahn fahren" wie das berühmte, Marie Antoinette zugeschriebene Zitat mit dem Kuchen vorkommen muss.

28. November 2018

Seefahrende Trolle

Die Kampagne zum "Migrations-Pakt" ist kaum vorbei, da treibt der Kreml schon die nächste Sau durchs Mediendorf. Und wieder einmal kann man gut beobachten, wie das organisiert ist.

Der Anlaß ist relativ klar: Die russische Marine hat ukrainische Schiffe angegriffen, beschossen, gerammt und gekapert. Diese Sachlage ist so eindeutig und unbestritten, daß selbst Nahost-geschulte deutsche Medien den Angegriffenen keine Mitschuld zuschieben können. Maximal kann auf Pseudo-Neutralität zurückgegriffen werden wie in der ZDF-Schlagzeile: "Ukraine und Rußland - Zwischenfall verschärft Konflikt".

25. November 2018

Rupert Brooke - "The Soldier / Der Soldat"



(Abb. Wikipedia)

Rupert Brooke - "The Soldier"

If I should die, think only this of me:
   That there’s some corner of a foreign field
That is for ever England.  There shall be
   In that rich earth a richer dust concealed;
A dust whom England bore, shaped, made aware,
   Gave, once, her flowers to love, her ways to roam,
A body of England’s, breathing English air,
   Washed by the rivers, blest by suns of home.

And think, this heart, all evil shed away,
   A pulse in the eternal mind, no less
     Gives somewhere back the thoughts by England given;
Her sights and sounds; dreams happy as her day;
   And laughter, learnt of friends; and gentleness,
     In hearts at peace, under an English heaven.

*          *         *

23. November 2018

Liebe RWE, stellt doch bitte mal den Strom ab!

Wenn kleine Kinder permanent mit einer Steckdose spielen, dann bleiben Eltern in aller Regel mindestens vier Möglichkeiten:
- Sie können das Kind ignorieren (oder gar noch bestärken).
- Sie können versuchen die Steckdose mit allerlei technischen Mitteln zu sichern.
- Sie können dem Kind gut zureden und versuchen an seinen Verstand zu appellieren.
- Sie können dem Kind eins auf die Finger geben.

Während eins sicher keine Lösung darstellt (und man solchen Eltern wohl besser die Kinder wegnehmen sollte), so ist Lösung zwei nur eine Scheinlösung. Natürlich kann man eine Steckdose blind machen, einen FI einbauen oder versuchen die Steckdosen mit Möbeln zu blockieren, in der Realität ist aber keine dieser Lösungen wirklich sicher. Kinder haben Zeit und sind erfinderisch, eine Kindersicherung hält einer Gabel nicht stand, ein FI schützt nur beim Kurzschluss mit der Schutzerde und Möbel lassen sich wegschieben. Am Ende läuft es immer auf eine Entscheidung zwischen drei und vier hinaus (wenn man das Problem überhaupt hat, viele Kinder haben kein Interesse an Steckdosen). Drei klingt natürlich nach einem Königsweg, und mag auch bei den meisten Kindern funktionieren, es bleibt aber eine nicht kleine Gruppe von Kindern übrig, bei denen das nicht klappt. Und dann hat man, als verantwortungsvoller Elternteil, eigentlich nur noch die Wahl zwischen vier oder nicht vier.

19. November 2018

Die Relativismus-Religion

Es wird geklagt, die political correctness führe zu einem Universalismus, der nicht mehr der Natur des Menschen entspreche: die Vielfalt würde vernichtet, wenn die Unterschiede zwischen Mann und Frau und zwischen den Kulturen geleugnet würden, die krampfhafte Gleichstellung sei ein Aufstand gegen den gesunden Menschenverstand. Auch die Kirchen in Deutschland seien inzwischen aus Angst vor einem Bedeutungsverlust abgefallen zu politisierten geistig-moralischen Wohlfühlleistern, um ihr Mitspracherecht zu behalten. Ist das die Realität und welches Anliegen äußert sich in diesen Klagen?

18. November 2018

Thwip. Zum Tode von Stan Lee.

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Der Ruhm kam vergleichsweise spät. 1961, also vor mehr als 50 Jahren schuf Stan Lee, zusammen mit Jack Kirby, den ersten großen Marvel Comic, die fantastischen Vier. Es folgten die bekannten Figuren vom Hulk bis zu seiner wohl erfolgreichsten Figur: Spider Man. Es mögen manche die Aussage in Zweifel ziehen, aber man könnte auch sagen, Stan Lee ist der eigentliche Schöpfer des Marvel Comic Universums, wie wir es heute kennen.

30. Oktober 2018

Die große Lösung und die lästigen Formalien

Es steht schlecht um die Regierungskoalition in Berlin, die einstmals eine große war. Schon von Beginn an mochte sie keiner so wirklich, inzwischen ist sie weiten Wählerschichten geradezu verhaßt. Und nicht nur die Anhänger der in der Koalition verhakten Parteien sehnen sich nach dem Befreiungsschlag, nach der großen Lösung, die den Frust endlich beendet.

Auf SPD-Seite wird schon seit Regierungsbildung darüber geredet. Spätestens seit dem Debakel in Bayern wird in weiten Parteikreisen und dem Parteiumfeld gefordert: Sofort raus aus der GroKo, die schadet uns nur.

Auf Unions-Seite blieb der Frust länger unter der Decke und richtete sich mehr gegen die Parteiführungen als den Koalitionspartner. Aber auch hier liegen seit den Wahldesastern in Bayern und vor allem Hessen die Nerven blank. Die bisher absolut Merkel-treue Hessen-CDU hat schon am Wahlabend unisono die Schuld an der Niederlage an die Berliner GroKo abgeschoben.
Und seit nun Merkel gestern ihren Abschied angekündigt hat, gibt es auch auf Unionsseite die Hoffnung auf die große Lösung. Ein Hoffnungsträger (irgendein Friedrich Kramp-Spahn) wird neuer Parteivorsitzender, übernimmt das Kanzleramt, und dann wird die Republik wieder so wie vor Merkel.

Es ist erstaunlich, daß bei diesen Wunschvorstellungen auch erfahrene politische Aktivisten oft vergessen, daß nach dem ersten Schritt noch einige weitere kommen werden. Und die sind dann nicht so einfach und erfolgbringend. Sondern das Risiko ist groß, daß nach der großen Lösung nicht die Befreiung kommt, sondern ein noch viel größeres Desaster.

29. Oktober 2018

Merz? Ja, ist denn heut scho Weihnachten?

­Die Hessenwahl war bei Licht betrachtet vor allem eins: Ziemlich langweilig. Es stellte sich allenfalls die Frage ob die SPD noch tiefer stürzen würde, als ohnehin schon überall eingepreist war, doch am Ende kam dann wirklich ein Ergebnis raus, dass die Demoskopen im Wesentlichen so erwartet hatten (eigentlich auch einmal etwas ungewöhnliches in letzter Zeit).

21. Oktober 2018

Ein Brief an Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

im Bundestagswahlkampf 2013 haben Sie mit dem Slogan „Sie kennen mich“ geworben. Das war zwar ein ungewollter politischer Witz; denn als Persönlichkeit sind Sie für die Deutschen in all den Jahren opak geblieben. Aber ich will Sie gleichwohl beim Wort nehmen. Ja, ich kenne Sie, Frau Bundeskanzlerin. Und deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass Ihnen diese lust- und mutlose Große Koalition in Berlin, diese pausenlosen Bloßstellungen, Demütigungen und Niederlagen noch den geringsten Spaß machen.

19. Oktober 2018

Moments bloguicaux: Paradoxes zum Herdenverhalten

Der Verfasser dieser Zeilen liest zwar keine bunten Blättchen. Doch wird er auf der Website seines E-Mail-Providers und in den Online-Auftritten der Qualitätsmedien gleichwohl ausreichend mit Geschichten aus dem Human-Interest-Ressort versorgt. Zugegeben: Manchmal können auch diese Nebensächlichkeiten den Anlass für eine nicht völlig belanglose Reflexion bilden.

Immer wieder wird berichtet, dass die Gewandungsgepflogenheiten aristokratischer Stilikonen, wie insbesondere der beiden Herzoginnen Kate und Meghan aus dem Vereinigten Königreich, dazu führen, dass ein Kleid in kurzer Zeit ausverkauft ist oder ein Internet-Shop zusammenbricht.

Dem Endunterfertigten stellen sich diesbezüglich zwei Fragen: Wie erkennen die Imitationswilligen so schnell, um welches Modestück es sich bei dem von den Blaublüterinnen (besser gesagt: durch Heirat blaublütig Gewordenen) handelt? Warum wollen nicht ganz wenige Frauen das gleiche Garderobenelement ihr Eigen nennen, da es doch als mittlere gesellschaftliche Katastrophe gilt, wenn zwei Damen zu einer Veranstaltung in übereinstimmendem Fummel erscheinen?

Und, als an- und abschließende Aporie des Autors hinsichtlich dieses Themas: Warum herrscht bei Männern Uniformzwang, der sich hinsichtlich der Notwendigkeit eines Strangulationsaccessoires in jüngerer Vergangenheit gottlob mehr und mehr auflockert, während den Frauen eine beneidenswerte Diversität an Körperbedeckungsvarianten offensteht?

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.