23. April 2018

Antisemitismus. Nein! Doch! Oh!

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Ja, in der letzten Woche kam er mal wieder ganz überraschend vorbei: Antisemitismus vulgaris. In Gestalt eines Auftritts in Berlin, wo ein syrischer Flüchtling (neudeutsch "Geflüchteter") meinte einem Mitbürger, den er fälschlicherweise aufgrund seiner Kippa für einen Juden hielt, seinen Gürtel und dessen Eigenschaften als Nahkampfwaffe zu demonstrieren. Um erst gar kein Mißverständis entstehen zu lassen aus welchem Grund es zu dieser Demonstration kam, rief er während seiner Vorführung auch permanent das Wort Yahudi, was wohl auf arabisch Jude bedeutet und auf Berliner Straßen inzwischen recht häufig als Beleidigung verwendet wird.

19. April 2018

Die Quote und die FDP

­Die Quote ist heute ein gesellschaftlich weithin akzeptiertes Instrument, um definierten Gruppen Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe im weitesten Sinne zu gewähren. Als Begründung für das Instrument der Quote dient gerne, dass die jeweilige Gruppe ohne die Quote benachteiligt würde. Die Benachteiligung wird dabei an der Asymmetrie im Hinblick auf die Teilhabe der jeweiligen Gruppe im Vergleich zu ihrem Reziprok festgemacht.

Ob diese Begründung stimmt, soll nicht das Thema dieses Beitrags sein. Einen Einwand zu ihr möchte ich jedoch formulieren: Asymmetrie entsteht nicht notwendig durch äußeren Druck, sondern auch durch freie Entscheidung. Das erscheint mir zumindest kein unerheblicher Einwand zu sein, in einer Gesellschaft mit liberal verfassten Rechtsstaat, inklusive dezidiertem Minderheitenschutz.

Ich möchte hier zunächst meine grundsätzlichen Einwände gegen das Instrument der Quote aus einer liberalen Warte heraus formulieren:

18. April 2018

TESS

In Anknüpfung an das Experiment, das vor zwei Monaten (zwei Monate! es kommt dem Protokollanten wesentlich kürzer vor) auf diesem Netztagebuch unternommen wurde - nämlich die Videoeinbindung des Erststarts der bislang größten von einer Privatfirma produzierten Rakete, der Falcon Heavy, sei auch für diese Nacht eine Live-Übertragung versucht. Diesmal geht es um den Start von TESS, dem "Transiting Exoplanet Survey Satellite", der in dieser Nacht, um 0 Uhr 51 (MESZ) an der Spitze einer Falcon 9 von der Startrampe 40 in Cape Canaveral in die Umlaufbahn geschossen werden soll, nachdem der ursprünglich für vorgestern terminierte Countdown zwei Stunden vor dem Zeitpunkt "0" zum Zweck weiterer Sicherheitsüberprüfungen abgebrochen worden war. Wie am Montag beträgt das Startfenster diesmal 30 Sekunden. 48 Minuten nach dem Abheben soll der Satellit in seine ausgesprochen elliptische Umlaufbahn einschwenken. Die Startstufe soll nach dem "Rücksturz zur Erde", also nach gut 8 Minuten, auf der vor der Küste Floridas im Atlantis stationierten Roboterplattform Of Course I Still Love You aufsetzen. Aufmerksame Beobachter werden sich erinnern, daß zwei der vier Propellergondeln der schwimmenden Landungsplattform beim Erststart der Falcon Heavy im Februar beschädigt worden waren, als der mittlere der drei Erststufenbooster, der Center Core, beim (fast) ungebremsten Aufschlag auf die Meeresoberfläche (nur zwei der neun vorgesehenen Merlin-Triebwerke hatten gezündet) gut in 100m Entfernung explodierte. Sie sind währenddessen durch zwei der im Pazifik vor dem Startplatz der AFB (Air Force Base) Vandenberg Dienst tuenden Just Read the Instructions ersetzt worden. (Darin  liegt auch der Grund, warum bei den seit erfolgten Falcon 9-Starts keine weichen Landungen mehr erfolgten.) (Seit Februar 2018 befindet sich ein drittes Roboterschiff im Bau, das als weitere Landeplattform bei zukünftigen Starts der Falcon Heavy zum Einsatz kommen soll, unter den Namen A Shortfall of Gravitas. Wie die leicht exzentrischen Namen der Schwesterschiffe handelt es sich dabei um einem Raumschiffnamen aus Iain M. Banks SF-Roman The Player von Games (dt. unter dem Titel Das Spiel Azad erschienen) von 1988; dem zweiten des "Culture"-Zyklus).



(Wie üblich bei den Übertragungen der Starts von SpaceX ist zu erwarten, daß die Übertragung erst gut zehn Minuten vor dem Ende des Countdowns "live geschaltet" wird - bis dahin bitte ich jeden, der sich zu diesem Zweck hierhin verirren sollte, um Geduld. Nach Abschluß des Starts - und hier klopft der Prokollant hart auf Holz - wird der oben eingebundene Videofeed durch eine Aufzeichnung des Starts ersetzt werden. Nachtrag: 09:40: das obige Video ist jetzt eine neun-minütige Aufzeichnung des des Starts,)

Die letzte Statusmeldung auf der Nachrichtenseite spaceflight.now lautet momentan:

Updated: 04/18/2018 21:51 Stephen Clark
T-minus 3 hours and counting. NASA and SpaceX launch team members are gathering in preparation for final countdown activities, which will include fueling of the Falcon 9 rocket with kerosene and liquid oxygen propellants.
The launch team will oversee loading of high-pressure helium into the rocket, then give the "go" to pump RP-1 kerosene into the Falcon 9 at 5:41 p.m. EDT (2141 GMT). Super-cold liquid oxygen will begin flowing into the two-stage rocket at 6:16 p.m. EDT (2216 GMT).
Zusätzlich zum oben eingebundenen Videostream von SpaceX kann der Start über den Übertragungskanal der amerikanischen Weltraumbehörde NASA verfolgt werden oder über die Netzseite von SpaceX.

17. April 2018

Ausgerechnet Westernhagen

­Normalerweise sollte das Thema keine zwei Artikel in einer Woche wert sein. Aber die deutsche, kulturelle, sich selbst empfindende Intelligenz, ist wie die Justiz, ihre Mühlen mahlen langsam und sie muss erst einmal so richtig wachwerden.

Diese Woche aktuelles Thema: Echo zurückgeben. So haben inzwischen einige Künstler verschiedener Coleur angekündigt ihre jeweiligen Echos nun zurückgeben zu wollen. Nun, das ist sicher ihr gutes Recht. Wobei ich gerne zugebe, dass mich das als Einzeltat wesentlich mehr überzeugt als das genau dann anzukündigen, wenn es diverse andere auch tun. Es gehört nicht viel Mut dazu etwas aus einer Gruppe heraus zu tun, aber sei es drum.
Traurig dagegen ist eher wer und mit welchen Methoden nun plötzlich seiner Empörung Ausdruck verleiht.

15. April 2018

Kontrapunkt: Ein Echo vom Echo

Auch dieses Jahr nutzt die Musikbranche mal wieder die Gelegenheit und feiert sich selber, das Ergebnis nennt sich Echo und wiederholt sich jedes Jahr aufs neue. Und weil das an und für sich ziemlich langweilig ist, hat man dieses Jahr dann einen großen Eklat gefunden, was sicher sowohl für die Veranstalter als auch für die Musiker nicht unbedingt das schlechteste ist.
Und der Eklat ist: Antisemitismus. Den man bei zwei der diesjährigen Favoriten in ihrem Bereich gefunden hat. Und das deutsche Feuilleton hat mal wieder ihre Sau gefunden, um sie erfolgreich durchs Dorf zu treiben. Und es ist ein reichlich dankbares Schweinchen, denn es wird ja niemand so richtig wagen Antisemitismus zu verteidigen, bzw. jeder kann sich mal so richtig profilieren ein Verteidiger "der Juden" zu sein (zumindest so lange diese im dritten Reich ermordet wurden, doch dazu später).

11. April 2018

Weg mit dem Dino

Nein, hier soll es nicht um Fußball gehen. Sondern um das aktuelle BVerfG-Urteil zur Grundsteuer. Nicht überraschend hat das Gericht festgestellt, daß die nach uralten Kriterien berechnete Steuereintreibung grundgesetzwidrig war.

Der Grund: Weil eine Überprüfung und Neubewertung aller Grundstücke in Deutschland zu kompliziert und aufwendig ist, haben die Finanzbehörden auf die eigentliche alle sechs Jahre fällige Aktualisierung einfach verzichtet. Und im Jahre 2018 immer noch die Grundstücks- und Gebäudewerte sowie die Einwohnerzahlen der Gemeinden aus dem Jahre 1933 (Osten) bzw. 1954 (Westen) für die Berechnung benutzt.

Seit Verkündung des Urteils überschlagen sich nun Politiker aller Parteien mit Vorschlägen, wie man das nun künftig regeln solle. Und dabei werden dann Verfahren vorgeschlagen, die noch komplizierter und aufwendiger sind als das bisherige. Bisher scheint kein Vorschlag aufgetaucht zu sein, der wirklich praktikabel und gerichtsfest sein würde.
Dann sollte man doch lieber mal die logische Alternative wählen: Die Grundsteuer einfach abzuschaffen.

8. April 2018

Levin Schücking, "Swift in Moor-Park" (1840)

Der Sonntag den Künsten!

Und zwar sei der heutige Termin zur Abwechslung einer kleinen literarischen Ausgrabung gewidmet: nicht einer vergessenen Trouvaille (dazu reicht die Qualität des Textes nicht hin), sondern höchstens einer verschollenen Kuriosität, oder, in der Schreibweise jeder Zeit "Curiostität." Zudem ist es als Fortsetzung der kleinen Reihe von Ehrbezeigungen an den größten Satiriker Irlands - und einen der bedeutendsten der gesamten englischen Literaturgeschichte überhaupt - zu sehen: an Jonathan Swift, dessen Geburtstag sich im vergangenen November zum 350. Mal jährte. Diesmal jedoch nicht mit einer neuen Übersetzung eines seiner Gedichte, sondern mit einem erzählenden Text, der sich einem wichtigen und prägenden Abschnitt seiner Biographie widmet, wenn auch in stark romantisierender und frei fabulierender (und auch, wo er sich an die historischen Tatsachen hält, nicht immer faktengetreuer) Weise: einem von zwei "Fragmenten eines Romans" (so der Untertitel), den Levin Schücking, zu Beginn seiner Laufbahn als Schriftsteller, 1840 in der damals verbreitesten und auflagenstärksten (ein Wort, bei dem man sich die ""-Gänsefüßchen hinzudenken sollte; sh. dazu die kurzen Anmerkungen zum Schluß) Literaturzeitschriften, dem in der Cotta'schen Buchhandlung in Stuttgart und Tübingen verlegten "Morgenblatt für gebildete Leser" publiziert hat. "Swift in Moor-Park" erschien dort in Fortsetzungen zwischen Freitag, dem 6. Juni und Freitag, dem 19. Juni 1840. Der Text ist in keiner der Novellensammlungen Schückings aufgenommen und auch sonst seit seinem Erscheinen vor fast 180 Jahren niemals nachgedruckt worden. Die Orthographie entspricht der Vorlage - mit der Ausnahme von Umlauten am Wortanfang von Substantiven, an denen die typographische Convention der in Frakturschrift gesetzten Vorlage eine Aenderung in eine Doppelletter bewirkt hat, die im Fall von Kleinbuchstaben im Original nicht erfolgte. Als Textgrundlage diente das Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek.

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(Erste Seite der Ausgabe des Morgenblatts vom 22. April 1842 mit der ersten Folge der "Judenbuche".)



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"Swift in Moor-Park. Fragmente eines Romans"

          I.
Moor-Park liegt in der Grafschaft Surrey, unweit der Stadt Farnham. Im Jahre 1688 war dieser durch seine geschmackvollen Parkanlagen berühmte Landsitz das Eigenthum und die Residenz des Ritters William Temple, eines Mannes, den damals England den Weisesten seiner Staatsmänner und Schriftsteller nannte. Er hatte den beiden Stuarts der Restauration als Rath und Gesandter gedient, und trotz seines Mangels an Bereitwilligkeit, den Launen dieser unklugen Regenten seine Überzeugungen und Ansichten über ihre politischen Maßregeln zu opfern, ihnen eine Achtung abgerungen, die kaum die Werkzeuge ihres Despotismus, die Männer der berüchtigten Cabal, besaßen. Aber der Hof war durch diese und das Beispiel von oben während der Regierung Karls II. und Jakobs II in eine Verderbtheit gerathen, und hatte sich zu Schritten verleiten lassen. welche den, alle Zweizüngigkeit hassenden Diplomaten mehr als einmal veranlaßten, sich vor allen Staatsangelegenheiten auf seine Güter zu flüchten, um friedlich seine Gärten zu bauen und die Erfahrungen seines Lebens in Denkschriften der Nachwelt aufzuzeichnen.

Sir William Temple hatte viel erfahren; er hatte die stürmische Periode der englischen Revolution erlebt, er hatte Cromwell und Monk, die Stuarts und endlich Wilhelm von Oranien über sein Vaterland herrschen, es unter dem Beile der Fanatismus und der empörenden Mißhandlungen leichtsinniger Willkür bluten sehen. Er war der Zeitgenosse Richelieus und Ludwigs XIV., hatte die Stürme des dreißigjährigen Kriegs und den Glanz der Sonne von Versailles erlebt, selbst den Frieden von Aachen vermittelt und auf dem Kongreß von Nymwegen England als Mediateur vertreten; er war ein Freund des Großpensionärs Johann de Witt und des Prinzen von Oranien geworden, und hatte für des lezteren Vermählung mit der englischen Maria gewirkt; kurz, das ganze siebzehnte Jahrhundert mit der Menge seiner glänzenden und nichtigen, großen und blutigen Erscheinungen war an dem diplomatischen Auge des alten Sir William Temple vorübergezogen. Er hatte einer jeden dieser Erscheinungen ihren Tribut an dem Schatz seiner Erfahrungen abgefordert, und in solchem Besitz konnte er mit Recht sagen, zum Reichtum fehle ihm nichts als Geld, konnte er zufrieden und ohne weiteren Ehrgeiz alle Aufforderungen von sich weisen, die ihn aus der Ruhe seiner Zurückgezogenheit ziehen wollten, um ihn als Minister auf die Stufen eines Thrones zu stellen, den ein wankelmüthiger Herrscher wie Jakob II. in bedenklichem Schwanken zu halten sich angelegen seyn ließ. Auf einem flachen Haupte sitze ein Hut fest, sagte Sir William, auch wenn es ein schwerer goldener sey. Als durch die Revolution von 1688 Wilhelm von Oranien auf den englischen Thron gelangte, war er vom Alter zu gebeugt und an seine Muße zu gewohnt, um dem ehrenvollen Ruf an den Hof dieses Fürsten nachkommen zu mögen.

7. April 2018

Prankenhieb: Post-Fakten

Gewisse Phänomene scheinen unerklärlich. Ich frage mich zum Beispiel, wieso Unternehmen in Deutschland ungefähr 560 Mio pro Jahr in spätpubertierende Jugendliche mit Youtube- oder Instagram-Account reinbuttern, die keinen ganzen Satz sagen können. Oder warum ausgerechnet andere hipseinwollende Spätpubertierende die Bartmode der frühen Taliban kopieren. Ich finde keine Antwort, die sowohl erklärend als auch ontologisch sparsam ist. Entweder ist es halt diesmal doch ein saugutes Gemisch an Chemtrail-Substanzen, das Zuckerberg und Coudenhove-Kalergi da zusammengerührt haben, oder ich muss voll Erstaunen mit den Schultern zucken. 

Manch andere Zeitgenossen verzweifeln geradezu ob der Frage, wie ein Volk, dessen großartige, ein Jahrtausend (minus zwölf) alte, unvergleichliche Kulturleistungen sie sich gegen die archaischen Invasoren zu verteidigen entschlossen haben, zu 87% ihre Stimme an Parteien geben konnte, die den sicheren Volkstod heraufbeschwören. Und mit dieser Frage kann man unterschiedlich umgehen: 

Man kann - wie Klonovsky - sich zynisch abwenden und allfällig geschändete Volksgenossinnen mit kaum verhohlener Häme im Rahmen seiner Möglichkeiten "auf die Konsequenzen ihres sog. Wahlverhaltens hinweisen".

Andere geben sich auch damit nicht zufrieden, dass manchmal auch ist, was nicht sein darf, und es müssen finstere Mächte herbeigerufen werden. 

5. April 2018

Cui Bono oder die Frage nach dem Neuling

­Die Vorgeschichte muss man kaum groß erklären: Es gab einen Anschlag in Großbritannien der dem ehemaligen Agenten Sergej Skripal galt und mit einem vergleichsweise seltenen Nervengift, das unter dem Namen Nowitschok bekannt ist, ausgeführt wurde. Skripal liegt noch immer im Krankenhaus und wenn man sich den Wirkmechanismus von Nervengiften ansieht, wird er, selbst wenn er den Anschlag übersteht, schwer davon gezeichnet bleiben. Nowitschok ist ein Nervengift, das gezielt als chemische Waffe entwickelt wurde, ist selbst unter C-Waffen vergleichsweise hochgiftig und wurde wohl in Russland entwickelt. Das sind noch die vergleichsweise(!) unbestrittenen Fakten.
Aufgrund der unterstellten Motivlage und dem verwendeten Gift, wurde Russland durch Großbritannien für den Anschlag verantwortlich gemacht, das widerum dies bestreitet, es gab wechselseitige Ausweisungen, die inzwischen die halbe westliche Welt betreffen. Auch das ist noch vergleichsweise unumstritten.

2. April 2018

Eine Klarstellung

Aus aktuellem Anlass und bezugnehmend auf einen Artikel in einem anderen Blog diesen Landes, möchte ich für mich, und vielleicht auch stellvertretend für den einen oder anderen Blogger-Kollegen, ein paar Dinge unbedingt klarstellen: 
Der Stern, das in Deutschland bekannte Wochenmagazin, legendär nicht erst seit Veröffentlichung der Hitler-Tagebücher, veröffentlicht grundsätzlich nie irgendwelche, sogenannten Fake-News. Der Stern ist und war immer eine Hochburg des Journalismus: Die erschienenen Artikel wurden und werden seit jeher intensiv geprüft und sind nach allen journalistischen Standards über jeden Zweifel erhaben, ein Born der Qualität in jedweder Beziehung. 

1. April 2018

Tiangong-1. Das Ende des Himmelspalastes

Heute Nacht soll also - zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr am Morgen des Ostermontags - die erste chinesische Raumstation, der "Himmelspalast 1", 天宫一号, mit seinem "Rücksturz zur Erde", nach sechs Jahren und 184 Tagen und 37397 Erdumkreisungen, seine Reise beenden. Oder, um die etwas ungenauere Zeitmarge der chinesischen Raumfahrtbehörde 中国载人航天工程办公室/CSMEO, aus ihrer Meldung von heute morgen (oder sollte man, angesichts der Tatsache, daß die Beijinger Zeit der unseren während der Sommerzeit um sechs Stunden vorauseilt, sagen: von gestern?) zu zitieren:

中国天宫一号空间站回归地球的时间越来越逼近,中国载人航天工程办公室4月1号表示,天宫一号将于2日进入大气层,解体烧毁。但是否如中国官媒形容说,天宫一号等航天器回归时,会化成一身绚烂流星雨,划过美丽星空也是未知数。
中国载人航天工程办公室4月1日在官网表示,当日8时,天宫一号运行在平均高度约167.6公里的轨道上(近地点高度约161.0公里、远地点高度约174.3公里、倾角约42.70度)。预计北京时间2018年4月2日再入大气层。
但到目前为止,对于天宫一号碎片坠落的准确时间和地点都还是迷。

25. März 2018

得不到的愛情 (1948) - Dé bù dào de àiqíng

Torch song!

Zu den Darreichungsarten des "klassischen Jazz" - wobei man im Hinterkopf behalten sollte, daß es bei der populären Musik zwischen sagen wir 1930 und dem Beginn des Rock'n'Roll und seiner Vorläufer zwischen Rhythm 'n' Blues und "Western Swing" ab Anfang der 1950er Jahre oft nicht um Jazz im puristischen Sinn handelt, sondern um das, was man schlicht als Schlager bezeichnen sollte (man vergißt auch, wieviele Klassiker etwa des "Great American Songbook" ihren Usrsrung in den zahllosen, heute längst verschollenen Broadway-Musicals der Zeit haben. "As Time Goes By", ist für Generationen zum akustischen Signum von Casablanca - "you must remember this / a kiss is still a kiss / a sigh is still a sigh / the fundamental things apply / as time goes by" - geworden, seit der Film vor 75 Jahren, am 23. Januar 1943, in den Kinos der Vereinigten Staaten landesweit anlief. Kaum jemanden, außer einigen auf die Zeit spezialisierten Nerds, vulgo "Enthusiasten" dürfte das Musical Everybody's Welcome aus dem Jahr 1931 von Herman Hupfeld geläufig sein, dem der Song entstammt. Auch die beiden Vokaleinspielungen aus jenem Jahr, von Rudy Vallee und Billie Hale aufgenommen, dürften Zuhörern, die nur Sam Dooleys im Film gespielte Version kennen, so verfremdet erscheinen wie deutschen Zuschauern die vom schweizer Fernsehen alljährlich ausgestrahlte Variante eines gewissen neunzigsten Geburtstags einer alten Dame.)



24. März 2018

Ein Silberrücken, ein Bettvorleger oder eine Schmierenkomödie?

­Das politische Berlin ist entsetzt: Horst Seehofer erklärt der Islam gehöre nicht zu Deutschland und das Volk applaudiert. Wie kann er nur? Seit Christian "Hallo, Herr Kaiser" Wulff ist bekanntlich der Islam als fester Teil des politischen Kanons gesetzt, endlose Islamkonferenzen, Staatsverträge und inzwischen auch islamischer Religionsunterricht können davon zeugen. Und Seehofer geht sogar noch ein paar Schritte weiter, er kündigt Abschiebungen an, will den Rechtsstaat wieder durchsetzen und am Ende dafür sorgen, dass der Rechtsbruch von 2015 ein Ende findet.

23. März 2018

Der Zeitgeist wandelt das Judas-Bild

Die 30 Silberstücke (600 Euro) können es nicht gewesen sein. Was trieb einen der zwölf engsten Vertrauten Jesu an, den Meister zu verraten? Vielleicht war es gar kein Verrat, sondern der gescheiterte Plan einer taktischen Hilfe zum öffentlichen Erfolg des wundertätigen Messias: Jesus sollte vom Kreuz heruntersteigen und seine Macht beweisen? Seit Jahrzehnten versuchen Schriftsteller, sich in Judas zu versetzen und den Verleumdeten in einen Vertreter des heutigen Gutmenschen-Menschenschlags zu verwandeln. Jetzt scheint es geglückt, und es ist an der Zeit, diesem Erfolg des Zeitgeistes zu widersprechen.

22. März 2018

Wasser auf die Mühlen der AfD oder Artikel, die wütend machen

Einige Nachrichten haben die Eigenschaft mehr Emotionen auszulösen als "normale" Nachrichten. Das sind gerne Berichte über Unglücke, Unfälle oder Verbrechen, die man sich gerade in seinem persönlichen Umfeld nicht zu erleben wünscht. Manchmal aber ist es nicht das Ereignis selber, das die Emotion auslöst, sondern die Berichterstattung darüber. Ein solcher Artikel ist vorgestern in der online Version der Welt erschienen und er löst bei mir deutliche Emotionen aus. Und zwar Wut. Er ist ein gutes Beispiel dafür was in der Presse schief läuft und ebenso einer der Gründe warum dieses Land in der Situation ist, in der es sich heute befindet.

21. März 2018

"Lieber Herbert Reul." Ein kleiner Brief

...diesmal, anders als bei meinen bisherigen Denkschreiben an Politiker dieses Landes, nicht "unter Freunden", nicht in der zweiten Person Singular, nicht in der Maske des vertrauensvollen Tons. Weder das politische Amt, das Sie bekleiden, noch der Anlaß zu dieser Eingabe, geben dazu Anlaß. Es gibt zudem Dinge, zu denen man sich, seien wir ehrlich, jedes weitere Wort sparen kann. Die eigenen Worte richten den, der sie sagt. Bei Ihnen sind es diese Sätze, die Sie im Interview mit der Nachrichtensendung "heute" des Zweites Deutschen Fernsehens von sich zu geben beliebten, im Zusammenhang mit einem alarmierenden Befund - nämlich der Zunahme der Messerattacken in Deutschland, die mittlerweile jeden Tag in den Medien aufscheinen, wenn auch zumeist nur, wenn dergleichen nicht tödlich verläuft, in den lokalen Berichten. Die SPD, die für das Land Nordrhein-Westfalen eine gesonderte Ausweisung in der amtlichen Kriminalstatistik fordert, hat, um die Notwendigkeit dieser Maßnahme zu unterstreichen, durch den innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Hartmut Ganzke und den stellvertretenden Fraktionschef Thomas Kutschaty sämtliche Messerattacken in NRW der letzten sechs Monate, also seit dem September 2017 aufzählen lassen. Während dieses Zeitraums kam es zu 572 Fällen im größten deutschen Bundesland. Statistisch gemittelt sind dies 3,14 an jedem Tag. Dabei scheinen die Verhältnisse dort noch im unteren Bereich zu liegen. Für Berlin meldete die "Morgenpost" in der vergangenen Woche:  "In Berlin ereignen sich sieben Messerattacken - pro Tag. In Berlin gab es vergangenes Jahr 2737 Angriffe mit Stichwaffen. In 560 Fällen waren die Täter jünger als 21 Jahre." Die Gewerkschaft der Polizei meldete vor fünf Tagen, wieder auf NRW beschränkt, daß im vergangenen Jahr alle 36 Minuten ein Angriff auf einen Polizeibeamten erfolgt ist - eine Steigerung um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2012: "Im vergangenen Jahr hat es in NRW 7058 Widerstandshandlungen gegen Polizistinnen und Polizisten gegeben. Darauf hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Vorfeld der heutigen Diskussion im Düsseldorfer Innenausschuss aufmerksam gemacht. Bei den Angriffen wurden 14 505 Polizisten attackiert, das ist ein Anstieg um fast 50 Prozent in den vergangenen fünf Jahren." Dort wurde auch darauf hingewiesen, daß es sich dabei gezielt um Angriffe auf Polizeibeamte handelt, nicht um einen Anstieg der allgemeinen Gewaltbereitschaft unter der Gesamtbevölkerung: Während die Gewalt in der Gesellschaft immer mehr zurückgeht, werden die Polizisten immer häufiger angegriffen ... "„Meine Kolleginnen und Kollegen werden getreten, geschlagen, geschubst und mit Gegenständen attackiert, nur weil sie eine Uniform tragen“, sagte GdP-Landesvorsitzender Arnold Plickert." 

16. März 2018

Aus der Schwalbenperspektive (14): Markus Söder und der FC Bayern München

Die Überschrift zu diesem bescheidenen Beitrag erscheint auf den ersten Blick absurd. Denn natürlich ist der neue Ministerpräsident des Freistaats Bayern nicht Fan und Funktionär des FC aus der Landeshauptstadt, sondern - was bei einem gebürtigen Nürnberger durchaus nicht anstößig ist - des "Clubs" aus der Frankenmetropole (siehe dort und dort). Parallelen zwischen dem starken Mann im Amtsgebäude mit der Anschrift Franz-Josef-Strauß-Ring 1 und dem deutschen Rekordmeister liegen freilich nicht so fern, sind doch beide in ihrer jeweiligen Kategorie - wie man es mit einer Verneigung vor Hans Rosenthal formulieren könnte - spitze oder doch jedenfalls an der Spitze.

Aber die Gemeinsamkeiten zwischen dem neuen Regenten über das Gebiet vom Alpenland bis zum Main und dem Abonnenten auf den ersten Platz in der Bundesliga-Tabelle erschöpfen sich nicht in diesen Binsenweisheiten. Vielmehr verdanken beide Akteure ihre hervorgehobene Position zu einem nicht ganz unerheblichen Teil der Schwäche ihrer Mitbewerber.

14. März 2018

Stephen Hawking, 8. Januar 1942 - 14. März 2018

In der vergangenen Nacht ist der wohl, nein: der mit Sicherheit bekannteste Physiker unserer Zeit, Stephen Hawking, zwei Monate nach seinem sechsundsiebzigsten Geburtstag gestorben. Über seine Verdienste kann man allerorten in schemenhafter Andeutung in den Nachrufen der Medien ins Bild gesetzt werden, ohne über seine Theorien und Verdienste eine tiefgreifendere Kenntnis zu erlagen. Um dazu zu gelangen, sollte man schon einige Grundkenntnisse von den Erkenntnissen, die die moderne Kosmologie, die Lehre vom Aufbau des Universums - und der grundlegenden Natur von Raum und Zeit, denen alles, was sich darin befindet, von jedem subatomaren Quark in unserer Kaffeetasse bis zur fernsten Galaxie, unterliegt -  in den letzten hundert Jahren in Erfahrung gebracht hat - mitbringen oder gewillt sein, sie zur Kenntnis zu nehmen. Das ist, das entsprechende Interesse vorausgesetzt, eine durchaus fesselnde und faszinierende Aufgabe, und sie ist auch durchaus für einen Laien, dem zu Beginn einer solchen Odysse der Anblick jeder mathematischen Formel Migräne auslöst, zu bewerkstelligen. Nur handelt es sich hier um eine umfangreiche und komplexe Materie (Kosmologen wissen, daß sich hinter dem Wort "Materie" bereits ein Abgrund auftut: baryonische? Kalte Dunkle Materie? "Fehlende Materie", die "missing mass" kosmologischer Modelle, die für das Universum einen finalen Kollaps postulieren?), und es reicht nicht, sich allein auf Hawkings Postulate zu kaprizieren, womöglich gar noch in der verkürzten Form, die ein zweiminütiger Fernsehbeitrag vermitteln könnte. Ohne eine tour d'horizon dieses gesamten Theoriegebäudes, von den Einstein'schen Relativitätstheorien, der Quantentheorie sowohl in ihrer "klassischen" Kopenhagener Form über die Konkurrenzmodelle, einschließlich der Everett'schen "Viele-Welten-Hypothese" bis hin zu den seit 30 Jahren unentscheidbaren Stringtheorien sensu Edward Witten und Konsorten bleibt das für den Nichteingeweihten ohne Kontext und Einordnungsmöglichkeit. Es ist, das sei gesagt, nicht schwer, sich hier eine erste Orientierung zu verschaffen: nicht schwerer, als sich in die Differenzialrechnung zu knien oder eine etwa Schachpartie "lesen" zu können. Aber es braucht Geduld und ein genuines Interesse.

Kleine Nachlese: Die AfD zerlegt

Nahezu sechs Monate ist es jetzt her, dass die AfD in den Bundestags gewählt wurde, insofern wäre es ja mal Zeit sich anzuschauen, wie sich diese so schlägt. Und liest man die deutsche Presse, so hat sich genau das, was vor den Wahlen lange angekündigt wurde, exakt bestätigt: Die AfD erweist sich als vollkommen unfähig, sie ist mit simpelsten demokratischen Regeln überfordert, sie pöbelt sich rein durch die Gegend und wird, das ist der wirklich augefälligste Punkt, permanent "zerlegt".
Es scheint die neue Losung zu sein: Gibt es einen Streitpunkt im Bundestag, kann man die Uhr danach stellen, wann der Artikel erscheint, der erklärt, welcher Abgeordnete jetzt die letzte AfD Rede wieder zerlegt hat. Jeder kann offenkundig zerlegen: Mal ist es "der jüngste Abgeordnete der CDU" (Philipp Amthor), mal ist es Wolfgang Kubicki, mal ist es Johann Saathoff und in letzter Zeit auch wird auch gerne Cem Özdemir genannt. Alle verstehen sich offenkundig sehr gut aufs Zerlegen und offensichtlich ist die AfD sehr gut darin zerlegt zu werden.

11. März 2018

林文隆 - 友情 / Lin Wenlong, Yǒuqíng ("Freundschaft")



友情!人人都需要友情,不能孤獨走上人生旅程;
要珍惜友情可貴,失去的友情難追。

誠懇相互勉勵,閃耀著友情的光輝;
永遠永遠讓那友情,溫暖你心胸。

友情!人人都需要友情,不能孤獨走上人生旅程;
要緊握熱情雙手,莫讓那友情溜走。

誠懇沒有虛偽,要互相友愛共相守;
永遠永遠讓那友情,常駐在心頭。

10. März 2018

Heiko Maas wird Bundesaußenminister - na und?

Auch wenn es wie ein vorgezogener Aprilscherz klingt, so ist es doch bitterer Ernst: Heiko Maas wird Bundesaußenminister. Von einem Skandal zu sprechen wäre die erste, viszerale Reaktion des endunterfertigten Verfassers auf diese unfrohe Botschaft gewesen. Die zweite, dem Charakter dieses Autors angemessen boshafte Äußerung zu der genannten Personalie hätte die Überlegung sein können, dass ja nicht alle Länder dieser Erde Rechtsstaaten sind und mit dem neuen Herrn des Auswärtigen Amtes vielleicht etwas mehr Einfühlungsvermögen für Regime, die zu Grundfreiheiten und individuellen Rechten ein eher eisiges Verhältnis pflegen, in die Herzkammer der deutschen Diplomatie einzieht.

Da der Urheber dieses Beitrags in den letzten Tagen sehr viel Politikfernes um die Ohren hatte, ist er gleich zu der dritten Stufe der Bewältigung der irrwitzigsten Besetzungsentscheidung im Rahmen des Neuaufgusses der Großen Koalition gelangt, welche Bewältigungsstufe da lautet: Heiko Maas wird also Bundesaußenminister - na und?

8. März 2018

Aus FAZ wird nicht TAZ, aus FAZ wird ZDF

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Die FAZ hat vorgestern beschlossen ihren erfolgreichsten, angestellten Blogger (böse aber ehrliche Zungen würden sagen, den einzigen, der auch gelesen wird), Don Alphonso, im Rahmen einer Neuordnung rauszuwerfen. Die genauen Umstände sind nicht bekannt, die Begründung der FAZ geradezu lächerlich unglaubwürdig, aber auch der Don schweigt, entsprechend kann da eine ganze Reihe von Gründen für verantwortlich sein, nicht zuletzt auch schlicht ein persönliches Zerwürfnis.

Die Hand am Regler: Ein Einblick in die Echokammer

In diesem Thread im kleinen Zimmer wurde in den letzten Tagen ausführlich spekuliert, welche Ursachen die in den letzten Wochen sich akkumulierende Netzzeitabweichung letztendlich hervorgerufen haben, und ich gebe zu, dass ich am Anfang auch ordentlich daneben gelegen habe und den Grund - aufgrund der Kältewelle und der daraus resultierenden Stromknappheit - in Frankreich vermutet. Das war zu einem Zeitpunkt, an dem noch von keiner verantwortlichen Stelle eine Stellungnahme ergangen war, und trotz der selbst für aufmerksame Beobachter der europäischen Elektrizitätswirtschaft enormen Komplexität habe ich mich ein wenig aus dem Fenster gelehnt, natürlich mit Irrtumsvorbehalt.

Dann kam die Stellungnahme der ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators - Electricity), die die Ursache eindeutig einer politisch bedingten Unregelmäßigkeit auf dem Balkan zuordnet, konkret in Bezug auf Serbien und das Kosovo. Ich habe aufgrund der seit längerem bekannten Versorgungsprobleme im Kosovo und der in letzter Zeit wieder verschärften Haltung Belgrads eine Vermutung angestellt, die in einem Artikel der ZEIT geteilt wird: "Im Kosovo fließt zu wenig Strom in das Netz ein, Serbien könnte und müsste das ausgleichen – tut es aber nicht. Die beiden streiten um die Kosten und die Bezahlung".

Diese Fakten sind seit Dienstag um ca. 15:00 (bzw. 14:54 auf einer frequenzgesteuerten Uhr) öffentlich bekannt, sie sind stimmig und mit einem Mindestmaß an Hintergrundwissen bezüglich Stromversorgung nachvollziehbar. Um so fragwürdiger ist daraufhin ein Artikel auf Tichys Einblick, der diese Begründung - entsprechend der Erwartung ihrer Leser - rundheraus bestreitet. Neben einem weitgehend faktentreuen Artikel von Dunkelflautenautor Hennig schäumt der zu diesem Thema einschlägig verortbare Holger Douglas geradezu vor Wut.

7. März 2018

Nordkorea - Zeichen einer Kehrtwende?

Das Fragezeichen im Titel bezieht sich, da sei vorausgeschickt, allein auf das Thema der Abrüstung der nordkoreanischen Atomwaffen, der Einhegung des Nulearwaffenprogramms, und, wenn wir Glück haben und es die Parzen, die den Schicksalfaden weben, gut meinen, auf den Verzicht der Drohkulisse gegenüber dem südlichen Nachbarn. Beim Thema des Endes der Einparteien- nein: Einpersonen-Diktatur, bei der strikten Ausrichtung an der drakonischen Tyrannei der Juche-Ideologie, könnte es umstandslos wegfallen. Daran wird sich, aller Voraussicht nach, in den nächsten Jahren, womöglich Jahrzehnten, nichts ändern. Aber was die friedliche (Auf)-Lösung der Konfrontation, der Drohkulisse, die ja nicht erst seit der Eskalation im letzten Jahr besteht, die seit Jahrzehnten unverändert anhält, so gibt es, wenn ich denn die Zeichen richtig lese, Grund zum Aufatmen. Natürlich ist dies, in sehr hohem Maße, Kaffeesatzleserei - das, was zu den Herrschaftszeiten Stalins und Chruschtschows als "Kremlastrologie" bekant war: der Versuch, aus dem wenigen, was man als halbwegs gesichert in Erfahrung bringen konnte, in Kombination mit sichtbaren Anzeichen wie etwa der Positionierung als wichtig eingeschätzter Funktionäre des Systems bei den jährlichen Waffenparaden auf dem Roten Platz, Aufschlüsse über Machtkämpfe an der Parteispitze, über die Verschärfung des Wettrüsten und ähnliche auszukultieren. Niemand weiß, welche Überlegungen, Strategien in der Führung in Pyöngyang den Ausschlag geben, welches Risiko man um der starren ideologischen Entschlossenheit halber einzugehen bereit ist. In den neunziger Jahren, nach dem Tod des "großen Führers" Kim Il-sung 1994, hat sich das Land von der durch die Kommando(miß)wirtschaft ausgelösten Hungersnot nicht in seinem strikten Isolationismus beirren lassen. (Die Schätzwerte über die Anzahl der Opfer dieser "schwerer Marsch", 고난의 행군, genannten Katastrophe zwischen 1994 und 1998 gehen weit auseinander: sie reichen von einer Viertelmillion bis 3,5 Millionen. Das United States Census Bureau hat in einem Untersuchungbericht 2011 die wahrscheinliche Anzahl der Todesopfer auf eine halbe Million taxiert.)

4. März 2018

美黛 (1939年2月23日-2018年1月29日). Mai Dai (23. Febr. 1939 - 29. Jan. 2018)



不知道是早晨 不知道是黃昏
看不到天上的雲 見不到街邊的燈
黑凄凄陰沉沉 你讓我在這裡痴痴的等

想的是你的愛 想的是你的吻
流不盡相思的淚 熬不完離別的恨
夢悠悠昏沉沉 你讓我在這裡痴痴的等

也曾聽到走近的足聲 撩起我多少興奮
也曾低呼你的名字 盼著你向我飛奔

看清楚掠過的影子 才知道是一個陌生的人
會不會你再來 要不要我再等
一遍遍我自己想 一聲聲我自己問
恨也深 愛也深 我還是在這裡痴痴的等

- 痴痴的等 - chī chī de děng ("Weiter und immer weiter") (1963)

Weiß nicht, ob es Morgen ist oder ob die Nacht fällt.
Sehe nicht die Wolken am Himmel, nicht die Straßenlampen.
Du hast mich hier in einer Finsternis gelassen, die kein Ende nimmt.

Denke an deine Liebe, denke an deine Küsse
Die Sehnsucht schnürt mir das Herz ab und läßt mich dich nicht hassen.
Ganz langsam verblaßt dieser lange Traum - und doch geht er weiter und weiter.

Ich höre, wie sich Schritte nähern.
Du weißt nicht, wie das mein Herz hebt.
Ich flüstere deinen Namen...
Ich hoffe, du läufst, läufst zu mir.

Ich sehe den Schatten vorbeigehen - 
und ich weiß: ich kenne ihn nicht.
Ob du kommst oder nicht: ich werde warten
Wieder und wieder denke ich, daß ich mich fragen sollte:
Ist das tiefer Haß? Ist das tiefe Liebe?
Und doch geht es immer so fort.

25. Februar 2018

Vom Einzelfall und Regelfall

­Die "Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres", ein mehr oder minder offen linkes bis linksradikales Bündnis von Sprachwissenschaftlern, beglückt uns jedes Jahr aufs neue, unter erstaunlichem Medienecho, mit einem neuen "Unwort des Jahres", welches, wie die Jury meint, zum Sprachschatz des Unmenschen gehört und damit aus der Öffentlichkeit geächtet werden sollte. Es ist kein Geheimnis dass es dabei weniger um die Wörter geht (die ohnehin zu diesem Zeitpunkt meist ihren Zenit weit hinter sich haben), als um die Verfemung bestimmter Gedanken- und Argumentationsmuster, die dem linken Mainstream nicht so recht gefallen.
Heute möchte ich mal ein Unwort diskutieren, dass ich nicht mehr so recht hören kann, und natürlich geht es dabei weniger um das an und für sich harmlose Wort sondern eher um die damit assoziierten Gedankenketten, bzw. die Argumentationslinie, die sich permanent aus diesem Wort ergibt. Das Wort lautet Einzelfall.

20. Februar 2018

Die Hand am Regler: Ein Blick über den Kanal

Ach Albion, Du hast es besser! Hier regiert  noch der common sense! Das Volk holt sich unbeeinflusst von verräterischen Eliten aus Politik und Lügenpresse sein Land aus den Fängen der EUdssr zurück, gegen die orientalischen Invasoren hat man eigenhändig einen Kanal gebuddelt und der Strom kommt aus brandneuen Kernkraftwerken, denn kein Land auf der Welt ist so dumm wie die Deutschen mit Merkels Energiewende. 

Nun habe ich es ja aufgegeben, irgendjemanden zu überzeugen, dass die Energiewende nicht Merkels Idee war, aber zumindest mit dem überall beklagten Sonderweg möchte ich es noch einmal versuchen.

18. Februar 2018

葛兰 - 打喷嚏 - "Hatschi! Gesundheit!"

Die Sonntage den Künsten!




我并没有重伤风,也不是白雪公主老友记;
为什么一天到晚打喷嚏,这事情太稀奇。

难道有谁惦记我,在那里连名带姓把我提,
所以我一天到晚打喷嚏,打一个不停息。

上个星期有一位小李,小李,跪下了他的双膝,
他一定要我同意,允许他成连理。

还有一位就是那小季,小季,也对我提出威胁,
非要我爱情专一,要和他在一起。

一定就是他们俩,在那里连名带姓把我提,
所以我一天到晚打喷嚏,打一个不停息。

Achoo Gesundheit!

上个星期有一位小李,小李,跪下了他的双膝,
他一定要我同意,允许他成连理。

还有一位就是那小季,小季,也对我提出威胁,
非要我爱情专一,要和他在一起。

一定就是他们俩,在那里连名带姓把我提,
所以我一天到晚打喷嚏,打一个不停息。

16. Februar 2018

新年快乐! - xīn nián kuàilè!

狗年大吉新年快乐2018年2月16日!





Gǒu nián dàjí - xīn nián kuàilè! Zum Auftakt des Jahr des Hundes nach dem chinesischen Lunisolarkalender (noch einmal) alle guten Wünsche zum Jahreswechsel. 


旧历的年底毕竟最像年底,村镇上不必说,就在天空中也显出将到新年的气象来。灰白色的沉重的晚云中间时时发出闪光,接着一声钝响,是送灶的爆竹;近处燃放的可就更强烈了,震耳的大音还没有息,空气里已经散满了幽微的火药香。


- 鲁迅 《祝福》 (1924)

"Das Neujahrsfest nach dem alten Mondkalender wirkt mehr wie das wirkliche Neujahrsfest; nicht nur in den Städten und auf den Dörfern, sondern in der Luft selbst liegt ein Gefühl, daß jetzt ein neues Jahr beginnt. Aus den fahlen, tiefhängenden Abendwolken blitzt es häufig auf, und darauf folgt das Krachen der Feuerwerkskörper, die die Abreise des Herdgottes feiern. In der Nähe explodieren sie noch heftiger, und die Luft ist mit einem feinen Geruch nach Schwarzpulver getränkt."

- Lu Xun (1881-1936), "Zhùfú" ("Das Neujahrsopfer")

Das Dilemma der SPD

­Meine zwei geschätzten Blogger Kollegen Noricus und der Werwohlf haben den Niedergang der SPD in sehr guten Texten beweint und beleuchtet. Ich persönlich bin mir nicht sicher, ob man die SPD braucht oder nicht. Das hängt im Wesentlichen von ihrer Verfassung ab, in der sie sich in nächster Zeit präsentieren wird. Eine zu starke Verklärung der Vergangenheit, in der zugegebenermaßen von der SPD und ihren führenden Politikern vieles auch richtig gemacht wurde, birgt immer die Gefahr den klaren Blick für die Zukunft zu verlieren und Dinge im hier und jetzt nicht mehr korrekt einzuwerten. Die Frage die ich mir stelle ist, warum die SPD in die Situation kam, in welcher sie sich heute befindet. Dazu habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Diese Gedanken liegen abseits von Personalien und versuchen eher am Grundsätzlichen zu rühren.

15. Februar 2018

SpaceX: "There's a starman waiting in the sky..."



(Bildquelle: NASA: Astronomy Picture of the Day, APOD Nr. 1802, 10. Februar 2018)

... He'd like to come and meet us
But he thinks he'd blow our minds
There's a starman waiting in the sky
He's told us not to blow it
Cause he knows it's all worthwhile

Nach einiger Überlegung habe ich mich entschlossen, meinen fragmentarischen Post aus der vorigen Woche anläßlich des Teststarts der prospektiven Mondrakete Falcon Heavy von der "Mondstartrampe" 39A in Cape Canaveral in seinem improvisierten Zustand zu belassen, als Dokument eines Moments, der die Geschichte der Raumfahrt verändern wird, und nur einige kurze Bemerkungen als Coda hinzuzufügen. Natürlich ist so etwas nichts als ein Publicity stunt, eine nette, überraschende symbolische Geste. Aber mit welchem Stil! Normalerweise werden Erststarts von neuen Trägerraketen ohne Nutzlast durchgeführt - sie dienen allein dazu, zu testen, ob das Zusammenspiel der Komponenten funktioniert, ob die Belastungen beim Start die Planspiele auf dem Reißbrett übersteigen; ob nicht durch das Zusammenspiel der einzelnen Baugruppen deletorische Synergieeffekte auftreten. Auch Elon Musk war sich keineswegs des Gelingens sicher, als er im Vorfeld im Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender  CNN ankündigte: "Whether the rocket succeeds or fails, it's gonna be exciting. People are coming from all around the world to see what will either be a great rocket launch, or the best fireworks display they've ever seen."  

13. Februar 2018

Moments bloguicaux: Die SPD schafft sich ab

Es gibt auch für Nichtlinke gute Gründe, der SPD eine gedeihliche Gegenwart und Zukunft zu wünschen. Deshalb kann es dem Verfasser dieser Zeilen nicht zur Freude gereichen, dass die Alte Tante derzeit immer tiefer in den Mahlstrom der Selbstbeschädigung abtaucht. Andererseits will das Mitleid mit den Protagonisten dieses Ritzens an den politischen Handgelenken seine engen Grenzen nicht verlassen, ist doch der desolate Zustand der deutschen Traditionspartei alles andere als fremdverschuldet.

Die am Wahlabend kurz nach Urnenschluss verkündete Entscheidung, in die Opposition zu gehen, war im Lande Luthers vielleicht mit zu wenig "Hier-stehe-ich-und-kann-nicht-anders"-Dramaturgie gewürzt, aber inhaltlich eindeutig richtig. Die SPD hatte sich an der Seite Merkels, die viel mehr linke Forderungen umgesetzt hat, als dies der mutigste rote Bundeskanzler gewagt hätte, zu Tode gesiegt. Eine Zeit der Wiedererstarkung, fern vom Klammergriff der alternativlosen Allesverschlingerin, war die naheliegende Reaktion auf das schlechteste Parlamentswahlergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik.

12. Februar 2018

Ein Symbolbild



(Bildquelle: RP online)

Es gibt Bilder, die, über ihren unmittelbaren Anlaß hinaus, das Potenzial haben, zum Symbol zu werden. Weil sich in ihnen bündelt, was eine Zeit, einen Zeitgeist ausmacht - und was in der Gesellschaft, für deren Zustand sie zum Symbol werden, falsch läuft. Der heutige Rosenmontag in Köln hat ein solches Bild geliefert. Am Rande des Rosenmontagszuges haben die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, des Kölner LKA-Beamten im Rang eines Polizeikommissars gedacht, der vor zwei Tagen, am Samstag, den 10. Februar, ermordet worden ist, als er am Chlodwigplatz vor eine fahrende Straßenbahn gestoßen wurde. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat dazu mitgeteilt: "Der engagierte Kriminalbeamte bekämpfte im Dienst den islamistischen Terrorismus und suchte in seiner Freizeit Ausgleich im Kölner Karneval."

Frau Reker und Herr Laschet haben sich dafür entschieden, das Angedenken an einen ermordeten Vertreter dieser Staatsmacht - dessen Aufgabe die Bekämpfung der größten unmittelbaren Bedrohung des Westens war: das Terrorismus auf islamischer Grundlage - in Clownskostümierung durchzuführen.

11. Februar 2018

张艾嘉 / Sylvia Chang - 童年 (1981)

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Die Sonntage den Künsten!



张艾嘉 - 童年 (1981)

池塘边的榕树上 知了在声声叫着夏天
操场边的秋千上 只有蝴蝶停在上面
黑板上老师的粉笔 还在拚命叽叽喳喳写个不停
等待着下课 等待着放学 等待游戏的童年

福利社里面什么都有 就是口袋里没有半毛钱
诸葛四郎和魔鬼党 到底谁抢到那支宝剑
隔壁班的那个男孩 怎么还没经过我的窗前
嘴里的零食 手里的漫画 心里初恋的童年

总是要等到睡觉前 才知道功课只作了一点点
总是要等到考试以后 才知道该唸的书都没有唸
一寸光阴一寸金 老师说过寸金难买寸光阴
一天又一天 一年又一年 迷迷糊糊的童年

没有人知道为什么 太阳总下到山的那一边
没有人能够告诉我 山里面有没有住着神仙
多少的日子里 总是一个人面对着天空发呆
就这么好奇 就这么幻想 这么孤单的童年

阳光下蜻蜓飞过来 一片片绿油油的稻田
水彩蜡笔和万花筒 画不出天边那一条彩虹
什么时候才能像高年级的同学有张成熟与长大的脸
盼望着假期 盼望着明天 盼望长大的童年
一天又一天 一年又一年 盼望长大的童年

10. Februar 2018

Randbemerkung: Der Zlatko der deutschen Politik

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Einnern Sie sich noch an Zlatko Trpkovski? Nein? Vielleicht nicht direkt aufgrund des Namens, aber war da nicht einmal ein Containerbewohner mit diesem Vornamen aus dem Big Brother Haus? Genau. Das war Zlaktko Trpkovski. Er war Teilnehmer der ersten Staffel von Big Brother (lange bevor die endlosen Ströme von Selbstdarstellern das Format zerstörten) und gelangte im Jahr 2000 zu einer dadurch bedingten, vorrübergehenden Berühmtheit, die man zurecht als Hype betrachten kann.

"Neue Hymnen braucht das Land." Liebe SPD...

... liebe Parteimitglieder, liebe Genossinnengenossen, liebe Ls, Bs, Qs., liebe Trans- und Cis-, liebe Von und Zus, liebe Unerschlossene, liebe Entsprungene und Fassungslose, liebe Neuzugänge und Altkader: aus Anlaß der aktuellen Entwicklung und der fünften Jahreszeit, da der Matto regiert und die demnächst nach dem Willen des EU-Politbüros die ganzjährige Sommerzeit ablösen wird, wird es Zeit, uns auf unsere alten Traditionen zu besinnen, aber dabei auch nicht das Neue aus dem Blick zu verlieren. Es ist schön, daß man in der SPD wieder begonnen hat, sich auf das traditionelle Liedgut zu besinnen ("Die Genossen singen wieder die alten Lieder"). Aber, liebe Genossnn'ngenossn, darin spiegelt sich nicht das Neue, das Unerhörte, das die Menschen im Land aufhorchen läßt, ja sie geradezu in den Bann schlägt und unsere Partei an die Spitze einer Entwicklung setzt, der die anderen Parteien unweigerlich folgen werden. Und, seien wir ehrlich: mit alten Gassenhauern wird "Wenn wir schreiten Seit' an Seit'" und "Wir ziehen der Sonne entgegen" wird das heutige Wesen unserer Partei, ihr ureigenstes Lebensgefühl, nicht wirklich getroffen. Zudem sollte zumindest die Melodie einigen anwesenden Genossen geläufig sein. Wir sind ja keine Nationalmannschaft, in der solche Wissenlücken als Zeichen lauterer Gesinnung gelten. "Peinlichkeit und Recht auf Freizeit" könnte so manchem Genossen die Schamröte ins Gesicht treiben, ohne daß es der oder die Betreffende als Begeisterung für die Farbe unserer Partei ("glüh' im Glanze dieses Glückes") rechtfertigen könnte. "Völker leert die Regale" ließe sich als konsumistisches Manifest mißdeuten; "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" von Väterchen Franz könnte nicht gefestigten Glaubensgefährten, die törichterweise Ironie und Subversivität vermuten, wo platte Handlungsanweisungen vorliegen, Anlaß zu Kontaktaufnahme mit blauroten Schmuddelkindern geben. Die "Polonäse Blankenese", die an sich in Melodie wie Text auf das Ausmaß der musischen Befähigungen unserer Partei perfekt zugeschnitten scheint, ist leider angesichts der Zeile "und jetzt geht es weiter, mit ganz großen Schritten"  - welch hervorragendes Motto für unsere Partei! - "und Erwin faßt der Heidi von hinten an die - Schulter" unter progressierendes #MeToo-Verdikt gestellt worden. Reinhard Meys "Was kann schöner sein auf Erden als Politiker zu werden" ist zwar treffgenau, übersteigt aber leider die Merkfähigkeit der meisten Genossen um Lichtjahre, Entschuldung: Megabyte.

8. Februar 2018

Personalprobleme

Die "große" Koalition steht. Jedenfalls bis zum SPD-Mitgliederentscheid. Der Koalitionsvertrag löst erwartungsgemäß nirgendwo Begeisterung aus, aber entspricht eben dem schlechten Wahlergebnis. Und nachdem die Koalitionäre sich endlich durchs Inhaltliche gequält hatten, durften sie dann endlich Posten verteilen, das ging ganz schnell.

Das Ergebnis ist etwas überraschend. Die SPD bekommt wichtigere Ressorts und kann damit vor ihrer Basis die Erfolglosigkeit bei den Inhalten etwas kaschieren. Auch die CSU gewinnt - als Ausgleich dafür, daß sie ihre zentrale Forderung "Obergrenze" wieder einmal nicht durchsetzen konnte. Und auf der Strecke bleibt die CDU, die noch nie als Regierungspartei im Bund so schlecht bei der Ressortverteilung abgeschnitten hat.

Schauen wir uns das mal genauer an:

6. Februar 2018

SpaceX - Falcon Heavy - Erststart, Videolink


(Quelle: CBS News)

In gut 90 Minuten, um 15:10 Uhr Eastern Standard Time oder 21:10 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, beginnt das Startfenster für den heutigen Erststart der Falcon Heavy der Firma SpaceX. Aus diesem Grund hat sich Zettels Raum zu etwas Neuem entschlossen - einem Experiment freilich, für dessen Gelingen genausowenig eine Garantie abgegeben werden kann wie für den erfolgreichen Jungfernflug von Elon Musks Mond- und Marsrakete: der Versuch einer Einbindung einer Liveübertragung, eines Web- oder Livecasts.



In jedem Fall läßt sich der Start auch live auf der Netzheimseite der Firma SpaceX verfolgen. Im obigen Fall wurde die YouTube-Präsentation desselben Videofeeds genommen, da diese Plattform erfahrungsgemäß wegen ihrer größeren Bandbreite weniger zum Einfrieren und Pausieren neigt.


Für den Fall, daß der heutige Start gelingt, wird der Livestream durch das YouTube-Video des Starts, zur beliebigen Wiederholung, ersetzt werden und dieser kurze Text durch einen etwas ausführlicheren, den hiesigen Usancen entsprechenden Netztagebucheintrag. Fall sich der Start verzögert oder in den nächsten Tagen ein neuer Startversuch angesetzt werden muß, wird dieser Eintrag entsprechend abgeändert und aktualisiert werden. Es handelt sich also um ein work in progress.

Nachtrag, 22:50. Wie mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, war es - wieder einmal - ein Bilderbuchstart. Die einzige Frage, die noch offen ist, ist: wie ist der Zustand der zentralen Erststufe, deren Landung auf der unbemannten schwimmenden Landeplattform Of Course I Still Love You nicht übertragen wurde? Elon Musk hat während der ganzen Vorbereitungszeit seit November 2017 betont, daß das Risiko, daß bei diesem allerersten Start irgendetwas nicht nach Plan verlaufen könnte, sehr hoch sei. (Als angelegentliche Erinnerung: der seltsame Name dieses Schiffs - und seines Pendants im Pazifik, vor der kalifornischen Küste vor der Vandenberg Air Force Base, Just Read the Instructions, sind dem SF-Roman The Player of Games des schottischen Autors Iain M. Banks von 1988 entnommen.)

Nachtrag 2, 23:15: Mittlerweile ist der Start als YouTube-Video verlinkbar. Die Synchron-Landung der beiden seitlichen Erststufen erfolgt im unten eingebundenen Video bei Minute 9 und 30 Sekunden.



Nachtrag 3, 00:50. The Nachrichtenseite The Verge berichtet zum Verblieb der mittig montierten Startstufe dies. Eine offizielle Bestätigung von SpaceX liegt bislang noch nicht vor.

Zentrale Erststufe, Nachtrag.

https://www.theverge.com/2018/2/6/16980954/spacex-falcon-heavy-rocket-middle-core-failed-landing

The middle booster of SpaceX’s Falcon Heavy rocket failed to land on its drone ship
By Loren Grush@lorengrush  Feb 6, 2018, 6:39pm EST
Though the Falcon Heavy’s outer cores successfully landed after launch this afternoon, the middle core of SpaceX’s huge rocket missed the drone ship where it was supposed to land, a source tells The Verge. SpaceX hasn’t yet confirmed this publicly.
It’s a small hiccup in an otherwise successful first flight. The Falcon Heavy rocket took off from NASA’s Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida at 3:45PM ET on Wednesday and made a beautiful arc to space. About two and a half minutes after liftoff, the two outer boosters of the rocket broke away and returned to Earth. The pair then touched down just seconds apart on SpaceX’s two ground landing pads at the Cape called Landing Zone 1 and Landing Zone 2.
At about three minutes after lift off, the center core broke away from the upper stage — the top portion of the rocket that is carrying the Falcon Heavy’s payload, CEO Elon Musk’s Tesla roadster. It then attempted to land on SpaceX’s drone ship, but live video of the landing stalled just before the core was slated to make its touch down. “We lost the center core,” someone said on a separate, unlisted live stream of the launch.
(Link)

Audio: "We lost the center core."

https://twitter.com/King_Drew16/status/960995626103267328

Nachtrag 4, 09:30. The Verge meldet heute morgen:

SpaceX later confirmed The Verge’s reporting in a press conference.

The center core was only able to relight one of the three engines necessary to land, and so it hit the water at 300 miles per hour about 300 feet from the drone ship. As a result, two engines on the drone ship were taken out when it crashed, SpaceX CEO Elon Musk said in a press call after the rocket launch. “[It] was enough to take out two thrusters and shower the deck with shrapnel,” he said.







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U.E.

© Ulrich Elkmann. Für Kommentare bitte hier klicken.

4. Februar 2018

邓丽君 / Dèng Lìjūn / Teresa Teng

Der Sonntag den Künsten!



In der westlichen Pop- und Rockmusik gibt es das Phänomen des "Club 27" - jene Stars und Monstres sacrés des ungezügelten Lebens, die in diesem Alter von der irdischen Bühne abgetreten sind  Brian Jones, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin - zuletzt Kurt Cobain und Amy Winehouse (der erste im Reigen dieses Danse Macabre war übrigens 1938 Robert Johnson, später zur Legende gewordener Bluessänger, dessen ihm angedichtete Dämonie womöglich zur unfokussierten Legendenbildung um dieses zufällige Alter beigetragen hat). Im Chinesischen dürfte ein Pendant dazu der Monat Januar sein,  die Zeit, in die viele Geburts- oder Todestage derer fallen, die viel zu früh von uns gegangen sind, etwa von 鳳飛飛, Fong Fei Fei, am 3. Januar 2012 im Alter von nur 58 Jahren gestorben, der "Sängerin mit den 600 Hüten" - dme Kennzeichen jedes ihrer Auftritte, oder  陈琳, Chen Lin, die am 31. Januar 2018 48 Jahre alt geworden.

Holla die Waldfee. Der neue Puritanismus, Zensur, #MeToo



("Hylas and the Nymphs," 1896. 98x162 cm, Öl auf Leinwand.  Abb.: Wikipedia)

In einem Seitenstück zur grassierenden "#Metoo"-Medienhysterie, bei dem man nicht nur den Eindruck hat, daß hier ein Komplex aus Unterhaltungsindustrie, die sie bedienenden Medien und ein wohlfeiler Empörungsmoralismus aus den seit langem intern bekannten und geduldeten Schattenseiten des eigenen Geschäftsmodells Gratiskapital schlägt, sondern auch ein Ablenkungsmanöver großen Stils stattfindet, das von den wirklichen Bedrohungen, denen Frauen und Mädchen in unseren westlichen Gesellschaften ausgesetzt sind ablenken soll - in einem kleinen Seitentrakt des Ministeriums für Kunstfreiheit (auf #Neudeutsch "Minikuf" genannt) ist in dieser Woche, so scheint es, Richtfest gefeiert worden - wie immer im Zeichen der Freiheit der Kunst. Die Manchester Art Gallery verbannte eine der Ikonen der englischen Malerei des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts ins Depot: das Gemälde "Hylas und die Nymphen" von John William Waterhouse (1849-1917) von 1896. Statt dessen werden die Besucher, die einen Blick auf diesen weltberühmte Gemälde werfen wollen, darauf verwiesen, daß die Abhängung selbst "eine Kunstauktion" sei, mit dem Ziel das Bild der Frau im 19. Jahrhundert zu hinterfragen, da die damaligen Künstler in fragwürdigen gesellschaftlichen Vorstellungen befangen gewesen seien. Auch Postkarten dieses Gemäldes wird man im Museumsshop vergeblich suchen.

31. Januar 2018

Seitenhieb: Hollywood setzt ein Statement

In Los Angeles fanden vor einigen Tagen, wie jedes Jahr, auch mal wieder die Verleihungen des Golden Globe statt. Soweit nichts besonderes. Die Filmindustrie feiert sich selber und gerade die Golden Globes sind der perfekte Schauplatz dafür Flagge zu zeigen und weniger unbedingt die erfolgreichsten Filme oder Darsteller zu feiern, sondern sich auch ein wenig mit dem eigenen Gutsein auseinander zu setzen. Insofern ist es auch nicht unbedingt eine Überraschung, dass der deutsche Beitrag den Globe gewann, angesichts dessen, dass er sich mit dem NSU, der bekanntlich erfolglosesten Terrororganisation der europäischen Nachkriegsgeschichte, beschäftigt.

Endlich verständlich. Fakten zur Energiewende

"Und es ist aber so - und das ist einfach Fakt, da kommt man nicht drum herum - wir haben massiv Stromexporte. Wir exportieren ein Zehntel unseres Stroms ins Ausland, in andere Länder. Die osteuropäischen Staaten haben schon gesagt: 'So geht das nicht weiter, ihr verstopft unsere Netze.' Deswegen haben wir gesagt, diese zehn Prozent Export die können wir an Kohle vom Netz nehmen. Und natürlich gibt es Schwankungen. Das ist vollkommen klar. An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet. Ich habe irgendwie keine wirkliche Lust, mir gerade mit den politischen Akteuren, die das besser wissen, zu sagen, das kann nicht funktionieren. Die Bundesnetzagentur, das Bundeswirtschaftsministerium war mit dabei in den Sondierungsgesprächen, als Experten geladen, haben das durchgerechnet." (Annalena Baerbock, seit dem 27.1.2018 Vorsitzende der Grünen und "Realo", am 21. 1. im Deutschlandfunk. Quelle)

Frage an Radio Eriwan: Kann man im Netz Strom speichern?
Radio Eriwan antwortet: Im Prinzip ja. Aber wenn die Akkus zu schwer werden, reißt es.





(Abb.: Amazon.de)

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U.E.

© Ulrich Elkmann. Für Kommentare bitte hier klicken.

30. Januar 2018

"700 Tage." Ein wenig Zahlenmagie.

Nein, keine mathematischen Tricks, eine Aufaddierung, Quersummen, Faktorierung nach Primfaktoren oder Gödelisierung, keine Gematria (jene antike Methode, mittels der etwa die biblische "Zahl des Tieres" in der Apokalypse des Johannes als Verweis auf konkrete Personen ausgedeutet worden ist, weil den Buchstaben des griechischen Alphabets neben ihrem Laut- auch noch ein Zahlwert eignete), auch nicht jene Spielart der phantastischen Literatur, die sich die Unverständlichkeit mathematischer Formeln und ihre Ähnlichkeit mit magischen Sprüchen zunutzen macht (etwa in L. Sprague de Camp und Fletcher Pratts The Mathematics of Magic von 1940). Nein, viel niederschwelliger: die Zahl selbst als Ankerpunkt, als Signum magischen Denkens gewissermaßen. "Magisches Denken" besteht ja, entre nous soit dit, in der Hoffnung, ein ständiges Sich-vor-Augen-Rufen eines Gegenstandes, einer Situation möge, aller lebensweltlichen Evidenz trotzend, doch eine Wirkung zeitigen. Die psychologische Wirkung sollte nicht unterschätzt werden. Vom beständigen Zählen des Geldbeutelinhalts nimmt dieser nicht zu; das beständige Voraugenführen eines Zeitraums hingegen ändert die Optik durchaus - vor allem, wenn dieser noch in der Zukunft liegt.

Mit dem heutigen Tag sind es noch genau siebenhundert Tage, bis wir das Jahr 2020 erreichen, bis wir ins dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts eintreten. (Eine besonders irreale Färbung erhält dies für Leute, denen "das Jahr 2000" vor seinem Eintreten immer, über Jahrzehnte hinweg, Signum und Wegmarke "der Zukunft" war, ein aufgeladenes Symbol von Zukunftshoffnungen, -ängsten und Projektionen). 700 Tage, also genau einhundert Wochen: Mit jeder verstrichenen Woche liegt ein Prozent der so umrissenen temporalen Reststrecke hinter uns. Ein solche zugegeben leicht mutwillige Optik resultiert zumindest in einem leichten Erschrecken. Rückgeblendet über die gleiche Distanz finden wir uns am 2. März 2016 - sechs Monate nach dem wohl fatalsten Ereignis deutschen Geschichte im 21. Jahrhundert, der mutwilligen und blinden Grenzöffnung durch Frau Merkel, und einen Monat vor Abschluß des so folgenlosen wie hilflosen "Türkeideals" mit der Regierung Erdogan. Und da der Mehltau, der sich über dieses Land, diese Regierung und ihr Handeln gelegt hat, der alles lähmt, der die Akteure wie in einen gefrorenen Schlamm bannt -erstarrt, grotesk, Zerrbilder - nicht etwa, wie an dieser Stelle vor gut Jahresfrist gemutmaßt, "weg ist", aufgebrochen, sondern angewachsen ist, bis man nicht mehr sagen, ob unter Mehltau und Verkrustung noch irgendwelche Akteure vorhanden sind, oder ob hier ein gespenstischer Selbstlauf nur noch politisches Handeln imitiert, daß nichts mehr darunter ist, das noch reanimiert werden könnte - gibt eine solche Optik eine Gewißheit: daß in dieser kurzen Zeit nichts mehr an nennenswertem Handeln erfolgen wird, daß das "politische Handeln", das sich in diesem Land nur noch als folgenloses Steigenlassen von Sprechblasen ereignet, in diesem winzigen Zeitraum nicht mehr ändern wird. Dies ist der Sinne dieses "geistigen Exerzitiums" sensu Loyola: schlagartig klarzumachen, daß wir uns, jetzt schon, am Ende eines vergeudeten Jahrzehnts befinden. 

28. Januar 2018

胡德夫 - Hu Defu (Ara-kimbo)

Der Sonntag den Künsten!



坐斷幾個春天?
又坐熟多少夏日?
當你來時,雪是雪,你是你
一宿之後,雪既非雪,你亦非你
直到零下十年的今夜
當第一顆流星騞然重明 

你乃驚見:
雪還是雪,你還是你
雖然結趺者底跫音已遠逝
唯草色凝碧。

22. Januar 2018

"Lieber Martin Schulz..." Ein Brieflein unter Freunden

Sehr geehrter Herr Schulz, sehr geehrter Herr Parteivorsitzender, lieber Genosse, ach was: lieber Martin - es ist wieder spät am Abend, und wie ich schon vor kurzem an dieser Stelle Deinem Parteigenossen Sigmar sagte, darf im Schutz der Dunkelheit und unter Freunden so manches Erwähnung finden, das im Licht des hellen Tages zwielichtig anmuten könnte. (Nein, es handelt sich hier um keinen Metaphernbruch - Rhetoriker - das sind Leute, die sich mit der Kunst des effektiven öffentlichen Sprechens befassen - sprechen von "Katachrese" - sondern um ein Oxymoron im erweiterten Sinn: so wie ein weißer Schimmel oder eine verantwortungsbewußt agierende SPD.) Nun haben sich also Deine Genossen auf dem gestrigen Parteitag in Bonn für den Weg in die erneute Großkoalition entschieden, mit einem Stimmverhältnis von 362 Weiter-So-Stimmen zu 279 Betriebsklimaleugnern. Wenn man die Vorstandsstimmen subtrahiert, sieht es spannender aus: 323 zu 313. Aber alles andere als ein Unentschieden bringt das Team eine Runde weiter.

21. Januar 2018

Mal wieder ein kleines Quiz

Der Sonntag den Künsten! - Auch wenn es sich nur um die leichteste der Musen handelt. (Aber es sollte schon auffallen, daß aus dem klassischen Neungestirn der inspirierenden höheren Instanzen, wie es sich zum Ausgang der griechischen Antike konstituiert hat, als Mnemoniden, diverse für durchaus jugendbewegte Inspiration zuständig waren: Therpsichore für den Tanz, Euterpe für Songlyrik und Flötenspiel, mithin Tanzmusik, Erato für die Liebeslieder und Polyhymnia für den Gesang, bzw. die Musik im Allgemeinen.) Und es geht nicht darum, das Werk eines Musikers, einer Sängerin vorzustellen und kurz den Hintergrund zu umreißen - sondern einzig, um einige Fundstücke aus dem größten Musikarchiv, das die Kulturgeschichte hervorgebracht hat, ganz ohne dergleichen zu intendieren - spazierenzuführen anhand der Leitfrage: "Erkennen sie die Melodie?"

Älteren Lesern wird diese Wendung noch als Titel einer Quizsendung des Zweiten Deutschen Fernsehens in Erinnerung sein, die von 1969 bis 1977 unter der Leitung von Ernst Stankowski den Ruf des Senders als knastriger "Kukident-Sender" konsolidieren half; freilich handelt es sich auch hier, wie bei so einigen Meilensteinen deutscher Fernsehkulturgeschichte, um einen Import von jenseits des Großen Teichs, wo Name That Tune seit 1952 vom Sender NBC produziert wurde.

Natürlich erwarte ich nicht, daß irgendeinem Leser die Namen der Sänger jemals untergekommen sind oder daß auch nur eine Silbe des Textes verständlich ist. Aber Unterhaltungsmusik, gerade auch Pop, Jazz, Rock zeichnet sich nicht zuletzt dadurch aus, daß der Text durchaus von nachgeordneter Bedeutung ist.

So, without further ado...
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20. Januar 2018

"You Are Fake News!"

Jetzt hat Präsident Donald Trump also die Gewinner seiner im November angekündigten "Fake News Awards" angekündigt: die Spitzenreiter unter den Medienberichten über ihn und seine Regierung, die sich als falsch, uniformiert und in nicht wenigen Fällen wohl auch bewußt verfälschend von Fernsehsendern und Medienkonzernen während des ersten Jahres seiner Päsidentschaft lanciert worden sind. Auch in unseren Medien hat das - wie alles, was mit der Person Trumps zusammenhängt - ein Echo gefunden, wenn auch zumeist, ebenso erwartbar, mit einem Spin ins Negative: "peinlich" (so die Hamburger Morgenpost), "Der Präsident der alternativen Fakten" (so n-tv), "der Twitterkindskopf" (so Jakob Augsteins "Meinungsmedium" der freitag). Den "Stuttgarter Nachrichten" fiel sogar eine aparte Parallele ein: "Wandelt Donald Trump auf Stalins Spuren?" (Bestimmt tut er das. Älteren Zeitgenossen wird noch lebhaft in Erinnerung sein, wie das Väterchen die großen Medien des Sowjetimperiums wie Новая Газета, Известия, und vor allem Правда Jahr für Jahr für die von ihnen verbreiteten Lügen prämierte.) Angesichts des am dieser Stelle schon vermerkten medialen "Alzheimer-Befundes" scheint es dennoch ratsam, die Liste der würdigen Preisträger hierherzusetzen, bevor die kleine Episode im "rasenden Stillstand" untergeht, weil sich die Medienmeute erwartbar auf den heute in Kraft getretenen "Government Shutdown" aufgrund des durch die Intransigenz der Democrats nicht rechtzeitig verabschiedeten Regierungshaushalt kapriziert: als kleinen Baustein im Erinnerungspalast der Gegenwart. Und "weil es so schön ist". Die Netzseite Gateway Pundit  referiert kurz und präzise die diesjährige Siegerliste.

Schweden implodiert

Wenn es um Entwicklungen in Europa (und nicht zuletzt Deutschland) geht, dann wird oftmals auf Schweden verwiesen, die in mancher Beziehung "schon­ weiter" sei. Sei es die schwedische Offenheit, der Sozialstaat, das Schulsystem, das Rechtssystem und noch diverse Dinge mehr. Richtig daran ist auf jeden Fall, das Schweden bei einigen Entwicklungen, die wir derzeit in der BRD beobachten, tatsächlich schon Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, "vorraus" ist.
Insofern ist Schweden eigentlich ein ausgesprochen interessantes Beispiel, dass sich zu betrachten lohnt, wenn man Entwicklungen, die man in Deutschland in den letzten Jahren angestossen hat, in ihrer Auswirkung beobachten will.

16. Januar 2018

Kurioses, Kurz Kommentiert. "Feuer und Zorn": Drump gelaufen



Vor genau einer Woche, am 9. Januar 2018,  ist in den USA ein Sachbuch erschienen - nein, dieser Auftakt ist womöglich unter Fake News (oder Alternative Fakten) einzuordnen, da das Verhältnis dieses Textes zur sogenannten Wirklichen Wirklichkeit schon aufgrund seiner Genrezugehörigkeit ein schilldrndes ist. Vor 7 Tagen also erschien im New Yorker Verlag Henry Holt ein "politisches Enthüllungsbuch," eine vermeintliche Chronique scandaleuse der ersten elf Regierungsmonate des amerikanischen Präsidenten, dessen Verlagsankündigung ungeahnte Aufschlüsse und Einblicke versprach und das, nach den gewaltigen Stapeln in den Filialen der großen Buchhandelsketten und dem sofortigen Besetzen der Pole position der Bestsellerlisten zu urteilen, sich jenseits des "Großen Teichs" tatsächlich verkauft wie das sprichwörtliche geschnittene Brot. Das Buch Fire and Fury: Inside the Trump White House des amerikanischen Journalisten Michael Wolf ist, so könnte man meinen, zu jenem Projektil geworden, mit dem der fünfundvierzigste Präsident der Vereinigten Staaten endlich waidwund geschossen, politisch erledigt und aus seiner Position entfernt werden kann. Die auf allen Kanälen betrieben Bewerbung beschränkt sich freilich auf geringe Variationen des Satzes "Trump is worse than we thought." Ein Skeptiker mag an dieser Stelle fragen, wie eine weitere Verschlechterung seines Rufes im Spiegel der Medien, hüben wie drüben des Atlantiks, bitteschön erreicht werden soll angesichts des seit eineinhalb Jahren andauernden Dauerfeuers, der Gehässigkeit, Unterstellungen und schlichten Niederträchtigkeit, mit der seine Amtsführung und vor allem seine Person bedacht wird. Eine Niederträchtigkeit, die in der Geschichte der Massenmedien in der freien Welt wohl noch niemals dagewesen ist. Wer so fragt, verkennt die Natur solcher Propaganda: nicht der Rückblick, die kontinuierliche Steigerung, die Erzeugung eines sich entwickelnden Narrativs gehört zu ihrer Natur, sondern die momentane Wirkung, die schiere Gegenwart. Es erlaubt dieser Art von Suggestivbeschallung, sich chamäleonartig zu wandeln und morgen das glatte Gegenteil von dem zu verkünden, was gestern noch unumstößliche Wahrheit war. Eurasia has always been at war with Oceania.

14. Januar 2018

天天天藍 / Tiāntiān tiān lán. Das Lied vom blauen Himmel

Der Sonntag den Künsten!


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潘越雲 - 天天天藍 





天天天藍 教我不想他也難

不知情的孩子 他還要問

你的眼睛 為甚麼出汗


情是深 意是濃
離是苦 想是空