19. Januar 2022

Bruchlinien der Gesellschaft. Ein Gedankensplitter.

Das Simplifizieren von Menschen auf bestimmte Gruppen ist immer schwierig: Argumentativ begibt man sich grundsätzlich in die Falle, man würde Menschen Unrecht tun, man würde komplexe Probleme zu einfach darstellen, man würde einfache Lösungen für schwierige Probleme suchen. Alles richtig. Und doch oftmals zu kurz gesprungen. Das Leben an sich, wie auch die Menschen an sich, sind extrem komplex. Zu komplex, um ihnen wirklich in dem Sinne gerecht zu werden. Unser Verstand kann das (das kann man auch ziemlich trivial zeigen) nicht leisten, entsprechend sortieren wird die Dinge in Schubladen ein. Und das macht es uns dann doch einfacher Zusammenhänge zu verstehen. Auch wenn sie im Einzelnen nicht immer ganz gerecht sind.

18. Januar 2022

Klinischer Wahnsinn II

Als Postscriptum zu meinem Beitrag von vor zwei Tagen, als Fortsetzung oder als zweiter Teil einer womöglich noch geraume Zeit fortzusetzenden Serie möchte ich heute das Regelwerk dokumentieren, das "THE LÄND" Baden-Württemberg (die Schreibung in Majuskeln ist augenscheinlich Teil dieser peinlichen Imagekampagne) angesichts der "steigenden Fallzahlen durch die Omikron-Variante" am 12. Januar 2022 für seine Bürger erlassen hat und das vorerst bis zum 1. Februar gelten soll. Auch hier ist jeder Kommentar überflüssig. Außer vielleicht die Anmerkung, daß man schon aus dem "Land der Tüftler und Erfinder" kommen muß, um den Besuch von Weihnachtsmärkten für den Zeitraum vom 12. Januar bis zu 1. Februar regeln zu wollen. Henryk M. Broders Befund: "Deutschland ist ein Irrenhaus. Könnte man die Bundesrepublik überdachen, wäre es eine geschlossene Anstalt" ist nur noch durch den Zusatz zu ergänzen: "...in der die Insassen die Anstaltsleitung übernommen haben."
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16. Januar 2022

Klinischer Wahnsinn

Ein Bild, sagt die alte Spruchweisheit, ist mehr wert als tausend Worte. Und es gibt Bilder, zu denen sich jeder Kommentar erübrigt, weil sie für sich selbst sprechen. Nicht zuletzt deshalb, weil einem die Worte fehlen, das angemessen zu kommentieren. Wer wissen will, wie es aussieht, wenn die Obrigkeit eines Landes (von "Regierung" will man hier gar nicht mehr sprechen; die feudalistische Anmaßung ist unübersehbar) jeden Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat, braucht nur einen Blick auf diese Beilage des Kölner Stadtanzeigers vom Freitag, dem 14. Januar 2022 zu werfen. Es gibt kein anderes Wort dafür: ja, dieses Land hat den Verstand verloren. Man kann nur raten, dergleichen als Ausdruck oder auf einem sicheren Speichermedium zu sichern und aufzubewahren, um in späteren Jahren, wenn dies hinter uns liegt, den fassungslosen Nachgeborenen als Beweis präsentieren, daß es dergleichen "tatsächlich einmal gegeben hat." So wie die überstempelten 50-Millionen-Mark Scheine aus der Hochphase der Inflation vor 99 Jahren.
PS: Völlig überraschend hat das Robert Koch-Institut heute Nachmittag einen Erlass herausgegeben, nachdem der "Genesenenstatus" nach einer erfolgten Infektion mit dem Coronavirus bereits nach drei Monaten anstatt wie bisher einem halben Jahr hinfällig wird und eine Impfung oder Nachimpfung erfoderlich wird, um nicht als "Ungeimpfter" zu gelten. Damit soll "der Druck erhöht werden," um die Quote der Geimpften, die der einzige Richtwert unserer Politiker geworden zu sein scheint, in die Höhe zu treiben. Der Clou dabei ist, daß der Genesenen-Status erst 28 Tage nach einem Nachweis der Infektion durch einen PCR-Test anerkannt wird. Man darf also nur noch 72 Tage am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, wenn man sich weigert, sich gegen einen Erreger inokulieren zu lassen, dessen Infektion man hinter sich hat. Der Kleine Zyniker registriert dies als ein Novum in der Medizingeschichte der letzten 200 Jahre, also der Moderne. Und der Kleine Pragmatiker nimmt es als weiteren Beweis, daß Wahnsinnige sich anmaßen, über uns zu bestimmen.
U.E.

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10. Januar 2022

Paul Scheerbart, „Das Ende der Fleischnot.“ Mit einem Abstecher ins Jahr 2022



Von den künstlerischen Ausmalungen der Zukunft, die es in das „kollektive Gedächtnis“ geschafft haben und deren Handlungen mit einer ganz konkreten Jahreszahl verbunden ist, in dem sie stattfindet, gibt es genau drei – und das aus dem schlichten Grund, weil dieses Jahr in ihrem Titel genannt wird. Bei denen das Geschehen also nicht vage „in naher“ oder „einer ferneren“ kommenden Zeit spielt, sondern der Zuschauer (und Leser), dem danach zumute wäre, einen Kalender befragen könnte. Dazu zählt George Orwells maßgebliche Anti-Utopie „1984“ – bei dem die Vertauschung der letzten beiden Zahlen des Jahres 1948, in dem das Buch entstand, die Wegmarke lieferte. Sodann das Original und die Fortsetzung zu Arthur C. Clarkes „2001 – A Space Odyssey“ (Buch und Filmfassung 1968), „2010 – Odyssey II“ (1981) samt ihrer Verfilmung durch Peter Hyams von 1984 (die deutsche Kinofassung trägt den Titel „Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“) und nicht zuletzt das gerade angebrochene Kalenderjahr, das dadurch eine ikonische Unterfütterung erhielt, indem Richard Fleischer 1973 seinen Film „Soylent Green“ in eben diesem Jahr 2022 spielen ließ. (*)

(* Pophörer älteren Baujahrs mögen noch das "One-Hit-Wonder" von Zager & Evans aus dem Jahr 1966 dazuzählen: "In the Year 2525." Aber der kleine Schlager nutzt die Jahreszahl nur zu einem Schnelldurchlauf von Stichworten zur bevorstehenden abschüssigen Karriere von Homo Sapiens: "In the year 25-25 / if man is still alive / if woman can survive / they may fight..." Edward Bellamys "Looking Backward, from the Year 2000" aus dem Jahr 1887 war das Buch, das für die nächsten 110 Jahre das titelgebende Jahr als Zielmarke der Naherwartung aufgabe; und Louis-Sebastien Merciers "L'An 2440" war im Jahr 1771 die erste literarische Zukunftsschau überhaupt, die diesen Namen verdient - aber beide Texte sind längst dem kulturellen Gedächtnis entfallen.)

Harry Harrisons Roman „Make Room! Make Room!” aus dem Jahr 1966, der Fleischer und seinem Drehbuchautor Stanley Greenberg als Vorlage diente, spielt im New York des Jahres 1999, und endet mit dem Beginn des „neuen Jahrtausends“ auf dem Times Square, auf dem die berühmte Neon-Leuchtschrift an der Front der „New York Times“ triumphierend erklärt, die Bevölkerung der Vereinigten Staaten habe im abgelaufenen Jahr einen neuen Höchststand von 334 Millionen erreicht - von denen, wie wir zu Anfang des Films erfahren, sich ein Zehntel auf dem Terrotorium New Yorks drängt (in der Filmfassung sind daraus 40 Millionen geworden). Fleischer und Greenberg verlegten die Handlung ihres Films 23 Jahre in die Zukunft, um das Elend, den Niedergang, die trostlose, hoffnungslos übervölkerte Welt als Dauerzustand noch eindrücklicher zu vermitteln – vor allem aber, um den Protagonisten jede Erinnerung an bessere vergangene Zeiten zu verwehren. Einzig Sol Roth – gespielt von Edward G. Robinson in seiner letzten Filmrolle -, der in hohem Alter steht, erinnert sich noch an jene Zeit, als es noch Tiere und organische Nahrung gab. Es gibt natürlich einen Schwarzmarkt; auf dem ein Glas Erdbeermarmelade vor 150 Dollar zu haben ist. Sols kleine Bibliothek an Referenzwerken und seine Kontakte als früherer Archivverwalter der Polizei haben es Frank Thorn – gespielt von Charlton Heston – mit dem er sich einer heruntergekommenen Wohnküche teilt, ermöglicht, aus dem gewöhnlichen Polizeidienst und der Jagd auf solche Schmuggler zu entkommen und sich der Aufklärung „richtiger“ Verbrechen zu widmen.

8. Januar 2022

神秘小屋。Die geheimnisvolle Hütte auf der Rückseite des Mondes





I saw him through my telescope,
On a cloudless night in June,
As he rested between voyages
At his beach house on the moon.

There are windows to the galaxies
And hallways to the past.
There are trapdoors to the future
And a splintered ancient mast.
There are relics from Apollo trips,
When the earthmen came to play,
And a hammock from a distant star,
Out in the Milky Way.

- Jimmy Buffett, "Beach House on the Moon" (1999)



(Michael van Langrens Mondkrate von 1645)

Wenn es auf dem Mond „Meere“ gibt (die Bezeichnung geht auf den niederländischen Astronomen Michael Florent van Langren (1598-1675) zurück, der sie in seiner 1645 gedruckten Mondkarte, dem „Plenilunum,“ als erster für die dunklen Basaltebenen verwendeten, die für einen irdischen Betrachter das „Gesicht in der Mondscheibe“ bilden), mit weiteren maritimen Bezeichnungen wie Ozean („Oceanus“) und Bucht („Sinus“), ist es folgerichtig, daß dort auch Strandhütten zu finden sind. Und daß es auf dem Erdtrabanten Hasenköttel gibt, darf ab heute als wissenschaftlich nachgewiesene Tatsache gelten.



Vor einem Monat, am 7. Dezember 2021, setzte die nationale chinesische Raumfahrtbehörde, im Westen allgemein nicht als 国家航天局 (Guójiā Hángtiānjú), sondern nach dem Akronym ihrer englischen Bezeichnung CNSA bezeichnet, die Medien und sozialen Medien nicht nur in China, aber vor allem natürlich dort, mit einem Photo in Aufregung, das von dem Mondrover Yutu-2 aufgenommen wurde, der seit seit 3 Jahren, seit dem 3. Januar 2019 den 180 Kilometer durchmessenden Krater Von Kármán erkundet, der von uns aus „gesehen“ fast in der Mitte der uns abgewandten Hemisphäre, auf halber Strecke zum Mondsüdpol liegt. Das Bild, am Ende des 36. „Mondtags“ aufgenommen, zeigt am Horizont der geröllübersäten Ebene des Kraterbodens eine seltsam kompakte, blockige Struktur vor dem Himmelshintergrund. Das seltsame Gebilde, dem das Team, das für die Routenplanung und die Steuerung des Rovers zuständig ist, die Bezeichnung 神秘小屋 (Shénmì Xiǎowū, „Rätselhafte Hütte“) gab, traf den gleichen Nerv wie die vor Jahresfrist überall aus dem irdischen Kraut schießenden „Monolithen“ nach dem Vorbild von Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“ – nur daß es sich hier ersichtlich NICHT um einen Scherz von Erdlingen handeln konnte. In den chinesischen Medienberichten und sozialen Medien erhielt das Gebilde sehr schnell weitere Namen: 凯旋门 (Kǎixuán Mén, „Triumphbogen“), 外星基地 (Wàixīng Jīdì, „Basis der Außerirdischen“) oder 广寒宫 (Guǎng Hán Gōng, „Weiter Palast der großen Kälte“). Das letzte braucht vielleicht eine kleine Erläuterung: der „Palast der großen Kälte“ ist in der chinesischen Überlieferung der Wohnsitz der Mondgöttin Chang’e, nach der die Landesonden des chinesischen Mondprogramms ihren Namen tragen, und vor dem der Mond- oder Jadehase für sie unablässig das Elixir der Unsterblichkeit in einem Mörser zerstampft. Und nach diesem Jadehasen (玉兔 ,Yùtù, auch „Mondhase,“ Yuètù - der Gleichklang der Namen ist kein Zufall) ist auch der Rover benannt.

6. Januar 2022

Der Brummkreisel



Eigentlich - "eigentlich" - ist dies ein Job für den ArgoNerd, der an dieser Stelle vor kurzem im Zusammenhang mit dem Kurznachrichtenmedium Twitter erwähnt wurde. Andererseits ist dessen übliches Verfahren hier nicht mehr hinreichend, um dem Anlaß gerecht zu werden. Sein Verfahren besteht darin, fast immer ohne Erläuterung oder Überschrift zwei zeitversetzte öffentliche Äußerungen von Politikern nebeneinander zu setzen, die trefflich den Satz illustrieren, den die größte deutsche Kanzlerin in der Geschichte des Universums im Jahr 2008 getan hat: "Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt, und wir müssen damit rechnen, daß das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann.“

Deshalb seien an dieser Stelle nur einige Aussagen hergesetzt, in denen sich Christian Lindner, Vorsitzender der Freien Demokratischen Partei und seit jetzt vier Wochen Finanzminister dieses Landes, im Lauf des letzten halben Jahres zum Thema "Impflicht" geäußert hat.

3. Januar 2022

"Von Schafen und Menschen"





Ein oberflächlicher Beobachter könnte ja zu dem Schluß kommen, der Berufsstand der Satiriker und der losen Vögel, die wider den Stachel löcken, sei in diesem Land nicht mehr auszuüben. Die Maßnahmen unserer Politik lassen sich nicht mehr durch Zuspitzung überbieten; die Obrigkeit hat das Ressort des Absurden und Irrlichternden selbst in Eigenregie übernommen, und unsere Medien, zumal die Staatsmedien, begnügen sich damit, sich unter der Kennung „Satire“ nur noch plumpe, brachiale Invektiven gegenüber Teilen der Bevölkerung herauszunehmen, die sich nicht zur Wehr setzen können („Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau!“ – sofern sie nicht als Politiker, religiös anders Orient-ierte, sexuell divers Gepolte oder Noch-nicht-lange-im-Land-Weilende den Stempel des Sakrosankten tragen. Außerdem gebe es längst nicht mehr hierzulande, über das man lachen könnte.

2. Januar 2022

Mircea Eliade, "Anno Domini" (1928)





Ich werde hier nicht über das abgelaufene Jahr (gemeint ist: 1927) schreiben. Für einen jungen Autor schickt es sich nicht, Bilanzen aufzustellen. Uns verbindet nichts mit dem ewiggleichen Ablauf der Tage und Nächte, mit den üblichen alltäglichen Sorgen und Nöten, den immergleichen Mühen und Ablenkungen. Für uns junge Leute ist anderes wichtig: sind wir damit zufrieden, uns mit dem zu beschäftigen, das uns in den Zeitungen vorgesetzt wird, mit dem was uns Schriftsteller in ihren Romanen über Alltagsorgen beschreiben? Warum sollen wir uns denn überhaupt mit Büchern abgeben und uns dazu äußern – zu neuen Büchern, zu kulturellen Ereignissen, neuen angesagten Namen? Solche Dinge können von nur uns verachtet werden; sie sind uns gleichgültig.

In diesem Jahr – 1927 – hat keine von uns Jungen dafür gesorgt, daß die Reputation eines Älteren wirklich verblasst ist. Keiner von uns Jungen hat etwas Neues, Tiefempfundenes hervorgebracht, daß unsere Seele anrührte. Wir haben uns alle nur – das sollten wir ehrlich eingestehen – am Rand des immergleichen Abgrunds amüsiert, mit denselben ererbten Gesten, den immergleichen Floskeln. Keiner hat geistig etwas riskiert und sich den ungewohnten, neuen Erfahrungen hingegeben, aus denen sich neue Diamanten für unser geistiges Dasein schürfen lassen.

Wir waren allesamt nur mittelmäßig, und stolz auf unsere erbärmlichen Vergnügungen. Wir dürfen uns nicht selbst betrügen und uns mit unseren Eltern und älteren Verwandten vergleichen, als sie im selben Alter wie wir waren. Uns darf es nur um unseren eigenen Weg gehen. Was kümmern uns die jugendlichen Irrtümer anderer Generationen, die in Paris Mode geworden sind, all die Kulturbanausen – wenn wir doch spüren, daß auch für uns das Mittelmaß zum Maßstab geworden ist, daß unsere Schwäche uns daran gehindert hat, zu Helden zu werden, und daß wir lieber die Trübsal und die matten Aufregungen eines ganzen Landes ertragen, anstatt unseren Geist zu stählen und klar zu halten?

1. Januar 2022

Ray Bradbury, "Der Spaziergänger" (1951)





In die Stille hinauszutreten, die die Stadt an einem nebelverhangenen Abend um acht Uhr im November ausfüllte, die Füße auf den unebenen Gehsteig zu setzen, über die grasbewachsenen Seitenstreifen zu gehen und mit den Händen in den Taschen durch das Schweigen zu gehen: das war es, was Leonard Mead über alles genoss. Manchmal blieb er an einer Straßenkreuzung stehen und blickte nach allen vier Richtungen die langen Straßenzüge hinab, wie sie im Mondlicht dalagen, bevor er sich für eine Straße entschied. Es war egal, wohin er sich wandte. Er war allein in dieser Welt, in diesem Jahr 2053 – oder so gut wie allein. Und sobald er seine Entscheidung getroffen hatte, setzte er sich in Bewegung, während sein Atem vor ihm wie Zigarrenrauch in die kalte Luft stieg.

Manchmal war er stundenlang unterwegs und kehrte erst um Mitternacht nach Hause zurück. Auf seinen Spaziergängen sah er die Häuser und Bungalows mit ihren dunklen Fenstern; es war fast, als ob er über einen Friedhof spazierte. Nur schwache Lichtschimmer blinkten wie Glühwürmchen hinter den Fenstern auf. Ab und zu erschienen graue Gespenster an Zimmerwänden, vor denen noch keine Vorhänge zugezogen waren, oder Flüstern und leise Stimmen waren zu hören, wo noch ein Fenster in einem der wie Grabsteine anmutenden Gebäude offenstand.

Dann blieb Leonard Mead stehen, neigte den Kopf, lauschte, sah genau hin und ging dann weiter, ohne ein Geräusch auf dem unebenen Gehsteig zu machen. Er hatte sich schon lange angewöhnt, bei seinen Gängen weiche Halbschuhe zu tragen, damit ihn nicht unverhofft das Gebell von Hunden begleitete, wenn er auf harten Sohlen unterwegs war, und die Außenlichter angingen und eine ganze Straße über die einsame Gestalt aufgeschreckt wurde, die da an einem frühen Novemberabend vorbeikam.

An diesem Abend hielt er sich zuerst in westlicher Richtung, dort, wo in der Ferne das Meer verborgen lag. Es lag eine gute, kristallklare Kälte in der Luft, die ihm in die Nase schnitt und ihn wie fast wie eine Weihnachtsbaumbeleuchtung in die Lungen fuhr: es fühlte sich an, als ob er das eisige Licht in sich aufleuchten und ausgehen fühlen könnte, als wenn sich seine Lungen mit unsichtbarem Schnee füllen würden. Das leise Rascheln, das seine Schuhe verursachten, als er auf das gefallene Herbstlaub trat, gefiel ihm, und er pfiff leise und kalt vor sich hin, hob ab und zu ein Blatt auf, besah sich das Muster der Blattskelette im Licht der wenigen Straßenlaternen und roch den an Rost erinnernden Geruch.

31. Dezember 2021

Paul Scheerbart, „Das Gespensterfest. Eine Silvestergeschichte“ (1911)





Der alte Baron Münchhausen kann sich von China gar nicht trennen; jetzt hat er bereits den Kaiser von China kennen gelernt – und da schäumt nun seine Begeisterung einfach über. Diese kommt in seinen Briefen an die Gräfin Clarissa vom Rabenstein so heftig zum Ausdruck, daß es sich wohl lohnt, noch einen dieser Briefe hier zum Abdrucke zu bringen.

Die Gräfin, die jetzt vierundzwanzig Jahre ist, muß sich augenblicklich in einer Berliner Klinik einer kleinen Operation unterziehen. Die ist aber nicht im mindestens beunruhigend.

Der alte Baron schreibt ihr aus Peking in seiner bekannten Frische das Folgende:

30. Dezember 2021

Paul Scheerbart, „China und Dampfbahn. Philantropische Betrachtungen“ (1899)



(Ausbau des chinesischen Hochgeschwindigkeits-Streckennetzes zwischen 2008 und 2020)

In den letzten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts hat Europa für den Politiker an Wichtigkeit sehr viel verloren. Europa wurde von der Weltpolitik in den Hintergrund gedrängt. Das mag manchem Europäer wenig behagen, aber diese Thatsache läßt sich nicht mehr übersehen. Es kann uns heute beinahe gleichgültig sein, was unten in der Türkei vorgeht. Aber die Ereignisse in China sind uns sehr wichtig.

Unsere Ansichten über China haben sich in den letzten fünfzig Jahren ganz und gar verändert. China ist für uns nicht mehr ein zu ewigem Stillstande verurteilter Staat. Das Reich der Mitte steht schon so ziemlich im Mittelpunkte der gesamten europäischen Kulturinteressen.

Wenn heute jemand behauptet, daß die Menschheit in China - und nicht in Europa - die höchste Kulturstufe erreichen dürfte, so lacht man nicht mehr. Die japanischen Siege haben den Chinesen nichts geschadet, und sollten europäische Mächte siegreich im großen Chinalande vordringen, so werden sie schließlich ebensowenig ausrichten wie die Japaner. So ohnmächtig Napoleon gegen das große Rußland war, so ohnmächtig könnte dieses einst in Ostasien kämpfen - denn der Chinese sind sehr viele. Ein brennendes Peking kann am Ende wie ein brennendes Moskau wirken. In der alten Welt ist der Angreifer augenscheinlich immer im Nachteil. Hellas konnte Vorderasien nicht totkriegen, der angegriffene Teil war viel stärker, als man anfänglich annahm; und andererseits gelang es den Arabern wieder nicht, in Spanien - im Westen - einen bleibenden Erfolg zu erringen. Auch die Mongolen haben niemals festen Fuß im Westen fassen können. Und so dürften auch die Europäer vergeblich ihre Armeen nach Ostasien senden. Es giebt Politiker, denen das unheimlich klar ist...

Mit welchen Gefühlen würden wir, wenn wir dazu Zeit hätten, heutzutage Schlossers Weltgeschichte lesen! Der alte Schlosser macht sich über China ganz einfach lustig und findet alle chinesischen Zustände lächerlich, benutzt sie nur zu sarkastischen Ausfällen gegen Deutschland, das Reich der Mitte Europas. Schlosser sollte heute von den Toten auferstehen - er würde gleich ganz rot vor Schreck werden und sich genieren - China von oben herab behandeln und eine "Weltgeschichte" schreiben! Blamabel! Wie höflich ist die europäische Politik geworden! Außerordentlich wichtige merkantile und industrielle Interessen sind in Peking zu vertreten.

29. Dezember 2021

Paul Scheerbart, "Der Wetterprophet. Eine chinesische Geschichte" (1910)

Als ich vor drei Monaten in Peking war, lernte ich bei dem italienischen Gesandten am einem lustigen Gesellschaftsabend dem reichen Herrn Li-Ban-Schin kennen, der als Wetterprophet im Land des Zopfes ein großes Ansehen genießt.

Die vornehmen Chinesen sind heute den Europäern gegenüber nicht mehr so diplomatisch zugeknöpft wie vor zehn Jahren noch. Auch im Osten des asiatischen Kontinents ist vieles anders geworden. Und so kam es, daß Li-Ban-Schin mich noch an demselben Abend, an dem er mich kennen lernte, einlud, ihn an einem der nächsten Tage in seiner Villa zu besuchen.

Er sandte mir eines Morgens ganz früh, gleich nach Sonnenaufgang, sein Automobil, und nach dreistündiger Automobilfahrt empfing mich Herr Li-Ban-Schin im Portal seiner Villa zwischen zwei großen weißen Porzellanhunden.

Die Villa war eine Porzellan-Villa – außen blau und innen hellgelb. Schwarzer Sammetbelag bedeckte überall den Fußboden. Und die Hälfte aller Porzellanfliesen war sowohl innen wie außen bemalt. Die Möbel bestanden aus geschnitztem Ebenholz – tief schwarz, aber nicht poliert. Das Köstlichste steckte in den großen bunten plastischen Porzellanfrüchten, die in dekorativen Kränzen mitten in den Wänden und an Tür- und Fensterrahmungen innen wie außen das ganze belebten; diese Weintrauben, Pfirsiche, Pflaumen, Aepfel, Kirschen und Aprikosen erinnerten ein wenig an die italienische Renaissance, obwohl da der Farbenreichtum lange nicht so üppig hervortrat wie hier. Daß diese Porzellan-Villa in China entstand, dafür sprachen die Malereien, die durchaus in rein chinesischem Stil blieben – und zwar in einem ganz alten, dem man Verwandtschaft mit dem modernen Geschmack nicht nachsagen konnte.

Ich mußte zunächst mit Hern Li-Ban-Schin frühstücken. Es gab Tee, Cognac und mindestens dreißig chinesische Delikatessen – dazwischen Zigaretten und Zigarren. Ich hatte jedoch gar keine Zeit, dieses Frühstück viel zu betrachten, denn der Herr des Hauses war sehr gesprächig. Er hatte sich in jüngeren Jahren sehr lange in Berlin aufgehalten und sprach fließend Deutsch.

„Man hält mich hier,“ sagte er lächelnd, „für einen Wetterpropheten. Aber ich bin eigentlich etwas mehr. Mir ist es eigentlich ganz gleichgültig, ob es regnet oder schneit, ob es windig oder nicht windig ist.“

2021, ein Blick nach hinten und nach vorne und ein dunkler Gedankensplitter

Ende Dezember und wieder geht ein Jahr zu Ende. Und die meisten werden vermutlich zustimmen, dass es ein Jahr ist, dass man wohl besser schnell vergisst. 

Wenn es denn so einfach wäre und man damit aus der Welt schaffen könnte, was sich so ereignet hat. 

Kaum ein Jahr, nicht einmal das auch viel verfluchte 2020, hat so im Zeichen der Krise gestanden wie 2021, blickt man durch die Monate, so stand 2021, unterbrochen durch einzelne Streiflichter wie die Flut im Ahrtal, die Bundestagswahl oder ein querliegendes Schiff im Panama-Kanal, voll im Zeichen von Corona. Oder eigentlich nicht im Zeichen von Corona sondern im Zeichen der Corona-Maßnahmen, staatlichem Missmanagement, totalitären Auswüchsen und sehr, sehr viel Angst. 

28. Dezember 2021

Paul Scheerbart, „Die Perseïden und die Leoniden“ (1911)





Es sind nun dreizehn Jahre her. In Genf wars – im Juni des Jahres 1898. Dort hatte Mademoiselle Dorothee Klumpke den Astronomen Caspar vom Pariser Observatorium kennen gelernt. Sie saßen eines Abends im Hotel de la Paix gegenüber dem Montblanc und sprachen von wissenschaftlichen Ballonfahrten. „Die Wissenschaft,“ sagte Mister Caspar, „hat sich noch lange nicht eng genug mit dem Luftballon verbunden. Sie ahnen ja garnicht, Mistress Klumpke, welche große Serie von Problemen mit Ballons noch zu lösen wäre. Der Astronom hat alle Veranlassung, sich zunächst mit den Dingen zu befassen, die in unserer Atmosphäre sind. Ich meine nicht, daß er nur meteorologische Studien treiben soll. Aber -sehen Sie – hier in unserer Atmosphäre gibt es Millionen Dinge, die wir noch gar nicht näher kennen gelernt haben – und die doch augenscheinlich gar nicht zu unserer großen Erde gehören.“

„Wollen Sie sich,“ erwiderte Mistress Dorothee, „ein wenig deutlicher ausdrücken? Meinen Sie das Zodiakallicht? Das soll ja wohl eine Art Saturnring in unserer Atmosphäre sein.“

„Das,“ erwiderte Mister Caspar, „liegt ein wenig zu weit. Zu diesem Zodiakalringe werden wir wohl schwerlich mit dem Ballon hinaufkommen. Aber – wir haben täglich zehn Millionen Sternschnuppen in unserer Atmosphäre. Die könnten wir doch wohl vom Ballon aus näher kennen lernen. Bedenken Sie nur – täglich immer wieder ganz neue zehn Millionen Weltkörper, die nicht von dieser Erde sind – immer wieder neue – täglich!“ – „Das ist ja kolossal!“ rief die Dame und blickte mit der Lorgnette zur Spitze des Montblancs, die allmählich rot wurde.

Die Lampions wurden auf der Terrasse angesteckt. Auf dem Genfer See wurden die großen Bergschatten dunkler.

Mister Caspar fuhr fort:

„Am zehnten August haben wir wieder den Perseïden-Schwarm zu erwarten. Das sind die bekannten Tränen des heiligen Laurentius. Die vom Luftballon aus beobachten!“ „Das wäre,“ rief Mistress Dorothee ganz laut, „einfach entzückend. Was gäbe ich darum, wenn ich dabei sein könnte!“

25. Dezember 2021

JWST

Wenn alles gutgeht, wenn nichts mehr dazwischenkommt, wird in wenigen Stunden, am heutigen Morgen, dem ersten Weihnachtstag des Jahres 2021, um 20 Minuten nach 8 Ortszeit und 12:20 Weltzeit, was 13:20 mitteleuropäischer Zeit entspricht, vom Raumfahrtbahnhof in Kourou im frnazösischen Guiana das James Webb Space Telescope, zumeist als JWST abgekürzt, an der Spitze einer Arina 5 zu seiner gut zweimonatigen Reise zum zweiten Langrangepunkt des Erde-Mond-Systems starten. Der Beginn der Mission hat sich zahllose Male verschoben; der ursprünglich für das Jahr 2011 vorgesehene Start wurde erst auf 2014, dann 2015 verschoben, aus 2018 wurde 2020, und nachdem der teuerste und komplexeste Satellit in der Geschichte der unbemannten Raumfahrt endlich Anfang Oktober 2021 von einem Transportschiff am Flußhafen von Kourou entladen worden war, folgten weitere vier Verschiebungen des Starttermins - vom 11. Oktober, den die NASA Mitte Juni vor der Abreise bekanntgab, auf den 6. Dezember, den 18., schließlich auf Heiligabend und vor drei Tagen auf den ersten Weihnachtstag.

바버렛츠 – „징글벨“



Zettels Raum hat aus gegebenem Anlaß sein aktuelles Musikprogramm geändert.

24. Dezember 2021

Paul Scheerbart, "Sind die Kometen lebendige Wesen?" (1910)





(Thomas L. Hunt, "Since the Last Time")

Unsre bislang noch herrschenden Ansichten über die astralen Weltkörper erklären diese für zusammengeballte Materie, die sich nach den Gesetzen der Anziehungskraft geformt hat; ein selbständiges Leben diesem nach mechanischen Gesetzen Geformten zuzugestehen, lehnt der Wissenschaftler als unwissenschaftlich ab.

Wenn wir aber die Entstehung der Weltkörper einfach aus physikalischen Gesetzen herleiten wollten, so sind wir immer wieder gezwungen, auf die bekannte Nebulartheorie von Kant und Laplace zurückzukommen. Diese Theorie ist nun so heftig durch neuere Entdeckungen erschüttert worden, daß der Wissenschaftler beim besten Willen nicht mehr behaupten kann, diese Theorie sie heute noch eine "wissenschaftliche." Es genügt, wenn wir dieser Theorie begegnen wollen, der einfache Hinweis auf die Tatsache, daß sich der Neptunsmond, die vier Uranusmonde und der zehnte Saturnmond anders um ihre Planeten drehen, als die übrigen Monde in unsern Sonnensystem. Ferner ist darauf hinzuweisen, daß auch viele Kometen - namentlich auch der Halleysche - die Sonne in eine Richtung umwandeln, die der der Planeten entgegengesetzt ist. Diese Tatsachen allein genügen, die Nebulartheorie und damit die gesamte mechanistische Weltanschauung so zu erschüttern, daß ein ferneres Festhalten an dieser nicht mehr einen wissenschaftlichen Charakter beanspruchen darf.

Die nächste Frage ist demnach: was sind denn nun eigentlich die astralen Weltkörper?

Um diese Frage ein wenig einzuschränken, wollen wir zunächst nur fragen: was sind denn eigentlich die Kometen?

21. Dezember 2021

Illegale Spaziergänge

Machen Sie eine Zeitreise mit mir, lieber Leser! Versetzen Sie sich ins Jahr 2018 zurück und vergessen Sie alles was Sie in den letzten zwei Jahren gelesen, gedacht oder erlebt haben. Seien Sie drei Jahre jünger, seien Sie drei Jahre weniger belesen und setzen sich in einen virtuellen, kleinen Ohrensessel und lassen Sie mich Ihnen ein paar Schlagzeilen vorlesen:

"Kindergeburtstag in Marxloh - Polizei stoppt Feier."

"Polizei löst Protest vor dem Sächsischen Landtag auf"

"Polizei löst Techno-Party in Hohlraum von Autobahnbrücke auf"

"Verweilverbot in Düsseldorfer Altstadt: Noch keine Einsätze der Polizei nötig"

"In Ostdeutschland ist der Rechtsstaat gefordert, bei Dutzenden rechtswidrigen Spaziergängen"

20. Dezember 2021

Paul Scheerbart, "Der Halleysche Komet" (1909)







(Die Krolloper in Berlin („Kroll’s Etablissement“), Stahlstich von Rohbock & Höfer, 1855. Die von Wilhelm Beer 1829 eingerichtete Privatsternwarte auf dem Dach seiner Villa im Tiergarten ist rechts im Hintergrund zu sehen.)

Im Jahre 1835 besuchte der berühmte Astronom Mädler den Salon der Frau Martha Faber in der Französischen Straße zu Berlin. Dreißig Damen und Herren des besten literarischen Gesellschaft waren im Salon und tranken Tee. Und Mädler stand auf und sagte:

19. Dezember 2021

Manchmal triffts den richtigen. Ein Krankheitssplitter.

Der eine oder andere mag es witzig finden und vielleicht mit einem innerlichen Grinsen aufnehmen, aber abzustreiten ist es nicht mehr: Llarian hat Corona.

Dieses enorm wichtige Ereignis darf vielleicht nicht unter dem Standard der „vernünftigen Gedanken von Gott oder der Seele des Menschen“ qualifizieren, aber die eine oder andere Anekdote möchte ich doch nicht liegen lassen. Wie immer bei Artikeln zur persönlichen Nabelschau ist jeder, den das nicht interessiert, herzlich eingeladen nicht weiterzulesen.

16. Dezember 2021

Randbemerkung: Omikron und der Zeitgeist

Es gab eine Zeit, da war die westliche Welt eine optimistisch positive. Die Älteren von uns werden das noch erinnern, aber die sechziger und siebziger Jahre, vielleicht auch noch die achtziger waren eine Zeit großer Hoffnung auf den Fortschritt, man strengte sich an, damit es die Kinder einmal besser haben würden und irgendwo war der Zeitgeist ein fast Jugendlicher, der zunächst mal die positiven Dinge betont hat und Gefahren und Ängste zumindest nicht in den Vordergrund stellte.

Das fand ein zwar nicht jähes aber doch schleppendes Ende mit dem grundsätzlichen Politikwechsel, der in der gesamten westlichen Welt Anfang der siebziger Jahre begann und dann mehrere Jahrzehnte später zunehmend dominant wurde und irgendwo da raus kam, wo wir heute sind. Würde man polemisieren wollen würde man hier den "Marsch durch die Institutionen" erwähnen, die 68er, die Grünen und die Umweltbewegung an sich, aber darum soll es ausnahmsweise hier gar nicht gehen. Was man beobachten kann ist ein genereller Wechsel der Betrachtung des Lebens an und für sich, und gerade dieser Tage wird uns in Deutschland eindrucksvoll klar gemacht, wie stark dieser Wandel sich inzwischen in die Gesellschaft gegraben hat.

13. Dezember 2021

Paul Scheerbart, "Die Nachtseite der Venus" (1910)





(Zeichnung: Paul Scheerbart, aus "Jenseitsgalerie")

Wir saßen am Ufer des Missouri. Nicht weit ab war eine große Eisenbahnbrücke. Es war mondlose Nacht. Fern am Horizont leuchtete die Venus sehr hell - wie ein unruhiges Auge.

Frau Haverland neben mir sprach sehr lebhaft von der Venus.

"Es ist doch höchst merkwürdig," sagte sie, "daß man auf astronomischen Gebieten alles Mögliche behaupten kann, ohne Ärgernis zu erregen. Das gilt auch von der Bewohnbarkeit der Planeten. Tausendmal haben große Astronomen erklärt, daß auf den Planeten ganz andere Stoffverbindungen möglich sind, die eine ganz andere Art des Lebens ermöglichen könnten. Aber trotzdem erörtert man immer wieder. ob auf der Venus erdhaftes Leben möglich ist. Selbst wenn es ganz klar bewiesen wäre, daß dort drüben auf der Venus erdhaftes Leben unmöglich ist - so ist doch ohne weiteres klar, daß ein anderes, von allem Erdhaften gründlichst verschiedenes leben doch dort da sein kann. Regen wir uns nicht darüber auf. Jedenfalls nehme ich an, daß auf der Venus sehr viele vernünftig denkende Wesen existieren könnten."

"Sie existieren!" sagte ich sehr bestimmt.

12. Dezember 2021

"Ich bin auch der Kanzler der Ungeimpften" oder wie man sich mit Anlauf lächerlich macht

Zugegeben, es ist politischer Usus (selbst in Tagen wie diesen), dass man einer Regierung 100 Tage einräumt, bevor man ihre bis dahin angerichteten Absurditäten und Fehler zur Sprache bringt und auch dieser Autor möchte, auch wenn es noch so in den Fingern juckt, diese Tradition noch gern bewahren. 

Und so soll auch nicht die Politik dieser Regierung hier das Thema sein, sondern nur eine Aussage, die in ihrer Lächerlichkeit so absurd ist, dass sie mit dem Wort Realsatire wohl noch am besten beschrieben ist, wobei Realgrotesque es vermutlich besser treffen würde. So zitiert ihn die Welt aus einem Interview mit den Worten: 
„Ich will das Land zusammenhalten. Und bin also auch der Kanzler der Ungeimpften.“

10. Dezember 2021

Streiflicht: Nie wieder FDP? Ja, warum eigentlich nicht?

Ich kann das "Siehste" im Raum, dass mir einige Zimmerleute nun gerne zuraunen würden, allzu deutlich fühlen. Es ist noch keine drei Monate her, da schrieb ich einen Beitrag zur Bundestagswahl in der auch der denkwürdige Satz enthalten war: " Das ist aber kein Grund nicht wenigstens die FDP zu wählen." Und diverse Leute haben mir schon im kleinen Zimmer geschrieben, dass sie das ein wenig anders sehen.

9. Dezember 2021

"Der passende Soundtrack"





Aus der Rubrik: aus gegebenem Anlaß, angelegentlich der Vereidigung eines neuen Bundeskanzlers und seiner Ministerriege, hat „Zettels Raum“ sein aktuelles Musikprogramm geändert.

Nein, kein eigener Beitrag – eher ein Gastbeitrag; zumindest ein „Netzfund.“ Denn dieser Einfall ist nicht meinem Hirn entsprungen, sondern verdankt sich einem glücklichen Fund. Auf Joachim Hacks Netzseite „Schelmenstreich.de“ findet sich nämlich heute die Erkenntnis, daß die passende Begleitmusik zum Antritt der neuen Regierungsmannschaft schon vor 38 Jahren Jahren, in „Orwells Jahr“ 1984 in Jonathan Demmes Konzertfilm „Stop Making Sense“ von den Talking Heads, der Combo um David Byrne, zu Gehör gebracht worden ist.