2. August 2021

Impfung oder auch nicht. Ein Blick von der anderen Seite des Zauns.





Als zweiter verbliebener Hausautor dieses Netztagebuchs möchte ich den Beitrag des sehr geschätzten Kollegen Llarian von vorgestern zum Für und Wider der Entscheidung, sich prophylaktisch gegen den Erreger des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (kurz SARS-CoV-2 genannt), zum Anlaß nehmen, um meine eigene Sicht auf dieses Dilemma kurz zu umreißen.

1. August 2021

Zwei Herzen in meiner Brust. Impfung oder auch nicht. Ein Gedankensplitter.

Vor einigen Monaten hatten wir in Zettels kleinem Zimmer eine recht interessante Diskussion zum Thema Impfung, seinerzeit insbesondere bezogen auf den Impfstoff von Astra-Zeneca. Ich habe zu diesem Zeitpunkt einen sehr "impf-affinen" Standpunkt vertreten, was allerdings dummerweise kaum ins Reale übertragen werden konnte, da zu diesem Zeitpunkt der Impfstoff in Deutschland noch sehr knappe Ware gewesen ist und noch lange Zeit knapp sein würde.

25. Juli 2021

Acqua alta. Noch einmal zum Hochwasser



Fünf Minuten im Studio
und schon steht für euch fest,
dass wir Verbrecher sind,
Ungeziefer, das die Erde
befallen hat.

(Hans Magnus Enzensberger, "Propheten im Studio". Aus "Wirrwarr", 2020)



Jetzt, elf Tage, also anderthalb Wochen nach dem verheerenden Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit mehr als 200 Toten (allein in Deutschland sind aktuell 184 geborgen worden) und einem noch immer nicht abzuschätzenden Ausmaß an Zerstörungen, wird immerhin eines deutlich: diese Katastrophe ist das Zeichen, das Signum, das als Bild für das Ende der Ära Merkel stehen wird, das den Zustand des Landes, dem sie nun seit 16 Jahren vorsteht, in Bilder faßt. Nicht nur, weil diese Bilder der Schlammfluten, der zerstörten Gebäude, der grabenden Helfer im Schlick alle anderen Bilder des Jahres überlagern werden, sondern weil darin der katastrophale Zustand, in dem sich dieses Land mittlerweile befindet, unmittelbaren Ausdruck findet.

Und die Spaltung dieses Gemeinwesens wurde hier, zum ersten Mal, unmittelbar mit gewissenmaßen mit den Händen greifbar, deutlich. Während auf der Ebene der engagierten Helfer, der Feuerwehren, der THW (meistens jedenfalls), auch der im Katastrophengebiet aufgebrochen Bundeswehreinheiten die Rettungs- und Räumarbeiten unverzüglich und mit großen Engagement in Angriff genommen wurden, hat dieses Land, dieser Staat, auf seiner institutionellen Ebene in jeder Hinsicht versagt. Daß der WDR es in der Katastrophennacht nicht schaffte, sein Programm zu ändern, den Zuhörern Warnungen zu übermitteln und sie nach Möglichkeit über die Lage vor Ort aufzuklären, steht bespielhaft für dieses totale Versagen. Daß die Leitung des größten Sendehauses der ARD, jährlich mit einem Budget von 1,38 Milliarden Euro zwangsfinanziert, mit einem Stab von 4000 Mitarbeitern, nicht in der Lage ist, die Bürger vor der unmittelbaren Bedrohung für Leib und Leben zu waren, ist ja nur das eine. Daß im Rheinisch-Bergischen Kreis in NRW nach Aussage der Einsatzleitung die dort immerhin noch vorhandenen Sirenen bewußt nicht Alarm gaben, um „die Leute nicht in Panik zu versetzen,“ macht selbst hartgesottene Zyniker denn doch ein wenig sprachlos. Um die Leiterin der Pressestelle des Kreises, Birgit Bär, wörtlich zu zitieren:

21. Juli 2021

Streiflicht: Der erste gute Vorschlag.

Ein schönes, urdeutsches (und wahnsinnig langweiliges) Ritual ist es immer wieder, wenn nach Extremereignissen die Politiker aus ihrem Winterschlaf (okay, Sommerruhe) kommen und Vorschläge machen. Gerne auch solche, die am Ende mit dem Ereignis nur am Rande zu tun haben, aber vor allem ihrer politischen Richtung Wind geben.

20. Juli 2021

Jetzt will es keiner gewesen sein. Mehr Geschichten von der Flut.

Das mit dem Klimawandel war dann vielleicht doch ein bischen zu offensichtlich und inzwischen wird offenbar, dass es doch etwas seltsam anmutet, dass bei der letzten großen Flut vor etwas mehr als fünfzig Jahren, mitten in einer heute als so dunkel und verspiessert wahrgenommenen Zeit, die Vorkehrungen und Maßnahmen irgendwie besser funktioniert haben als im modernen 2021.

17. Juli 2021

Frau Baerbock, die Grünen, und die "Kobayashi Maru"



Logbuch “Zettels Raum,” Sol III, Sternzeit -301457,58.

Kirk : You're bothered by your performance on the Kobayashi Maru. Saavik : I failed to resolve the situation. Kirk : There's no correct resolution. It's a test of character.

I.
Lieber Leser: Ist Ihnen der „Kobayashi-Maru-Test“ ein Begriff?

Es ist kein Zeichen von Unbildung, auch nicht popkultureller Unbedarftheit, wenn dem so sein sollte. Aber nicht weniger Begriffe aus dem Bereich des Star-Trek-Universums, vor allem dem, was unter „Trekkies“ nur als „TOS“ bezeichnet wird (das Kürzel steht für „The Original Series,“ bei uns allgemein als „Raumschiff Enterprise“ geläufig, die drei Staffeln um Captain Kirk, „Pille“ MyCoy und Mr Spock, die in der USA in den Jahren 1967 bis 1969 ausgestrahlt wurden). Etwa der Ausdruck „Beam me up, Scottie!“ – der in dieser Form in dem 79 Folgen nie so fiel, der aber im englischen Sprachgebrauch zur stehenden Redenswendung wurde, stets mit ironisch-verzweifeltem Augenrollen geäußert wird und etwa unserem „Nun reichts aber endgültig!“ entspricht. Das Konzept des Beamens selbst, das Entmaterialisieren und Wiedererscheinens von Gegenständen und Personen durch technische Zauberei. Die Logik sagt zwar, daß für die Rückverwandlung aus einem Energiepuls mindestens eine der Sendestation entsprechende Empfangsvorrichtung vorhanden sein sollte (man stelle sich vor, mit einem Smartphone jemanden ohne „Händy“ anrufen zu können, weil die Schallwellen „in der leeren Luft“ erzeugt werden können, um die Absurdität des Konzept zu ahnen). Gene Roddenberry hatte sich für diesen Trick entschieden, um nichts von den 42 Minuten jeder Sendefolge mit umständlichen Anreise- und Landeszenen zu verschwenden, um „unsere Helden“ (und die unvermeidlichen „Rothemden“ als Kanonenfutter) an den Ort des Geschehens zu befördern. „Pilles“ ausdrucksloser Blick, wenn er den Sensorkopf seines Tricorders über einen leblosen Körper führte und das stets überraschende „Er ist tot, Jim!“ konstatierte. (Bei diesem „Sensorkopf“ handelte es sich übrigens um einen schlichten Salzstreuer aus Kunststoff.) Und eben den „Kobayashi-Maru“-Test.

16. Juli 2021

Keine Krise ungenutzt lassen

"Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass der Klimawandel seine Folgen hat, dem kann man nicht mehr helfen." 
                                                - Marie-Luise Anna Dreyer, MP
So manchem ist nicht mehr zu helfen. Angesichts der Fluten, die sich in den letzten Tagen über große Teile von NRW und dem nördlichen Teil von Rheinland-Pfalz ergossen haben, haben nicht wenige Menschen ihre Existenz verloren, einige ihr Leben und noch viel mehr ihr Dach über dem Kopf. Das ist nicht witzig und für den Betroffenen mit Sicherheit ein Schicksalsschlag härtester Sorte. Was es jedoch dummerweise nicht ist: Ein Zeichen für den Klimawandel. 

14. Juli 2021

Symbolbild II: "Der Dank des Vaterlandes"



Motto: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“

Vor ein paar Wochen schrieb ich an dieser Stelle, daß die Politik in diesem Land, wie es scheint, zu nichts mehr fähig außer dazu, für ihre Versagen vor den Aufgaben eines Staates mit traumwandlerischer Sicherheit symbolische Gesten und Sinnbilder zu finden. Ich schrieb es nicht zum ersten Mal – seit nun sechs Jahren ist es so etwas wie ein Basso continuo, ein Generalbaß, der sich in meinen Begleitungen zu der Politik in diesem Land zeigt. Auch bei der Rückkehr der letzten Bundeswehrsoldaten vom Einsatz in Afghanistan, dem Kommando Spezialkräfte (KSK) in den niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf, vor nun zwei Wochen, am 30 Juni, wurde dies wieder einmal deutlich. Weder die oberste Dienstherrin der Soldaten, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, noch die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident als Vertreter dieser Regierung, kein Bundestagsabgeordneter, kein Staatssekretär hat es für nötig gefunden, den Abschluß des fast zwei Jahrzehnte dauernden längsten Nachkriegseinsatzes deutscher Soldaten im Ausland zu würdigen.

29. Juni 2021

Rudolf Presber – „Pierrot guckt nach dem Mars“ (1914)





("Selfie" des chinesischen Mrs-Rovers Zhurong, aufgenommen am 4. Juni 2021 auf der Ebene Utopia Planitia. Die Bilddaten wurden am 5. Juni vom Orbiter Tianwen-1 zur Erde übertragen.)

Pierrot guckt nach dem Mars

Neues Forschen, neues Ahnen –
Und der Blick fliegt durch das Rohr.
Raucht es dort nicht von Vulkanen,
Treten dort nicht Berge vor?
Welch ein Wallen, welch ein Glimmen,
Tausend, tausend Meilen weit –
Kleine Glitzerinseln schwimmen
Auf der Meere Einsamkeit …
Und ich wache und ich zähle
- Unbekümmert des Katarrhs –
Fern die Seen und die Kanäle
Auf dem Mars.

Stunde, da die Sterne sprechen,
Sei willkommen meinem Wahn!
Dort die breiten weißen Flächen,
Deuten sie den Ozean?
Jene langen hellen Flecken,
Wie die Finger einer Hand,
Dehnt sich dort in öden Strecken
Wohl der Wüste flücht’ger Sand?
Dort, wo sanft in dunklen Blasen
Sich die Helle unterbricht,
Grünen schattige Oasen
Auf zum Licht? …

Müssen dort in Weltenweiten,
Ach, zu kurzem Schau’n beseelt,
Brüder unsresgleichen leiden
An der Sehnsucht, die uns quält?
Fahren dort auf schwanken Kielen
Durch das tück’sche Element
Schiffe auch nach fernen Zielen,
Die der Steuermann nicht kennt? …
Grübelnd über dem Geschicke
Wand ich, müde des Gestarrs,
Meine glanzbetäubten Blicke
Ab vom Mars.

Lange hab‘ ich noch gestanden
Auf der Warte, schlummerlos,
Und der Mars und die Trabanten
Standen hell und riesengroß.
Und sie schnitten mir Gesichter:
„Armer sphärischer Tourist,
Weh, daß du ein halber Dichter
Und ein halber Forscher bist!“
Und der Sterne hellster glühte:
„Ach, wie manchen, manchen Narrs,
Der, wie du, umsonst sich mühte,
Lacht‘ der Mars!“

19. Juni 2021

J.B.S.Haldane, "Das jüngste Gericht" (1927)





(J.B.S.Haldane)

„Denique montibus altior omnibus ultimis ignis
Surget, inertibus ima tenentibus, astris benignis,
Flammaque libera surget ad aēra, surget ad astra,
Diruet atria, regna, suburbia, castra.

Bernard von Cluny, De contemptu mundi, I, 33-36

Das Gestirn, das wir bewohnen, ist einst entstanden und wird ohne Zweifel einmal ein Ende finden. Es ist schon oft versucht worden, dieses Ende zu schildern, in unterschiedlich ausgefallener Weise. Die christliche Version enthält manches, das unserer Bewunderung wert ist, leidet aber unter zwei entscheidenden Nachteilen. Zum einen schildert sie die Ereignisse aus der Perspektive der Engel und nur eines kleinen Teils der Menschheit. Ein unparteilicher zukünftiger Historiker darf Anspruch auf die Pläne und Kommuniqués des Tieres aus der Offenbarung und seines Gefolges anmelden. Schließlich waren das Tier und sein falscher Prophet durchaus in der Lage, Wunder zu bewirken und ausgezeichnete Propagandisten. Eine Meldung wie „Weiterer Luftangriff auf Babylon abgewehrt. Siebzehn Erzengel von der Flugabwehr abgeschossen“ wäre für die Frühphase des Kriegs kennzeichnend, während „Mehr Greueltaten des Feindes: Prophet in brennenden Schwefel geworfen“ auf die Friedensverhandlungen hinweisen würde.

16. Juni 2021

Der Anti-Atommüll - Erfolgslauf

Der Anti-Atommüll - Erfolgslauf

ein Gastbeitrag von Frode.


Kernkraftwerke sind eine grundlastfähige, hoch verfügbare und CO2 - freie Form der Energieerzeugung. In Deutschland ist dennoch der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen und eine Rückkehr ist extrem unwahrscheinlich. Die Proteste der Anti-Atombewegung haben letzten Endes zum Erfolg geführt. 

14. Juni 2021

Symbolbild





Ein Bild, so lautet das Sprichwort, sagt mitunter mehr als tausend Worte.

Vor einer Woche habe ich an dieser Stelle geschrieben, daß – nach meinem subjektiven, aber hartnäckigen Empfinden – die Politik dieses Landes zu nichts mehr fähig ist: weder zur Analyse der Lage, noch zu einem zielgerichteten Handeln. Mit einer vielsagenden Ausnahme: der Symbolpolitik. Mit der traumwandlerischen Fähigkeit, Situationen und Bilder hervorzubringen, in denen der desolate Zustand dieses Landes und seiner politischen Klasse schlagartig zur Kenntlichkeit entstellt wird.

Und wie zur Bestätigung dieser These findet sich heute mit dem Signum der ZDF, des Zweiten Deutschen Fernsehens, mithin einer öffentlich-rechtlichen Institution, die durch zwangsweise erhobene und nicht zu umgehende Tributzahlungen des Souveräns, des Staatsbürgers, unterhalten wird (hier bekommt dieses Verb, Verzeihung, dieses Tu-Wort, einen netten Doppelsinn) eine „Kachel,“ zur Verbreitung flotter Sprüche und Motti in den sozialen Medien gedacht, die deutlich macht, wie man bei diesem Staatssender sein Publikum einzuschätzen scheint.



11. Juni 2021

Arroganz und die Frage der Intelligenz. Ein (kleiner) Gedankensplitter.

Ein kleines Streiflicht. Nicht unbedingt die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre, aber doch vielleicht mal zwischenzeitlich unterhaltsam. 

Bei aller Kritik an Youtube (und da habe ich eine Menge von), so ist eines der mächtigsten und besten Features das Vorschlagen von Videos "die einem gefallen könnten". Und heute hat mir Youtube eine kleine Unterhaltung geschickt, die wirklich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist und die ich wirklich jedem empfehlen würde sich einmal vollständig anzusehen:





8. Juni 2021

Mrs. Malaprop Reloaded, oder: “Ich Tarzan, du Jane“





Es ist unübersehbar, daß sich die deutsche Politik – und die Protagonisten, von denen sie betrieben wird – im einem Stadium des fortgeschrittenen Verfalls befindet: zu armselig sind ihre Umtriebe, zu schlicht die Anlässe, die in ihren Reihen und in den Medien für kurzfristige Wellenschläge sorgen – und zu krass das flächendeckende Versagen angesichts der ersten wirklichen Krisen, denen sich dieser Staat – die Bundesrepublik als demokratisch verfaßter Rechtsstaat – zum ersten Mal in den jetzt sieben Jahrzehnten ihres Bestehens gegenübersieht: der Coronakrise und der selbstverschuldeten Migrationskrise. Und es gehört zu den Kennzeichen dieses Verfalls, dieser Dekadenz, daß aus dieser Hilflosigkeit, diesem Versagen keine Konsequenzen folgen: kein Innehalten, keine Rücktritte, keine Einsicht darin, versagt zu haben und nach Wegen zu suchen, die Ursachen dafür zu analysieren und anzugehen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen oder sie zumindest daran zu hindern, fröhlich am Zerfall dieser Republik weiterzuwerkeln und auf einen Schelm anderthalbe zu setzen. Die Farce des Ausstiegs aus der Kernenergie und der Umbau der Energieversorgung dieses einstmals führenden Industriestaats auf die Grundlage von Wind und Sonnenschein dauert nunmehr ein geschlagenes Jahrzehnt an, und es zeichnet sich keine Abkehr ab, kein Ausstieg vom Ausstieg, nicht der Hauch einer Einsicht, daß Wohlstand und das technische Niveau des frühen 21. Jahrhunderts auf diese Weise nicht zu haben sind. Der Wahnwitz der Grenzschleifung und die Einladung an sämtliche Mühseligen und Beladenen, sich von diesem Staat in Millionenzahl aushalten zu lassen, ohne Rücksicht auf die nationale und internationale Rechtslage, ohne Rücksicht auf die sozialen und materiellen Kosten, dauert weiterhin an. Über das fortwährende Versagen dieser Politik im Zuge der Corona-Krise ist an dieser Stelle in den letzten Monaten genug geschrieben worden. Daß es hier nicht zu einem weiteren Totalausfall gekommen ist, dürfte dem Umstand zu verdanken sein, daß sich alle Staaten der Welt hier zu Maßnahmen veranlaßt sahen und Deutschland hier dem Beispiel anderer Staaten gefolgt ist – wenn auch, bezeichnenderweise, ohne Gewichtung und Analyse der Einschränkungen. Daß jetzt, da ringsum, einschließlich der USA als von dem SARS-CoV-2 am stärksten betroffenen Land, angesichts rasant sinkender Fallzahlen die Lockdowns und Schließungen aufgehoben werden – diese Regierung aber darangeht, bei gleicher Entwicklung die „nationale epidemische Notlage,“ statt sie wie gesetzlich vorgesehen, am 30 Juni zu beenden, bis über die Bundestagswahl am 26. September hinaus zu verlängern, fügt sich nahtlos in dieses Bild.

1. Juni 2021

Schreckliche Juristen

Unser geschätzter Zimmermann Emulgator hat vor einigen Tagen einen Beitrag im kleinen Zimmer hinterlassen, der mich noch immer in einer Mischung aus Wut, Trauer und Ratlosigkeit zurücklässt. Natürlich nicht seines Beitragsinhaltes wegen, sondern wegen eines Ereignisses, dass er referenziert, von dem man unter normalen Umständen ernsthafte Zweifel haben müsste, dass es sich so zugetragen hat. Da es aber gerade das verantwortende Gericht selber ist, dass den Beschluss nicht nur gefasst, sondern auch veröffentlicht hat, kann am Inhalt nur wenig Zweifel bestehen.

27. Mai 2021

Streiflicht: Die Nummer mit dem Doktor

Franziska Giffey hat es am Ende doch nicht geschafft: So wie es derzeit aussieht, wird man ihr den Doktor wohl aberkennen, der politische Schmuh mit der Rüge war dann doch wohl zu schräg. Was die SPD nicht daran hindert den Rücktritt (bevor man sie dazu nötigt) so laut zu beklatschen, wie es nur geht. Aber Integrität wird heutzutage ja weit überschätzt.
Annalena Baerbock, die große Kanzlerhoffnung der Linken kämpft derzeit mit ähnlichen Problemen, wenn auch auf kleinerem Niveau. Der von ihr reklamierte Bachelor war ein reines Phantasieprodukt, ihre tatsächliche Ausbildung beschränkt sich auf ein gescheitertes Politikstudium in Deutschland und ein einjähriges Masterstudium in England, an dessen Endergebnis man durchaus Zweifel haben kann. 

23. Mai 2021

André Maurois – „Der Krieg gegen den Mond“ (1927)





(Fragment einer Weltgeschichte, erschienen im Verlag der Universität C-mb-e, 1992)
Kapitel XVIII.

Die globale Lage im Jahr 1962
Bis zum Jahr 1962 waren die letzten Spuren der Zerstörungen, die der Weltkrieg von 1947 hinterlassen hatte, beseitigt worden. New York, London, Paris, Berlin und sogar Peking waren wiederaufgebaut worden. Die Geburtenrate war so stark angestiegen, daß die Weltbevölkerung – trotz der mehr als 30 Millionen Todesopfer, die der Krieg von 1947 gefordert hatte – zur Zeit der weltweiten Volkszählung von 1961 das Vorkriegsniveau wieder erreicht hatte. Die Wirtschafts- und die Finanzkrise gingen zu Ende, und das Interesse an Sport und Kultur nahm wieder zu. Jeder Haushalt besaß jetzt ein Funkkino. Die Ballonolympiade von 1962 zwischen den Teams aus Tokio und Oxford lockte mehr als drei Millionen Zuschauer aus allen Teilen der Welt nach Moskau und war der Anlaß einer weltumspannenden Willkommensfeier.



Die Diktatoren der öffentlichen Meinung

Man muß gerechterweise einräumen, daß diese rasche Erholung, dieses unerwartet schnelle Verheilen der materiellen und moralischen Wunden, die der Krieg hinterlassen hatte, zum größten Teil das Werk jener fünf Männer war, die in jenen Jahren allgemein nur „die Diktatoren der öffentlichen Meinung“ genannt wurde. Seit 1930 waren die Politologen zu der Einsicht gelangt, daß in jeder Demokratie – in der die Politik von der öffentlichen Meinung bestimmt wird – die Macht zum größten Teil von denen ausgeübt wird, die die öffentliche Meinung beherrschen – also den Zeitungsverlegern. In allen Ländern zeigte sich, daß die größten Industriekapitäne und Finanziers darum bemüht waren, wichtige Zeitungen zu erwerben, und daß sie damit im Lauf der Zeit Erfolg gehabt hatten. Sie hatten sorgfältig darauf geachtet, daß die äußeren Formen der Demokratie erhalten geblieben waren. Die Bürger wählten weiterhin Abgeordnete in die Parlamente, und diese ihrerseits wählten Minister und Präsidenten - aber die Minister, Präsidenten und Abgeordneten behielten ihre Posten nur so lange, wie sie sich an die Vorgaben der Herren der öffentlichen Meinung hielten, und sie verhielten sich dementsprechend.

Diese verschleierte Tyrannei hätte gefährlich werden können, wenn die neuen Herren der Welt ihre Macht skrupellos ausgeübt hätten. Wie sich zeigte, war dies aber ein Glücksfall für die Welt gewesen. Im Jahr 1940 war die letzte unabhängige französische Zeitung von Grafen Alain de Rouvray für seinen Konzern „Les Journaux Français Réunis“ aufgekauft worden. Die Rouvrays waren eine Dynastie von Stahlmagnaten aus Lothringen, die die strenge puritanische Tradition dieser Gegen verkörperten. Alain de Rouvray besaß den Ruf, ein unermüdlicher Arbeiter und fast eine Art Heiliger zu sein. Im Louvre hängt sein Jugendbildnis, das von Jacques-Emile Blanche stammt und ihn im Alter von zwanzig Jahren zeigt. Das schmale Gesicht ist das eines strengen Asketen und erinnert in mehr als nur einer Hinsicht an Maurice Barrès. In England befand sich die British Newspapers Ltd. Seit 1942 im Besitz von Lord Frank Douglas, einem jungen Mann, der unter seinem umgänglichen Auftreten einen scharfen Verstand und in Eton geschulte Rechtschaffenheit verbarg. Mit seiner wilden blonden Mähne und seinen klaren blauen Augen wirkte Lord Frank eher wie ein Dichter als ein Mann der Tat. Der Herr über die amerikanische Presse war der alte Joseph C. Smack, ein etwas sonderbarer Mann, fast erblindet, der abgeschieden auf seinem Landsitz lebte, umgeben von einem Heer von Stenographen. Smack war für die schonungslose Respektlosigkeit seiner Radiogramme berüchtigt, genoß aber die Achtung der Weltöffentlichkeit. Der deutsche Zeitungsmagnat, Dr. Macht, und sein japanischer Kollege, Baron Tokungawa, stellten die anderen bedeutenden Mitglieder des Weltdirektoriums dar.

16. Mai 2021

H. G. Wells, “Der Mensch im Jahr eine Million” (1893)





Die Literatur, die es gibt, hat ohne Zweifel ihre Meriten, aber für philosophische veranlagte Köpfe sind die Bücher, die nicht geschrieben worden sind, weitaus faszinierender. Sie liegen einem nicht schwer in der Hand, das Umblättern entfällt. In schlaflosen Nächten kann man in ihnen ohne Kerzenlicht lesen. Ähnlich verhält es sich auch einem anderen Thema: der Mensch der Urzeit, wie wir ihn in den Werken der Anthropologen beschrieben sehen, ist sicher ein unterhaltsames und nettes Thema – aber der Mensch der Zukunft würde uns sicher um einiges mehr interessieren. Aber wo finden wir das geschildert? Wie Ruskin irgendwo mit Bezug auf Darwin schrieb: uns sollte nicht interessieren, was der Mensch einst gewesen ist, sondern was aus ihm wird.

Der philosophische veranlagte Leser, der im Lehnstuhl über diesen Satz nachsinnt, sieht vor sich in den Flammen des Kaminfeuers, durch den Rauch seiner Pfeife hindurch, eines dieser ungeschriebenen Bücher. Es ist großformatig, mit fettgedrucktem schwarzen Titel, und stammt anscheinend aus der Feder eines gewissen Professor Holzkopf, der an der Universität Weissnichtwo lehrt. „Die Merkmale des Menschen der fernen Zukunft, abgeleitet aus den Tendenzen der Gegenwart,“ lautet der Titel. Der verdiente Gelehrte geht streng nach den Methoden der Wissenschaft vor; seine Schlußfolgerungen sind zurückhaltend und vorsichtig, wie unser Leser feststellen muß – und doch sind diese Schlüsse bemerkenswert, vorsichtig gesagt. Wir vermuten, daß der Herr Professor sein Thema in aller Ausführlichkeit abhandelt, mit vielen Tabellen, aber wir erlauben unserem Leser – der das Buch ja als einziger lesen kann – sich an dieser Stelle auf ein paar passende Auszüge für ein Laienpublikum zu beschränken. Diese Passage etwa erscheint ihm verständlich genug, um sie zu zitieren: „Die Evolutionstheorie,“ schreibt der Professor, „wird heute von allen Zoologen und Botanikern anerkannt, und sie findet auch auf den Menschen Anwendung. Es herrschen noch Zweifel, ob sie seine geistige Entwicklung angemessen beschreibt, aber für seine körperliche Entwicklung wird sie als Erklärung akzeptiert. Der Mensch, so versichert man uns, stammt von affenähnlichen Vorfahren ab, die sich unter dem Einfluß von Umweltfaktoren zu Menschen entwickelten, und diese Affen stammten ihrerseits von niedrigeren Lebensformen ab – und so fort bis zum allersten Protoplasma. Wenn die Entwicklung des Universums nicht an einem Endpunkt angelangt ist, wird sich der Mensch auch in Zukunft weiterentwickeln – solange, bis er kein Mensch mehr sein wird, sondern einer anderen Lebensform Platz machen wird. Hier stellt sich sofort die faszinierende Frage: wie wird dieses Wesen beschaffen sein. Werfen wir einen Blick auf die Einflüsse, denen unser Äußeres unterliegt.

14. Mai 2021

Kernelemente einer freien Gesellschaft: was uns früher von einer Religion unterschieden hat. Ein Gastbeitrag von Frank2000



Die Geschichte der Menschheit ist voll von Gesellschaften, die die "WAHRHEIT" kannten. OK, eine solche "Wahrheit" ist dann manchmal von der Realität plattgemacht worden. Manchmal erst nach Jahrhunderten, manchmal schon nach fünfzehn Jahren. Das ändert aber nichts daran, dass ein sehr großer Teil der Menschen offensichtlich eine tief verwurzelte Sehnsucht nach der "Wahrheit" hat.

Solchen "Wahrheiten" nennt man "Staatsreligion" oder "Staatsideologie". Wobei es sich hier eher um eine künstliche Trennung handelt. In der Praxis ist zwischen einer "Religion" und einer "Ideologie" nur selten ein Unterschied auszumachen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg einen anderen Weg eingeschlagen. Wir wollten die "freiheitlich-demokratische Grundordnung mit sozialen Elementen und verfassungsmäßig geschützen Grundrechten der Bürger" etablieren. In der Bonner Republik hat das auch ein paar Jahrzehnte ganz gut geklappt. Jetzt scheint es so, daß sich die Sehnsucht nach autoritäten Mechanismen - nach der "Wahrheit" - wieder durchsetzt. Ich versuche zu erklären, warum ich das so sehe.

Halten wir zunächst einmal fest, was keine Einschränkung einer "freiheitlich-demokratische Grundordnung" ist: Demokratische Prozesse und damit die "Diktatur der Mehrheit" sind kein grundsätzliches Hindernis. Es ist völlig normal und von unseren Gründervätern so gewünscht, daß es so was wie ein "aktuelles politisches Klima" gibt.

12. Mai 2021

Streiflicht: Wie heute Gesetze gemacht werden. Avanti Dillettanti!

Eine lustige Kleinigkeit. Dieser Autor wollte mal nachsehen, was denn nun gerade in seinem Bundesland gilt, wenn nun das Ermächtigungsgesetz mangels Inzidenz außer Kraft tritt. Und man kann nachsehen, das Land NRW bietet hier die Information an.

Ein schönes Gesetz, so mit allen möglichen Strafen und Verboten. Und ein handwerklich tolles Gesetz, ist es im Prinzip doch fast genau das selbe Gesetz wie vier Wochen zuvor. Wenn man es genau nimmt, dann ist es tatsächlich wie vier Wochen zuvor. Man hat den Header geändert und ein paar kleine Zeilen im Text und das war es dann. Und man war so gut in Copy&Paste, dass man sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, das Gesetz auch nur noch einmal zu lesen. Sonst wäre vielleicht aufgefallen, dass man im letzten Paragraphen, der das Datum des Inkraft- und des Außer-Kraft-Tretens regelt, halt auch ein paar Daten drin hat, deren Kopie sich nicht ganz so anbietet. Denn dieses tolle Gesetz, datiert auf den 10. Mai, tritt nicht nur rückwirkend am 23. April in Kraft, nein, es tritt auch am 14. Mai wieder außer Kraft. Doll, oder?

9. Mai 2021

"Vom Verschwinden des Malers im Bild": Victor Segalen, "Peintures" (1916)





Tout ce que vous venez de voir, existe, si vous l’avez bien su voir. Mais ne faites point comme cet Empereur peu lettré du temps de SONG, à qui le Peintre vantait cette Peinture et les autres déjà déroulées, et qui se prit à soupirer lourdement.

Devant ces Palais dans les nues, devant ces abîmes accessibles, ces faces hantées, ces palpitations éclatantes, ces supplices pieux, ces lèvres rouges et ces flammes amantes, ces paysages écarquillés mieux que des visages, ces êtres démoniaques ou gesticulants, ces vies incarnées dans la soie, la porcelaine, les laques ou les laines ; le triomphe réglé des quatre saisons dans le ciel, — l’Empereur se prit à soupirer lourdement. Il déplorait que tout cela ne fût pas de son domaine, de sa maison.

8. Mai 2021

Dumm, schädlich aber nicht ungerecht. Eine kleine Provokation.

Die SED hat, gemäß ihren intellektuellen Möglichkeiten, mal wieder vorgeschlagen eine Vermögensabgabe in Deutschland umzusetzen. Und man ist nicht kleinlich, man möchte das reichste Prozent der Bevölkerung ordentlich zur Kasse bitten, gestaffelt mit einem Maximalenteignungssatz von 30 Prozent. "Großzügig" gestundet mit einem Zinssatz von 2 Prozent über die Frist von 20 Jahren. 

Auch wenn es was von Schattenboxen hat, so ist es zumindest interessant mal darüber nachzudenken was diese Abgabe alles ist. 

6. Mai 2021

Palmström@150. Vor 1½ Jahrhunderten wurde Christian Morgenstern geboren



Heute soll an dieser Stelle der vorerst letzte Hinweis in dieser kleinen Serie von Jubiläumshinweisen erfolgen, die die Laune der Chronologie in dieser Woche bereithält, nachdem in den letzten drei Tagen auf John Collier, Mynona und Napoleon verwiesen wurde. Heute vor 150 Jahren, am 6. Mai 1871, wurde nämlich im München Christian Morgenstern geboren. Und im Gegensatz zu seinem Zunftkollegen Salomo Friedländer und Collier ist der Dichter der "Galenlieder" un keineswegs zu den Verschollenen und Vergessenen der Literaturgeschichte zu zählen - auch wenn seit mittlerweile 100 Jahren alle Kritiker regelmäßig mutmaßen: wird Morgenstern eingentlich noch gelesen? Zudem stimmt es ja: zu ihrer Zeit bekannte, vielegelesene komische Poeten bleiben nicht lange im Gedächtnis der nachfolgenden Lesergenerationen erhalten. Julius Stettenheim, dessen "Persona" "Wippchen" angeblich von jedem Kriegsschauplatz seit dem deutsch-östereichischen Krieg von 1866 in Knittelversen berichtete, ist so verschollen wie die Gelegenheitsverse, die Frank Wedekind eine Generation später für den Münchner "Simplicissmus" lieferte. Selbst Joachim Ringelnatz oder Klabund (etwa mit seinem "Kinder-Verwirr-Buch" von 1931 dürften heute eher passionierten Lyrik-Lesern oder Fans der Roaring Twenties geläufig sein als dem allgemeinen Publikum. Wobei natürlich die Frage ist, was von der "leichten Muse" aus der literarischen Produktion der letzten 200, 250 Jahre überhaupt noch "päsent" ist. In diesem Phänomen dürfte sich der Wandel des Mediengebrauchs ebenso spiegeln wie das Vergehen der Zeit: lange Zeit war es normal, daß "klassische" Jazz-Stücke von der Swing-Ära an bis etwa zu Dave Brubeks "Take Five" in dieser Weise beim Hörpublikum in dieser Weise "präsent" waren; oder den Kanon der Ohrwürmer von Elvis, den Beatles bis zu dem großen Stars Ende der 1970er Jahre: seitdem hat der Wiedererkennungswert solcher Evergreens, ob nun als Musikstück, als ikonischer Filmauftritt oder als Merkvers rapide abgenommen.

5. Mai 2021

Napoleon und die Raumfahrt. Zwei kleine Erinnerungen



Nachdem vorgestern an dieser Stelle auf den 120. Geburtstag von John Collier verwiesen wurde und gestern auf den 150. von Salomo Friedländer alias "Mynona," soll heute der Hinweis auf den 200. Todestag Napoleon Bonapartes erfolgen, der am 5. Mai 1821 im Longwood House auf seiner Verbannungsinsel St. Helena an der einsamsten Stelle des Südatlantiks starb. (Genauer: an der zweiteinsamsten Stelle: die am weitesten von jedem anderen Flecken Land entfernte Insel ist Tristan da Cunha.) Solche kalendarisch-nomerologischen Häufungen haben keinen tieferen Sinn, wie Astrologen vermuten könnten: sie sind statistisch einfach unvermeidbar, wenn in der Welt genügend genau datierte Ereignisse wie in diesem Fall Geburtstag und Todesdatum registriert worden sind.

Ich gehe davon aus, daß die Person und die Taten des "kleinen Korsen," des "Weltgeists zu Pferde," auch heute noch hinreichend geläufig sind, um sie hier nicht weiter erörtern zu müssen. Und wenn nicht: die Bibliotheken sind gefüllt mit Arbeiten, Biographien, Spezialwerken zu jedem Aspekt seines Lebens. Sogar die in den letzten Jahrzehnten aufgekommene Frage, ob Napoleon wirklich einem Magenkrebs erlegen ist oder doch mit Arsen vergiftet wurde (oder durch das Schweinfurter Grün, das zur Einfärbung der Tapeten im Longwood House verwendet wurde und Arsen als Gas abgab) dürfte gemäß der Diagnose der Autopsie bestätigt worden sein.

4. Mai 2021

Mynona@150. Eine kleine Erinnerung an Salomo Friedländer





Gealtert fühlte sich Professor Faust;
Die Wissenschaft ließ ihn so unbefriedigt.
Er schließt, in einem seltsam kom'schen Zwielicht,
Mit Satan einen Pakt (jawohl, da schaust!).

Wird wieder jung (daß dich der Affe laust!),
Treibt's mit 'nem Backfisch (Hand vom Nähen schwielicht),
Und saust nach Griechenland (ist das ein Vieh nicht?).
Sie stirbt als Kindesmörderin (mir graust!).

Zurückgekehrt, wagt er sich an den Thron;
Der Teufel hilft, er wird des Staats Erretter.
Endet als Fürst mit eignem Schloß am Meer -
Natürlich graptscht der Satan jetzt voll Hohn
Nach seiner Seele. Doch ('s wird immer netter!)
Der Hölle jagt sie ab das Engelsheer.

- Mynona (aus: "Hundert Bonbons. Sonette," 1918)

Wenn John Collier, auf dessen 120. Geburtstag gestern an dieser Stelle verwiesen wurde, im deutschen Sprachbereich (und mittlerweile wohl auch im englischen), zu den unbekannten Autoren zu rechnen ist, dann ist Salomo Friedländer, der heute vor genau 150 Jahren, am 4. Mai 1871 im heute polnischen Gollantsch geboren wurde und der seine literarischen Werke unter dem Nom de plume "Mynona" veröffentlichte, zu den völlig Vergessenen. Manche Leser von Kurt Tucholsky werden sich vielleicht noch an diesen Namen im Zusammenhang mit Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neuues" erinnern, als "Mynona" die Veröffentlichung des Antikriegsromans zum Anlaß für eine scharfe Polemik nahm und "Tucho" ebenso scharf zurückschoß. Viellicht ist dem einen oder anderen Kenner der "Roaring Twenties" noch die "Tarzaniade" ein vage erinnerter Titel, mit der Mynona die Popularität, der Edgar Rice Burroughs' Dschungelheld Mitte der zwanziger Jahre auch in Deutschland erlebtge, kommentierte. Aber ansonsten zählt er zu den unzähligen Verschollenen der Literaturgeschichte. Überraschend ist das nicht. "Mynona" gehörte zu den Parodisten, zu den Verfassern von Grotesken - und solche verzerrenden Echowerfer ereilt die "Furie des Verschwindens" eher als die Originale, denen ihr Echo galt. Auch Robert Neumann, Friedländers Zeit- und Zunftgenossse und vielleicht der brillanteste Stimmenimitator der deutschedn Literatur, ist heute weitgehend vergessen, ebenso Franz Blei, dessen "Literarisches Bestiarium" gut zeigt, WARUM das Haltbarkeitsdatum solcher Echos knapp bemessen ist: viele zeitgenössische Bestseller und Modeautoren sind ihrerseits genauso vergessen, und wirkliche Klassiker, die es geschafft haben, von Generation zu Generation weiter gelesen und gekannt zu werden, stehen oberhalb jeder Parodie.

3. Mai 2021

John Collier, "Zum Nachspülen" (1941)





Nervös wie ein junges Kätzchen stieg Alan Austen die finsteren, knarrenden Treppen in einer Adresse in der Nähe der Pell Street hinauf und brauchte lange Zeit, bis er im Finsteren den Namen, den er suchte, auf einer der Türen ausgemacht hatte.

Er stieß die Tür auf, so wie es ihm gesagt worden war, und fand sich in einem winzigen Zimmer wieder, das außer einem Küchentisch, einem Schaukelstuhl und einem gewöhnlichen Stuhl unmöbliert war. An einer der gelblichen Wände hingen ein paar Regalbretter, auf denen vielleicht ein Dutzend Flaschen und Gläser standen. Ein alter Mann saß im Schaukelstuhl und las eine Zeitung. Alan überreichte ihm wortlos die Karte, die ihm gegeben worden war.

"Setzen Sie sich, Mr. Austen," sagte der alte Mann in ausgesucht höflichem Ton. "Es freut mich außerordentlich, Ihre Bekanntschaft zu machen."

"Stimmt es," fragte Alan, "daß Sie ein Mittel anbieten, das ganz außergewöhnliche Wirkungen hat?"

2. Mai 2021

"Vom Verschwinden im Bild": Die Mumins, Virginia Woolf und die "Fahrt zum Leuchturm"





***

I.
Die vielleicht bekannteste Episode des "Verschwindens im Bild," zumindest was für junge Leser im Kindesalter die erste Begegnung mit dieser Trope angeht, findet sich in einem Buch, dessen Status im Hinblick auf sein Publikum durchaus schillert. Eigentlich sind es sogar zwei Stellen: in Roald Dahls "The Witches" von 1983 (1986 in deutscher Übersetzung als "Hexen hexen" erschienen) findet sich in der Passage, in der die aus Norwegen stammende Großmutter ihrem ungläubigen Enkel von der Existenz wirklicher böswilliger Zauberinnen erzählt, als Illustration die Geschichte von ihrer Jugendfreundin, die von einer solchen Hexe in ein Gemälde gebannt wurde.

Und ihr habt wirklich gedacht, die Justiz würde Euch retten

Mein Lieblingszitat über den deutschen Rechtsstaat ist eine Statistik: 80% der Deutschen glauben an den Rechtsstaat. Die anderen 20% haben ihn schon kennen gelernt.

Es ist erstaunlich wie viele Leute, trotz permanent erlebtem Gegenteil, immer wieder darauf vertrauen, die Justiz werde die Kohlen, die von der Politik ins Feuer geworfen wurden, schon wieder heraus holen. 
Aber wie sollte sie? Es sind die selben Leute. In Deutschland existiert die Gewaltenteilung nur in der Theorie, in der Praxis werden Richter bis zum obersten Verfassungsgericht durch die Legislative, bzw. da selbst diese nicht von der Exekutive getrennt ist, im Wesentlichen durch die Exekutive ernannt und bestimmt. Der derzeit amtierende Präsident des Verfassungsgerichtes, wie auch des ersten Senates, ist Stephan Habarth. Und Stephan Habarth ist kein politikfremder Gelehrter wie sein Vorgänger, sondern schlicht CDU Parteipolitiker. Und zwar mit allem drum und dran.

30. April 2021

Und da ist sie, die Gesinnungsdikatur. Eine Notiz von Frank2000





Seit mindestens vier Jahren wird hier in Zettels Raum die Gefahr diskutiert, daß Deutschland von der Bonner Republik in eine Berliner Republik abrutscht. Alle Entwicklungen der letzten vier Jahre sind in diesem Blog und dem dazugehörigen Forum vorausgesagt worden. Und von einem Teil der Teilnehmer wurden diese Vorhersagen als dystopische Verschwörungstheorien abgekanzelt, als weinerliche Verliererpose und rechte Echokammer.

Diese Notiz wollte ich schon schreiben, als das Bundesverfassungsgericht erstmals sich zum Gesetzgeber erhob: mit dem im wahrsten Sinn des Wortes historischen Urteilsspruch, daß Klimaschutz (in diesem Fall in der Form der CO2-Ziele) grundrechtseinschränkend sein müsse. Nicht nur "dürfe" - sondern "sein muß."

Aber heute bin ich noch auf eine zweite Meldung gestoßen: der Verfassungsschutz hat eine neue Überwachungskategorie eingeführt:

"Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates"

27. April 2021

Streiflicht: Spaß mit dem Oskar.

In Zettels kleinem Zimmer wird ja dann und wann die These vertreten, dass die Kontrolle über alles Öffentliche inzwischen fest in linker Hand ist und sich eine Mehrheit dem eben irgendwie anschließt, insofern kein Ausweg aus dieser Einseitigkeit besteht. Sieht man sich den deutschen Propagandafunk an, so kann man diesen Eindruck auch durchaus oftmals bestätigen.

25. April 2021

Ihr müsst abschwören. Pluralismus in Deutschland 2021.

Wenn man eine kompakte Beschreibung für den Zustand der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland 2021, im 16. Jahr der Herrschaft Merkel, abgeben müsste, dann wären die Beschreibung der Vorgänge um die Aktion #allesdichtmachen kein schlechter Ansatz.

Was ist passiert? Eine kleine Gruppe von Initiatoren sprach eine Gruppe von Schauspielern an, ob sie sich nicht an einer Kunstaktion zum Thema Lockdown beteiligen wollten, wo man sich mit dem Stilmittel der Ironie mit dem Thema auseinandersetzt. Herausgekommen ist eine Sammlung von 53 Videos, eingestellt auf Youtube und jedes zwischen knapp einer und gut drei Minuten lang. 

24. April 2021

Der Ausflug ins Bild - Pearl S. Buck, "Kaiserliche Hoheit" (1956)





Die einfachste und üblichste Methode, einen "Spaziergang im Bild" zu unternehmen, ist das Spielenlassen der menschlichen Phantasie, die Versenkung ins Dargestellte, die Tagträumerei. Die Gemälde im westlichen Kanon, die dazu am meisten verführen, dürften wohl die Stadtveduten Canalettos sein. Und vor chinesischer Kulisse findet sich solch ein Ausflug in Pearl S. Bucks romanhafter Schilderung des Lebensweges von Cixi, der "Kaiserinwitwe," dem "alten Buddha", die zwar nicht dem Rang nach, aber doch ihrer Macht macht die letzte Kaiserin auf dem Drachenthron war. "Imperial Woman," 1956 erschienen und im gleichen Jahr von Hans B. Wagenseil ins Deutsche übersetzt, zeichnet Cixis Leben vom Eintritt in den kaiserlichen Harem im Alter von 17 Jahren im Jahr 1852 bis zum Ausbruch des Aufstandes der "Vereinten Kämpfer für das Recht," bei uns als "Boxeraufstand" geläufig, nach und schildert ihre Wandlung von einem verletzlichen Wesen mit Kunstsinn zu einem skrupellosen macchiavellistischen Machtmenschen, der im Wortsinn über Leichen geht.

(Der Name "Orchidee," bei Pearl S. Buck "Orchid," der erste der wechselnden Namen und Titel, die Cixi im Roman gemäß der historischen Vorgabe trägt, ist eine wörtliche Übersetzung des Namensteils im ersten "offiziellen" Titel, 蘭貴人 / Lan Guiren, "edle Dame" Lan / 蘭 - als Konkubine 6. Ranges, den sie von ihrem Eintritt am 26. Februar 1852 bis zum Aufstieg in den fünften Rang am 28. Februar 1854 führte. Betonen möchte ich, daß meine Übersetzung der beiden Passagen völlig unabhängig von Wagenseils Übertragung entstanden ist. Bei meiner Fassung habe ich, entgegen meiner Gewohnheit, die Umschrift der Namen nach dem System von Wade und Giles, wie es sich bei Buck findet, beibehalten. In meinen Amerkungen benutze ich die heute gebräuchliche Pinyin-Transliterierung.)

22. April 2021

Der nächste Sargnagel

Das Geschichte sich schon mal wiederholt ist eine Kalenderweisheit. Und auch diese Woche lässt sie uns nicht hängen, diesmal allerdings mit umgekehrten Protagonisten. Am 3. Oktober 1995 wurde O.J. Simpson im Prozess um den Mord an seiner Frau frei gesprochen. Im Zuge des Prozesses kam es zu massiven Unruhen, die amerikanischen Polizeieinheiten waren auf massive Ausschreitungen vorbereitet und über 100 Millionen Menschen sahen den Urteilsspruch live. Simpson wurde frei gesprochen und die befürchteten Unruhen blieben aus.
Aus Sicht der Jury war das vermutlich, unabhängig von Simpsons Schuld, die auch im Laufe der kommenden Jahre immer deutlicher werden sollte, die richtige Entscheidung. Wer will schon verantwortlich sein, wenn ganze Städte in Flammen versinken und wer will sein Leben riskieren, hier einen Schuldspruch zu vertreten. Geschworene sind auch nur Menschen, und es ist um Rahmen der Aufladung dieses Prozesses nicht unwahrscheinlich, dass die Geschworenen im Falle eines Schuldspruches entweder untertauchen oder zumindest sehr lange unter intensivem Polizeischutz hätten leben müssen.

20. April 2021

Novelle des Infektionsschutzgesetz und die langfristigen Folgen für den Rechtsstaat. Ein Gastbeitrag von Frank2000



Die Novelle des Infektionsschutzgesetzes ist wohl kaum noch aufzuhalten; auch ein aufschiebender Eingriff in letzter Sekunde durch das BVG ist unwahrscheinlich. Welche praktischen Konsequenzen das Gesetz haben wird, ist anderswo schon ausreichend beschrieben worden: ein halbes Dutzend essentieller Grundrechtsparagraphen sind betroffen.

Trotzdem regt sich kaum Widerstand. Ein paar Blogger und das übliche Geraune der letzten Oppositionspartei AfD kann man nur als Sturm im Wasserglas bezeichnen. Politik, ÖR-Medien, Kunst & Kultur, linke aktivistische Szene, Gewerkschaften, Kirche: es gibt keinen Widerstand. Warum? Ich behaupte: weil so ziemlich alle glauben, dass das Ermächtigungsgesetz ein Corona-spezifischer Sonderfall ist, der langfristig überhaupt keine Auswirkung auf unser Land haben wird. Ich behaupte, die These geht wie folgt:

Der Fluch des Irrtums und der Lüge. Ein Gedankensplitter.

"Was wird man im Leben schwer los? Lügen. Sie prägen einen fast ein Leben lang."

                                                                                                --- Sinan Gönül

Ein Mann beobachtet einen brutalen Überfall, ein großer Mann überfällt eine Frau, schlägt sie brutal zu Boden und verletzt sie dabei erheblich. Einen Tag später verhaftet die Polizei einen Verdächtigen und führt den Zeugen zu einer Gegenüberstellung. Der ist sich überhaupt nicht sicher und hadert mit sich. Der Polizist weist ihn darauf hin, dass die Frau nicht nur schwerstens verletzt worden ist, sondern auch drei kleine Kinder hat, die nun furchtbar leiden. Der Zeuge windet sich und entschließt sich schließlich für den größten Mann, in der Hoffnung den richtigen identifiziert zu haben. Der Polizist lobt ihn, das wird er wohl sein. Zwei Tage später gibt es dann einen Termin beim Haftrichter, der Zeuge identifiziert den Täter, dieser wird angeklagt. Vier Wochen später dann die Verhandlung, der Zeuge ist sich inzwischen sicher, dass es sich um den Täter handelt. Er identifiziert ihn zweifelsfrei und dieser wird, da die Frau inzwischen verstorben ist, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Nach einem Jahr im Gefängnis wird ein zweiter Verdächtiger verhaftet, der im Besitz von vielen Dingen ist, die beim Überfall erbeutet wurden. Es kommt zu einem weiteren Verfahren. Der Zeuge ist sich absolut und ohne Zweifel sicher den richtigen Täter benannt zu haben und das sagt er auch. Selbst als der zweite Verdächtige den Überfall gesteht, bleibt der Zeuge dabei, dass es sich dabei um eine Lüge handeln muss. Er weiß, was er gesehen hat.

18. April 2021

Das große Fressen. Ein Gedankensplitter zum Corona Bauch.

Frage an den eingesperrten Leser: Haben Sie heute schon gegessen? Und wieviel haben Sie sich bewegt? Und haben Sie jetzt schon ein schlechtes Gewissen, weil ich Ihnen nur zwei Fragen gestellt habe?

Das wir alle, einzeln aber auch insgesamt und als Gesellschaft, zuviel essen, ist kein Geheimnis. Kalorien sind billig, Zucker ist billig, Fett ist billig, Süßigkeiten sind billig und Gemüse ist zwar auch billig, schmeckt aber natürlich nicht halb so gut wie eine Tafel Schokolade (ja, ich weiß, Llarian erzählt mal wieder Binsen...). Prinzipiell ist das Aufnehmen von zu vielen Kalorien alleine noch nicht das große Problem. Wenn der Mensch sie auch verbraucht. Jemand, der auf dem Bau arbeitet, kann auch schon mal ein zweites Frühstück vertragen, wenn er denn ordentlich ranklotzt. Wenn er auf dem Bau arbeitet. Da ist es dauernd, dieses böse wenn. 

17. April 2021

Hail Lobster oder: Republikaner trinken auch Cola.

Während im deutschen der Kulturkampf eher noch im kleinen stattfindet (damit man ihn nicht so bemerkt), ist in den USA der Kampf in Folge der Wahl und des unerwarteten Sieges der Linken derzeit voll entbrannt. Die Linke wittert Morgenluft und schickt sich an nicht nur ein paar Gesetze zu ändern oder etwas Geld umzuverteilen, wie sie es historisch getan hat, die heutige Linke ist radikal unterwandert und hat begonnen das ganze Land von Grund auf neu zu gestalten und zu verändern.
Dieser Kampf ist schon lange nicht mehr auf die Politik (oder die Medien) selber beschränkt, selbst Universitäten und Schulen (sonst das liebste Feld der Gesellschaftsingenieure) sind nicht mehr der einzige Schauplatz. Heute bleibt in Amerika kein Feld mehr außen vor und ein wichtiges Feld ist das der Wirtschaft.  Angeführt von einigen Technologiekonzernen versucht die amerikanische Linke derzeit die Wirtschaft auf Linie zu bringen, ihre Politik zu teilen und nicht zuletzt ihre Propaganda zu verbreiten. Teilweise subtil, teilweise durch gesetzlichen oder sozialen Druck, teilweise sind einige Firmen auch freiwillig dabei, weil sie glauben dabei ein gutes Geschäft zu machen.

16. April 2021

Streiflicht: Ein bischen Hoffnung

Das der Vormarsch der Totalitären und Möchtergernfaschisten nicht nur diesem Autor, sondern auch vielen Zimmersleuten massiv Sorgen macht und die Laune verdirbt ist nicht neu. Wir bewegen uns mit massiven Schritten Richtung Diktatur und Unrechtsstaat, so dass jedem verbleibenden Rechtsstaatler oder gar Liberalen eigentlich nur Angst und Bange werden kann. Und dennoch sind es manchmal einzelne Streiflichter, die einem auch in dunklen Zeiten ein bischen Hoffnung aufs Gemüt scheinen lassen. Diesen speziellen Lichtstrahl, den ich heute bei der Achse des Guten wahrgenommen habe, möchte ich auch den Lesern dieses Blogs nicht vorenthalten. Die Freiheit ist in Frankreich, auch wenn sie schwer unter Beschuss ist, immer noch zuhause.


Kleiner Nachtritt, weil ich es mir nicht verkneifen kann: Das also ist das Gesicht der Querdenker, "Rechten" und Reichsbürger, wenn sie in Frankreich auflaufen und nicht in der ARD kommentiert werden. 


Llarian

© (Text) Llarian. Für Kommentare bitte hier klicken.

15. April 2021

Tokio 1948, Gong Qiuxia, und der Swinghop von 2013. Eine Flanerie durch die Assoziationsgeschichte





Das letzte Rätsel in diesem Netztagebuch fand sich gleich am Anfang dieses Jahres, im Zusammenhang mit der römischen Universalsauce Garum, als die Frage nach dem Verfasser eines kleinen Textes zum Thema gestellt wurde. Heute soll es um die Bereiche "Musik" und "Film" gehen, in einer Vorblende auf die Auflösung zum Thema, die ich am Wochenende hochladen werden. Anstoß war der Ausschnitt aus Akira Kurosawas Film "Träume" in meinem letzten Posting, und die Überlegung, daß ich an dieser Stelle schon geraume Zeit keine Musik mit Bezug zu Ostasien zum Thema genommen habe.

12. April 2021

11. April 2021

Übersterblichkeit Reloaded: Merkwürdigkeiten, Rätsel und die Erkenntnis, dass wir alle sterben werden

Die Erkenntnis, dass wir alle sterben werden ist nicht allzu neu. Die Behauptung, dass wir alle viel früher sterben werden, war dagegen die Grundlage für den massiven Freiheitsverlust der vergangenen 13 Monate, gerne als "Corona-Maßnahmen" euphemisiert. Und das Bundesamt für Statistik, das gerade hier in einer etwas unrühmlichen Rolle diskutiert wurde, liefert auch gleich die passenden Zahlen dazu.

10. April 2021

Das Ende der Fahnenstange. Ein Gedankensplitter zu Inflation, Wachstum und anderen unwichtigen Dingen.

Bei der Hintergrundrecherche für einen anderen Artikel, der noch in Arbeit ist, habe ich mich ein wenig intensiver mit dem Thema Inflation beschäftigt. Sie wissen schon, die Inflation, die seit Jahren so vor sich hindümpelt und der EZB permanent als Begründung dient weiters Geld zu drucken. Die selbe Inflation, die "gefühlt" jedes Jahr mehr und mehr steigt und von der uns das statistische Bundesamt im Auftrag der Regierung permanent erklärt, das finde nur in unserem Kopf statt. 

8. April 2021

Die Wut im Bauch

Ein persönlicher, vielleicht auch mein (vor)letzter Artikel. Dieser Artikel ist eine innere Reflektion, nicht redigiert, nicht überdacht und in Wut geschrieben. Wen das nicht interessiert, der braucht ab hier nicht weiter zu lesen.

Ich kann nur schlecht beschreiben welche Wut ich inzwischen empfinde, der Begriff des Wutbürgers, der noch vor wenigen Jahren so gerne verwendet wurde, um diejenigen, die eine Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen befürchteten, zu brandmarken, beschreibt die Situation nicht einmal schlecht. Man ist erwachsen, man hat gelernt seine Aggressionen zu kanalisieren, sich zu benehmen, keine Kraftausdrücke zu benutzen, sich zurück zu halten und die Form zu wahren. Und dennoch ist alles was ich derzeit für den amtierenden Ministerpräsidenten, den ich gerne immer verharmlosend Flaschet genannt habe, übrig habe nur noch der kalte Hass, der eigentlich keine solche Bezeichnung mehr zulässt.

7. April 2021

Flaschet und die Möhre oder wie man sich mit Anlauf lächerlich macht

Flaschet hat nachgedacht. Ein ganzes Osterwochenende. Das muss ein sehr schwerer Prozess gewesen sein, denn am Ende kam dann das heraus, was sich ein Penäler auch in der 5-Minuten Pause hätte überlegen können. Ein "Brücken-Lockdown" soll es sein. Was nichts anderes ist als ein harter Lockdown nach Wunsch der Frau Bundeskanzler und ihres bayrischen Adlaten, nur mit einer Möhre vorneweg, auf die ohnehin nach einem Jahr kein Mensch mehr rein fällt. Der Berg kreiste und gebar eine Maus. Eigentlich nicht einmal die, denn das was Flaschet da vorstellt ist eigentlich nur noch hochnotpeinlich.

5. April 2021

Osterbotschaft 2021



Ein Bild und zwei Zitate.



蒲 松 龄 《书 痴》 / Pu Songling, "Der Büchernarr" (1679 / 1766)





(Illustration aus einer Ausgabe des Liaozhai Zhiyi von 1886)

郎玉柱,是彭城人。他的父亲曾做过太守,为官清廉,得到俸禄后,不置田产,酷爱买书,积攒了满满一屋子。到了玉柱,尤其痴:家里非常贫困,东西都卖光了,只有父亲的藏书,一本也不忍卖掉。父亲在时,曾抄录《劝学篇》贴在郎玉柱书桌的右边。玉柱每天都要读上几遍,还罩上层白纱,恐怕磨坏了。玉柱读书倒不是为了做官,而是真的相信书中自有“千钟粟”“黄金屋”,因此昼夜苦读,四季不断。二十多岁了,也不知娶妻,盼望着书中那“颜如玉”的美人自己会来找他。有时亲戚朋友来到家里,他也不知问寒道暖。略说几句话,便又旁若无人地高声读起书来。客人无味,自己坐一会儿就走了。每次科考,学使总是首先选他参加,但却一直考不中。

一天,玉柱又在读书,忽然一阵大风吹来,将书刮跑了。玉柱急忙追赶,一脚踏空,双脚陷进地里。低头一看,见是一个坑,上头盖着层烂草。往下挖了挖,才知原来是古人窖藏粮食的地窖,里面的粮食已经腐烂成粪土了。虽然粮食没法吃,但玉柱更加相信“书中自有千钟粟”的说法确实不错。因此,读书也更加用功。又一天,玉柱爬梯子上书架高处找书,在一堆乱书中发现一个尺把长的小金车,惊喜万分。以为“书中自有黄金屋”的话又应验了。拿出去给人家看了看,原来是镀金的,并不是真金。玉柱沮丧不堪,暗地里埋怨古人欺骗自己。过了不几天,有个跟父亲同榜考中的人,做了本道的观察,此人信佛。有人便劝玉柱将金车献给他作佛龛。观察非常高兴,赐给玉柱三百两银子、两匹马。玉柱大喜,以为“书中车马多如簇、书中自有黄金屋”都应验了,越发刻苦攻读。

玉柱到了三十多岁,有人劝他该娶妻子了。玉柱说:“‘书中自有颜如玉’,我还愁没有漂亮的妻子吗?”又过了两三年,书里仍没出来个美女找他,大家都嘲讽他。这时,民间谣传天上的织女星私奔到了人间。有人和玉柱开玩笑:“织女私逃,大概是为了你吧?”玉柱知道他们是在戏弄自己,也不答理。一晚,读《汉书》读到第八卷,刚到一半的时候,见一个用纱剪成的美人夹在书页中。玉柱大惊道:“书中自有颜如玉,难道就是这个吗?”心里怅然若失。他再细看看那纱剪的美人,眼睛眉毛栩栩如生,脊背上隐隐约约有行小字:“织女。”玉柱十分惊异,天天把美人放到书上,反复观赏,至于废寝忘食。

2. April 2021

Statistik, Märchen und andere Geschichten. Eine kleine Lanze für Astra-Zeneca.

Es ist schon ein Kreuz mit dem Impfstoff in Deutschland. Da Ursel Fond-of-Lying die Bestellung bei Pfizer, wie erwartet, in den Sand gesetzt hatte, musste schnell ein neuer Kandidat her und das war AZD 1222 (vulgo der "Astra-Zeneca-Impfstoff"). Dieser bot zwei ganz entscheidende Vorteile: Erstens, er war billig (er kostet nur ein Viertel der Pfizer Variante) und außerdem war Astra-Zeneca im Unterschied zu Pfizer noch nicht völlig ausgebucht und wollte bis Ende 2021 knappe 200 Millionen Dosen an die EU liefern.

So weit, so gut. Was dann aber nicht so gut war, war dann die Verträglichkeit. Wie so oft, wenn etwas vor allem schnell gehen muss, war das Ergebnis eben nicht ganz optimal. Nach bisherigem Stand haben von den 2,4 Millionen in Deutschland mit dem Stoff geimpften 31 Impflinge eine Trombose entwickelt, wovon 9 gestorben sind. Vor allem und im Wesentlichen Frauen unter 60 Jahren. Schlimm, so die Bundesregierung, und zwar so schlimm, dass jetzt erst einmal Schluss ist mit Impfung und der Stoff nicht mehr an unter 60-jährige vergeben werden kann. Impfstopp.

31. März 2021

Béla Balázs, "Das Buch des Wan-Hu-Tschen" (1921)



(Béla Balázs)

Liu-Tschang ist eine reiche Stadt. In dieser lebte einmal ein armer Mensch namens Wan-Hu-Tschen. Seine Eltern hatten ihm ziemlich viel Geld hinterlassen und auch seine Verwandten waren vermögende Leute. Aber Wan-Hu-Tschan liebte keine ehrliche Arbeit; weder wollte er Handel treiben auf den Barken mit den Drachensegeln, noch hatte er Lust zur Seidenweberei. Stets befaßte er sich mit gelehrten Büchern, denn er wollte die Staatsprüfungen ablegen, um Beamter zu werden. Aber Wan-hu-Tschan war dumm. Nicht einmal den ersten Tschin-Grad mochte er zu erreichen. So verarmte er allmählich, und darum verstießen ihn auch seine Verwandten, ja sie machten sich auch noch lustig über ihn. Das ist es, was wir von Wan-Hu-Tschan wissen müssen.

Li-Fan war die Tochter des Staathalters, deren Lilienwangen das Herz Wan-Hu-Tschans zur Liebe entflammt hatten.

Doch auch Li-Fan lachte nur über ihn. Der Staathalter aber fing einen Brief des Wan-Hu-Tschen auf, der also lautete:

"O, mein Lieb, wie bist du mir so ferne,
Fern bist du mir, wie meinem Zimmer der Mond,
Dein weißes Bild zittert am Grunde meines Herzens.
So wie der Mond auf meines Zimmers Boden."

Da ließ der Statthalter den armen, dummen und arbeitsscheuen Freier aus seinem Hause werfen.

29. März 2021

Immer Ärger mit Joe

Der eine oder andere Leser mag sich an die Klamotte "Immer Ärger mit Bernie" erinnern, die vor knapp 30 Jahren in die Kinos kam und dort ganz anständigen Erfolg feierte. Der Plot war vergleichsweise simpel wie grotesk: Zwei Verlierer geraten in einen Strudel mit der Mafia, ihr Boss "Bernie"(ein Verbrecher) wird von eben dieser umgebracht und die beiden haben das Problem, dass sie den Anschein erwecken müssen, dass Bernie noch am Leben ist, um selber vor der Mafia zu entkommen. Deswegen unternehmen sie allerhand mit der Leiche und versuchen möglichst vielen Leuten zu verkaufen, dass Bernie noch sehr lebendig ist. 

28. März 2021

"Vom Maler, der im Bild verschwindet": Drei deutsche Echos einer Legende, um 1930





(Ernst Bloch in jüngeren Jahren)

In der deutschen Literatur um 1930 finden sich mehrere Erwähnungen - oder Ausarbeitungen der chinesischen Künstlerlegende vom - nicht genannten - Maler, der diese Welt verläßt, indem er das letzte von ihm geschaffene Gemälde betritt und sich darin verliert. In dieser Folge unserer lockeren Umkreisung dieses Topos, dieses Motivs, sollen drei Beispiele aus dieser Zeit angeführt werden, die mehr eint, als es auf den ersten Blick scheinen könnte. Zum einen bleibt in allen drei Texten der Verweis seltsam unkonkret, als könnte man die Anekdote als allgemein bekannt voraussetzen; darüber hinaus stehen sie im Kontext einer rein assoziativen Auslotung einer Motivkette, denen ihre Verfasser nachspüren: ein tastendes Umkreisen von Anklängen, von Erinnerungen, die wachgerufen werden: kein analytisches, sondern ein impressionisches Verfahren.

Beide Autoren erwähnen nicht, auf welche Quelle die Anekdote, die sie erzählen, zurückgeht. Das soll im nächsten Teil meiner kleinen Folge nachgeholt werden: es handelt sich tatsächlich um eine genuine chinesische Künstlerlegende, und sie ist mit einem konkreten Namen verbunden - auch wenn sie nicht über die wachsende Bekanntschaft mit der chinesischen Kultur, sondern mit der Japans in den 1890er Jahren nach Europa gelangt ist. Aber für eine solche Anekdote ist es belanglos, mit welchem Namen, welchem Auslöser sie verknüpft ist: es sind "Wandersagen." Die Geschichte von Ei des Kolumbus findet sich bereits in identischer Form in den Künstlerviten von Giorgio Vasari: dort wird die Lösung der Aufgabe, ein Ei "auf die Spitze zu stellen," Filippo Brunelleschi anläßlich des Entwurfs der Kuppel für den Dom von Florenz zugeschrieben.

26. März 2021

Das Corona-Desaster 6.5: The Chaostruppe Formerly Known As "Bundesregierung"





In den Büchern Kurt Tucholskys, zumal in der chronologisch sortierten Werksausgabe, fallen immer wieder die kleinen Sammlungen "unfrisierter Gedanken" (©Stanislaw Jercy Lec) auf, launische Aperçus zu Politik, Zeitläuften und der krummen menschlichen Natur, die unter dem wiederkehrenden Titel "Schnipsel" gesammelt sind. Zumeist in der "Weltbühne" Carl von Ossietzkys erschienen und ganz dem Geist der Sudelbücher Lichtenbergs verpflichtet, dürften sie zum Bleibendsten und Prägnantesten zählen, was der feurige linke Streiter, in all seiner Widersprüchlichkeit, hinterlassen hat - auch wenn sie so oft Einspruch herausfordern: "Alles ist richtig - auch das Gegenteil. Nur: Zwar - aber... Das ist NIE richtig." ("Weltbühne," 30. Dezember 1930) Drei kategorische Fehler in zwölf Worten - das muß man auch erst einmal hinkriegen.

Aber man kennt als Leser den Ton, den Gestus, und man erwartet, dort Sentenzen zu finden, die man vergeblich suchen wird, die aber dort vollendet am Platz wären. Nicht wenige apokryphe Zitate sind ja Voltaire, Friedrich dem Großen oder Konrad Adenauer ("Wat kehrt mich ming Jeschwätz von gestern?") auf diese Weise zugewachsen. Und bei "Tucho" erwarte ich fast, beim nächsten Durchblättern auf das Urteil zu stoßen: "Ihr glaubt, daß in der Politik entschieden wird, daß sie im Keller Kegel schieben, und wer als letzter danebenwirft, darf einen Zettel aus dem Zylinderhut ziehen? Ihr Ahnungslosen. Es ist alles noch viel schlimmer."

25. März 2021

Paul Ernst, "Das alte Bild" (1916)





(Schloß Darfeld, Münsterland. Eigenes Photo)

Ein junger Mann saß allein im Wohnzimmer seiner Eltern. Niemand außer ihm war im Hause; die Eltern, Geschwister, Freunde machten eine Vergnügungsfahrt, die Dienstboten waren beurlaubt. Vor den Fenstern in den blühenden Obstbäumen ruhte der Sonnenschein; das Summen der großen Stadt tönte von weitem; er wußte, daß alle Türen geschlossen waren, und daß lange Stunden ihn niemand in seiner Einsamkeit stören würde.

Er saß vor einem großen Bilde, das er schon als Kind geliebt, das ihm so vertraut war, als lebe er in ihm, unter den hohen Bäumen, durch welche man in der Ferne, sichtbar und doch verdeckt, das Schloß sah. Das Bild war von einem der sanften Künstler der Rokokozeit gemalt; da war ein rasenbedeckter Platz in einem Park, der ganz von den ungeheuer großen grünen Bäumen überwölbt war; mit einem eigenen Blaugrün hatte der Maler die Bäume gemalt, das wunderlich einlud zu Träumereien; ganz in bläulicher Ferne glänzte das phantastische Schloß mit vorspringenden und zurückweichenden Säulen und Bogen; es schien schlank und kühn in die Höhe zu streben, mit hohen Fenstern, die von flammenartig nach oben steigenden Ornamenten gekrönt wurden, hohen und schmalen Türen, zierlichen Balkons mit verschlungenen geschmiedeten Geländern, heiter sich schwingenden Treppen, steilen Dächern, deren Flucht unterbrochen war durch anmutig geformte Mansardenfenster. Vorn, auf dem schattigen Rasenplatz unter den vielhundertjährigen Bäumen, lustwandelte eine jugendliche Gesellschaft: auf niedlichen Stöckelschuhen trippelten hübsche Damen mit hochgetürmtem Haar und geschürzten Röckchen; ihnen zur Seite tänzelten junge Herren in Seidenstrümpfen, prächtigen, goldgestickten Röcken, mit dem Gefäß des leichten Degens spielend, der munter und lustig abstand hinter ihnen, oder beteuernd die Hand auf den Arm einer der kleinen Damen legend, oder sich zuwinkend, zierlich mit den dreieckigen Hüten in der Luft agierend. Für sich allein aber, unbeachtet von den anderen, am Stamme eines Baumes stand eine der jungen Damen, ein Blatt Papier in der Hand, das sie traumverloren betrachtete. Hinter ihr zog sich durch das Grün des Gebüsches hin deutlich erkennbar ein kleiner Fußpfad, der zu einem ländlichen Gehöft führen mochte oder vielleicht auch in Windungen zum Schloß lief.

24. März 2021

Das Corona-Desaster # 6: Same procedure as every...





Um mit einer Aktualisierung des Auftakts anzufangen, mit dem ich meinen Beitrag vom 4. März begann: Ich schreibe dies hier am Tag 128 des 28-tägigen "Wellenbrecher-Lockdowns," den wir unbedingt benötigen, um Weihnachten 2020 unbeschwert im Kreis unserer Familie feiern zu können. Bekanntlich ist diese Maßnahme gestern auf der Konferenz der Bundesminister und der Regierungspräsidenten aufgrund des überwältigenden Erfolges in die sechste Verlängerung bis zum Tag 154 gegangen.

Niemand dürfte daran gezweifelt haben, daß die erneute Verlängerung schon lange vor der gestrigen MPK eine beschlossene Sache war; so sicher, wie es jetzt schon feststehen dürfte, daß auch das nächste Treffen am 12. April nur der weiteren unabsehbaren Forsetzung des Lockdowns dienen wird. Frau Merkel und ihre Getreuen (das Wort "Hofstaat" verkneife ich mir, um nicht in billige Polemik abzugleiten, auch wenn es die Sache gut trifft) haben seit dem erneuten Herunterfahren der Wirtschaft und der Kasernierung der Bürger im Spätherbst - und eigentlich schon seit dem ersten Lockdown vor nun über einem Jahr - kein Mittel gefunden, das ihnen den Anschein eines "entschlossenen Handelns" verliehen hätte. Die bewußte Torpedierung der Impfstoffbeschaffung, die grell sichtbare Weigerung, Strategien zur erfolgreichen Bekämpfung der Pandemie wie in Ostasien, Australien, Neuseeland oder auch bei uns vor Ort wie in Rostock oder Tübingen auch nur zur Kenntnis zu nehmen - geschweige denn, daraus etwas zu lernen - spricht Bände.

21. März 2021

蒲松龄 《画壁》 /Pu Songling, "Die bemalte Wand" (1679 / 1766)





江西人孟龙潭,与朱举人客居在京城。他们偶然来到一座寺院,见殿堂僧舍,都不太宽敞,只有一位云游四方的老僧暂住在里面。老僧见有客人进门,便整理了一下衣服出来迎接,引导他俩在寺内游览。大殿中塑着手足都作鸟爪形状的志公像。两边墙上的壁画非常精妙,上面的人物栩栩如生。东边墙壁上画着好多散花的天女,她们中间有一个垂发少女,手拈鲜花面带微笑,樱桃小嘴像要说话,眼睛也像要转动起来。朱举人紧盯着她看了很久,不觉神摇意动,顿时沉浸在倾心爱慕的凝思之中。

忽然间他感到自己的身子飘飘悠悠,像是驾着云雾,已经来到了壁画中。见殿堂楼阁重重迭迭,不再是人间的景象。有一位老僧在座上宣讲佛法,四周众多僧人围绕着听讲。

朱举人也掺杂站立其中。不一会儿,好像有人偷偷牵他的衣襟。回头一看,原来是那个垂发少女,正微笑着走开。朱举人便立即跟在她的身后。过了曲曲折折的栅栏,少女进了一间小房舍,朱举人停下脚步不敢再往前走。少女回过头来,举起手中的花,远远地向他打招呼,朱举人这才跟了进去。见房子里寂静无人,他就去拥抱少女,少女也不太抗拒,于是和她亲热起来。不久少女关上门出去,嘱咐朱举人不要咳嗽弄出动静。夜里她又来到。这样过了两天,女伴发觉了,一块把朱举人搜了出来,对少女开玩笑说:“腹内的小儿已多大了,还想垂发学处女吗?”都拿来头簪耳环,催促她改梳成少妇发型。少女羞得说不出话来。一个女伴说:“姊妹们,我们不要在这里久待,恐怕人家不高兴。”众女伴笑着离去。朱举人看了看少女,像云一样形状的发髻高耸着,束发髻的凤钗低垂着,比垂发时更加艳绝人寰。他见四周无人,便渐渐地和少女亲昵起来,兰花麝香的气味沁人心脾,两人沉浸在欢乐之中。

Die Grenzen der Demokratie. Ein Gedankensplitter.


Gestern gab es in Kassel eine etwas größere Querdenker Demonstration (wobei angesichts der Größe real bezweifelt werden kann, dass es sich um besonders viele Querdenker handelt als oftmals um ganz normale Bürger, die keine Lust mehr haben sich einsperren zu lassen). Boris Reitschuster, einer der wenigen Journalisten diesen Landes, die diesen Titel noch zurecht tragen, war vor Ort dabei und hat einige Lifestreams auf seine Webseite gestellt. Im letzten Lifestream kommt es zu einer recht interessanten Diskussion zwischen einer Demonstrantin und einem Passanten. Der Passant nimmt dabei die wohl verbreitete Position ein, dass man halt aus Rücksicht Masken tragen muss, etc. pp.. Er tut das allerdings sehr höflich, das muss man anerkennen. Die Demonstrantin hält ihm ein paar sehr interessante Sätze entgegen, die ich sinngemäß hier wiedergeben möchte (sie sind so an den Passanten gerichtet):
"Es sind sicher 60-65% in der Bevölkerung ihrer Meinung. Und die Politiker auch. Wir sind eine Minderheit. .... Ich habe mich jetzt ein Jahr lang angepasst, obwohl ich überhaupt nicht dieser Meinung bin, habe mein Leben eingerichtet nach Ihnen. Nach der Mehrheit. .... Ich habe mich Ihnen angepasst.Ein Jahr lang. Ich hab mein Familienleben, mein Freundschaftsleben, Freundschaften sind zerbrochen. Ich habe mich Ihnen angepasst." 

Marguerite Yourcenar, "Wie Wang-Fô gerettet wurde" (1936)





Der alte Maler Wang-Fô und sein Schüler Ling waren schon seit langem auf den Straßen des Reiches der Han unterwegs. Sie kamen nur langsam voran, denn Wang-Fô hielt oft nachts inne, um die Sterne zu betrachten und am Tag, um dem Flug der Libellen zuzusehen. Sie führten nur wenig Gepäck bei sich, denn Wang-Fô liebte die Bilder der Dinge, aber nicht die Dinge selbst. Nichts auf der Welt schien es ihm wert, es zu besitzen, außer Pinseln, Farben, Tiegeln für Lack und Chinatusche und Rollen von Seide und Reispapier. Sie waren mittellos, denn Wang-Fô tauschte seine Bilder lieber gegen eine Portion Hirsebrei ein und verschmähte selbst Silbermünzen von geringem Wert. Sein Schüler Ling trug schwer an einem Sack, der prall mit Entwürfen gefüllt war; er krümmte den Rücken voller Ehrfurcht, als trüge er das Himmelsgewölbe auf dem Rücken, denn dieser Sack enthielt in Lings Augen schneebedeckte Berge, Frühlingsblumen und den Mond in einer Sommernacht.

18. März 2021

Lafcadio Hearn, "Die Erzählung des Kwashin Koji" (1901)





(Kosai Ishikawa, Illustration aus dem 『夜窓鬼談』, Band II, 1893)

In den Jahren der Tenshō-Zeit (1) lebte in einem der nördlichen Bezirke von Kyōto ein alter Mann, der von den Leuten Kwashin Koji genannt wurde. Er trug einen langen weißen Bart, und er war stets in die Gewänder eines Shintō-Priesters gekleidet, aber er verdiente seinen Lebensunterhalt damit, daß er Bilder mit buddhistischen Motiven austellte und buddhistische Lehren predigte. An jedem schönen Tag begab er sich zu dem Tempel in Gion. Dort hing er ein großes Kakémono, ein Rollbild, an einem der Bäume auf, auf dem die Qualen dargestellt waren, die die Sünder in der Hölle erwarten. Dieses Kakémono war so kunstfertig gemalt, daß alles, was es zeigte, wirklich zu sein schien, und der alte Mann belehrte seine Zuhörer darüber und erklärte ihnen die Gesetze von Wirkung und Ursache. Mit einem Nyoi, einem Stab, wie ihn die Mönche bei sich führen, die sich in die Einsamkeit der Berge zurückgezogen haben, erklärte er die verschiedenen Höllenstrafen in allen Einzelheiten und hielt seine Zuhörer an, den Lehren des Buddha zu folgen. Oft versammelte sich eine Menge um ihn, um das Bild zu betrachten und dem alten Mann zuzuhören, und häufig war die Strohmatte, die er vor sich ausgebreitet hatte, um Almosen in Empfang zu nehmen, unter den Münzen, die darauf geworfen worden waren, nicht mehr zu sehen.

Zu dieser Zeit herrschte Oda Nobunaga über Kyōto und die umliegenden Provinzen. Bei einem Besuch im Tempel in Gion sah einer seiner alten Diener, der den Namen Arakawa trug, das Bild, und nach seiner Rückkehr zum Palast berichtete er davon. Nobunaga war von Arakawas Beschreibung angetan, und er schickte einen Boten zu Kwashin Koji, damit er unverzüglich in den Palast kommen und das Bild mitbringen sollte.

14. März 2021

Algernon Blackwood, "Der Mann, der Milligan war" (1923)





(Algernon Blackwood)

Milligan musterte mit einem abschätzigen Blick die armselige Zimmerflucht, während die Vermieterin hinter ihm stand und darauf wartete, wie er sich entscheiden würde. Sie hatte die Arme verschränkt. Ihr aufmerksamer Blick taxierte seinerseits natürlich Milligan. Er war als Angestellter in einem Reisebüro tätig; in seiner Freizeit schrieb er für den Film. Was ihm an der schlichten Wohnung zusagte, waren die großen Flügeltüren. Er suchte nur nach einer Unterkunft, in der auch noch Frühstück serviert wurde, aber jetzt stellte er sich vor, wie er hier saß und Drehbücher verfaßte - und das mit Erfolg. Es war eine verlockende Aussicht: Endlich ein Literat - mit einem angemessenen Arbeitszimmer!

"Die Miete scheint mir doch ein wenig hoch, Frau ---?" begann er.

"Bostock, Sir, Mrs. Bostock," ließ sie ihn wissen und fing an, ihm das Elend der hohen Lebenshaltungskosten zu klagen. Es war vergebene Liebesmüh, denn Milligan hörte nicht zu. Er hatte sich längst entschlossen, die Zimmer zu mieten.

13. März 2021

Streiflicht: Damals und heute und der Kanzler, der Fehler machte.

Es ist manchmal schon lustig welche Videos einem Youtube manchmal so vorschlägt und so landete das folgende heute in meinem Feed.

https://www.youtube.com/watch?v=j9Kj9KKlCuU

Es lohnt sich das Video einmal anzusehen, sich die Körpersprache von Kohl als auch seine Aussagen einmal in Ruhe zu betrachten. Und dann den Vergleich mal mit der Person machen, die heute in seinem Sessel sitzt, denn der Gegensatz könnte kaum größer sein.

11. März 2021

Das Corona-Desaster # 5





Nein - diesmal geht es nicht um die unendliche Fortsetzungsgeschichte der verschleppten Impfkampagne, um die mangelenden Bestellungen, die leerstehenden Impfzentren, die Ausschließung der Hausärzte. Und doch reiht sich auch dieses Versagen nahtlos in die schier endlose Kette der Aussetzer und Versäumnisse ein, die seit nun mehr als dreizehn Monaten den Umgang dieser Regierung mit der Corona-Pandemie ausmachen.

Eigentlich kann man sich jeden Kommentar hierzu sparen. Man braucht nur die Meldung herzusetzen, die zuerst am Montag vom Magazin "Business Insider" zuerst verbreitet wurde: als weiteres Steinchen in einem Mosaik des Staatsversagens, als ein weiterer Eintrag in einem "Echolot", wie es vor einem Vierteljahrhundert Walter Kempowski aus zahlosen Zeitungsmeldungen, Briefen und Tagebucheinträgen zusammengetragen hat - nur diesmal als Protokoll der Gegenwart der angehenden 2020er Jahre in Deutschland.

7. März 2021

Der letzte Beatnik. Zum Tod von Lawrence Ferlinghetti





(Lawrence Ferlinghetti in San Francisco, im November 1996)

Zu den Besonderheiten der Literaturentwicklung im 20. Jahrhundert - aber auch in der Kunst allgemein, zählt das regelmäßige Aufkommen radikaler Bewegungen, sich selbst absolut setzender Schulen. Nicht, daß es "Schulen" oder "Bewegungen" nicht auch schon davor, beginnend mit dem frühen 19. Jahrhundert, gegeben hätte - in der Kunst steht das Aufkommen des Impressionismus dafür, oder die Plein-Air-Malerei der "Schule von Barbican". Im Bereich der Literatur fällt etwa in England die "School of Spasmodic Poetry" in den 1830er Jahren darunter, deren Markenzeichen Bombast und frenetische Hektik bei der Gestaltung möglichst breitwandformatiger Sujets war. Aber das waren kleine, persönlich nicht miteinander verbandelte Schnittmengen von artistischen Einzelkämpfern. Den "Cenacles" (wie in jenen Jahren, nach dem Vorbild von Joris-Karl Huymsmans solche Künstler-und-Bohême-Klüngel genannt wurden) des 20. Jahrhunderts kamen die Präraffaeliten ab 1860 wohl am nächsten: eine kleine Gruppe von maximal einem halben Dutzend artistischen Frontkämpfern, in engem Kontakt und Rivalität verbunden und mit einem ästhetischen Credo, das dem zu ihrer Zeit tonangebenden künstlerischen Richtmaß eine radikale Kampfansage entgegen setzt. Nicht zuletzt gehört zum Umfeld eines solchen "Aufbruchs" auch eine wohlwollende Begleitung durch die Medien: im neunzehnten Jahrhundert die breit gestreuten Salonberichte über die Jahresausstellungen, wie sie bei Charles Baudelaire nachzulesen sind. Aber etwas ganz Entscheidendes unterscheidet all die Stürme im ästhetischen Wasserglas von ihren Nachfolgern aus den Jahren kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs bis zum Ende der "Swinging Sixties".

4. März 2021

Das Impfdesaster # 4: Coronagipfel Reloaded





Ich schreibe dies hier am Tag 109 des 28-tägigen "Wellenbrecher-Lockdowns," den wir unbedingt benötigen, um Weihnachten 2020 unbeschwert im Kreis unserer Familie feiern zu können. Bekanntlich ist diese Maßnahme gestern auf der Konferenz der Bundesminister und der Regierungspräsidenten aufgrund des überwältigenden Erfolges in die fünfte Verlängerung bis zum Tag 133 gegangen.

Der Titel ist insofern irreführend, weil dieser Post mit dem Versagen bei der Bestellung und Verabreichung der Corona-Vakzinen direkt nichts zu tun hat. Aber ich habe diese Bezeichnung für diese Serie zum Thema "Versagen in der Pandemie" gewählt; und auch das gestrige Desaster gehört zu dem flächendeckenden Fiasko, von dem das "Impfdesaster" nur den auffallendsten Aspekt darstellt.

3. März 2021

Streiflicht: That didn't age well, Alexander Lambsdorff und das Werfen von Dreck.

Es ist nur eine Kleinigkeit, Alexander Lambsdorff, seines Zeichens heute einer der mehr oder weniger großen Vortänzer der FDP, wollte vor drei Wochen die Gelegenheit nutzen mal wieder ein bischen Dreck über den politischen Gegner zu kübeln und sah da eine totsichere Vorlage von Erika Steinbach als prima Vorganbe für einen Elfmeter. Erika Steinbach hatte geschrieben:
Von verschiedenen Seiten habe ich glaubhaft gehört, dass 50% der Covid-Patienten in Krankenhäusern aus dem arabischen Raum stammen. Für die Medien war das bislang kein Thema. Wäre eine reizvolle Aufgabe für unsere so fleißigen Netzwerk-Journalisten. Werden die aber nicht machen.

 Hier sah dann Alexander Lambsdorff seine Chance billige Punkte zu machen und twitterte seinerseits:

Es gibt widerliche Tweets, es gibt ekelerregende Tweets und es gibt Tweets von Erika #Steinbach. Sie ist Teil einer fauligen Lügenmarinade, die unsere Gesellschaft vergiften will. #Corona #noAfD

28. Februar 2021

Der Mond als Reklametafel. Nachtrag





Ne serait-ce pas un spectacle capable d’alarmer les esprits faibles et d’éveiller l’attention du clergé que de voir apparaître, sur le disque même de notre satellite, sur la face épanouie de la Lune, cette merveilleuse pointe-sèche que nous avons tous admirée sur les boulevards et qui a pour exergue : À l’Hirsute? (Villiers de l'Isle-Adam, 1873)



Wäre es nicht ein Schauspiel, das so recht geeignet wäre, empfindsame Seelen aufzuregen und den Klerus zu empören, wenn auf unserem himmlischen Begleiter, auf der hellen Mondscheibe, jener wunderbare Lockenbrenner erscheinen würde, dessen Bild wir alle auf unseren Boulevards bewundert haben und der von dem Schriftzug "Für prächtige Mähnen!" umrahmt ist?


Heinlein und Clarke mögen die bekanntesten Vorschläge unterbreitet haben, den Begleiter der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne in eine kugelförmige Litfaßsäule (Litfaß-Kugel?) umzuwidmen - sie waren aber nicht die ersten und sind auch nicht die letzten geblieben. Das Besondere ihrer "bescheidenen Vorschläge" liegt darin, daß hier Luna höchstselbst als Träger der Werbebotschaft dienen sollte, um die nächtlichen Betrachter zum Konsum einer nicht unbekannten Getränkemarke anzuregen. Ein gleicher Fall liegt in Isaac Asimovs Kurzgeschichte "Buy Jupiter!" (zuerst erschienen in Venture Science Fiction im Mai 1958), in dem außerirdische Wesen die aus reiner Energie bestehen, den Erdlingen die Nutzungsrechte für den größten Planeten des Sonnensystems abkaufen - um ihn ebenfalls mit einer Werbebotschaft zu versehen. Asimovs Pointe liegt darin, daß der Unterhändler der Vereinten Nationen den im Geschäft offenkundig nicht sehr versierten Aliens nur die Lizenz für den Jupiter abgetreten hat: die nachfolgende Konkurrenz erhält mit dem Ringplaneten Saturn einen wesentlich markanteren Blickfang.