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6. Juni 2007

Marginalie: Eine Soziologin türkischer Abstammung über Großmoscheen. Nebst Anmerkungen zur Kölner Stadtverwaltung

Bisher bin ich, als Liberaler, der Auffassung gewesen, daß Moslems, wie jede andere Religions- Gemeinschaft, im demokratischen Rechtsstaat ein Recht auf ihre Gotteshäuser haben müssen. Ich habe die Bedenken derer, die dagegen eintreten, daß in Deutschland Großmoscheen gebaut werden, nicht nachvollziehen können.

Ich habe meine Auffassung auch jetzt nicht geändert. Aber ich muß zugeben, daß ich nachdenklich geworden bin. Jedenfalls im Fall der geplanten Großmoschee in Köln- Ehrenfeld.

Es gibt zwei Gründe dafür, daß ich nachdenklich geworden bin.



Erstens: Eine der immerhin in dieser Sache Hauptverantwortlichen der Stadt Köln, die diesen Moscheebau will und fördert, die Sozial- und Integrations- Dezernentin Bredehorst, hat nicht nur erklärt: "Ich kenne nicht so viel vom Islam". Sondern sie bezeichnete in derselben Rede gleich auch noch den Holocaust als einen Ausrutscher.

Das war eine Rede auf einer Veranstaltung der Stadt Köln, von der ich aufgrund der mir bekannten Berichte nicht unbedingt den Eindruck habe, daß auf dieser Veranstaltung alle Seiten gleichermaßen zu Wort kommen konnten. Wenn - wovon ich überzeugt bin - dieser Augenzeugenbericht zutrifft, dann wurde von der Stadt Köln vielmehr, sagen wir, ein wenig einseitig verfahren.

Das begründet kein Vertrauen in die Kölner Stadtverwaltung, was ihr Verständnis für den Islam, was ihre Kenntnis des Holocaust, was überhaupt ihr Verständnis für Geschichte und Gesellschaft angeht.

Man hat vielmehr den Eindruck, daß da eine - vielleicht gutwillige, vielleicht aber auch auf die Wählerstimmen türkischer Einwanderer schielende - Laienspielschar am Werke ist.



Zweitens: In der FAZ beschreibt Necla Kelek, eine deutsche Soziologin türkischer Abstammung, sehr eingehend, was es mit einer solchen Großmoschee auf sich hat:
Wenn man in Ankara die größte Moschee, die Kocatepe Camii besichtigen will, steht man zunächst vor einem Einkaufszentrum. Man geht durch die Hosen- und Hemdenabteilung des Kaufhauses, bevor man den Aufgang zur Moschee findet. Die riesige Moschee ruht in ihrer ganzen Breite auf einem Geschäft. (...) Die Moschee ist in der islamischen Tradition ein sozialer und kein sakraler Ort. (...)

Moscheen erfüllten, wie der Islamwissenschaftler Peter Heine in seinem Islam-Lexikon schreibt, administrative Funktionen: "Hier fanden die Sitzungen des Stammesrates statt, und sie waren Versammlungsorte, wenn sich die Männer zu einem Kriegszug aufmachten." (...)

Moscheen sind selbst nach muslimischer Lesart keine Sakralbauten wie Kirchen oder Synagogen, sondern "Multifunktionshäuser". (...) Deshalb ist die Frage des Moscheebaus auch keine Frage der Glaubensfreiheit, sondern eine politische Frage. (...) So wie in vielen Moscheen in Deutschland der Islam praktiziert wird, erweist er sich als ein Hindernis für die Integration. Diese Moscheen sind Keimzellen einer Gegengesellschaft.

Vor allem die größeren Moscheen in Deutschland entwickeln sich zu "Medinas". (...) Dort üben schon Kinder die Abgrenzung von der deutschen Gesellschaft, dort lernen sie die Gesellschaft in Gläubige und Ungläubige zu unterscheiden, dass Frauen den Männern zu dienen haben, dass Deutsche unrein sind, weil sie Schweinefleisch essen und nicht beschnitten sind.

Diese Moscheen entwickeln sich zu Zentren, in denen wie in einer kleinen Stadt alle Bedürfnisse abgedeckt werden. (...) Freitagsmoscheen im Stadtbild sind wie die Kopftücher auf der Straße ein sichtbares politisches Statement. Es soll sagen: Wir sind hier, wird sind anders, und wir haben das Recht dazu. (...)

Die Zahl der Sekten und konkurrierender Glaubensrichtungen des Islam ist kaum zu überschauen, doch wird vorgegeben, man trete gemeinsam auf und es wird die taqiyya, die Kunst der Verstellung und des Verschweigens der wahren Haltung gegenüber „Ungläubigen“ praktiziert. Die Initiatoren der Kölner Moschee sind Vertreter der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Was die Ditib in Deutschland vorführt, ist Politik im Auftrag der türkischen Regierung (...)
Die Regierung Erdogan ist bekanntlich eine islamistische, eine türkisch- nationalistische Regierung. Wenn Frau Kelek Recht hat, dann stellt sich in der Tat die Frage ob es nicht zu kurz gesprungen ist, den Bau einer solchen Moschee nur unter dem Gesichtspunkt der Glaubensfreiheit zu sehen.

Gebetsorte, vergleichbar unseren Kirchen und den jüdischen Synagogen, stehen selbstverständlich im säkularen Rechtsstaat auch Moslems zu.

Aber der Bau eines politisch- religiösen Zentrums, das auf die Förderung einer Parallel- Gesellschaft gerichtet ist, in dem eine kleine Stadt entsteht mit Friseuren, Geschäften, Teestuben - das scheint mir weder durch das Grundgesetz begründet noch politisch vernünftig zu sein.

5. Juni 2007

Bredehorster Semitenkunde, oder die Leute vom Moscheeplatz. Ein Gastkommentar von Lyllith

Zu dem Beitrag über den kürzlichen Auftritt der Kölner Sozialdezernentin Bredehorst nimmt Lyllith in einem Gastkommentar Stellung:

Es handelt es sich bei dieser Geschichte um eine noch weitaus ernstere Angelegenheit, als es auf den ersten Blick erscheint. Unter normalen Umständen hätte, als Bredehorst von einem "Ausrutscher" sprach, an dieser Stelle des Vortrags lautstarker Protest erfolgen und diese Passage zumindest eine Erwähnung in der lokalen Presse wert sein müssen.

Das blieb aus. Die Sache wurde erst dadurch publik, daß eine aufmerksame Zuhörerin eine Abschrift des Tonbandprotokolls bei Politically Incorrect veröffentlicht hat unter der Überschrift: "Bredehorst: 'Ich kenne nicht so viel vom Islam'".

Stellen wir uns vor, daß ein Vertreter von "Pro Köln" Vergleichbares auf einer Ratssitzung der Stadt Köln zum Besten gegeben hätte.

Es wäre zur Schlagzeile des Tages mit bundespolitischer Auswirkung geworden und hätte Eingang in den Verfassungsschutzbericht gefunden. Und das völlig zu Recht.

Bei Frau Bredehorst ist es erst dann, als der Protest im Internet ein größeres Ausmaß angenommen hatte, zu einem kleinen Artikel im "Kölner Stadtanzeiger" gekommen, der, ganz gegen die Gewohnheiten des "Stadtanzeigers", journalistisch vorbildlich neutral gehalten ist: "Bredehorst bedauert Aussage".

Kuriosität am Rande: Wenn ausgerechnet ein Blog, der sich "Politically Incorrect" nennt, die politisch Unkorrektheit des Monats enthüllt, - eigentlich müßten sie dann Frau Bredehorst im Club willkommen heißen. Allerdings hat das vielfach verfemte PI doch etwas detailliertere Geschichtskenntnisse als Frau Bredehorst und hängt nicht der Rassenlehre des 19. Jahrhunderts an. Des weiteren wurde jetzt endgültig das Geheimnis gelüftet, warum sich Jamal Karsli ("daß es zwar keine reinen Rassen mehr gebe, aber Herr Scharon und Herr Friedman sind mit Sicherheit keine Semiten") so lange bei den Grünen halten konnte.

Wenn wir uns die Vita von Frau Bredehorst etwas genauer zur Gemüte führen, scheidet Strohdummheit aus.

Es handelt sich um eine bewußte Formulierung. Das gilt sowohl für die Verniedlichung des Holocaust und der vorhergegangen Judenverfolgungen in Köln als auch für das "friedliche Beieinander von Protestanten, Katholiken und Semiten". (Das friedliche Beieinander von Protestanten und Katholiken wurde übrigens bei einem kurzem Zwischenstop der Göttin der Vernunft im Département de la Roer von den französischen Revolutionstruppen erzwungen).

Wer sich allerdings Hoffnung gemacht hat, daß sich das Wahnbild vom Semiten mit den Bombardements durch Briten und Amerikaner gelegt hat, sieht sich getäuscht. Nicht ein Ausrutscher liegt hier vor, sondern Frau Bredehorst hat zielgruppenkompatibel die Erwartungshaltung getroffen.

Es nimmt somit auch nicht wunder, daß nicht Bredehorst im Zentrum linker und islamischer Kritik steht, sondern Ralph Giordano, bei dem keine Keule ausgelassen wird, bis hin zur Morddrohung. Während ihm nur geringe Solidarität bei seinen pointierten Äußerungen zuteil wird.

Wenigstens vom Zentralrat der Ex-Muslime kommt Verständnis und Unterstützung.

Dafür breitet sich der Ratsherr Claus Ludwig in epischer Breite im Querfrontblatt Neue Rheinische Zeitung aus:
Die Absicht der bürgerlichen Islam-Gegner mag sein, eine eigene Anti- Moschee- Front aufzubauen und "pro Köln" die Meinungsführerschaft in Sachen Islamophobie streitig zu machen. Das wird nicht funktionieren. Diejenigen, die sich gegen Muslime aufhetzen lassen, machen die feinen Unterschiede nicht, die Neven DuMont und Giordano machen. Sie werden dadurch nicht zu Befürwortern des Staates Israels oder des jüdischen Lebens in Deutschland.
Wenigstens in Sachen Israel hat sich Ludwig klar positioniert, auch wenn die Hizbollah dann doch lieber die NPD bevorzugt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Wir erinnern an dieser Stelle an die mit bislang 12 Millionen teuerste Moschee Deutschlands in Mannheim. Bei ihrer Eröffnung verkauften "Gläubige" an einem Buchstand Hitlers "Mein Kampf" in türkischer Übersetzung. Das "Gebetshaus" wurde zu einem wesentlichen Teil von der rechtsradikalen Gruppe "Graue Wölfe" finanziert.

Dabei gab es in Köln tatsächlich einmal eine multikulturelle Gesellschaft, allerdings bevor die von Konkurrenzneid besessenen Religionen (Christentum, Islam, Kommunismus und Nationalsozialismus) politisch etwas zu melden hatten:
Götter und Kulte - Religion im Rom des Nordens
Als Provinzhauptstadt war Köln auch ein religiöses Zentrum. Das Wort ara im Namen der Stadt weist auf einen Zentralaltar für Roma - die weibliche Verkörperung Roms - und den vergöttlichten Kaiser Augustus hin. Nach dem Vorbild von Rom - wo auf dem Kapitolshügel der Tempel der höchsten Staatsgötter stand - gab es auch in Köln einen Tempel für die kapitolinische Göttertrias Jupiter, Juno und Minerva. Die Götter entsprechen in der griechischen Mythologie dem Göttervater Zeus, seiner Gemahlin Hera und seiner Tochter Pallas Athene, der Göttin der Weisheit. An der Stelle des römischen Tempels steht heute die Kirche St. Maria im Kapitol. Auch ein Marstempel ist für Köln belegt, in dem das Schwert Caesars aufbewahrt wurde.