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12. November 2008

Von Bush zu Obama (1): Warum hat Barack Obama gewonnen? Eine Wahlanalyse auf fünf Ebenen, Teil 4

Barack Obama hat gewonnen, weil er Charisma hat und weil sein Team einen ausgezeichneten Wahlkampf führte; das war der Inhalt von Teil eins. Er hat gewonnen, weil seine Kandidatur perfekt in den zeitgeschichtlichen Kontext paßte - er war sozusagen der rechte Mann zur rechten Zeit - und weil die Finanzkrise ihn begünstigte. Das war der Inhalt der Teile zwei und drei.

Das sind Erklärungen auf unterschiedlichen Ebenen der Analyse, die einander nicht ausschließen, sondern ergänzen. Im jetzigen, abschließenden Teil befasse ich mich mit einer Ebene der Analyse, die diese bisherigen überwölbt und die am weitesten von den aktuellen politischen Vorgängen entfernt ist: Der kulturellen.



5. Die kulturelle Ebene. Es gibt Begriffe, die man fast nur in ihrer übertragenen Bedeutung kennt. Dazu gehört der "Schmelztiegel". Was genau ein Schmelztiegel in einem Labor ist - falls es denn dergleichen noch gibt - , weiß ich bis heute nicht; aber daß Amerika ein Schmelztiegel ist, ein Melting Pot, das lernt man in der Schule. Es ist sozusagen ein Teil des Allgemeinwissens.

Ein Schmelztiegel sind die USA - so lernte man es -, der aus Einwanderern aus aller Herren Länder binnen zwei, drei Generationen gute, patriotische Amerikaner macht. Bürger, die noch die eine oder andere Eigenheit aus der alten Heimat bewahren mögen - die Deutschamerikaner in Wisconsin trinken noch gern Bier und feiern Deutsche Weihnacht -, die aber doch primär eine amerikanische Identität haben.

Ein amerikanischer Kollege hat mir einmal ein Buch gezeigt, das er dreisprachig gewidmet hatte: Auf Italienisch seiner aus Italien eingewanderten Mutter, auf Dänisch seiner Frau, Tochter dänische Einwanderer - und auf Englisch seinen Kindern.

Die Legierung, die in diesem Schmelztiegel entstand, hatte freilich eine dominierende Kompontente: Die traditionelle amerikanische Kultur der WASPs, der White Anglo- Saxon Protestants. Aus den Reihen dieser weißen Protestanten mit angelsächsischen Vorfahren kam die Elite, kamen fast alle Präsidenten der USA. Ein Jude ist bis heute nicht Präsident geworden. Als der erste Katholik trat im Januar 1961 John F. Kennedy sein Amt an. Und natürlich ist Barack Obama der erste Nichtweiße, der zum Präsidenten gewählt wurde.

Von wem wurde er in dieses Amt gewählt? Nach einer Analyse des National Journal erstens von den Jungen. Je jünger eine Wählergruppe, umso mehr tendierte sie zu Obama. Nur bei den Senioren über 65 Jahren hatte McCain eine Mehrheit.

Zweitens waren es die Nichtweißen, denen Obama seinen Sieg verdankte. Bei den weißen Wählern lag - gemittelt über alle Altersgruppen - John McCain vorn. Obama aber erhielt von allen anderen Gruppen einen sehr hohen Anteil der Stimmen. Von den Schwarzen stimmten 95 Prozent für ihn; und von allen anderen Nichtweißen - Hispanics, Asians, Indianer (Native Americans) - zusammengenommen erhielt er rund doppelt so viele Stimmen wie John McCain.

Ungefähr drei Viertel der US-Bevölkerung sind Weiße. Daß McCain bei ihnen vorn lag, wurde mehr als aufgewogen dadurch, daß bei dem Viertel der Nichtweißen Obama nicht nur führte, sondern ein gewaltiges Übergewicht über McCain hatte.



Man kann es auch anders sehen: Obama wurde gewählt von einer Koalition aus der großen Mehrheit der Nichtweißen und einer starken Minderheit der Weißen, unter denen wiederum die Jungen (und auch die Frauen, bei denen er 13 Prozentpunkte vor McCain lag) den Ausschlag gaben.

Noch anders gesagt: Es war eine Wahl gegen das Amerika der weißen Männer; also just derer, die in der klassischen amerikanischen WASP- Kultur führend gewesen waren. Gegen diese Kultur hat sich eine bunte Koalition durchgesetzt.

Darin spiegelt sich zweierlei:

Erstens die demographische Entwicklung. Durch die starke Einwanderung und aufgrund ihrer hohen Geburtenrate stellen die Hispanics einen wachsenden Anteil an der Bevölkerung. (Auch die indianische Bevölkerung wächst übrigens und ist jetzt mit mehr als vier Millionen kopfstärker als bei der Gründung der USA). In vier Staaten - Californien, Hawaii, New Mexico und Texas — sind die Weißen dadurch zur Minderheit geworden (es gibt dort eine Minority- Majority).

Der zweite, damit einhergehende Aspekt ist die Wandlung des politischen Klimas in den USA im vergangenen halben Jahrhundert. Erst sie schuf die Grundlage dafür, daß auch ein Großteil der weißen Bevölkerung für Obama stimmte.

Ähnlich wie in Deutschland die 68er ihren Langen Marsch durch die Institutionen damit abgeschlossen hatten, daß sie mit ihrem Denken das gesellschaftliche Klima bestimmten, erlebten auch die USA in diesem halben Jahrhundert fast so etwas wie eine Umwertung aller Werte.

An die Stelle des Melting Pot, der die Einwanderer mit unterschiedlichstem kulturellem Hintergrund zu einer Nation mit gemeinsamen Anschauungen und Werten gemacht hatte, trat immer mehr das Modell einer Gesellschaft der Communities; der Gemeinschaften - seien es ethnische, sexuelle, weltanschauliche oder religiöse.

Diversity, Vielfalt, wurde zu einem zunehmend positiv besetzten Begriff. Auf dem diesjährigen Wahlparteitag der Demokraten war durch den Delegiertenschlüssel festgelegt, wie stark die einzelnen Communities vertreten waren; die Delegierten trugen Anstecker, die sie als Vertreter der jeweiligen Gruppe auswiesen. Amerikanische Universitäten werben um Studenten mit dem Argument, daß sie besonders viel für die Diversity täten.

Diese Entwicklung brachte eine konservative Gegenbewegungen hervor, die aus europäischer Perspektive oft als eine Einheit wahrgenommen wurde, die tatsächlich aber sehr vielfältig war und ist; von den intellektuellen konservativen Aufklärern, die das Etikett Neocons bekamen, über das Rural America, das ländliche Amerika, bis zu fundamentalistischen "Wiedergeborenen Christen", die fest glauben, daß die Welt vor 6000 Jahren erschaffen wurde.

Die Präsidentschaftswahlen 2000 und 2004 waren von diesem Gegensatz geprägt. Der fromme Konservative George W. Bush konnte nur deshalb Präsident werden, weil diese konservative Gegenbewegung im Lauf der neunziger Jahre eine Stärke erreicht hatte wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg; der einzige ähnlich konservative republikanische Kandidat, Barry Goldwater, war 1964 von Lyndon B. Johnson mit 61 zu 39 Prozent der Stimmen vernichtend geschlagen worden.

Als sich 2000 Bush und Al Gore gegenüberstanden, waren das wirklich zwei Welten, die aufeinandertrafen - das multiethnische, politisch correkte Amerika der Diversity gegen das konservative Amerika des Melting Pot. Beide Lager waren damals fast genau gleich stark.

Auch jetzt war dies wieder der Gegensatz, der die Konfrontation zwischen John McCain und Barack Obama prägte. Daß jetzt Obama eindrucksvoll gewann, während Gore und Kerry knapp unterlegen waren, mag zu einem kleinen Teil an der demographischen Entwicklung liegen. Eher könnte es ein normales Ausschlagen des Pendels nach links sein, nachdem acht Jahre lang ein konservativer Republikaner regierte.

Entscheidend dürften aber die anderen, eingangs genannten und in den früheren Teilen untersuchten Faktoren gewesen sein, die sich diesem Grund- Gegensatz überlagerten und den Ausschlag für Obama gaben.



Links zu allen vier Teilen dieses Artikels findet man hier. Für Kommentare bitte hier klicken.

9. November 2008

Von Bush zu Obama (1): Warum hat Barack Obama gewonnen? Eine Wahlanalyse auf fünf Ebenen, Teil 3

Am Anfang seiner zweiten Amtszeit im Januar 2005 konnte George W. Bush mit seinen Leistungen zufrieden sein. Die Amerikaner waren es auch; sonst hätten sie ihn ja nicht im Amt bestätigt.

Es ging ihnen wirtschaftlich nicht schlecht. Die terroristische Bedrohung schien gebannt; im Irak ging der Aufbau einer Demokratie voran. Damals hätte, so habe ich im zweiten Teil argumentiert, Barack Obama mit einem Ruf nach Change keine Chance gehabt.

Was ist passiert, daß sich die Stimmung in den USA seither so grundlegend geändert hat? Zum einen gab es eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage; dazu später. Vor allem aber gab es eine Wende im Irak- Krieg, die sich im Lauf des Jahres 2005 entwickelte und die im Anschlag auf die Askari- Moschee von Samarra im Februar 2006 ihr Symbol fand.

Den Aufständischen - El Kaida, bewaffnete Reste des Saddam- Regimes - war es bis dahin nicht gelungen gewesen, den Aufbau des neuen Irak ernsthaft zu gefährden. Jetzt konnten sie es; und die perfide Strategie (der El- Kaida- Führer Al Zarkawi hatte sie bereits im Februar 2004 formuliert) bestand darin, einen Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten herbeizubomben. Das schien erfolgreich; jedenfalls sah es ab dem Anschlag auf die Askari- Moschee so aus.



Der Adressat dieser Strategie war die amerikanische Öffentlichkeit. Asymmetrische Kriege können in der Regel von den Aufständischen militärisch nicht gewonnen werden. Ihre Chance für einen Erfolg liegt darin, daß sie in der Öffentlichkeit des Gegners den Eindruck erzeugen, der Krieg sei nicht gewinnbar oder die Kosten eines Siegs seien unverhältnismäßig hoch. Mit dieser Strategie haben die Nordvietnamesen aus einer Situation absoluter militärischer Unterlegenheit heraus den Vietnam- Krieg gewonnen.

Auch im Irak schien diese Strategie im Lauf des Jahres 2006 aufzugehen. Die Invasion stellte sich einem wachsenden Teil der US-Nation als Mißerfolg dar. Man hatte sich einen kurzen Befreiungskrieg vorgestellt; dafür wollte man gern Opfer bringen. Nun schien daraus ein Protracted War, ein sich hinschleppender Krieg mit ungewissem Ausgang zu werden, und die Hoffnung, daß am Ende ein stabiler, demokratischer Irak stehen würde, sank immer mehr. So hatte man nicht gewettet. Dafür wollte man nicht das Geld der Steuerzahler ausgeben und das Leben amerikanischer Soldaten riskieren.

Und nicht nur das: Man war in der Überzeugung in diesen Krieg gezogen, auf der Seite des Rechts zu stehen, gegen einen Diktator und gegen Terroristen. Nun sah man die USA auf der Anklagebank. Im Jahr 2004 waren die Mißhandlungen von Gefangenen im Gefängnis Abu Ghraib bekanntgeworden (einen ausgezeichneten, detaillierten Bericht zu dessen Hintergründen brachte der New Yorker im März dieses Jahres). Die Prozesse gegen die Täter zogen sich das ganze Jahr 2005 hin.

Die Berichte über Guantánamo, die internationale Anprangerung der USA taten ein übriges: Die normalerweise optimistische Grundstimmung in den USA schlug in Pessimismus, ja so etwas wie eine von Selbstzweifeln getragene Depression um.

Zunehmend sah man Bush als den Schuldigen, und bei den Mid Term Elections Ende 2006 wurde er mit einer vernichtenden Wahlniederlage abgestraft. Das war der erste Hinweis auf einen Ruf nach Wandel, der schließlich zur Wahl Obamas führte. Daß der Präsident Ende Januar 2007 den Mut gehabt hatte, entgegen der um sich greifenden pessimistischen, ja defätistischen Stimmung den Surge zu befehlen und daß dieser erfolgreich war, änderte nichts mehr an dieser Grundstimmung.

Vielleicht hätte sie sich noch einmal zugunsten von Bush gedreht, wäre nicht die Verschlechterung der Wirtschaftslage hinzugekommen.



4. Die wirtschaftliche Ebene. Während Bushs erster Amtszeit waren die Wirtschaftsdaten, alles in allem, positiv. Die Inflation war auf dem niedrigen Stand von 2 bis 3 Prozent pro Jahr; zugleich wuchs die Produktivität um jährlich knapp 5 Prozent. Die Zahl der Jobs erhöhte sich bis 2005 um fast fünf Millionen; die Arbeitslosigkeit lag 2005 ungefähr genauso hoch wie bei Bushs Amtsantritt.

Auch im Lauf des Jahres 2006 waren die Daten noch gut, aber eine Abflachung des Wachstums, wenn nicht eine Rezession begann sich anzukündigen. In der Pressemitteilung über einen Bericht der Vereinten Nationen vom 11. Januar 2007 mit dem Titel World Economic Situation and Prospects 2007 heißt es hellsichtig:
The UN report further warns that there is a possibility of a more severe downturn in the global economy should there be a more dramatic fall in US home prices of, say, by 15 per cent. Such a decline, the report says, would not only cut US growth to a pace below 1 per cent in 2007 but would also substantially reduce world economic growth by at least one percentage point. Such a decline in housing prices could provoke a crisis in mortgage markets and set in motion a deflationary adjustment in the global balances, enhancing the risk of a major upheaval in the financial markets.

Des weiteren warnt der Bericht, daß die Möglichkeit eines schwereren Abschwungs in der Weltwirtschaft besteht, wenn es einen dramatischeren Rückgang der Immobilien- Preise in den USA von beispielsweise 15 Prozent gäbe. In dem Bericht heißt es, daß ein solches Abfallen nicht nur das Wachstum in den USA auf unter ein Prozent vermindern, sondern auch das weltweite Wirtschafts- Wachstum um mindestens einen Prozentpunkt reduzieren würde. Ein derartiges Abfallen der Immobilien- Preise könnte eine Krise auf den Hypotheken- Märkten auslösen und eine deflatorische Anpassung der globalen Balance in Gang setzen. Dies würde das Risiko eine erheblichen Umbruchs in den Finanzmärkten vergrößern.
Verfolgte man die amerikanische Presse im Lauf des Jahres 2007 dann war zu sehen, wie die Angst vor einem Abschwung sich allmählich ausbreitete. Daß es zu einem Fast- Zusammenbruch der Finanzmärkte kommen würde, erwartete kaum jemand. Aber das Gespenst einer Rezession ging um.



Wenn das Thema "Wirtschaft" in den Vordergrund der politischen Diskussion tritt, dann nützt das eigentlich in den USA eher den Republikanern als den Demokraten; so wie auch bei uns die CDU bei diesem Thema als kompetenter gilt als die SPD. In beiden Ländern wählt man eher konservativ, wenn es wirtschaftlich aufwärts gehen soll, und eher links, wenn man meint, jetzt sollten die Früchte eines Aufschwungs verteilt werden.

Von Verteilen konnte nun allerdings in der Krise, die sich 2007 in der US-Wirtschaft vorbereitete und die in den vergangenen Monaten so dramatisch ausbrach, keine Rede sein. Trotzdem hat Barack Obama seine Wahl wesentlich dem Thema "Wirtschaft" zu verdanken. Nicht weniger als 62 Prozent der Befragten nannten am Wahltag die Wirtschaft als das für sie wichtigste Thema; erst an zweiter Stelle lag der Irak mit nur 10 Prozent.

Daß Barack Obama beim Thema "Wirtschaft" führt, hat sich erst in den letzten drei Monaten entwickelt. Noch Anfang August lagen McCain und er bei diesem Thema gleichauf; bei den Themen Steuern, Handels- Abkommen und Staats- Haushalt lag McCain sogar vorn. Das war vor dem vollen Ausbrechen der Finanzkrise.

Seither hat das Thema "Wirtschaft" für viele Amerikaner eine neue Bedeutung bekommen. Es geht ihnen nicht mehr darum, wer am besten die Wirtschaft ankurbelt, wessen Politik zum größten Zuwachs an Produktivität führt. Sondern sie haben denjenigen gewählt, von dem sie erwarteten, daß er sie besser schützen würde, wenn es ganz dick kommt. Daß er sie davor bewahren würde, ihr Haus zu verlieren und ohne Gesundheitsversicherung dastehen.

Anders gesagt: Das Thema "Wirtschaft" wurde für diese Amerikaner, die sich durch die Finanzkrise in ihrer Existenz bedroht sehen, im Grunde zum Thema "Soziale Sicherheit". Zu einem linken Thema also. Deshalb wählten sie Obama.

Welche kritische Rolle für den Sieg Obamas dieses Thema hatte, zeigen nicht nur die Umfragedaten über die wahltentscheidenden Themen, sondern es wird auch im Verlauf der Umfragewerte für die Kandidaten deutlich: Bis Ende September lagen sie nah beieinander; zeitweise war in der ersten Hälfte des September sogar McCain vorn. Die Schere begann sich erst mit dem vollen Ausbruch der Finanzkrise immer weiter zu öffnen.

Daß Obamas Sieg so deutlich ausfiel, dürfte also wesentlich dem Thema Wirtschaft zuzuschreiben sein.

Dabei war Obama ursprünglich keineswegs der ideale demokratische Kandidat für dieses Thema gewesen. Die Kandidatin des Kleinen Mannes war Hillary Clinton. Am meisten die soziale Trommel gerührt hatte von den drei Kandidaten der Demokraten, die zum Schluß noch übrig geblieben waren, John Edwards. Obama hatte nicht auf dieses Thema gesetzt; er galt geradezu als jemand, der bei den Kleinen Leuten Schwierigkeiten haben würde. Zu elitär, zu wenig vertraut mit dem, was der Mann auf der Straße denkt, welche Sorgen er hat.

Obamas thematische Stärke waren nicht die sozusagen altmodischen Themen Wirtschaft und Soziale Sicherheit gewesen, sondern die Erneuerung der Nation. Change, das bedeutete einerseits: "Schluß mit 'Washington', mit Bush und den Neocons". Andererseits und vor allem aber bedeutete es für viele Wähler Obamas, daß ein neues Denken Einzug in die Politik halten sollte.

Heute hat in CNN Larry King den Alt- Bürgerrechtler Senator Jesse Jackson gefragt, ob die Wahl Barack Obamas für ihn eine friedliche Revolution sei. Ja, gewiß, hat Jackson geantwortet.

Es war eine Revolution, aber keine soziale, sondern eine Kulturrevolution. Es war eine Revolution der Jugend, eine Revolution von Minderheiten. Mit dieser kulturellen Ebene des Erfolgs von Barack Obama befaßt sich der folgende, letzte Teil.

(Fortsetzung folgt)



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7. November 2008

Von Bush zu Obama (1): Warum hat Barack Obama gewonnen? Eine Wahlanalyse auf fünf Ebenen, Teil 2

Die beiden Faktoren, mit denen sich der erste Teil befaßte, lagen auf der persönlichen Ebene und auf derjenigen der Wahlkampf- Taktik: Obama begeisterte von Anfang an durch sein charismatisches Auftreten, und sein Team führte einen nahezu fehlerlosen Wahlkampf.

Dieser Wahlkampf war nicht nur fehlerfrei in dem Sinn, daß dem Team und daß Obama selbst kein größerer Schnitzer unterlief. Sondern er war vor allem deshalb erfolgreich, weil er auf die richtigen Themen setzte: Den Wandel ("Change will come"), die Versöhnung der politischen Gegensätze ("No Red States, no Blue States, only the United States") und auf das immer wiederkehrende "Yes we can".

Alle drei Parolen waren im Grunde abgeschmackt, unoriginell, altbacken.

Als Johannes Rau seinen Wahlkampf 1987 mit dem Thema "Versöhnen statt spalten" bestritt, wurde ihm das nicht nur von den Kommentatoren als populistisch angekreidet, sondern er verlor auch mit Pauken und Trompeten. Anfangs des Wahlkampfs von Barack Obama nannte im Januar Dennis Prager Obamas Versöhnungs- Gerede angesichts der realen Gegensätze "kindisch" (childish).

Ebenso mit dem zweiten Thema: Den Wandel verspricht jeder Provinz- Wahlkämpfer, der Bürgermeister oder Landrat werden will. Gerade ist in Hessen Andrea Ypsilanti mit ihrem Plan eines "Politikwechsels" gescheitert. Helmut Kohl führte den Wahlkampf 1980 mit dem Versprechen einer "geistig- moralischen Wende". Als die Grünen auf der bundespolitischen Bühne erschienen, verkündeten sie großspurig ein "anderes Politik- Verständnis".

Sowohl das Thema des Versöhnens als auch das des Wandels, der Wende gehören zum Standard- Repertoire unzähliger Wahlkämpfe. Und das Motivieren der Wähler durch das Versprechen, gemeinsam werde man es schaffen, tut das ohnehin. Wie konnte es geschehen, daß Obama mit diesen Uralt- Parolen einen derartigen Erfolg hatte?

Weil sie - so meine These - genau in die Zeit paßten; weil sie die in den USA vorherrschende Stimmung exakt trafen. Damit bin ich bei der dritten Ebene der Analyse.



3. Die zeitgeschichtliche Ebene. Die Bezeichnung ist nicht optimal, aber ich habe keine bessere gefunden. Was ich meine, das ist die innen- und außenpolitische Entwicklung, die die USA in den vergangenen Jahren, auch den vergangenen Jahrzehnten, genommen haben und die Stimmung in der Bevölkerung, in der diese Entwicklung heute ihren Niederschlag findet. Deshalb zunächst ein kurzer Blick zurück.

Die ersten Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkriege waren - so las man es damals nicht selten - ein "Amerikanisches Zeitalter" gewesen. Das endete abrupt mit dem Mord an Kennedy, mit dem Vietnam- Krieg und der inneren Krise der siebziger Jahre; der Zeit der gar nicht großen Präsidenten Richard Nixon, Gerald Ford und Jimmy Carter. Parallel dazu verloren die USA außenpolitisch an Einfluß.

Als im Jahr 1979, gegen Ende der Amtszeit Jimmy Carters, iranische "Studenten" die US- Botschaft in Teheran besetzten, Botschaftsangehörige dort mehr als ein Jahr lang festhielten und der Versuch einer militärischen Befreiung dann auch noch kläglich in einem Sandsturm scheiterte, hatte dieser Niedergang sein Symbol gefunden.

Beendet wurde diese mehr als zehnjährige Krise mit der Regierungszeit Ronald Reagans, in den achtziger Jahren. Auf den Niedergang in den Siebzigern folgte eine Zeit des Wiederaufstiegs der USA; in gewisser Weise ein neues Amerikanisches Zeitalter.

Die Grundlage dafür schuf Reagans neoliberale Wirtschaftspolitik und seine außenpolitische Festigkeit; der Aufstieg dauerte unter seinen Nachfolgern George Bush sen. und Bill Clinton an. Als George W. Bush im Herbst 2000 zu Clintons Nachfolger gewählt wurde, waren die USA die einzige verbliebene Supermacht; wirtschaftlich, militärisch und auch in ihrem Ansehen unangefochten.

Unangefochten, noch. So könnte man im Rückblick sagen. Denn während der guten, der erfolgreichen Reagan-, Bush- und Clinton- Jahre zogen sich sozusagen die Gewitter über den USA zusammen.

Im Inneren veränderte sich die Gesellschaft in einem nie gekannten Tempo. Dazu mehr in in einem späteren Abschnitt.

Aber auch die Welt rund um die USA veränderte sich. Die USA waren (und sind) von der Globalisierung mindestens so stark betroffen wie Europa. Chinesische Waren strömten ins Land, die klassischen Industrien waren immer mehr dieser Konkurrenz ausgesetzt; zusätzlich wuchs die Auslagerung von Produktions- Stätten, das Outsourcing. Auch dem amerikanischen Sozialstaat drohte der Kollaps; wie bei uns unter anderem wegen der demographischen Entwicklung.

In dieser Lage kam George W. Bush 2000 an die Macht. Er wollte eigentlich ein innenpolitischer Präsident werden; Reformen des Schulwesens ("No child left behind"), der Gesundheitspolitik (Medicare), Steuersenkungen und die Reform des Rentensystems hatten auf seinem Programm gestanden. Das sollte einerseits die USA fit für die Globalisierung machen und andererseits deren negative Auswirkungen dämpfen.

Zugleich strebte Bush eine konservative Erneuerung der Gesellschaft an; zu seinen ersten Gesetzesvorlagen gehörten beispielsweise erweiterte Zuschüsse an religiöse Wohlfahrts- Einrichtungen. Ein anderes Lieblingsprojekt Bushs war die Senkung der Zahl von Teenager- Schwangerschaften.

Die meisten dieser Vorhaben hat Bush mehr oder weniger erfolgreich im Lauf seiner acht Jahre im Amt realisiert. Seine innenpolitische Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Das alles aber wurde weitgehend überlagert durch den Terrorangriff am 11. September 2001. Er war es, der Bushs Außenpolitik wie auch seiner Innenpolitik eine neue Richtung gab und der eine zentrale Ursache für die heutige Situation ist, in der Obama mit seinen Parolen vom Wandel und von der Einigkeit so erfolgreich sein konnte.



Der Terrorangriff am 11. September und die Art, wie er darauf reagierte, hat Präsident Bush zunächst zu großer Popularität verholfen. Nach der Amtsübernahme hatte er zwischen 50 und 65 Prozent Zustimmung bekommen. Im September 2001 schnellte der Wert auf über 90 Prozent hoch. Am 8./9. Oktober 2001 erreichte Buch mit 92 Prozent den höchsten Zustimmungs- Wert, der seit Beginn dieser Erhebungen unter Franklin D. Roosevelt jemals gemessen wurde. Die Zustimmung fiel dann langsam auf normalere Werte ab, lag aber im Februar 2003, vor dem Beginn des Irak- Kriegs, immer noch höher als vor dem 11. September.

Der Entschluß Bushs, diesen Krieg zu führen, brachte seine Popularität noch einmal auf ein zweites Hoch; vom März bis zum Juni 2003 waren rund 70 Prozent der Amerikaner mit seiner Amtsführung einverstanden. Der Wert sank dann wieder langsam, lag aber im Dezember 2003, nachdem Saddam Husseein gefaßt worden war, noch einmal bei über 60 Prozent. Danach stabilisierte er sich bei 50 Prozent; bei diesem Wert blieb es bis Mitte 2005.

Bis dahin war George W. Bush ein durchaus erfolgreicher Präsident. Die amerikanische Nation war weitgehend mit sich selbst im Reinen: Man hatte auf den Angriff vom 11. September so reagiert, wie es nun einmal hatte sein müssen. Der Lohn war, daß es danach nicht noch einmal einen Angriff dieses Kalibers gegeben hatte. Man war dabei, im Irak eine leidliche Demokratie entstehen zu lassen; das würde den ganzen Nahen Osten dem Frieden und einer stabilen Ordnung ein großes Stück näher bringen.

Wäre Präsident Bush im Sommer 2005 etwas zugestoßen - er wäre nicht als ein ganz großer, aber doch ein passabler Präsident in die Geschichte eingegangen, der in einer schwierigen Situation die Sicherheit der Nation gewährleistet hatte. Dafür - und für eine im Ganzen erfolgreiche Wirtschaftspolitik - hatte ihn ein halbes Jahr zuvor eine Mehrheit der Amerikaner für eine zweite Amtszeit gewählt.

Stellen wir uns einmal den - in der US-Verfassung nicht vorgesehenen - Fall vor, daß es nach einem Ausfall Bushs im Jahr 2005 die Neuwahl eines Präsidenten gegeben hätte.

Dann wären Barack Obamas Parolen vom Wandel und vom Heilen der Gegensätze auf wenig Resonanz gestoßen, ja auf achselzuckendes Unverständnis. Warum wechseln; es lief doch alles gar nicht so schlecht? Welche Gegensätze heilen? Die Wähler hatten sich ja gerade erst deutlich für Bush entschieden; und Kerry hatte überdies auch keine großen Änderungen versprochen.

Barack Obama wäre damals vermutlich noch nicht einmal von seiner Partei nominiert worden; so wenig, wie auf der anderen Seite der Maverick McCain. Man hätte sich als Kandidaten für die Nachfolge jemanden ausgesucht, der im großen und ganzen auf Bushs Linie gewesen wäre; vielleicht Condoleezza Rice auf der einen und Joe Lieberman auf der anderen Seite.

Was ist in den gut drei Jahren seither passiert, was hat die politische Landschaft der USA so verändert, daß so viele Amerikaner einen Wandel wollten, so viele jetzt empfänglich waren für die Versprechungen eines Heilers, der alle Gegensätze im Volk überwinden, der alles ändern will?

Die Antwort liegt, wie ich meine, weniger in irgendeinem politischen Detail, sondern in der Selbstwahrnehmung, dem Selbstbild der Amerikaner. Es hatte sich in diesen drei Jahren so etwas wie eine kollektive Depression eingestellt; und da kam der Doktor Eisenbarth Barack Obama gerade recht als Therapeut.

(Fortsetzung folgt)



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6. November 2008

Von Bush zu Obama (1): Warum hat Barack Obama gewonnen? Eine Wahlanalyse auf fünf Ebenen, Teil 1

Die Wahlen sind exakt so ausgegangen, wie das aufgrund einer Analyse der Umfragedaten zu erwarten gewesen war.

Diese sagten am 1. November für Obama 50 bis 53 Prozent vorher; für McCain 44 bis 47 Prozent. Das bedeutete für Obama bei den Wahlmännern eine komfortable Mehrheit von 350 Stimmen.

Als eigene Prognose hatte ich mich am 1. November auf 51,5 Prozent für Obama und 46 Prozent für McCain festgelegt. In dieser Prognose war impliziert, daß 2,5 Prozent der Stimmen an andere Kandidaten gehen würden. Betrachtet man nur Obama und McCain, so entsprach meine Vorhersage einem Stimmenverhältnis von 53 : 47.

Die Auszählung ist noch nicht ganz abgeschlossen. In dem Augenblick, in dem ich dies schreibe, lauten die fortlaufend aktualisierten Werte bei der New York Times: Obama 63.861.092 Stimmen; McCain 56.378.757 Stimmen. Das entspricht einem Stimmenverhältnis von 53 : 47.

Bei den Wahlmännern sagt die gegenwärtige Auszählung 349 Stimmen für Obama vorher. Es werden wahrscheinlich 364 werden, denn in einem der beiden noch offenen Staaten, in North Carolina, liegt Obama vorn.

Eine so genaue Prognose ist weder Zufall noch Hexerei. Bei den Präsidentschafts- Wahlen in Frankreich im Frühjahr 2007 war meine Vorhersage ähnlich genau.

Nein, es ist natürlich nicht "meine" Vorhersage. Damals, bei den Wahlen in Frankreich habe ich mir allerdings die Arbeit gemacht, die Daten aller Institute zu verfolgen und selbst zu bewerten. Diesmal haben mir die diversen Polls of Polls diese Mühe erspart; und vor allem habe ich mich auf die ausgezeichneten Analysen von Nate Silver in FiveThirtyEight gestützt.



In der jetzigen Serie "Von Bush zu Obama" wird es bis zur Amtseinführung im Januar Rückblicke auf die acht Amtsjahre Bushs geben; zweitens Analysen dazu, was von Präsident Obama zu erwarten ist.

Als erstes befasse ich mich mit den Faktoren, die zu Obamas Sieg geführt haben. Das ist zugleich eine Zusammenfassung dessen, was in früheren Artikeln zu diesem Thema hier zu lesen war.

Diese Faktoren lassen sich nicht so exakt analysieren wie das Wahlverhalten selbst. Aber man kann doch begründete Vermutungen anstellen; das, was man im Englischen Educated Guesses nennt. Die folgenden Analysen basieren auf dem, was ich an Informationen habe, ohne daß ich die Quellen im einzelnen belege.

Faktoren, die das Wählerverhalten bestimmen, kann man auf unterschiedlichen Ebenen untersuchen; ungefähr so, wie man die Frage "Warum hat 'Das Leben der Anderen' den Oskar bekommen?" beantworten kann: "Weil es ein ausgezeichnet gemachter Film ist" oder "Weil das Thema des Films damals in den USA auf Interesse stieß". Das sind Erklärungen auf verschiedenen Ebenen; die eine schließt die andere nicht aus.

An Obamas Wahlsieg haben, soweit ich sehe, Faktoren auf den folgenden Ebenen eine Rolle gespielt: Der persönlichen; der wahlkampftaktischen; der zeitgeschichtlichen; der wirtschaftlichen; der kulturellen.



1. Die persönliche Ebene. Seit John F. Kennedy haben die USA keinen so charismatischen Politiker mehr erlebt wie Barack Obama. Als ich ihn im Januar die ersten beiden Male bei Auftritten gesehen hatte, war ich beeindruckt:
Fast unwiderstehlich. Ich wüßte keinen deutschen oder französischen Politiker, der so lieb und zugleich so stark wirkt. Um noch eine Etage höher zu greifen als nur zu Kennedy: So ungefähr dürfte Alexander der Große auf seine Mazedonier, dürfte Totila auf seine Ostgoten gewirkt haben. Der geborene Anführer.
Je weiter der Wahlkampf voranschritt, umso mehr habe ich allerdings das Demagogische, das Opportunistische an diesem Stil gesehen und es in einem dreiteiligen Artikel analysiert. Aber erfolgreich war dieses Auftreten; vor allem, weil Obama es anzupassen wußte.

Als der charismatische Erlöser nämlich trat Obama vor allem im Vorwahlkampf gegen die überkontrolliert wirkende Hillary Clinton auf, von der er sich dadurch vorteilhaft abhob. Als er die Nominierung erlangt hatte und nun der sehr viel charmantere, sehr viel menschlicher wirkende John McCain sein Gegner war, wechselte Obama die Art seines Auftretens.

Fortan war er nicht mehr der Prediger, der seine Zuhörer in kollektive Begeisterung versetzte, sondern der zurückhaltende Staatsmann, eine Wandlung, die sich ebenso abrupt wie perfekt vollzog.

In den Debatten mit McCain führte das zu einem erstaunlichen Rollentausch: Der lebenserfahrene Siebziger McCain wirkte heißblütig und aggressiv wie ein Junger, der junge Aufsteiger Obama staatsmännisch- abgeklärt wie ein Elder Statesman. Das kam bei den Amerikanern besser an, zumal in den gefährlichen Zeiten, die sich abzeichneten.

2. Die Ebene der Wahlkampftaktik. Wieweit die Wandlung Obamas vom Prediger zum Staatsmann von ihm selbst ausging und wieweit von den Strategen seines Teams, ist schwer zu entscheiden. Sie war jedenfalls ebenso wirkungsvoll wie fast alles, was in diesem Wahlkampf geschah. Es war einer der perfektesten Wahlkämpfe in der Geschichte der US-Präsidentenwahlen, "a campaign that was, even in the view of many rivals, almost flawless" - ein Wahlkampf, der selbst aus der Sicht vieler Konkurrenten nahezu fehlerfrei war. So stand es gestern in der New York Times.

Dazu gehörte, daß das Team zwei Strategien höchst effizient miteinander verknüpfte: Eine klassische und eine moderne.

Die klassische Strategie war der massive Einsatz von Wahlhelfern, die etwas betrieben, was wir in Deutschland in dieser Form nicht kennen: das Canvassing, das persönliche Bearbeiten der Wähler. Dazu gehört es, daß die Helfer im Bekanntenkreis werben, daß sie bei sich zu Hause Parties organisieren, um für ihren Kandidaten einzutreten. Es gehört aber auch das Ansprechen von Fremden dazu - es werden Klingeln geputzt, es werden Anrufe getätigt und SMS verschickt; am Wahltag wird mobilisiert, was das Zeug hält.

Das alles wurde in den USA schon mit den damaligen Mitteln so gemacht, als Alexis de Tocqueville mit Staunen die "Demokratie in Amerika" beschrieb. Neu aber war, daß Obamas Team das mit einem Internet- Wahlkampf kombinierte, wie die Welt ihn noch nicht gesehen hatte.

Über das Internet kommunizierten die zahllosen Teams von Helfern; über das Internet wurden Informationen und Gerüchte verbreitet. Vor allem aber diente das Internet als eine gigantische Maschine zum Geldsammeln. Hillary Clinton war ständig klamm gewesen; McCain kam eben mit seinen Mitteln zurecht; Obama aber schwamm buchstäblich in Geld.

Diese beiden Momente - das klassische Canvassing und der Internet- Wahlkampf - funktionierten nicht nur für sich bestens, sondern sie erzeugten auch noch einen Synergie- Effekt: Dank des über das Internet gesammelten Geldes konnten die vielen Teams vor Ort finanziert werden, die ihrerseits auf ihren Blogs und Homepages den Wahlkampf im Web unterstützten.

Inhaltlich war Obamas Wahlkampf nahezu inhaltsleer. Von vielen seiner ursprünglichen Positionen rückte er ab. Aber das schadete ihm kaum.

Was blieb, das waren die drei zentralen Themen: Der Wandel (wohin auch immer), die Überbrückung aller Gegensätze (wie auch immer zu erreichen), und das "Yes we can", das so oder so ähnlich jedes Motivations- Seminar begleitet. Und vor allem war es die charismatische Person Barack Obama. The candidate is the message.

Warum kam die zentrale Botschaft "Wandel" so gut an? Wegen der zeitgeschichtlichen Einbettung dieses Wahlkampfs. Dazu mehr im zweiten Teil.

(Fortsetzung folgt)



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4. November 2008

Der 44. Präsident der USA (28): Wie hoch hat Obama gewonnen? Warum hat er gewonnen? Wer hat ihn gewählt?

Spannend ist diese Wahl seit Wochen nicht mehr, wenn man die Spannung darauf bezieht, wer der 44. Präsident der USA werden wird. Daß er Barack Obama heißen wird, ist seit fünf Wochen wahrscheinlich; und heute vor genau vier Wochen habe ich es als so gut wie sicher angesehen. Sicher nämlich, wenn nicht ein ganz unerwartetes Ereignis eingetreten wäre. Es gab kein solches Ereignis.

Um Obamas Sieg geht es also schon lange nicht mehr. Spannend erscheinen mir aber diese drei Fragen:
  • Wem wird Obama seinen Sieg zu verdanken haben? Sind es nur die immer wieder genannten Gruppen der Schwarzen, der Latinos und der Jungen? Wird andererseits McCain wenigstens bei "seinen" Wählern eine Mehrheit erreichen, den weißen Männern?

  • Wie hoch wird Obamas Sieg ausfallen, und wie hoch vor allem der Sieg der Demokraten bei den Wahlen zum Kongreß? (In der deutschen Berichterstattung geht das ja ein wenig unter; auch hier in ZR: Das gesamte Repräsentantenhaus wird gewählt, dazu rund ein Drittel der Senatoren).

  • Warum wird Obama gewinnen? Welches sind die Themen, die für die Wähler wichtig waren, und welche haben sich zugunsten des einen oder des anderen Kandidaten ausgewirkt?
  • Aktuelle Informationen zu diesen drei Fragen werde ich hier geben, während sich die Wahl- Berichterstattung in den USA entwickelt.



    O Uhr:

    1. Die Wahlen sind durch das Thema Wirtschaft entschieden worden. CNN hat soeben Daten seines Exit Poll gezeigt, wonach dieses Thema für 62 Prozent ausschlaggebend gewesen ist. Es folgten Irak mit 10 Prozent und Terrorismus sowie Krankenversicherung mit je 9 Prozent.

    In der ersten Folge der Serie "Der 44. Präsident der USA habe ich dazu am 4. Juni geschrieben:
    McCains Erfolg wird sich daran entscheiden, ob es ihm gelingt, als wirtschaftspolitisch kompetenter wahrgenommen zu werden als Obama. Im Augenblick ist das noch nicht so.
    Es ist zu keinem Zeitpunkt so gewesen. Als McCain nach der Nominierung von Sarah Palin auf einem sehr erfolgreichen Parteitag zeitweilig in Führung lag, war das Thema "Wirtschaft" etwas in den Hintergrund getreten. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise wurde es zum absoluten Thema Nummer eins, und damit stand Obamas Sieg so gut wie fest.

    2. Die Erstwähler haben Obama gewählt. Und zwar (ebenfalls laut CNN; wenn ich es nicht anders angebe, ist meine Quelle CNN) mit der schier unglaublichen Mehrheit von 77 Prozent.



    1 Uhr:

    3. Die ersten Staaten haben ihren Sieger. Noch nicht zu Ende ausgezählten, aber "called" von CNN: Vermont geht an Obama, Kentucky an McCain. Beides keine Überraschungen.

    4. Zwei demographische Überraschungen. Selbst bei denjenigen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Dollar liegt Obama (52 Prozent) vorn. Und bei den evangelikalen Weißen erreicht McCain zwar 72 Prozent; aber trotz Palin sind das weniger als die 78 Prozent, die Bush vor vier Jahren erreichte.

    5. Und noch etwas zur Wirtschaft. 93 Prozent beurteilen die momentane Wirtschaftslage als schlecht oder sehr schlecht. Aber 47 Prozent erwarten für die kommende Zeit eine Verbesserung, nur 23 Prozent eine weitere Verschlechterung. Da ist er wieder, der amerikanische Optimismus.



    2 Uhr:

    6. Zu Erwartendes. MSNBC hat für Kentucky und Vermont die Prognosen von CNN bestätigt. Zwei sichere rote Staaten sind an McCain gegangen (Prognose von CNN): Oklahoma und Tennessee. Acht blaue Staaten sind an Obama gegangen: Massachusetts, Illinois, Connecticut, New Jersey, Maine, Delaware, Maryland und der District of Columbia.

    Zu Maine ist anzumerken, daß Obama drei von vier Elektorenstimmen erhalten hat. Es ist neben Nebraska einer von zwei Staaten, der die Elektoren auf die Kandidatn aufteilt; wieder einmal ein Beispiel dafür, wieviel Freiheit die Bundesstaaten in den USA haben.

    6. Alles paletti für Obama. In den Staaten, in denen ausgezählt wird und bei denen die Ergebnisse noch "too close to call" oder "too early to call" sind, liegt Obama überall gut im Rennen. In Indiana zum Beispiel hat er fast durchweg in den bisher ausgezählten Wahlbezirken besser abgeschnitten als vor vier Jahren Kerry.

    7. Noch kein knapper Staat ist entschieden. Nicht Virginia, nicht Indiana, nicht Florida. Natürlich erst recht nicht die weiter im Westen, die noch gar nicht die Wahllokale geschlossen haben. Über die Höhe des Siegs von Obama ist also bisher noch nichts zu sagen.



    3 Uhr:

    8. Jetzt wird es kritisch für McCain. New Hampshire geht an Obama. McCain hatte es zu gewinnen gehofft. Es ging nicht knapp an Obama, sondern mit fliegenden Fahnen. Sogar bei den Männern hat Obama eine knappe Mehrheit.

    New Hampshire ist ein High-Tech-Staat. Wenn dort Obama bei den Männern eine Mehrheit holt, dann dürfte er einen erheblichen Teil der technischen Intelligenz für sich gewonnen haben.

    Pennsylvania ist ebenfalls laut CNN an Obama gegangen. Ein Staat mit einem hohen Anteil von Arbeitern, der deshalb in den Vorwahlen von Hillary Clinton erobert wurde. McCain hatte sich große Hoffnungen gemacht, diese Hillary- Wähler auf seine Seite zu ziehen.

    Es sieht also so aus, als könnte Obama über die Wählregruppen hinaus, die ihm ohnehin zuneigen, auch bei den weißen Arbeitern und den gut ausgebildeten weißen Männern in technischen Berufen gut abschneiden. Das ist ziemlich vernichtend für McCain.

    9. Die Rasse hat keine Rolle gespielt. Nicht nur keine Spur eines Bradley- Effekts, sondern die Rasse scheint überhaupt keine große Rolle gespielt zu haben. Doppelt so viele Befragte sagen, das Alter wäre für ihre Wahlentscheidung wichtig war, wie sagen, daß die Rasse für sie wichtig war. Und unter denen, die Rasse als wichtiges Thema nennen, haben nahezu genauso viele für Obama gestimmt wie unter den anderen!

    10. Trostpreise für McCain. Er hat Georgia gewonnen. In Virginia und Florida ist es noch knapp.

    11. Obama auf der Siegesstraße. Er hat bereits jetzt 174 Elektorenstimmen von den 270, die er braucht - und der Westen hat noch gar nicht das Auszählen begonnen. Er ist so gut wie gewählt.

    12. Und eben hat Obama auch noch Ohio gewonnen. Noch nie ist ein Republikaner Präsident geworden, ohne Ohio zu gewinnen. Obama hat jetzt bereits 194 Elektoren- Stimmen.



    Das Rennen ist also nicht nur gelaufen, sondern ein Teil der Fragen im Titel dieses Artikels sind auch beantwortet:

    Obama wird einen hohen Sieg einfahren, wenn auch vielleicht keinen Erdrutsch erreichen.

    Er verdankt diesen Erfolg ganz wesentlich dem Thema Wirtschaft.

    Und er hat es geschafft, die Hillary- Wähler auf seine Seite zu ziehen. Was vermutlich mit dem Thema Wirtschaft zusammenhängt, denn von ihm versprechen sich gerade die Arbeiter mehr Hilfe vom Staat, falls sie in Schwierigkeiten kommen.

    Na denn, gute Nacht!



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    Falls Sie heute aufbleiben: Ein paar Tips für die US-Wahlnacht

    Wer die Wahlnacht bei CNN verfolgt, ist dort bestens aufgehoben.
  • Ich empfehle erstens die Beiträge von John King, US-Chefkorrespondent von CNN. Er beherrscht die magische Landkarte perfekt. Man hat den Eindruck, daß er jede County der USA mit allen Details im Kopf hat; aber natürlich ist das eine Benutzerillusion. Er ist nur sehr, sehr schnell darin, neue Informationen aufzunehmen, zu bewerten und das Ergebnis überzeugend und präzise mitzuteilen.

    Auch seine sonstigen Analysen sind vom Feinsten. Welchem Kandidaten er mehr zuneigt, läßt er nicht durchblicken. Für einen heißen Obama- Fan halte ich ihn jedenfalls nicht; dafür ist er zu rational. Er repräsentiert mustergültig den soliden, an den Fakten norientierten, impartial amerikanischen Journalismus. Eine Lieblingsfloskel von ihm ist "Here is why ...": Wenn er etwas behauptet hat, präzisiert er sofort die Gründe und nennt die Details.

  • Zweitens lohnt es sich immer, aufzumerken, wenn Bill Schneider auf dem Bildschirm erscheint. In Deutschland würde er als "Prof. Dr. William Schneider" vorgestellt werden, denn er ist promoviert und hatte verschiedene Professuren inne.

    Aber auch wenn auf dem Bildschirm nur "Bill Schneider" steht, können Sie seinen immer knappen, immer mit einem ironischen Lächeln vorgetragenen Analysen vertrauen. Besser geht es nicht. King ist für die aktuellen Details zuständig, Schneider mehr für The Greater Picture. Auch er läßt keine Präferenz für einen der beiden Kandidaten erkennen.

  • Ganz anders ist das bei den Mitglieder der Runde, des Panel, das von Wolf Blitzer in seinem Situation Room gesteuert wird. Er nennt es gern "The Best Political Team on Television", weil es einen Emmy zuerkannt bekommen hat. Die meisten, die dort zu Wort kommen, stehen mehr oder weniger ausgeprägt der einen oder anderen politischen Seite nahe; zum Beispiel ist Donna Brazile eine glühende Anhängerin Obamas.

    In diesem Panel wird also kontrovers diskutiert; allerdings immer argumentativ, wie das bei CNN üblich ist.

  • Die Auszählungen und Hochrechnungen sind bei CNN im Allgemeinen sehr zuverlässig. Im Hintergrund läuft ständig eine inferenzstatistische Analyse, aufgrund deren für jeden Staat festgelegt wird, wann sich CNN auf einen Sieger festlegt. Das heißt "to call".

    "Too close to call" bedeutet, daß die Daten noch nicht ausreichen, um eine Festlegung vorzunehmen. Das kann auch der Fall sein, obwohl scheinbar der eine oder andere einen sehr großen Vorsprung hat; wenn die vorliegenden Daten nur aus einer bestimmten Region, nur aus Städten o.ä. stammen und deshalb noch nicht repräsentativ sind.

    Seit ich CNN sehe, habe ich es noch nie erlebt, daß dann, wenn es sich für einen "call" entschieden hatte, am Ende ein anderer gewann. Das zeigt, daß man bei CNN in dieser Hinsicht sehr konservativ ist.



  • Obwohl die Umfrageinstitute offiziell keine Daten von Exit Polls publizieren, bevor die Wahllokale geschlossen sind, sickert meist etwas durch.

    Vor vier Jahren gab es sogar im Lauf des Wahltags eine ganze Welle von Gerüchten, daß Kerry vorn liege. Wie sie zustande kamen, wurde nie ganz geklärt. Möglicherweise waren die Stichproben nicht repräsentativ; zum Beispiel könnten die Kerry- Wähler im Schnitt früher am Tag zur Wahl gegangen sein als die Bushs.

    Wenn also heute wieder solche Gerüchte im Umlauf sind - vertrauen Sie ihnen nicht allzu sehr. Obama wird gewinnen. Aber die Exit Polls könnten einen höheren Sieg prognostizieren, als er am Ende des Tages vorliegt. Oder vielmehr der Nacht.



    Und noch etwas zum Fahrplan der Wahlen: Um 1.00 Uhr MEZ schließen die Wahllokale in Virgina und Georgia sowie die meisten Lokale in Florida und New Hampshire.

    Dann wird es schon bald spannend. Wenn McCain Virginia verliert - einen Staat mit viel Militär, meist republikanisch wählend, also eigentlich eine sichere Bank für ihn -, dann wird es sehr schwierig werden. Um überhaupt noch im Rennen zu bleiben, muß er dann mindestens Florida und Ohio gewinnen.

    Bis 2.00 MEZ sollte erkennbar werden, wie es in Virginia aussieht.

    Falls Obama klar vorn ist, können Obama-Fans dann beruhigt ins Bett gehen.

    Und McCain-Fans, die immer noch die Hoffnung nicht aufgegeben haben, werden warten müssen, bis sich das Ergebnis von Florida und Ohio abzeichnet, bevor sie sich zum Trost einen irischen Whiskey genehmigen. Es geht aber auch ein Scotch, denn McCain hat Vorfahren aus beiden Ländern.



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    3. November 2008

    Zitat des Tages: "Wenige Kandidaten wurden mehr bewundert als John McCain". Eine Würdigung des Verlierers

    If the 2008 election were solely about character and experience, Mr. McCain would be winning in a walk. Few Presidential nominees have been better known or more admired. A McCain Presidency would have its surprises, but they would not be from personal vice or political scandal. His courage has been tested far more than most -- both in a personal sense in Vietnam, and in a political sense during the Iraq war.

    (Ginge es in der Wahl 2008 nur um Charakter und Erfahrung, dann würde McCain im Vorbeigehen gewinnen. Wenige, die für die Präsidentschaft nominiert wurden, waren besser bekannt und wurden mehr bewundert. Eine Präsidentschaft McCains würde ihre Überraschungen haben, aber diese hätten ihren Ursprung nicht in persönlichen Untugenden oder politischen Skandalen. Sein Mut hat sich mehr bewährt als der der meisten - sowohl in einem persönlichen Sinn in Vietnam als auch in einem politischen Sinn während des Irakkriegs.)

    Das Wall Street Journal in einem Editorial unter der Überschrift "McCain's Honor"; die Ehre McCains.

    Kommentar: Auch wenn am Ende dieses sehr lesenswerten Kommentars noch einmal davon die Rede ist, was John McCain als Präsident machen würde - er liest sich doch wie die Würdigung eines Verlierers. Eines Mannes, der der bessere Präsident gewesen wäre, es aber nicht werden wird.

    So sehe ich das auch. McCain war schon im vergangenen Dezember mein Favorit, als es noch schien, als hätte er keine Chance, nominiert zu werden. Und am 5. Januar stand hier über einen ersten Erfolg McCains bei einer Vorwahl zu lesen:
    Ich würde jetzt gern der Versuchung nachgeben, daraus eine günstige Prognose für John McCain, meinen eindeutigen persönlichen Favoriten abzuleiten.

    Aber ich fürchte, er wird nicht der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden. (...) Aber ich kann mich irren. Und in diesem Fall würde es mich sehr freuen, wenn ich mich irrte.
    Nun bin ich traurig, daß ich mich nicht geirrt habe.



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    1. November 2008

    Der 44. Präsident der USA (27): Barack Obama wird am Dienstag deutlich gewinnen. In einigen Swing States haben die Wähler bereits entschieden

    Dies ist mein vorletzter Beitrag in der Serie "Der 44. Präsident der USA". Die Wahl ist entschieden. Im letzten Beitrag werde ich mich mit der Auszählung der Stimmen und der Höhe des Siegs von Obama befassen.

    Barack Obama wird am Dienstag, sieht man sich die verschiedenen Zusammenfassungen der Daten aller wichtiger Umfragen (Polls of Polls) an, zwischen 50 und 53 Prozent der Stimmen bekommen, John McCain zwischen 44 und 47 Prozent. Das wird Obama bei den Elektoren eine komfortable Mehrheit geben - ungefähr 350 der 538 werden für ihn stimmen.

    Die Unsicherheit bei den Elektoren ist größer als beim Popular Vote, weil einige Staaten noch auf der Kippe stehen. Daß McCain das Blatt noch wenden kann, ist aber so gut wie ausgeschlossen

    Warum kann man sich trauen, das jetzt schon zu sagen? Erstens, weil es die Werte sind, auf die die Umfragen konvergieren. Zweitens, weil drei, vier Tage vor einer Wahl ein so großer Vorsprung wie derjenige Obamas nur dann noch kippen kann, wenn Außergewöhnliches passiert.

    Und drittens und hauptsächlich, weil viele Wähler längst ihre Stimme abgeben haben und bekannt ist, wen sie gewählt haben.

    Wie vieles, was man in Europa am liebsten vereinheitlichen möchte, ist in den USA auch das Wahlrecht von Staat zu Staat verschieden.

    Die meisten - 34 der 50 - Staaten erlauben Early Voting, das "frühe Wählen". In einigen kann es als Briefwahl stattfinden; verbreiteter aber ist, daß ein Teil der Wahllokale bereits vor dem eigentlichen Wahltermin geöffnet sind. Wer "früh wählen" will, braucht dafür in einigen Staaten eine Entschuldigung; in anderen ist es ein Recht, von dem jeder Wähler Gebrauch machen kann.

    Dieses Early Voting ist in den USA viel weiter verbreitet als bei uns die Briefwahl (die ja eigentlich nur bei Krankheit oder Abwesenheit aus wichtigem Grund erlaubt ist). Es ist so weit verbreitet, daß die frühen Wähler teilweise einen erheblichen Teil der Wählerschaft ausmachen. So viele, daß sie von den Demoskopen gesondert berücksichtigt werden können.



    Warum sind eigentlich die sogenannten "ersten Projektionen" am Wahlabend regelmäßig viel genauer als die letzten Umfragen? Weil sie auf Nachfragen basieren, den sogenannten Exit Polls. Die Institute stellen Interviewer vor ausgewählte Wahllokale und bitten die herauskommenden Wähler, zu sagen, wie sie abgestimmt haben. Am besten macht man das so, daß sie verdeckt ihre Entscheidung in ein Gerät eintippen können oder einen "Wahlzettel" in eine "Urne" werfen.

    Das hat gegenüber den Umfragen vor den Wahlen zwei Vorteile.

    Erstens kann man sehr viel größere Stichproben wählen, weil die Erhebung weniger aufwendig ist als bei den heute üblichen Telefon- Umfragen. Die zu Befragenden laufen ja den Interviewern sozusagen in die Arme.

    Zweitens fragt man nicht nach einer Absicht, sondern nach einem Verhalten. Meinungsänderungen in letzter Minute oder irgendwelche sonstige Diskrepanzen zwischen geäußerter Absicht und tatsächlichem Verhalten (wie der angebliche "Bradley -Effekt) sind also als Fehlerquelle eliminiert.

    In Staaten mit Early Voting kann man nun die frühen Wähler bereits vor dem eigentlichen Wahltermin entweder nach dieser Methode befragen oder aber - was häufiger gemacht wird, weil es billiger ist - bei Telefonumfragen die Frage stellen, ob der Betreffende schon gewählt hat und dann nicht nach seiner Absicht, sondern nach seinem tatsächlichen Verhalten fragen.

    Die Auswertungen solcher Umfragen liegen jetzt vor. Ein Beispiel ist der Bundesstaat Colorada.

    Er ist einer der Swing States, der Staaten mit unsicherem Wahlausgang. 2000 und 2004 gewann George W. Bush bei seinen knappen Siegen Colorado. Diesmal aber hat Barack Obama dort gute Chancen.

    Nein, er hat dort nicht gute Chancen, sondern er hat Colorado gewonnen. In einer Umfrage von PublicPolicyPolling, die gestern publiziert wurde, liegt Obama in Colorado nicht nur mit 54 zu 44 Prozent vorn. Wichtiger ist, daß nicht weniger als 65 Prozent der 2023 Befragten bereits gewählt hatten. Das sind 1315 Personen; mehr, als in vielen anderen Umfragen die gesamte Stichprobe umfaßt. Von ihnen gaben 58 Prozent an, sie hätten Obama gewählt; 41 Prozent nannten McCain.

    Wenn McCain in Colorado noch gewinnen, also mindestens 51 Prozent holen will, dann müßten, wie eine einfache Rechnung zeigt, 69 Prozent derer, die noch nicht zur Wahl gegangen sind, aber wählen wollen, für ihn stimmen. Das ist ausgeschlossen.

    Obama ist also schon jetzt der Wahlsieger in Colorado. Ähnlich sieht es in New Mexico aus, wo Obama bei den Early Voters mit 64 zu 36 Prozent vor McCain liegt. Wie Colorado war auch New Mexico ein Staat, den George W. Bush gewonnen hatte. Auch in den anderen kritischen Staaten - beispielsweise Florida, Ohio und Virginia - liegt Obama deutlich in Führung.



    Gibt es überhaupt noch irgend etwas, was den Wahlsieg Obamas gefährden könnte?

    Könnten sich die Demoskopen nicht irren? Nein. Wenn man hinreichend viele Daten hat und wenn man methodisch sauber arbeitet, dann ist die Demoskopie ebenso zuverlässig wie jeder andere Schluß von Stichproben auf die Grundgesamtheit.

    Jede Umfrage ist fehlerbehaftet, das ist wahr. Das liegt im Wesen eines solchen Schlusses. Aber Dutzende von Stichproben in der Größenordnung von jeweils 1000 bis 2000 Befragten zeigen einhellig einen Vorsprung Obamas; in der Zusammenstellung von PollingReport zum Beispiel alle seit dem 21. bis 25. September. Das sind 57 Umfragen zahlreicher, unabhängig voneinander arbeitender Institute, teils neutral, teils mehr den Republikanern oder mehr den Demokraten zuneigend. Die Wahrscheinlichkeit, daß 57 mal die Werte in den Stichproben massiv und in dieselbe Richtung vom wahren Wert abwichen, ist verschwindend gering.

    Könnte es nicht noch im letzten Moment einen gewaltigen Umschwung geben? Am Ende doch einen Bradley-Effekt, aufgrund dessen sich Wähler, die sich bisher zu Obama bekannt haben, in der Einsamkeit der Wahlkabine für McCain entscheiden? Oder ein massenschaftes Umschwenken zu McCain aufgrund irgendeines Faktors oder einer Kombination von Faktoren?

    Ganz auszuschließen ist ein Umschwung in letzter Minute nicht. Aber diesmal gibt es keine Anzeichen dafür. Die Daten der Early Voters zeigen eine sogar noch stärkere Bevorzugung Obamas als die der vorausgehenden Umfragen.

    Gibt es also am 4. November noch ein Moment der Spannung? Ja. Ob Frau Ypsilanti gewählt wird.



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    25. Oktober 2008

    Zitate des Tages: "Mein persönliches Heil wird nicht kommen, wenn es kein Heil für das Land gibt". Obamas Karriere, Obamas politische Ziele

    People wonder if he is decisive. It is clear he is decisive in terms of his own career: (...) When it comes to his career, his decisions are thought through and his judgments sound.

    But when it comes to decisions that have to do with larger issues, with great questions and not with him, things get murkier. There is the long trail of the missed and "present" votes, the hesitance on big questions.

    One wonders if in the presidency he'll be like the dog that chased the car and caught it: What's he supposed to do now?


    (Die Leute fragen sich, ob er entschlußkräftig ist. Es ist klar, daß er bei seiner eigenen Karriere entschlußkräftig ist: (...) Wenn es um seine Karriere geht, dann sind seine Entscheidungen durchdacht und sind seine Urteile vernünftig.

    Aber wenn es um Entscheidungen geht, die mit weiterreichenden Themen zu tun haben, mit großen Fragen und nicht mit ihm selbst, dann wird es verschwommener. Da gibt es die lange Spur der Abstimmungen, die er versäumt oder bei denen er sich enthalten hat, die Zögerlichkeit bei großen Fragen.

    Man fragt sich, ob er als Präsident wie der Hund sein wird, der hinter dem Auto herjagte und es einholte: Was soll er jetzt damit tun?)

    Peggy Noonan im Wall Street Journal vom 24. Oktober 2008 über Barack Obama.

    I talk a lot in the book about my attempts to renew the dream that both of my parents had. I worked as a community organizer in Chicago, [and] was very active in low- income neighborhoods working on issues of crime and education and employment, and seeing that in some ways certain portions of the African- American community are doing as bad, if not worse, and recognizing that my fate remained tied up with their fates. That my individual salvation is not going to come about without a collective salvation for the country.

    (Ich spreche in dem Buch viel über meine Versuche, den Traum zu erneuern, den meine Eltern beide hatten. Ich arbeitete als Gemeinde- Organisator in Chicago [und] war in Wohngegenden mit niedrigem Einkommen sehr aktiv. Ich befaßte mich mit Themen wie Verbrechen und Ausbildung und Arbeitsstellen. Und ich sah, daß es in mancher Hinsicht bestimmten Teilen der afro- amerikanischen Gemeinschaft genauso schlecht ging, wenn nicht schlechter, und daß mein Schicksal mit ihren Schicksalen verbunden bleiben würde. Daß mein persönliches Heil nicht kommen wird, wenn es kein kollektives Heil für das Land gibt.)

    Barack Obama am 8. September 1995 in einem jetzt bekannt gewordenen Interview mit Eye on Books über sein damaliges Buch "My Father's Dream", das seit gestern im Internet diskutiert wird.

    Kommentar: Der letzte Satz ist derjenige, der jetzt im Internet am häufigsten zitiert wird. "Salvation" kann man verschieden übersetzen, und ich bin unsicher, was hier die beste Übersetzung ist. "Heil" ist am nächstliegenden; die Heilsarmee heißt englisch Salvation Army. Man kann salvation aber auch mit "Errettung", "Erlösung", "Rettung", sogar mit "Seelenheil" übersetzen.

    Wie auch immer Obama diesen Satz gemeint hat - mir scheint, daß hier der Schlüssel zu dem liegen könnte, worüber sich Peggy Noonan wundert.

    Für Obama, so kann man diesen Satz verstehen, ist sein eigenes zentrales biographisches Thema - die Zugehörigkeit zur schwarzen ebenso wie zur weißen Kultur - zugleich das Thema der USA. So, wie er diesen Konflikt in sich zu bewältigen versucht, so will er heal this Nation, "unsere Nation heilen". Ja, er will repair this world, make this time different than all the rest - "diese Welt wieder heil machen, unsere Zeit zu einer wie keine andere machen".



    Seit ich die ersten Auftritte Obamas in der Pose des Erlösers sah, habe ich mich immer wieder gefragt, ob das alles nur die Show eines begnadeten Schauspielers ist, oder ob der Mann es ernst meint damit, daß er der Erlöser ist. Nach der Lektüre des Interviews von 1995 halte ich es für möglich, daß er es ernst meint.

    Den Widerspruch, auf den Peggy Noonan aufmerksam macht, würde er dann wahrscheinlich gar nicht erkennen können. Ja, er hat alle seine Anstrengungen der eigenen Karriere gewidmet. Aber wenn jemand überzeugt ist, daß er dem Land das Heil bringt, indem er sein eigenes Heil verwirklicht - wie ist das dann überhaupt von der Arbeit für das Land zu trennen?

    Es könnte sein, daß es so ist. Alternativ könnte es sein, daß alles dieses Gerede von Heilen und Erlösung, daß die kollektive Verzückung, in die Obama sein Publikum während des Vorwahlkampfs versetzt hat, nichts als eine Strategie gewesen sind, um gegen die kühl- intellektuelle Hillary Clinton die Primaries zu gewinnen.

    Obama wäre dann zwar ein in der Tat ein politischer Schauspieler, aber wenigstens kein Erretter. Die entschieden sympathischere Alternative.



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    24. Oktober 2008

    Der 44. Präsident der USA (25): Scheitert Obamas Wahlsieg an verdecktem Rassismus? (Teil 2)

    Im ersten Teil habe ich eine Vermutung zu den US-Wahlen beschrieben, die auch in Deutschland diskutiert wird: Auch wenn Barack Obama in den Umfragen vorn liegt, können doch die Wahlen ganz anders ausgehen.

    Denn es gibt, so wird befürchtet, einen verdeckten Rassismus. In Umfragen geben Befragte nicht zu, daß sie aus rassistischen Vorurteilen Obama ablehnen; aber ihr Wahlverhalten zeigt dies.

    Als Beleg für diese Vermutung wird der "Bradley-Effekt" angeführt. Ein schwarzer Kandidat, der Demokrat Tom Bradley, soll 1982 entgegen den Vorhersagen der Demoskopen wegen eines solchen verdeckten Rassismus die Wahl zum Gouverneur verloren haben.

    In der FAZ hat gestern Stefan Tomik beschrieben, wie es damals tatsächlich in Californien gewesen ist:
    Der schwarze Demokrat Tom Bradley kandidierte 1982 für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien. Eine Umfrage des Meinungsforschers Mervin Field und seines Instituts sah Bradley sieben Prozentpunkte vorn, doch die Wahlparty wurde zu früh gefeiert. Bradley unterlag dem weißen Republikaner George Deukmejian mit nicht einmal hunderttausend Stimmen. (...)

    Andere Beteiligte wundert der Ausgang der Wahl von 1982 weit weniger. Lance Tarrance, damals Meinungsforscher in Deukmejians Wahlkampfteam, verfügte selbst noch über andere Umfrageergebnisse. Demnach war Bradleys Vorsprung in der Woche vor der Wahl stark geschrumpft und betrug nur noch einen Prozentpunkt. Wegen der Fehlertoleranz war es unmöglich, daraus eine Vorhersage abzuleiten.
    Dafür, daß die Wähler in der Kabine anders abstimmten, als die Umfragen vorhergesagt hatten, gibt es, wie Tomik schreibt, darüber hinaus Gründe, die nichts mit Rasse zu tun haben. Field nannte sie selbst in seiner nachträglichen Wahlanalyse:

    Zugleich mit der Wahl wurde über eine Verschärfung der Waffenkontrolle abgestimmt, für die Bradley sich ausgesprochen hatte. Dieses Gesetz wurde mit 63 zu 37 Prozent abgeschmettert, was sich auch auf die Stimmen für Bradley ausgewirkt haben dürfte.

    Die Auseinandersetzung über dieses Gesetz hatte überproportional viele Wähler der Republikaner mobilisiert, was für sich genommen bereits die Diskrepanz zwischen Umfragedaten und Wahlergebnis erklären könnte.

    Trotzdem hatte Bradley am Wahltag sogar eine Mehrheit erhalten. Daß er verlor, lag allein an ungewöhnlich vielen Briefwählern, die in Umfragen nicht adäquat berücksichtigt werden können.

    Und schließlich hatte Fields, wie er in seiner Analyse schrieb, mit einem höheren Anteil nichtweißer Wähler gerechnet. Er war von 20 Prozent augegangen, aber nur 15 Prozent waren es an der Wahlurne. Allein diese Abweichung reichte nach den Berechnungen von Fields aus, um zu erklären, warum Bradley nicht, wie vorhergesagt, gewonnen hatte.

    Das also schrieb der Demoskop Fields. Als einen weiteren möglichen Faktor erwähnte er das, was dann später "Bradley-Effekt" genannt wurde. Der erste, der dies als einen "Effekt" postuliert hat, dürfte 1983 der Professor für Afro- Amerikanische Studien in Berkeley Charles Henry gewesen sein.

    Irgendwelche Belege oder nur Indizien dafür, daß Bradleys Niederlage tatächlich mit verdecktem Rassismus zu tun hatte, gibt es nicht. Der von Tomik erwähnte Lance Tarrance, der selbst bei den californischen Gouverneurswahlen 1982 als Demoskop tätig gewesen war, hat sich vor einer Woche zu der Aufregung über einen angeblichen "Bradley- Effekt" so geäußert:
    Now that polls indicate Senator Barack Obama is the favorite to win, some analysts predict a racially biased "Bradley Effect" could prevent Obama from winning a majority on November 4th. That is a pernicious canard and is unworthy of 21st century political narratives. (...)

    ... to interject this type of speculation into the 2008 presidential election is not only folly, but insulting to the political maturity of our nation's voters. To allow this theory to continue to persist anymore than 25 years is to damage our democracy, no matter who wins.

    Jetzt, wo die Umfragen darauf hindeuten, daß Senator Barack der Favorit für den Sieg ist, sagen manche Analytiker vorher, daß ein rassistischer "Bradley- Effekt" verhindern könnte, daß Obama am 4. November eine Mehrheit erhält. Das ist eine üble Ente und des politischen Diskurses im 21. Jahrhundert nicht würdig. (...)

    ... Spekulation dieser Art in die Wahl des Präsidenten 2008 hineinzutragen, ist nicht nur ein Wahnwitz, sondern eine Beleidigung der politischen Reife der Wähler unserer Nation. Diese Theorie auch über 25 Jahre hinaus immer noch weiterbestehen zu lassen, fügt unserer Demokratie Schaden zu, unabhängig davon, wer gewinnt.



    Warum aber läßt man diese schwachbrüstige alte Ente jetzt wieder herumwatscheln? Mir erscheint eine Erklärung wahrscheinlich, die ich freilich nicht als richtig nachweisen kann:

    Obama sieht sich einem Problem gegenüber, das - anders als das Pseudoproblem "Rassismus" - seinen Sieg wirklich gefährden könnte: Poor voter turnout. Eine schlechte Beteiligung seiner potentiellen Wähler am 4. November, wie man sie häufig sieht, wenn ein Kandidat als Sieger festzustehen scheint.

    Deshalb ist es jetzt ein vorrangiges Ziel des Obama- Teams, die eigenen Wähler zu mobilisieren.

    Weniger als zwei Wochen vor einer Wahl haben sich die meisten Wähler entschieden, wen sie favorisieren. Aber für viele ist noch offen, ob sie wirklich die Mühe auf sich nehmen, auch zur Wahl zu gehen. Das ist bei jeder Wahl so; deshalb ist die letzte Phase jedes Wahlkampfs vor allem der Mobilisierung gewidmet. Wenn jemand so deutlich führt wie jetzt Obama, ist das aber besonders wichtig.

    Der Rassismus-Vorwurf eignet sich in doppelter Weise dazu, Obama- Wähler zu mobilisieren: Erstens erzeugt er den Eindruck, das Rennen könne doch noch knapp werden. Zweitens ist dies ein Thema, das schon für sich genommen die schwarzen und die Latino- Wähler mobilisiert; desgleichen die vielen Weißen, denen Antirassismus am Herzen liegt.

    Und McCain? Dessen Team ist in der Defensive. Und auch für den Underdog kann es nur gut sein, den Eindruck zu befördern, es sei doch noch alles offen. Kein Wunder also, daß auch Konservative wie Jim Garaghty vom "National Review" der Idee freundlich gegenüberstehen, es könne einen Bradley- Effekt geben.

    Beide Kandidaten haben ein Interesse daran, die Wahl als ein Kopf- an- Kopf- Rennen erscheinen zu lassen. Also watschelt sie wieder, eine Ente namens "Bradley".



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    Der 44. Präsident der USA (25): Scheitert Obamas Wahlsieg an verdecktem Rassismus? (Teil 1)

    Seit drei Wochen haben sich in den Umfragen die Daten in ihrer Tendenz nicht mehr verändert. Alles deutet darauf hin, daß Barack Obama der 44. Präsident der USA sein wird. Gut möglich, daß es nicht ein knapper Sieg werden wird, wie ihn Bush zweimal geschafft hat, sondern ein Landslide Victory, ein Erdrutsch- Sieg.

    In den Daily Trackings der großen Institute - täglichen Befragungen, deren Ergebnisse zu gleitenden Mittelwerten zusamengefaßt werden - sieht es im Augenblick so aus:

    Reuters / C-SPAN / Zogby (22. Oktober): Obama 52, McCain 40. Diageo / Hotline (21. Oktober): Obama 47, McCain 42. Daily Kos (21. Oktober): Obama 51, McCain 41. Gallup: (21. Oktober): Obama 52, McCain 44. ABC / Washington Post (18. - 21. Oktober): Obama 54, McCain 43.

    Der Poll of Polls (die Zusammenfassung aller Umfragedaten) von FiveThirtyEight berechnet für Obama 51,8 Prozent, für McCain 46,8 Prozent. Im Wahlmänner- Gremium ergibt das 344 Stimmen für Obama, 194 für McCain. Im Poll of Polls von Pollster ist der Abstand noch größer: Obama 50,5 Prozent, McCain 42,8 Prozent. Die zugehörige Verlaufsgrafik zeigt, wie die Schere sich in den letzten Wochen immer mehr geöffnet hat.

    Alles klar also? Nicht für die Strategen Obamas. Sie zeigen sich in den letzten Wochen ganz im Gegenteil zunehmend besorgt. So besorgt, daß das sogar bis in die deutschen Medien gedrungen ist. Das Zauberwort heißt "Bradley- Effekt".



    Am 9. Oktober schrieb Myriam Chaplain- Riouin in der "Welt" unter der Überschrift "Rassismus - Obamas unsichtbarer Gegner bei der US-Wahl":
    Im Kampf um das Weiße Haus liegt Barack Obama momentan vor seinem Konkurrenten John McCain. Doch wieviel dieser Vorsprung in der Anonymität der Wahlkabine wert ist, wird sich erst am 4. November zeigen. Denn Experten glauben, dass Obamas Hautfarbe den Demokraten Stimmen kosten wird. (...)

    Nur eine kleine Minderheit der US-Bürger würde heutzutage noch offen einräumen, dass die Hautfarbe eines Politikers für sie eine Rolle spielt. Dennoch könnte Obama sein dunkler Teint nach einer aktuellen Umfrage der kalifornischen Stanford Universität bis zu sechs Prozentpunkte kosten – wenn in der Anonymität der Wahlkabine verschwiegene rassistische Vorbehalte zum Tragen kommen. (...)

    In den USA wird dieses Phänomen "Bradley- Effekt" genannt, nach Tom Bradley, dem ehemaligen schwarzen Bürgermeister von Los Angeles. Dieser unterlag 1982 bei den Gouverneurswahlen in Kalifornien, obwohl alle Umfragen ihm einen Sieg prophezeiten.
    Diese Vermutung - Obama liegt in den Umfragen zwar vorn, aber verdeckter Rassismus könnte ihn den Sieg kosten - gibt es in zwei Varianten.

    Die eine sagt, daß unter den Wählern Rassisten sind, die sich nur in den Umfragen nicht als solche zu erkennen geben.

    Die andere Variante geht tiefer, im Wortsinn: Sie behauptet, daß auch Menschen, die der Überzeugung sind, keine Rassisten zu sein, das "im Unterbewußtsein" doch sind.

    Sie geben - so besagt es diese Überlegung - in Umfragen ehrlich an, für Obama stimmen zu wollen. Aber wenn es ernst wird, wenn sie erst einmal in der Wahlkabine sind, dann bringen sie es doch nicht fertig, für einen Schwarzen zu stimmen. Und bemänteln das vor sich selbst mit irgendeinem Grund - weil er zu unerfahren sei, zu weit links; dergleichen. Es gibt sogar einen psychologischen Test, den Implicit Association Test, der diesen "unbewußten Rassismus" angeblich nachweist.



    Das Bemerkenswerte an diesen Überlegungen ist, daß sie ohne jede empirische Basis sind.

    Es gibt schlechterdings keine Daten, die belegen, daß der Verdacht eines verdeckten Rassismus in der einen oder der anderen Version stimmt.

    Im Gegenteil: Analysiert man für die Vorwahlen die jeweils letzten Umfrageergebnisse und die tatsächliche Entscheidung der Wähler, dann unterschätzten die Umfragen Obamas Ergebnis!

    Das hat Nate Silver in FiveThirtyEight gezeigt. Die Differenz lag im Schnitt bei 3,3 Prozent. In den - ja der Annahme nach besonders rassistischen - Südstaaten schnitt Obama sogar um 7,2 Prozentpunkte besser ab, als es die letzten Umfragen vorhergesagt hatten. Es kann also keine Rede davon sein, daß Wähler sich in den Umfragen für Obama ausgesprochen, sich in der Wahlkabine dann aber doch gegen ihn entschieden hätten.

    Wer keine aktuellen Belege hat, der verweist gern auf die Vergangenheit. Und da nun taucht der ominöse Bradley auf. Es wird behauptet, jener Tom Bradley hätte 1982 in Californien in "allen Umfragen" geführt. Dennoch hätten ihn die Californier am Ende nicht gewählt - weil hinreichend viele von ihnen in der Wahlkabine im letzten Augenblick davor zurückschreckten, einen Schwarzen zu wählen.

    Dieser angebliche "Effekt" ist mindestens so fragwürdig wie der Rassimus- Verdacht, den er angeblich belegt. Im zweiten Teil werde ich das im einzelnen zeigen.

    (Fortsetzung folgt)



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    15. Oktober 2008

    Zitat des Tages: Wenn Barack Obama weiß wäre und Barry O'Malley hieße ... Nebst dem Vorschlag, daß Sie einmal Ihren unterbewußten Rassismus testen

    Liberal Democrats have a long tradition of tarring opponents as the monolithic forces of hatred and prejudice while casting themselves as the enlightened proponents of peace, love and decency. And this election shows that tradition is alive and well. (...)

    If Obama were a white Democratic nominee named Barry O'Malley, the GOP would be going after him twice as hard. But many liberals would still caterwaul about fomenting hatred and racism, because that's what they always do.


    (Es gibt bei linken Demokraten eine lange Tradition, ihre Gegner als die monolithischen Mächte des Hasses und des Vorurteils anzuschwärzen, während sie sich selbst in der Rolle der aufgeklärten Vertreter von Frieden, Liebe und Wohlanständigkeit gefallen. Und die jetzigen Wahlen zeigen, daß diese Tradition weiter lebendig ist. (...)

    Wenn Obama ein weißer Kandidat der Demokraten wäre, der Barry O'Malley hieße, dann würde ihn die Republikanische Partei doppelt so hart attackieren. Aber viele Linke würden immer noch fauchen, daß Haß und Rassismus geschürt würden. Weil sie es immer so machen.)

    Der Kolumnist Jonah Goldberg gestern in der Los Angeles Times.

    Kommentar: Der Einfall, Barack Obama in einer kleinen gedanklichen Volte einmal in einen Iren zu verwandeln, ist Lesern dieses Blogs nicht ganz neu.

    Ich finde solche Gedankenexperimente oft hilfreich. (Zum Beispiel jenes, sich probeweise vorzustellen, daß es Rechts- und nicht Linksextreme wären, die etwas tun oder äußern. Daß, sagen wir, kürzlich in Köln nicht eine Veranstaltung von "Pro Köln" von Linksextremisten gewaltsam verhindert wurde, sondern eine Veranstaltung der VVN durch Rechtsextremisten).

    Jonah Goldberg geht es in seiner Kolumne um den Nachweis, daß die jetzigen Vorwürfe des Rassismus, die gegen McCain und sein Team erhoben werden, einem altbekannten Muster folgen.

    Dasselbe Klischee hat bereits 1964 der damalige demokratische Kandidat Lyndon B. Johnson gegen seinen republikanischen Gegner Barry Goldwater benutzt ("Vorurteil, Bigotterie und Haß"); und noch früher, schreibt Goldberg, habe im Wahlkampf 1948 der Demokrat Truman den Republikaner Dewey als eine Art amerikanischen Hitler darzustellen versucht.

    Natürlich ist dieses Thema "Rassismus" auch flugs bei uns in Deutschland aufgegriffen worden, und natürlich von "Spiegel- Online".

    Und zwar in der aparten Variante, daß jemand, der kein bewußter Rassist ist, noch lange nicht exkulpiert sei. Denn, sagt der Sozialpsychologe Philipp Goff, "das Rassenthema spielt sich vor allem im Unterbewusstsein ganz normaler Bürger ab".

    Goff nennt damit ein Thema, das seit Jahren durch die Sozialpsychologie spukt, sogenannte "implizite Einstellungen":

    Jemand hat nichts gegen Schwarze, vielleicht im Gegenteil sogar viel Sympathie für sie. Er nimmt an einem Test teil, in dem seine Reaktionszeiten beim Klassifizieren von Begriffen gemessen werden - und schwupp! ist er des Rassismus überführt. Eines Rassismus, von dem er nichts geahnt hatte. Weil er ja "implizit" ist oder, wie Goff sagt, "im Unterbewußtsein".



    Haben Sie ein wenig Zeit, lieber Leser, und möchten Sie gern einmal einen solchen Test machen?

    Dann gehen Sie bitte auf diese WebSite. Sie finden dort IATs (Implizite Assoziationstests), die von einem Team der Harvard- Universität unter Leitung von Tony Greenwald entwickelt wurden und angeboten werden.

    Wenn Sie wissen wollen, ob Sie implizit rassistisch sind, dann folgen Sie bitte den Anweisungen, bis Sie zur Liste der Tests gelangen, und wählen Sie dann "Rasse".

    Sie meinen, Sie seien nicht rassistisch? Sie werden sich wundern!



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    8. Oktober 2008

    Der 44. Präsident der USA (24): Obama/Palin werden gewinnen (Teil 2)

    Im Augenblick spricht - das war der Inhalt des ersten Teils - alles für einen Sieg Barack Obamas über John McCain.

    Alle Institute sehen Obama seit etlichen Tagen deutlich vorn. Sie unterscheiden sich nur in der Höhe des Vorsprungs; Daily Kos, das allerdings als Freund der Demokraten gilt, hat ihn gestern mit nicht weniger als 11 Prozentpunkten (52 zu 41) gemessen.

    Im gestrigen Poll of Polls von Pollster.com, dem gemittelten Ergebnis aller großen Institute, lag Obama mit 49,8 Prozent mehr als sechs Punkte vor McCain (43,6 Prozent). Auf dieser Verlaufsgrafik können Sie sehen, wie stark sich die Schere in den vergangenen Tagen geöffnet hat.

    Das Rennen scheint gelaufen. Zwar ist es bei früheren Wahlen immer einmal wieder vorgekommen, daß wenige Wochen vor der Wahl des Präsidenten die Stimmung kippte. Aber dieses Ereignis haben wir im Grunde schon hinter uns: Mit dem Offenbarwerden der Finanzkrise kippte die Stimmung zugunsten von Obama.

    Eine erneute so ausgeprägte Wende wäre nach allen bisherigen Erfahrungen nur dann zu erwarten, wenn es zu einem ganz ungewöhnlichen Ereignis käme, das McCain favorisiert.

    Denn zunehmend profitiert Obama jetzt auch von einem Bandwagon Effect wie am Ende seines Vorwahlkampfs gegen Hillary Clinton: Je mehr er wie der Sieger aussieht, umso mehr schwenken Unentschlossene auf seine Seite.

    Sein Sieg ist jetzt ein Selbstläufer: Sozusagen nach dem ersten Newton'schen Gesetz wird er, wenn keine starke Kraft mehr auf das Geschehen einwirkt, seinen Zustand der Bewegung bis zum 4. November beibehalten. Den der Bewegung hinein ins Oval Office, in dem der Schreibtisch des Präsidenten steht.



    Mit ihm wird dann sein Running Mate Joe Biden ins Weiße Haus gelangen. Was also soll das "Obama/Palin" im Titel dieses Artikels?

    Ich halte es für wahrscheinlich, daß Sarah Palin zwar nicht als Siegerin an der Seite von McCain ins Weiße Haus einzieht, daß sie aber neben Obama die große Gewinnerin dieser Wahlen sein wird.

    Sie erschien Ende August auf der Bühne des Wahlkampfs so überraschend, so strahlend, wie in manchen Aufführungen der "Zauberflöte" die "Königin der Nacht" erscheint. Und ein wenig war sie auch die Eliza aus "My Fair Lady" - aus ihrem hinterwäldlerischen Alaska hineinbefördert in die Glitzerwelt Washingtons; hineingebeamt ins Gewitter der Blitzlichter. Der Erbarmungslosigkeit von Medien ausgesetzt, die ihren Ehrgeiz darein setzten, jeden noch so kleinen Versprecher von ihr, jeden Gaffe aufzuspüren und auszuschlachten.

    Sie meinen, ich fände da allzu lyrische Töne? Ich würde die banale Wahl einer Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten zum kulturellen Ereignis verklären?

    Ja, so klingt das ein wenig. Es soll so klingen, weil das, so scheint es mir, die Sache charakterisiert: Sarah Palin hat mit Barack Obama gemeinsam, daß sie Bilder aktiviert, die wir im Kopf haben. Und sie kann das - wie Obama - nicht nur deswegen, weil solche Bilder (vielleicht gar Archetypen) auf sie passen; sondern weil sie auch eine persönliche Ausstrahlung hat, die faszinieren kann.

    Sie hat diese Ausstrahlung, diese Präsenz bei ihren Auftritten, diese Selbstbewußtheit, die auch Obamas Erfolgsrezept sind.

    Das hat sie auf dem Parteitag gezeigt, und das war vergangenen Donnerstag wieder da, als sie mit Biden debattierte.



    Wer hat diese Debatte "gewonnen"? Seltsame Frage, recht betrachtet. Aber sie ist so selbstverständlich geworden, daß nicht nur alle Demoskopen sie stellen, sondern daß sogar ein Kommentator den "Kampf" in Runden einteilte und jede wertete, wie beim Boxen. Nicht weniger als achtzehn Runden teilte er ab, und am Ende stand es für ihn 9 : 9.

    Vielleicht nicht so falsch. Sofort nach der Debatte machten sich natürlich die Demoskopen ans Werk; mit ziemlich ähnlichen Ergebnissen:

    Fragte man allgemein, wer "besser" war, dann erwies sich Biden als der Sieger. Bei CNN beispielsweise sahen ihn 51 Prozent vorn, gegen 36 Prozent für Sarah Palin. Ähnlich war das Zahlenverhältnis bei CBS; nur daß es dort mehr Antworten "gleich gut" gab (33 Prozent). Von denen, die sich festlegten, favorisierten 46 Prozent Biden und 21 Prozent Palin.

    Das Bild sieht anders aus, wenn man die Wahrnehmung der beiden Debattierenden in Relation zu den Erwartungen setzt. In der CNN- Umfrage sagten nicht weniger als 84 Prozent, daß Palin besser gewesen sei als erwartet. Von Biden sagten das 64 Prozent.

    CBS verglich "vorher- nachher"- Urteile über die beiden Kontrahenten. Vor der Debatte meinten von noch nicht festgelegten Zuschauern 43 Prozent, daß Palin über die wichtigen Themen Bescheid wisse; danach waren es 66 Prozent. Daß sie die Voraussetzung für eine Vizepräsidentin habe, meinten vorher 39 und nach der Debatte 55 Prozent.

    In beiden Bereichen lagen die Werte für Biden vor und nach der Debatte weitaus höher, änderten sich aber kaum durch die Debatte. Mit anderen Worten: Für ihn hatte dieser Disput sich weniger gelohnt als für Sarah Palin.

    Man kann das so zusammenfassen: Die Debatte am vergangenen Donnerstag hat zwar Joe Biden gewonnen, aber mehr genutzt hat sie Sarah Palin.



    Mehr genutzt wozu? Sehr wahrscheinlich, wie erläutert, nicht, um das Amt der Vizepräsidentin zu erlangen. Jedenfalls nicht jetzt.

    Aber mit Palin ist ein Stern am Himmel von Washington, D.C., aufgegangen.

    Viele, die einmal Präsident oder Vizepräsident werden wollten, verschwinden, wenn es damit nichts geworden ist, in der Versenkung - wer kennt zum Beispiel noch Jack French Kemp, der 1996 der Kandidat der Republikaner für die Vizepräsidentschaft war?

    Das wird Palin nicht passieren. Sie ist schon jetzt eine nationale Figur. Was man ihr jetzt noch negativ attribuiert - mangelnde Erfahrung auf der nationalen Ebene -, das wird sie leicht ausräumen können, wenn sie sich entschließt, für den Senat zu kandidieren.

    Im American Thinker schrieb Kyle-Anne Shiver am Tag nach der Debatte:
    When I saw Sarah Palin make her national debut at the RNC convention, and again in her first major debate last night, I found her to be quite the American version of Margaret Thatcher. Thatcher, too, faced scathing derision from her country's press and from her opposition, much of it focused on the issues of small town vs. big city and commoner vs. elite. (...)

    Despite her harping critics, Maggie Thatcher proved to be a most able leader upon the world stage, even at a time of rather perilous threats on many fronts. When besieged by naysayers, she once remarked, "If my critics saw me walking over the Thames they would say it was because I couldn't swim." And after watching Sarah Palin last night, I would say that she agrees with Maggie.

    Als ich Sarah Palin sah, wie sie auf dem Parteitag der Republikanischen Partei ihr nationales Debüt hatte, und dann wieder in ihrer ersten Debatte gestern Abend, fand ich, daß sie so so ziemlich die amerikanische Margaret Thatcher ist. Auch Frau Thatcher sah sich beißendem Hohn von der Presse ihres Landes und seitens der Opposition ausgesetzt, und viel davon konzentrierte sich auf die Themen Kleinstadt gegen Großstadt und einfache Leute gegen Elite. (...)

    Als sie wieder einmal von Neinsagern bedrängt wurde, sagte sie: "Wenn meine Kritiker mich auf der Themse wandeln sehen würden, dann würden sie sagen, daß ich das nur mache, weil ich nicht schwimmen kann". Nachdem ich gestern Sarah Palin sah, würde ich sagen, daß es bei ihr ist wie bei Maggie.
    Mir gefällt dieser Vergleich mit Maggie Thatcher, auch wenn Sarah Palin erst noch zeigen muß, daß sie ihn verdient. Den Jesus- Witz jedenfalls hätte sie auch machen können, und sie hätte dabei unschuldig- aggressiv gelächelt.



    Nachtrag: Einen Kommentar zur Debatte Obama/McCain in der vergangenen Nacht finden Sie hier.



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