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10. August 2009

Zitat des Tages: "Die Sicherheitslage im Irak hat sich deutlich verschlechtert"

Die Sicherheitslage im Irak hat sich deutlich verschlechtert, seit die amerikanischen Truppen Ende Juni die Städte verlassen haben.

Die "heute"-Sendung des ZDF in ihrer Ausgabe von heute, 10. August, 19 Uhr.

Kommentar: Nach der Wahl Barack Obamas habe ich im November vergangenen Jahres in diesem Artikel aus der Serie "Ketzereien zum Irak" diskutiert, welche Optionen die Kaida damals hatte.

Es schienen mir im wesentlichen zwei Optionen zu sein Entweder vertraut die Kaida auf darauf, daß der Präsident Obama das Versprechen des Kandidaten Obama hält, alle Truppen aus dem Irak abzuziehen. Dann wird sie sich ruhig verhalten, bis der Abzug abgeschlossen ist, und dann den Kampf unter für sie günstigeren Bedingungen wieder aufnehmen.

Oder sie traut Obamas Versprechen nicht. Dann wird sie ihn zwingen wollen, es einzuhalten, indem sie bald nach seiner Wahl eine Offensive mit allem beginnt, was sie noch an Mitteln hat.

Obama hat nun aber weder das eine noch das andere getan. Er hat, wie man es von ihm kennt, große Worte gemacht und faktisch das Gegenteil von dem entschieden, was diese Rhetorik verkündete.

Wie in diesem Artikel vom Februar dieses Jahres nachzulesen, hat Obama zwar zum 31. August 2010 ein Ende der jetzigen Combat Mission, also des Kampfauftrags, angekündigt, aber keineswegs den Abzug aller Truppen. Bis zu 50.000 Soldaten - mehr, als die USA derzeit in Afghanistan stehen haben - sollen auch danach auf unbestimmte Zeit im Irak verbleiben; und zwar "mit einem neuen Auftrag der Ausbildung, des Schutzes ziviler Einrichtungen und des Kampfs gegen den Terrorismus".

Allerdings beinhaltete dieser Plan Obamas in der Tat den inzwischen erfolgten Abzug der US- Truppen aus den Städten, deren Sicherheit jetzt allein von den Irakern gewährleistet werden soll.

Die Reaktion der Aufständischen wird allmählich sichtbar: Sie können nicht auf den Abzug der US-Truppen warten, denn dieser ist bis auf den Sankt- Nimmerleinstag verschoben. Sie haben aber immerhin freie Bahn in den Städten. Also werden sie ihre Aktivitäten wieder verstärkt aufnehmen und sie auf die Städte konzentrieren. Die heutigen Anschläge geschahen in Mossul und Baghdad.



© Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken.

27. Februar 2009

Zitat des Tages: Barack Obamas Mogelpackung. John McCain sagt, wie es ist

The American people should be clear: The president's plan, even after the end of its withdrawal timeline is reached, will leave in place up to 50,000 U.S. troops. All will be in harm's way, and some will continue to conduct combat operations. (...) They will play a vital role in consolidating and extending the remarkable progress our military has made since early 2007.

(Das amerikanische Volk sollte sich im Klaren sein: Der Plan des Präsidenten wird auch dann, wenn der Termin für das Ende das Abzugs erreicht ist, bis zu 50.000 Mann US-Truppen in Stellung lassen. Sie alle werden im Feindeinsatz sein, und einige werden Kampfaufträge haben. (...) Sie werden eine lebenswichtige Rolle dabei spielen, den bemerkenswerten Fortschritt zu sichern und auszubauen, den unsere Militär seit Anfang 2007 gemacht hat.)

John McCain in seiner Stellungnahme, in der er den Truppenabzugsplan von Präsident Obama für den Irak guthieß.

Kommentar: Jetzt ist es entschieden: Barack Obama kümmert sich nicht um sein Geschwätz von gestern. Was er seinen Wählern erzählt hat, ist für ihn Makulatur.

Der Plan, den er heute verkündet hat, liegt vollkommen auf der Linie der Politik von Präsident Bush und entspricht dem, was John McCain im Wahlkampf befürwortet hatte.

Präsident Bush hatte mit der Regierung des Irak bekanntlich einen Abzugsplan ausgehandelt, der den vollständigen Abzug der US-Truppen aus den irakischen Städten bis zum 30. Juni 2009 und den Abzug aller Truppen aus dem Irak bis zum 31. Dezember 2011 festschreibt.

Wenn Obama jetzt einen Abzug von rund zwei Dritteln der jetzigen Truppen (rund 140.000) zum 31. August 2010 ankündigt, so daß 50.000 verbleiben, dann liegt das vollständig in dem von Bush ausgehandelten Zeitplan.

Nur hätte Bush nicht die Chuzpe gehabt, das als Truppenabzug zu verkaufen.

Freilich: Wenn man genau liest, dann tut das auch Obama nicht: Er hat gesagt:

Obama: "Let me say this as plainly as I can: by August 31, 2010, our combat mission in Iraq will end." Lassen Sie mich das so deutlich sagen, wie ich kann: Am 31. August 2010 wird unser Kampfauftrag im Irak enden.

Der "Kampfauftrag wird enden". Und ein neuer beginnt für die verbleibenden 50.000 Mann - weit mehr, als derzeit in Afghanistan sind -, die under a new mission of training, civilian protection and counterterrorism" bleiben werden - mit einem neuen Auftrag der Ausbildung, des Schutzes ziviler Einrichtungen und des Kampfs gegen den Terrorismus.



Es ist eine Mogelpackung, was Obama heute präsentiert hat. Obama setzt exakt die Politik von George W. Bush fort, verpackt sie aber so, daß der Anschein entsteht, er verfolge eine neue Politik.

Daß Obama damit sein Versprechen aus dem Wahlkampf bricht, ist gut für die USA, ist gut für die Iraker.

Diejenigen freilich, die Barack Obama gewählt haben, weil er angeblich im Irak alles anders machen wollte, werden jetzt vielleicht ein wenig verwundert sein.



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26. Februar 2009

Zitat des Tages: Warum macht Arabien die weltweite Entwicklung zur Demokratie nicht mit? Die Analyse von Michael Mandelbaum. Die Rolle des Irak

If Iraq should evolve, over the course of years if not decades, into a genuine democracy, with regular, free and fair elections and the assurance of property rights, religious liberty, and political freedom, this would have a powerful, and positive, impact on democracy's prospects throughout the region. (...)

Whether, on what schedule, and at what price genuine democracy can be established in Iraq, and, if democracy is possible, whether the American public will be willing to pay the price in blood and treasure necessary to bring it about, cannot be known in advance. What is clear in 2009 is that, far more than any explicit attempts to promote democracy, and perhaps even more than the pattern of global oil consumption, the future of Iraq will determine the fate of democracy in the Arab world.


(Wenn der Irak sich im Lauf von Jahren, wenn nicht Jahrzehnten zu einer echten Demokratie mit regelmäßigen, freien und fairen Wahlen, der Garantie von Eigentumsrechten, Religionsfreiheit und politischer Freiheit entwickeln sollte, dann hätte das eine gewaltige und positive Auswirkung auf die Aussichten der Demokratie in der gesamten Region. (...)

Ob, mit welchem Zeitplan und zu welchem Preis im Irak eine echte Demokratie errichtet werden kann, und ob - wenn die Demokratie möglich ist - die amerikanische Öffentlichkeit willens ist, den dafür erforderlichen Preis an Blut und Geldmitteln zu zahlen, kann man im Voraus nicht wissen. Was im Jahr 2009 klar ist, ist dies: Weit mehr als unmittelbare Versuche, die Demokratie zu verbreiten, und vielleicht selbst mehr als die Gestaltung des weltweiten Verbrauchs von Erdöl wird die Zukunft des Irak das Schicksal der Demokratie in der arabischen Welt bestimmen.)

Michael Mandelbaum, Professor für amerikanische Außenpolitik an der Johns Hopkins University School of Advanced International Studies, gestern im Middle East Forum über die Aussichten einer Demokratisierung der arabischen Welt. Mandelbaum ist Fachmann für dieses Thema; 2007 erschien sein Buch Democracy's Good Name: The Rise and Risks of the World's Most Popular Form of Government (Der gute Name der Demokratie: Aufstieg und Risiken der populärsten Regierungsform der Welt).



Kommentar: Wie viele Beobachter - auch ich habe dazu einmal eine Serie geschrieben - stellt sich Mandelbaum die Frage, warum sich weltweit die Demokratie und mit ihr der Wohlstand ausbreitet; nur nicht in der arabischen Welt.

In seinem sehr lesenswerten Aufsatz analysiert er eine Reihe von Gründen:

Zum einen fehle es in den arabischen Gesellschaften an einer freien Marktwirtschaft als einer wesentlichen Voraussetzung für Demokratie. Das wiederum liegt, meint Mandelbaum, vor allem am Ölreichtum.

Sodann gebe es strukturelle Gründe in der arabischen Gesellschaft - die spezifisch arabische Form des Islam, die ethnische, religiöse und nationale Heterogenität vieler arabischer Staaten; die Jahrhunderte alte antiwestliche Einstellung.

Dies alles stehe vor allem einem der beiden Elemente der Demokratie entgegen, nämlich der Freiheit. Mandelbaum weist - ein simpler Aspekt, der aber meines Erachtens oft übersehen wird - darauf hin, daß Demokratie ja nicht nur in Volkssouveränität besteht, sondern auch in der Freiheit des Einzelnen. Freie Wahlen, die beispielsweise zur Herrschaft der Hamas führen, begründen keine Demokratie.

Dies wohl ist der Grund, warum Mandelbaum der Entwicklung im Irak eine so zentrale Bedeutung zumißt. Dort ist mit Hilfe der USA eine Verfassung entstanden, die demokratische Institutionen, die die Freiheit des Einzelnen beinhaltet. Ein Erfolg des irakischen Modells, seine dann unweigerliche Funktion als Vorbild, würden deshalb die ganze Region zutiefst verändern.



Aber wird das Modell ein Erfolg werden? Mandelbaum beginnt seinen Aufsatz mit der Feststellung: "The Obama Administration apparently does not share its predecessor's determination to promote democracy in Arab countries." Es scheine, daß die Regierung Obama nicht die Entschlossenheit ihrer Vorgängerin teile, die Demokratie in den arabischen Ländern zu fördern.

Und er weist darauf hin, daß in dem Interview, das Präsident Obama kurz nach seinem Amtsantritt dem Sender Al-Arabiya gab, kein einziges Mal das Wort "Demokratie" vorkam.

Wird Obama den Aufbau der Demokratie im Irak auch in Zukunft durch die Anwesenheit amerikanischer Truppen schützen? Niemand weiß es. Wie die gesamte Außenpolitik dieser Regierung ist auch ihre Irak- Politik bisher vage und unbestimmt.

Im Wahlkampf hatte Obama versprochen, alle Kampftruppen innerhalb von 16 Monaten abzuziehen, ungefähr eine Brigade pro Monat. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede; Geschwätz von gestern.

Angeblich - so ließ die Regierung es jedenfalls Anfang dieser Woche durchsickern - ist jetzt ein Abzug binnen 19 Monaten geplant.

Aber keineswegs aller Kampftruppen. 30.000 bis 50.000 Mann, heißt es, sollten nach dem "Abzug" weiter im Irak bleiben. Das wäre ungefähr ein Drittel bis ein Viertel der Truppenstärke vor dem Surge. So also sieht - falls die Meldungen stimmen - für den Präsidenten Obama der "vollständige" Abzug aus, den der Kandidat Obama im Wahlkampf versprochen hatte.

Immerhin - je mehr seiner Wahlkampfversprechen Obama bricht, umso besser. Wenn wirklich 50.000 US-Soldaten auf unbegrenzte Zeit im Irak bleiben sollten (während des Kriegs und in den Jahren danach waren es rund 130.000 gewesen) -, dann hätte dessen Demokratie, und damit die Demokratisierung der arabischen Welt, vielleicht eine echte Chance.



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1. Februar 2009

Zitat des Tages: Präsident Obama gratuliert dem Irak zu den Wahlen. Grund, an den Gesetzentwurf des Senators Obama vom 30. Januar 2007 zu erinnern

I congratulate the people of Iraq on holding significant provincial elections today. Millions of Iraqi citizens from every ethnic and religious group went peacefully to the polls across the country to choose new provincial councils. It is important that the councils get seated, select new governors, and begin work on behalf of the Iraqi people who elected them..

(Ich gratuliere dem Volk des Irak zur heutigen Abhaltung bedeutsamer Provinzwahlen. Millionen irakischer Bürger aus jeder ethnischen und religiösen Gruppe gingen quer über das ganze Land friedlich zu den Wahllokalen, um neue Provinzräte zu wählen. Es ist wichtig, daß die Räte sich konstituieren, neue Gouverneure bestimmen und ihre Arbeit im Dienst des irakischen Volks beginnen, das sie gewählt hat.)

Präsident Obama in einer Erklärung zu den Provinzwahlen im Irak. Über die Bedeutung und den Ablauf dieser Wahlen habe ich kürzlich hier berichtet.

Kommentar: Vor fast genau zwei Jahren, am 30. Januar 2007, brachte der Senator Obama einen Gesetzesentwurf ein, den Iraq War De- Escalation Act of 2007 (Gesetz von 2007 zur De- Eskalation des Irak- Kriegs).

In Irak war damals ein Höhepunkt der Gewalt erreicht. Die Zahl der Angriffe war innerhalb des vorausgehenden Jahres, seit Januar 2006, steil angestiegen, wie man in dieser Grafik sehen kann (für die volle Größe bitte anklicken):


Die militärische Situation hatte sich im Lauf des Jahres 2006 so verschlechtert, daß trotz der Anwesenheit der Koalitionstruppen der Ausbruch eines Bürgerkriegs, der Zerfall des Landes und ein Scheitern der irakischen Demokratie zu befürchten waren.

In dieser Situation entschloß sich Präsident Bush - unter anderem auf Anraten des Senators McCain und von General Petraeus, der damals die US-Truppen im Irak befehligte - zum Surge. Durch eine Aufstockung der Truppen um rund 20.000 Mann sollten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, die Aufständischen in einer groß angelegten Offensive (Surge heißt wörtlich Anstieg, Schub, Stoß, Welle) niederzuzwingen.

Bereits im Februar 2007 gab es eine erste große Offensive unter dem Namen Imposing Law. Im Juni waren die zusätzlichen Truppen eingetroffen, und es begann der eigentliche Surge.

Der Erfolg stellte sich bald ein. Bereits ab Juli ging - siehe die obige Grafik - die Zahl der Angriffe drastisch zurück.

Sowohl die Kaida als auch die Ba'ath- Aufständischen sind inzwischen weitgehend besiegt; die Gefahr eines Bürgerkriegs zwischen sunnitischen und schiitischen Milizen besteht im Augenblick nicht mehr.

Zugleich gingen, trotz der Offensive der US-Truppen zusammen mit den irakischen Streitkräften, die Verluste vom Beginn des Surge an stetig zurück:




Hätte sich damals freilich der Senator Obama mit seinem Gesetzentwurf durchgesetzt, dann sähe es im Irak heute anders aus.

Die Kernsätze des Gesetzentwurfs von Barack Obama lauteten:
Except as otherwise provided in this section, the phased redeployment of the Armed Forces of the United States from Iraq shall commence not later than May 1, 2007.

The redeployment of the Armed Forces under this section shall be substantial, shall occur in a gradual manner, and shall be executed at a pace to achieve the goal of the complete redeployment of all United States combat brigades from Iraq by March 31, 2008.

Sofern in diesem Abschnitt nicht anders bestimmt, wird der phasenweise Abzug der Streitkräfte der Vereinigten Staaten aus dem Irak spätestens am 1. Mai 2007 beginnen.

Der Abzug der Streitkräfte unter den Bestimmungen dieses Abschnitts wird umfangreich sein, wird schrittweise erfolgen und wird in einem solchen Tempo durchgeführt werden, daß das Ziel eines vollständigen Abzugs aller Kampfbrigaden der Vereinigten Staaten aus dem Irak bis zum 31. März 2008 erreicht wird.

Wo der Irak heute wäre, hätte dieser Entwurf Gesetzeskraft erlangt, kann man sich ausmalen: Im günstigeren Fall noch im Bürgerkrieg; im ungünstigsten Fall bereits zerfallen, teils von schiitischen und teils von sunnitischen Extremisten beherrscht.

Die Provinz Anbar war am Beginn des Surge bereits nahezu von der Kaida übernommen worden. Hätten die US-Truppen damals, statt die Offensive zu ergreifen, den Rückzug angetreten, dann hätte die Kaida dort heute ihr zweites Afghanistan, komplett mit Ausbildungslagern, in denen Terroristen auf weltweite Operationen vorbereitet werden würden.

Eine solche Entwicklung hätte nicht nur den amerikanischen Einfluß im Nahen Osten drastisch reduziert, sondern auch den Iran zu dessen Vormacht gemacht und Israel in eine bedrohliche Lage gebracht.



Was wurde eigentlich aus dem Gesetzentwurf des Junior- Senators von Illinois?

Nichts wurde daraus. Ich habe ein wenig recherchieren müssen, um das herauszufinden, denn auch die Wikipedia schweigt dazu. Bei GovTrack.US bin ich aber fündig geworden:

Der Gesetzentwurf wurde, nachdem Obama ihn zusammen mit drei Co-Sponsoren eingebracht hatte, am 30. Januar zweimal gelesen und an den Auswärtigen Ausschuß überwiesen. Dort blieb er hängen. Er wurde nie zur Abstimmung an das Plenum zurückgeleitet. Mit dem Ende der damaligen Sitzungsperiode des Kongresses schied er automatisch aus der Gesetzgebung aus.

Obama hatte versucht, sich mit diesem Entwurf an die Spitze einer Bewegung innerhalb der Demokratischen Partei zu setzen, die mit aller Macht versuchte, den Surge zu verhindern. Er kam nicht zum Zuge, aber die Bewegung führte zu einem Ergebnis im Senat.

Es bestand in der Resolution vom 16. Februar 2007, über die ich damals berichtet habe. Diese forderte, anders als das von Obama eingebrachte Gesetz, nicht den sofortigen Beginn des Abzugs aus dem Irak, verurteilte aber den Surge.

Auch wenn diese Resolution umgesetzt worden wäre (die aber für Präsident Bush nicht bindend war), sähe es heute im Irak weit schlechter aus. Hätte Obama sich durchgesetzt, sähe es katastrophal aus.



Vielleicht sollte Obama weniger den Irakern gratulieren als sich selbst. Dafür, daß er damals mit seinem Gesetz gescheitert ist.



Abbildung 1: U.S. Military or Department of Defense. Abbildung 2: Mgerb. Beide in der Public Domain. Für Kommentare bitte hier klicken.

10. November 2008

Ketzereien zum Irak (32): Wie reagiert die El Kaida auf die Wahl Obamas?

Nicht nur Rußland beginnt schon jetzt, Obama zu testen. Auch die El Kaida - das, was von ihr übrig geblieben ist - dürfte sich in den vergangenen Monaten auf den Sieg Obamas vorbereitet haben. Die Aufständischen haben zwei Optionen:

Sie können erstens jetzt stillhalten, bis Obama sein Wahlversprechen wahrgemacht hat, innerhalb von 16 Monaten, also bis Mitte 2010, alle US-Truppen aus dem Irak abzuziehen.

Dann hat die El Kaida ihre letzte Chance, den Sieg doch noch zu suchen. Eine Rückkehr der US-Truppen ist, wenn sie erst einmal abgezogen sind, so gut wie ausgeschlossen. Die El Kaida könnte, sobald der letzte US-Soldat den Irak verlassen hat, eine Wiederaufnahme ihrer Bürgerkriegs- Strategie versuchen, also schiitische Moscheen angreifen, schiitische Würdenträger ermorden und so wieder die Situation herzustellen versuchen, wie sie vor dem Beginn des Surge im Frühjahr 2007 bestand.

Falls auch der Iran mitspielt und seinerseits schiitische Milizen bei Gegenschlägen unterstützt, könnte das funktionieren. Zunächst aber müßten die US-Truppen abgezogen sein. Bei der Umsetzung des Abzugsplans würden die Aufständischen, falls sie sich für diese Option entschieden haben, Präsident Obama möglichst nicht stören. Es wäre dann also für die kommende Zeit ein Rückgang der Gewalt im Irak zu erwarten.

Diese Option ist für die El Kaida freilich nur dann attraktiv, wenn Obama sich an sein Versprechen hält. Angesichts der Art, wie er bisher seine Positionen je nach Opportunität geändert hat, ist das vermutlich auch für die Strategen der El Kaida zweifelhaft.

Sie dürften wohl eher damit rechnen, daß Obama sein Wahlversprechen bricht und exakt die Politik Bushs fortsetzen wird, die US-Truppen nur in dem Maß abzuziehen, in dem das die Kommandeure vor Ort für militärisch vertretbar halten.

Ist dies die Lagebeurteilung der El Kaida, dann bleibt ihr nur die allerletzte Option, jetzt mit allem, was sie noch hat, loszuschlagen, um noch einmal die Öffentliche Meinung in den USA zu ihren Gunsten zu mobilisieren. Sie hat es bei Obama mit einem Präsidenten zu tun, der darauf mehr ansprechen könnte als George W. Bush. Die El Kaida könnte versuchen, Obama sozusagen gewaltsam zur Einhaltung seines Wahlversprechens zu zwingen.

Entweder dürfte es also in den kommenden Monaten im Irak auffällig ruhig werden, oder es wird eine heftige Zunahme der Angriffe geben; je nachdem, für welche der beiden Strategien die El Kaida sich entschieden hat.



Heute melden die Agenturen mehrere Anschläge:

Im Norden Bagdads wurden 22 Menschen mit der Methode der "Zwillingsbomben" ermordet. Dabei zündet ein Terrorist zunächst eine Bombe. Haben sich um die Stelle des Anschlags herum genug Menschen versammelt, dann zündet ein anderer die zweite Bombe, die dadurch besonders viele Opfer findet.

In der Notaufnahme eines Krankenhauses nah Falludschah wurden ein Patient und zwei Ärzte durch eine Bombe ermordet. Der Anschlag zielte vermutlich auf verwundete Soldaten, die in dem Krankenhaus behandelt wurden. An einer Kontrollstelle nahe Ramadi waren zuvor fünf Menschen durch eine Bombe getötet worden.

Diese beiden Anschläge fanden in der Provinz Anbar statt, die jetzt von der irakischen Armee kontrolliert wird. In der Provinz Diyala, in die sich die El Kaida zurückgezogen hatte, nachdem sie aus Anbar vertrieben worden war, kamen zwei Menschen bei der Explosion einer Straßenbombe ums Leben.

Solche Meldungen sind in den letzten Monaten selten geworden. Es wäre sicherlich voreilig, in diesen Anschlägen schon Hinweise darauf zu sehen, daß die El Kaida sich für die zweite Strategie entschieden hat. Jedenfalls aber sollte man die Meldungen aus dem Irak in nächster Zeit wieder genauer verfolgen.



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23. August 2008

Kurioses, kurz kommentiert: "Und dann kam das Aus!"

Die Meldungen klangen verheißungsvoll, das Abkommen um den US-Truppenabzug aus dem Irak schien kurz vor dem Abschluss - dann kam das Aus: zu viele unterschiedliche Interessen.

Aus dem Vorspann eines Artikels von Ulrike Putz, der seit gestern Abend, 23:26 Uhr, in "Spiegel- Online" zu lesen ist.

Kommentar: "Spiegel- Online" ist das vermutlich einzige Medium der Welt, das das Aus für diese Verhandlungen meldet.

Über ihr vorläufiges Ergebnis habe ich gestern hier berichtet.

Und da Sie, lieber Leser, möglicherweise immer noch dazu neigen, "Spiegel Online" im Zweifel eher zu trauen als "Zettels Raum", hier eine Passage aus dem aktuelle Bericht der BBC, datiert Freitag, 22. August 18.37 britische Zeit. Die BBC zitiert den irakischen Unterhändler Hammud:
" ... The negotiators' job is done. Now it is up to the leaders."

A White House spokesman has however said details of the draft agreement were still being discussed. Gordon Johndroe said US President George W Bush had spoken with Iraqi Prime Minister Nouri Maliki about the deal. They "had a good conversation", Mr Johndroe said, adding that "there are a lot of details that have to be worked out".

"... Die Unterhändler haben ihren Job getan. Jetzt sind die Führer am Zug".

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte jedoch, daß Details des Entwurfs einer Vereinbarung noch erörtert würden. Gordon Johndroe sagte, daß Präsident George W. Bush mit dem irakischen Premierminister Nuri Malik gesprochen habe. Sie "hatten eine gute Besprechung", sagte Johndroe und fügte hinzu, daß "zahlreiche Details noch ausgearbeitet werden müssen."
Mit anderen Worten, das Aus für die Verhandlungen. Wenn wir "Spiegel- Online" glauben.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

22. August 2008

Marginalie: Ziehen die US-Truppen aus dem Irak ab?

Vermutlich wird es in den nächsten Stunden Schlagzeilen geben à la "USA stimmen Zeitplan für Truppenabzug aus dem Irak zu".

Das ist nicht der Fall. Eben hat CNN den stellvertretenden Außenminister des Irak, al-Hadsch Hamud, dazu interviewt, und die Korrespondentin Arwa Damon hat aus Bagdad weitere Informationen geliefert. Danach stellt sich die Sache so dar:

Um den Vertrag durchs irakische Parlament zu bringen, müssen radikale Fraktionen ruhiggestellt werden ("to appease" war das Wort, das Arwa Damon benutzte). Diesem Zweck dient es, daß bestimmte Termine in den Vertrag eingebaut werden. Diese werden jedoch durch Vorsichtsmaßnahmen ("caveats") relativiert.

Bis Juni 2009 sollen die Truppen der USA nach dem Abkommen nicht etwa aus dem Irak abziehen, sondern sich aus den großen Städten in ihre Camps zurückziehen. Auf Anforderung der Iraker können sie aber jederzeit wieder in den Städten eingesetzt werden.

In ihren Camps im Irak verbleiben sie zunächst bis zum Ende der Laufzeit des Abkommens (offenbar 2011). Daß sie dann abziehen, wird nicht festgelegt, aber auch nicht explizit ausgeschlossen.

Die irakischen Befürworter eines Abzugs werden somit sagen können: Da das Abkommen bis 2011 terminiert ist, müssen die Amis dann abziehen. Und die Befürworter können sich dazu denken: Wie es dann weitergeht, kann das Abkommen gar nicht festlegen, weil es eben nur bis 2011 gilt. Ein typischer Formelkompromiß also.

Es soll ein gemeinsames Komitee ("Joint Committee") eingerichtet werden, das die Einzelheiten regelt. Über dieses Komitee können die Iraker beispielsweise US-Truppen zum Einsatz in den Städten anfordern, wenn ihnen das erforderlich erscheint. Während der gesamten Laufzeit des Abkommens.



Soweit diese ersten Informationen. Wie es genau sein wird, wird man erst wissen, wenn das Abkommen durch die Parlamente gegangen ist.

Man darf gespannt sein, wie "Spiegel- Online" und ähnliche Medien berichten.



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19. Juli 2008

Marginalie: Eine Meldung und die Wahrheit. Was sagte Präsident Bush über einen Truppenabzug aus dem Irak?

In "Spiegel- Online" ist im Augenblick zu lesen:
19. Juli 2008, 11:45 Uhr
IRAK
Bush spricht erstmals von Zeitplan für Truppenabzug


Bisher wollte der US-Präsident sich partout nicht festlegen - jetzt hat Bush erstmals einem "allgemeinen Zeitplan" für den Abzug von US-Truppen aus dem Irak zugestimmt. Damit reagiert das Weiße Haus auch auf immer massivere Forderungen der Regierung in Bagdad.
Und dies meldet The Hill, die größte auf Nachrichten aus dem US-Kongreß spezialisierte Zeitung:
Bush, Maliki agree on not setting withdrawal timeline
By Klaus Marre
Posted: 07/18/08 11:15 AM [ET]

The White House announced Friday that President Bush and Iraqi Prime Minister Nouri al-Maliki agreed that troop reductions should be "based on continued improving conditions on the ground and not an arbitrary date for withdrawal."

Al-Maliki had made news last week when remarks he made were interpreted to indicate that he would like to see some sort of a timetable included in the bilateral agreement the two countries are in the process of hammering out.

Bush und Maliki einigen sich darauf, keinen Zeitplan für einen Rückzug festzusetzen

Das Weiße Haus teilte am Freitag mit, daß Präsident Bush und der irakische Premierminister Nuri Al-Maliki übereinstimmten, daß Truppenreduzierungen "auf kontinuierliche Verbesserungen der Bedingungen im Feld und nicht auf ein willkürliches Datum für einen Rückzug" gegründet sein sollten.

Al-Maliki war vergangene Woche in der Presse gewesen, als Bemerkungen, die er gemacht hatte, als Hinweis darauf verstanden worden waren, daß er gern so etwas wie einen Zeitplan in das zweiseitige Abkommen einbezogen sehen würde, das die beiden Länder gegenwärtig ausarbeiten.

Kommentar: Statt eines Kommentars habe ich ein Wort rot hervorgehoben.



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2. Februar 2008

Ketzereien zum Irak (27): Niemand soll sagen, er habe es nicht gewußt

Der Irak ist entgegen dem, worauf noch vor einem halben Jahr fast jeder gewettet hätte, kein zentrales Thema des amerikanischen Wahlkampfs. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Statt des irakischen Bürgerkriegs, den in der ersten Hälfte 2007 viele in den USA und fast alle in Deutschland heraufziehen, wenn nicht gar schon stattfinden sahen, hat es im Irak eine Wende zum Besseren gegeben.

Ich habe im Juni über die ersten Anzeichen für diese Wende berichtet, als in Deutschland die meisten noch überzeugt waren, daß die amerikanische Niederlage unabwendbar geworden sei. Wie es allmählich immer besser wurde, kann man in den Folgen 14 bis 24 dieser Serie nachlesen.

Nun also spricht niemand mehr von einem Bürgerkrieg oder einer bevorstehenden Niederlage der USA, Gott sei Dank. Aber so ganz können und wollen es die Wahlkämpfer in den USA natürlich doch nicht außen vor lassen, dieses Thema, das noch vor einem Jahr die Nation fast zerrissen hätte.

Die Republikaner Mitt Romney und John McCain haben vor ein paar Tagen das Thema Irak sogar fast in den Mittelpunkt einer Debatte gerückt; freilich weniger im Hinblick darauf, was nach den Wahlen der gewählte Präsident tun solle, als mit Blick darauf, wie sich die beiden damals, im Frühjahr 2007 verhalten und geäußert hatten, als die Irak- Politik auf der Kippe stand; als McCain den Plan für einen Surge vortrug, während zugleich mitten in dieser schwierigsten Phase des Kriegs viele Demokraten forderten, einen Zeitplan für den alsbaldigen Rückzug festzulegen.



Und was wollen sie heute, die beiden demokratischen Kandidaten Obama und Clinton? Man kann es in dem Transskript der vorgestrigen Diskussion nachlesen, das CNN zur Verfügung stellt.

Obama sagt, wie immer, nichts Genaues, dieses freilich mit Entschlossenheit: "... I want to end the mindset that got us into war in the first place. That's the kind of leadership I'm going to provide as president of the United States." Er wolle die Geisteshaltung beenden, die die USA überhaupt erst in diesen Krieg gebracht habe. Das sei die Art von Führung, die er als Präsident der Vereinigten Staaten dem Land geben werde.

Ja, er wolle einen Zeitpunkt für den Abzug festsetzen, sagte er an anderer Stelle. Aber mehr als dieses Wollen war ihm nicht zu entlocken, schon gar nicht eine zeitliche Größenordnung. (Früher einmal hatte er von einem Abzug binnen 16 Monaten gesprochen).

Clinton war - auch das wie immer - präziser. Was sie sagte, war allerdings, just wegen dieser Präzision, erschreckend.

Sie sagte nämlich unverblümt, um wessen Schicksal die USA sich bei dem von ihr beabsichtigten Rückzug, der binnen sechzig Tagen nach Amtsantritt beginnen soll, kümmern würden. Sie ließ damit auch stillschweigend erkennen, wen sie, falls sie Präsidentin wird, seinem Schicksal überlassen will. Nämlich fast die gesamte Bevölkerung des Irak.

Hier sind einige Zitate; ich empfehle, die ganze Passage des verlinkten Transskripts zu lesen:
So I've said that I will ask the Joint Chiefs and the secretary of defense and my security advisers the very first day I'm president, to begin to draw up such a plan so that we can withdraw.

But I just want to be very clear with people, that it's not only bringing our young men and women and our equipment out, which is dangerous. (...) We have to think about what we're going to do with the more than 100,000 Americans civilians who are there, working for the embassy, working for businesses, working for charities.

And I also believe we've got to figure out what to do with the Iraqis who sided with us. You know, a lot of the drivers and translators saved so many of our young men and women's lives, and I don't think we can walk out on them without having some plan as to how to take care of those who are targeted. At the same time, we have got to tell the Iraqi government there is no -- there is no more time. They are out of time. They have got to make the tough decisions they have avoided making. They have got to take responsibility for their own country.

Also, ich habe gesagt, daß ich den Oberbefehlshabern der Streitkräfte und dem Verteidigungsminister und meinen Sicherheitsberatern am allerersten Tag, an dem ich Präsidentin bin, den Auftrag erteilen werde, mit der Erstellung eines solchen Plans zu beginnen, so daß wir abziehen können.

Aber ich möchte mich den Leuten gegenüber sehr klar ausdrücken, daß es nicht nur darum geht, unsere Männer und Frauen und unsere Ausrüstung heraus zu bekommen, was gefährlich ist. (...) Wir müssen überlegen, was wir mit den mehr als 100.000 amerikanischen Zivilisten machen, die dort sind und für die Botschaft arbeiten, geschäftlich dort arbeiten, für Wohltätigkeits- Organisationen arbeiten.

Und ich glaube auch, daß wir uns überlegen müssen, was wir mit den Irakern machen, die sich auf unsere Seite stellten. Sehen Sie, eine Menge der Fahrer und Dolmetscher haben so vielen unserer jungen Männer und Frauen das Leben gerettet, und ich glaube nicht, daß wir sie sitzenlassen können, ohne daß wir einen Plan haben, wie wir uns um diejenigen kümmern, die zu Zielobjekten werden. Zugleich müssen wir der irakischen Regierung klarmachen, daß kein -- daß es keine Zeit mehr gibt. Sie haben keine Zeit. Sie müssen die harten Entscheidungen treffen, die zu treffen sie vermieden haben. Sie müssen Verantwortung für ihr eigenes Land übernehmen.


Das ist deutlich genug. Was eine Präsidentin Clinton in die Wege leiten wird, das ist eine Neuauflage des Rückzugs aus Vietnam, der mit der Räumung der amerikanischen Botschaft in Saigon im April 1975 endete.

Auch damals hatte man natürlich die eigenen Soldaten und, soweit möglich, das Material gerettet. Auch damals hatte man amerikanische Zivilisten und hatte man Vietnamesen ausgeflogen, die den USA als Dolmetscher, Fahrer usw. gedient hatten. Jedenfalls einen Teil von ihnen.

Aber es blieben Millionen zurück, die den Amerikanern vertraut, die sich nicht dem Vietcong angeschlossen, die nicht für die Kommunisten spioniert und geworben hatten. Es blieben die Bürgermeister, die Abgeordneten, die Soldaten zurück, die für die Regierung in Saigon gearbeitet hatten, die den Kommunisten verhaßten Angehörigen der vietnamesischen Ober- und Mittelschicht, die Katholiken.

Über ihr entsetzliches Schicksal habe ich vor gut einem Jahr hier einiges geschrieben, weil ich fürchte, daß es denjenigen kaum noch bekannt ist, die diese Zeit nicht miterlebt haben. Hunderttausende wurden ermordet. Millionen wagten die Flucht in Booten; ungefähr 500.000 verloren dabei ihr Leben.



Ja, aber Hillary Clinton will doch gar nicht eine Machtübernahme von Extremisten im Irak, so wie damals die USA sehenden Auges Vietnam den Kommunisten überließen? Sagt sie denn nicht ausdrücklich, daß jetzt die irakische Regierung selbst ihrer Verantwortung gerecht werden müsse?

Ja, das sagt sie. So, als ob nicht längst diese Regierung die Verantwortung für immer mehr Provinzen übernommen hätte, als ob nicht die irakische Armee immer mehr die Last des Kampfs mittragen würde. Er ist ja in vollem Gang, der Prozeß, den man damals die "Vietnamisierung des Kriegs" nannte und der hätte gelingen können, wenn nicht ein von den Demokraten dominierter Kongreß im Dezember 1974 die Militärhilfe für Südvietnam einfach gestrichen hätte.

Sie scheint zu glauben, die Kandidatin Clinton, daß man diesen mühsamen Prozeß, in der von Saddam zerstörten Gesellschaft demokratische Strukturen zu bauen und eine neue Armee zu schaffen, zu einem wundersamen sofortigen Erfolg führen könnte, indem man einfach die US-Truppen abzieht, die Geschäftsleute und Aufbauhelfer gleich mit dazu.

Nein, das glaubt sie natürlich nicht, die Kandidatin Clinton. Natürlich weiß sie, daß, sobald die US-Truppen mit einem verfrühten Abzug beginnen, der Bürgerkrieg ausbrechen wird, der diesen Abzug dann genauso beschleunigen wird, wie das seinerzeit in Vietnam geschah, als der US-Kongreß mit seiner Entscheidung dem Vietcong signalisierte, daß die USA Vietnam aufgaben.

Natürlich weiß sie, daß dann vom demokratischen Irak so wenig übrigbleiben wird wie damals von der Republik Südvietnam. Selbstverständlich ist ihr klar, daß dann die große Abrechnung mit allen beginnen wird, die sich für den demokratischen Irak eingesetzt haben.

Denn sonst würde sie ja nicht Pläne zur Rettung der Fahrer und Dolmetscher der US-Truppen ankündigen. Sie weiß also genau, was nach dem von ihr geplanten Abzug diejenigen erwartet, die für den demokratischen Irak eintreten und die nicht zu diesen Privilegierten gehören.

Sie hat es gesagt. Jeder politisch Interessierte konnte es hören. Niemand in den USA, der für diese Kandidatin stimmt, kann sich, wenn nach ihrem Sieg das Massaker an den Demokraten im Irak beginnt, ihre Verhaftung und Folterung, damit herausreden, es nicht gewußt zu haben.

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