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24. November 2008

Marginalie: Was waren die Ziele der RAF?

Nun wird Christian Klar also demnächst auf Bewährung entlassen. Dagegen ist nichts zu sagen. Eine vorzeitige Haftentlassung auf Bewährung ist keine Begnadigung. Gnadenwürdig ist Klar nicht; das hat der Bundespräsident entschieden. Aber er wird mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nicht wieder morden. Das war das Kriterium, an dem das OLG Stuttgart seine Entscheidung zu orientieren hatte.

Eine der häufigsten Suchanfragen, die in "Zettels Raum" führen, ist "Ziele der RAF". Auch anläßlich der jetzigen Entscheidung wird vermutlich die öffentliche Debatte wieder aufflammen, die sich immer wieder mit den Motiven und den Zielen der RAF beschäftigt hat. Dabei ist da eigentlich nicht viel zu debattieren. Denn ihre Ziele hat die RAF ja selbst offengelegt.

Sie hat sie ausführlich dargelegt in zwei theoretischen Schriften, zu deren Inhalt ich auf diesen Artikel hier im Blog verweisen möchte. Die Abbildung einer der beiden Schriften finden Sie hier in der Vignette.

Das Ziel der RAF war es, in Deutschland, in Westeuropa einen Bürgerkrieg zu entfachen, an dessen Ende die kommunistische Revolution stehen sollte. Durch Anschläge sollten harte Reaktionen des Staats provoziert werden, die Empörung auslösen und der RAF neue Kämpfer zuführen würden. Allmählich wollte man zur Kontrolle ganzer Stadtteile usw. übergehen. Das sollte die Keimzelle der Roten Armee in Westeuropa werden.

Die Gründer der RAF waren Marxisten- Leninisten. Sie orientierten sich mit dieser Strategie an Lenin, den sie sehr genau gelesen hatten, den sie ausführlich zitierten. Spätere "Generationen" der RAF mögen eher kriminelle Desperados gewesen sein.

Christian Klar war das nicht. Er hat aus seiner kommunistischen Überzeugung nie einen Hehl gemacht. Er hat sie erst im vergangenen Jahr in einem Interview und in einer Grußadresse bekräftigt.

Nein, er wird jetzt nicht wieder morden. Die Methoden sind gegenwärtig andere. Die Ziele bleiben dieselben.



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30. Dezember 2007

Zettels lobender Jahresrückblick (3): Die Nichtbegnadigung Christian Klars - eine richtige, eine wichtige Entscheidung

Formal ging es um einen Routine- Vorgang. Ein Lebenslänglicher reicht ein Gnadengesuch ein. Der Bundespräsident prüft es und entscheidet. Es ist eine Entscheidung nach Kriterien der Gnadenwürdigkeit, wie sie von früheren Präsidenten in ihrer Entscheidungs- Praxis entwickelt wurden. Unter anderem, daß jemand nicht gnadenwürdig ist, wenn er seine Taten erkennbar nicht bereut.

So weit war eigentlich alles einfach. Derjenige, der das Gnadengesuch gestellt hatte, zeigte keine Reue. Er hatte in einem zurückliegenden Gespräch mit Günter Gaus auf eine Frage nach seiner Schuld mit Unverständnis reagiert. Und er hatte in der Zeit, in der die Entscheidung über das Gnadengesuch anstand, eine Grußadresse an eine damals in Berlin tagende kommunistische Konferenz gerichtet. Darin fordert er, daß "die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen 'Rettern' entrissen werden. Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden (...)".

Wer das zur Kenntnis nahm, der konnte damals - im Januar und Februar des Jahres - zu dem Schluß kommen, daß dieser Mörder seine Morde nicht nur nicht bereute, sondern daß er sie durch die poiitischen Ziele rechtfertigen wollte, die er und seine Genossen damit verfolgten.

Spätestens bei dem Gespräch, zu dem Präsident Köhler den Häftling Klar unmittelbar vor der Entscheidung in der JVA Bruchsal aufsuchte, muß auch Köhler zu dieser Überzeugung gekommen sein.

Klar hat kürzlich, in einem Interview mit der Wochenzeitung "Freitag", über dieses Gespräch berichtet:
Schließlich kam Köhler mit seiner Mission (...) Unsere Generation hätte der Vätergeneration doch immer vorgeworfen, ihre Verbrechen in der Nazi-Zeit immer beschwiegen zu haben, jetzt würden wir doch das gleiche machen. Ich habe diesem Vergleich widersprochen und ihm erklärt, dass ich nicht einverstanden bin, die RAF-Geschichte als Kriminalfall zu besprechen.
Deutlicher ging es kaum noch. Daß Köhler einen Mörder, der so zu seinen Taten steht, wie Klar das ganz unverhohlen sagte, nicht begnadigen konnte, liegt auf der Hand.



Dennoch hatte es über die Frage der Begnadigung eine heftige öffentliche Diskussion gegeben. Wer sich an sie erinnern möchte, den lade ich ein, die Beiträge nachzulesen, die ich damals zu diesem Thema geschrieben habe. Man findet sie am Ende dieses Artikels verlinkt.

Es war in dieser öffentlichen Diskussion viel von Verirrungen, ja von wirren Ideen die Rede; es war von Schuld die Rede und davon, ob man es Christian Klar zumuten könne, seine Schuld einzugestehen und damit einen großen Teil seines Lebens als einen fürchterlichen Irrtum anzuerkennen.

Ich habe das damals nicht so gesehen, und an meiner Beurteilung hat sich seither nichts geändert: Christian Klar hat in seinem Selbstverständnis als Kommunist gegen unseren Staat, unsere Gesellschaft, unsere Rechtsordnung gekämpft; und er tut es heute noch. Er wird es weiter tun, sobald er aus der Haft entlassen ist. Warum sollte ein Kommunist für das, was er im politischen Kampf tut, Schuld empfinden?

Die Bedingungen haben sich aus seiner Sicht geändert; insofern steht der "bewaffnete Kampf" heute nicht auf der Tagesordnung. Aber daß er Schuld auf sich geladen hat, als er Menschen tötete, dieser Gedanke liegt ihm fern. Er hat aus seiner Perspektive das getan, was die Pflicht des Revolutionärs ist: Die Revolution zu machen. So sieht man das als Kommunist.

Auch in diesem Punkt ist Klar jetzt, in dem Gespräch mit "Freitag", vollständig deutlich geworden. Dazu, warum "die RAF ins Leben gerufen worden" sei, sagte er:
Der authentische Grund ist der gewesen, (...) dass sich geschichtlich eine Möglichkeit gezeigt hat, revolutionäre Entwicklungen in Gang zu setzen. (...) Es ist einzig eine Betrachtungsweise aus der Perspektive einer Befreiung der besitzlosen Klassen. (...) Es ... gehört ...zum Bild, Kampfformen zu wählen, die eigentlich Kampfformen einer Minderheit sind. Eine politische Bewegung will was erreichen, will nicht nur protestieren und sozusagen die Macht anderen überlassen.
Das sagte Christian Klar vor einigen Tagen, publiziert vor einer Woche, in der Ausgabe des "Freitag" vom 21. Dezember 2007. Jeder Marxist- Leninist hätte es so oder ähnlich gesagt.



Im Rückblick kann man sich darüber verwundern, daß Anfang des Jahres die Frage, ob man jemanden begnadigen kann, der so denkt, überhaupt diskutiert wurde. Und man fragt sich, wie Christian Klar auf den Gedanken kommen konnte, er könne mit dieser Haltung zu seinen Taten begnadigt werden.

Was diese zweite Frage angeht, gibt Klar in dem Interview mit "Freitag" eine Auskunft: Günter Gaus habe ihn nach dem Interview nochmals aufgesucht und "die Idee gebracht, das Gnadengesuch zu stellen". Aber "trotz dieser kompetenten Fürsprache" sei "die Sache sehr schnell schwierig, zäh geworden". Offenbar glaubte Klar, Günter Gaus könne die Entscheidung des Bundespräsidenten maßgeblich beeinflussen. Dieser allerdings war damals Johannes Rau.

Was die damalige öffentliche Diskussion angeht, so ist inzwischen erkennbar, daß sie sich keineswegs nur aus dem Interesse der liberalen Öffentlichkeit, ihrer 68er Repräsentanten zumal, an Fragen der Aufarbeitung der siebziger Jahre, an Fragen von Schuld und Reue speiste. Sondern auch die Kommunisten selbst haben da kräftig mitgemischt.

Die "Rosa- Luxemburg- Konferenz", an die Klar seine "Grußbotschaft" richtete, hatte Mitte Januar stattgefunden; die Sache wurde aber erst im Februar einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Im Mai kam heraus, daß Klar diesen Text nicht aus eigener Initiative geschrieben hatte, sondern daß er dazu eingeladen worden war. Und zwar eingeladen auf Initiative jenes Heinrich Fink, der laut MfS- Dokumenten als IM jahrzehntelang aus der evangelischen Kirche an das MfS berichtet hatte.

Die Kommunisten meiden also heutzutage nicht nur nicht die Verbindung mit "Revolutionären" wie Klar, sondern sie suchen sie ganz offensichtlich. Welche Bedeutung sie Christian Klar beimessen, geht aus der "Dossier" genannten Zusammenstellung von Beiträgen zu Klar hervor, die die kommunistische "Junge Welt" ihren Lesern anbietet - rund dreißig Artikel allein im Jahr 2007!



Eine Begnadigung von Christian Klar trotz dessen Weigerung, seine Mordtaten als solche zu akzeptieren und seine Schuld einzugestehen, wäre ein nicht unerheblicher Propaganda- Erfolg gewesen.

Denn damit wäre ja nachträglich durch keinen Geringeren als den Bundespräsidenten das bestätigt worden, versehen mit amtlichem Brief und Siegel, was die RAF und ihre Sympathisanten immer behauptet hatten: Daß die Angehörigen der RAF, die Menschen töteten, nicht an den Maßstäben für gewöhnliche Mörder zu messen seien.

Eine solche Begnadigung hätte so verstanden werden können - und wäre von der kommunistischen Progaganda sicher so interpretiert worden -, daß der Staat jetzt eine Art Amnestie erläßt, daß er Frieden mit denen machen möchte, die damals zu "Mitteln des politischen Kampfs" griffen, die gegenwärtig nicht zeitgemäß sind.

Die Entscheidung Horst Köhlers hat das verhindert. Sie hat zum Ausdruck gebracht, daß in unserem demokratischen Rechtsstaat Politik und Verbrechen nichts miteinander zu tun haben, schon gar nicht der Mord als ein Mittel der Politik als weniger abscheulich gelten kann als ein Mord aus irgendeinem anderen Motiv. Deshalb war es nicht nur eine offensichtlich richtige, sondern auch eine für unser Land wichtige Entscheidung.

Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

8. Mai 2007

Randbemerkung: Christian Klar, die Waffe der Kritik, die Kritik der Waffen

Haben Sie sich damals auch gefragt, wie der einsitzende Mörder Christian Klar eigentlich dazu gekommen ist, eine Grußbotschaft an eine Konferenz, die "Rosa- Luxemburg- Konferenz" im Januar dieses Jahres, zu richten?

Mir kam das damals seltsam vor; aber nun ja, es wurde halt nichts darüber berichtet. Der Vorgang selbst war ja zunächst von der nichtkommunistischen Presse übersehen und erst mit einer Verzögerung von sechs Wochen berichtet worden. Für den Hintergrund dieser seltsamen Grußbotschaft schien sich damals kein Journalist zu interessieren.

Jetzt hat die Mitteldeutsche Zeitung enthüllt, wie es denn damals zu dieser Grußbotschaft gekommen war: Christian Klar war keineswegs von sich aus auf diese Idee gekommen, sondern er war dazu eingeladen worden.

Und wer hatte ihn gebeten, den Serienmörder, eine Grußadresse an diese "Rosa- Luxemburg- Konferenz" zu richten? Laut MZ kein Geringerer als Heinrich Fink, einst Rektor der Humboldt- Universität. "Stasi-belastet", wie die MZ schreibt. Wir erinnern uns an den IM "Heiner".



So eingestimmt, habe ich eben gelesen, was die kommunistische "Junge Welt" über die Entscheidung Köhlers schreibt. Unter der Überschrift: "Köhler gnadenlos" erfährt man dort:
Kritik kam dagegen von der Linksfraktion. Deren innenpolitische Sprecherin Ulla Jelpke erklärte, die Entscheidung sei vor dem Hintergrund einer "von Regierungspolitikern und Medien künstlich aufgeheizten RAF-Debatte" gefallen. Wegen seiner Kritik am Kapitalismus wollten Politiker wie der bayerische Ministerpräsident Stoiber Klar "bis an sein Lebensende hinter Gittern wissen", fügte sie hinzu.
Für den Nichtkommunisten klingt das etwas seltsam, neun Morde als "Kritik am Kapitalismus" zu bezeichnen, nicht wahr?.

Nicht freiliich vermutlich für die Kommunistin Jelpke, die gewiß ihren Marx gelesen hat.

Denn wie schrieb der in der "Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie":
Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt (...).
So sehen sie es, die Kommunisten. Und wer glaubt, sie würden die RAF-Verbrecher aus einem anderen Grund kritisieren als dem, daß sie zur falschen Zeit zur revolutionären Gewalt gegriffen haben, der hat nichts vom Marxismus verstanden.

Genossen bleiben Genossen. Auch wenn sie einen taktischen Irrtum begangen haben.

7. Mai 2007

Christian Klar: Der Präsident hat souverän entschieden

Horst Köhler ist ein Mann, der Wert auf seine Souveränität legt. Jetzt hat er sich entschieden, Christian Klar nicht zu begnadigen - ohne Rücksicht auf die Pressionen, die man von allen Seiten auf ihn auszuüben versuchte.

Vorgestern sah es so aus, als werde er Klar begnadigen. Ich habe dazu geschrieben, daß wir eine solche Entscheidung zu respektieren hätten. Auch wenn wir sie für falsch hielten, wie ich zum Beispiel.

Jetzt bin ich gespannt, wie diejenigen reagieren, deren Meinung nun der Präsident nicht gefolgt ist. Ich hoffe, auch sie respektieren die souveräne Entscheidung Köhlers.

6. Mai 2007

Marginalie: Mörder trifft Präsidenten

"Getroffen" hat der Serienmörder Klar den Bundespräsidenten glücklicherweise nicht, wie einige Agenturen melden; aber er hat sich offenbar mit ihm getroffen.

Was freilich auch seltsam klingt - ein Mörder "trifft" sich eigentlich mit einem Präsidenten nicht, oder umgekehrt. Sondern allenfalls könnte ein Präsident, der über ein Gnadensuch zu entscheiden hat, den Mörder vorladen oder vorführen lassen, um sich von ihm ein Bild zu machen.

Ihn vorladen natürlich ins Präsidialamt; wohin sonst? Köhler allerdings ist eigens nach Süddeutschland gereist, wie gemeldet wird, um sich mit dem Mörder zu treffen.



Seltsam, ungewöhnlich, ein wenig stillos. Ob der Präsident bei jedem Mörder, der um Gnade bittet, eine Reise unternimmt, um sich mit ihm zu treffen?

Andererseits ist dieser eigenwillige Stil wohl Ausdruck der, sagen wir, trotzigen Selbständigkeit, mit der Köhler sein Amt führt. Etwas zu trotzig freilich, zu verkrampft, zu sehr diese Souveränität hervorkehrend, um wirklich souverän zu wirken.



Wie wird der Präsident entscheiden? Wäre Carstens oder Weizsäcker, wäre Heinemann oder Herzog, wäre einer der wirklich souveränen Präsidenten zu einem Mörder hingefahren, um sich mit ihm zu treffen, dann wäre das ein klares Signal gewesen, daß er ihn begnadigen will.

Aber bei Köhler bin ich da nicht so sicher. Vielleicht will er seine Souveränität zuerst durch diese Geste demonstrieren und dann dadurch, daß er gerade nicht das macht, was sie andeutet. Es würde seinem Stil entsprechen.



Wie immer er entscheidet: Wir haben das zu respektieren. Wenn jetzt Politiker glauben, ihren Beitrag abliefern zu dürfen oder zu sollen oder gar zu müssen - dann haben sie offenbar die Gewaltenteilung nicht verstanden.

Köhler ist der Gnadenherr. Es liegt im Wesen der Gnade, daß sie nicht begründungsfähig ist. Schon gar nicht haben Politiker sich in das einzumischen, was ein originäres Recht des Präsidenten ist.

21. April 2007

Marginalie: Wer erschoß Siegfried B.?

Der "Spiegel" hat es Montag auf dem Titel; das ZDF brachte es als Aufmacher der "heute"- Sendung von 19 Uhr, am heutigen Samstag: Es gibt neue Vermutungen darüber, wer Siegfried Buback erschoß.

Wohlgemerkt, Vermutungen. Peter-Jürgen Boock, der jahrelang die deutsche Öffentlichkeit mit Unwahrheiten über seine Zeit bei der RAF an der Nase herumgeführt hat, soll es Bubacks Sohn, Prof. Michael Buback, verraten haben: Es sei Stefan Wisniewski gewesen.

In der Vorabmeldung zu der kommenden Titel- Story heißt es, auch das RAF- Mitglied Verena Becker habe "dem Verfassungsschutz bereits Anfang der achtziger Jahre verraten", Wiesniewski sei der Mörder gewesen. (Nein, "Mörder" steht nicht in der "Spiegel"- Meldung; das ist meine Bezeichnung).

Also der "Spiegel" schreibt, Boock habe gesagt, "nach seinen Kenntnissen" sei Wisniewski der Mörder. Und gegenüber dem Verfassungsschutz (nicht etwa vor Gericht oder bei einer staatsanwaltlichen Vernehmung) soll Verena Becker das auch gesagt haben.

Hörensagen also. Hörensagen über Hörensagen. Jetzt in die Medien gelangt zu einem Zeitpunkt, wo es um die Begnadigung von Klar geht.

Mit den üblichen Reaktionen der üblichen Politiker. Bosbach hat den Finger gehoben und etwas gesagt. Ströbele, immerhin wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung rechtskräftig verurteilt, hat den Finger gehoben und Justizschelte geübt. Freilich im Konditionalis; er ist ja ein gewiefter Anwalt: Wenn "die Justiz damals tatsächlich von den entlastenden Aussagen wußte, hat sie unverantwortlich gehandelt", zitiert ihn "Spiegel Online". Ja, wenn ...



Vielleicht war es Wisniewski. Vielleicht war es Klar, und jetzt werden Nebelkerzen geworfen, um ihn aus dem Gefängnis zu bekommen. Mir ist das, ehrlich gesagt, so egal wie nur irgend etwas.

Klars Schuld würde doch nicht dadurch geringer, daß ihm beim Mord an Buback möglicherweise eine andere Funktion als diejenige zugewiesen worden war, die Schüsse abzufeuern. Vielleicht, weil er besser einen Alfa Romeo fahren konnte als die anderen und er deshalb diese Aufgabe erhielt. Vielleicht, weil seine Schießleistungen zu wünschen übrig ließen; oder weil man fürchtete, daß ihm die Nerven versagen könnten.

Also, nichts Neues aus meiner Sicht zum Fall Christian Klar. Jedenfalls fällt mir zu ihm - wie schon früher geschrieben - nichts mehr ein.

6. März 2007

Randbemerkung: "... es muß demokratisch aussehen"

Hugo Chávez, so meldete es vergangene Nacht der Newsticker von "Welt Online", will eine Sozialistische Einheitspartei gründen.

Das ist an sich keine Neuigkeit. Aber ein Satz in der Meldung hat mich doch stutzig gemacht:
Einige der Regierungsparteien, darunter die Partei Podemos und die Kommunistische Partei, haben es jedoch abgelehnt, sich in der "PSU" zu vereinen.
Nanu, ausgerechnet die Kommunisten wollen bei einer Sozialistischen Einheitspartei nicht mitmachen?

Des Rätsels Lösung findet man in dem ausführlichen AP-Bericht, wie ihn zum Beispiel die International Herald Tribune bringt. Dort heißt es über die Haltung der Kommunisten:
Communists will not consider relinquishing their 76-year history as an independent party until the ideological foundation of the future ruling party, the United Socialist Party of Venezuela, has been clearly defined, said Oscar Figueras, Secretary General of Venezuela's Communist Party, or PCV. "After the character of this organization is defined, the political parties will make decisions" regarding their own future, Figuera said Monday at the party headquarters in Caracas (...)

Die Kommunisten werden nicht in Betracht ziehen, ihre 76jährige Geschichte als unabhängige Partei aufzugeben, solange die ideologischen Grundlagen der künftigen herrschenden Partei, der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas, nicht klar festgelegt sind, sagte Oscar Figueras, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV). "Nachdem der Charakter dieser Organisation festgelegt ist, werden die politischen Parteien Entscheidungen treffen", was ihre eigene Zukunft angehe, sagte Figuera Montag in der Parteizentrale in Caracas (...)

Also, mitmachen werden sie bei dieser Einheitspartei, die Kommunisten, das versteht sich. Nur: Sie gedenken zu bestimmen, wie diese Sozialistische Einheitspartei ideologisch ausgerichtet sein wird.

Das Drehbuch folgt exakt dem in Cuba, auch wenn der Machtergreifung diesmal kein Guerrillakrieg vorausgegangen war. Auch Castro hatte sich zunächst als Sozialist bezeichnet, nicht als Kommunist. Erst zwei Jahre Jahre nach der Machtergreifung, 1961, begann der Vereinigungsprozeß seiner Bewegung des 26. Juli mit der Kommunistischen Partei, der 1965 zum Abschluß kam, als Castro selbst das Amt des Ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei Cubas übernahm.



Das Problem der Kommunisten ist seit Lenin, daß sie eben Bolschewiken sind, Minderheitler, auch wenn der Name das Gegenteil behauptet. Sie haben seit fast einem Jahrhunderte perfekte Techniken entwickelt, um trotz dieser anfänglichen Minderheitenposition am Ende die ganze Macht in die Hand zu bekommen.

Das war so in Osteuropa und in der deutschen Ostzone nach 1945. Der Ablauf unterscheidet sich in Nuancen, aber das Ziel ist immer dasselbe: "Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben"; so formulierte es Walter Ulbricht mit unnachahmlicher Klarheit im Mai 1945.

5. März 2007

Meine letzte Anmerkung zu Christian Klar

Verbrecher haben es gut bei uns. Man nimmt sich ihres Schicksals an, oft geradezu liebevoll an. Die meisten Opfer können davon nur träumen, so viel Interesse zu finden wie der Mörder Christian Klar.



Auch ich habe mich hier immer wieder mit ihm befaßt; vielleicht ein halbes Dutzend Mal. Jetzt reicht's. Der Anlaß dafür, daß ich dies schreibe, ist die Diskussion gestern im "Presseclub". Dazu möchte ich noch etwas sagen, und dann wird Ruhe sein.



Christian Klar ist ein Kommunist. Wie alle Kommunisten ist er überzeugt, daß man zur Erreichung seiner Ziele Gewalt nicht nur anwenden darf, sondern anwenden muß.

Es ist für Kommunisten allein eine Frage der Taktik, ob man im Einzelfall den legalen Weg geht oder Gewalt anwendet.

Klar und seinen Genossen von der RAF wird von anderen Kommunisten vorgeworfen, daß sie in einer Situation gemordet haben, in der das nicht erfolgversprechend gewesen war.

Das ist alles. Sie haben die Lage falsch eingeschätzt; so sieht das jeder Kommunist, so sieht es Klar selbst.

Gewissensbisse, Reue - das wäre für sie so lächerlich, als würde eine Katze das Mausen bereuen.



Ob er nun rumjammert und Gnade erbittet - auch das ist allein eine taktische Frage für einen Kommunisten.

Er hat damit eine öffentliche Diskussion erreicht, die dem Kommunismus nützt.

Andererseits darf man sich aber auch wieder nicht verstecken, als Kommunist. Man muß die öffentliche Diskussion nutzen, um den Kapitalismus zu kritisieren, um die eigenen Ziele deutlich zu machen.

Wenn die liberalen Scheißer so dumm sind, den Köder anzunehmen und über Schuld und Reue eine große Diskussion anzufangen - dann nutzt man das als Kommunist zur Agitprop.

Das hat Klar getan. Nichts daran ist "wirr". Wirr fand ich die Diskussions im "Presseclub".

Der Kommunismus steht, so sehen sie das, die Kommunisten, so schreibt es der Professor Dieterich Steffan, vor großen Erfolgen. Also bekennt Christian Klar Farbe. Also applaudieren ihm andere Kommunisten.



Die kommunistische Bewegung ist nicht nur nicht am Ende, sondern sie sieht sich auf der Erfolgsschiene.

Die Taktik ist vielfältig. Die einen operieren legalistisch und treten in Regierungen ein. Die anderen morden. Nie ist das anders gewesen, bei den Kommunisten.

Das Ziel ist dasselbe. Deshalb die Unterstützung für Klar, auch aus der PDS. Er ist ein Genosse, das liegt doch auf der Hand.

4. März 2007

Freundliche Bemerkungen zu Claus Peymann

Als Claus Peymann 1986 Bochum verließ, weil er ans Burgtheater berufen worden war, gab es in Bochum eine sehr schöne Abschiedsfeier.

Das BO-Theater hatte einen opulenten Band veröffentlicht, in dem die Ära Peymann dokumentiert worden war. Wer den gekauft hatte, der konnte auf dieser Abschiedsfeier zu allen diesen wunderbaren Peymann- Schauspielern gehen und das Buch von ihnen signieren lassen. Natürlich auch von Peymann himself.

Meine Frau hat das gemacht - Ritter, Dene, Voss, Samarovsky, Schwab, wie sie alle hießen, haben signiert und manchmal noch einen Geistesblitz in dieses Buch geschrieben.



Dann drang sie zu Peymann vor, meine Frau.

Peymann unterhält sich gern mit Frauen, die ihn interessieren. Meine Frau fragte ihn, warum er denn nach Wien ginge, wo doch in Bochum die Arbeitsbedingungen so gut gewesen seien. Ob es nicht vielleicht wegen des höheren Gehalts sei?

Peymann dachte nach, machte Konversation. Und dann signierte er: Claus Paymann.

Meine Frau hat laut gelacht, und Peymann hatte die Souveränität, noch lauter zu lachen.



Peymann also hat sich jetzt mal wieder danebenbenommen. Er hat Christian Klar bei dessen dummen Äußerungen über den Kapitalismus zugestimmt und ihm, falls er begnadigt werden sollte, eine Praktikantenstelle beim "Berliner Ensemble" versprochen.

Peymann benimmt sich immer daneben, das ist sein Lebensprinzip. Er hat die ja vielleicht nicht falsche Meinung, daß Künstler provozieren müssen.

Er hat die Stuttgarter provoziert, als er 1974 für Zahnersatz für RAF-Häftlinge sammelte. Deshalb haben sie ihn vertrieben, und deshalb hatte das Bochumer Theater das Glück, einen kongenialen Nachfolger für Peter Zadek zu bekommen.

Er hat die Wiener, kaum angekommen, mit "Heldenplatz" provoziert, und sie haben ihn schließlich dafür geliebt, für seine Provokationen, die Wiener.

Nun wird er alt, der Claus Peymann, und wenn man alt wird, muß man heftiger provozieren.



Vor ein paar Jahren hat er in einem Interview gesagt:
Vielleicht wirkt gerade meine Person integrativ für "Linke" und "Konservative". Ich konnte immer mit Vertretern beider Seiten befreundet sein. Selbstverständlich wurden in Bochum neben den Stücken Thomas Bernhards auch viele Stücke von Heiner Müller uraufgeführt... In ihrer jeweiligen Radikalität und Konsequenz sind sich beide Autoren nahe - wenn sie auch in ihrem Denken und in ihren Biographien Welten voneinander trennen.
Das mag er halt, der Claus Peymann. Die Radikalität, die Konsequenz.

Ich finde, daß er das als Künstler darf. Als Politiker freilich wäre er eine Katastrophe. Glauben darf man ihm kein Wort, wenn's um Politik geht, dem Künstler.

Aber sich an seinen wunderbaren Inszenierungen erfreuen, das sollte man sich gönnen.

3. März 2007

Randbemerkung: Die Rote Zora, Christian Klar und die kommunistische Taktik

In der kommunistischen Szene gab es einmal eine feministische Variante, die Rote Zora.

Politverbrecherinnen, die Sprengsätze bauten. Die ihrer politischen Meinung dadurch Nachdruck zu verleihen versuchten, daß sie Sprengladungen hochgehen ließen.

Eine der Protagonistinnen war eine gewisse Ingrid Strobl, die dadurch überführt werden konnte, daß sie einen vom Bundeskriminalamt markierten Wecker der Marke Emes Sonochron gekauft hatte - das waren die Wecker, die die "Rote Zora" als Zeitverzögerer für ihre Anschläge benutzte.

Als sie daraufhin festgenommen wurde, gab es Artikel mit dem Tenor "Seit wann ist es denn strafbar, einen bestimmten Wecker zu kaufen?".

Ja, nicht wahr? Seit wann ist es den strafbar, seine Fingerabdrücke irgendwo zu hinterlassen?




Jetzt ist wieder etwas Ähnliches im Gang. Christian Klar hat sich zu seinen politischen Ansichten erklärt. Ja, darf er denn das nicht? Darf man denn nicht den Kapitalismus kritisieren?

Aber ja. Man darf ja auch einen Wecker kaufen, welchen immer man will. Es ist doch nicht verboten, einen Wecker zu kaufen.

Christian Klar also darf selbstverständlich den Kapitalismus kritisieren, nach Herzenslust. Wie immer, wo immer er will.

Nur läßt jemand, der neun oder zehn oder wieviele Menschen ermordet hat, ja nicht gerade Einsicht in das Verbrecherische seiner Taten erkennen, wenn er sie immer noch politisch rechtfertigt, indem er sie in seine Kapitalismuskritik einordnet.

27. Februar 2007

Randbemerkung: Die PDS und der Gruß eines Terroristen

Meldungen brauchen manchmal lange, bis sie das Interesse finden, das sie verdienen.

Zum Beispiel eine Grußbotschaft, mit der sich Christian Klar an die Teilnehmer einer "Rosa- Luxemburg- Konferenz" wandte. Diese Grußadresse wurde am 15. Januar in der "Jungen Welt" im Wortlaut veröffentlicht. Vor knapp sechs Wochen also. Erst jetzt findet sie Beachtung.

Klar schreibt unter anderem:
Aber wie sieht das in Europa aus? Von hier aus rollt weiter dieses imperiale Bündnis, das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen (...) Trotzdem gilt hier ebenso: "Das geht anders". Wo sollte sonst die Kraft zu kämpfen herkommen? Die spezielle Sache dürfte sein, daß die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen "Rettern" entrissen werden. Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen.
In den gestrigen Zeitungen wurde das hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt kommentiert, daß Klar nicht eben die Reue erkennen läßt, die vielleicht doch eine Voraussetzung für eine Begnadigung sein sollte. Klar rede sich um Kopf und Kragen, schrieb zum Beispiel Welt-Online.



Mir erscheint dieser Aspekt uninteressant. Daß Klar weiter seinen Wahnideen anhängt, ist ja bekannt; siehe in diesem Blog zum Beispiel hier und hier. Es gab und gibt keinen Hinweis darauf, daß er sich geändert hat.

Viel interessanter finde ich, daß er eine Grußadresse an diese Konferenz richten konnte. Eine Grußadresse, die offenbar ja keineswegs zurückgewiesen, sondern im Gegenteil sogar in der "Jungen Welt" im Wortlaut veröffentlicht wurde.



Was hat es mit dieser Rosa-Luxemburg-Konferenz auf sich? Ist es vielleicht eine Konferenz, in der man die Freiheit der Andersdenkenden diskutiert hat?

Nein. Diese Konferenz findet seit 1996 jährlich statt, veranstaltet von der "Jungen Welt" und anderen Organisationen wie Cuba Sí; und zentral sind die "Suche nach Wegen, die mörderische neoliberale Entwicklung zu durchbrechen, der Wille, den Kapitalismus zu überwinden und die Einsicht in die Notwendigkeit einer sozialistischen Perspektive."

Mit anderen Worten, da treffen sich militante Kommunisten.



Hier, der "Jungen Welt" entnommen, die Liste der diesjähirgen Referentinnen und Referenten:
*Mumia Abu Jamal, politischer Gefangener (USA)

*Francisco Brown Infante, Direktor am Institut für Europäische Studien (Havanna / Cuba)

*Robert R. Bryan, Rechtsanwalt (San Francisco / USA)

*Prof. Peter Grottian, Freie Universität Berlin

*Ernest Kaltenegger, Fraktionsvorsitzender der KPÖ im Steiermärkischen Landtag (Österreich)

*Gesine Lötzsch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende Die Linke.PDS, MdB

*Arnaldo Otegi,Sprecher der derzeit verbotenen Partei Batasuna (Baskenland)

*Leo Mayer, Sekretariat Parteivorstand DKP, ehem. stellv. BRV Siemens

*Dr. Alberto Moreira, Befreiungstheologe (Universität Goiania / Brasilien)

*Andrea Schuhmann, Antifaschistische Linke Berlin (ALB)

*Klaus Steiniger, Chefredakteur Rotfuchs

*Feng Yuan, Journalistin (Peking / China)
Eine interessante Referentenliste.

Der erste Referent, Mumia Abul Jamal, sitzt im Hochsicherheitsgefängnis State Correctional Institution Greene im US-Bundesstaat Pennsylvania. Er wurde keineswegs aus politischen Gründen verurteilt, sondern wegen Mordes an dem Polizisten Daniel Faulkner. Ein seltsamer Referent auf einer Konferenz. Wie mag er nach Berlin gekommen sein?

Als zweiter Referent wird Francisco Brown Infante genannt, ein cubanischer Spezialist für den Zusammenbruch des Kommunismus in der UdSSR und Osteuropa.

Arnaldo Otegi ist ein Angehöriger der ETA, der wegen Verherrlichung des Terrorismus zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Weiter gehören zu den Referenten unter anderem ein österreichischer Kommunist, ein Mann aus dem Parteivorstand der DKP (ja, die gibt's noch!), eine chinesische Journalistin - und Gesine Lötzsch, stellvertretende Vorsitzende der Franktion "Die Linke.PDS" im Bundestag.



Ich wundere mich immer wieder über die Naivität derer, die der PDS abnehmen, "in der Demokratie angekommen" zu sein.

Wenn ein demokratischer Rechter sich in einer Konferenz mit einer Ansammlung lupenreiner Nazis zusammentun würde, wäre das sein politisches Ende.

Gesine Lötzsch, stellvertretende Frationsvorsitzende der PDS im Bundestag, kann sich hingegen mit einem amerikanischen verurteilten Mörder, mit einem Funktionär der cubanischen Diktatur, mit Kommunisten aus Deutschland und Österreich, mit einem verurteilten Verherrlicher des Terrorismus in einer Konferenz zusammenfinden - und kein Hahn kräht danach. Ihre Partei ruft sie nicht zur Ordnung; ganz zu schweigen von dem Parteiausschluß, der jeden Demokraten treffen würde, der sich mit ähnlich militanten Rechtsextremisten gemeinsam auf einer Konferenz sehen ließe.



Nun also, nach fast sechs Wochen, gibt es ein Medienecho auf Christian Klars "Grußadresse".

Aber nicht auf den Umstand, daß an einer solchen Konferenz eine hochrangige Bundespolitikerin der PDS teilgenommen hat, immerhin einer Regierungspartei im Land Berlin. Nicht deshalb wird jetzt verspätet über diese Konferenz berichtet.

Sondern weil man sich darüber wundert, daß Christian Klar noch immer Kommunist ist, und er das auch bekundet hat.

2. Februar 2007

Marginalie: Schuldeinsicht und ihre Verweigerung

Dies ist eine Marginalie zu einem Artikel von Philipp Wittrock in Spiegel- Online und zu einem Kommentar von Achim im Antibürokratieteam.

Beide befassen sich mit dem im RBB erneut ausgestrahlten Interview von Günter Gaus mit Christian Klar, das ich leider nicht sehen konnte. Ich erinnere mich aber an die Erstausstrahlung. In einem Kommentar zu Achims Beitrag im "Antibürokratieteam" habe ich meine Erinnerung beschrieben.

Achim artikuliert den Eindruck, den auch ich hatte: "Doch Klar bereut, adäquat einem anderen deutschen Täter nicht nur nichts, sondern zeigte im Gespräch nicht einmal Ansätze von Selbstkritik oder Einsicht, dass der mörderische Kampf der Rote Armee Fraktion gescheitert ist".

In dem Kommentar von Philipp Wittrock heißt es:
Im Interview präsentiert sich der Öffentlichkeit ein Gefangener - nicht nur im Knast von Bruchsal, vielmehr auch ein Gefangener seiner selbst. Die Mauern längst vergangener Tage endlich einzureißen, die er selbst um sich herum aufgebaut hat - das schafft Klar nicht. Auch dem Frage-Profi Gaus gelingt es nicht. (...) Tief verstört sei ihr Vater gewesen nach der Begegnung mit dem Mann, der von den Jahren der Haft schwer gezeichnet war, schreibt Bettina Gaus in der "taz". Ihr Vater habe keinen Sinn mehr darin gesehen, dass Klar weiter in Haft bleiben musste - weder den Sinn "der Resozialisierung noch den der Vereitelung weiterer Straftaten".
Ich halte Günter Gaus für einen großen Journalisten. Seine Serien "Zur Sache" und "Zur Person" sind vorbildliche Beispiele für eine Interviewtechnik, die den Interviewten weder zu überfahren versucht, noch ihm die Stichworte liefert. Er hat sich als Interviewer um Verständnis und Kritik bemüht, um eine ehrliche Auseinandersetzung. Niemand nach ihm hat das so hinbekommen, wollte es vielleicht auch nicht.

Ich nehme also ernst, was Günter Gaus geäußert hat. Aber ich bin einigermaßen sicher, daß auch dieser Linksliberale sich nicht frei machen konnte von seiner Sympathie für Linke, selbst wenn sie Massenmörder waren. Auch er hat nicht gesehen, daß der Graben zwischen Demokraten und Politverbrechern verläuft, und nicht zwischen Linken und Rechten.



Ja, natürlich, es ist für einen ideologisch motivierten Mörder eine Katastrophe, einzusehen, daß er ein Mörder ist und kein Kämpfer. Gut möglich, daß Klar daran zerbricht, sich seine Schuld einzugestehen.

Das hat man aber auch den Nazi-Mördern abverlangt, die ja auch meist ideologisch motiviert gewesen sind.

Warum das nicht auch den RAF-Mördern abverlangen, die doch in ihrem elitären Denken, in ihrer Brutalität, in ihrer Menschenverachtung ("klägliche und korrupte Existenz beendet" als Beschreibung des Mords an Schleyer) dieselbe Mentalität hatten wie die Nazi- Verbrecher?