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18. Oktober 2007

Welche politische Reise der letzten Tage war die wichtigste?

Nein, nicht die von Condoleezza Rice, nicht die Putins. Sondern sehr wahrscheinlich die eines anderen Staatsmanns, am 15. und 16. Oktober.

Das Medien- Echo auf diese dritte Reise war gering. Wenn ein Sender von einer "Amplia repercusión" (einem breiten Widerhall) dieser Reise sprach, dann ist das eine jener realitätsfernen Propaganda- Behauptungen, wie man sie einst aus dem "Neuen Deutschland" kannte.

Der Sender, der von diesem breiten Widerhall fabulierte, hat selbst allerdings einen sehr lauten Hall zu erzeugen versucht; nur fehlte das Echo. Dieser Sender hat gestern und vorgestern fast ständig über diese Reise berichtet, mit stundenlangen Live- Sendungen: Der cubanische Staats- Sender Cubavision. Ein Beispiel für den Inhalt einer dieser Sendungen findet man hier. Der Reisende, von dem sie unermüdlich handeln, ist der venezolanische Präsident Hugo Chávez Frías.



Ich hatte vorgestern und gestern die Berichte über diese Reise im Hintergrund laufen. Sie lenkten nicht allzu sehr von der Arbeit am Rechner ab, denn sie waren so redundant, wie das nur Sendungen in totalitären Staaten sein können. Aber immer mal wieder schaute und hörte ich doch länger hin. Und was da zu sehen und zu vernehmen war, das war aufregend.

Chávez, in einer rote Hemdbluse, die er offenbar zu einer Art Mao- Uniform zu erheben gedenkt - auch viele seiner Begleiter trugen sie -, reiste nämlich durch Cuba ganz so, als sei er schon dessen Präsident.

Er war vom amtierenden Staatschef Raùl Castro empfangen worden. Danach reiste er durchs Land nicht wie ein Staatsgast, sondern wie der Nachfolger Castros.

Den er in jeder Hinsicht zu imitieren trachtete. Endlos lange Reden, in denen er offenbar improvisierte, in denen er assoziativ vom Hölzchen aufs Stöckchen kam. Umherschweifende Betrachtungen über Dies und Jenes, vor allem aber natürlich immer wieder über die Bosheit der Kapitalisten und über die Vorzüge des Sozialismus. Gewürzt mit Witzchen, mit Beispielen aus dem Leben. Das alles didaktisch, sozusagen mit ständig erhobenem Zeigefinger vorgetragen.

Ebenso ähnelten die sonstigen Auftritte von Chávez denen Castros.

Er besuchte die Raffinierie Camillo Cienfuegos, die zusammen mit Venezuela gebaut wird, er besuchte ein Museum zur cubanischen Revolution. Er traf sich mit den üblichen "einfachen Menschen", mit denen er über ihre Sorgen und Hoffnungen plauderte, ihre Hände ergreifend, sie umarmend. Hauptsächlich dozierte er aber auch dann, wenn er nicht am Rednerpult stand.

Die übliche Szene war Chávez im Fokus der Kamera, um ihn herum cubanische Offiziere und sonstige Bevölkerung, im Hintergrund die Bodyguards. Und Chávez redend, redend, redend. Es gab auch Chávez, an einem Schreibtisch sitzend und Bücher kommentierend. Es gab Chávez, vor einem anderen Auditorium an einem ähnlichen Tisch sitzend, Fragen beantwortend und seine endlosen Monologe mit Gesängen untermalend. Es gab Chávez, mit dem Volk tanzend und singend. Es gab Chávez, durch Spaliere von Menschen fahrend, die "Viva Chávez!" skandierten.

Niemand käme beim Anblick dieser Szenen auf den Gedanken, daß da ein Staatsgast unterwegs war. Cubanische Offizielle als Begleiter traten überhaupt nicht in Erscheinung. Sondern es sollte der Eindruck vermittelt werden: Serenissimus besucht seine Untertanen.

Oder, realistischer gesagt: Dieser Besuch stimmte sie darauf ein, daß sie nach dem Tod Castros keineswegs von den Tiraden ihres Herrschers erlöst sein würden.



Nun, das sind Bilder. Sie ergänzen die - auch jetzt wieder ausgestrahlten - Bilder, die Castro und Chávez als Vater und Sohn darstellen; als Lehrer und Schüler. Aber es gibt auch harte Fakten, die belegen, wie weit schon die Integration von Cuba und Venezuela fortgeschritten ist.

Anläßlich des Besuchs von Chávez wurden zahlreiche Abkommen zur Integration der Wirtschaft der beiden Länder unterzeichnet. Und Chávez hat auch gar nicht mit seiner Absicht einer Union zwischen den beiden Staaten hinter dem Berg gehalten: "Kuba und Venezuela könnten ohne weiteres eine Konföderation bilden, zwei Republiken in einer, zwei Länder in einem. Das ist keine Einbildung". Näheres im Bericht des Guardian.



Während so die Verbindung zwischen Venezuela und Cuba vorangetrieben wird, bereitet Chávez bei sich zu Hause eine sogenannte Verfassungsreform vor, die alle Merkmale eines kommunistischen Staatsstreichs trägt.

Der Zusammenhang zwischen den beiden Vorgängen liegt auf der Hand: Chávez muß damit rechnen, daß der kommunistische Staatsstreich - trotz aller Vorkehrungen, wie der weitgehenden Gleichschaltung des Militärs - am Ende doch auf Widerstand trifft. Dann wird er auf den militärischen Beistand Cubas angewiesen sein, über die jetzt schon existierende militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit hinaus.



Ende letzten Jahres war hier zu lesen gewesen: "Meine Vermutung war und ist zugegebenermaßen spekulativ: Daß es zwischen Cuba und Venezuela auf eine Kooperation, wenn nicht einen staatlichen Zusammenschluß hinausläuft. Mit Chávez als dem Nachfolger Castros. Mit dem venezolanischen Öl und dem Repressionsapparat Cubas, die, vereint, das Überleben dieser bolivarischen Variante des Kommunismus vermutlich für einige Zeit sichern könnten."

Ich habe mich geirrt. Die Vermutung war nicht spekulativ.

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24. Mai 2007

Empfehlung: "Rendezvous mit dem Tod" (heute im SWR)

Heute um 23.40 wiederholt der SWR die Sendung von Wilfried Huismann "Rendezvous mit dem Tod". Sie befaßt sich mit den Hintergründen des Mords an John F. Kennedy.

Ich empfehle diese Sendung sehr.

Als ich sie zum ersten Mal sah, hatte ich nicht viel erwartet - halt wieder eine der vielen Verschwörungstheorien, dachte ich. So plausibel oder unplausibel wie alle; denn alle picken sie ja einzelne Fakten heraus und hängen daran ihre Spekulationen auf. Wie immer bei Verschwörungstheorien fehlt, so erwartete ich es, die empirische Bodenhaftung.

Aber das ist bei dieser Sendung nicht so. Wilfried Huismann, ein renommierter Dokumentarfilmer, hat drei Jahre an diesem Film gearbeitet. Was er behauptet, erscheint mir ausnehmend gut durch Interviews und Dokumente belegt. Einen Hintergrund- Artikel brachte damals, als der Film erstmals vom WDR ausgestrahlt wurde, die "London Times".

Wenn ich die Sendung heute aufgezeichnet und noch einmal genau angesehen habe, gibt es voraussichtlich noch einen ausführlicheren Beitrag dazu; auch zu der Kritik, die ausgerechnet aus dem WDR auf Huismann niederging.




Nachtrag: Die Sendung wurde leider kurzfristig zugunsten eines Beitrags über den Radsport abgesetzt. Ein neuer Sendetermin scheint noch nicht festzustehen.

6. März 2007

Randbemerkung: "... es muß demokratisch aussehen"

Hugo Chávez, so meldete es vergangene Nacht der Newsticker von "Welt Online", will eine Sozialistische Einheitspartei gründen.

Das ist an sich keine Neuigkeit. Aber ein Satz in der Meldung hat mich doch stutzig gemacht:
Einige der Regierungsparteien, darunter die Partei Podemos und die Kommunistische Partei, haben es jedoch abgelehnt, sich in der "PSU" zu vereinen.
Nanu, ausgerechnet die Kommunisten wollen bei einer Sozialistischen Einheitspartei nicht mitmachen?

Des Rätsels Lösung findet man in dem ausführlichen AP-Bericht, wie ihn zum Beispiel die International Herald Tribune bringt. Dort heißt es über die Haltung der Kommunisten:
Communists will not consider relinquishing their 76-year history as an independent party until the ideological foundation of the future ruling party, the United Socialist Party of Venezuela, has been clearly defined, said Oscar Figueras, Secretary General of Venezuela's Communist Party, or PCV. "After the character of this organization is defined, the political parties will make decisions" regarding their own future, Figuera said Monday at the party headquarters in Caracas (...)

Die Kommunisten werden nicht in Betracht ziehen, ihre 76jährige Geschichte als unabhängige Partei aufzugeben, solange die ideologischen Grundlagen der künftigen herrschenden Partei, der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas, nicht klar festgelegt sind, sagte Oscar Figueras, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV). "Nachdem der Charakter dieser Organisation festgelegt ist, werden die politischen Parteien Entscheidungen treffen", was ihre eigene Zukunft angehe, sagte Figuera Montag in der Parteizentrale in Caracas (...)

Also, mitmachen werden sie bei dieser Einheitspartei, die Kommunisten, das versteht sich. Nur: Sie gedenken zu bestimmen, wie diese Sozialistische Einheitspartei ideologisch ausgerichtet sein wird.

Das Drehbuch folgt exakt dem in Cuba, auch wenn der Machtergreifung diesmal kein Guerrillakrieg vorausgegangen war. Auch Castro hatte sich zunächst als Sozialist bezeichnet, nicht als Kommunist. Erst zwei Jahre Jahre nach der Machtergreifung, 1961, begann der Vereinigungsprozeß seiner Bewegung des 26. Juli mit der Kommunistischen Partei, der 1965 zum Abschluß kam, als Castro selbst das Amt des Ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei Cubas übernahm.



Das Problem der Kommunisten ist seit Lenin, daß sie eben Bolschewiken sind, Minderheitler, auch wenn der Name das Gegenteil behauptet. Sie haben seit fast einem Jahrhunderte perfekte Techniken entwickelt, um trotz dieser anfänglichen Minderheitenposition am Ende die ganze Macht in die Hand zu bekommen.

Das war so in Osteuropa und in der deutschen Ostzone nach 1945. Der Ablauf unterscheidet sich in Nuancen, aber das Ziel ist immer dasselbe: "Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben"; so formulierte es Walter Ulbricht mit unnachahmlicher Klarheit im Mai 1945.

31. Januar 2007

Castro und Chávez: Bilder von heute

Seit August letzten Jahres zeichnet sich ab, daß Venezuela vor einer kommunistischen Machtergreifung steht und daß Castro nicht einen Cubaner, sondern Húgo Chávez als seinen Erben ausersehen hat. Ich habe das hier in Zettels Raum zu dokumentieren versucht, zum Beispiel in diesem und zuvor in diesem Beitrag. Zusammengefaßt ist es in Zettels kleinem Zimmer nachzulesen.



Heute nun hat das cubanische internationale Fernsehen CubaVision nur ein einziges Thema: Der künftige Führer Chávez hat wieder einmal den sterbenden Führer Castro besucht.

Die cubanischen TV-Leute - handwerklich perfekt, wie in jeder totalitären Diktatur - haben das sehr sinnfällig ins Bild gesetzt: Castro als Moribundus, klapprig und zitternd. Chávez als der Starkmensch, der vor Kraft nich loofen kann. Jeder sah, wie da die Fackel weitergereicht wurde.

Ich habe das vom Bildschirm zu fotografieren versucht; hier sind ein paar Impressionen:



9. Januar 2007

Rückblick: Venezuela auf dem Weg in den real existierenden Sozialismus

Mitte August habe ich hier die Berichterstattung des cubanischen Fernsehens CubaVision zu Castros Erkrankung kommentiert.

Auffällig war, daß nicht Castro im Mittelpunkt stand, sondern Hugo Chávez. Auch die weiteren Berichte von CubaVision setzten das fort, wie in "Zettels kleinem Zimmer" im einzelnen nachzulesen. Offenbar soll Chávez als Nachfolger Castros aufgebaut werden.

Castros Nachfolger kann Chávez nur werden, wenn auch in Venezuela ein kommunistisches Regime errichtet wird. Seit diesen Sendungen verfolge ich deshalb aufmerksamer, was sich in Venezuela zuträgt. Hier war kürzlich einiges über den neuesten Stand der "bolivarischen Revolution" zu lesen, also des Übergangs zur Diktatur des Proletariats in Venezuela. Unter anderem wird eine Sozialistische Einheitspartei gegründet und ein allgemeiner Arbeitsdienst für alle Bürger zwischen 15 und 50 Jahren eingeführt.

Gestern nun hat Chávez anläßlich der Vereidigung seines Kabinetts die nächsten Schritte auf dem Weg zum Kommunismus angekündigt:
  • Umfangreiche Verstaatlichungen. Die cubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina nennt das sehr hübsch "Efforts intended to recover social property for strategic production"; Anstrengungen also, für die strategische Produktion gesellschaftliches Eigentum einzuziehen.

  • Weiter kündigte Chávez ein Ermächtigungsgestz an (in der Formulierung von Prensa Latina: "a law ... with the purpose of conferring special powers to implement a series of regulations to the Executive"; ein Gesetz mit dem Ziel, besondere Vollmachten an die Regierung zu übertragen, eine Reihe von Regelungen zu treffen).

  • In einer weiteren Meldung teilt Prensa Latina mit, daß Chávez "constitutional socialist reform, popular education, a 'new geometry of power' and promotion of municipal functions" angekündigt habe, also eine sozialistische Verfassungsreform, Volkserziehung, eine "neue Geometrie der Macht" und die Förderung der Gemeinden.
  • Einen ausführlichen AP-Bericht über Chávez' Rede findet man zum Beispiel heute bei CBS News.

    Die deutsche Berichterstattung zu diesem Thema ist bisher eher bescheiden. Sucht man zum Beispiel bei FAZ.Net nach "Venezuela", dann wird im Augenblick als heutige Meldung ein einziger Beitrag angeboten; ein Artikel des Wirtschaftsressorts über das Sinken der Ölpreise. Eine rühmliche Ausnahme ist dieser ausführliche Bericht von Hildegard Stausberg in der "Welt", der zwar nicht die aktuelle Rede kommentiert, aber interessante Informationen zum Kontext bringt.

    Zum Beispiel, daß das neue, gestern vereidigte Kabinett ausschließlich aus engen Vertrauten von Chávez besteht, darunter vielen ehemaligen Militärs.



    Deren Erfahrung wird er bald brauchen, wie auch die der Cubaner, die seinen Sicherheitsapparat kontrollieren.

    Denn die Machtübernahme, die jetzt begonnen hat, folgt exakt dem Drehbuch der kommunistischen Machtübernahmen in den Ländern Osteuropas zwischen 1945 und 1950: Kontrolle des Militärs und der Polizei (des Innenministeriums). Zusammenschluß der Parteien zu einer Einheitspartei, einer "Nationalen Front", oder wie immer es genannt wird. Verstaatlichung der Schlüsselindustrie. Erfassung der gesamten Bevölkerung in "gesellschaftlichen Organisationen", wie jetzt dem von Chávez vorgesehenen allgemeinen Arbeitsdienst.



    Die USA scheinen mit dem Irak und Afghanistan vollauf beschäftigt. Das Entstehen einer neuen kommunistischen Diktatur "vor ihrer Haustür", die möglicherweise schon bald ein Bündnis, wenn nicht einen Verbund mit Cuba eingehen wird, scheinen sie hinnehmen zu wollen.

    17. Dezember 2006

    Venezuela auf dem Weg in den real existierenden Sozialismus

    Das erste Mal ist es mir Mitte August aufgefallen, als der staatliche cubanische TV-Sender CubaVision einen Bericht aus Castros Krankenzimmer brachte: Nicht der amtierende Präsident, Fidels Bruder Raùl, wurde als Besucher groß herausgestellt, sondern Hugo Chávez.

    Ich habe das dann ein wenig verfolgt und in "Zettels kleinem Zimmer" von Zeit zu Zeit dokumentiert: Wie Chávez von der cubanischen Propaganda immer mehr als der Nachfolger Castros aufgebaut wurde. Als Nachfolger mindestens, was die Führung des lateinamerikanischen Kommunismus anging. Aber vielleicht auch, wer weiß, mit der Perspektive einer Vereinigten Bolivarischen Republik aus Cuba und Venezuela.

    Parallel zu dieser propagandistischen Herausstellung von Chávez durch Cuba häuften sich die Hinweise darauf, daß die Wahlen vom 3. Dezember die letzten halbwegs freien Wahlen in Venezuela sein würden. Daß es Chávez mit Hilfe von Zehntausenden von cubanischen Geheimdienstlern, die bereits im Land waren, schaffen würde, diese Wahlen zu gewinnen, war klar. Und danach würde er freie Hand haben.



    Jetzt ist Venezuela auf dem Weg in die Dikatur des Proletariats. Chávez ist offensichtlich entschlossen, die Weichen dafür sofort zu stellen. Das zeigen zwei Meldungen, die gestern zu lesen waren.

    Die eine verbreitet der englischsprachige Dienst der cubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. Sie erscheint mir so interessant, daß ich sie vollständig dokumentiere und übersetze (Hervorhebungen von mir):
    Chavez for United Socialist Party

    Caracas, Dec 16 (Prensa Latina) The creation of a united organization of the revolution, the construction of socialism and constitutional changes stand as key points of the Venezuelan political agenda from 2007. In his most recent speech on those issues, President of the Republic Hugo Chavez announced the creation of the Venezuelan United Socialist Party "because that is what the revolution requires" and called on his followers to support that idea.

    "Socialism constitutes the central axis within such a wide spectrum of challenges," the dignitary said. Chavez called for those organizations supporting him to give up individual colors and acronyms because what the revolution really needs is a united party instead of an alphabet soup, he stressed.

    Similarly, he called to maintain the battalions and squad structures of the Miranda Command created in the context of December 3 elections as the base of the Socialist United Party. In relation to the constitutional changes, the president stated that the reforms should entail the call for a Constituent Assembly.

    Chávez für eine Sozialistische Einheitspartei

    Caracas, 16. Dezember (Prensa Latina). Die Schaffung einer vereinigten Organisation der Revolution, der Aufbau des Sozialismus und Verfassungsänderungen bilden die entscheidenden Punkte der venezolanischen politischen Agenda für 2007. In seiner neuesten Ansprache zu diesen Themen verkündete der Präsident der Republik, Hugo Chávez, die Schaffung der Venezolanischen Sozialistischen Einheitspartei, "weil das die Revolution verlangt", und rief seine Anhänger dazu auf, diese Absicht zu unterstützen.

    "Der Sozialismus bildet die Hauptachse innerhalb eines solchen weiten Spektrums von Herausforderungen", sagte der Würdenträger. Chávez forderte diejenigen Organisationen, die ihn unterstützen, dazu auf, die einzelnen Farben und Abkürzungen aufzugeben, denn das, was die Revolution wirklich braucht, ist eine Einheitspartei, statt einer Buchstabensuppe, betonte er.

    Zugleich rief er dazu auf, die Strukturen der Bataillone und Schwadrone des Miranda- Kommandos, die im Zusammenhang mit den Wahlen vom 3. Dezember geschaffen wurden, als Basis der Sozialistischen Einheitspartei zu nutzen. Hinsichtlich der Verfassungsänderungen stellte der Präsident fest, daß die Reformen zur Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung führen sollten.

    Wie erinnerlich, begann die Herrschaft der Bolschewiken damit, daß es ihnen gelang, eine Verfassungsgebende Versammlung zu dominieren, obwohl sie numerisch damals noch in der Minderheit waren. Chávez ist heute in einer ungleich besseren Position; auch in einer weit besseren als die KPD, als sie 1946 vor der Aufgabe stand, die viel größere SPD zu schlucken.



    Die zweite heutige Meldung aus Venezuela findet man zum Beispiel bei Bloomberg: Wie die Bloomberg-Korrespondentin Theresa Bradley aus Caracas berichtet, hat der venezolanische Kongreß einstimmig (mit 167 zu 0 Stimmen) ein Gesetz gebilligt, das eine Arbeitsdienstpflicht für alle Bürger und Bürgerinnen Venezuelas einführt. Als Ziel nennt die Regierung, "to generate a culture capable of putting the collective before the individual"; also eine Kultur zu schaffen, die in der Lage ist, das Kollektiv vor das Individuum zu stellen.

    Das neue Gesetz bestimmt, daß jede Person zwischen 15 und 50 Jahren zwei Jahre lang mindestens fünf Stunden im Monat gemeinnützige Arbeit leisten muß; und zwar in Schulen, Parks, Job-Zentren und auf dem Bau. Studenten müssen nach ihrem Abschluß ein ganzes Jahr im Arbeitsdienst arbeiten.

    Das Gesetz verpflichtet jedes Privatunternehmen und jede Behörde dazu, einen eigenes Sozialdienst-Netz einzurichten. Ein Komitee wird das alles überwachen. Es wird des weiteren eine neue Regierungsbehörde eingerichtet, die vom Ministerium für Volksbeteiligung (Ministry for Popular Participation) koordiniert wird.

    Wer seiner Arbeitsdienstpflicht nicht nachkommt, wird mit Geldstrafe oder mit zusätzlichen Arbeitsdienst-Stunden bestraft.

    Ein fast perfektes Gesetz, scheint mir, um den Übergang zur Diktatur des Proletariats einen entscheidenden Schritt voranzubringen.

    Denn alle Bürger unterliegen damit der Kontrolle einer Arbeitsbehörde. Und wer sich weigert, in Parks oder auf dem Bau zu arbeiten - auch wenn er Unternehmer, Künstler oder Professor ist, oder wenn eine alleinerziehende Mutter sich weigert, ihre Kinder im Stich zu lassen -, der ist automatisch ein Gesetzesbrecher.



    Meine Vermutung war und ist zugegebenermaßen spekulativ: Daß es zwischen Cuba und Venezuela auf eine Kooperation, wenn nicht einen staatlichen Zusammenschluß hinausläuft. Mit Chávez als dem Nachfolger Castros. Mit dem venezolanischen Öl und dem Repressionsapparat Cubas, die, vereint, das Überleben dieser bolivarischen Variante des Kommunismus vermutlich für einige Zeit sichern könnten.



    Noch eine Bemerkung: Ich wundere mich immer wieder darüber, wie gutgläubig viele Demokraten es den Kommunisten der PDS abnehmen, daß sie in der "Demokratie angekommen" seien, daß sie auf das Ziel der erneuten Errichtung einer Diktatur des Proletariats verzichtet hätten. Hier habe ich dieses Staunen zu formulieren versucht.

    Manche, die Kleingläubigen unter den Kommunisten, mögen ja resigniert haben. Aber die wirklich von ihrem Glauben durchdrungenen Marxisten müssen doch aus dem, was sich im Augenblick in Lateinamerika zuträgt, größte Hoffnung schöpfen.

    Gut, der erste Anlauf ist gescheitert. Aber es ist aus ihrer Sicht doch mit Händen zu greifen, daß der nächste Versuch, die Diktatur des Proletariats zu realisieren, bereits sehr erfolgversprechend im Gang ist.

    Und da sollten sie jetzt die Flinte ins Korn werfen und ihre kommunistische Überzeugung aufgeben? Dat kannse deine Omma erzählen, sagt man im Ruhrgebiet.

    11. Dezember 2006

    Randbemerkung: Zwei Tyrannen und ein Todesfall

    Einer der beiden großen Diktatoren Lateinamerikas im Zwanzigsten Jahrhundert ist tot. Der andere, dessen achtzigster Geburtstag im August gefeiert wurde, ist, soviel man weiß, auf den Tod krank.

    Dem einen, der jetzt gestorben ist, fielen - so heißt es in der Welt -, 3197 Menschen zum Opfer, die in seinen Gefängnissen gefoltert und ermordet wurden; dazu schätzungsweise 1000 "Verschwundene". Die Opfer des anderen wurden vom Boston Globe am Anfang dieses Jahres auf 9240 Menschen geschätzt, die hingerichtet wurden und in Gefängnissen als politische Häftlinge umkamen.

    Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von in cubanischen Gefängnissen Gefolterten wie zum Beispiel der Dichter Armando Valladares, der nach seiner auf amerikanischen Druck hin erfolgten Freilassung US-Amerikaner wurde und zeitweilig die USA-Delegation bei der UN- Kommission für Menschenrechte leitete. Er hatte wegen seiner Opposition zu Castros Regime 22 Jahre in cubanischen Gefängnissen gesessen; unter nachgerade unfaßbarem Leiden. Ich empfehle sehr die Lektüre seines Berichts.

    Hinzu kommen mehr als 70000 Menschen, die bei dem Versuch, der cubanischen Diktatur zu entkommen, ums Leben kamen; die sogenannten "balseros" auf ihren Flößen, die sie nach Florida bringen sollten.



    Zu Pinochet erscheinen jetzt die Nachrufe. Sie gehen so harsch mit ihm ins Gericht, wie er es verdient hat.

    "Heute ist der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet im Kreise seiner Familie gestorben. Seinen tausenden Opfern war dies nicht vergönnt: Viele starben durch Folter und landeten im Meer. Für Chile ist der Tod des Greises die Befreiung von einem 33-jährigen Alptraum", schreibt Carsten Volkrey in Spiegel-Online, dem man hier einmal zustimmen kann. "Tausende wurden während seiner Diktatur ermordet, verschleppt und gefoltert. Der Diktator selbst aber wurde für die Menschenrechtsverletzungen unter seiner Verantwortung nie bestraft", hieß es in der ARD-Tagesschau.

    Daß Castro für seine Verbrechen noch zur Verantwortung gezogen wird, ist ebenfalls unwahrscheinlich. Nur, seltsam, während es weltweit bedauert wird, daß Pinochet straflos ausging, hört man kaum eine Stimme, die die Bestrafung Castros fordert.

    Nun gut, man ist seiner ja nicht habhaft. Insofern mag eine solche Forderung sich dadurch erledigen, daß sie nicht realisierbar ist.

    Aber wer würde überhaupt wollen, daß Castro für das, was er den Cubanern angetan hat, zur Verantwortung gezogen wird? Wieviele der Journalisten, die jetzt zu Recht den toten Pinochet verdammen, legen dieselben Maßstäbe an den sterbenden Castro an?

    Warten wir die Nachrufe ab, in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten.