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29. Juli 2008

Der 44. Präsident der USA (7): Barack Obama auf dem Weg vom Erhabenen zum Lächerlichen, Teil 3

Wirklich lächerlich macht sich ein Erhabener noch nicht allein damit, daß er - durch sein Unwissen, durch Prahlerei, dergleichen - auch lächerliche Züge trägt. Mit Beispielen dafür hatten sich, was den erhabenen Barack Obama angeht, die ersten beiden Teile befaßt. Richtig lächerlich wird es aber erst, wenn die Erhabenheit selbst in solche Höhen steigt, daß sie ins Lächerliche kippt.

So weit ist es jetzt bei Barack Obama. Die Stilisierung zum Heiland, zum Retter der Nation und der Welt beginnt, statt Ergriffenheit Heiterkeit auszulösen. Obama ist in Gefahr, daß der Respekt in Auslachen umschlägt wie beim Professor Rat, aus dem der Professor Unrat wurde.

Daß diese Gefahr für Obama akut ist, dafür findet man in der Presse dieser Tage drei Beispiele.



Da ist erstens eine glänzende Satire von Gerald Baker, dem USA-Redakteur der London Times. Sie schildert im Stil der Biblischen Geschichte zuerst Obamas Biographie, zum Beispiel:
And it came to pass, in the eighth year of the reign of the evil Bush the Younger (The Ignorant), when the whole land from the Arabian desert to the shores of the Great Lakes had been laid barren, that a Child appeared in the wilderness.

Und es begab sich im achten Jahr, da der böse Bush der Jüngere (der Ignorant) regierte, als das ganze Land von den Wüsten Arabiens bis zu den Ufern der Großen Seen eine Ödnis war, daß in der Wildnis ein Kind erschien
und widmet sich dann der jetzigen Reise. Über den Abstecher in den Irak zum Beispiel lesen wir:
And lo, in Mesopotamia, a miracle occurred. Even though the Great Surge of Armour that the evil Bush had ordered had been a terrible mistake, a waste of vital military resources and doomed to end in disaster, the Child's very presence suddenly brought forth a great victory for the forces of the light.

Und siehe, in Mesopotamien geschah ein Wunder. Abwohl der Große Surge der Waffen, den der böse Bush befohlen hatte, ein furchtbarer Fehler gewesen war, eine Verschwendung militärischer Ressourcen und zum Scheitern in einem Desaster verdammt, brachte allein die Anwesenheit des Kindes einen großen Sieg für die Mächte des Lichts.
Und so fort. Über Berlin heißt es, "im Land der Königin Angela von Merkel" hätte sich viel Volkes versammelt, um Seine Stimme zu hören. Vom langen Warten aber sei das Volk hungrig geworden. Da hätte das Kind seine Jünger angewiesen, fünf Stücke Brot und ein Paar Frankfurter Würstchen zu nehmen und an die Menge zu verteilen. Und siehe, alle seien satt geworden.



Beispiel zwei ist keine Satire. Oder sagen wir, es ist Realsatire. Zuerst habe ich die Story am Samstag in einem Artikel von Rick Moran in der konservativen Internet- Zeitung American Thinker gelesen. Überschrift: "The Most Incredible Example of Obama Media Love Yet" - das bisher unglaublichste Beispiel für Obamas Affäre mit den Medien, frei übersetzt.

Es geht um etwas, von dessen Existenz ich gar nichts gewußt hatte - eine englische Internet- Ausgabe der "Bild- Zeitung"! Und darin findet sich der Artikel der (wie das Bild mit Obama zeigt) sehr jungen Judith Bonesky, die das Privileg hatte, Obama beim Fitness- Training zu beobachten und die darüber in diesem Stil berichtet:
Shortly after half past four and he actually arrives! Barack Obama is wearing a grey t-shirt, black tracksuit bottoms – and a great smile! "Hi, how’s it going?“ asks Obama in his deep voice. My heart beats. "Very good, and you?" I say. Obama replies: "Very good, thank you!" (...)

Quickly I ask: "Mr. Obama, could I take a photo?". "Of course!" he answers, before asking my name and coming over to stand next to me. "My name’s Judith" I reply. "I’m Barack Obama, nice to meet you!" he says, and puts his arm across my shoulder. I put my arm around his hip – wow, he didn’t even sweat! WHAT A MAN!

Kurz nach halb fünf, und er kommt wirklich! Barack Obama trägt ein graues T-Shirt, schwarze Trainingshosen - und ein breites Lächeln! "Hi, wie läuft's?" fragt Obama mit seiner tiefen Stimme. Mein Herz pocht. "Sehr gut, und Sie?", sage ich. Obama antwortet: "Danke, sehr gut!" (...)

Schnell frage ich: "Mr. Obama, dürfte ich ein Foto machen?". "Natürlich!", antwortet er, bevor er mich nach meinem Namen fragt und sich ganz nah zu mir stellt. "Ich heiße Judith", antworte ich. "Ich bin Barack Obama, sehr erfreut!" sagt er und legt seinen Arm um meine Schulter. Ich lege meinen Arm um seine Hüfte - wow, er schwitzte nicht einmal. WAS FÜR EIN MANN!"
WAS FÜR EIN SCHMUS!

Diese Begegnung - oder dieser Bericht? - ließ Obama offenbar nicht ruhen. Jedenfalls ging er in einem am Wochenende von der Kolumnistin Maureen Dowd in der New York Times publizierten Gespräch auf die "Bild"-Story ein. Lesen wir, was Frau Dowd berichtet:
Obama marveled: "I’m just realizing what I’ve got to become accustomed to. The fact that I was played like that at the gym. (...) We walk into the gym. She’s already on the treadmill. She looks like just an ordinary German girl. She smiles and sort of waves, shyly, but doesn’t go out of her way to say anything. As I’m walking out, she says: ‘Oh, can I have a picture? I’m a big fan.’ Reggie takes the picture."

I ask him if he found it a bit creepy that she described his T-shirt as smelling like "fabric softener with spring scent."

He looked nonplused: "Did she describe what my T-shirt smelled like?"

Obama staunte: "Ich merke jetzt erst, woran ich mich gewöhnen muß. Die Tatsache, daß ich beim Training in dieser Weise hereingelegt worden bin. (...) Wir gehen in den Fitnessraum. Sie ist schon auf dem Laufband. Sie sieht aus wie ein normales deutsches Mädchen. Sie lächelt und winkt, oder so ähnlich, schüchtern, aber macht keine Anstrengung, etwas zu sagen. Als ich hinausgehe, sagt sie: 'Oh, kann ich ein Bild haben? Ich bin ein großer Fan. Reggie [der Trainingspartner Obamas] macht das Bild."

Ich frage ihn, ob er es nicht ein wenig gruselig findet, daß sie den Geruch seines T-Shirts als "Weichspüler mit Frühlingsduft" beschrieben hätte.

Er guckte verlegen: "Hat sie beschrieben, wie mein T-Shirt roch?"
Na, ob dieser nachgeschobene Kommentar Obamas der Sache etwas von ihrer Peinlichkeit genommen hat? Ich würde ja sagen, er hat sie mit diesem Kommentar noch peinlicher gemacht, wenn das denn möglich war.

Vielleicht war der Gipfel der Peinlichkeit aber auch das, was Marc Pitzke in "Spiegel Online" dazu aus der Feder floß. Danach war das Geschichtlein sozusagen ein Sück Lernprozeß unseres naiven Parsifal Obama: "Die Lehre aus dieser Geschichte? Selbst Obama, der perfekte Menschenfänger, lernt noch dazu".



Und dann ist da drittens noch die Geschichte mit dem Präsidentensiegel. Die Geschichte, deren Kenntnis ich dem schon im zweiten Teil erwähnten Artikel von Matthias Rüb in der FAZ vom Wochende verdanke.

Schauen Sie sich bitte einmal dieses Bild an. Fällt Ihnen etwas auf? Daß Barack Obama ungewöhnlich nachdenklich aussieht? Ja, das auch. Aber sehen Sie sich einmal das Siegel an seinem Rednerpult an. Nicht wahr, das kommt Ihnen bekannt vor? In der Tat sieht es dem Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten bemerkenswert ähnlich.

Daß Obama mit der Verwendung dieses Siegels - es wurde inzwischen zurückgezogen - versucht hatte, sich schon im Vorwahlkampf mit präsidialen Würden zu umkleiden, ist lächerlich genug.

Wirklich sehr, sehr lächerlich ist aber der Spruch, der darauf steht, auf diesem sozusagen nicht Presidential Seal, sondern Pretender's Seal. Beim Präsidenten steht E PLURIBUS UNUM, aus Verschiedenem das Eine. Als Motto festgelegt vom Kongreß im Jahr 1782. Und was steht bei Obama an der entsprechenden Stelle?

Sie ahnen es, oder Sie haben es gesehen: VERO POSSUMUS steht da. Wirklich und wahrhaftig. Also Yes we can auf lateinisch.

Geht es lächerlicher?



Mit Dank an Werner Stenzig. - Links zu allen Folgen dieser Serie findet man hier. - Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

28. Juli 2008

Der 44. Präsident der USA (7): Barack Obama auf dem Weg vom Erhabenen zum Lächerlichen, Teil 2

Der erste Teil endete damit, daß Barack Obama sich vergangenen Mittwoch in Jerusalem der Arbeit "meines Komitees", des Senate BankingCommittee brüstete, dessen Mitglied er gar nicht ist.

Schwer zu erklären, was da in seinem Kopf vorging.

Hatte er einen solchen Ausfall seines Gedächtnisses, daß er nicht mehr wußte, in welchen Ausschüssen des Senats er eigentlich sitzt?

Dachte er, es merkt keiner, wenn er wieder mal ein wenig aufschneidet?

Oder sollen wir das "my committee" in einem höheren Sinn verstehen - irgendwie kann man ja alles, was in der US-Politik Gutes passiert, dem künftigen Retter der Nation attribuieren. "My committee" wäre dann in dem selben Sinn zu verstehen, in dem die Queen von "my government" spricht.

Wie dem auch sei - solche Erfindungen, die seine Erhabenheit noch ein wenig erhöhen sollen, findet man bei Obama häufiger.

Beispielsweise behauptete er, sein Vater sei im Jahr 1959 überhaupt nur dank der Großzügigkeit der Familie Kennedy in die USA gekommen, die das betreffende Programm für afrikanische Studenten mitfinanziert habe. Tatsächlich wurden die Kennedys erstmals 1960 um eine Spende für ein anderes derartiges Programm gebeten. Obama wollte offenbar eine Verbindung zwischen sich und Präsident Kennedy herstellen.

Nicht nur die Biographie seines Vaters, sondern auch seine eigene Existenz versucht Obama in den Kontext der großen Geschichte zu stellen. Über das Zusammentreffen seiner Eltern sagte er:
There was something stirring across the country because of what happened in Selma, Ala., because some folks are willing to march across a bridge. So they got together and Barack Obama Jr. was born.

Es war etwas Mitreißendes im ganzen Land wegen dessen, was sich in Selma, Alabama zugetragen hatte, weil einige Leute bereit sind, über eine Brücke zu gehen. So kamen sie zusammen, und Barack Obama jr. wurde geboren.
Barack Obama jr. wurde 1961 geboren. Der Vorfall in Selma - ein Marsch von Bürgerrechtlern über eine Brücke nach Montgomery, der von der Polizei brutal gestoppt wurde und der als eines der historischen Ereignisse im Kampf gegen den Rassismus gilt - fand erst vier Jahre später statt, am 7. März 1965.

Obama - oder seine Redenschreiber - benutzen offenbar sehr bewußt religiöse Klischees. Wenn ein Heiland geboren wird, dann nicht einfach, weil seine Eltern ihn zeugten. Sondern daß sie sich trafen, daß der Retter geboren wurde, ist Teil eines größeren Zusammenhangs.

Und wer geboren ist, sein Land und die Welt zu retten, den wird man nicht mit der schnöden Elle der Faktenhuberei messen.

Das folgende Beispiel entnehme ich der deutschen Presse. Denn es gibt jetzt den raren Fall, daß sich ein deutscher Journalist in einem Leitmedium kritisch mit Barack Obama befaßt. Auf das, was am vergangenen Wochenende Michael Rüb in der FAZ aus Washington berichtete, werde ich noch zurückkommen. Zunächst ein weiterer Ausrutscher von Obama, den Rüb erwähnt:

Am 13. Mai forderte er, nicht nur Kampftruppen aus dem Irak nach Afghanistan zu verlegen, sondern auch Übersetzer. Offenbar vermutete er, daß man in Afghanistan arabisch spricht.



Nun gut. Ich ahne, lieber Leser, was Sie jetzt denken: Das passiert doch jedem. Ein Politiker ist ein Politiker ist ein Politiker. Kein wandelndes Lexikon. Kein Superman, der es aushält, tagelang mit wenig Schlaf auszukommen und dann auf jede Frage immer mit perfektem Faktenwissen zu glänzen.

Recht haben Sie. Noch mehr Recht haben Sie, wenn Sie Präsident Bush dasselbe zubilligen, oder dem Senator McCain. Diesem passieren solche Ausrutscher ausgesprochen selten, aber auch der kleinste wird noch von der Presse an die große Glocke gehängt, und manchmal bimmelt das sogar bis nach Deutschland hinein, ja bis hinein in ein kleines Forum.

Also, soweit hält sich die Lächerlichkeit Obamas in den üblichen Grenzen. Sie wäre nicht erwähnenswert, wenn er nicht erstens in der Pose des Erhabenen aufträte; da ist die Fallhöhe nun einmal groß. Und wenn nicht eben zweitens anderen Politikern solche Aussetzer um die Ohren gehauen werden, während man sie bei Obama freundlich übersieht.

Was wirklich für Obama die Gefahr in sich birgt, daß er aus dieser seiner Erhabenheit in die Lächerlichkeit kippen könnte, das ist aber etwas anderes.

Es ist nicht, daß der Erlöser und Erretter sich als ein Mensch wie du und ich erweist, der nicht weiß, welche Sprachen man in Afghanistan spricht, der nicht immer weiß (oder glaubt, daß die anderen es nicht wissen), in welchem Ausschuß des Senats er Mitglied ist und dem, wie uns allen, der eine oder andere blöde Versprecher unterläuft.

Sondern es ist die Gefahr, daß die Erhabenheit derart erhaben wird, daß sie selbst es ist, die in Lächerlichkeit umschlägt. Dazu mehr im dritten Teil.

(Fortsetzung hier)



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27. Juli 2008

Der 44. Präsident der USA (7): Barack Obama auf dem Weg vom Erhabenen zum Lächerlichen, Teil 1

"Du sublime au ridicule il n'y a qu'un pas", soll Bonaparte gesagt haben; vom Erhabenen zum Lächerlichen sei es nur ein Schritt.

Kein Präsidentschaftskandidat in den USA seit Menschgedenken hat sich in solcher Erhabenheit präsentiert wie der Kandidat Barack Obama.

Er will nicht nur den "change", was man mit "Wandel" und nicht mit "Wechsel" übersetzen sollte. Er verkündet nicht nur: "We are the hope of the future", wir sind die Hoffnung der Zukunft. Sondern er will gar "heal this nation, repair this world", diese Nation gesunden lassen, diese Welt heil machen.

An dem Tag, an dem seine Nominierung feststand, hat er in St. Paul, Minnesota, gesagt:
I am absolutely certain that generations from now, we will be able to look back and tell our children that this was the moment when we began to provide care for the sick and good jobs for the jobless; this was the moment when the rise of the oceans began to slow and our planet began to heal; this was the moment when we ended a war and secured our nation and restored our image as the last, best hope on Earth.

Ich bin absolut sicher, daß wir Generationen später werden zurückblicken können und unseren Kindern sagen, daß dies der Moment war, als wir begannen, den Kranken Versorgung und den Arbeitslosen gute Jobs zu geben; daß dies der Moment war, als sich der Anstieg der Ozeane zu verlangsamen begann und als unser Planet gesund zu werden begann; daß dies der Moment war, als wir einen Krieg beendeten und unsere Nation schützten und unser Bild als die letzte, die beste Hoffung der Erde wieder errichteten.
Um es nochmal zu sagen: Der "Moment", von dem Obama da spricht, ist der seiner eigenen De- facto- Nominierung zum Kandidaten der Demokratischen Partei für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten.

Nicht wahr, das ist so erhaben, daß der Schritt zum Lächerlichen nicht sehr groß wäre? Und zumindest den Fuß scheint er gelegentlich zu heben, um diesen Schritt zu tun, der Barack Obama.



Da sind zum einen die lapses, die gaffes, die Aussetzer also. Bei jemandem wie Bush, dem die Medien nichts verzeihen, werden sie von diesen gesammelt und genüßlich als Bushisms zitiert. Bei Obama bleiben sie unbeachtet, diese Ausrutscher. Jedenfalls weitgehend, jedenfalls bisher, jedenfalls in Deutschland.

Obama hat beispielsweise versprochen, den "Präsidenten Kanadas" anzurufen, um mit ihm über die NAFTA zu sprechen. Staatsoberhaupt Kanadas ist bekanntlich die Queen.

Er hat am 25. Mai 2008 in New Mexiko am Gefallenen- Gedenktag (Memorial Day) gesagt:
On this Memorial Day, as our nation honors its unbroken line of fallen heroes -- and I see many of them in the audience here today -- our sense of patriotism is particularly strong.

An diesem Tag, wenn unsere Nation ihre bruchlose Kette gefallener Helden ehrt - und ich sehe viele von ihnen heute im Publikum - ist unser Gefühl des Patriotismus besonders stark.
Was für ein Lacher wäre das gewesen, hätte es Präsident Bush gesagt! Und was hätten sich die Kommentatoren an giftigen Bemerkungen ausgedacht, so à la "...marschier'n im Geist in unsren Reihen mit"!

Und dann gibt es Obamas Erkenntnis über die Zahl der US-Staaten: Er sei im Wahlkampf schon in 57 Staaten der USA gewesen, nur noch nicht in Alaska und Hawaii.

Auch ist da die Sache mit dem Senat. Ganz neu; er sagte das vergangenen Mittwoch in Jerusalem auf einer Pressekonferenz:
Now, in terms of knowing my commitments, you don't have to just look at my words, you can look at my deeds. Just this past week, we passed out of the U.S. Senate Banking Committee, which is my committee, a bill to call for divestment from Iran, as a way of ratcheting up the pressure to ensure that they don't obtain a nuclear weapon.

Nun, was die Kenntnis über meine Festlegungen angeht, sollten sie nicht nur auf meine Worte blicken, sie können auf meine Taten blicken. Gerade erst letzte Woche verabschiedeten wir im Banking Committee des US- Senats, das mein Komitee ist, ein Gesetz, das die Zurücknahme von Investitionen im Iran verlangt, als einen Weg, den Druck zu verstärken, um sicherzustellen, daß sie die Atomwaffe nicht bekommen.
Lobenswert, nicht wahr? Nur daß der Senator Obama diesem Banking Committee gar nicht angehört.

(Fortsetzung hier)



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9. Dezember 2006

Chaplin, Schmidt, Borat. Bemerkungen zum Lachen und zum Humor

Wenn wir richtig schön lachen, dann entblößen wir unser Gebiß und stoßen laute, rhythmische Laute aus. In der Regel als Gruppe. Lachen ist ansteckend. Lachen ist sozial, und es spricht alles dafür, daß es eine biologische Grundlage hat. Eine Gesellschaft oder eine Kultur, in der nicht gelacht werden würde, ist nicht bekannt.

Warum wir lachen, das ist - wie könnte es anders sein - wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt. Freud vermutete, daß der Witz das Realitätsprinzip negiert und dadurch Verdrängtes freisetzt. Heutige Evolutionsbiologen wie Robert R. Provine sehen eher die soziale Funktion des Lachens. Vielleicht ist es zunächst aus dem Schnaufen beim heftigen Spiel entstanden, wird spekuliert. Richtig lachen konnten unsere Vorfahren erst, als sie sich aufgerichtet hatten, wodurch der Thorax von seiner Stützfunktion befreit und das Atmen kontrollierbar wurde. Damit konnte die spezielle motorische Koordination beim Lachen, eine Koordination der gesamten Atem- und Mund- Muskulatur wie beim Sprechen, einer sozialen Funktion verfügbar werden.

Welcher? Manche, wie Provine, heben hervor, daß man lacht, wenn man gekitzelt wird. Schon Säuglinge tun das. Wenn man sich selbst kitzelt, lacht man nicht. Das Lachen ist eine soziale Reaktion auf einen sozialen Reiz, auf eine bestimmte Art des - im Wortsinn - Angerührtwerdens durch andere. Ein kaum unterdrückbarer Automatismus. Angeblich hat man ja Menschen zu Tode zu foltern versucht, indem man von diesem Automatismus Gebrauch machte.



Aber die meisten Lacher erzeugt, jedenfalls beim erwachsenen westlichen Menschen, nicht das Gekitzeltwerden, sondern Humoristisches. Humor, das heißt eigentlich Saft, Flüssigkeit. Was da fließt und überfließt und aus uns herausfließt, wenn wir über etwas Lustiges lachen, das ist meist ein Gefühl der Überlegenheit.

Eine der evolutionären Theorien des Lachens, die vor einem Jahr von den beiden Biologen Thomas Gervais und David Sloan Wilson publiziert wurde, meint, daß das ursprünglichste Lachen das Lachen über ein Mißgeschick ist. Ungeschicktes, Unschickliches auch, wie Stolpern und Pupsen, das einem anderen widerfährt. Stolpern, so spekuliert diese Theorie, passierte häufig in der Zeit, in der unsere Ahnen den aufrechten Gang erwarben. Wenn ein Gruppenmitglied stolperte, dann wurde gelacht - es war ein Mißgeschick passiert, aber doch kein allzu großes. Wie beim Pupsen, so sagt diese hübsche (und im einzelnen sehr komplexe) Theorie. Und wie auch sonst, wenn eine "nicht ernsthafte soziale Inkongruenz" eintritt. Da macht man sich lustig, da löst sich alles in befreiendes und vereinendes Lachen auf. Auf Kosten desjenigen, den das Mißgeschick traf.

Damit verstehen wir, wieso solche TV-Sendungen wie "Upps - die Pannenshow" (Super-RTL) so erfolgreich sein können, in denen eigentlich nichts als eine Aneinanderreihung von Mißgeschicken gezeigt wird. Pferd und Reiter purzeln über eine Hürde, ein Go-Cart überschlägt sich, dergleichen. Was ist daran lustig? Es ist lustig, und kaum jemand kann sich dem Impuls zum Lachen entziehen, wenn jemand auf einer Bananenschale ausrutscht. "Wo ist da der Witz?", das mag eine akademische Frage sein. Für unser Homo- Sapiens- Gehirn ist es keine Frage. So wenig wie bei der Sahnetorte im Gesicht.



Wenn der - oder sagen wir vorsichtiger: ein - Kern des Humors diese evolutionär alte, automatisch ausgelöste Reaktion ist, über Mißgeschick - sofern es nicht wirklich schlimm ist - zu lachen, dann gibt es offensichtlich für den Humoristen zwei Wege, auf denen er uns zum Lachen bringen kann: Er kann entweder selbst als Opfer von Mißgeschicken auftreten, oder er kann andere dieser Art von Lächerlichkeit preisgeben.

Das erste ist die Methode des Dummen August im Zirkus und des klassischen Slapstick im Kino - von Charlie Chaplin, von Buster Keaton, von Laurel und Hardy zum Beispiel. Sie tappen von einem Ungemach ins nächste, sie stolpern sozusagen durchs Leben, und wir lachen darüber. Gewiß, unser Lachen ist nicht hämisch; Mitgefühl haben wir schon mit diesen armen Kerlen. Aber es ist doch eben ihr Mißgeschick, und im Grunde nichts anderes als dieses ihr Leiden, was uns zum Lachen reizt.

Ein running gag in Buster Keatons wunderbarem The Cameraman besteht darin, daß Buster mit seinem unhandlichen Kameragestell auf der Schulter durch eine Glastür will und diese dabei zerdeppert. Das tut er wieder und wieder, durch den ganzen Film. Und wieder und wieder können wir nicht anders, als lauthals lachen über dieses sich wiederholende Mißgeschick unseres doch eigentlich sympathischen Helden.

Das Mißgeschick war im Slapstick meist körperlicher Natur; später verschob es sich oft mehr in Richtung aufs Peinliche, wie bei Peter Sellers (für mich am Schönsten in The Party) und - sozusagen obersuperpeinlich - bei Rowan Atkinson als Mr. Bean. Oder es war sprachliches Mißgeschick, wie bei Karl Valentin und Heinz Erhardt.

Jacques Tati hat den von klassischen Slapstick- Mißgeschicken (wenngleich von der sanfteren Art) verfolgten Helden noch einmal mit Meisterschaft dargestellt. Doch da war (wie auch in Chaplins Modern Times) das Mißgeschick schon nicht mehr nur zum Lachen. Es trug eine Botschaft, bei Chaplin leise, bei Tati eindringlicher, um nicht zu sagen penetrant: Es ist die moderne Welt, es sind die Auswüchse der modernen Technik, die den ihr ausgelieferten Menschen von Mißgeschick zu Mißgeschick treiben. Da wurde nicht mehr nur gestolpert, sondern doch schon ziemlich der Zeigefinger erhoben. Ein veredeltes Kunststolpern, sozusagen.



Damit nähern wir uns der zweiten Art, wie der Humorist unsere angeborene Neigung, auf Mißgeschick Anderer mit Lachen zu reagieren, ansprechen kann: Nicht, indem er das Opfer solchen Mißgeschicks gibt, sondern indem er sich gewissermaßen auf unsere, der sich darüber durch ihr Lachen Erhebenden, Seite stellt.

Das ist die Rolle des klassischen politischen Kabarettisten. Er stolpert nicht, weder körperlich, noch verbal. Er führt den Stolpernden nicht in dem Sinn vor, daß er ihn spielt, den Stolpernden. Sondern er "führt" ihn in einem anderen Wortsinn "vor", indem er ihn bloßstellt.

Er will uns ja aufklären. Uns zum Lachen bringen, ja schon. Aber nicht um des Lachens willen. Sondern indem er uns darauf aufmerksam macht, wie andere stolpern und wie schlimm das ist. Die Politiker zumal sind Stolpernde. Die Reichen. Die Mächtigen. Kurz alle, die - so sieht es unser politischer Kabarettist - es verdient haben, daß wir uns an ihrem Stolpern, an ihrem Ausrutschen ergötzen.

In der alten Bundesrepublik wurde diese Art von Lächerlichmachen mit hohem moralischem Anspruch hingebungsvoll gepflegt - von politischen (oder, wie sich manchmal auch nannten) literarischen Kabaretts, oft und zunehmend dann auch von Einzelkünstlern. Wir kennen sie alle: Die "Insulaner" und die "Stachelschweine" in Berlin. Das "Kom(m)ödchen" in Düsseldorf. Die "Schmiere" in Frankfurt. Hanns Dieter Hüsch, Franz Josef Degenhardt, Dietrich Kittner.

Wir sollten lachen bei ihren Auftritten, ja. Aber das Lachen sollte uns doch auch im Halse steckenbleiben. Denn das Gestolpere, das sie uns vorführten, war ja die Anarchie des Kapitalismus, die Gemeinheit der Mächtigen, gar die Schlechtigkeit der Welt überhaupt.



Davon ist heute wenig geblieben. Wenn im Nachtprogramm eines öffentlich-rechtlichen Senders Dieter Hildebrandt seinen "Scheibenwischer" zelebrierte, dann wirkte das in letzter Zeit nostalgisch, fast schon rührend.

Stattdessen haben wir Harald Schmidt. Er ist das Muster eines Vertreters derjeniger Humoristen, die um keinen Preis selbst stolpern wollen. Zu stottern wie Heinz Erhardt, sich in der Sprache zu verheddern wie Karl Valentin - das käme ihm nicht in den Sinn. Jeder seiner Auftritte signalisiert uns im Gegenteil, wie intelligent der Mann ist, wie er alles durchschaut und unter Kontrolle hat.

Dabei hält er auf eine beeindruckende Weise die Balance zwischen Ernsthaftigkeit, Zynismus und Verarschung. Er redet über seine religiöse Überzeugung so, wie er über Politiker witzelt. Er ist imstande, die Verleihung des Bambi zu moderieren und dabei den Ton, der dort bei der Moderation üblich ist, halb zu perfektionieren und halb zu parodieren. Die Dummen hören nur die Perfektion, die Intelligenten hören die Parodie heraus.



Und Borat? Tja, der ist noch besser als Harald Schmidt. Wie dieser beherrscht er perfekt diese Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Parodie, wie dieser - nein, ungleich heftiger - setzt er sie ein, um seine Opfer zu verarschen.

Aber Cohen hat mit dieser Figur Borat noch etwas anders gemacht: Dieser Borat ist ja zugleich auch ein Tölpel, ein ständig Stolpernder. Die beiden Grundfiguren des szenischen Humors, der Humorist als Stolpernder und als das Stolpern anderer uns Vorführender - das hat Cohen in dieser Figur des Borat perfekt miteinander verbunden.

Wir können - wie bei Harald Schmidt - mit ihm über andere lachen. Und wir können zugleich - wie bei Charlie Chaplin - über ihn selbst lachen. Genial.



Titelvignette: Der Ha Ha Guy; eine Werbefingur, die in den USA für Forbes Dry Plates warb, in der Frühzeit der Fotografie.