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26. Juni 2008

Zitat des Tages: Geschafft!

Ich bin natürlich auch geschafft von diesem Spiel.

Jogi Löw

Kommentar: Das hätte Löw dem Reporter sagen sollen - und sich dann freundlich lächelnd empfehlen. Aber natürlich konnte er das nicht.

Er mußte, auf die bekannten Fragen antwortend, das Bekannte sagen: "Jetzt haben wir es geschafft, das macht mich natürlich glücklich". Da konnte Michael Ballack nur zustimmen: "Wir freuen uns natürlich riesig". Und auch Poldi sagte, wie es ist: "...wir sind jetzt im Finale und wollen es auch gewinnen, ganz klar".

Ganz klar. Was sollen sie auch sonst sagen als das Bekannte? Als die Platitüden, die jeder vorhersagen kann? Sie geben auf dumme Fragen dumme Antworten, die Spieler, die, ausgepumpt vom Spiel, manchmal noch außer Atem auch vom Jubeln, vor die Kamera müssen.

Sie haben gelernt, auch das noch über sich ergehen zu lassen, nach dem Motto: Lerne reden, ohne zu sagen.



Warum müssen sie das? Warum besteht anscheinend ein Bedarf, warum vermuten jedenfalls die für solche Sendungen Verantwortlichen einen Bedarf beim Zuschauer, solche Äußerungen zu hören?

Ein wenig seltsam ist das schon; denn anderswo im Showgeschäft wird es ja nicht so gehandhabt.

Wenn im Theater oder in der Oper der letzte Vorhang gefallen ist, dann treten die Schauspieler zwar an die Rampe und holen sich ihren verdienten Beifall ab, leiser oder lauter, mit mal mehr, mal weniger Vorhängen.

Wenn der Rocksänger sein Repertoire dargeboten hat, und er war nicht allzu schlecht, dann wird "Zugabe" gerufen, bis er nachgibt und zugibt.

Aber das war's denn dann auch. Der Beifall verebbt, die Künstler haben ihre verdiente Ruhe nach der Anstrengung des Spielens.

Niemand käme auf den Gedanken, daß, nachdem der Schlußbeifall verklungen ist, ein Dramaturg auf die Bühne tritt und den Darsteller des "Hamlet" fragt: "Den Monolog haben Sie aber heute etwas nervös vorgetragen. Woran lag's?" Oder die Sängerin der "Isolde" gefragt wird: "Wie fühlt man sich nach einer solchen dürftigen Darbietung?"

Die Sportler aber müssen sich geduldig kritisieren lassen, müssen freundlich antworten, dürfen sich nichts anmerken lassen. Nur manchmal doch ein bißchen, wie gestern Abend Bastian Schweinsteiger, als er auf eine dieser "Wie kam's?"- Fragen sinngemäß sagte, das wisse er auch nicht, und es sei ihm auch egal.



Warum also dieses inquisitorische Ritual im Sport? Ich vermute bei den TV-Leuten ein ähnliches Motiv wie dasjenige, das Bildregisseure dazu veranlaßt, mitten in die Übertragung Großaufnahmen von Fans, von Prominenten, von Trainern hineinzuschneiden: Man will uns mit Human Touch beliefern, es menscheln lassen.

Wir erfahren zwar von Ballack und Lahm, von Klose und Frings nichts, was wir nicht schon wüßten oder was jeder Depp sich denken kann. Aber wir dürfen sie sehen, wie sie da stehen und schwitzen.

Es ist das Bedürfnis des Voyeurs, das die TV-Leute bei uns vermuten, das sie also befriedigen wollen. Wir wollen unseren Helden auf den Leib rücken, vermuten sie, die Regisseure solcher Sendungen.

Und irgendwie muß man es ja auch rechtfertigen, die Wand mit allen den Firmenlogos ins Bild zu rücken.

Das freilich rechtfertigt es nicht, auch noch Franz Beckenbauer ins Bild zu rücken.

Man tat es, und die Folgen waren absehbar. Über die Deutschen im Finale sagte er: "Sie müssen das Gesicht zeigen, das sie gezeigt haben gegen Polen und gegen Portugal, dann werden sie auch das Finale schaffen. Wenn sie das von heute zeigen, habe ich keine großen Hoffnungen."

So spricht der Experte.



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21. Juni 2008

Zitat des Tages: Ein sehr guter Verräter

When I'm a traitor, I want to be a very good traitor.

(Wenn ich ein Verräter bin, dann will ich ein sehr guter Verräter sein.)

Der Holländer Guus Hiddink, Trainer der russischen Fußball- Nationalmannschaft, zu seiner Entscheidung, vor dem heutigen Spiel gegen die Niederlande die russische Nationalhymne mitzusingen.

Kommentar: Ob Hiddink weiß, daß die Melodie dieser Hymne diejenige der unter Stalin eingeführten Sowjethymne ist, und daß der neue Text sogar von einem Autor stammt, der auch an der Sowjethymne mitgeschrieben hatte?

Naja, vielleicht weiß er es und pflegt nur in diesem Punkt dieselbe Angriffstaktik, die er offensichtlich auch seinen Mannen auf dem Fußballfeld beigebracht hat.



Das Singen der Nationalhymnen ist ja überhaupt ein interessantes Thema. Die Mannschaften unterscheiden sich sehr in der Inbrunst, mit der sie die Nationalhymne singen.

Die Türken zum Beispiel singen aus voller Kehl' und frischer Brust. In anderen Mannschaften sieht man bei einigen Spielern nur ungefähr so lebhafte Lippenbewegungen, wie sie auch ein Bauchredner nicht unterdrücken kann.

Bei unserer Mannschaft war das anfangs das Mehrheitsverhalten. Inzwischen scheinen mir einige etwas mehr aus sich herauszugehen. Ballack ist auch hier ein Vorbild.

Selbst Mario Gómez hat vor dem Spiel gegen Österreich so etwas wie einen Ansatz zum Singen gezeigt; er hatte ja zuvor, so heißt es, nur aus Aberglauben geschwiegen - bis zur ersten Niederlage.

Poldi schweigt eisern. Ich glaube, während die Nationalhymne erklingt, denkt er mit Wehmut im Herzen: Noch ist Polen nicht verloren; nicht verloren für seinen Sohn Lukas Podolski. Ich finde das sympathisch; viel sympathischer, als würde er aus Konformismus mitmurmeln.



Und Hiddink? Ehrlich gesagt, ich finde seine Ankündigung ziemlich unsympathisch.

Denn für so einen Mitsinger hat ja die Nationalhymne nicht die Bedeutung, die sie für Angehörige der betreffenden Nation hat, hier also die Russen. Indem er sie mitsingt, zeigt er, daß er im Grunde nichts davon hält.

Er verwendet das für einen Gag, was anderen etwas bedeutet. Vielleicht witzig, aber aus meiner Sicht doch eher a bisserl zynisch.

Oder hat er mit seiner Ankündgigung vielleicht nur, stone faced, einen Scherz gemacht? Um ungefähr 20:43 Uhr wissen wir mehr.



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Ist das Elfmeterschießen ein Lotteriespiel? Im Gegenteil. Warum nehmen wir es dann aber als eines wahr?

Als gestern das Spiel Türkei gegen Kroation keineswegs ein "dramatisches Spiel" war, sondern bis kurz vor dem Ende der Verlängerung grottenschlecht und stinklangweilig, da versuchte der Sprecher der ARD, uns mit der Aussicht auf ein spannendes Elfmeterschießen bei Laune zu halten. Einen Hinweis darauf flocht er immer wieder einmal in seinen Kommentar ein.

Warum ist ein Elfmeterschießen so spannend? Zum einen natürlich, weil das, was sonst im Fußball ein gelegentlicher Höhepunkt ist - der Schuß aufs Tor - hier Schlag auf Schlag geboten wird; eine Art Dauer- Orgasmus.

Zum anderen, weil das Elfmeterschießen, wie man so sagt, Glückssache ist. "Das Elfmeterschießen ist dann immer eine Lotterie" sagte gestern nach dem Spiel der unglückliche Trainer der Kroaten, Slaven Bilić.

Aber stimmt das eigentlich? Ist das Elfmeterschießen stärker vom Zufall abhängig als andere Situationen während eines Fußballspiels? Als andere Szenen, in denen aufs Tor geschossen wird?

Keineswegs. Das Gegenteil ist der Fall.

Bei Torschüssen während des Spiels ist das Zufallselement weit stärker. Der Flug des Balls wird von vielen Faktoren bestimmt - davon, wo welche Spieler gerade stehen, was jeder von ihnen sieht und wie er sich entscheidet; ob derjenige, der schließlich aufs Tor schießt, richtig zum Ball steht; und so fort.

Wenn irgend etwas davon ungünstig ist, dann geht es dem Spieler so wie dem unglücklichen, dem glücklosen Mario Gómez im Spiel gegen Österreich, der, frei vor dem Tor stehend, den ihm zugeflogenen Ball nicht versenken konnte, so als spiele er noch in der C-Jugend. Der Fußball ist nun einmal eine Fehlersportart.

Beim Elfmeterschießen dagegen ist das Zufallselement weitaus geringer. Die Lage des Balls ist vorgegeben, und es handelt sich um eine Ruhelage. Die Position des einzigen Spielers, der schießen darf, ist vorgegeben. Sowohl dieser als auch der Torwart kann seine volle Aufmerksamkeit auf den Torschuß richten.

Im Vergleich zu dem chaotischen System, das die Situation bei einem Torschuß in der Regel darstellt, ist der Elfmeter einer gut kontrollierten Versuchsanordnung im Labor vergleichbar.



Woher rührt dann unser gegenteiliger Eindruck? Warum nehmen wir dort Zufall wahr, wo in Wahrheit ein vergleichsweise hohes Maß an Kontrolle herrscht? Und warum unterschätzen wir offenbar den Zufall gerade dort, wo wir es in Wahrheit mit einem hochgradig zufallsabhängigen Geschehen zu tun haben?

Ich vermute, es liegt daran, wie sichtbar der Zufall ist.

Just weil beim Elfmeter die Situation so kontrolliert ist, so gut zu überblicken, richtet sich unsere Aufmerksamkeit darauf, daß immer noch Zufall im Spiel ist. Viel Anderes gibt es ja nicht, das Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte.

Im laufenden Spiel aber findet so viel an Geschehen statt, welches wir beachten müssen, daß der Zufall uns sozusagen aus dem Blick gerät. Er wird durch dieses vielfältige Geschehen überlagert, in den Hintergrund gedrängt.

"Unaufmerksamkeits-Blindheit" ("inattentional blindness") nennen die Psychologen dieses Phänomen: Vieles von dem, was sich vor unseren Augen abspielt, entgeht uns, weil unsere Aufmerksamkeit von anderen Aspekten des Geschehens angezogen und mit Beschlag belegt wird.

Also - daß sie im Elfmeterschießen gescheitert sind und nicht schon zuvor, das ist, fürchte ich, kein Trost für Slaven Bilić und seine Mannen. Sie haben sich das so viel und so wenig zuzuschreiben, wie daß ihnen zuvor ein Tor gelungen war und daß sie dann noch, als das Spiel schon gelaufen schien, eines kassieren mußten.



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Kurioses, kurz kommentiert: Der Löw im Glaskäfig. Oder: Wie kann man noch Witze über Politische Correctheit machen?

Als wir eben noch einmal die Bilder von dem in seinem Glaskasten umhertigernden Löw gesehen haben - "sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe" fiel mir dazu ein -, habe ich zu meiner Frau geflachst: "Jetzt meldet sich bestimmt gleich ein Politisch Correcter, der sich darüber empört, daß Jogi eine Zigarette geraucht hat".

Das war gestern gegen Mitternacht, und da war es schon kein Witz mehr, sondern Wirklichkeit. Denn mit der Datierung 20. Juni 2008, 22:40 Uhr hatte "Spiegel Online" unter der Überschrift "ZIGARETTE IM STADION - SPD-Politiker protestiert gegen Löw" gemeldet:
Angesichts der Bilder vom rauchenden Bundestrainer hat der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding den Coach an seine Vorbildfunktion erinnert. "Mit der Macht, die Herr Löw durch seine Vorbildfunktion hat, sollte er sich auch seiner Verantwortung bewusst werden - nicht zuletzt für die Gesundheit von Jugendlichen", erklärte Binding am Freitag in Berlin auf Anfrage. (...) "Vernünftigerweise schließen sich Sport und Rauchen aus, aber ein Raucher als Vorbild vieler junger Menschen ist ein Widerspruch in sich", sagte Binding. So stelle sich nun die die Frage, "ob Jogi Löw Trainer, Sportler oder Raucher ist".
Ich dachte, er hätte gesagt: "... ob Jogi Löw sofort zurücktreten muß oder erst nach der EM".



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19. Juni 2008

Marginalie: Deutschland gegen Portugal. Mein Rat an Löw. Und etwas über den Secutor und den Retiarius

Die Mannschaften bieten in dieser EM ein verwirrendes Bild. Dasselbe Team zeigt mal Spitzenfußball, und mal geht es schmählich unter.

Die Russen, nach ihrer vernichtenden 1:4 - Niederlage gegen Spanien vom eigenen Trainer als "naiv" abgestempelt, spielten gestern laut "Tagesspiegel" "im Spielrausch" "so schönen Fußball". Die Italiener, die fast schon in den Gruppenspielen gescheitert wären, gelten plötzlich wieder als einer der Favoriten.

Und Deutschland spielte gegen Polen fast schon wie der künftige Europameister, bevor wir gegen Kroatien ziemlich kläglich verloren und gegen die Österreicher ziemlich kläglich gewannen.



Was ist da los? Zupfen da die Nornen an ihren Fäden, mal die einen emporziehend, mal die anderen, ganz nach ihrem unerforschlichen Belieben? Oder gibt es einen irdischen Grund für diesen Wirrwar?

Ich weiß nicht, was die Fachleute dazu sagen, aber ich möchte eine simple Erklärung anbieten.

Heutzutage gibt es ziemlich viele Mannschaften, die so spielen können wie Deutschland bei der WM 2006, graziös dank Trainer Klinsmann. Also, sagen wir, klinsiös: Offensiv ausgerichtet, mit gekonntem Umschalten von der Verteidigung auf Angriff; auf einen Angriff, der hauptsächlich von schnellen Flügelleuten getragen wird.

Es gibt solche Mannschaften heute zahlreich dank moderner Trainingsmethoden, die die Spieler so fit machen, wie sie für diesen kräftezehrenden Fußball sein müssen; so fit und so schnell, auch so ballsicher.

Also sehen wir "schönen Fußball", sehen wir "Traumfußball" mal von den Niederländern, mal von Portugal oder Rußland, mal von der deutschen Mannschaft.



Aber das funktioniert augenscheinlich nicht immer. Warum nicht? Jetzt komme ich zum Secutor und dem Retiarius.

Das waren zwei Arten von römischen Gladiatoren; der Secutor derjenige, der gepanzert dastand, mit Schild und Schwert, der Retiarius ungeschützt, halbnackt, beweglich mit dem Dreizack und einem Fangnetz kämpfend, mit denen er den schwerfälligen Secutor zu Fall bringen und ihm dann den Garaus machen konnte.

Der Reiz einer solchen Paarung lag natürlich darin, daß jeder seine Chance hatte; aber aus ganz verschiedenen Gründen. Man kann siegen, wenn man gepanzert und damit schwerfällig, aber auch kaum verwundbar und mit scharfer Waffe daherstapft. Man kann aber auch siegen, wenn man schnell und beweglich ist.

Das gilt übrigens auch fürs Überleben. Peter Scholl-Latour hat einmal, als er zu seinen Erinnerungen als Kriegs- Korrespondent befragt wurde, gesagt, er habe es immer abgelehnt, eine schußsichere Weste zu tragen. Warum? Weil das Entscheidende sei, daß man sich bei Gefahr schnell in Deckung hinein bewegen kann; und daran hindert die schwere Weste.



Und was lernen wir daraus für den Fußball?

Klinsiösen Fußball kann man nur spielen, wenn der Gegner das zuläßt; also am besten dann, wenn dieser selbst solchen Fußball spielt. Tut er das, aber schlechter, dann hat man einen ausgezeichnete Chance zum Sieg. So war das zum Beispiel, als Spanien die Russen 4:1 schlug. Ein sehr schönes Spiel, "offener Schlagabtausch".

Wenn der Gegner das Klinsiöse aber nicht so gut drauf hat, dann ist er gut beraten, es gar nicht erst zu versuchen, sondern sich zu den Klinsmännern so zu verhalten wie der Secutor zum Retiarius. Also mit anderen Waffen zu kämpfen: Eiserne Verteidigung, frühes Stören im Mittelfeld, den Gegner am Aufbau hindern. Und dann die Chance in einem Konter oder einem Tor aus einer Standard- Situation heraus suchen.

Das war die Einsicht des großen alten Otto Rehagel; nur haben es seine Spieler erstens übertrieben, und zweitens hatten sie Pech. Andere - Kroatien gegen Deutschland zum Beispiel - hatten Glück und sind jetzt im Viertelfinale.



Und was folgt daraus für das Spiel heute Abend? Sowohl die Portugiesen als unsere Nationalmannschaft spielen klinsiös. Die Portugiesen aber, dank begnadeter Künstler wie Cristiano Ronaldo, besser. Also müßten die deutsche Mannschaft eigentlich à la Secutor spielen. Das kann sie aber nicht gut.

Das macht die Aufgabe nicht eben leicht. Spielen Ballack und Co. ihren modernen Angriffsfußball, dann machen sie die Räume frei für den modernen Angriffsfußball der Portugiesen, den vermutlich besseren. Versuchen sie eine Taktik à la Rehagel, dann dürften sie scheitern, weil sie das nicht können.

Keine leichte Wahl. Aber da ich zu den achtzig Millionen Trainern gehöre, die unsere Nationalmannschaft hat, wage auch ich einen Rat: Verteidigen die Deutschen, dann haben sie schon verloren. Greifen sie klinsiös an, dann werden sie wahrscheinlich verlieren.

Wahrscheinlich verlieren ist besser als sicher verlieren.



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13. Juni 2008

Zitat des Tages: Der arme Trainer Leo Beenhakker und die Antiquiertheit des Menschen

Wenn er alle die Bilder gehabt hätte, die wir gehabt haben, würde er anders reden.

Der ZDF-Experte Urs Meier über den polnischen Nationaltrainer Leo Beenhakker. Es ging darum, ob das Tor der Polen abseits war und ob der der Elfmeter gegen Polen zu Recht gegeben wurde.

Kommentar: So ist das heutzutage. Nicht mehr die unmittelbar Beteiligten haben die besten Informationen über ein Spiel, sondern wir alle, die wir vor dem TV hocken oder uns am Public Viewing erfreuen.

Nicht mehr der Augenzeuge vor Ort ist es, der weiß, was eigentlich Sache war. Sondern derjenige, der weit weg vom Schuß ist, dessen Erkenntnis- Vermögen aber maschinell potenziert wird.

Vor einem halben Jahrhundert hat sich der Philosoph Günther Anders mit dem beschäftigt, was er die "Antiquiertheit des Menschen" nannte. Er sprach von der "prometheischen Scham" des Menschen vor den Maschinen, die er zwar geschaffen hat, die ihm aber überlegen sind.

Uns Heutigen ist diese Überlegenheit längst selbstverständlich. Und ein Gefühl der Scham empfinden wir da gewiß nicht.

Der Phänomenologe Anders, ein Schüler Husserls, meinte dort so etwas wie die Befindlichkeit des Menschen gegenüber der Maschine zu erkennen, wo es in Wahrheit nur um ein Stück Anpassung an die moderne Zeit ging.



Sie finden, das war jetzt aber arg hoch angesetzt, nur weil ein Schiedsrichter eine Bemerkung über einen Trainer gemacht hat?

Finde ich nicht. Fußball wäre nur halb so schön, wenn man über ihn nicht so schön gedankenspielen könnte.



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10. Juni 2008

Marginalie: "Italien wird die Vorrunde nicht überstehen". Prognostizierte ein Experte vor der EM

In Frankreich ist vor der EM ein kleines (134 Seiten; 5,90 Euro) Büchlein erschienen, das den Ablauf des Turniers vorhersagt.

Scharlatanerie? Dummenfängerei? Der Autor, Geoffroy Garétier, ist immerhin Leitender Redakteur der größten französischen Sportzeitschrift L'Équipe. Titel des kleinen Werks: "C’est joué d’avance"; frei übersetzt: "Das Spiel ist schon gelaufen".

Vor der letzten WM hatte Garétier richtig vorhergesagt, daß Brasilien im Viertelfinale ausscheiden und daß Italien ins Endspiel kommen würde.

Warum wird Italien in der Vorrunde ausscheiden? Darum:
Mais pourquoi éliminer si tôt les Italiens vainqueurs de la coupe du Monde 2006 ? Parce qu’une ... loi statistique veut que la Squadra Azzura n’atteigne les sommets que tous les douze ans (finaliste du Mondial 1970, vainqueur en 1982, finaliste en 1994, victorieuse en 2006) et qu’ensuite, suivant en cela son tempérament latin, elle s'abandonne aux délices de la victoire et dégringole victime de sa suffisance.

Aber warum ein so frühes Ausscheiden der Italiener, die doch erst 2006 Weltmeister wurden? Weil ein ... statistisches Gesetz besagt, daß die Squadra Azzura nur alle zwölf Jahre den Gipfel erreicht (1970 im Endspiel der Weltmeisterschaft, Weltmeister 1982, Endspielteilnehmer 1994, Sieger 2006), und weil sie anschließend, in dieser Hinsicht ihrem lateinischen Temperament folgend, sich den Wonnen des Siegs hingibt und zurückfällt, Opfer ihrer Selbstzufriedenheit.
Wer Garétier gelesen hat, der brauchte sich also gestern Abend nicht zu wundern, als die Niederländer die Italiener abservierten; das war für ihn nur logisch.

Und wer wird laut Garétier Europameister? Natürlich die Deutschen. Begründung: Sie steigern sich, so hat Garétier es beobachtet, dann noch einmal, wenn sie es zuvor knapp nicht geschafft hatten.

Und 2006 hatte Deutschland es ja bekanntlich knapp nicht geschafft. Ergo: "La Nationalmannschaft est programmé pour vaincre", die deutsche Nationalmannschaft sei auf den Sieg programmiert.



Natürlich weiß auch Garétier, daß aus solchen Überlegungen nur Aussagen über Wahrscheinlichkeiten ableitbar sind.

Also läßt er zur Sicherheit noch dies vom Stapel: "Tout ce qui appartient au passé s’est produit. Rien ne garantit que ce qui relève du futur se produira." Alles Vergangene habe stattgefunden. Nichts garantiere, daß etwas in der Zukunft Liegendes stattfinden werde.

Da zumindest hat er unzweifelhaft recht, unser Autor.



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7. Juni 2008

Zwei Jahre "Zettels Raum". Vor zwei Jahren war die Fußball-WM

"Zettels Raum" wird in diesen Tagen zwei Jahre. Am 4. Juni 2006 erschien der erste Beitrag.

Der Juni 2006 - das war die Zeit der Fußball-WM, der folglich etliche der ersten Artikel in ZR gewidmet waren. Das brachte mich auf den Gedanken, als Rückblick auf zwei Jahre "Zettels Raum" ein kleines Florilegium von Links zu Artikeln über den Fußball zusammenzustellen; zugleich als Auftakt zu kommenden Beiträgen über die heute gestartete Fußball-EM:


Zum Fußball an sich und überhaupt

Was macht den Fußball so schön?

Lob des Frauenfußballs

Klinsmanns Geheimplan


Über nationale Begeisterung

Schwarzrotgold allerorten

Nationalhymnen

Ernsthaftes Spiel, spielerischer Ernst


Unsere Fußball-Helden

Die coolen Gladiatoren

Fußball und Theater. Spielerische Gedanken

Der VfL Bochum und die "Kritik der reinen Vernunft"


Fußball im TV

Der Mann am Pult

En permanence

Fußball, gehackt



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15. Februar 2008

Fußball und Theaterdarbietungen. Spielerische Gedanken

Man kann es so sehen, daß die Schauspielerei zum Fußball gehört wie, sagen wir, die Tischdeko zu einem guten Essen. Eigentlich überflüssig oder vielleicht sogar ärgerlich. Aber nun mal da, und ohne das würde irgendwie etwas fehlen.

Man kann aber auch finden, daß Fußballspiele durch fußballerische und nicht durch komödiantische Leistungen entschieden werden sollen. Was leicht gesagt ist, aber schwer in die Tat umgesetzt.

Zwar verbietet das Regelwerk des DFB (Regel 12 – Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen) Schwalben und ähnliches Getier. Nur, wie erkennt der Schiedsrichter sie? Dazu schreibt der Schiedsrichter Volker Roth in der "Schiedsrichter- Zeitung":
Die Bewertung als Foul, "Schwalbe" oder auch keines von beiden ist bekanntlich aufgrund der schauspielerischen Fähigkeiten einzelner Profis und des schnellen Ablaufs der Situation in der Realität (nicht in der Zeitlupe!) für jeden Schiedsrichter eine ganz schwierige Aufgabe. So kommt es dann teilweise dazu, daß sich einzelne Schiedsrichter im Zweifelsfall weder für Foul noch für "Schwalbe" entscheiden, sondern weiterspielen lassen.
Was bedeutet, daß der foulende Spieler straffrei ausgeht. Oder der schauspielernde. Oder auch beide.

Ja, oder auch beide. Denn mir scheint, daß - wenn ich es richtig sehe, im Wortsinn - sehr oft die Frage gar nicht ist, ob ein Foul oder eine Schwalbe vorliegt; ob allgemein ein Foul oder Schauspielerei.

Sondern auch dann, wenn ein Spieler tatsächlich gefoult wird, trägt er gern das Seinige dazu bei, daß dies den Zuschauern, daß dem Schiedsrichter und seinen Assistenten nicht entgeht.

Und das macht es, so will es mir scheinen, den Schiedsrichtern so schwer, eine richtige Entscheidung zu treffen. Sie müssen nicht entscheiden, ob nur Schauspielerei oder nur ein Foul vorlag. Sondern sie müssen herausfinden, ob hinter der Schauspielerei ein Foul steckte oder das reine Nichts.



Ein Beispiel ist das, was typischerweise passiert, wenn ein Spieler, mit welchen Mitteln auch immer, zu Fall gebracht wird: Dann rollt er auf dem Rasen herum, als habe man ihm einen Kreisel eingebaut.

Haben Sie schon mal jemanden, der umgestoßen wird, so rollen sehen? Haben Sie, als Sie als Kind Fußball gespielt haben, gesehen, daß ein umgestoßener Spieler so rollte?

Nein, das glaube ich nicht. Der Spieler rollt - ob Foul oder nicht - aktiv, durch Betätigung seiner Muskulatur, auf dem Rasen herum. Er tut das, weil erst dadurch der Akt des Gegenspielers die nötige Dramatik, die nötige Verwerflichkeit bekommt. Der Spieler benimmt sich wie ein Kind, das nach einer leichten Ohrfeige in ein schreckliches Geschluchze ausbricht.

Ebenso ist es, wenn jemandem durch einen Tritt, mittels des Ellenbogens oder einfach durch das Fallen Schmerzen zugefügt werden. Ob es nun wirklich wehgtan hatte, oder ob er nur so tut - er krümmt sich, zieht das Bein an, verzerrt das Gesicht, bietet ein Bild menschlichen Leids, als stünde er kurz vor dem Exitus.

So machen es die meisten Spieler. Und sie haben vermutlich unter dem jetzigen Regelwerk gar keine Wahl.

Denn wenn ein gefoulter Spieler, umgestoßen, schlicht hinfallen würde; wenn er wie Winnetou keine Miene verziehen würde, wenn man ihm den Ellenbogen ins Gesicht rammt; wenn er sich nach einem Foul kurz schütteln und weiterspielen würde - dann liefe der Betreffende Gefahr, daß man ihn ständig ungestraft foult.

So sehr haben sich die Schiedsrichter, haben sich auch die Zuschauer daran gewöhnt, auch was Ordentliches zu sehen zu bekommen, wenn ein Foul verübt wurde.



Mir sind diese Gedanken vorgestern beim Ansehen des Spiels Werder Bremen gegen Sporting Braga durch den Kopf gegangen.

Da gab es zum Beispiel eine Situation, in der der Spieler Pablo Contreras mit einem Bremer Spieler eine Rangelei hatte. Anschließend ging Contreras einen Schritt - und fiel eindrucksvoll zu Boden. Vielleicht war er wirklich gefoult worden; aber die Gesetze der Physik sehen es nicht vor, daß ein Stoß die mechanische Wirkung hätte haben können, die uns Contreras zeigte.

Und dann war da die im Anschluß an das Spiel ausgiebig diskutierte Szene, die zu dem zweiten Elfmeter führte. Torwart Wiese hatte sich todesmutig dem frei mit dem Ball heranstürmenden Matheus entgegengeworfen. Dieser lag auf ihm, kam dann hoch - und riß sodann die Hände in den dunklen Bremer Himmel, in großem Bogen zu Boden fallend.

War es eine "Schwalbe"? Es war das mit Gewißheit in dem Sinn, daß es nicht die Kraft des liegenden Torwarts Wiese gewesen sein konnte, die Matheus fliegen ließ.

War es ein Foul? Das ist eine ganz andere Frage. Gut möglich, daß Wieses Aktion nicht nur dem Ball galt, sondern daß er schon einkalkulierte, Matheus zu Fall zu bringen, und das auch getan hat

Nur konnte er damit nicht die Flugbahn bewirkt haben, die anschließend der Körper von Matheus zurücklegte.



So weit meine Eindrücke eines Laien. Das wollte ich nur mal, als des Fußballs unkundiger, ihn gleichwohl genießende Konsument, angemerkt haben.

Und dann ist mir noch was eingefallen, beim Zugucken. Nein, kein ernstgemeinter Vorschlag, aber doch ein kleiner Gedanke, den ich gern zu Protokoll geben möchte:

Wie wäre es denn, wenn das Regelwerk so geändert werden würde, daß Schauspielerei jedes Foul aufhebt? Daß dann also stets nur der Schauspieler bestraft wird, unabhängig davon, ob er auf ein tatsächliches Foul reagiert hat?

Das würde jedenfalls den Schiris die Arbeit sehr erleichtern. Denn die schauspielerische Komponente - das Rollen, das Hochreißen der Arme, die physikalisch unmögliche Flugbahn usw. - ist ja relativ leicht zu diagnostizieren. Schwer ist es im Augenblick nur, zu entscheiden, ob nicht doch ein Foul vorlag, das durch die Theatralik nur sozusagen unterstrichen werden sollte.

Eine solche Regeländerung - wer schauspielert, hat automatisch Unrecht - würde den stillen, den knorrigen, den verschlossenen Spielern zugutekommen, die sich mit der Theatralik immer schwertun. Sie würde den Fußball gerechter machen in dem Sinn, daß eher siegt, wer besser spielt.

Wer besser Fußball spielt. Freilich ist der Fußball ja auch Show. Gut möglich, daß wir ein durch und durch ehrliches, ein von aller Schauspielerei befreites Spiel doch a bisserl dürftig finden würden.

Sagen wir, wie ein kulianrisches Essen, serviert im Speisesaal einer Kaserne.

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7. November 2007

Zettels Meckerecke: Fußball, gehackt

In meinem TV-Programm ist angekündigt, daß Sat1 heute das Spiel Olympique Lyon gegen den VfB Stuttgart überträgt. Vermutlich kein großes Spiel, dachte ich mir. Aber nun denn - ein Fußballspiel in der Champions League, das lasse ich mir eigentlich selten entgehen, wenn ich Zeit habe.

Nur überträgt Sat1 dieses Spiel nicht.

Was bietet man dem Zuschauer stattdessen? Ein Ragout, eine Schnipselei, ein Durcheinander, genannt "Konferenzschaltung". Es wird hin- und hergeschaltet zwischen Lyon, Barcelona, Moskau, Lissabon, Bukarest, Istanbul usw. Wo überall in der Champions League heute Abend gespielt wird.

Das Spiel der Stuttgarter bekommt einen etwas größeren Anteil an dieser zerhackten Übertragung als die anderen. Aber es kann keine Rede davon sein, daß man es sich "ansehen" kann, so wie man sich ein Spiel auf dem Platz anguckt. Oder wie man einen Film sieht oder ein Theaterstück. Denn ständig - schlimmer als jede Werbepause - bricht die Übertragung ab, und wir sind auf irgendeinem anderen Platz.

Als in Lyon das erste Tor fiel, da wurde leider gerade das Spiel in Barcelona gezeigt. Dafür fiel dann in Barcelona ein Tor, als Sat1 gerade wieder Lyon- Stuttgart zu zeigen begonnen hatte. Und - schwupps! - war man wieder weg aus Lyon.

Ich weiß, ich weiß: Für Sat1/Premiere ist es natürlich viel teurer, überall auf diesen Plätzen Kameras zu haben und das alles zu bezahlen und zusammenzuschalten, als wenn man nur aus Lyon übertragen würde. Und was teuer ist, das muß doch auch gut sein, nicht wahr?

Ein Fußballspiel zu sehen ist schön. Wieviel schöner muß es erst sein, zugleich ein halbes Dutzend Fußballspiele geboten zu bekommen, oder? Also müssen wir doch dankbar sein, oder etwa nicht? Uns freuen, daß Sat1 uns Nicht- Premiere- Abonnenten ganz kostenlos teilhaben läßt an dieser superteuren Super- Schalte?



Ach nein. Ich werde jetzt wegschalten und mal gucken, was es Neues bei Al Jazeera gibt.

Denn es ist doch eine Albernheit sondergleichen, ein Fußballspiel, das ja seine Dramaturgie hat, seine Spannung, durch diese ständige Schalterei kaputtzumachen und das auch noch als ein besonderes Angebot zu preisen.

Aber das Radio hat sie doch immer schon, die Konferenz? Ja, gewiß. Aber das ist etwas anderes. Näheres dazu in einem früheren Beitrag, in dem ich mich schon einmal mit diesem Thema befaßt habe.

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10. September 2007

Randbemerkung: Lob des Frauenfußballs

Einer der ersten Beiträge in diesem Blog war ein Lob des Fußballs. Geschrieben im Juni 2006, zur Zeit der Fußball-WM. Ausdruck auch der heiteren Stimmung, die uns damals erfaßt hatte.

In diesem Beitrag habe ich Gedanken dazu geäußert, warum der Fußball so populär ist; warum er zu einem - man kann sagen: dem - Weltsport unter den Mannschafts- Sportarten geworden ist. Unter anderem, behauptete ich, weil aus dem Mannschafts- Spiel für Augenblicke ein Zweikampf wird, der Kampf "Mann gegen Mann", der Zweikampf um den Ball. Und dazu schrieb ich über das "Abjagen des Balles":
Für Sekunden wird aus dem Mannschaftssport ein Einzelsport, der Kampf Mann gegen Mann. Der "Bodycheck" ist ein wesentlicher Teil des Spiels (und vermutlich ein Grund dafür, daß Frauenfußball trotz allen Mühens nicht so recht populär wird).
Das sehe ich immer noch so. Dennoch möchte ich - nein, keine "Lanze brechen" für den Frauenfußball, dessen Weltmeisterschaft in Schanghai heute begonnen hat. Aber doch sagen, warum ich im Lauf der Zeit Gefallen daran gefunden habe, auch einmal Frauenfußball anzugucken.



Vieles, was den Fußball der Männer auszeichnet, fehlt dem Frauenfußball - das Athletische, die Aggressivität, eben dieser "Kampf Mann gegen Mann". Das ist dort nur als schwacher Abklatsch zu sehen.

Daß Frauenfußball jemals die Emotionen erweckt, die kollektive Berauschtheit, die in einem Fußballstadion herrschen kann, glaube ich nicht. Schlachtgesänge sind da schwer vorstellbar, denn das Kriegerische ist nun einmal nicht die Sache des Frauenfußballs.

Einem Spiel von Frauenmannschaften sieht man ruhiger zu, sozusagen mit mehr Distanz. Man wird nicht so sehr gefesselt als, sagen wir, sanft gelockt, sich das anzusehen. Und dann kann man schon seinen Spaß haben.

Zum einen, weil die Spiele in der Regel störungsfreier ablaufen. Es gibt weniger Fouls als bei den Männern, weniger Verletzungspausen. Kaum einmal wird ein Spiel "zerpfiffen".

Daß es weniger solche Pausen gibt, liegt nicht nur daran, daß die Frauen mit weniger Körpereinsatz spielen, sondern es gibt überhaupt weniger Zweikämpfe. Ballverluste kommen häufiger durch Fehlpässe zustande als dadurch, daß der Gegnerin der Ball abgenommen wird. Der Ball läuft länger. Man kann dadurch mehr schöne, komplexe Spielzüge sehen.

Es werden auch mehr weite Pässe gespielt als meist im Männerfußball, so daß es schneller hin- und hergeht. Eine verbissene Störerei im Mittelfeld, die das Spiel zu einer Art Grabenkrieg macht, habe ich beim Frauenfußball selten gesehen. Sie wäre wohl auch einfach zu kraftraubend, wie auch ein ständiges frühes Tackling.

Kurz, der Unterschied ist im Grunde ähnlich wie der zwischen Herren- und Damentennis. Das Herrentennis ist dynamischer, es hat mehr den Charakter eines Kampfs. Aber das Damentennis hat seinen Reiz durch ein variableres Spiel. Langweiliges Serve- and- Volley, bei dem nach dem dritten Schlag der Punkt gespielt ist, gibt es seltener.



Jetzt, während ich diesen Text abschließe, geht das Spiel zwischen Deutschland und Argentinien zu Ende, das im Hintergrund lief, während ich geschrieben habe. (Weil sie mich mit ihrem Spiel weniger fesseln, können die Damen auch eher im Hintergrund spielen; zum Männerfußball setze ich mich doch eher vor den großen Fernseher). Und das Ergebnis (11:0) illustriert eine weitere Besonderheit des Frauenfußballs: Es fallen im Schnitt mehr Tore als bei den Männern.

Manchmal freilich zu viele. Wie beim Handball, wie beim Basketball, können die vielen Tore schnell langweilig werden. Das Tor beim Männerfußball ist ein seltenes Ereignis. Da wird viel mehr an Spannung aufgebaut und im Torschrei orgiastisch gelöst, als wenn Tore so geschossen werden, wie man Brötchen bäckt.

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29. Juli 2007

Ketzereien zum Irak (17): Hoffnungen auf nationale Einheit

Vor wenigen Minuten war in Djakarta Anstoß zum Endspiel der Asien- Meisterschaft im Fußball.

Al Jazeera berichtet ständig. Nicht nur aus sportlichem Interesse, sondern auch deshalb, weil dem Traditions- Meister Saudi- Arabien der Irak als Gegner gegenübersteht.



Eben meldet sich die Kurdistan- Korrespondentin von Al Jazeera, Hoda Abdel- Hamid. Sie sagt, zum ersten Mal seit langer Zeit wehten in Kurdistan Flaggen des Irak (die dort normalerweise sogar verboten seien!). Bilder im Hintergrund zeigen das Stadion von Kirkuk, fast gefüllt für die Video- Übertragung, und in der Tat sieht man überall die irakische Nationalfahne.

Auch die Kurden würden sich in dieser Situation als Iraker fühlen, sagt Frau Abdel- Hamid.

Die Nationalmannschaft setzt sich aus sunnitischen und schiitischen Arabern und Kurden zusammen. Schon bei ihren vorausgehenden Siegen gab es eine Welle nationaler Begeisterung. Zuerst bin ich durch den Blog "Iraq the Model" darauf aufmerksam geworden; das war, als der Irak Vietnam besiegt hatte. Jetzt ist man also im Endspiel.

Für den Fall eines Siegs wird ein Freudenfest auf den Straßen der irakischen Städte erwartet. Für Bagdad wurde präventiv ein Fahrverbot für alle Fahrzeuge verhängt, das eine halbe Stunde vor Anstoß des Spiels in Kraft tritt.

Natürlich wird befürchtet, daß Terroristen die Straßenfeste für blutige Anschläge "nutzen" werden.



Was ist eine solche Welle nationaler Einigkeit - vergleichbar dem deutschen Sommer 2006 - wert? Pessimisten sagen natürlich, daß das ein Kräuseln an der Oberfläche ist, das nichts an den tieferliegenden Problemen ändern kann. So wenig, wie die Euphorie des Sommer 2006 in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen oder die Integration von Einwanderern erleichtert hat.

Aber hat sie nicht vielleicht?

Mir erscheint die Vermutung nicht unvernünftig, daß der Aufschwung der deutschen Wirtschaft durch den Optimismus jener Wochen einen zusätzlichen Schub bekommen hat; obwohl das schwer meßbar sein dürfte.

Mir scheint auch, daß es die Integration von Einwanderern sehr wohl befördert haben könnte, daß sie gemeinsam mit eingesessenen Deutschen die deutsche Fahne schwangen und für unsere Mannschaft zitterten. Auch das ist natürlich kaum objektiv zu bestätigen.



Solch ein psychologischer Effekt wird sich sicherlich nie gegen einen objektiven Trend durchsetzen können. Aber einen positiven Trend, wenn er schon existiert, verstärken, ihn stabilisieren - das könnte er vielleicht schon.

Gibt es denn im Irak solche einen objektiven Trend? Ja.

Uns erreichen ja, warum auch immer, fast nur negative Nachrichten aus dem Irak. Es ist, als gebe es einen Medien- Filter, der jede noch so klitzekleine Meldung über eine Bombe, eine Regierungs- Krise passieren läßt und in dem alles, was es aus dem Irak Positives zu melden gibt, auf magische Weise hängenbleibt.

Im Augenblick nun gibt es eine sehr große Hoffnung auf eine Wende zum Besseren auf Regierungs- Ebene, auf eine Entwicklung hin zu einer stärkeren nationalen Einheit.



Ende vergangenen Jahres habe ich über einen Blogbeitrag von Omar berichtet, in dem dieser argumentierte: Vorläufig noch sind im Irak die gemäßigten Schiiten Gefangene ihrer extremisten Bundesgenossen, und die gemäßigten Sunniten sind ebenso von von den sunnitischen Terroristen und ihren Sympathisanten abhängig. Das verhindert eine vernünftige Zusammenarbeit der Demokraten im Irak.

Seither haben sich die Verhältnisse positiv entwickelt, und gerade in diesen Tagen zeichnet sich eine weitere Chance für eine Wende zum Besseren ab.



Die bewaffneten Schiiten unter Sadr haben die Regierung inzwischen verlassen; Maliki hat sich weitgehend aus der Abhängigkeit von ihnen lösen können.

Eine parallele Entwicklung zeichnet sich jetzt bei den Sunniten ab. Und zwar im Rahmen einer Entwicklung, die auf den ersten Blick nur krisenhaft erscheint.

Aber eine Krise - ein Wendepunkt also, wörtlich übersetzt - kann eben auch Gutes mit sich bringen.

Das Negative steht im Titel des Berichts der "International Herald Tribune": Präsident Talabani und die Regierung kritisieren die Drohung der sunnitischen "Einigungs- Front" (Accordance Front), die Regierung zu verlassen.

Aber weiter unten in dem Artikel erfährt man, daß das sich am Ende als ein großer Fortschritt erweisen könnte.

In dieser "Einigungs- Front" sind nämlich zwei extremistische Parteien und eine gemäßigte, die "Irakische Islamische Partei" von Vizepräsident Tariq al-Hashemi.

Wenn die "Einigungs- Allianz" ihre Drohung wahrmacht und die Regierung verläßt, dann könnte die "Irakische Islamische Partei" in die Regierung zurückkehren.

Und zwar als Teil einer Regierung der Demokraten, unter Ausschluß aller Extremisten, an der derzeit gearbeitet wird. Vor allem Talabani bemüht sich um eine solche neue Regierung. Sie soll, nach Talabanis Vorstellungen, aus zwei gemäßigten schiitischen, zwei gemäßigten kurdischen Parteien und eben der sunnitischen "Irakischen Islamischen Partei" bestehen.

Dann hätte der Irak zum ersten Mal eine Regierung, die weder auf der einen noch auf der anderen Seite von Extremisten abhängig wäre. Nicht mehr angewiesen auf Abgeordnete, die Verbindungen zum Terrorismus haben.

Eine Regierung, die damit endlich ohne Rücksichten gegen den Terrorismus vorgehen könnte.

Gute Nachrichten also. Jetzt müßten die "Löwen der beiden Flüsse" nur noch Asien- Meister werden.



PS: Der Sender "El Iraqia" überträgt das Spiel. Es ist jetzt genau eine Viertel Stunde gespielt, und es steht noch 0:0. Im "Kleinen Zimmer" gibt's ab jetzt einen kleinen Live- Ticker.

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28. April 2007

Der VfL Bochum und die "Kritik der reinen Vernunft"

Mein letzter Sportlehrer auf dem Gymnasium wollte mich nicht für sein Fach aufgeben: "Zettel, gucken Sie, schon Kant hat gesagt: 'Kritik der reinen Vernunft'": Damit warb er bei mir, den er als Intellektuellen verachten gelernt hatte, für körperliche Ertüchtigung als Ausgleich zur Blässe des Gedankens.

Er hat mich nicht dazu gebracht, den Felgaufschwung mit gestandenem Abgang zu schaffen oder mich sonstwie zu ertüchtigen. Aber es mag sein, daß er doch dazu beigetragen hat, mein Interesse am Sport zu wecken.

Nicht das des den Sport Übenden, ihn gar Vorführenden. Aber das Interesse des den Sport Genießenden. Dessen, der sich unter einem genialen Rennpferd etwas vorstellen kann.

"Die Römer tanzten nicht, sie ließen tanzen", hat mal jemand angemerkt. So geht es mir mit dem Sport. Ich fühle mich als Sportfreund so wenig angeregt oder gar verpflichtet, mich sportlich zu bestätigen, wie Filmfreunde unbedingt den Drang verspüren müssen, selbst zur Kamera zu greifen oder sich in die Regiearbeit zu stürzen.



Als ein solcher passiver, rezeptiver, voyeuristischer Freund des Sports habe ich einige Lieblings- Sportarten. Allen voran Tennis und Fußball. Warum?

Im Grunde unterliegt ein sportliches Event denselben Gesetzen wie ein Film, wie eine Theateraufführung, wie der Auftritt einer Gruppe von Gauklern: Man möchte Überraschendes erleben. Aber auch wieder nicht allzu Überraschendes. Die gemäßigte Abweichung von dem, was wir kennen - das macht den Reiz aus. Unerwartetes inmitten des Erwarteten, Geläufigen. Redundanz, aber nur mittlere.

Information ist bekanntlich Überraschung, die Verminderung von "uncertainty". Negative Entropie also, Negentropie. Ein mittleres Maß an Negentropie, das ist schön.



Das Tennis ist in dieser Hinsicht perfekt, weil ständig Entscheidungen anstehen: Wer holt den Punkt? Wer gewinnt das Game? Wer den Set? Wer schließlich das Match; wobei Match Point noch lange nicht den Sieg bedeutet. Das Spiel wird in viele, viele Mini-Spiele zerlegt. Das macht den Reiz des Tennis aus.

Was den Reiz des Fußballs ausmacht, aus meiner Sicht, das habe ich hier aufgeschrieben, und noch ein wenig hier. In diesen beiden Beiträgen habe ich so ziemlich alles gesagt, was ich zum Fußball weiß, was mir vermutlich dazu einfallen kann.



Aber noch wenig geschrieben habe ich vom VfL Bochum. Blau und weiß, nicht königsblau. Die Bochumer Jungen. Oder genauer gesagt, die Junggesellen, wie sie im Mittelpunkt des Maiabendfests stehen, dem Bochumer Nationalfeiertag.

Als ich in den sechziger Jahren an der neugegründeten Ruhr-Uni gearbeitet habe, hatte ich ein kleines Appartment am Stadtpark. Und wenn man durch den hindurch ging, den Stadtpark, dann kam man zum Stadion des VfL, damals noch prosaisch und umständlich "Stadion an der Castroper Straße" geheißen. Da bin ich also hingewandert, am Samstag, in das, was heute das schicke Ruhr-Stadion ist.

Da hat sich eine affektive Beziehung geknüpft. Eine Beziehung fürs Leben.

Unsere zwischenmenschlichen Beziehungen ermangeln manchmal der Treue. Die zu einem Verein nicht. Daß ich jemals den VfL Bochum fahren lassen könnte, ist undenkbar.



Nun also hat er, unser VfL, gestern - hurrah! - Schalke geschlagen.

Was das bedeutet, das kann niemand ermessen, der nicht oft mit der Straßenbahn zwischen Gelsenkirchen Hbf und Bochum Hbf unterwegs gewesen ist. Ein "Derby", sagt man. Welch blasser Begriff! Bochum gegen Schalke, das ist wie Athen gegen Sparta, wie Achilles gegen Hektor, wie Cambridge gegen Oxford.

Und das Ergebnis, das ganz Boooooochum ins Delirium versetzt, zum Fiege bei Mutter Wittig treibt, lautet:

Bochum ist so gut wie gerettet!



Trotz der noch anstehenden schweren Gegner.

Und jetzt sind wir großzügig, wir Bochumer Jungen, besungen von Herbert Grönemeyer. Sind wir großzügig gegenüber den Knappen.

Zumal am Vorabend des Maiabendfests.

Jetzt wünschen wir ihnen alles Gute, den Knappen.

Jou, sie sollen Meister werden!

Glückauf!

2. Februar 2007

Randbemerkung: Handball? Ach was - ich schreibe jetzt über Fußball

"Schier aus dem Häuschen" war gestern Abend, laut Meldung der "Tagesthemen", wer? Der Bundespräsident Köhler, bisher nicht eben für Zustände der Exaltiertheit bekannt.

Und warum? Weil eine Sportmannschaft gewonnen hat; unsere deutschen Handballer. Deutschland im Finale!, das war der Aufmacher der "Tagesthemen".

Das Sommermärchen, so scheint es, hatte bei all der kollektiven Freude doch noch das hinterlassen, was Kurt Lewin ein "gespanntes System" nannte. Ein Weg auf den Gipfel war es gewesen, der aber ein paar Meter unterhalb des Gipfels geendet hatte. Der Job war nicht zu Ende gebracht worden. Das zieht, sagte Lewin, eine "Tendenz zur Wiederaufnahme" nach sich.

Jetzt bietet sich uns dazu die Gelegenheit. Wenn auch verschoben auf eine andere Sportart, nicht so populär wie der Fußball. Aber immerhin. Wir erleben eine Wiederaufnahme des deutschen Rauschs im Sommer 2006.

Ich kann aber leider mit dem Handball wenig anfangen. Dieses ewige Hin und Her, diese ständigen Tore. Also schreibe ich jetzt, sozusagen antizyklisch, etwas zum Fußball. Eine Randbemerkung; oder, genauer, zwei.



Die erste betrifft das aktuelle Trainerkarussel. Heynckes tritt still ab von der Bühne, nach mißglücktem Comeback. Doll erwischt es nach langem, mit großer Geduld ertragenem Mißerfolg. Magath trifft es plötzlich und unerwartet.

Nun kommen die Neuen, die die Alten sind; jedenfalls in München und in Hamburg. Werden sie Erfolg haben? Ja, mit großer Wahrscheinlichkeit.

Für Wahrscheinlichkeiten ist die mathematische Wahrscheinlichkeits- Rechnung zuständig, und die mathematische Statistik. Sie sagt uns, daß es wahrscheinlich nach dem Trainerwechsel in allen drei Vereinen zu einer Verbesserung des Tabellenplatzes kommen wird.

Ganz unabhängig davon, ob Hitzfeld in München, ob Magath in Hamburg, ob wer auch immer in Mönchengladbach ein Motivationswunder schaffen, ob sie mit neuen Taktiken Erfolge erreichen werden.

Denn der "Effekt" eines Trainerwechsels ist ein klassisches Beispiel für das, was in der mathematischen Statistik die "Regression zur Mitte" heißt. Was das genau ist, kann man in dem verlinkten, guten Wikipedia- Artikel nachlesen. Ich will es an einem Beispiel erläutern, oder vielmehr an einer Einladung.



Ich lade Sie ein, falls Sie Lust und ein wenig Zeit haben, mit einem Würfel den Weg eines Vereins in der Tabelle zu simulieren. Wir wollen annehmen, daß er bei Beginn unseres kleinen Experiments etwa in der Mitte steht, auf Platz 9.

Würfeln Sie eine 1 oder 2, dann hat er gesiegt und rückt (so einfach wollen wir es uns machen) um einen Tabellenplatz nach oben. Würfeln Sie eine 3 oder 4, dann bleibt er auf seinem Platz. Wenn Sie eine 5 oder 6 würfeln, dann rutscht er um einen Tabellenplatz ab.

Spielen Sie nun dieses kleine Simulationsspiel, indem Sie immer mit der rechten Hand würfeln. Das simuliert den Trainer bei Saisonbeginn - Magath in München, Doll in Hamburg usw. Spielen Sie das Spiel so lange, bis Ihr Verein auf Platz 15 steht. Irgenwann wird das der Fall sein - vielleicht bald, vielleicht müssen Sie auch etwas Geduld haben.

Das Abrutschen auf Platz 15 bewirkt einen Trainerwechsel. Sie würfeln also ab jetzt mit der linken Hand. Spielen Sie noch einmal so viele Spiele, wie es bis zum Erreichen von Platz 15 gedauert hat. Auf welchem Platz stehen Sie?

Sehr wahrscheinlich auf einem besseren Platz als 15. Der Trainerwechsel - der Wechsel der würfelnden Hand - hat geholfen.



Meine zweite Randbemerkung geht noch einmal zum Handball und zum Fußball, im Vergleich. Der Fußball ist meines Erachtens zu Recht der weltweit beliebteste Mannschaftssport. Er ist es, weil er in vielerlei Hinsicht vermutlich das Optimale dessen bietet, was man von einem solchen Sport erwarten kann.

Aber das brauche ich nicht aufzuschreiben. Ich habe das letzten Sommer getan, als das Fußballfieber groß, dieser Blog aber noch winzig klein gewesen ist, erst ein paar Tage alt und kaum gelesen. Deshalb erlaube ich mir einfach ein Selbstzitat, den Verweis auf diesen Beitrag von Anfang Juni 2006