31. März 2015

Dummes, kurz kommentiert: Günther Öttinger und die Netzneutralität


Prinzipiell verbindet dieser Autor mit dem Wort Öttinger zunächst eher Positives: Nämlich ein süffiges, ausgesprochen günstiges Supermarktbier, das in seinem Preissegment eine durchaus hohe Qualität erfüllt. Wenn da nicht, ja, wenn da nicht auch Günther Öttinger wäre, ehemaliger Ministerpräsident, später Energiekommissar und heute  EU Kommissar für Digitalwirtschaft. Letzteres ist das Problem. Denn von einem Kommissar für Digitalwirtschaft sollte man auch eine gewisse Fachkenntnis seines Fachbereiches erwarten, die über das Lesen seiner Emails hinausgeht. 

30. März 2015

Ein jeder koche sein eigenes Süppchen. Ein Gedankensplitter zu wildem Aktionismus.


Die Maschine von Germanwings war noch keinen halben Tag abgestürzt, als die ersten Experten uns bereits erklärten, was wir nun unbedingt tun müssen. Da war die Rede davon, dass jeder A320 jetzt unbedingt sofort überprüft werden müsse. Und das man bestimmte Teile an jedem Flugzeug dieses Typs sofort austauschen müsse. Zu diesem Zeitpunkt wusste man nicht das Geringste über die Ursachen. 

22. März 2015

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern. Ein Gedankensplitter zu Pegida und der Frage wem man zustimmen darf.

Pegida war von Anfang an ein spaltendes Thema, nicht nur für unsere Gesellschaft, sondern auch für Zettels Raum und seine Autoren. Die starke Emotionalität liegt vermutlich weniger an den Vertretern von Pegida selber, sondern darin begründet, dass Pegida ein Thema anspricht, das seit mehreren Jahrzehnten unter der Oberfläche brodelt, öffentlich allenfalls in Alibiveranstaltungen behandelt wird, deren Verlogenheit dem schwarzen Kanal zur Ehre gereichen würde, aber uns alle irgendwie betrifft. Das wirkt. Und es schürt Emotionen. Starke Emotionen, die so heftig ausbrechen können, dass selbst Leute, die sich ansonsten gut vertragen, sich plötzlich starken Konflikten ausgesetzt sehen, die sie so nicht erwartet haben. Das ist typisch für Themen, die eigentlich nur abseits des Tisches besprochen werden, man ist erstaunt und verwundert, was der Gegenüber denkt. Weil man vorher nie gefragt hat, aber doch meint des anderen Meinung gekannt zu haben. 

20. März 2015

SoFi


"Ob denenjenigen Kindern, welche um die Zeit geboren werden, da sich Sonnen- oder Mondfinsternissen am Firmamente präsentieren, mit Recht besondere Fatalitäten zu prognostizieren sein?"
 
So beginnt der Erzähler von Johann Gottfried Schnabels ab 1731 in vier Bänden erschienener "Wundersamen Fata einiger Seefahrer", die allen späteren Lesern nur unter dem griffigeren Titel der "Insel Felsenburg" bekannt ist, seinen Lebensbericht, und fährt fort:
 
"Diese Frage will ich den gelehrten Naturkündigern zur Erörterung überlassen, und den Anfang meiner vorgenommenen Geschichtsbeschreibung damit machen: wenn ich dem geneigten Leser als etwas Merkliches vermelde: daß ich Eberhard Julius den 12. Mai 1706 eben in der Stunde das Licht dieser Welt erblickt, da die bekannte große Sonnenfinsternis ihren höchsten und fürchterlichsten Grad erreicht hatte."
 
Die Eklipse von 1706, die gegen elf Uhr morgens Zürich in zwei und das sächsische Zittau vier Minuten lang in völlige Finsternis tauchte, dürfte im deutschen Sprachraum die letzte gewesen sein, die in Beobachtern ein elementares Entsetzen auslöste und Gedanken an das bilbisch angekündigte Ende der Welt hervorgerufen hat:
 
"1706 d. 12. Maji Morgens zwischen 9.10 und 11 Uhr ist auch allhier eine sehr große Sonnenfinsterniß gewesen, da darüber Mensch und Vieh sich entsetzt und nicht anderst vermeinit haben, als ob er folge darauf der jüngste Tag selber" - heißt es in der "Lindauer Chronik". Auch im Zittauer Bericht schwingt das Fraglichwerden der Weltordnung mit: "Aber wir entsetzten uns nicht wenig, als wir sahen, daß  der Mond, im Augenblick, und als wenn er mit macht, von jemand fort- und fürgeschoben würde, alles Sonnenlicht  bedeckte, und eine totale Finsternis bey uns verursachte... Wir stunden also mitten am Tage in einer stockfinsteren  Nacht... Wiewohl diese Finsternis noch gar etwas sonderlich und entsetzliches bey sich hatte, welches ich selbst  nicht recht ausdrücken kan, ohne daß ich sagen muß, es sei eyne bleich und todten-gelbe, und also viel betrübtere und jämmerliche Finsternis gewesen, als etwan die gewöhnliche Finsternis der Nacht ist. Sonderlich, weil auch die unvernünftigen Creaturen darüber bestürzt waren, und sich gleichsam in eine so unzeitige Nacht nicht zuschicken wusten. Die Schwalben, flogen stille schweigend, gantz nahe bey den Menschen heran, als wenn sie bey selbigen Hülfe suchen wolten. Die Tauben, deren etliche zu meiner ergetzung halte, sassen theils auf dem Dache theils waren zu Felde, und mußten beyderseits an ihrem Orte bleiben, biß die Sonne sich wieder blicken ließ; da jene gantz zitternd nach ihren Höhlen flogen; diese aber wie die Pfeile von dem Feld geschossen kahmen, und vor Furcht zitternd und bebend, jene nacheileten."



18. März 2015

Berechtigt und unwichtig

Angesichts der ausufernden Blockupy-Gewalt gilt immerhin positiv festzustellen, daß es doch noch einen weitgehenden Konsens gibt, der diese Gewalt ablehnt. Kollege Llarian hat zwar recht, daß diese Ablehnung nicht zu besonderen Konsequenzen führen wird. Aber die lächerlichen Ausreden der Veranstalter, das wäre alles eine Folge von Polizei-Provokationen, werden nicht einmal mehr beim Hessischen Rundfunk akzeptiert.

Um so mehr liegen den Journalisten die "friedlichen Demonstranten" am Herzen. Fast schlimmer als Verletzte und Sachschaden scheint ja vielen Kommentatoren ein anderer Aspekt zu sein: Die Krawalle würden die Inhalte in den Hintergrund drängen. Also den "berechtigten und wichtigen Anliegen" der protestierenden Bürger schaden. Und es schwingt deutlich durch, daß mit "berechtigt und wichtig" auch "inhaltlich richtig" gemeint ist.

Nun, bei der inhaltlichen Richtigkeit werde ich mit Spiegel, Tagesschau und Co. ohnehin nicht überein kommen - das hat auch wenig mit dem aktuellen Thema zu tun.
Und klar ist natürlich, daß die Anliegen berechtigt sind. Denn jeder Bürger ist berechtigt, seine persönlichen Positionen vorzubringen.

Aber wieso sollen die Forderungen der "friedlichen Demonstranten" wichtig sein?

Wo bleibt der Domprobst? Eine kleine Anmerkung zu „Blockupy“.



Es ist schon ein Trauerspiel, wenn man sich ansieht was heute in Frankfurt so alles passiert ist: Die (extreme bis weniger extreme) Linke demonstriert ihr besonderes Verhältnis zur Gewaltfreiheit und verbittet sich Provokationen der Polizei. Man muss ja auch verstehen, dass das Anzünden von Autos, Mülltonnen oder dem einen oder anderen Autoreifen ja nun auch Dinge sind, die die Polizei hinzunehmen hat, dagegen vorzugehen ist die reine Provokation. 

14. März 2015

Neo–Kolonialismus

Bei einem schrecklichen Brandunglück starben 250 Menschen. Die eigentliche Ursache ist ungeklärt, angeblich handelte es sich um Brandstiftung. Sehr wahrscheinlich war es aber mangelhafter Brandschutz im Gebäude, der zu dieser hohen Opferzahl beigetragen hat.

Die Opfer bzw. ihre Hinterbliebenen klagen nun auf Schadenersatz. Das ist normal und verständlich. Aber sie klagen nicht gegen den Eigentümer des Gebäudes und den Betreiber der dort tätigen Textilfabrik. Sondern sie klagen gegen einen Kunden dieser Fabrik. Das ist ungewöhnlich.

Genauer gesagt klagen auch gar nicht die Opfer, sondern die Klage wird von europäischen Gruppen organisiert. Es geht wahrscheinlich auch nicht wirklich um Schadenersatz. Die Forderung von 30.000 € pro Opfer ist eher bescheiden, die Chancen des Gerichtsprozesses sind noch bescheidener.
Es geht wohl in erster Linie um ein öffentlichkeitswirksames Signal: Die klagenden Gruppen sehen die deutschen Textilvermarkter als Verantwortliche, die für bessere Produktionsbedingungen in Pakistan sorgen sollen.

Keine Oberschicht, nur die da oben

"Your name is heard in high places / You know the Aga Khan / He sent you a racehorse for Christmas / And you keep it just for fun..."
Peter Sarstedt, 1969


Diese großartige Ballade ist entstanden, als der internationale Jet-Set auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung war. Gunter Sachs und Brigitte Bardot trennten sich 1969 so aufsehenerregend, wie sie drei Jahre vorher zusammengekommen waren. Diese Verbindung von ererbtem Reichtum, aber auch Unternehmertum mit einem feinsinnigen Geschmack auf der einen Seite und der Inkarnation einer ganzen Nation im Bikini (die übrigens selbst eine Industriellentochter war) auf der anderen steht exemplarisch für alles, was das kontinentaleuropäische Bild des Begriffs "Oberschicht" auf Jahrzehnte geprägt hat. 

Fast fünfzig Jahre später ist in Deutschland zwar ständig von "denen da oben" im pejorativen Sinne die Rede, auch von den "Reichen". Und Verschwörungstheorien, die elitäre Zirkel annehmen, unter denen Macht und Geld aufgeteilt ist, haben Hochkonjunktur. Ein Schattendasein in der öffentlichen Wahrnehmung führt dagegen die "Oberschicht". Im traditionellen Volksmund auch nicht ohne Respekt als "die oberen Zehntausend" genannt, ist der Begriff der Oberschicht durchaus immer als etwas erstrebenswertes betrachtet worden - zumindest auch als Rollenmodell für den Lebenswandel. 

So kam es, dass in einem Thread hier im kleinen Zimmer bislang kein Konsens darüber entstanden ist, nach welchen Kriterien man heute eine Oberschicht beschreiben kann, geschweige denn ob bestimmte Berufs- oder Personengruppen oder gar Einzelpersonen ihr zuzuordnen sind. 

11. März 2015

Luxusproblem

Apple hat es wieder getan.
Nachdem es bei den MP3-Playern, den Smartphones und den Tablets als neuer Anbieter mit seinem Produkt die Situation auf den Kopf gestellt hat, versucht es das nun bei den Armbanduhren. Und die Reaktionen sind exakt wie bei den ersten drei Versuchen:
Die Kritiker finden das Apple-Angebot völlig überflüssig, weil es ja angeblich technisch nichts Neues bietet und den schon längst im Markt befindlichen Konkurrenzangeboten nicht das Wasser reichen könnte.
Und die Fans stehen in Schlange vor den Apple-Stores und wollen möglichst als Erste das neue Gadget haben.
Beide Reaktionen sind so absehbar wie uninteressant: Über den eigentlichen Erfolg des Produkts entscheiden die "Normalkunden", und man wird erst in ein/zwei Jahren sehen können, ob das Angebot überzeugt hat.

Deswegen hier keine Diskussion über die Apple-Watch selber, über ihre Möglichkeiten und Beschränkungen.

Sondern was ich faszinierend finde, das ist etwas wirklich Neues: Apple verkauft nicht nur in klassischer Weise Varianten, die sich technisch unterscheiden.
Sondern es wird neben der Normalausführung auch eine Luxusversion geben, und dann noch einmal eine atemberaubend teure Goldvariante. Da geht es dann wirklich nur noch um Design und Status.

6. März 2015

Eine kurze Anmerkung zur Mietpreisbremse



Die große Koalition hat inzwischen so manchen Unsinn auf den Weg gebracht, von der neuen Frührente, über das Ökostromreförmchen, bis zum Mindestlohn. Allen diesen Gesetzen ist vor allem eins gemeinsam: Nahezu alles was ein bisschen wirtschaftlichen Sachverstand hat, ist dagegen Sturm gelaufen ist. Und ohne Erfolg. Natürlich. Um diese Serie nicht zu brechen (wenn man einen guten Lauf hat, soll man ja weitermachen) hat sich die GroKo jetzt auf das neueste Projekt Mietpreisbremse verständigt. 

4. März 2015

Mai-Feier

"Heraus zum 1. Mai" wird es demnächst wieder heißen. Ein Ruf, dem dieser Autor zugegebenermaßen noch nie gefolgt ist. Aber wenn dieses Jahr der Ruf von den lieben Blogger-Kollegen vom A-Team kommt, ist das doch etwas anderes.

Wer also den Mai-Anfang im schönen Franken genießen möchte, mit einem spannenden politischem und kulturellem Programm, wer Michael Miersch, Frank Schäffler, Albert Duin und diverse andere liberale und libertäre Vordenker erleben möchte, wer vielleicht auch Blogger vom A-Team oder Zettels Raum kennen lernen möchte - der sollte nach Bamberg fahren.

Das Programm klingt jedenfalls recht vielversprechend.
R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

26. Februar 2015

Das tut gar nicht weh. Ein Gedankensplitter zum Impfen und anderen Pflichten.



„Wissen sie was sich auch gut verkauft? Kindersärge, die gibt es auch in Froschgrün und Feuerwehrrot"
                                              --- Dr. Gregory House

Will man in einer großen Runde junger Eltern möglich schnell die Stimmung verderben und eine schnelle, emotionale Kamikazefahrt erleben, so startet man am besten eine Diskussion über Impfkritik. Und will man dann noch richtig vor die Wand fahren, dann sollte noch das Wort Impfpflicht fallen.

19. Februar 2015

Salonlinke Popmusik


Ach ja, die Popmusik. Entstanden in den USA der 50er Jahre, hat sie schon bemerkenswerte stilistische Wandlungen über die Jahrzehnte durchgemacht. Von Elvis über die Beatles und Stones, erfuhr sie spätestens in den 60er Jahren ihre Politisierung. Bezüge zu den Bürgerrechtsbewegungen in den USA oder die Anti-Vietnamkriegsbewegung steigerten sich zu radikalpazifistischen Bekenntnissen und kaum verhohlenen Sympathien für sozialistische Gesellschaftsexperimente. Gesungen wird für eine gerechtere Welt. Pop ist links, soviel ist sicher.

18. Februar 2015

Sie haben die Wahl

Wieder einmal ruft die Friedrich-Naumann-Stiftung auf, den "Autor der Freiheit" für das vergangene Jahr zu küren.

Ich empfehle eifrige Teilnahme.

Und besonders empfehle ich natürlich einen Klick beim Kollegen Andreas Döding.
R.A.

© R.A..

Der Pyrrhussieg (2)

Debalzewe ist gefallen. Ein weiterer militärischer Erfolg für Putin. Seine Truppen haben den strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkt erobert, damit ihre Kontrolle über den Donbass gesichert und sich neue Angriffsoptionen geöffnet.

Die Eroberung wurde durchgeführt, nachdem die in Minsk vereinbarte Waffenruhe begonnen hatte. Womit diese vom Start weg Makulatur ist - auch wenn die an der Verhandlung beteiligten Hauptstädte das noch mit diplomatischen Formulierungen vernebeln wollen.
Es kann sein, daß es trotzdem eine gewisse Pause gibt. Schließlich müssen Putins Leute das eroberte Gebiet erst einmal konsolidieren. Aber einen stabilen Frieden kann es in der Ukraine nicht mehr geben, solange es nicht einen Machtwechsel im Kreml gibt.

Ein Sieg für Putin, und eine bewußte Demütigung für seine Verhandlungspartner Merkel und Hollande. Schmerzlich mußten sie lernen, daß Verhandlungen nur dann erfolgreich sein können, wenn man auch Druckmittel hat. Diese fehlen dem abgerüsteten Westeuropa.
Und trotzdem: Auch dies ist wieder nur ein Pyrrhussieg für den Kreml.

15. Februar 2015

Gesetzliche Betreuung


Bundesarbeitsministerin Nahles packt mit der ihr eigenen Beherztheit ihr nächstes Regierungsprojekt an. Nach der Rente mit 63 und dem Mindestlohn hat sie es diesmal auf die unmittelbar-dingliche Umwelt von Arbeitnehmern abgesehen. Mittels Revision der Arbeitsstättenverordnung soll sichergestellt werden, daß jeder Mitarbeiter jedes Unternehmens einen eigenen Spind bekommt, Mitarbeitertoiletten und -pausenräume künftig mit Tageslicht zu versorgen sowie Home-Office-Arbeitsplätze nach neuesten ergonomischen Standards zu gestalten sind. Zur Sicherstellung von letzterem sollen Arbeitgeber verpflichtet werden, die entsprechenden Räume ihrer Mitarbeiter (also bei ihnen zuhause!) kontrollierend zu begehen. 

13. Februar 2015

Der Pyrrhussieg

Jacques Schuster hat recht, Putin ist der Sieger der Vereinbarungen in Minsk.
Er hat seine Eroberungen in der Ost-Ukraine konsolidiert, er hat Deutschland und Frankreich zu Bittstellern degradiert, er hat die USA vorgeführt. Und er kann auch nach Belieben wieder mit neuen Angriffen weitermachen, wenn ihm dies nützlich erscheint - den versprochenen Abzug von Truppen und schweren Waffen wird er bestimmt nicht einhalten.

Der Westen hat nur eine Verschnaufpause gewonnen. Eine echte Friedenslösung ist nicht in Sicht. Putin kehrt im Triumph nach Moskau zurück und kann sich innenpolitisch als durchsetzungsstarker Weltmachtführer präsentieren.
Aber welche Perspektive hat er denn noch?

12. Februar 2015

Neues von der Quote: Frauen in der Falle

Mein verehrter Kollege Andreas Döding hat hat es bereits für einen kurzen Kommentar aufgegriffen und zeitgleich hat auch mich der heutige Artikel in der online Ausgabe der FAZ zur Frauenquote motiviert einen Kommentar zu schreiben. Deswegen wird das Thema heute doppelt versorgt.

Der Artikel der FAZ beginnt mit der Beobachtung das von den 17 Frauen, die in den letzten Jahren in DAX Vorstände berufen wurden, nun insgesamt acht nach nicht einmal der Hälfte ihrer Amtszeit vorzeitig geschmissen haben. Also gut die Hälfte. Die Verweildauer von weiblichen Voständen liegt damit im Schnitt bei drei Jahren und damit extrem niedriger als bei Männern (mit acht Jahren).

Kurioses, kurz kommentiert: Hasta la vista, Genderista!


Unter dem Titel "Sie scheitern reihenweise" (inzwischen wurde der Titel bezeichnenderweise zu „Wurden sie in die Falle gelockt?" geändert) wird auf der Onlinepräsenz der FAZ aktuell nach den Ursachen gefahndet, weshalb Frauen in DAX-Vorständen überdurchschnittlich kurze Zeit dort verweilen. Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, die im Schnitt 8 Jahre auf den Vorstandsposten bleiben, schaffen es Frauen durchschnittlich gerade einmal drei Jahre lang, sich dort zu halten. Aus Sicht der Genderwissenschaften, sekundiert von Familienministerin Schwesig, die bereits einen "Kulturwandel" fordert (und somit zukünftige Gesetzgebungsinitiativen, etwa ein Unternehmenskulturgleichstellungsfördergesetz, erwarten läßt), scheint der Fall klar zu sein: Männliche Seilschaften wollen ihre Pfründe wahren und lassen ihre weiblichen Kollegen beherzt ins offene Messer laufen; dergleichen.

8. Februar 2015

Ein Blick hinter die Theke: Warum wir moderieren, warum wir nicht darüber reden und was wir nicht sind.



Dies ist kein politischer Artikel. Es ist auch kein technischer Artikel. Es ist auch, anders als sonst, keine Aufforderung zum Gedankenaustausch. Es sind meine persönlichen Gedanken zu Moderation, Metadiskussion und Höflichkeit in Diskussionsforen im Allgemeinen. Doch auch wenn es meine Gedanken sind, so spreche ich an dieser Stelle ebenso für meine Mitautoren (auch wenn sie meinen gleich kommenden Vergleich vielleicht nicht ganz so kitschig sehen mögen). Es sind meine Gedanken und entsprechend sind sie gefärbt. 

7. Februar 2015

Zitat des Tages: Verbot der "Legida"-Demonstration

Die Stadt Leipzig hat heute die für Montag geplante Demonstration des Pegida-Ablegers "Legida" verboten. Die Polizei sei außerstande, den Aufzug abzusichern. Der Oberbürgermeister Burkhard Jung von der SPD erklärte dazu: "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass in Sachsen offenbar Polizeinotstand herrscht und es nicht möglich ist, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten." ("Die Welt" vom 7.2.2015.)

5. Februar 2015

Unterwerfung unter den Islam

Zufällig geschahen die Attentate auf „Charlie Hebdo“ und den koscheren Supermarkt am Tag, als Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ erschien. Er beschreibt das Frankreich in sieben Jahren: islamisiert durch Dschihadismus und Selbstunterwerfung. Wie das?

Die Religionen arrangierten sich, der Islam sei die kräftigste unter ihnen. Und die einfachste. „Es ist vielleicht zu kompliziert mit dem Katholizismus, im Islam gibt es den Schöpfer, und Schluss“, sagte der Schriftsteller im Interview. „Jedes Mal, wenn ich auf eine Beerdigung gehe, spüre ich, dass der Atheismus unserer Gesellschaften unerträglich geworden ist.“ („Der Tod ist nicht auszuhalten“, DIE ZEIT vom 22.01.2015)

Vom französischen bekennenden Juden Eric Zemmour (Bestseller „Der französische Selbstmord“) wird auf der gleich folgenden ZEIT-Seite noch Schärferes berichtet: Der Blick auf die Ausländerghettos zeige einen Kriegsgrund. „Man schneidet unsere christlichen Wurzeln ab und zwingt uns den allgemeinen Multikulturalismus auf.“ Was ist zu fürchten? „Wenn zwei Völker auf einem Territorium leben, dann herrscht normalerweise Krieg. Das habe ich schon vor den Attentaten gesagt.“

Zwei Feuer brennen und in Frankreich liegen sie nah zusammen: der Dschihadismus gegen die Dekadenz des Westens und der Bruderstreit mit den Juden.

Kann man aus der Geschichte etwas lernen?

30. Januar 2015

Clemens Wergins USA-Beobachtungen und der Blick in die Kristallkugel


Die hysterische Kultur des Nanny-Staats USA lautet der Titel eines exzellenten und unbedingt zur Lektüre empfohlenen Essays von Clemens Wergin auf Welt online. Er beschreibt hier anhand persönlicher Erfahrungen (Wergin ist im letzten Jahr mit seiner Familie als Ressortleiter nach Washington übergesiedelt) Art und Ausmaß, in dem Kinder in den USA inzwischen von überängstlichen Helikoptereltern (und die Eltern wiederum zunehmend durch Helikopterbehörden), drangsaliert werden. Im Interesse eines völlig überzogenen "safety first" scheint es inzwischen jenseits des Atlantiks sogar unüblich zu sein, Kinder allein im eigenen Garten spielen zu lassen; Eltern die dies dennoch erlauben, riskieren nicht nur Verständnislosigkeit und Argwohn seitens der Nachbarschaft, sondern auch Besuch von Polizei oder Jugendamt. Zu Fuß zur Schule gehen: undenkbar. Zehnjährige, die allein in der New Yorker U-Bahn angetroffen werden, werden, wie Wergin anhand eines Beispiels aufzeigt, inzwischen in behördliche Obhut genommen. Seine (Wergins) Töchter seien aufgrund der liberalen Erziehungsmethoden in der Vorortsiedlung inzwischen als die exotischen "German Girls" bekannt.

28. Januar 2015

(357439) 2004 BL86




Computerlogbuch, Sonnensystem, Orbis Tertius. Sternzeit 2457072,6:
 
Wenn Sie, lieber Leser, am gestrigen späten Nachmittag es verabsäumt haben sollten, einen Blick gen Himmel zu werfen, um wenigstens einen flüchtigen Blick auf den himmlischen Besucher zu erhaschen, der der Erde im Fall einer Kollision gefährlich hätte werden können, wie die Medien (wie in solchen Fällen üblich) warnten - was die Webseite der Welt zu der hübschen Fehlleistung
        "Heute verfehlte der Asteroid "2004 BL86" unsere Erde. Das ist
       gut so, er wäre sonst gefährlich gewesen"
 veranlaßte - oder wenn Sie all dies nicht einmal zur Kenntnis genommen haben sollten, dann sind Sie aus drei Gründen entschuldigt.
 
Zum einen war es der Beschluß der Olympischen, daß der Bereich der ehemaligen *Germania transalpina* ganztägig unter die Schirmherrschaft des *Jupiter pluvius* gestellt sei, so daß ein Blick nach oben dazu angetan war, den Titel des späten Fernsehmonologs von Samuel Beckett zu evozieren: "Nur noch Gewölk..."

25. Januar 2015

Wie einem der Schnabel gewachsen ist


Die Basler Zeitung brachte schon vor einem Jahr auf ihrer Website einen Artikel mit dem interessanten Titel "Der Besuch der Sextante D.". Dieser Bericht wurde jedoch nicht von einem Journalisten verfasst, sondern von der Schülerinnen der Klasse 3s, Sekundarschule Binningen, Basel Landschaft, Schweiz. Es handelt sich um ungefähr 12- bis 13-jährige Schülerinnen, nicht um Grundschüler. Die männlichen Schüler wurden im Verlauf der Veranstaltung an dem sogenannten "Pubertätstag", von dem berichtet wird, von den weiblichen Schülern getrennt.

In dem Bericht fand ich zwei Absätze wegen der schönen Wiedersprüchlichkeit der titelgebenden Sextante interessant. Eine Widersprüchlichkeit, welche der Sextante in ihrem Wunsch oder besser Eifer Hemmungen abzubauen, selber vermutlich nicht auffällt.

Im ersten Zitat wird noch von einer Aussage der Sextante berichtet, die für sich genommen durchaus auch als zwanglose Akzeptanz der Individualität der einzelnen Schülerinnen und Schüler gedeutet werden könnte.


Am Nachmittag begrüsste uns die Sextante zuerst und stellte sich mit ­Vornamen D. und ihren Arbeits­partner vor. Dann sagte sie – weil offensichtlich einige gehemmt waren – wir müssten bei manchen vulgären Begriffen einfach so reden, «wie uns der Schnabel gewachsen sei».
Das klingt doch erst einmal sehr vielversprechend und Sicherheit spendend. Jeder soll so reden, wie ihm "der Schnabel gewachsen sei". Niemand muss sich verstellen.

Doch das wird schnell richtig gestellt, denn so war das offenbar nicht gemeint. Direkt als erstes mussten die Schülerinnen und Schüler ein kleine Spiel spielen:
Erst mussten wir «Sex-Tabu» ­spielen, welches wie ein herkömmliches im Handel erhältliches «Tabu» funktioniert, aber nun nur mit Sex­begriffen wie Oralverkehr, Schwangerschaft, Quickie, Anal­verkehr und so weiter. Manche von uns hatten ­Probleme mit einigen Begriffen oder wollten sie aus Scham nicht erklären. Sie mussten es dann aber trotzdem tun. Die Begriffe waren zum Teil oft nicht einfach zu erklären, wenn man sich nicht traut, manche Wörter vor seinen Klassen­kameraden und -kameradinnen zu sagen.
Bis zu diesem Spiel waren die Geschlechter noch nicht getrennt, dies geschah erst im Anschluss an das Spiel.

Offenbar hat die Sextante eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie der Schnabel gewachsen zu sein habe.

Auch der Rest des Berichts ist zu empfehlen, denn offenbar hat die Dame eine etwas seltsame Vorstellung vom Liebesleben der 12- bis 13-jährigen, die sie meint komplett zu verstehen. Da mir eine Wiedergabe des Berichts der Schülerinnen in eigenen Worten keinen Mehrwert zu bringen scheint, insbesondere auch, das es viel interesannter ist, es in ihren eigenen Worten zu lesen, verweiße ich an dieser Stelle einfach noch einmal auf der Artikel in der Basler Zeitung selber:
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Techniknörgler


© Techniknörgler. Für Kommentare bitte hier klicken. Dies ist der erste von zwei Nachfolgeartikeln zum Artikel "Sexualaufklärung abnorm" von Calimero.