Posts mit dem Label Vietnam-Krieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Vietnam-Krieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24. Juni 2008

Zitat des Tages: Ein Vietnamese über McCain. Nicht irgendeiner

If I was an American, I'd vote for him. I think he'd be a very capable President. He has done so much to improve relations between our countries.

(Wenn ich Amerikaner wäre, würde ich ihn wählen. Ich glaube, daß er ein sehr guter Präsident wäre. Er hat sehr viel dafür getan, die Beziehungen zwischen unseren Ländern zu verbessern.)

Der frühere Direktor des Hoa-Lo-Gefängnisses in Hanoi, Tran Trong Duyet, in der BBC über den Kandidaten John McCain. Tran war der Chef dieses Gefängnisses, genannt "Hanoi Hilton", als McCain dort inhaftiert war.

Einen Bericht der New York Times über einen privaten Besuch McCains und seiner Familie in Vietnam vor acht Jahren, auf dem er auch dieses Gefängnis besuchte, findet man hier.

Kommentar: Die heutige Annäherung Vietnams an die USA ist aus meiner Sicht eine der bemerkenswertesten politischen Entwicklungen der Gegenwart. Vietnam ist noch immer ein kommunistischer Polizeistaat. Es scheint aber, daß es sich nach chinesischem Vorbild auf den Weg zum Aufbau des Kapitalismus gemacht hat.

Der frühere Feind USA wird dabei offenbar bemerkenswert positiv gesehen; vielleicht auch deshalb, weil die Führung Vietnams hofft, durch die Knüpfung von guten Beziehungen zu den USA dem übermächtigem Gewicht Chinas entgegenzuwirken.

Wenn die Entwicklung positiv verläuft, kann Vietnam in einigen Jahrzehnten wieder dort sein, wo Südvietnam war, als die Kommunisten dort im Dezember 1956 mit ihrem Aufstand begannen.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

15. Juni 2008

Der 44. Präsident der USA (3): Was John McCain nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft der Nordvietnamesen aufschrieb

Am 14. März 1973 wurde Hauptmann John McCain von den Nordvietnamesen aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, in die er am 26.Oktober 1967 geraten war und während derer er schwer gefoltert worden war.

Jetzt ist - so schreibt in der heutigen International Herald Tribune David D. Kirkpatrick - ein Text von McCain aus dem Jahr 1974 bekannt geworden, in dem er seine Erlebnisse während der Gefangenschaft beschreibt und Folgerungen aus ihnen zieht.

Kirkpatrick meint, daß bereits in diesem Text Motive und Positionen anklingen würden, die auch heute noch kennzeichnend für McCain seien. Er hat ihn dazu per email befragt, und McCain hat - soweit ihn Kirpatrick zitiert - dieser Interpretation jedenfalls nicht widersprochen.



Zentral ging es McCain in diesem Text um die Frage, warum ein Teil der Gefangenen mit dem Feind kollaboriert hatte.

Als einen entscheidenden Faktor sieht er die Anti- Kriegs- Bewegung und die Informations- Politik der damaligen US-Regierung. Es sei ihr nicht gelungen, "[to] explain to its people, young and old, some basic facts of its foreign policy", den Menschen, ob jung oder alt, grundlegende Fakten der Außenpolitik zu erklären. Das hätte sie anfällig für die Parolen der Anti- Kriegs- Bewegung gemacht.

Sie hätten sich deren Parolen zu eigen gemacht und dadurch die Verantwortung für ihre Zusammenarbeit mit dem Feind gar nicht selbst übernehmen, sondern gewissermaßen auf Politiker wie McGovern übertragen können.

McCain hat in der Gefangenschaft erlebt, wie Kollaborateure, die sich für die Propaganda der Kommunisten einspannen ließen, dafür mit ungleich besseren Haftbedingungen belohnt wurden als die der "resisters", die Verweigerer.

Er selbst hatte allen solchen Offerten hartnäckig widerstanden. Die Folterer schafften es allerdings ein einziges Mal, ihm ein "Eingeständnis seiner Schuld" abzupressen, nachdem er vier Tage lang geschlagen, nachdem seine bei der Gefangennahme bereits gebrochenen Arme erneut gebrochen, er an Stricken aufgehängt und in Blut und Exkrementen liegen gelassen worden war.

Nach seiner Freilassung stellte McCain ungläubig fest, wie es den Kameraden, die mit dem Feind kollaboriert hatten und die (außer mit Eis, Bier und Zirkusbesuchen) mit einer schnellen Entlassung belohnt worden waren, in der Heimat gegangen war. In dem Text schreibt McCain:
Probably the greatest shock to great numbers of the P.O.W.'s was to find, on returning to the U.S., that P.O.W.'s who were released early had not been court-martialed but in fact had received choice assignments and early promotions.

Der vermutlich größte Schock für zahlreiche Kriegsgefangene war es, nach ihrer Rückkehr in die USA zu sehen, daß Gefangene, die schnell wieder entlassen worden waren, nicht vor ein Kriegsgericht gestellt, sondern sogar bevorzugt eingesetzt und schnell befördert worden waren.
Kirkpatrick meint, daß damals McCains Überzeugung entstanden sei, eine Regierung müsse ihre Außenpolitik offenlegen und deren Motive so erläutern, daß die Bevölkerung und eben auch die Soldaten sie nachvollziehen könnten. So handhabe er es noch heute.

Auch eine zweite Grundüberzeugung McCains führt Kirkpatrick auf die damaligen Erfahrungen zurück. In dem Text von 1974 sprach er von "the necessity to forgive", von der Notwendigkeit des Vergebens. Diese Fähigkeit zu vergeben habe McCain immer wieder bewiesen - ob es um Kollaborateure unter den Gefangenen, um die Kommandeure nordvietnamesischer Lager oder später, als er Senator war, um ungerechtfertigte Vorwürfe gegen ihn gegangen sei.



Der Text, aus dem Kilpartrick jetzt zitiert, ist übrigens nicht etwa von McCains Leuten innerhalb des Wahlkampfs publik gemacht worden, sondern er wurde aufgrund des Freedom of Information Act (einem Gesetz, daß die Regierung zur Herausgabe von Dokumenten verpflichtet) freigegeben und von Matt Welch, dem Autor eines Buchs über McCain, der New York Times zur Verfügung gestellt.

McCain hat immer darauf verzichtet, Details aus seinem Leben im Wahlkampf einzusetzen. Zuletzt war das so, als er es ausdrücklich untersagte, davon Gebrauch zu machen, daß sein Sohn im Irak Dienst tat.



Links zu allen Folgen dieser Serie findet man hier. - Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

11. März 2008

Marginalie: Wie John McCain Präsident werden könnte

Ja, natürlich, Geschichtliche Vergleiche hinken immer. Historische Parallelen sind stets problematisch. Geschichte wiederholt sich nicht. Die Zeiten ändern sich doch.

Dies zugestanden, ist es dennoch oft interessant und manchmal auch erhellend, historische Vergleiche zu ziehen. Vieles ist eben doch "schon einmal dagewesen"; wenn auch anders drapiert, sozusagen in die jeweilige Mode der Zeit gekleidet. Zumal, wenn man die Geschichte desselben Landes, derselben politischen Kultur betrachtet.

Das tut heute in der heutigen Washington Post Richard Cohen. Den Titel seiner Kolumne - "How the Democrats Could Lose", wie die Demokraten verlieren könnten - habe ich für diese Marginalie ins - aus meiner Sicht - Positive gewendet.



Die Parallele, die Cohen zieht, ist die zwischen dem Wahljahr 2008 und dem Wahljahr 1972.

Heute ist der Irak-Krieg in einer kritischen Phase; damals war es der Vietnam-Krieg. Die Positionen der beiden großen Parteien waren damals ähnlich wie heute: Die Republikaner wollten den Krieg bis zu einem ehrenhaften Ende durchstehen. Die Demokraten wollten ihn so schnell wie möglich beenden und die Jungs nach Hause holen.

Für die Republikaner trat damals der amtierende Präsident Nixon an, für die Demokraten der Friedens- Aktivist George McGovern. Nixon gewann haushoch; er holte 49 Staaten. Nur Massachusetts und der District of Columbia gingen an McGovern.

Auf die Parallele zwischen George McGovern und Barack Obama habe ich in einem früheren Artikel aufmerksam gemacht: Beide Hoffnungsträger der Linken; beide vor allem im akademischen Milieu verankert; beide mit Neigungen zum Weltverbesserertum; beide Friedenskandidaten in Kriegszeiten. Obama freilich heute mit ungleich besseren Chancen als damals McGovern, weil er Charisma hat und auch für Wählerschichten außerhalb des links- akademischen Milieus attraktiv ist.

Nixon holte damals seinen überwältigenden Sieg gegen McGovern trotz der Kriegsmüdigkeit eines immer größeren Teils der Amerikaner. Und zwar, weil er - schreibt Cohen - einen "Plan" hatte oder vielmehr so tat, als hätte er ihn:
John McCain lacks Nixon's raw talent for hypocrisy, so I don't think he'll go that far. But he will make his stand on the surge, and it will be, for him, the functional equivalent of Nixon's secret plan. His plan, McCain will say, is to win.

McCain hat nicht Nixons Naturtalent zum Heucheln; deshalb glaube ich nicht, daß er so weit gehen wird. Aber er wird sich auf den surge berufen [den erfolgreichen Feldzug gegen die El Kaida im vergangenen Jahr], und dieser wird für ihn das Gegenstück zu Nixons geheimem Plan sein. Sein Plan, wird McCain sagen, sei es, zu gewinnen.
Eine weitere Parallele sieht Richard Cohen auf der Seite der Demokraten. Diese hatten einander damals in den Vorwahlen heftig bekriegt, wie jetzt Clinton und Obama:
The result was a national convention that was boisterous, unruly and ugly to look at. That convention might, however, look like a tea party compared with what could happen in Denver this August.

Das Ergebnis war ein Nominierungs- Parteitag, der, chaotisch und regellos, ein abstoßendes Bild bot. Dieser Parteitag könnte jedoch im Vergleich zu dem, was vielleicht im August in Denver bevorsteht, wie ein Teekränzchen erscheinen.
Nixon hatte damals den Nationalstolz der Amerikaner angesprochen und den Demokraten Defätismus vorgeworfen. So könnte es, meint Cohen, auch diesmal wieder laufen:
You can see it all happening again: a Republican charging that the Democrats are defeatist, soft on national security and not to be trusted with the White House. And you can see the Democratic Party heading toward Denver for yet another crackup. (...) A year ago, it looked like the party could not lose. This year, it seems determined to try.

Es bahnt sich alles wie damals an: Ein Republikaner, der den Vorwurf erhebt, die Demokraten seien defätistisch und weich in Sachen nationale Sicherheit; sie seien Leute, denen man das Weiße Haus nicht anvertrauen kann. Und die Demokraten bewegen sich erkennbar darauf zu, in Denver erneut in sich zusammenzukrachen. (...) Vor einem Jahr sahen sie wie die Partei aus, die nicht verlieren kann. In diesem Jahr scheinen sie entschlossen, das zu versuchen.


Richard Cohen schildert das aus einer Perspektive, die Sympathie für die Demokraten erkennen läßt. Er schreibt sozusagen aus der Pose des Warners heraus. Aus meiner Sicht gibt seine Analyse Anlaß zur Hoffnung. Noch liegt zwar John McCain in den meisten Umfragen hinter Clinton oder Obama. Aber es gibt auch schon Umfragen, die ihn vorn sehen.

Und wenn sich der Wahlkampf so entwickelt, wie Richard Cohen es prognostiziert - eine Selbstzerfleischung der Demokraten, während McCain in Ruhe (freilich auch um den Preis einer geringeren Medienpräsenz) den eigentlichen Wahlkampf vorbereiten kann -, dann wird im nächsten Jahr vielleicht wirklich John McCain und nicht Hillary Clinton oder Barack Obama als der 44. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.

Das würde mich freuen.

Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.