Posts mit dem Label Wolfgang Harich werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wolfgang Harich werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

19. Juni 2008

Deutschland im Öko-Würgegriff (9): Durchgeknallt. Die EU will Glühbirnen verbieten. Nebst Bemerkungen über das Anfüttern und über Wolfgang Harich

Wann hat der Staat das Recht, den Verkauf bestimmter Produkte zu verbieten? Bisher dann, wenn diese eine Gefahr für den Käufer und/oder für andere darstellen.

Also verbietet man den Verkauf von Opium, den Verkauf von Waffen, den Verkauf von unsicheren Elektro- Geräten.

Jetzt will die EU offenbar ein neues Prinzip einführen: Verboten soll ein Produkt werden, obwohl es sicher ist, obwohl es seit vielen Jahrzehnten von Millionen Menschen benutzt wird, ohne daß dies sie oder andere geschädigt hätte.

Was an der Glühbirne - um deren beabsichtigtes Verbot geht es - zu beanstanden ist, das ist allein, daß man Licht auch auf eine andere Art erzeugen kann, nämlich durch sogenannte Energiesparlampen.

Diese haben Nachteile (zum Beispiel ein unangenehm fahles Licht; meist eine Verzögerung der Lichtabgabe nach dem Einschalten) und sie haben den Vorteil eines höheren Wirkungsgrads als Glühbirnen. Damit wird bei ihrer Verwendung Strom, also Energie gespart, also der CO2-Ausstoß reduziert.

Die EU-Kommission beabsichtigt, durch ein Verbot der Glühbirne in die Freiheit der Bürger einzugreifen, selbst zu entscheiden, auf welche Art sie ihre Wohnungen beleuchten wollen. Und zwar allein aus dem Grund, daß dadurch die CO2-Emissionen reduziert werden sollen.



Ist eigentlich denjenigen, die diese Meldung lesen und das vielleicht doch eigentlich ganz vernünftig finden, bewußt, welche Bresche da in unsere Rechtsordnung geschlagen werden soll?

Wenn sich die EU-Kommission anmaßt, ein Produkt allein deshalb zu verbieten, weil ein anderes umweltfreundlicher ist - wo soll dann noch haltgemacht werden?

Es ist umweltfreundlich, sich vegetarisch zu ernähren; jedenfalls wird das behauptet. Also den Fleischkonsum verbieten oder mindestens gesetzlich einschränken. Es ist umweltfreundlicher, auf dem Balkon als auf den Malediven Urlaub zu machen. Also Ferienflüge wenn auch vielleicht nicht gleich verbieten, so doch erst einmal Bezugsscheine für sie einführen. (Jede Familie darf einmal in fünf Jahren mit dem Flugzeug verrreisen; Singles alle zehn Jahre).

Es ist umweltfreundlicher, mit dem ÖPNV als mit dem PKW zur Arbeit zu fahren. Also wozu noch lange über die Pendlerpauschale streiten? Man kann doch einfach jedem, der auch mit Bahn oder Bus zur Arbeit kommen kann, die Benutzung des PKW verbieten.



Und so fort. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Sie finden, ich übertreibe? Ein Verbot der Glühbirne sei doch wirklich harmlos?

Ich fürchte, lieber Leser, dann haben Sie zweierlei übersehen:

Erstens, daß Machtgier unersättlich ist. Hat man erst einmal der Glühbirne den Garaus gemacht, dann wird man als nächstes natürlich nicht gleich den Urlaub mit dem Flieger verbieten, aber vielleicht die elektrischen Heizkörper. Und dann Stand- By- Schaltungen. Und dann Spielzeug aus Materialien, für deren Herstellung viel Energie benötigt wird. Und so fort. Bis nicht mehr die Anbieter und wir Konsumenten entscheiden, was ver- und gekauft wird, sondern die Bürokraten in Brüssel.

Und zweitens dienen ja solche scheinbar harmlosen Verbote wie das der Glühbirne auch dazu, uns, die vom Verbot Betroffenen, daran zu gewöhnen, daß wir nicht mehr frei entscheiden können, was wir kaufen.

Es wird nicht nur eine juristische Bresche geschlagen, sondern wir werden auch psychologisch auf die Herrschaft der Öko- Bürokraten vorbereitet. Angefüttert, wie man so etwas in gewissen Kreisen nennt.

Und angefüttert wurden wir, streng genommen, schon zuvor, nur haben wir das, wie es beim Anfüttern so ist, nicht gemerkt. Nämlich, als Abgasnormen für Autos eingeführt wurden. Das erschien harmlos, ja einsichtig, denn der Gebrauchswert eines Fahrzeugs wird ja nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt, wenn es bestimmte Abgasnormen erfüllt. Lediglich teurer wird es, aber das haben wir alle brav akzeptiert.

Würde man für Glühbirnen lediglich einen bestimmten Wirkungsgrad vorschreiben, dann bliebe das ebenso unmerklich, was den Gebrauchswert angeht. Aber, einmal angefüttert, werden wir nun den nächsten Schritt zu akzeptieren haben, daß man gleich eine ganze Art von Produkt verbietet. Das wäre etwa so, wie wenn man bei den Automobilen den SUV verbieten würde; sicher einer der feuchten Träume mancher Umweltfreunde.



Wie soll ein Verbot der Glühbirne eigentlich durchgesetzt werden? Wird sich die Zollkontrolle künftig auch auf heimlich aus Nicht- EU- Ländern eingeschmuggelte Glühbirnen erstrecken? Wird ein Kontrolldienst eingerichtet, der im Verdachtsfall eine Wohnung nach verbotenen Glühbirnen durchsucht?

Das könnte der Vorläufer einer Umweltbehörde mit exekutiven Befugnissen sein, die unausweichlich sein wird, wenn die jetzige Entwicklung weitergeht. Man könnte sie Geheime Umweltpolizei (GeUmPo) und das zuständige Ministerium Ministerium für Umweltsicherheit (MfU) nennen.

Und noch etwas, das mir, lieber Leser, immer mehr am Herzen liegt: Es wird wirklich Zeit, Wolfgang Harich, den Propheten der Öko- Diktatur, als den Pionier anzuerkennen, der er gewesen ist. Er gehört auf Briefmarken, ihm sollten Denkmäler gesetzt und Straßen und Plätze sollten dringend nach ihm benannt werden.



Links zu den früheren Folgen dieser Serie findet man hier. Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

24. Mai 2008

Deutschland im Öko-Würgegriff (7): Sie sagen Öko und meinen Mammon. Nebst einem Exkurs über rote und grüne Linke

In B.L.O.G. hat kürzlich Rayson auf den Zusammenhang zwischen Verkehrsgesetzgebung und den Einnahmen hingewiesen, die dem Staat aus Bußgeldern erwachsen.

"Sie sagen Gott und meinen Mammon" sagte man früher, als noch die Religion zur Bemäntelung materieller Interessen diente. Heute nimmt der Staat dafür beispielsweise die Verkehrspolitik. Vor allem aber ist das Zauberwort "Öko" ein Sesam-öffne-dich für den Geldbeutel des Bürgers.

Nicht genug mit der Ökosteuer, mit den uns auferlegten Zwangssubventionen für Windräder und Solaranlagen. Auch die Abgas- Politik eignet sich trefflich, dem Bürger Geld aus der Tasche zu ziehen.

Die naheliegende Idee besteht darin, umweltschädliche Autos höher zu besteuern. Das nützt, nicht wahr, der gebeutelten Umwelt. Vor allem aber nützt es dem Staatssäckel.

Dieser für den Staat erfreuliche Nebeneffekt ist zwar umweltpolitisch nicht im Geringsten zu rechtfertigen. Denn selbst wenn man mit "Steuern steuern" möchte, kann man das ja aufkommensneutral tun. Man kann umweltfreundliche Automobile um soviel entlasten, wie man Autos mit unerwünscht hohen Emissionen stärker belastet. Der Käufer kann das in seine Kaufentscheidung einbeziehen.

Aber das wäre ein schöner Finanzminister, der es sich entgehen lassen würde, bei dieser Gelegenheit gleich auch die Steuerlast zu erhöhen.

Also wollte das Finanzministerium, so stand es gestern in der "Süddeutschen Zeitung", nicht nur Neuwagen statt nach Hubraum künftig nach Emissionswerten besteuern, sondern auch bereits zugelassene Wagen mit einem CO2-Zuschlag belasten.

Nun werden diese schon auf den Straßen rollenden Autos ja nicht umweltfreundlicher, wenn ihre Halter höhere Steuern zahlen müssen. Und wer ein solches Auto fährt, der wird auch nicht aufgrund einer höheren Besteuerung einen Neuwagen kaufen, den er sich nicht leisten kann.

Es handelte sich also um den dreisten Versuch, bei Gelegenheit dieser geplanten Umstellung gleich die Finanzen des Bundes ein wenig zu verbessern.

Um den Versuch. Jedenfalls vorläufig. Denn laut der Meldung der SZ wurde dieses "Klima- und Energiepaket", über das das Bundeskabinett auf seiner Sitzung am kommenden Dienstag hatte beschließen sollen, von der Tagesordnung abgesetzt.

Der Hintergrund ist, laut SZ, eine Intervention aus dem CSU-geführten Wirtschaftsministerium, das darauf beharrt, "den Fahrzeugbestand von Steuererhöhungen zu verschonen".

Vielleicht setzt sich Michael Glos ja in diesem Punkt endgültig durch. Dann haben wir wieder einmal davon profitiert, daß das Kabinett noch zur Hälfte aus nichtsozialistischen Ministern besteht. Wie eine solche Entscheidung ausfallen würde, wenn schon Sozialdemokraten, Grüne und Kommunisten regierten, das kann sich jeder ausmalen.



Diese Verquickung von Umweltpolitik und dem Versuch, heimlich die Steuern zu erhöhen, ist nur ein kleines Beispiel für einen weit allgemeineren Sachverhalt:

Die Umweltpolitik wird zu einem Hebel, mit dessen Hilfe der Staat nachgerade beliebig seine Einnahmen steigern, seine Macht ausbauen, seine Bürger zu unmündigen Untertanen machen kann, die als Objekt staatlicher Erziehungsversuche dienen sollen.

Vergangenen Donnerstag ist in der Washington Post dazu eine Kolumne von George F. Will erschienen, die diese Neigung des Staats, die Ökologie zu Mehrung seiner Macht und seiner Einnahmen zu nutzen, trefflich beschreibt. Auszüge:
What Friedrich Hayek called the "fatal conceit" -- the idea that government can know the future's possibilities and can and should control the future's unfolding -- is the left's agenda. The left exists to enlarge the state's supervision of life, narrowing individual choices in the name of collective goods. Hence the left's hostility to markets. And to automobiles -- people going wherever they want whenever they want.

Today's "green left" is the old "red left" revised. Marx, a short-term pessimist but a long-term optimist, prophesied deepening class conflict but thought that history's violent dialectic would culminate in a revolution that would usher in material abundance and such spontaneous cooperation that the state would wither away.

The green left preaches pessimism: Ineluctable scarcities (of energy, food, animal habitat, humans' living space) will require a perpetual regime of comprehensive rationing. The green left understands that the direct route to government control of almost everything is to stigmatize, as a planetary menace, something involved in almost everything -- carbon.

Das, was Friedrich Hayek die "fatale Einbildung" nannte - die Vorstellung, daß die Regierung die Möglichkeiten der Zukunft kennen kann und die Entfaltung der Zukunft kontrollieren kann und sollte - , ist die Agenda der Linken. Die Linke existiert, um die staatliche Überwachung des Lebens zu mehren und dabei die Wahlen, die dem Einzelnen bleiben, im Namen kollektiver Güter einzuengen. Von daher die Feindseligkeit der Linken gegenüber Märkten. Und gegenüber Automobilen - Menschen begeben sich, wann immer sie wollen, dorthin, wo immer sie wollen.

Die heutige "grüne Linke" ist eine neue Variante der alten "roten Linken". Marx, auf kurze Sicht ein Pessimist, aber auf lange Sicht ein Optimist, prophezeite sich verschärfende Klassenkämpfe, meinte aber, daß die Dialektik dieser geschichtlichen Gewalt in einer Revolution gipfeln würde, die materiellen Überfluß und eine spontane Zusammenarbeit der Art hervorbringen werde, daß der Staat abstirbt.

Die grüne Linke predigt Pessimismus: Unvermeidbare Knappheiten (von Energie, Nahrungsmitteln, dem Lebensraum für Tiere und Menschen) werden ein dauerhaftes Regime umfassender Rationierung erfordern. Die grüne Linke hat verstanden, daß der direkte Weg hin zu einer staatlichen Kontrolle von so gut wie allem darin besteht, etwas als eine globale Bedrohung zu stigmatisieren, das in fast allem enthalten ist - Kohlenstoff.
Wohl wahr. Wobei zumindest in Europa ja, angesichts des real existierenden Sozialismus, den roten Linken die Utopie vom Absterben des Staats ebenfalls schon lange abhanden gekommen ist.

Ein Exponent dieser roten Linken, Wolfgang Harich, ist so etwas wie das Bindeglied zur grünen Linken.

Er war auch in DDR-Haft ein Anhänger des diktatorisch regierenden Sozialismus geblieben, war aber intelligent genug, zu erkennen, daß für dieses System angesichts der Realitäten nicht mehr gut mit dem Versprechen geworben werden konnte, daß seine Bürger besser und freier leben würden als im Kapitalismus.

Also ersann er 1975 eine neue Rechtfertigung für die Diktatur: Angesichts der künftigen ökologischen Probleme bedürfe es "autoritärer Strukturen" wie in der damaligen DDR:
Wobei es dann selektiv zu unterscheiden gilt zwischen solchen Bedürfnissen, die beizubehalten, als Kulturerbe zu pflegen, ja gegebenenfalls erst zu erwecken bzw. noch zu steigern sind, und anderen, die den Menschen abzugewöhnen sein werden - soweit möglich, mittels Umerziehung und aufklärender Überzeugung, doch, falls nötig, auch durch rigorose Unterdrückungsmaßnahmen, etwa durch Stillegung ganzer Produktionszweige, begleitet von gesetzlich verfügten Massen- Entziehungskuren.
Das waren die Kontrollphantasien eines überzeugten Anhängers der DDR. Sie könnten heute als Grundlage für ein linkes Regierungsprogramms verwendet werden.

Wäre es nicht an der Zeit, Wolfgang Harich endlich als den anzuerkennen, der er war - der erste große Theoretiker des real existierenden Ökologismus, so wie er sich gegenwärtig entwickelt?



Links zu den früheren Folgen dieser Serie findet man hier. Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.