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13. März 2009

Zitat des Tages: "Konsequenzen des Amoklaufs" von Winnenden. Kontrollieren, Verbieten, Verschärfen. Warum aber wurde Tim K. zum Mörder?

Konsequenzen des Amoklaufs - CSU will Killerspiel- Verbot, SPD Kontrolle über Schützenvereine
Notruf- Funktionen für Internet- Nutzer, ein Killerspiel- Verbot, mehr Kontrolle in Schützenvereinen: Politiker der Großen Koalition streiten nach der Bluttat von Winnenden über politische Konsequenzen. Die Polizeigewerkschaft beklagt Sicherheitslücken bei der Waffenkontrolle.


Schlagzeile und Teaser eines heutigen Artikels in "Spiegel- Online"

Kommentar: Jetzt geht es also los mit dem, was zu erwarten gewesen war: Es wird über "politische Konsequenzen" diskutiert.

"Konsequenzen", von denen nicht zu erkennen ist, daß sie auch nur entfernt, daß sie auch nur indirekt etwas mit der Tat des Tim Kretschmer zu tun haben.

Von einem "neuen Anlauf" des bayerischen Innenministeriums berichtet "Spiegel- Online", "gewaltverherrlichende Spiele aus dem Verkehr zu ziehen". Ja, hat denn der Amoklauf von Winnenden etwas mit gewaltverherrlichenden Spielen zu tun? Es gibt dafür nicht das geringste Indiz. Noch nicht einmal daß Tim Kretschmer sich bei seiner Tat wie eine Figur aus solchen Spielen gekleidet hat, stimmt. Er ging so zum Töten, wie er sonst in die Schule ging.

Die unsägliche Justizministerin Zypries "rief Schützenvereine dazu auf, ihre Mitglieder künftig besser zu kontrollieren." Ja, ist denn der Vater von Tim Kretschmer schlecht kontrolliert worden?

Hätte ein Inspektor des Schützenvereins dessen Wohnung aufsuchen sollen, um herauszufinden, daß alle Waffen ordnungsgemäß im Waffenschrank verwahrt waren, bis auf die Beretta? Hätte er dann das Schlafzimmer des Ehepaars Kretschmer durchsuchen sollen, um diese Beretta zu ermitteln?

Eine "Verschärfung des Waffenrechts" schloß CDU- Generalsekretär Profalla nicht aus. Ja, wo will man denn da, bei einem der strengsten Waffengesetze der Welt, noch etwas verschärfen? Und gibt es auch nur den Schein eines Hinweises darauf, daß ein schärferes Waffenrecht den Amoklauf von Tim Kretschmer verhindert hätte?

Gegen solche Versuche, an den Haaren herbeizuziehen, wo man nur ziehen kann, muten Überlegungen wie die des Pädagogen Dieter Lenzen schon fast rational an, der den Amoklauf mit der Benachteiligung von Jungen im deutschen Bildungswesen in Zusammenhang bringt. Immerhin sind solche Schulmassaker etwas ausgeprägt Geschlechtsspezifisches.



Bei allen diesen Versuchen, Zusammenhänge zu konstruieren, scheint mir das Offensichtliche zu kurz zu kommen: Ein Mensch hat moralisch versagt. Dieser Tim Kretschmer - ja kein Kind, sondern strafmündig, wenn auch dem Jugendstrafrecht unterworfen - hat sich entschieden, Menschen zu töten. Nach allem, was man weiß, so viele, wie er nur konnte.

Hat er sich aus freiem Willen entschieden, das zu tun? Wahrscheinlich ja. Hinweise darauf, daß er nicht schuldfähig war - daß also beispielsweise eine schizophrene Erkrankung vorlag oder eine tiefgreifende Bewußtseinsstörung zu dem Zeitpunkt, zu dem er sich für die Tat entschied - gibt es bisher nicht. Es ist davon auszugehen, daß Tim Kretschmer ein Mörder ist, ein Massenmörder.

Er hat sehr wahrscheinlich abgewogen, bevor er sich für das Morden entschied. Er muß sich im Klaren darüber gewesen sein, welches Leid er über viele Menschen bringen würde - die Opfer, deren Angehörige, seine Eltern.

Er kam zu dem Ergebnis, daß dieses Leid weniger wog als seine Wut, sein verletztes Selbstwertgefühl, sein Bedürfnis nach Rache - was immer ihn zu der Tat getrieben hat.



Wenn man "Konsequenzen" aus einer solchen Tat erwägt, dann wäre hier anzusetzen. Was ist in der Erziehung eines jungen Menschen schief gelaufen, daß er zu einem solchen moralischen Krüppel geworden ist? Wieso hat er nicht hinreichend die Fähigkeit erworben, Mitleid mit anderen Menschen zu haben, sich in ihr Leid einzufühlen? Wieso war bei ihm die Kontrollfunktion so offensichtlich schwach ausgebildet, die wir umgangssprachlich Gewissen nennen, die Freud Überich und die Immanuel Kant das "moralische Gesetz in mir" genannt hat?

Fragen, die seltsamerweise in der öffentlichen Diskussion des Falls kaum eine Rolle spielen.

Fragen, die ja in einem öffentlichen Diskurs generell eine geringe Rolle spielen, der ganz auf "die Gesellschaft" hin zentriert ist. Ein Diskurs, der bei solchen Ereignissen fragt "Was haben wir, die Gesellschaft, falsch gemacht?" Statt zu fragen: "Warum hat dieser Mensch eine solche Schuld auf sich geladen?".



Mit Dank an Califax. Für Kommentare bitte hier klicken.

24. Juni 2008

Psychologen, Psychiater, Populisten. Wie sollten wir auf Jugendkriminalität reagieren?

Ende 2007 haben in München zwei jugendliche Kriminelle einen Rentner fast umgebracht. Sie haben ihn zu ermorden versucht: So jedenfalls sieht es die Anklagebehörde in dem Prozeß, durch den jetzt wieder, so wie damals, vor einem halben Jahr, diese Tat die Öffentlichkeit beschäftigt.

Wenn ein Thema die Öffentlichkeit beschäftigt, dann ist das oft Anlaß für Fachleute, sich zu Wort zu melden. Zum einen, weil man sie dann um ihren Rat bittet. Zum anderen, weil sie selbst zu Recht vermuten, daß jetzt die Zeit günstig ist, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

Das sind Anliegen unterschiedlicher Art: Man möchte die wissenschaftliche Sicht der Dinge darstellen. Man will vor einer falschen Beurteilung in der Öffentlichkeit, gar vor populistischen Entscheidungen warnen. Und man nutzt die Gelegenheit auch nicht selten, um darauf aufmerksam zu machen, daß die Sache noch lange nicht erforscht sei und daß man dringend mehr Geld brauche, um sie besser erforschen zu können.



So ist es auch jetzt im Fall des vermutlichen Mordversuchs in München. Heute berichtet in der "Süddeutschen Zeitung" Markus C. Schulte von Drach in einem längeren Artikel über eine "Stellungnahme zur Jugendgewalt", die der Kölner Psychiater Gerd Lehmkuhl zusammen mit drei Kollegen - darunter, wie es scheint, der Sozialpsychologie Friedrich Lösel - formuliert habe.

In der übrigen deutschen Presse wird über diese Stellungnahme nicht berichtet; es ist also zu vermuten, daß die Wissenschaftler sie, jedenfalls vorerst, nur für die SZ geschrieben haben.

Am Ende des Artikels läßt Friedrich Lösel, nun, nicht gerade die Katze aus dem Sack, aber uns doch einen Blick in die Motivationslage für solche Stellungnahmen tun:
Auch wenn Gewalt nicht grundsätzlich ein Ausländerproblem ist: Programme zur Vorbeugung von Jugendgewalt sollten auf Migrantenfamilien zugeschnitten werden, fordert Lösel. Solche Programme gibt es. Und sie wirken. Lösels Team hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung von Kindern in mehr als 600 Familien beobachtet, von denen jede zweite von Erziehern, Sozialarbeitern und Psychologen unterstützt wurde. (...)

Trotz der Erfolge stehen die Programme vor dem Aus. Ihnen fehlt das Geld. Statt Konzepte umzusetzen, beschäftigen sich Politiker offenbar lieber mit "vordergründigen Erklärungen und kurzfristigen Interventionen", monieren die Psychiater in ihrem Manifest.
Gewiß, mehr Geld für die Forschung kann man immer brauchen. Wenn die Drittmittel- Finanzierung für ein Forschungsprojekt nicht weiterbewilligt wird, dann liegt das im allgemeinen an negativen wissenschaftlichen Gutachten darüber, und nicht an Politikern. Aber andererseits können Politiker den Topf für Forschungsmittel auffüllen und so die Chance aller erhöhen, etwas zu bekommen.

Aber es wäre falsch, das Motiv für derartige Stellungnahmen allein in der Einwerbung von Forschungsmitteln zu sehen. Wenn es um Jugendkriminalität, wenn es um Kriminalität überhaupt geht, dann nehmen viele Psychiater, Psychologen, auch viele Soziologen die Notwendigkeit wahr, ihrer Sicht gegenüber Denjenigen Geltung zu verschaffen, die andere Sichtweisen vertreten.

Juristen sehen in solchen Taten Verbrechen, die es zu bestrafen gilt. Sie fragen nach der Schuld der Täter. Sie fragen sich, wie es in Menschen aussehen muß, die dazu fähig sind, einen am Boden liegenden alten Mann fast zu Tode zu treten. Sie fragen nach der Höhe der Strafe, die einer solchen Schuld angemessen ist und die andererseits der Generalprävention dient, also der Abschreckung anderer, die vielleicht auch eine solche Tat begehen könnten.

Die Sicht der Psychiater und Sozialpsychologen ist eine ganz andere. Sie fragen danach, was denn in der Entwicklung der Täter schief gelaufen ist, so daß es zu der Tat kommen konnte. Sie fragen nach der Schuld der Gesellschaft, nach den politischen und ökonomischen Verhältnissen, die - so nehmen sie an - dazu führen, daß Menschen straffällig werden.

Sie fragen danach, also versuchen sie es zu erforschen. Sie betreiben Feldforschung in den Familien, sie explorieren und testen die Täter, sie rekonstruieren Biographien. Dann machen sie Vorschläge, was man zur Prävention tun konnte.

Meist sind es Rezepte, die auf ein stärkeres Eingreifen des Staats hinauslaufen. Diese Wissenschaftler möchten gern die Gesellschaft verbessern; in der Erwartung, daß damit auch die Kriminalität geringer werden würde. Sie denken nicht in Kategorien von Schuld und Verantwortung, sondern von Ursache und Wirkung. Sie verstehen sich als Sozialingenieure.

Mit dieser Sichtweise, mit diesen Ergebnissen, Einsichten und Empfehlungen treten sie bei Gelegenheit an die Öffentlichkeit; schreiben sie Manifeste wie jetzt, stellen sie sich der Kamera.

Nicht alle mit demselben hartnäckigen Eifer wie Christian Pfeiffer, dessen spitznasiges Gesicht so regelmäßig auf dem Bildschirm auftaucht wie die Mainzelmännchen. Aber der Einfluß dieser Sozialwissenschaftler auf die Medien, und über sie auf die Öffentlichkeit, ist doch beträchtlich. Sie dominieren den öffentlichen Diskurs.



Weil das so ist, hat es mich doch ein wenig gewundert, von den Autoren des jetzigen Manifests zu erfahren, daß sie sich sozusagen als unbeachtete Mauerblümchen sehen:
Statt populistische Forderungen zu stellen, sollten sich Politiker lieber konstruktiven Programmen zuwenden, so die Psychiater. Schließlich gebe es längst "umfassende wissenschaftliche Ergebnisse zur Entstehung, zur Vorbeugung und zum Verlauf aggressiven und dissozialen Verhaltens". Jugendgewalt lasse sich durchaus verhindern. Aber das "erfordert ein Umdenken".
Ein Umdenken? Das, was diese Autoren offenbar in ihrem Manifest formuliert und/oder dem SZ-Journalisten Schulte von Drach in den Notizblock diktiert haben, ist ungefähr so sehr gängige Meinung wie die Auffassung, daß bei Sonnenschein das Wetter schön ist.

Ein "Umdenken" ist in dem, was Schulte von Drach berichtet, allenfalls bei den Autoren selbst zu erkennen, und zwar in zwei Punkten, die freilich - von ihnen oder von Drach - ganz, ganz vorsichtig formuliert werden: Daß Kriminalität auch genetische Ursachen haben könnte, und daß Jugendkriminalität gehäuft unter Einwanderern und Kindern von Einwanderern vorkommt.

Dazu lesen wir in dem Artikel (Hervorhebungen von mir):
Die Experten gehen heute auch davon aus, dass eine Neigung zur Aggression teilweise vererbt sein kann. Damit sie sich bemerkbar macht, müssen allerdings nachteilige soziale Faktoren hinzukommen.
Und zur Kriminalität jugendlicher Ausländer und Einwanderer:
Manche der gewaltauslösenden Faktoren treten in Migrantenfamilien offenbar häufiger auf. Denn Kinder aus diesen Familien gehören tatsächlich etwas häufiger zu den Intensivtätern als der Nachwuchs deutscher Eltern.
Eine gewiß vorsichtige Formulierung angesichts des Ergebnisses einer kürzlichen Untersuchung, zitiert im Sachstandsbericht 2008 des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags WD 7 - 007/08 über die Gewaltkriminalität von Jugendlichen. Unter anderem wurden in dieser Untersuchung zur Dunkelziffer 19.000 Schüler der 9. Klasse anonym befragt, ob sie im vergangenen Jahr eine Körperverletzung begangen hätten. Das bejahten 19 Prozent der deutschen und 37,5 Prozent der türkischstämmigen Jugendlichen. Die Letzteren also "etwas häufiger".



Keine Frage, die Kriminologie und die sie tragenden Wissenschaften sind nützliche, ja unverzichtbare Unternehmungen. Sie liefern Einsichten in die Ursachen und Bedingungen des Verbrechens; sie geben damit vielleicht Ansatzpunkte für das, was man zu dessen Bekämpfung tun kann.

Nur kann sich diese sozialwissenschaftliche Betrachtung ja gewiß nicht über mangelende Resonanz beklagen; sie ist im Gegenteil dominant.

Hingegen tritt eine andere, ebenso berechtigte Sichtweise immer mehr in den Hintergrund: Daß es die freie Entscheidung des Einzelnen ist, ein Verbrechen zu begehen. Daß er dafür verantwortlich ist; daß er dafür eine Strafe verdient hat. Daß es böse ist, ein Verbrechen zu behen, und nicht einfach der Schlußpunkt einer Kausalkette.

Auf dem allgemeinen Bewußtsein, daß das so ist, beruht jede funktionierende Rechtsordnung. Die sozialwissenschaftliche Betrachtungsweise, wie sie in dem Artikel von Schulte von Drach propagiert wird, klammert diese Aspekte des Moralischen, der freien Selbstverantwortung des Täters, der Schuld und Strafe aus; sie hat in empirischen Wissenschaften ja auch nichts verloren.

Nur wird in dem Maß, in dem diese letztere Betrachtungsweise zur allein selbstverständlichen wird, das Bewußtsein für Recht und Unrecht sich reduzieren. Wer als Täter auf alle die ungünstigen Faktoren hinweisen kann, die zu seiner Tat geführt hätten, der braucht keine Schuld anzuerkennen.

Er, das Opfer der Gesellschaft, hatte - so kann er es leicht sehen, im doppelten Sinn "leicht" - nur das Pech, sich erwischen zu lassen. Vor Gericht wird er den Reuigen spielen. Nicht, weil er in Kategorien von Schuld und Verantwortung denken gelernt hätte, sondern weil er verstanden hat, daß das zur Rolle eines Opfers der Gesellschaft dazugehört.

Die beiden Täter vor München bitten jetzt, vor Gericht, ihr Opfer um Verzeihung. Vor Tisch las man's anders: "Zum Motiv sagte einer der Schläger: 'Wir waren besoffen, da sind doch alle aggressiv'. Von Reue keine Spur." So stand es drei Tage nach der Tat, am 23. Dezember 2007, in "Spiegel Online".



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

10. Mai 2008

Zitat des Tages: Ein "Haus des Jugendrechts" wird eröffnet

Kinder und Jugendliche, die andere Menschen schlagen, die stehlen, die Dinge beschädigen – kurzum: die sozial auffällig werden beziehungsweise sich norm- oder gesetzwidrig verhalten – brauchen umgehende und gezielte Hilfe.

Der Mainzer Oberbürgermeiser Jens Beutel (SPD) bei der Eröffnung eines "Hauses des Jugendrechts" in Mainz.

Kommentar: Hilfe beim Schlagen, Schädigen, dem Beschädigen von Sachen, damit sie das noch besser hinbekommen?

Sie werden finden, lieber Leser, daß das eine dumme Frage ist; ein Kalauer unter dem Niveau von "Zettels Raum".

Ja, gewiß. Aber ist es nicht vielleicht auch dumm, jugendlichen Kriminellen, statt sie damit zu konfrontieren, daß sie Böses getan haben, den Eindruck zu vermitteln, sie seien Hilfsbedürftige?

Wenn sie rückfällig werden, dann braucht sie das dann ja nicht zu grämen. Sie können sich selbst sagen und sie können anderen gegenüber argumentieren: Da haben die Helfer versagt.



Siehe dazu auch das, was in "Zettels kleinem Zimmer" Meister Petz zum Thema Verantwortlichkeit und freier Wille geschrieben hat. - Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

28. März 2008

Zitat des Tages: "Ich bin ein Mensch, dem jedes Fühlen fehlt"

[Je suis] un être mauvais et dénué de tout sentiment humain.

([Ich bin] jemand, der böse ist und dem jedes menschliche Fühlen fehlt).

Der geständige Massenmörder Michel Fourniret in einem Schriftstück, das er zu Beginn seines Prozesses dem Gericht überreichen ließ.

Kommentar: Von anderen geäußert - etwa von einem Ankläger - wäre das ein vernichtendes Urteil über einen Menschen. Als Selbstbeschreibung des Mörders kann man es auch als so etwas wie ein Entschuldigen seiner Taten verstehen.

Und auch als eine leidenschaftslose Selbstwahrnehmung. In diesem emotionslosen, sozusagen achselzuckenden Blick auf sich selbst, in der Art, wie Fourniret das formuliert, könnte sich eben jener Mangel an menschlichem Fühlen ausdrücken, den er formuliert.

Anläßlich eines Interviews mit dem Philosophen John Searle in der FAZ habe ich mich hier kürzlich mit dem Problem der Willensfreiheit befaßt. Bei der Diskussion dieses Problems geht es aus meiner Sicht zentral um die Frage der Verantwortlichkeit.

In einem Fall wie dem von Fourniret darum, welche Konsequenzen zu ziehen sind, wenn man der Auffassung ist, daß die Handlungen eines Menschen vollständig durch die ihnen vorausgehenden Prozesse im Gehirn determiniert sind.

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