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6. September 2009

Deutschland im Öko-Würgegriff (19): Was kommt nach dem Glühbirnen-Verbot? "Öko-Design". Die Pläne der Euro-Bürokraten und ihr Hintergrund

Die Glühbirne ist - wenn Sie mir die hier etwas skurrile Metapher nachsehen - nur die Spitze eines Eisbergs. Was gegenwärtig in Brüssel in Vorbereitung ist, das läuft darauf hinaus, in alle Bereiche unseres Lebens hineinzuregieren. Sämtliche Produkte, die irgend etwas mit dem Verbrauch von Energie zu tun haben - und es gibt ja wenige, für die das nicht der Fall ist - sollen der Regulierung durch die EU unterworfen werden.

Diese Bemühungen sind nicht neu. Sie gehen auf eine Vereinbarung vom April 2005 zurück, über die der EU- Informationsdienst EurActiv dies berichtet:
EU lawmakers reached an agreement in April 2005 on a proposal aimed at increasing energy savings from all consumer appliances running on electricity. With this proposal, the Commission sought to make the design of products such as hairdryers, computers, fridges, or office equipment more environmentally- friendly and reduce emissions of greenhouse gases blamed for global warming.

Im April 2005 einigten sich die europäischen Gesetzgeber auf eine Übereinkunft für einen Plan, dessen Ziel es ist, die Einsparung von Energie bei allen elektrisch betriebenen Konsumartikeln zu verbessern. Mit diesem Plan beabsichtigte die Kommission, die Konstruktion von Waren wie Föhnen, Computern, Kühlschränken oder Bürogeräten umweltfreundlicher zu gestalten und die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren, die für die globale Erwärmung verantwortlich gemacht werden.
Das war die Initialzündung. Dann ging es zügig voran. Hier ist eine Liste der anschließenden Schritte. Ich verzichte ausnahmsweise auf eine Übersetzung, weil es weniger auf die Einzelheiten ankommt als auf einen Eindruck von der Konsequenz, mit der dieses Unternehmen betrieben wird:
  • July 2005: The European Parliament and the Council adopt a final text (EUP Directive 2005/32/EC). (...) Priority products include heating, electric motors, lighting and domestic appliances.

  • 16 July 2008: The Commission adopts a proposal for a directive to extend the scope of the framework Ecodesign Directive to cover other energy-related as well as energy-using products.

  • 26 Sept. 2008: EU governments endorse two proposals to add lighting and TV 'set-top' boxes to the list of regulated equipment.

  • 17 Oct. 2008: EU governments approve a proposal to improve the energy performance of external power supplies (EPS), which convert power for household and office products.

  • 21 Oct. 2008: Commission unveils a list of ten priority energy-using product groups for which it wants energy-efficiency standards to be established within the next three years.

  • 8 Dec. 2008: EU national representatives vote in favour of phasing out energy-guzzling incandescent light bulbs and inefficient halogen bulbs between 2009 and 2012.

  • 17 Dec. 2008: Commission adopts regulation to reduce standby power consumption of electronic household and office equipment.

  • 4 Feb. 2009: Commission adopts efficiency standards for simple set-top boxes.

  • 18 March 2009: Commission adopts two regulations to improve the energy efficiency of house lamps and office, street and industrial lighting.

  • 6 Apr. 2009: Commission adopts regulation to reduce electricity consumption of external power supplies.

  • 24 Apr. 2009: Parliament approves extension of the Eco-design Directive to cover products with an indirect impact on energy use.

  • 22 July 2009: Commission adopts four regulations to make industrial motors, water circulators, televisions, refrigerators and freezers more efficient.
  • Besonders interessant ist die Entscheidung des Europäischen Parlaments vom 24. April 2009, die Direktive auf Produkte mit einer "indirekten Auswirkung auf den Energieverbrauch" auszudehnen. Das ist eine Gummi- Bestimmung, die den Weg für eine nahezu beliebige Ausweitung der Regulierung freimacht.

    Je mehr warmes Wasser man beispielsweise beim Duschen verbraucht, umso höher ist logischerweise der Verbrauch an Energie. Also wird auch das Duschen demnächst der Regulierung durch die Euro- Bürokraten unterliegen.

    Sie halten das für einen Witz? Dann tun Sie es sich doch bitte an und werfen Sie einmal einen Blick auf dieses Dokument der Europäischen Kommission, in dem der Werdegang dieser Direktive aufgelistet ist. Und hier finden Sie die einschlägigen Texte.

    Reguliert werden "energieverbrauchsrelevante Produkte". Ein solches Produkt ist ein
    Gegenstand, dessen Nutzung den Verbrauch von Energie in irgendeiner Weise beeinflusst und der in der Europäischen Union in Verkehr gebracht und/oder in Betrieb genommen wird, einschließlich Teilen, die zum Einbau in ein unter diese Richtlinie fallendes energieverbrauchsrelevantes Produkt bestimmt sind, als Einzelteil für Endnutzer in Verkehr gebracht und/oder in Betrieb genommen werden und getrennt auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft werden können.
    Was damit konkret gemeint ist, das geht aus der Stellungnahme des EU- Parlaments hervor:
    Neben Produkten, die Energie verbrauchen, erzeugen, übertragen oder messen, können ausgewählte energieverbrauchsrelevante Produkte, einschließlich Produkten, die im Baugewerbe verwendet werden, wie Fenster und Isoliermaterialien, oder einige den Wasserverbrauch beeinflussende Produkte wie Duschköpfe oder Wasserhähne auch zu erheblichen Energieeinsparungen beim Gebrauch beitragen.
    Falls Sie also, lieber Leser, die Neigung haben sollten, sich von Ihrer Dusche nicht nur berieseln zu lassen, sondern auch schon einmal einen kräftigen Wasserstrahl einzustellen, dann empfehle ich: Bevorraten Sie sich mit Duschköpfen.



    Wenn man sich die Texte ansieht, aus denen ich zitiert habe, dann hat man den Eindruck, es nicht mit europäischen Dokumenten zu tun zu haben, sondern mit Propaganda der Grünen, von Greenpeace oder des BUND. Lediglich der formale Aufwand verrät, daß da europäische Juristen am Werk sind.

    Wie konnte ausgerechnet die Brüsseler Bürokratie, dominiert von französischen Enarques, den Absolventen der Eliteuniversität ENA, derart dunkelgrün werden? Es hat sich, scheint mir, so etwas entwickelt wie eine Symbiose zwischen Bürokraten und Umwelt- Ideologen.

    Wie Unternehmen sind Bürokratien ihrem Wesen nach expansiv. Die Expansion von Unternehmen findet ihre Grenzen in der Konkurrenz und allgemein den Bedingungen des Markts. Die Expansion von Bürokratien bestimmt sich danach, welchen Widerstand ihr die Öffentlichkeit und die Parlamente entgegensetzen. Fehlt dieser Widerstand, wie das im real existierenden Sozialismus der Fall war, dann durchdringt die expandierende Bürokratie alsbald die gesamte Gesellschaft.

    Um den Widerstand gegen ihre Expansion zu verringern, muß eine Bürokratie den - berechtigten oder unberechtigten - Eindruck erwecken, sie sei nützlich. In den modernen kapitalistischen Ländern tun das die Bürokratien höchst erfolgreich in zwei Bereichen: Gesundheit und Umwelt.

    Um ihre Gesundheit kümmerten sich die Menschen in freien Gesellschaften selbst. Heute dagegen hat die Bürokratie unsere Gesundheit zu ihrem Anliegen gemacht; vom staatlich kontrollierten Gesundheitssystem über das Rauchverbot bis hin zum strengen Auge der Bürokratie, das darüber wacht, ob Eltern ihre Kinder auch regelmäßig dem Kinderarzt vorstellen.

    Noch viel erfolgreicher sind die Bürokraten bei der Umwelt. Denn "Umwelt" ist schließlich so ungefähr alles in dieser Welt. Es gibt schlechterdings keinen Bereich, in den sich nicht auch Umweltbürokraten einmischen könnten. Alles muß ja produziert, verwendet, dann irgendwann beseitigt werden. Also hat es Wirkungen auf die Umwelt. Und nahezu alles, was wir tun oder lassen, hat Einfluß auf die Umwelt; vom Fleischverzehr bis zum Flug in den Urlaub.

    Die Umwelt- Ideologie stellt insofern Ersatz für die Rolle bereit, die einst die Religion spielte. Alles kann man unter religiösen Aspekten betrachten; alles eignet sich folglich dazu, Menschen zu lenken und bei ihnen ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. So ist es heute mit der Umwelt; und die Umweltbürokraten haben die Rolle des Klerus übernommen.

    Bessere Expansionsbedingungen kann es folglich für eine Bürokratie gar nicht geben. Diese Chance haben auch die Eurokraten erkannt. Systematisch haben sie Kompetenzen für die Umweltpolitik an sich gezogen.

    Ja, aber gilt denn nicht eigentlich das Subsidiaritätsprinzip? Darf Brüssel denn nicht nur das regeln, was auf nationaler Ebene nicht geregelt werden kann? Gemach, das bekommen sie schon hin, die Eurokraten.

    In der Stellungnahme des Europäischen Parlaments, aus der ich schon zitiert habe, heißt es gegen Ende dazu:
    Da das Ziel der beabsichtigten Maßnahme, nämlich durch angemessene Anforderungen an die umweltrelevanten Eigenschaften von Produkten das Funktionieren des Binnenmarktes zu gewährleisten, auf Ebene der Mitgliedstaaten nicht ausreichend verwirklicht werden kann und daher wegen des Umfangs und der Wirkungen der Maßnahme besser auf Gemeinschaftsebene zu erreichen ist, kann die Gemeinschaft im Einklang mit dem in Artikel 5 des Vertrags niedergelegten Subsidiaritätsprinzip tätig werden.
    Es ist also ganz einfach: Da fast jedes Produkt irgendwie auch energierelevant ist, kann die EU versuchen, nach und nach immer weitere Marktsegmente mit ihrer Regulierungswut zu überziehen. Und da fast jedes Produkt heute nicht mehr nur auf dem nationalen Markt, sondern europaweit angeboten wird, ist sie dafür immer auch zuständig.



    Für Kommentare bitte hier klicken. Links zu allen bisherigen Folgen dieser Serie findet man hier. Titelvignette: Schiffe sinken im Sturm. Gemälde von Ludolf Backhuysen (ca 1630). In der Public Domain, da das Copyright erloschen ist (Ausschnitt). Mit Dank an Jan Filter, durch dessen Artikel ich auf das Thema aufmerksam geworden bin.

    27. Dezember 2008

    Zitate des Tages: Barack Obama über Wissenschaft und Ideologie. Und wie das sein künftiger wissenschaftlicher Chefberater sieht

    ... the truth is that promoting science isn't just about providing resources – it's about protecting free and open inquiry. It's about ensuring that facts and evidence are never twisted or obscured by politics or ideology. It's about listening to what our scientists have to say, even when it's inconvenient – especially when it's inconvenient.

    ( ... die Wahrheit ist, daß es bei der Förderung der Wissenschaft nicht nur um Finanzmittel geht - es geht darum, eine freie und offene Forschung zu schützen. Es geht darum, dafür zu sorgen, daß Fakten und Belege niemals durch Politik oder Ideologie verdreht oder verdeckt werden. Es geht darum, dem zuzuhören, was unsere Wissenschaftler zu sagen haben, selbst wenn es unbequem ist - vor allem, wenn es unbequem ist.)

    Der gewählte Präsident Barack Obama am vergangenen Samstag in einer Radio- Ansprache zu den Grundsätzen seiner Wissenschafts- Politik.


    The few climate-change "skeptics" with any sort of scientific credentials continue to receive attention in the media out of all proportion to their numbers, their qualifications, or the merit of their arguments.

    And this muddying of the waters of public discourse is being magnified by the parroting of these arguments by a larger population of amateur skeptics with no scientific credentials at all. (...) The extent of unfounded skepticism about the disruption of global climate by human- produced greenhouse gases is not just regrettable, it is dangerous.


    (Die wenigen "Skeptiker" in Bezug auf den Klima- Wandel, die überhaupt in irgendeiner Weise wissenschaftlich ausgewiesen sind, genießen in den Medien eine Aufmerksamkeit, die in keinerlei Verhältnis zu ihrer Anzahl, ihrer Qualifikation und der Triftigkeit ihrer Argumente steht.

    Und diese Verschmutzung der Gewässer der öffentlichen Auseinandersetzung wird noch dadurch verstärkt, daß diese Argumente durch eine größere Population von Amateur- Skeptikern nachgeplappert werden, die überhaupt nicht wissenschaftlich ausgewiesen sind. (...) Das Ausmaß eines ungerechtfertigten Skeptizismus über die Zerstörung des globalen Klimas durch vom Menschen produzierte Treibhaus- Gase ist nicht nur bedauerlich, es ist gefährlich.)

    Der Physiker John P. Holdren, der in Harvard zugleich an der Fakultät für Geographie und Planetologie (Department of Earth and Planetary Sciences) und am Kennedy- Institut für Politologie (Kennedy School of Government) lehrt, im Boston Globe vom 4. August dieses Jahres.

    Kommentar: Finden Sie nicht auch, daß Holdrens Verständnis von Wissenschaft, vor allem vom Umgang mit der Meinung von wissenschaftlichen Minderheiten, in diametralem Gegensatz zu dem steht, was Obama in seiner Ansprache - in dankenswerter Klarheit - vertritt?

    Und doch hat Obama in derselben Ansprache angekündigt, daß er Holdren zu seinem wissenschaftlichen Chefberater (Assistant to the President for Science and Technology and Director of the White House Office of Science and Technology Policy) ernennen wird.

    Weiteres zu der Art, wie Holdren schon seit Jahrzehnten gerade nicht für "freie und offene Forschung" eintritt, sondern für eine Verquickung von Wissenschaft und Politik, kann man in einem Artikel von John Tierney in der New York Times vom Freitag vergangener Woche finden.



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    8. Januar 2008

    Deutschland im Öko-Würgegriff (3): Wie die Realität die Satire überholt

    Als ich im vergangenen Frühjahr die Serie "Überlegungen zur Freiheit" schrieb, habe ich gelegentlich ein wenig Brainstorming veranstaltet: Mich in die Gedankenwelt eines kleinen Öko- Diktators versetzend, habe ich überlegt, was man denn alles verbieten könnte.

    Eingefallen war mir zum Beispiel, daß man Standby- Schaltungen verbieten könnte; höhere Raumtemperaturen als, sagen wir, 21 Grad; das Rauchen im Auto; eine ungesunde Lebensweise. Und damit auch jeder die Satire merkte, habe ich ein Verbot gewollter Kinderlosigkeit hinzugefügt, dessen Ziel es wäre, der demographischen Katastrophe zu begegnen.

    Als ich das damals schrieb, es war der 11. März 2007, da ahnte ich nicht, daß ein Verbot von Standby - Schaltungen alsbald von Öko- Aktivisten in die Debatte geworfen werden würde; daß gar die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ein Verbot des Rauchens im Auto allen Ernstes vorschlagen würde. Was ich als Satire gemeint hatte, war schnell von der Realität eingeholt worden.

    Das allerdings, was gestern die Realität bot, hatte damals selbst mein realsatirisch- brainstormendes Gehirn nicht hervorgebracht.



    Am 7. Januar 2008 hat es die "Berliner Zeitung" gemeldet:
    Vor dem Hintergrund steigender Öl- und Benzinpreise haben die großen deutschen Umweltverbände mittelfristig ein Zulassungsverbot für Neuwagen mit hohem Kraftstoffverbrauch gefordert. "Spritfresser müssen von den Straßen runter", sagte der Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), Olaf Tschimpke, der Berliner Zeitung. (...) Auch die Deutsche Umwelthilfe und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) halten ein Zulassungsverbot für sinnvoll.
    Ich fürchte, daß viele, die diese Meldung gelesen oder gehört haben, gar nicht die Ungeheuerlichkeit dessen merkten, was da verlangt wurde.

    Wir leben - man ist versucht, zu sagen: wir leben noch - in einer Gesellschaft, in der sich jeder die Waren und Dienstleistungen kaufen darf, die er haben will und die er sich leisten kann.

    Viele dieser Waren erzeugen, indem man sie nutzt, konsumiert, von ihnen den vorgesehenen Gebrauch macht, unerwünschte, aber unvermeidliche Nebenwirkungen.

    Wer sich zum Frühstück seine Toasts röstet, der verbraucht Energie. Würde er das Toast labberig- kalt essen, so wie man es halbiert im Imbiß zur Currywurst bekommt, dann würde er diese Energie offensichtlich nicht verbrauchen.

    Wenn er sich sein Frühstücksei kocht, dann verbraucht er Energie. Er könnte auch ein Loch hineinbohren und es austrinken; dann würde er diese Energie sparen.

    Wenn er dann mit dem Auto zur Arbeit fährt, dann verbraucht er Energie; er könnte auch, wenn es nur ein paar Kilometer sind, dorthin joggen.

    Ganz zu schweigen von der Energie, die er verbraucht, wenn er auf dem Heimweg ein Solarium aufsucht (könnte er nicht auch warten, bis die Sonne scheint?), wenn er zu Hause die abendliche Käsefondue auf dem Elektro- Rechaud erhitzt (schmeckt Käse denn nicht auch kalt?), wenn er dann, von der Arbeit erschöpft, vor dem Großbild- Plasma- Fernseher in den Sessel sinkt. Täte es denn nicht auch ein kleiner mit Umwelt- Sparschaltung?

    Lieber Leser, merken sie, wie umweltschädlich dieser skizzierte Durchschnitts- Bürger sich verhält? Fast jede Handlung, die er ausführt, könnte unter Umwelt- Gesichtspunkten optimiert werden.

    Man brauchte nur alles zu verbieten, was nicht optimiert ist - das Toasten, das Eierkochen, und so weiter und so fort. Das kann man am besten, indem man einfach den Verkauf der betreffenden Geräte verbietet.



    Warum tut man es eigentlich (noch) nicht? Offenbar deshalb, weil in unserer Gesellschaft das Recht des Einzelnen, sein Leben nach seinem eigenen Gutdünken zu gestalten, bisher ein leitender Wert ist. Selbst dann, wenn er sich dabei so verhält, daß es unter dem Gesichtspunkt der Auswirkungen auf die Umwelt nicht optimal ist.

    So ist es auch beim Kauf eines Automobils. Man kann sich für einen Wagen mit minimalem CO2-Ausstoß entscheiden, so wie man den Toast ungeröstet und das Ei ungekocht essen kann. Man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, daß es das schönere Fahrerlebnis, den besseren Komfort wert ist, sich ein Auto zu leisten, das schwerer und schneller ist und das ergo mehr Benzin verbraucht und mehr CO2 in die Umwelt pustet.

    So war es jedenfalls bisher. Wenn es nach den Umwelt- Verbänden geht, die in der Meldung zitiert werden, dann kann man das bald nicht mehr; jedenfalls nicht in Deutschland. Dann bestimmt der Staat, und nicht mehr der Konsument, was er sich kauft.



    Ja, aber - so könnte man einwenden - hier geht es doch nicht nur um Energie- Verbrauch, sondern um CO2-Ausstoß. Schwacher Einwand. Denn das ist nur ein Unterschied an der Oberfläche. Fast jede rentable Energie- Produktion erzeugt auch CO2. Die nukleare nicht; aber die soll ja aus Deutschland verschwinden. Wer den vermuteten Treibhaus- Effekt bekämpfen will, der muß den Energie- Verbrauch ebenso einschränken wie den CO2-Ausstoß der Autos.

    Ja, aber ein solches Verbot träfe doch nur die wenigen Fahrer, die unbedingt diese SUVs haben wollen, die Porsches und Mercedes der Oberklasse? In der Tat. Und damit sind wir beim Kern dieser Realsatire.

    Denn hier wird etwas versucht, was für die Taktik derer, die Deutschland in den Öko- Würgegriff nehmen wollen, typisch ist: Man beginnt damit, den "Reichen", den "Gierigen", kurz den Unbeliebten das Leben schwer zu machen.

    Da werden die Schneisen geschlagen. Dort beginnt man damit, es als ganz normal erscheinen zu lassen, daß der Staat bestimmt, was der Bürger noch kaufen darf. Hat dieser sich erst einmal, vielleicht sogar mit wohligem Neid, daran gewöhnt, daß den Reichen ihr Konsum vermiest wird, dann ist die Zeit reif dafür, daß es auch ihm, dem Durchschnitts- Bürger, an den Kragen geht.

    Und dann werden wir vermutlich das als satirischen Hohn empfinden, was laut der Meldung der "Berliner Zeitung" der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Rainer Baake, auch noch sagte: "Es gehe nicht darum, den Menschen das Autofahren zu verbieten".

    Links zu allen Folgen dieser Serie findet man hier. Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    8. März 2007

    "Nazihure!" Eine Umweltgeschichte

    Die Story ist schon ein paar Tag alt. Drei Tage brauchte sie, bis aus der Pressemitteilung eines kleinen konservativen Think Tanks eine weltweit verbreitete Meldung geworden war. Das ist jetzt eine Woche her. In den letzten Tagen nun nimmt die Story eine interessante Wendung.



    Es geht um Al Gore, und es geht um seinen persönlichen Umgang mit Energie. Am 26. Februar brachte das Tennessee Center for Policy Research (TCPR) eine Meldung, aus der hervorging, daß Al Gore, der gerade preisgekrönte Umweltaktivist, ein großer Energieverschwender ist.

    Der amerikanische Durchschnittshaushalt verbrauche 10656 Kilowattstunden im Jahr, hieß es da, Gores Haushalt in Nashville, Tennessee, habe aber 2006 mehr als das Zwanzigfache verbraucht - 221000 Kilowattstunden. Gore habe 1359 Dollar im Monat allein für Strom bezahlt, dazu 1080 Dollar im Monat für Gas. Seit sein Film "The inconvenient truth" herauskam, sei Gores Stromverbrauch von 16200 Kilowattstunden pro Monat (2005) auf 18400 Kilowattstunden (2006) gestiegen.

    Am 1. März, also vor einer Woche, erreichte die Meldung Deutschland; die Tagesschau berichtete beispielsweise, und der Tagesspiegel. Viel Aufsehen machte die Meldung aber nicht. Es war ja nicht der böse Bush, der als Umweltsünder entlarvt worden war, sondern der gute Gore. (Bush, nebenbei, hat ein geradezu vorbildlich umweltfreundliches Haus).



    Wie war das TCPR an Gores Daten gekommen? Nun, wie heute berichtet wurde, hat man schlicht am Tag nach der Oscar- Verleihung bei den Nashviller Elektrizitätswerken (NES) angerufen und sich die Daten geben lassen.

    Inzwischen stellte sich heraus, daß auch eine Lokalzeitung, The Tennesseean sich diese Daten besorgt gehabt hatte, und zwar schon im Januar, wie Chefredakteur Silverman und die Reporterin Paine bestätigten. Es war aber kein Bericht darüber erschienen. Jedoch wurde die Zeitung nun als Quelle des Instituts vermutet.



    So weit, so gut. Nun kommt die aktuelle Wendung der Story. Aus der heutigen Meldung des TCPR:
    Since then, both the policy center and the newspaper have been on the receiving end of venomous emails and phone calls. One staffer at the policy center got an unlisted number because of threatening calls. Paine says she’s been called a "Nazi bitch," among all manner of other choice descriptors.

    Seitdem erhielten sowohl das Politikinstitut als auch die Zeitung giftige Emails und Telefonanrufe. Ein Mitarbeiter des Instituts bekam nach Drohanrufen eine Geheimnummer. Frau Paine sagt, daß sie neben anderen auserlesenen Bezeichnungen als "Nazihure" bezeichnet wurde.
    Und die Washington Times berichtet über die Erfahrungen beim TCPR:
    Little did the staff anticipate that by posting the facts of the Gore family's bloated and certainly hypocritical energy consumption on their Web site, they would create an international firestorm, become the subject of death threats, vicious verbal abuse and almost see their Web site shut down because of the onslaught. According to the center's spokeswoman, Nicole Williams, a deluge of calls and e-mail have flowed in from all over the world, as far away as Germany, Australia, Turkey and Latin America.

    "Conspiracy theorists have made up all sorts of stories about us, who we are and who we are backed by," Ms. Williams says. (...) Personally, I have been asked 'whose whore are you?' I have been called 'a stupid redneck,' 'liar,' [and some profane names]. I have also been told that I 'had better watch out.' People have posted personal information about us individually on the Web."

    Die Mitarbeiter hatten kaum damit gerechnet, daß sie durch die Veröffentlichung über den aufgeblähten und sicherlich heuchlerischen Energieverbrauch der Familie Gore auf ihrer WebSite einen internationalen Feuersturm entfachen würden; daß sie zum Opfer von Todesdrohungen und bösartiger Schmähungen werden würden; daß ihre WebSite wegen der Schlammschlacht fast geschlossen werden mußte. Nach Angaben der Sprecherin des Instituts, Nicole Williams, ist eine Flut von Anrufen und Emails aus aller Welt eingegangen, bis hin zu Deutschland, Australien, der Türkei und Lateinamerika.

    "Verschwörungstheoretiker haben alle möglichen Stories über uns erfunden, wer wir seien und wer unsere Hintermänner seien", sagte Frau Williams. Ich selbst bin gefragt worden: "Wessen Hure bist du?" Ich bin als 'dumpfe Rechte', 'Lügnerin' [und 'einige weitere Beschimpfungen] bezeichnet worden. Man hat mir auch gesagt, ich 'solle mich in acht nehmen'. Es wurden private Informationen über uns ins Web gestellt.



    So aktiv sind sie, die Umweltaktivisten. Weltweit.