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8. März 2007

"Nazihure!" Eine Umweltgeschichte

Die Story ist schon ein paar Tag alt. Drei Tage brauchte sie, bis aus der Pressemitteilung eines kleinen konservativen Think Tanks eine weltweit verbreitete Meldung geworden war. Das ist jetzt eine Woche her. In den letzten Tagen nun nimmt die Story eine interessante Wendung.



Es geht um Al Gore, und es geht um seinen persönlichen Umgang mit Energie. Am 26. Februar brachte das Tennessee Center for Policy Research (TCPR) eine Meldung, aus der hervorging, daß Al Gore, der gerade preisgekrönte Umweltaktivist, ein großer Energieverschwender ist.

Der amerikanische Durchschnittshaushalt verbrauche 10656 Kilowattstunden im Jahr, hieß es da, Gores Haushalt in Nashville, Tennessee, habe aber 2006 mehr als das Zwanzigfache verbraucht - 221000 Kilowattstunden. Gore habe 1359 Dollar im Monat allein für Strom bezahlt, dazu 1080 Dollar im Monat für Gas. Seit sein Film "The inconvenient truth" herauskam, sei Gores Stromverbrauch von 16200 Kilowattstunden pro Monat (2005) auf 18400 Kilowattstunden (2006) gestiegen.

Am 1. März, also vor einer Woche, erreichte die Meldung Deutschland; die Tagesschau berichtete beispielsweise, und der Tagesspiegel. Viel Aufsehen machte die Meldung aber nicht. Es war ja nicht der böse Bush, der als Umweltsünder entlarvt worden war, sondern der gute Gore. (Bush, nebenbei, hat ein geradezu vorbildlich umweltfreundliches Haus).



Wie war das TCPR an Gores Daten gekommen? Nun, wie heute berichtet wurde, hat man schlicht am Tag nach der Oscar- Verleihung bei den Nashviller Elektrizitätswerken (NES) angerufen und sich die Daten geben lassen.

Inzwischen stellte sich heraus, daß auch eine Lokalzeitung, The Tennesseean sich diese Daten besorgt gehabt hatte, und zwar schon im Januar, wie Chefredakteur Silverman und die Reporterin Paine bestätigten. Es war aber kein Bericht darüber erschienen. Jedoch wurde die Zeitung nun als Quelle des Instituts vermutet.



So weit, so gut. Nun kommt die aktuelle Wendung der Story. Aus der heutigen Meldung des TCPR:
Since then, both the policy center and the newspaper have been on the receiving end of venomous emails and phone calls. One staffer at the policy center got an unlisted number because of threatening calls. Paine says she’s been called a "Nazi bitch," among all manner of other choice descriptors.

Seitdem erhielten sowohl das Politikinstitut als auch die Zeitung giftige Emails und Telefonanrufe. Ein Mitarbeiter des Instituts bekam nach Drohanrufen eine Geheimnummer. Frau Paine sagt, daß sie neben anderen auserlesenen Bezeichnungen als "Nazihure" bezeichnet wurde.
Und die Washington Times berichtet über die Erfahrungen beim TCPR:
Little did the staff anticipate that by posting the facts of the Gore family's bloated and certainly hypocritical energy consumption on their Web site, they would create an international firestorm, become the subject of death threats, vicious verbal abuse and almost see their Web site shut down because of the onslaught. According to the center's spokeswoman, Nicole Williams, a deluge of calls and e-mail have flowed in from all over the world, as far away as Germany, Australia, Turkey and Latin America.

"Conspiracy theorists have made up all sorts of stories about us, who we are and who we are backed by," Ms. Williams says. (...) Personally, I have been asked 'whose whore are you?' I have been called 'a stupid redneck,' 'liar,' [and some profane names]. I have also been told that I 'had better watch out.' People have posted personal information about us individually on the Web."

Die Mitarbeiter hatten kaum damit gerechnet, daß sie durch die Veröffentlichung über den aufgeblähten und sicherlich heuchlerischen Energieverbrauch der Familie Gore auf ihrer WebSite einen internationalen Feuersturm entfachen würden; daß sie zum Opfer von Todesdrohungen und bösartiger Schmähungen werden würden; daß ihre WebSite wegen der Schlammschlacht fast geschlossen werden mußte. Nach Angaben der Sprecherin des Instituts, Nicole Williams, ist eine Flut von Anrufen und Emails aus aller Welt eingegangen, bis hin zu Deutschland, Australien, der Türkei und Lateinamerika.

"Verschwörungstheoretiker haben alle möglichen Stories über uns erfunden, wer wir seien und wer unsere Hintermänner seien", sagte Frau Williams. Ich selbst bin gefragt worden: "Wessen Hure bist du?" Ich bin als 'dumpfe Rechte', 'Lügnerin' [und 'einige weitere Beschimpfungen] bezeichnet worden. Man hat mir auch gesagt, ich 'solle mich in acht nehmen'. Es wurden private Informationen über uns ins Web gestellt.



So aktiv sind sie, die Umweltaktivisten. Weltweit.

12. Januar 2007

Warum ich George W. Bush schätze

Ich mochte George W. Bush nie. Seine Körpersprache, dieser wiegende Gang des Western- Helden, gefällt mir nicht. Ich lehne seinen Fundamentalismus ab. Mir scheint, daß er ein ziemlich ungebildeter Mensch ist.

Als er 2000 gegen Al Gore kandidierte, war ich folglich neutral. Denn auch Gore mochte ich nicht - diese Pose, diese leere Gerede. Ein Schaumschläger.

Als Macher eines Propaganda- Films hat Gore ja vielleicht inzwischen seine adäquate Rolle gefunden. Als Präsidenten konnte ich ihn mir damals so wenig vorstellen wie George W. Bush, den ich als Fundamentalisten sah.

Da hatte - und habe - ich andere, die ich schätze. Den Republikaner John McCain, den Demokraten Joe Lieberman. Die haben, so scheint mir, das Format eines Präsidenten.

Der liberalkonservative Lieberman ist mein absoluter Favorit für die Nachfolge von Bush. Weil ich der Meinung bin, daß es time for a change ist. Und auch weil ich es an der Zeit finde, daß ein Jude amerikanischer Präsident wird. Kennedy war der erste Katholik gewesen.




Mittlerweile bin ich zwar nicht zum Bush- Fan geworden, aber ich schätze den Präsidenten doch immer mehr.

Wesentlich angestoßen wurde das durch das Abgestoßensein. Kaum war Bush Präsident, da lief eine Kampagne gegen ihn, die derart bösartig und überzogen war, daß ich eigentlich gar nicht anders konnte, als Bush mit anderen Augen zu sehen.

Eine Kampagne, wie man sie in dieser Form nur von den Nazis und den Kommunisten kennt; neuerdings auch von den Islamisten.

Mit allen Mitteln der Agitprop wurde und wird da gearbeitet: Lächerlichmachen; die Darstellung als Trottel, als Schwachsinniger; als Lügner und Faschist, als Alkoholiker.

Alles das sind die geläufigen Methoden der totalitären Propaganda; schon Goebbels hat versucht, Churchill als Alkoholiker zu verunglimpfen. Später haben es die deutschen Rechtsextremisten mit Willy Brandt ("Willy Weinbrandt") versucht.

Es liegt auf der Hand, daß diese Agitatoren jemanden nicht so frontal angehen würden, wenn sie ihn nicht fürchteten. Also habe ich, als ich dergleichen gelesen habe, angefangen, Bush interessant zu finden.



Ich habe dann allmählich meine negative, subjektive Reaktion auf Bush beiseitegelassen und versucht, die Politik von Bush rational zu betrachten.

Sie erscheint mir vernünftig.

Bush hat erkannt, daß der islamistische Totalitarismus heute die Bedeutung hat, die im Zwanzigsten Jahrhundert der nazistische und der kommunistische Totalitarismus hatten (der kommunistische auch noch in unserem Jahrhundert; siehe hier).

Dem Präsidenten ist auch offensichtlich klar, daß man diesem Totalitarismus offensiv begegnen muß. Also nicht warten, bis die Verbrecher zuschlagen, um sie dann sozusagen polizeilich zu verfolgen. Sondern sie dort aufsuchen, wo sie sind, und sie dort bekämpfen.

Kaum jemand hätte im September 2001 für möglich gehalten, daß es danach für ein halbes Jahrzehnt nicht wieder einen derartigen Anschlag geben würde. Präsident Bush hat das geschafft. Allein dafür würde er es verdienen, als großer Präsident in die Geschichte der USA einzugehen.




Bushs Politik ist damit sehr ähnlich der von Franklin D. Roosevelt. Auch damals - das wird heute häufig nicht richtig gesehen - gab es ja in den USA eine breite Strömung, die teils mit den Nazis sympathisierte, teils eine isolationistische Haltung propagierte.

Roosevelt hatte den Mut, sich gegen diese Stimmung zu stellen; und er hat es geschafft, daß die USA bereit waren, Nazi-Deutschland zu bekämpfen. (Daß formal dann Hitler den USA den Krieg erklärt hat, ist ohne Belang).

Bush hat, so glaube ich also inzwischen, die Erfordernisse der Zeit erkannt. Seine Strategie, den Totalitarismus offensiv zu bekämpfen, ist richtig.

Taktisch mag er Fehler gemacht haben. Der Irak war der so ungefähr am wenigsten geeignete Staat Arabiens, in dem man ein demokratische Experiment hätte starten sollen.

Bush hat das gewagt, und es ist gut möglich, daß er scheitert. Aber er hat es eben gewagt. Er hat mit vollem Einsatz gespielt.



Womit ich bei einem Thema bin, von dem ich weiß, daß es heftige Reaktionen auslöst: George W. Bush ist aus meiner Sicht keinem Präsidenten des Zwanzigsten Jahrhunderts so ähnlich wie John F. Kennedy.

Beide waren/sind ungewöhnlich mutige Präsidenten. Negativ formuliert: Sie neig(t)en dazu, mit höchstem Risiko Politik zu machen.

Kennedy hat 1962 eher den Atomkrieg riskiert, als Chruschtschow nachzugeben. Er hatte zuvor, kaum im Amt, Cuba zu erobern versucht.

Er hat dem Kommunismus in Europa ohne Einschränkungen standgehalten - auch nach dem Bau der Mauer; amerikanische Panzer waren ja schon in Berlin an der entstehenden Mauer aufgefahren. Kennedy hat sich gegenüber der damaligen kommunistischen Bedrohung exakt so verhalten wie heute Bush gegenüber der islamistischen Bedrohung.




Bush und Kennedy ähneln einander in vielfacher Hinsicht:

Beide sind Söhne einer amerikanischen "großen Familie"; in und von dieser zur Politik bestimmt. Mit einem "kleinen Bruder", der von der Familie sozusagen in Reserve gehalten wird.

Extrem ehrgeizig, wie es in einer solchen Familie ja anders gar nicht geht. Mit einem fordernden Vater und einer starken Mutter. Auf der Elite-Universität nicht brillant, aber ordentliche Leistungen bringend.

Ungewöhnlich ehrlich, ungewöhnlich charakterstark. Dadurch in der Lage, sich mit Eggheads zu umgeben.

Kennedy hatte ein Kabinett und einen Beraterstab aus Professoren, aus hochkarätigen Intellektuellen. Bush hat das ebenso. Beide konnten/können ihren Beratern intellektuell nicht das Wasser reichen. Beide stört(e) das nicht im Geringsten, weil sie sich charakterlich ihnen gewachsen, wenn nicht überlegen fühl(t)en.




Warum wird Bush in unseren deutschen Medien so unfair behandelt, und Kennedy damals so positiv dargestellt? Ich denke, das hat zwei Ursachen:

Erstens war Kennedy, gemessen an amerikanischen Maßstäben, ein Linker, und Bush ist ein Rechter.

Zweitens gab es damals, zur Zeit Kennedys, eine viel weniger einseitige, viel weniger politisierte Journalistik in Deutschland als heute.