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10. Dezember 2009

Gorgasal und Obama (3): Kinderstube

Heute war Präsident Obama in Oslo, um den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Nun ist nicht jedem ganz klar, für welche Verdienste genau er den Preis zuerkannt bekam, aber darum soll es uns heute nicht gehen.

Uns soll es heute um Benimm gehen. Und um elementare Höflichkeit.

Anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises speist der Preisträger normalerweise mit dem norwegischen König zu Mittag und mit dem Preiskomitee zu Abend, besucht ein klassisches Konzert, besichtigt die Ausstellung im Nobel-Friedenszentrum, gibt eine Pressekonferenz und nimmt an einem von Kindern organisierten Friedensevent teil.

Welche dieser Termine hatte Obama eingeplant?

Keinen. Nur eine "Kurzaudienz" von 15 Minuten beim norwegischen König. (Bin ich der einzige, dem nicht ganz klar wird, wem hier eine Audienz bei wem gewährt wird?)

Nun hat der Präsident der USA natürlich nicht Zeit für alles und jeden, der Terminkalender ist voll, und obendrein sind die Sicherheitsvorkehrungen teuer und ein Heidenaufwand. Alles gewichtige Argumente. Aber ich kann mir die Feststellung nicht verkneifen, dass all das Obama nicht daran hinderte, in Kopenhagen für die Olympischen Spiele in Chicago zu werben.

Nach dem allgemeinen Aufschrei in Norwegen, Schweden, England und weiß Gott wo noch hat Obama jetzt für einen Teil der geplanten Festivitäten zugesagt. Aber die Frage bleibt: hat Obama denn überhaupt keinen Anstand? Keine Kinderstube? Oder als Alternative zu all dem nicht zumindest einen kompetenten Stab, der ihn vor den allerpeinlichsten Fettnäpfchen bewahrt?

Zumindest gegenüber König Harald hätte ich von Obama doch etwas mehr Höflichkeit erwartet - in Anbetracht seines bekannten Respekts vor gekrönten Häuptern.



© Gorgasal. Für Kommentare bitte hier klicken.

5. Juni 2009

Marginalie: Obama zeigt Merkel die kalte Schulter. Im Wortsinn

So etwas habe ich noch nicht erlebt.

Da besucht ein ausländischer Regierungschef, Barack Obama, zugleich Staatsoberhaupt, Deutschland. Er wird, wie anders, von der Kanzlerin empfangen, führt mit ihr Gespräche, besucht mit ihr dann Buchenwald.

Wenn ein Staatsgast mit dem Gastgeber gemeinsam eine Stätte besucht, dann ist es üblich, daß der Gastgeber den Gast führt; daß er ihm das eine oder andere erklärt. Wenn dann beide einen Weg gemeinsam gehen, dann unterhält man sich. Der Gast ist freundlich zum Gastgeber; der Gastgeber versucht seiner Rolle gerecht zu werden und ist seinerseits so freundlich, wie es denn irgend geht. Selbst wenn es Spannungen geben sollte.

Haben Sie die Übertragung aus Buchenwald gesehen? Man legte gemeinsam gelbe Rosen nieder. Dann gab es einen langen, langen Gang durch das Gelände. Obama, die Kanzlerin, Elie Wiesel, der Buchenwald- Überlebende Bertrand Herz.

Obama wandte seine Aufmerksamkeit ausschließlich Wiesel zu. Merkel würdigte er keines Blickes. Ihre Versuche, sich am Gespräch zu beteiligen, scheiterten offensichtlich. Schließlich sprach sie Herz an, mit dem sie ein paar Worte wechselte.

Nicht anders war es, als man später in einer Gruppe zusammenstand. Obama unterhielt sich mit den anderen. Merkel stand außerhalb, wie ein dummes Schulmädchen. Manchmal kehrte ihr der Präsident im Wortsinn den Rücken zu. Merkel versuchte mehrfach, sich ins Gespräch einzuschalten. Die Reaktion Obamas war exakt null. Keine Antwort, noch nicht einmal eine mimische.

Dann gab es die abschließenden Reden. Merkel kurz, ehrlich und präzise. Obama nach Worten suchend; ihm fehlte offensichtlich der Teleprompter. Elie Wiesel ungemein beeindruckend; ein Mann, der durch seine Persönlichkeit wirkt. Obama und Wiesel umarmten einander. Obama zeigte gegenüber Merkel keine Geste.

Wiesel aber hat die Kanzlerin umarmt. Mir schien, daß in diesem Augenblick dieser große Mann es auch nicht mehr hinnehmen wollte, wie Obama mit seiner Gastgeberin umging.



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