Posts mit dem Label Dummheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dummheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

9. Juni 2009

Kurioses, kurz kommentiert: Ein SPD-Hinterbänkler hat eine Idee. Und zwar eine bescheuerte

Vielleicht wollte er ja nur mal in die Nachrichten, der SPD-Hinterbänkler und gelernte Pastor Jörn Thießen. Jedenfalls machte er, so steht es in "Spiegel- Online", in der "Bild- Zeitung" den folgenden Vorschlag:
Wir Politiker müssen im Parlament abstimmen, das kann man auch von den Wählern bei einer Wahl verlangen. Wer nicht zu einer Wahl geht, sollte 50 Euro Strafe zahlen. Demokratie ohne Demokraten funktioniert nicht.
Am schönsten an diesem wahrhaft durchdachten Statement finde ich den letzten Satz. Demokratie ohne Demokraten funktioniert nicht; wie wahr. Und nach Ansicht des Pastors Thießen, der nicht nur das ist, sondern laut WebSite des Bundestags auch noch "Direktor und Professor a.D", erzeugt man offenbar Demokraten, indem man Bürger per Strafandrohung zum Wählen zwingt.

Belgien nannte Thießen als Vorbild; aber da hat die Wahlpflicht eine lange Tradition. Und wie es in Belgien ebenfalls Tradition ist, ist man dort tolerant. Niemand wird für's Nichtwählen von der Staatsanwaltschaft verfolgt. Die Vorstellung, einem Nichtwähler einen Strafbefehl zu schicken wie einem Verkehrssünder, und das im Europa des 21. Jahrhunderts, ist ja auch absurd.

Was Thießen offenbar möchte, das sind Verhältnisse wie in der DDR, wo es eine faktische, wenn auch keine gesetzliche Wahlpflicht gab. So etwas dient zur Disziplinierung der Bürger. Der Geßlerhut muß gegrüßt werden.

Dieser Mann, der sich vorgeblich um die Demokratie sorgt, läßt nicht erkennen, daß er die Grundlage der Demokratie verstanden hat; nämlich die Freiheit des Einzelnen, selbst zu entscheiden, ob und wie er sich an der Gestaltung des Gemeinwesens beteiligen will.



Immerhin hätten wir, auch wenn der grandiose Vorschlag des Direktors und Professors a.D. Gesetz werden würde, ja anders als in der DDR noch eine wirklich geheime Wahl. Wer also, weil er sich nicht mit 50 Euro freikaufen will oder kann, gegen seinen Willen zur Wahl geht, der kann ja immer noch in der Kabine seinem Unmut gegenüber diesem autoritären Staat Luft machen, der ihn zum Wählen zwingt. Durch ungültiges Wählen, durch das Wählen einer extremistischen Partei beispielsweise, oder einer Nonsense- Partei.

Am schönsten fände ich es, wenn nach der Verabschiedung des Thießen- Gesetzes flugs eine Partei gegen das Zwangswählen gegründet werden würde. Die hätte dann meine Stimme.



Für Kommentare bitte hier klicken.

2. November 2008

Kurioses, kurz kommentiert: Sie halten uns für Deppen, diese Bürokraten

Viele Büroangestellte dürften das kennen: Sie werden täglich mit so vielen E-Mails bombardiert, dass sie zu gar nichts anderem mehr kommen. Um dem zu entgehen, sollten Berufstätige besser auf ein akustisches Signal beim Eingang elektronischer Post verzichten. Das rät die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund.

Aus einer dpa-Meldung, die in diesen Tagen von vielen Tageszeitungen gebracht wurde; hier zitiert nach der "Rhein- Zeitung".

Kommentar: Wenn jemanden ein akustisches Signal stört, dann empfehlen die Dortmunder Experten, es abzuschalten. Genial!

Vielleicht empfehlen Sie uns als nächstes, die hochbezahlten Wissenschaftler an der BAuA, unsere Jalousie herunterzulassen, wenn uns die Sonne ins Gesicht scheint.

Oder die Nase, wenn sie läuft, zu putzen.



Für Kommentare bitte hier klicken.

8. Februar 2008

Zettels Meckerecke: Scharia in Europa? Dumm gefragt, dumm geantwortet

In "Welt Online" läuft im Augenblick eine Umfrage zu dem bizarren Vorschlag aus England, dort für Moslems die Scharia einzuführen.

Ich weiß nicht, was bei dieser Umfrage dümmer ist - die Fragen oder die Antworten. Die Fragestellung gibt vier Alternativen vor. Hier sind sie, zusammen mit dem aktuellen Prozentsatz der Antworten:
Stellen Sie sich vor, in einem europäischen Land könnten Muslime wählen, ob für sie die Scharia oder die Landesgesetze gelten. Was würden Sie davon halten?

Ergebnis
32% Richtig so – der kulturelle Hintergrund der Muslime muss berücksichtigt werden

30% Gute Idee – so lange die Muslime wählen können

26% Das geht nicht – die Scharia hat in westlichen Ländern nichts verloren

12% Das darf nicht sein – die Scharia ist menschenverachtend



Den Redakteur, der sich diese Antworten ausgedacht hat, den Ressortchef, der sie abgezeichnet hat, sollte man eine Woche mit je einem Exemplar des Grundgesetzes in den Karzer der Universität Tübingen sprerren, zwecks Nachsitzens.

Denn die einzige mit dem Grundgesetz konforme Alternative, die man z.B. so formulieren könnte: "In einem Rechtsstaat ist es ausgeschlossen, daß die allgemeinen Gesetze für die Angehörigen einer bestimmten Gruppe von Bürgern keine Gültigkeit haben", wird gar nicht vorgegeben.



Wird da also dumm gefragt, dann wird sozusagen oberdumm geantwortet. Nicht weniger als 62 Prozent der Antwortenden sind für die Einführung der Scharia in westlichen Ländern. Nur 38 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Und das in Deutschland! Das als Antworten von Lesern der Internet- Ausgabe einer Zeitung, die als liberal- konservativ gilt. (Naja, in besseren Zeiten jedenfalls galt).

Wie ist das zu erklären? Einige Möglichkeiten:
  • Die Umfrage wurde von extremistischen Moslems manipuliert. Ich weiß nicht, wie lange sie schon im Netz steht. Bisher haben sich erst 901 Antwortende beteiligt. Da wäre eine Manipulation denkbar.

  • Die Antwortenden wissen in ihrer Mehrheit gar nicht, was die Scharia ist. Vielleicht halten sie sie für eine Sammlung religiöser Vorschriften darüber, wann zu beten und wann zu fasten ist und dergleichen.

  • Die Mehrheit der Antwortenden steht nicht auf dem Boden des Grundgesetzes.
  • Vielleicht fallen Ihnen ja noch andere Erklärungen ein. Wenn eine von den hier genannten stimmen sollte, dann kann man nur hoffen, daß es die erste ist.

    Oder sollte es so sein, daß auf diese dumme Umfrage nur die Dummen geantwortet haben? Schauen wir mal, wie sich die Antwortzahlen entwickeln.

    Es sei denn, es gibt doch noch einen Klugen in dieser Redaktion, der ein Machtwort spricht und diesen Unfug aus dem Netz nimmt.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    7. Dezember 2007

    Zettels Meckerecke: Verstand aus! Eine Werbeaktion und ihre Folgen

    Selten war es so berechtigt, den Namen der Zeitung BILD zu BLÖD zu verballhornen. Nicht als einziges, aber als einflußreichstes Medium ruft BILD bekanntlich dazu auf, morgen Abend in ganz Deutschland für fünf Minuten das Licht auszuschalten.

    Daß das irgendeinen meßbaren Einfluß auf das Weltklima hat, glauben vermutlich nicht einmal die blödesten BILD-Leser. Aber natürlich geht es nicht darum, objektiv etwas zu bewirken. Sondern, so heißt es in dem betreffenden Aufruf:
    Mit der Aktion „Licht aus! Für unser Klima.“ fordern die Kooperationspartner von „Rettet unsere Erde“, Google und ProSieben jeden Einzelnen zum Handeln auf. Zudem senden sie ein Zeichen an den zeitgleich stattfindenden Weltklimagipfel auf Bali, sich konsequent für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.
    Daß irgendwer anders "handelt", als er es ohne diese Aktion getan hätte, daß gar die Konferenz auf Bali ihre Entscheidungen davon beeinflussen läßt, daß in Deutschland das Licht ausgeht - das ist nun allerdings freilich auch nicht mehr als ein Appell an die Dummheit der BILD-Leser.

    "Verstand aus!" wäre insofern ein besseres Motto für diese Aktion.



    Aber nur insofern. Insofern nämlich, als man diese Aktion unter dem Gesichtspunkt des Weltklimas betrachtet.

    Natürlich geht es aber um etwas anderes. Die Zeitung, der Sender, die Suchmaschine, die diese Aktion veranstalten, bekommen Werbung zu einem denkbar günstigen Kosten- Nutzen- Verhältnis. Sie werden erstens überhaupt erwähnt, und dies zweitens noch dazu in einem denkbar positiven Kontext.

    Und die Städte, Firmen usw., die angekündigt haben, sich zu "beteiligen" - auch auf sie fällt, wenn man mir die Formulierung verzeiht, ein wenig von dem hellen Glanz der Dunkelheit.



    So weit, so gut. Niemandem ist es verboten, für wenig Geld viel Werbung zu machen.

    Allerdings geht diese Werbeaktion diesmal auf Kosten der Allgemeinheit.

    Elektrischer Strom kann bekanntlich in nur sehr geringem Umfang gespeichert werden. Im wesentlichen geht das nur dadurch, daß man überschüssigen Strom dazu verwendet, Wasser in Talsperren zu pumpen; man wandelt die elektrische Energie also in potentielle Energie um, die man mittels Turbinen dann wieder in elektrische Energie umwandeln kann. Die Möglichkeiten dazu sind aber, begrenzt durch die Kapazität der Talsperren, zu gering, um eine plötzliche Unterlast auffangen zu können.

    Wenn der Stromverbrauch plötzlich abfällt, wie es morgen um 20 Uhr geschehen soll, dann bleibt deshalb nur die Möglichkeit, daß Kraftwerke heruntergefahren oder sogar abgeschaltet werden müssen. Wie z.B. in der gestrigen "Welt" zu lesen ist, kann das dramatische Folgen haben:
    Schalten aber Millionen Menschen zeitgleich das Licht aus, entsteht deshalb plötzlich ein enormes Überangebot an Elektrizität im Netz, das erst einmal nirgendwohin kann. (...) "Ein möglicherweise großflächiger Stromausfall ist dann nicht mehr auszuschließen."
    Wie beispielsweise in den heutigen 16-Uhr-Nachrichen des WDR-Fernsehens zu erfahren war, sind die Stromversorger dabei, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Es wird beispielsweise bei RWE ein spezieller Bereichtschaftsdienst eingerichtet.

    Vermutlich wird es den Fachleuten gelingen, mit der Situation fertigzuwerden; sie hatten ja Zeit, sich darauf vorzubereiten.

    Das wird einiges kosten. Wer bezahlt das eigentlich?

    Wir, die Stromkunden? Oder werden die geschädigten Unternehmen den Mut haben, diejenigen in Regreß zu nehmen, die mit dieser schwachsinnigen Aktion mutwillig Schaden anrichten?

    Unwahrscheinlich. Die Energiekonzerne, ohnehin mit dem Stigma des Bösewichts versehen, werden doch nicht gegen die Guten in einen Rechtsstreit ziehen.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    13. Juli 2007

    Zettels Meckerecke: Ryanair, Liberalismus, die EU-Bürokratie

    Ich fliege gern mit einem Billigflieger, Ryanair.

    Gut, es ist etwas eng in den Flugzeugen. Wenn man etwas trinken möchte, dann muß man das bezahlen.

    Vor allem muß man erst mal nach Hahn kommen, in den hintersten Hunsrück.

    Mit dem Auto, mit dem Bus, mit der Bahn, mit dem Taxi. Taxiunternehmen haben sich inzwischen darauf spezialisiert.

    Es gibt Hotels und Restaurants rund um diesen alten Flughafen in einer zuvor vergessenen Gegend, früher mal Ami- Garnison, die nun aufblüht. Ryanair ist der wichtigste Arbeitgeber weit und breit.

    Und man kann nach Montpellier fliegen. Ich kenne keine andere Fluglinie, die von Deutschland direkt nach Montpellier fliegt.



    Ryanair kalkuliert genial. Der Preis eines Flugs ändert sich buchstäblich von Minute zu Minute. Ich habe einmal einen Flug gebucht, der im nächsten Augenblick fast das Doppelte kostete. Ich hatte offenbar den letzten Platz bekommen, bevor der Rechner eine neue Kalkulation gemacht hatte.

    Also sind diese Flüge immer so gut wie ausgebucht. Geht die Nachfrage runter, sinken die Preise. Steigt die Nachfrage - z.B. zu Ferienbeginn -, dann steigen sie eben. Aber nur genau soweit, daß jeder Flieger voll ist. Oder fast.

    Nun kommen zu diesen Preisen noch allerlei Gebühren, Steuern usw. Der Flughafen will sein Geld, das Gepäck kostet, man kann Versicherungen abschließen, dergleichen.

    Jeder, der nicht schwachsinnig ist, weiß das. Keiner glaubt, daß er wirklich für neun Euro neunundneunzig fliegen kann.




    Nur das Europäische Parlament hält mit "großer Mehrheit" uns Europäer für so dämlich, daß es nun verboten werden soll, solche Preise zu nennen.

    Die Billigflieger sollen "gezwungen werden", auch in ihrer Reklame alle Nebenkosten aufzulisten.

    Was denken sich diese bescheuerten AbgeordnetInnen, wofür wir sie gewählt haben?

    Daß sie uns das Denken abnehmen? Daß sie uns so behandeln wie die DDR "unsere Menschen", die die Führung für zu doof hielt, auch nur die simpelste Entscheidung selbst zu treffen?

    Mit dem Ergebnis, daß sie wie Kinder sprachen, die DDR-Bürger. "Wir hoffen ja, daß wir das Glück haben, mal reisen zu dürfen". "Wir hatten das Glück, einen Ferienplatz zu bekommen". "Vielleicht haben wir ja mal Glück und bekommen eine schönere Wohnung zugeteilt".

    Mir scheint, wir müssen ziemlich aufpassen, daß die EU nicht zu einer DDR light wird.

    Noch ist es nicht so weit. Aber ich würde die AbgeordnetInnen, die eine solche Idiotie beschließen, wie uns vor den Preisangaben von Billigfliegern zu schützen, schon gern dort haben, wo der Pfeffer wächst.

    Das ist, glaube ich, Cayenne, und da ist es ziemlich ungemütlich.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden. - Daneben steht auch die Kommentar- Funktion des Blogs wie bisher zur Verfügung.

    6. Juli 2007

    Zettels Meckerecke: Reale Gefahren, Gefahren-Agitation

    Unsere Gefahrenwahrnehmung weicht massiv von der tatsächlichen statistischen Wahrscheinlichkeit des betreffenden Ereignisses und der Schwere seiner tatsächlich zu erwartenden Folgen ab.

    Also überschätzen wir in einem geradezu lachhaften Ausmaß die Gefahren der Atomkraft. Weil sie Bilder im Kopf erzeugt, weil sie seit Jahrzehnten agitatorisch als fürchterliche Gefahr an die Wand gemalt wird.

    "Wir", das ist die Mehrheit der nicht Informierten, der "nach Bauchgefühl" Urteilenden. Also derjenigen, die von Demagogen verführt werden können.

    Umgekehrt unterschätzen "wir" die Gefahr, die von einem Asteroiden-Einschlag auf der Erde ausgeht - eine weit wahrscheinlichere, in den den Folgen weit schlimmere Gefahr, als daß ein AKW-Unfall Hunderttausende tötet.

    Nur kann man den Asteroiden nicht gut dem Kapitalismus anlasten; also genießt er keine Propaganda.



    Wie auch die Vogelgrippe.

    Ich versuche seit ein paar Jahren, den Analysen der Fachleute zu folgen.

    Der Virus H5N1 bedroht bisher nicht den Menschen, weil er nur Leute infiziert, die einen massiven Blutkontakt mit Geflügel hatten.

    Nur ist die Gefahr, daß er eine Mutation hinkriegt, die seine Tödlichkeit mit dem bequemen Übertragungsweg des menschlichen Grippe- Virus - also Tropfchen- Infektion - verbindet, nicht nur nicht vom Tisch.

    Sondern diese Möglichkeit wird logischerweise immer wahrscheinlicher, je länger sich H5N1 ausbreiten kann.

    Es ist, soweit ich das sehe, nur eine Frage der Zeit. Wenn H5N1 sich weiter ausbreitet, dann wird es irgendwann passieren. Einfach deshalb, weil es genug Menschen geben wird, die von beiden Viren infiziert sind und in deren Körper sie sich also kombinieren können.

    Eigentlich also bedrohlich. Die ganze Nuklearindustrie ist ein Klacks dagegen. Eine solche Pandemie ist im Augenblick die einzige reale, tödliche Gefahr, die der Menschheit droht.

    Nur- die "Warner" finden da nix zu warnen. H5N1 können sie so wenig dem Kapitalismus anlasten wie einen Asteroiden- Einschlag.



    Also bleiben die ruhig, die sonst jede Gefahr an die Wand malen. Also werden diejenigen, die diese realen Gefahren realistisch beurteilen, als Panikmacher hingestellt.

    Während jeder Dummschleimer, der von Nuklearenergie ungefähr so viel versteht wie unser Hund von der Analytischen Geometrie, allemal Gehör findet.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden. - Daneben steht auch die Kommentar- Funktion des Blogs wie bisher zur Verfügung.

    3. Juli 2007

    Randbemerkung: Energie, Vernunft, Ideologie

    Dem heutigen "Energiegipfel" bei der Kanzlerin lagen drei von Fachleuten erarbeitete und durchgerechnete Szenarien für die künftige Energiepolitik vor. Eines, das am jetzt geltenden Koalitionsvertrag orientiert ist. Eines, das darüber hinaus einen Ausbau regenerativer Energien vorsieht. Und ein drittes, das auf Atomkraft setzt und eine Verlängerung der Laufzeiten von AKWs zur Grundlage hat.

    Zu diesen drei Szenarien schreibt Michael Kröger in "Spiegel-Online":
    Die Schlussfolgerung ist ebenso eindeutig: Ohne Kernkraft sind die ehrgeizigen Klimaziele zwar auch zu erreichen, doch mit Atomkraftwerken, die kein Kohlendioxid freisetzen, gelingt der Kraftakt viel besser oder sogar über die Ziele hinaus - und vor allem ist es deutlich billiger. (...)

    Merkel betonte zwar in der abschließenden Pressekonferenz, sie habe den Vertretern der Wirtschaft deutlich gemacht, dass eine Änderung des Koalitionsvertrags bis 2009 nicht "absehbar" sei. Dort hatten sich SPD und Union darauf verständigt, an dem unter Rot-Grün beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft nicht zu rütteln.

    Merkel verwies aber noch einmal auf die drei Szenarien im verabschiedeten Abschlussdokument. Damit, so die Kanzlerin, bekomme man "ein Gefühl" für die "Wirkungen, die sich daraus ergeben". Im Klartext: Merkel setzt darauf, dass sich in der öffentlichen Wahrnehmung langfristig eine Trendwende in Sachen Atomkraft durchsetzen wird.
    Hoffen wir es.



    Die Deutschen und das Atom - das ist eine seltsame Geschichte der Angst, der Irrationalität, der politischen Agitation. Es gibt kaum ein Thema, bei dem die öffentliche Wahrnehmung und die Realität so weit auseinanderklaffen.

    Ich habe dazu, weil es so seltsam ist, hier im Blog vor knapp einem Jahr eine kleine Serie geschrieben, in der ich versucht habe, den Gründen für diese Seltsamkeit auf die Spur zu kommen.

    Am Anfang gab es eine nur allzu berechtigte Angst vor der Atomwaffe. Diese wurde dann - Freud würde von "Verschiebung" sprechen - sozusagen umgeleitet auf Atomkraftwerke. Die für die linke Agitation zugleich als Symbol für Verhaßtes dienten - High Tech, Großkonzerne, letztlich Kapitalismus.

    Die Spitzenpolitiker der vergangenen rotgrünen Koalition waren in ihrer Jugend fast alle in dieser "Anti- AKW- Bewegung" engagiert gewesen. Als sie - endlich, endlich, fast an der Schwelle zum Rentenalter - an die Macht kamen, war es für sie die Erfüllung eines Lebenstraums, die Nuklearindustrie zum "Ausstieg" zu "zwingen" (ein Lieblingswort des einstigen Kommunisten Trittin).

    Man hatte sich damals von den Wasserwerfern naßspritzen lassen, man hatte gegen den "Atomstaat" Steine geworfen und Zäune niedergerissen. Jetzt genoß man den Triumph, an die Schaltzentrale dieses Staats vorgedrungen zu sein und aus dieser Machtposition heraus das verordnen zu können, was man damals vergeblich gefordert hatte.

    Dieser "Ausstieg" war also nie etwas Rationales. Er drückte aus, daß die Linke, die in nicht unerheblichen Teilen extreme Linke, 1998 die Macht im Staat erobert hatte. Dieser "Ausstieg" war ein Symbol, so etwas wie ein virtueller Triumphbogen.

    Also beharrte die SPD auf dem "Ausstieg", als sie den Koalitionsvertrag verhandelte. Also sind Merkel, die selbstverständlich vertragstreu ist, die Hände gebunden.



    Gestern lief im HR die Wiederholung einer ausgezeichneten Dokumentation von Günter Ederer zum Wahnwitz des Subventionswesens.

    Unser Staat subventioniert und subventioniert, hebelt dadurch die Marktgesetze aus, fördert also eine schier unfaßbare Vergeudung von Ressourcen.

    Das ist überall schlimm - von den Wohnungen in den Neuen Ländern, die man erst mit Subventionen saniert hat, um sie dann - nie vermietet - mit Subventionen abzureißen bis zu dem Elterngeld, das neuerdings Besserverdienende bekommen, die es nicht brauchen.

    Aber in keinem Bereich ist diese Subventioniererei so absurd wie im Energiebereich. Mit Milliarden wird der Bergbau subventioniert, damit Kohle gefördert wird, die man dann in Kraftwerken verfeuert, die man wegen des CO2-Ausstoßes schließen möchte.

    Mit Milliarden werden unwirtschaftliche "regenerative Energien" gefördert - die Windenergie, die Solarenergie, neuerdings Energie aus Biomasse. Es ist eine Verschleuderung unserer Steuergelder von wahrhaft gigantischen Ausmaßen.

    Und zugleich soll diejenige Form der Energieerzeugung beseitigt werden, die die bei weitem umweltfreundlichste und wirtschaftlichste ist, die Nuklearenergie. Gewiß, auch sie wurde einmal mit Milliarden- Subventionen gefördert - aber das ist Vergangenheit. Inzwischen ist die Nuklearenergie nicht zu übertreffen, was die Kombination von Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit angeht.



    Nur kümmert das die Ideologen nicht. Nur werden diejenigen, die die Nuklearindustrie 1999 "zwingen" konnten, unter keinen Umständen auf diesen Triumph verzichten wollen. Nur wird eine Bevölkerung, die über die Nuklearenergie und ihre angeblichen Gefahren jahrzehntelang belogen wurde, nur sehr langsam einsehen, wie sehr sie Ideologen auf den Leim gegangen war.

    Also wird es schwer werden mit dem "Wiedereinstieg". Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden. - Daneben steht auch die Kommentar- Funktion des Blogs wie bisher zur Verfügung.

    2. Juni 2007

    Marginalie: Ralph Giordano ist kein Rechtsradikaler!

    "Trotz seiner wütenden Proteste gegen den Bau eines islamischen Gotteshauses in Köln ist Ralph Giordanos kein Rechtsradikaler" schreibt die SZ.

    Giordano wurde bekanntlich von den rechtsradikalen Nazis verfolgt und konnte mühsam vor ihnen sein Leben retten.

    Dieses "trotz" sollte man dem Autor dieses unsäglichen Satzes, einem gewissen Matthias Drobinski, um die Ohren hauen. Und dem verantwortlichen Redakeur, der sowas hat drucken lassen, doppelt um die Ohren hauen.

    Wie beschränkt muß einer sein, wie historisch ignorant, um zu meinen, einen von den Nazis verfolgten Juden müsse man gegen den Vorwurf des Rechtsradikalismus in Schutz nehmen, nur weil er gegen den Bau einer Moschee eintritt?

    Was ist das überhaupt für eine seltsame Vorstellung, daß diejenigen, die dem Islam und dem Islamismus kritisch gegenüberstehen, sich damit dem Verdacht des Rechtsradikalismus aussetzen?

    Ob nicht vielleicht unter den Islamisten mehr Rechtsradikale zu finden sind als unter ihren Kritikern?

    27. Januar 2007

    Marginalie: Eine Aktenmappe und ein Abhörskandal

    In einem seiner netten und manchmal weisen "Ein Mensch"- Gedichte handelt Eugen Roth von einem "Falschen Verdacht":
    Ein Mensch hat meist den übermächtigen
    Naturdrang, andre zu verdächtigen.
    Die Aktenmappe ist verlegt.
    Er sucht sie, kopflos und erregt,
    Und schwört bereits, sie sei gestohlen,
    Und will die Polizei schon holen
    Und weiss von nun an überhaupt,
    Daß alle Welt nur stiehlt und raubt.
    Dann freilich findet sich die Mappe, der Verdächtigte war unschuldig. Ist wieder alles wie zuvor? Nein, keineswegs::
    Doch den vermeintlich frechen Dieb
    Gewinnt der Mensch nie mehr ganz lieb,
    Weil er die Mappe, angenommen,
    Sie wäre wirklich weggekommen
    Und darauf wagt er jede Wette
    Gestohlen würde haben hätte!



    Dieses Gedicht fiel mir ein, als ich die aktuelle Meldung zur "Abhöraffäre Neskovic" gelesen habe.

    Wie von vornherein auf der Hand lag, war an der Sache nichts dran.

    Am gestrigen Freitag um 18 Uhr 6 nun meldete Spiegel- Online:
    Mitarbeiter des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik haben das Büro des Abgeordneten Wolfgang Neskovic gründlich überprüft - und nichts entdeckt. (...) Neskovics Büro ist sauber - bei der Überprüfung seiner Arbeitsräume seien "keine Abhöranlagen oder Anzeichen einer unbefugten Nachrichtenübermittlung" entdeckt worden, teilte der Bundestag mit.
    Also, die Aktenmappe wurde nicht gestohlen. Alles erledigt? Keineswegs. Noch einmal Spiegel-Online:
    Die weiteren Untersuchungen zu dem Fall dauern nach Angaben der Linksfraktion noch an: Vor allem die Frage, wer die beiden Mikrofone wann und warum an den Deckenlampen in Neskovics Büro angebracht haben könnte, steht noch im Raum. Das Parlamentarische Kontrollgremium für die Geheimdienste (PKG), dem auch Neskovic angehört, will am kommenden Mittwoch über den Fund beraten.
    Zu Ehren von Neskovic sei gesagt, daß er selbst weitere Beratungen für nicht erforderlich hält.

    Aber Dieter Wiefelspütz (SPD), der von einem "Skandal hoch drei" gesprochen hatte? Und PDS- Ramelow, der die Sache mit der Erkenntnis kommentiert hatte, daß "... einiges in diesem Staate nicht so ist, wie es sein sollte" (siehe hier, und die Kommentare zu diesem Beitrag). Werden sie in Sack und Asche gehen, sich für ihre maßlos überzogene, voreilige Reaktion entschuldigen?

    Ich glaube nicht.

    "Weil dieses Abhör'n, angenommen, es wäre wirklich vorgekommen ..."