11. Februar 2019

Höcke: Ein Fall für den Verfassungsschutz? - Teil 3

Teil 3: Zusammenfassung


Ist Höcke "Rechts"? 

Antwort: Höcke ist auch rechts. Aber genauso links. Je nach Thema. Beim Frauenbild rechts, bei der Wirtschaftspolitik links. Bei der Einwanderungspolitik rechts, bei der Außenpolitik links. Und so weiter.



Ruft Höcke zu Gewalt auf?  

Antwort: Nein.

Sympathisiert Höcke mit Gewalt? 

Antwort: Nicht in diesem Text nachweisbar. Allerdings gibt es mehrere Stellen, in denen eine deutliche Abgrenzung zum Einsatz von Gewalt angebracht gewesen wäre, aber nicht erfolgt ist. Bei diesem Punkt muss man Höcke also nicht mit dem beurteilen, was er sagt. Sondern mit dem, was er nicht sagt.

Sympathisiert Höcke mit dem Nationalsozialismus? 

Antwort: Nein.

Sympathisiert Höcke mit dem italienischen Faschismus? 

Antwort: Ja.

Welches politische Vorbild hat Höcke? 

Antwort: Preußen.

Welches Verhältnis hat Höcke zum Liberalismus? 

Antwort: Höcke lehnt dieses Denkmodell ab.

Wie steht Höcke zu staatlicher Autorität? 

Antwort: Höcke ist ein klarer Befürworter staatliche Autorität in jeder Hinsicht. Angefangen über "Volkserziehung" -die er Schaffung von Einheit und Gemeinsamkeiten nennt- über staatliche gelenkte Wirtschaft bis zu einer Art "Volkskirche", die gefördert werden müsse.

Welches Verhältnis hat Höcke zum Individuum und zu Subkulturen? 

Antwort: Höcke akzeptiert die Existenz individueller Lebensentwürfe und von Subkulturen, ebenso die Existenz von ethnischen Minderheiten, begrenzter Einwanderung und begrenztem Austausch von Arbeitnehmern über Grenzen hinweg. Laut Höcke kann es sich dabei aber nur um Ausnahmen handeln und Ausnahmen müssten eben auch Ausnahmen bleiben. Staatliches und politisches Handeln müsse sich am "Volkeswille" und "natürlichen Rollen" orientieren. Verknappt gesagt fordert Höcke dazu auf, solche individuellen Entwürfe zu tolerieren und nicht etwa zu fördern.

Wie steht Höcke zur Globalisierung? 

Antwort: Er lehnt diese ab. Maximal ist er bereit, Globalisierung da zu steuern, wo sie nicht komplett verhindert werden kann.

Welches Selbstbild hat Höcke? 

Antwort: Er sieht sich als ein möglicher Retter des deutschen Volkes.

Gibt Höcke eine Begründung, warum ausgerechnet er das deutsche Volk retten könne?

Antwort: Nein.

Wie steht Höcke zum deutschen bzw. westlichen Wertekanon?

Antwort: Bestenfalls akzeptiert er das als Werkzeug. In vielen Fällen schimmert Ablehnung durch. Zusammengefasst: der Wertekanon interessiert ihn nicht.

Teil 4: Nachwort durch mich

Höcke hat wirklich unfassbar viel Unsinn in diesem Buch veröffentlicht. Was mich aber am meisten an Höckes Texten abgestoßen hat, ist die völlige Leere bei allem, was ich als Wertekanon kenne. Höcke postuliert die Notwendigkeit, eine bestimmte Gruppe als handelndes Subjekt am Leben zu erhalten (was er "Volk" nennt), ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, WARUM man das tun sollte, was genau dieses „Volk“ denn sei und warum er glaubt, den „Volkswillen“ zu kennen. Ohne Frage steht Höcke damit nicht allein. Tatsächlich wird der Großteil der Menschheit genau so denken. Russen, Chinesen, Inder, Türken und so ziemlich die meisten Nationen sind sehr, sehr nahe an einer völkischen Denkweise im Stile Höckes.

Dieser völkische Gedanke bestimmt auch den Titel des Buches – Fluss und so. Der Fluss soll etwas sich ewig veränderndes, aber auch immer gleiches symbolisieren – und zugleich soll der Fluss etwas sein, was „bedeutender“ sei als der einzelne Wassertropfen. Wie unsinnig, ja surreal ein Vergleich lebender, denkender Wesen mit lebloser Materie ist, brauche ich hoffentlich hier nicht zu erklären.
Leider steht Höcke mit diesen völkischen Gedanken absolut nicht allein. Nicht in Deutschland, aber schon gar nicht in der Welt. Die meisten nicht-westlichen Nationen pflegen dieses völkische Ideal und verfolgen Individuen, die sich zu sehr davon absetzen.

Aber für mich hatte die Bonner Republik, das Nachkriegsdeutschland eine wundervolle Fülle an IDEEN, die es sonst so kaum ein zweites Mal gab. Was mich an der ungesteuerten Massenmigration stört ist nicht, dass Menschen nach Deutschland kommen, die keinen deutschen Stammbaum bis drei Generationen haben. Sondern dass oft Menschen kommen, die sehr weit entfernt sind von unseren Ideen, unserer gesellschaftlichen Grundlage. Und dass damit die Existenz dieser Ideen gefährdet ist.
Und Höcke stellt diese Ideen ebenfalls zur Disposition. Es ist nicht so, dass Höcke grundsätzlich alle westlichen Werte ablehnt. Aber sie sind ihm nicht wichtig, oft sogar lästig. Man kann Höckes These wie folgt zusammenfassen: Müsste Höcke wählen zwischen dem „deutschen Volk“ (was immer das ist) und dem „westlichen Wertekanon“, dann wählte Höcke ersteres.

Ich nicht.

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Frank2000

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