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5. September 2008

Zettels Meckerecke: Die Zwangsjacke der Eva-Britt Svensson. Brüsseler Doublespeak

"Geschlechtsspezifische Klischees in der Werbung stecken Frauen, Männer, Mädchen und Jungen in eine Zwangsjacke" sagte die Berichterstatterin des Frauen- Ausschusses des Europäischen Parlaments, Eva- Britt Svensson, in einem Interview auf der WebSite des Europäischen Parlaments.

Der Anlaß zu diesem Interview war die Abstimmung des Europäischen Parlaments über einen von Svenssons Ausschuß (sie ist dessen stellvertretende Vorsitzende) vorgelegten, von ihr initiierten Text, über den gestern der Brüsseler Korrespondent der FAZ, Hendrik Kafsack, dies berichtete:
Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Europa- Abgeordneten nun in Brüssel dafür, dass jedes sexistische Klischee in der Fernsehwerbung künftig tabu sein soll: Keine Hausfrau hinter dem Herd oder vor der Waschmaschine mehr also, aber auch kein starker Hausmann mehr, der den Rasen trimmt.

Schließlich fordert das Europaparlament pauschal, dass "traditionelle Geschlechterrollen in Frage gestellt werden müssen, wenn die Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden soll".
Wir sehen: Das Brüsseler Parlament will die Freiheit der Werbetreibenden einschränken, Frauen und Männer so darzustellen, wie es den Agenturen und ihren Auftraggebern richtig erscheint.

Und die Abgeordnete, auf deren Initiative dieser freiheitsfeindliche Beschluß zurückgeht, spricht von einer Zwangsjacke, die damit beseitigt werden solle.

Klassisches Doublespeak also. Die bisherige Freiheit der Werbung wird als Zwang dargestellt. Die Einschränkung der Freiheit wird als Befreiung vom Zwang verkauft.



Wer ist diese Eva-Britt Svensson? Hier kann man karg das Wichtigste lesen; die Wikipedia ist in diesem Fall auch kaum ergiebiger.

Sie gehört der linkssozialistischen schwedischen Vänsterpartiet an, deren Generalsekretärin sie bis 2000 war. Und sie war Vorsitzende und ist jetzt stellvertretende Vorsitzende einer schwedischen Bürgerbewegung.

Und jetzt werden Sie sich wundern: Diese Bürgerbewegung heißt "Volksbewegung Nein zur EU".



So sind sie, diese Sozialisten.

Sie bringen es fertig, eine Einschränkung unserer Freiheit als Beseitigung einer Zwangsjacke zu verkaufen.

Und sie sind gegen die EU. Was sie aber nicht daran hindert, die EU zu nutzen, um uns ihrem sozialistischen Paradies einen Schritt näherzubringen.

Uns näher heran an eine Gesellschaft zu bringen, in der alle Menschen gleich sind. So gleich, daß - Frau Svensson geht optisch mit ihrem Beispiel voran - auch die Unterschiede zwischen Mann und Frau aufgehoben sind.

Um Gleichmacherei geht es ihnen, nicht um Gleichberechtigung.



Mit Dank an Meister Petz, auf dessen Beitrag in "Zettels kleinem Zimmer" diese "Meckerecke" zurückgeht. Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

27. Mai 2008

Zitat des Tages. Heute mit einem (na ja) Witz statt eines Kommentars

Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser. Etwas mehr Ungleichheit in der Einkommensverteilung bewirkt auch für die weniger gut dabei Wegkommenden letztlich einen höheren Lebensstandard, als wenn man ein egalitäres System schafft, wo alle das Gleiche kriegen und alle gleichermaßen arm sind.

Das haben wir doch im Sozialismus Ostdeutschlands probiert. Die Leute haben sich darüber aufgeregt, dass Erich Honecker einen Kühlschrank hatte - die ausgelebte Neidpräferenz ging so weit, dass eben keiner einen Kühlschrank hatte.


Der Chef des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung".

Statt eines Kommentars diesmal einer meiner Lieblingswitze. Naja, eigentlich ist es gar kein Witz:
Zwei arme Kerle, arbeitslos, der eine Deutscher und der andere Amerikaner, sitzen am Straßenrand. Eine junger Mann fährt in einem tollen SUV vorbei. Sagt der Amerikaner: "So gut wie der werde ich es eines Tages auch haben". Sagt der Deutsche: "Dem wird es auch noch mal so schlecht gehen wie uns".
Was die Kühlschränke angeht: Ich glaube, die waren in der DDR vergleichsweise verbreitet. Aber ich habe im Sommer 1990, als wir zum Urlaub in der Noch-DDR waren, Leute sich darüber empören hören, daß Honecker in Wandlitz eine Mischbatterie im Bad hatte. Die war in dieser legendären Sendung gezeigt worden, in der ein Team des Jugendsenders ELF 99 mit dem Reporter Jan Carpentier sich Zugang zur Siedlung Wandlitz verschafft hatte.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

28. August 2007

Randbemerkung: Sozialismus à la George W. Bush

Zu dem propagandistisch geprägten Bild von Präsident Bush, das in Deutschland vorherrscht, gehört die Vorstellung, er sei ein "Präsident der Reichen".

Tatsächlich hat kaum ein US-Präsident sich in der von ihm auf den Weg gebrachten Gesetzgebung so viel um sozial Benachteiligte gekümmert wie George W. Bush.

Ein Kernstück seines innenpolitischen Programms war eine tiefgreifende Schulreform, die mit dem Schlagwort "No child left behind" bezeichnet wird; frei übersetzt: Kein Kind darf auf der Strecke bleiben.

Das betreffende Gesetz wurde Ende 2001 vom Kongreß verabschiedet und von Bush im Januar 2002 unterzeichnet. Es sieht vor allem eine drastische Verbesserung der Qualität der Lehre in den Grundschulen vor (alle Lehrer müssen sich einer einheitlichen Prüfung unterziehen oder akademische Grade vorweisen) sowie eine Erfolgskontrolle aller Schulen durch einheitliche Tests. Gefördert werden sollen vor allem die schwächeren Schüler und die bisher weniger erfolgreichen Schulen; niemand - kein Kind, keine Schule - soll eben mehr auf der Strecke bleiben.

Zur Erreichung dieser Ziele stellt das Federal Government erhebliche Geldmittel zur Verfügung; in der Größenordnung von 20 Milliarden Dollar pro Jahr.



Erstaunlich, nicht wahr, für eine Regierung von Konservativen?

Ja - aber leider nicht erstaunlich gut. Denn dieses Gesetz hatte das zur Folge, was Gesetze, die auf die Förderung der Benachteiligten abzielen, sehr oft zur Folge haben: Sie führen zu einer Benachteiligung der Begabten.

Wie sehr das in den USA gegenwärtig im Gang ist, kann man in der gestrigen "Washington Post" in einem Artikel von Susan Goodkin und David G. Gold lesen:

Die Schulen werden danach bewertet - und enthalten entsprechende Fördermittel -, wie gut sie es schaffen, die Leistungen schlechter Schüler zu verbessern. Die Leistungen der ohnehin guten Schüler bleiben hingegen weitgehend unberücksichtigt.

Die Folge war nicht schwer vorherzusagen: Gute Schüler leiden unter diesem Programm. Folglich schicken deren Eltern, sofern sie es sich leisten können, sie zunehmend in Privatschulen:
These parents are fleeing public schools not only because, as documented by a recent University of Chicago study, the act pushes teachers to ignore high-ability students through its exclusive focus on bringing students to minimum proficiency.

Worse than this benign neglect, No Child forces a fundamental educational approach so inappropriate for high-ability students that it destroys their interest in learning, as school becomes an endless chain of basic lessons aimed at low-performing students.

Diese Eltern entfliehen den staatlichen Schulen nicht nur deshalb, weil, wie es kürzliche eine Untersuchung der University of Chicago nachwies, dieses Gesetz die Lehrer dazu treibt, sich einseitig darauf zu konzentrieren, alle Schüler auf ein minimales Leistungsniveau zu bringen, wobei sie die begabten Schüler ignorieren.

Schlimmer als diese freundliche Vernachlässigung ist es, daß das "No Child"-Gesetz einen grundsätzlichen pädagogischen Ansatz erzwingt, der so wenig für die hochbegabten Schüler geeignet ist, daß er ihr Interesse am Lernen vernichtet. Die Schule wird zu einer endlosen Kette von Lektionen im Grundwissen, die sich an die schlechten Schüler wenden.



Das Gesetz ist, wie gesagt, wesentlich der persönlichen Initiative von Präsident Bush zu verdanken.

Bush als ein Gleichmacher, dessen Programm um jeden Preis die schlechten Schüler fördert, auf Kosten der Begabten - eigentlich müßten diejenigen, deren Bild von Bush durch "Spiegel-Online" und dergleichen geprägt ist, sich jetzt ein wenig verwundert die Augen reiben.

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