Posts mit dem Label Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

28. Dezember 2008

Marginalie: Die Wirtschaftskrise trifft das US-Gesundheitssystem. Und was man dabei nebenher erfährt

Wer in den USA nicht krankenversichert ist, dem steht im Fall einer Erkrankung in bestimmten Fällen Medicaid zu. Dieses in den sechziger Jahren geschaffene Programm zur medizinischen Versorgung von Amerikanern mit geringerem Einkommen wird gemeinsam vom Bund und von den Staaten finanziert.

Jetzt trifft die Wirtschaftskrise, wie die Washington Post berichtet, dieses Programm in doppelter Weise: Zum einen gehen die Einnahmen der Staaten rapide zurück. Andererseits wächst durch Entlassungen die Zahl der Hilfebedürftigen, deren Kranken- Versicherung von ihrem Arbeitgeber getragen worden war.

Bereits 19 Staaten haben die Zuschüsse an Kliniken und Heime gekürzt und/oder die Kriterien verschärft, unter denen jemand Anrecht auf Medicare hat. Bestimmte Leistungen - Brillen und Hörhilfen zum Beispiel - wurden gestrichen.



Soweit die schlechte Nachricht. Aber durch solche Nachrichten wird doch auch mancherlei bekannt, das das in Deutschland weit verbreitete Bild vom "Raubtier- Kapitalismus" in den USA ein wenig korrigieren könnte.

Im jetzigen Fall erfährt man aus dem Artikel der Washington Post zum einen, daß nicht weniger als 50 Millionen Amerikaner ein Anrecht auf Medicaid haben; ein Programm, das ihnen ungefähr dieselben Leistungen bietet, die bei uns gesetzlich Versicherte in Anspruch nehmen können. Und zwar, ohne einen Cent Beiträge gezahlt zu haben. Das unterscheidet es von dem Programm Medicare, das eine staatliche Krankenversicherung vor allem für Ältere ist.

Die beiden Programme haben einen gewaltigen finanziellen Umfang. Die Ausgaben für Medicaid sind der größte oder der zweitgrößte Posten in den Etats sämtlicher Bundesstaaten.

Hätten Sie das gewußt?



Und hätten Sie gewußt, daß - das erfährt man aus einem Artikel der New York Times zum selben Thema - ausgerechnet der in Deutschland so vielgeschmähte Präsident George W. Bush sich besondere Verdienste um die medizinische Versorgung von nicht privat Versicherten erworben hat?

Bereits im Wahlkampf 2000 setzte sich Bush für den Ausbau des Systems kommunaler Gesundheitszentren ein (Krankenhäuser, Pflegedienste usw.), die ihre Leistungen gegen eine geringe Selbstbeteiligung anbieten.

In seinem ersten Regierungsjahr versprach er, 1200 solche Zentren neu zu eröffnen oder auszubauen. Dieses Ziel hat er sogar leicht übertroffen. In Bushs Amtszeit wurden die Mittel für dieses Programm mehr als verdoppelt, und es wurden 1297 Zentren neu errichtet oder erweitert.

Dieser Ausbau ist der umfassendste unter irgendeinem Präsidenten, seit das Programm in den sechziger Jahren entstand. Mehr als 16 Millionen Patienten werden inzwischen in solchen Zentren behandelt, von denen es nach dem Ausbau jetzt 7354 gibt.

Ich will jetzt gar nicht diskutieren, ob dies ein gutes Programm ist; ob Washington nicht besser den Staaten und den Gemeinden den Ausbau ihres Gesundheitswesens überlassen sollte.

Wie man auch immer man dieses Programm beurteilt - jedenfalls scheint mir, daß es so wenig zu dem in Deutschland kursierenden Bild von Bush als dem Präsidenten der Reichen paßt, wie Medicaid zu dem Bild vom Raubtier- Kapitalismus in den USA.



Für Kommentare bitte hier klicken.

14. März 2007

Rückblick: Vance Packard und die Öko-Tomaten

Kürzlich habe ich hier geschrieben, daß nach meinem Kenntnisstand
  • Bio- Produkte nicht "gesünder" sind als andere; das heißt, daß ich keine Daten kenne, die belegen, daß eine Ernährung mit ihnen gesundheitsfördernd ist,

  • und daß Bio- Produkte zweitens nach meinen Erfahrungen auch nicht besser schmecken als konventionell erzeugte Produkte.
  • Ich hatte nicht damit gerechnet, daß drei Wochen später eines der seriösen Wissenschaftsmagazine im TV, Quarks & Co. das Thema aufgreifen und just zu denselben Folgerungen kommen würde.



    Gewiß, Bio- Produkte enthalten nachweisbar weniger Pestizide als andere. Trivialerweise, denn sie werden ja nicht mit Pestiziden traktiert.

    Aber das scheint auch der einzige reliable Unterschied zu sein.

    Ein Nachweis, daß Menschen, die sich mit solchen Produkten ernähren, deshalb (und nicht aus ganz anderen Gründen, etwa wegen eines generell besser entwickelten Gesundheitsbewußtseins) gesünder sind als andere, steht bisher noch aus.

    Und was den Wohlgeschmack angeht, berichtete die Sendung über einen hübschen Test, der parallel in Köln und Paris durchgeführt wurde, mit - wenn ich das richtig erinnere - mehr als 200 Versuchspersonen, die entscheiden sollten, welches Produkt biologisch- dynamisch und welches ganz normal erzeugt worden war.

    Ergebnis: Keine Abweichung vom Zufall. Mal wurde das eine, mal das andere Produkt als wohlschmeckender eingestuft. Ein systematischer Zusammenhang mit der Art des Anbaus war nicht einmal als Tendenz erkennbar.

    Naja, die Öko- Freunde, die das lesen, werden es als Faktenhuberei abtun. Und sich nicht davon abbringen lassen, ihr Geld für Bio- Produkte auszugeben.

    Wozu sie in einer freien Gesellschaft jedes Recht der Welt haben.