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12. Juni 2008

Marginalie: Wer trat da kurz vor dem Spiel gegen Kroatien auf?

Eben sendete das ZDF ein Interview mit jemandem, der sich zum bevorstehenden EM-Spiel gegen die Kroaten äußerte.

Er sah aus wie Beckenbauer und sprach wie Beckenbauer, war aber längst nicht so gut wie Harald Schmidt in dieser Rolle.



Erratum: Na, da habe ich aber ganz schön weit neben das Tor getroffen, ts ts. Ich hatte bis heute Abend tatsächlich gedacht, in dieser perfekten Beckenbauer- Maske stecke der Meister selbst. Dank an Kaa!



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27. Februar 2008

Marginalie: Dittsche und Krömer. Hildebrandt und Harald Schmidt. Was unterscheidet Comedians von Kabarettisten?

Ist es nur eine Frage der sprachlichen Mode, daß diejenigen, die sich auf die Bühne stellen und Lustiges vortragen, früher Kabarettisten hießen und heute meist Comedians? Spiegelt sich darin einfach die Verlagerung vom Französischen als Quelle von Fremdwörtern zum Englischen wider? Verhält sich also der Comedian zum Kabarettisten wie, sagen wir, der Hair Stylist zum Coiffeur oder das Model zum Mannequin?

Bisher hatte ich darüber nicht nachgedacht. Aber gestern abend, während einer Sendung, die dafür beim Ansehen Zeit ließ - Dieter Hildebrandt und Harald Schmidt waren bei Maischberger zu Gast - , habe ich es. Nachgedacht.

Und da ist mir eine Einsicht gekommen. Vielleicht stimmt sie gar nicht. Aber sie hatte, als sie sich einstellte, für mich den Charakter des unmittelbar Evidenten:

Der Comedian erfindet eine Figur und stellt sie auf die Bühne. Der Kabarettist dagegen stellt sich selbst als Figur auf die Bühne.



Die beiden Kabarettisten Hildebrandt und Schmidt waren in diesem Talk, sie sind generell in Interviews und Talkshows genau diejenigen, die sie auch auf der Bühne sind. Vielleicht einen Tick leiser. Vielleicht nicht ganz so witzig; niemand hat ihnen ja Gags für die Sendung aufgeschrieben, auch nicht sie selbst vermutlich.

Aber der Stil ist derselbe. Die Attitüde ist dieselbe wie beim Auftritt auf der Bühne: Bei Hildebrandt die des Anständigen, den es aus Verzweiflung über die Welt manchmal in Zynismen treibt. Bei Harald Schmidt die des Zynikers, der eine Fassade aufbaut, und niemand weiß, was hinter dieser Fassade ist. Ob überhaupt etwas dahinter ist.



Wie anders die Comedians! Sie haben eine Figur erfunden, sie oft sorgfältig im Lauf der Zeit entwickelt. Alexander Bojcan zum Beispiel den Kurt Krömer, Olli Dittrich den Dittsche. Beide Meister ihres Fachs, beide große Comedians.

Natürlich gehen in solche Figuren die eigenen Erfahrungen des Autors und Darstellers ein, auch manches von seiner Persönlichkeit. Anders ginge es ja gar nicht; anders würde die Figur nicht Glaubwürdigkeit und Tiefe erhalten.

Aber wenn Olli Dittrich in einem seiner seltenen Interviews auftritt, dann benimmt er sich nicht wie Dittsche, auch nicht wie Dittsche light. Er ist dann nicht der Loser, der sich für seinen Mißerfolg im Leben dadurch schadlos hält, daß er auf eine grandiose Weise alles zu verstehen und alles zu erklären versucht; sich sozusagem in seinem Kopf die große weite Welt zurückholend, die ihm in seiner bürgerlichen Existenz versperrt ist.

Sondern dann ist er in vielem das Gegenteil von Dittsche - nicht schwadronierend, sondern leise. Nicht mit diesem leer- verzweifelten Gesichtsausdruck, mit dem Dittsche in diese Welt guckt, sondern leicht spöttisch, ein wenig selbstironisch lächelnd. Ja, er hat Züge gemeinsam mit Dittsche, das hat er einmal in einem Interview gesagt; so wie Bojcan mit dem Kurt Krömer. Es ist die Art von Gemeinsamkeit, die auch ein Romanautor meist mit seinem Protagonisten hat; mehr aber nicht.

Hildebrandt und Schmidt dagegen benahmen sich gestern Abend bei Maischberger haargenau, wie man Hildebrandt und Schmidt kennt. Auch da, wo es um etwas Ernstes ging wie die deutsch- polnischen Beziehungen.

Hildebrandt hatte, wie es seine Art ist, eine moralisch unterfütterte Stichelei vorbereitet, in Gestalt eines "Geschenks", das ein aus Polen angereister Gast Schmidt unerwartet offerierte.

Und Schmidt reagierte, wie man es eben von Schmidt erwartet. Auf die seinerzeitigen Polen- Witze in seiner Show angesprochen, behauptete er, die hätte er nur gebracht, weil er gemerkt habe, daß er den polnischen Akzent beherrscht.

Und stellte das auch gleich unter Beweis. Mit ein paar Sätzen, die unverkennbar einen ungarischen Akzent vorführten.

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19. November 2007

Marginalie: Der Fall Harald Schmidt, Harald Schmidts Fall - eine wilde Vermutung

Jetzt ist es sozusagen amtlich: " 'Schmidt & Pocher' ist mißglückt und gehört bitte ganz schnell eingestellt". Das schreibt Thomas Tuma im aktuellen "Spiegel", Seite 77.

Tuma ist eigentlich Wirtschaftsredakteur, hat aber ein Faible für die Welt der Werbung, der Medien. Er hat also jetzt zur Vorstellung von Schmidt und Pocher den Daumen nach unten gehalten. Tuma locuta, causa finita sozusagen, wenn man mir die Beugung der Grammatik verzeiht.



Nein, Tuma ist nicht der "eine", der, wie er selbstreferentiell schreibt, "anfängt, es zu sagen". Hier beispielsweise war Anfang dieses Monats zu "Schmidt & Pocher" zu lesen: "Ich kann mich an kein Sendeformat Schmidts erinnern, das so offensichtlich, so vollständig danebengegangen wäre." Andere haben damals Ähnliches geschrieben.

Immerhin, Tumas Artikel hat mich veranlaßt, noch einmal über den Fall nachzudenken. Den "Fall" in beiden Bedeutungen des Worts - the case, the fall.

Und dabei ist mir ein Gedanke gekommen. Keine Gewißheit, nein, das nicht. Aber je mehr ich sie erwäge, umso mehr gewinnt sie für mich an Plausiblität, diese wilde Vermutung.

Schmidt, das hatte ich damals angemerkt, ist einer, dem es mit Sendungen schnell langweilig wird. Nicht weniger als acht Sendeformate hat er in siebzehn Jahren beim Fernsehen ausprobiert - von "MAZ ab" über die "Late Night Show" bis jetzt zu "Schmidt & Pocher".

Manchmal lief eine Sendung schlecht. Aber manchmal warf auch Schmidt die Brocken hin. Und vermutlich lief nicht selten deswegen ein Format am Ende schlecht, weil sich Schmidts Lustlosigkeit auf die Zuschauer übertrug; weil ihnen nicht entging, daß er das Stadium der Sättigung erreicht hatte, daß es ihm langweilig geworden war.

Mit der "Harald Schmidt Show" ist das offenkundig so gewesen, als Schmidt aufhörte und zu einer einjährigen Selbstfindung via Weltreise aufbrach. Als er zurückkam, oberhalb und unterhalb der Nase ungefähr so aussehend wie Allo, der Köhler, bei Karl May, da dachte man, daß er mit neuen Ideen, vielleicht mit einem neuen Konzept wieder anfangen würde.

Aber es kam wenig Neues. Die Lustlosigkeit, die die Sendungen vor Schmidts Weltreise geprägt hatte, war bald wieder zurück.



Ob er nicht - zwar nicht immer, aber immer öfter - daran gedacht hat, wie er am besten aus der Nummer herauskommt, der Dirty Harry? Und ob ihm da nicht die Idee kam, daß Pocher ihm dabei würde helfen können?

Sei es, daß das neue Format gut läuft. Dann hätte Schmidt - Abgang mit höchsten Ehren - den Stab an Pocher weiterreichen können.

Sei es, daß es - wie sich jetzt abzeichnet - floppt. Dann ist dieses Format eben zu Ende; und niemand wird es Schmidts Fähigkeiten anlasten. Er hat halt etwas versucht mit einem jungen Mann, über den Thomas Tuma schreibt: "Das Interessanteste an dem Jungen war bisher das Geschwurbel, mit dem manche Feuilletons ihn vorab zu (v)erklären versuchten."

Hier allerdings dürfte Tuma in der Tat der "eine" sein, der "anfangen muß, es zu sagen": Die Schuld an dem absehbaren Ende wird nicht auf den Altmeister Schmidt fallen, sondern auf den jungen Mann, über den Tuma schreibt: "Wenn Pocher über Menschen wie Gregor Gysi sprechen muß, redet ein Blinder über Farbe".

Was immer Tuma uns damit sagen will - ich habe den Sinn dieses Satzes auch nach längerem Klären nicht verstanden -, es ist jedenfalls offenkundig als vernichtendes Urteil gemeint.

Die Jagd ist eröffnet. Nicht auf Schmidt, der eben ein "Experiment" (Tuma) versucht hat. Sondern auf den jungen Dackel, der nicht mitkonnte.

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3. November 2007

Harald Schmidt, Pocher. Lachen als punktuelles Ereignis. Das Elend des Possenreißers

Der Possenreißer ist elend dran. Nicht zu Beginn seiner Karriere. Da ist er frisch, da findet er seinen Stil, da funkelt sein Humor. Aber nach zehn, zwanzig, dreißig Jahren geht es ihm schlecht und immer schlechter, dem Possenreißer. Er ist am Ende mit seinem Witz. Er hat immer weniger zu lachen.



Lachen ist ein gewissermaßen punktuelles Ereignis. Wir lachen gern, die meisten von uns jedenfalls. Aber wir mögen es nicht, zum Dauerlachen animiert zu werden. So lustig ist die Welt nun auch wieder nicht. So zum Lachen aufgelegt ist der Primat nun auch wieder nicht.

Gute Komödiendichter wissen das. Sie reihen nicht Witz an Witz, sondern es gibt anrührende, ruhige, manchmal - wie bei Shakespeare - sogar traurige Abschnitte, bevor uns der nächste Witz geboten wird.

Wer eine Komödie als ein Dauerfeuer von Witzen konzipiert, wie das zB Oscar Wilde getan hat, der überfordert unsere Freude am Lachen. Aus dem vergnügten Wiehern wird dann ein müdes Lächeln. Die Lust schlägt um in Langeweile, im Extremfall in Abwehr.

Kaum ein menschliches Verhalten habituiert so schnell wie das Lachen, dieses rhythmische Ausstoßen von Luft, das mit der Ausschüttung von Dopaminen einhergeht und also mit Lustgefühl. Humor, Komik, Witz sind nur dann vergnüglich, wenn sie etwas Vorübergehendes sind. Eben etwas Punktuelles.

Die Dauer einer rheinischen Karnevals-Sitzung - rund drei Stunden, wenn ich recht unterrichtet bin - markiert so ungefähr die äußerste zeitliche Grenze dessen, was wir an sozusagen tonischer Heiterkeit hinbekommen. In der Regel ist das Lachen aber eher ein viel phasischeres Ereignis.

Ein Roman kann tausend Seiten haben, und wir genießen jede davon. Eine Witz- Sammlung von hundert oder zweihundert Seiten ist schon zu viel. Jedenfalls, wenn man sie fortlaufend lesen würde wie einen Roman. Da bliebe uns bald das Lachen im Hals stecken.



Und nun der Possenreißer. Der Conferencier, der Humorist, der Entertainer. Heute meist Comedian genannt.

Er tritt auf die Bühne, er betritt sein Studio und ist lustig. Fünf Jahre lang, zehn Jahre lang. Dann hat er so ungefähr jeden denkbaren Witz gemacht, dann kennt er jede Reaktion des Publikums.

So sehr viele gute Witze gibt es ja nicht. Man kann sie abwandeln, man kann sie aktualisieren. Aber richtig neue wird man nur selten finden. Das gilt auch für Situationskomik, Parodie, Clowneskes.

Also brennt er aus, der Possenreißer, schneller als jeder Lehrer. Es gibt Possenreißer, die das stoisch ertragen. Die Conferenciers und Humoristen, die "Alleinunterhalter", die ich in meiner Jugend kennengelernt habe, imitierten ungerührt Theo Lingen und Heinz Rühmann, wie sie es in den dreißiger und vierziger Jahren gelernt hatten. Oder sie erzählten Witze vom Kaliber: Was ist paradox? - Wenn ein Goethe- Denkmal durch die Bäume schillert. Haha.

Die besseren Komiker und Humoristen, die sehr guten erst recht, versuchen aber in der Regel den Ausbruch. Woody Allen hatte als Witze- Autor begonnen. Er ersann Witze und verkaufte sie. Seine ersten Filme waren lustig wie nur die von Charlie Chaplin, Buster Keaton und Laurel / Hardy. Dann begann er plötzlich, ernsthafte, ja theologische Filme zu machen, sehr zur Verstörung vieler seiner Fans. Jetzt hat er eine schöne, eine wunderbare Balance gefunden.

Wie auch Robert Gernhardt sie fand, der als zeichnender und schreibender Spaßmacher begann und der auch dann noch einen heiteren, ironisch gebrochenen Grundton hatte, als er empfindsame, als er nachgerade philosophische Lyrik schrieb. Und dessen Malerei - ich halte ihn für einen der großen Maler des 20. Jahrhunderts - in ihrem Spiel mit Licht und Schatten, mit Spiegelung und Brechung die Ironie seiner frühen, spaßigen Arbeiten weiterführte.



Nun also Harald Schmidt. Der vermutlich, neben Olli Dittrich, intelligenteste der deutschen Comedians; wenn man ihn denn einen nennen darf. Ein Mann auch mit schauspielerischen Qualitäten, wie sie kaum einer seiner Kollegen hat. Ein begnadeter Stimmenimitator, ein glänzendere Parodist.

Sein Medium ist das Fernsehen. Als Schauspieler war er (bis vor kurzem in Bochum) gar nicht, als Kabarettist war er mäßig erfolgreich. Er blühte auf, als er nicht mehr gelernte Texte vortragen mußte, sondern als er improvisieren durfte. Das konnte er, da brillierte er mit Intelligenz, Schlagfertigkeit, Witz. Ähnlich wie einst Hans- Joachim Kulenkampff, auch er ein mäßiger Schauspieler, aber ein genial improvisierender Showmaster. Auch er mit einer Ausnahmestellung unter den Showmastern, wie heute Schmidt.

Wenn man sich die TV-Karriere Schmidts ansieht, dann fällt auf, wie oft er das Format, wie oft er die Show gewechselt hat - "MAZ ab", "Psst", "Schmidteinander", "Gala!", "Verstehen Sie Spaß?", "Late Night Show", "Harald Schmidt" und jetzt also "Schmidt und Pocher". Acht Formate in 17 Jahren.

Teils lag das daran, daß Shows floppten. Aber Schmidt ließ auch Shows fallen, die gut liefen. Zuletzt, als er 2004 hinwarf und sich zu einer einjährigen Weltreise aufmachte.

Man hat den Eindruck, daß ihm ein Format schnell langweilig wurde. Eine Lustlosigkeit, die er auch oft über die Rampe brachte. Nicht endenwollende Sketche, das Plattwalzen eines Einfalls bis zur Ödnis, Flapsigkeit und Zoten statt Witz.

Als mitgeteilt wurde, daß Schmidt es nach der diesjährigen Sommerpause mit einem neuen Format versuchen würde, hat mich das nicht gewundert. Auch nicht, daß er frisches Blut transferieren wollte, in Gestalt eines gewissen Pocher, der mir noch nicht aufgefallen gewesen war.

Also - Schmidt, durch Pochers Auftreten verjüngt, mit neuer Motivation versorgt, zum Wettstreit des 50jährigen Routiniers mit dem hoffnungsvollen Talent angestachelt, zu neuer Form auflaufend?

Von wegen.



Die Auftakt-Sendung letzte Woche habe ich versäumt. Diesen Donnerstag habe ich die zweite Folge gesehen.

Gesehen. Sogar für diesen Beitrag aufgezeichnet. Genossen habe ich sie nicht.

Ich kann mich an kein Sendeformat Schmidts erinnern, das so offensichtlich, so vollständig danebengegangen wäre.

Schmidt und Feuerstein - das paßte. Der hochgewachsene Zyniker und der Kleine, den er schurigelt und der doch der Pfiffigere ist. Eine Variante von Tom und Jerry also.

Schmidt und Andrack - das funktionierte auch. Andrack gab den klassischen Sidekick, den Stichwortgeber, den Mann am Laptop, der mal nickte, mal Informationen beisteuern durfte.

Aber Schmidt und Pocher? Was sollte das denn für eine Konstellation sein? Pocher spielte so etwas wie einen zweiten Schmidt. Ihre Interaktion bestand im wesentlichen darin, daß der eine sich vor Lachen nicht einkriegen konnte, wenn der andere einen Witz gemacht hatte; dieser lachte dann meist auch noch über seinen eigenen Witz.

Und die Zuschauer lachten! Sie lachten da, wo es nichts zu lachen gab. Offenbar aufgrund des Verdachts, das alles, was Schmidt und/oder Pocher sagen, doch wohl witzig sein muß.

Hier ein Auszug vom Anfang der Sendung. Schmidt war als Riesenbaby auf die Bühne gekommen. Der Sketch bestand darin, daß er à la "Wetten, daß ...?" Babynahrung erschmecken sollte.
Schmidt: Das ist Hühnchenfleisch mit Mais, ab sechs Monate.

Pocher: Knapp daneben, Mamas Nudeltopf, ab fünfzehnter Monat, wär's gewesen

Publikum: Lautes Lachen

Schmidt: Arrggh

Publikum: Lacher

Pocher: Schade. Vielleicht ist das ja was für dich. Das ist ...

Publikum: Lacher

Assistierende Zuschauerin: Abputzen?

Pocher: Abputzen? Nee, das geht in eins. Das ist kein Problem

Publikum: Lautes Lachen.
Und so weiter. Volle sechs Minuten. Bis zu Schmidts Schluß- Gag, die letzte Geschmacksprobe, die man ihm in den Mund geschoben hatte, sei "drei Tage altes Moltofill" gewesen.

Das fand das Publikum so lustig, daß es in sehr lautes Lachen und, nachdem Pocher "richtig!" gesagt hatte, in heftiges Klatschen ausbrach.

Und so fort. Man hatte den Eindruck, daß keiner der Gags vorbereitet gewesen war; sieht man von den Einspielern ab, meist Schnipsel aus anderen TV- Sendungen der letzten Tage. An denen sich die beiden entlanghangelten wie Studenten, die bei ihrem Referat ihr Powerpoint abspulen und dazu sagen, was ihnen gerade so in den Sinn kommt.

Der Höhepunkt war - man soll es nicht glauben - das, was die erwähnten "Conferenciers" in den fünfziger Jahren als eiserne Reserve in ihrem Repertoire gehabt hatten: So wie diese sich hinstellten und andere Komiker imitierten, machte Pocher jetzt Mario Barth nach. Wieder volle sechs Minuten lang.



Gab es auch etwas Lustiges in dieser deprimierenden Sendung? Ja, der Gast war lustig, der Arzt Eckhart v. Hirschhausen, der sich jetzt als Comedian betätigt. Seine Erklärung der Diagnose "Essentielle funktionelle vegetative idiopathische Dystonie" als "keine Ahnung, was los" ist fand ich amüsant, weil kaum übertrieben.

Und sein schönster Satz war: "'Iatrogen', das heißt, es wurde von einem Arzt verursacht, Klingt aber cooler als 'Kunstfehler'".



Mir scheint dieses neue Format "Schmidt und Pocher" ein einziger Kunstfehler zu sein. Das Beste an "Harald Schmidt", das Opening mit den von guten Gag- Schreibern verfaßten und von Schmidt ausgesuchten Gags, ist weggefallen. An die Stelle des Sidekicks Andrack ist eine Art jüngerer Schmidt- Klon getreten.

Geblieben ist das, was auch bei "Harald Schmidt" schon oft langweilig gewesen war: Die Füllsel zwischen den Eingangs- Gags und dem Auftauchen des Gastes.


Ach ja, und die Dauer der Sendung wurde auf eine Stunde verdoppelt.

Lachen ist ein punktuelles Ereignis. Eine ganze Stunde lang lachen - das wäre schon sehr problematisch. Aber dieses Problem wird sich bei "Schmidt und Pocher" wohl nicht stellen.

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