26. Juli 2019

Deutschland, das Venezuela der Klimaerwärmung. Ein kleiner Gedankensplitter.

Es ist heiß. Zweifelsfrei. Auch wenn der Rekord von Lingen wohl eher fragwürdig erscheint, so kann man beruhigt davon ausgehen, dass heute wirklich einer der heißesten Tage der letzten 150 Jahre gewesen ist. Und warm ist es noch immer: Vor meinem Fenster sind immer noch satte 30 Grad und Mitternacht ist gerade durch.

Ich persönlich mag das Wetter nicht. Ich kann eigentlich gar nichts besonders leiden, was mehr als 28 Grad hat und die 30er, die viele "Sonnenanbeter" so mögen, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Aber ich bin ja Demokrat genug, um auch anzuerkennen, dass es eben auch Leute gibt, die das toll finden. Nun denn. Was mir allerdings noch mehr auf den Keks geht als das Wetter ist die Berichterstattung über selbiges. Denn das Wetter geht vorbei, die nach dem Medientrommelfeuer nun fast unvermeidliche CO2 Steuer wird mit ihrer ganzen Gewalt deutlich länger Schaden anrichten. 
Die angeblich so konservative Welt berichtet inzwischen unter der Headline "Hitzewelle und Klimawandel", in einem Artikel der letzten Tage wird inzwischen auch nicht mehr von Kritikern oder Zweiflern gesprochen, nein, Skeptiker sind heute "Leugner" (mir persönlich würde das Wort Ketzer besser gefallen, aber das wäre vermutlich zu ehrlich). Der ausgesprochen kalte Juli (zumindest in der Westhälfte von Deutschland) war ja bekanntermaßen "nur Wetter", die drei heißen Tage dieser Woche sind klarer Indiz einer drohenden Katastrophe. Latif und ihre Compadres können gar nicht schnell genug ihre apokalyptischen Bilder auspacken wie die Medien nach neuen Schreckensvisionen brüllen. Auch hier: Nun denn.

Wenn Sie an dieser Stelle, lieber Leser, einen Artikel erwartet haben, in dem ich Sie darauf hinweise, dass die Spitzenwerte für die Aussage einer globalen Erwärmung wenig aussagen (was der Fall ist), dann muss ich Sie enttäuschen. Wenn Sie erwarten, dass ich Sie darauf hinweise, dass die so dramatischen Werte sich kaum mit den Modellen der Alarmisten erklären ließen, nein, auch das will ich heute nicht tun. Dieser Artikel steht heute mal unter der Prämisse: Nehmen wir an, dass die Alarmisten recht haben und ein menschengemachter Klimawandel wirklich in realen Dimensionen existiert. Dann ließe sich daraus die Frage ableiten: Will man etwas dagegen tun? Kann man überhaupt etwas dagegen tun? Und was kann man genau dagegen tun? Die Fragen eins und zwei betrachten wir einfach mal als beantwortet (denn nur "Leugner" würden solche Fragen ja stellen), und kommen nur zur Nummer drei: Was kann man dagegen tun?
Und, um die Frage vorneweg ein wenig zu beantworten: Vielleicht eine ganze Menge, aber ganz(!) sicher(!) nicht das, was die Deutschen gerade tun. Das will ich erklären.

Betrachten wir zwei wunderschöne, süd-, respektive mittelamerikanische Länder. Venezuela und Kuba. Diese Länder haben vor allem eins gemeinsam: Es sind zwei der letzten sozialistischen Staaten dieser Welt (mit all den Problemen, die nahezu alle sozialistischen Länder eben schon immer gehabt haben). Jetzt erlauben Sie mir eine zweite Annahme, ganz analog zur Erwärmung weiter oben: Nehmen wir einen Moment an, Sozialismus sei grundsätzlich eine gute Idee (ich halte das für Unfug, aber genau diese Voraussetzung hört man ständig, wenn man mit einem überzeugten Sozialisten debattiert ("der Sozialismus ist eine gute Idee, aber immer nur schlecht umgesetzt worden.")). Dann muss man die Frage stellen: Glauben Sie, dass Venezuela (oder eben Kuba) eine besonders gute Werbung für den Sozialismus ist? Es ist erstaunlich wie selten diese Frage eigentlich gestellt wird, denn die Antwort liegt auf der Hand: Natürlich nicht. Im Gegenteil. Sowohl Venezuela wie auch Kuba sind genau das Gegenteil einer positiven Werbung, sie sind abschreckende Beispiele. Kein "Proletarier" in einem westlichen Land (oder auch nur in einem Schwellenland) wünscht sich kubanische oder venezuelanische Verhältnisse. Um es plakativ zu sagen: Venezuela verhungert. Und die wenigsten Leute sehnen sich danach zu verhungern. Für jeden wirklich überzeugten Sozialisten muss eigentlich Venezuela ein knallrotes Tuch sein, wird doch hier die "so tolle Idee" in ihrer realen Ausprägung und ihren Folgen gezeigt.

Kommen wir zur Klimaerwärmung. Die Deutschen sind von der Klimaerwärmung überzeugt (böse Zungen würden sagen: geradezu begeistert). Die Idee der restlichen Welt die höhere Moral vorzuführen war schon immer ein deutsches Problem. Denn auch der deutsche "Klimaaktivist" kann durchaus nachvollziehen, dass die deutschen CO2 Emissionen weltweit nahezu irrelevant sind. Deutschland verantwortet gerade 2-3% der weltweiten, menschlichen Erzeugung, unter Einbeziehung natürlicher Quellen gehen wir in den Promillebereich. Selbst wenn Deutschland wirklich so irre sein würde seine Wirtschaft in trittinscher Vision in die Tonne zu treten und zu einem neuen Steinzeitkommunismus ala roter Khmer konvertierte, hätte das keinerlei echten Einfluß auf das weltweite Klima. Die Hitze von heute wäre auch ohne diesen Beitrag gekommen, und die nächsten Temperaturrekorde (die zweifelsfrei kommen werden, das ist einfache Statistik) werden auch ohne deutsches Kohlendioxid zustande kommen. Deswegen ist ja auch die Idee der grünen Weltverbesserung, dass Deutschland ein Vorbild für die ganze Welt sein müsse, damit dem alle nacheifern. Nun denn: Deutschland wird tatsächlich zu einem solchen Vorbild. Genauso wie Venezuela für den weltweiten Sozialismus.

Die Sache ist eigentlich simpel: Deutschland ist ein weltweit recht beeindruckendes Land. Aus nahezu vollständiger Zerstörung wurde in nur zwei Generationen ein Land geschaffen, dessen Wirtschaftskraft im Vergleich zu seiner geographischen Größe geradezu lächerlich stark anmutete. Deutschland wurde in zwei Generationen vom Paria zum Exportweltmeister mit gewaltigem Geldvermögen und einem international sehr guten Ruf (die Deutschen mögen gefürchtet sein, aber sie werden durchaus auch respektiert, wenn nicht teilweise bewundert). Wenn eine solche Nation sich durch eigene Maßnahmen von der Spitze ans Ende der Tabelle setzt, dann entstehen Fragen wie man das getan hat und warum. Und am Ende wird man genau das, was die Deutschen getan haben, gerade nicht tun. Genauso wie die Grünen es visionieren, glaube ich auch, dass man international sehr genau hinsieht, wie die deutsche "Energiewende" so läuft. Nur der Schluss ist ein diametral anderer: Man wird genau das, was die Deutschen tun, vermeiden wie der Teufel das Weihwasser. Die Argumentation wird ganz simpel die sein: Wenn nicht einmal die Deutschen das Ganze hinbekommen, wenn nicht einmal die mit ihrem ganzen Reichtum, ihren Erfindungen, ihrer Technik und ihren Tugenden (glauben Sie nicht, dass "deutsche" Tugenden im Ausland so verachtet sind wie in Deutschland) hinbekommen, warum sollten wir denen denn hinterherrennen?

Um es ganz simpel zusammenzufassen: Wenn man an die menschengemachte Erwärmung glaubt, dann muss man eigentlich ganz, ganz dringend eine intelligenteren Umgang mit eben jener umsetzen. Dann muss man sich Gedanken machen wie eine Bekämpfung aussehen kann, die eben nicht den ganzen Wohlstand einer Gesellschaft vernichtet und in Frage stellt. Wenn man wirklich daran glaubt, dann muss man die Macht an die Ingenieure, Techniker und Erfinder abgeben, statt sich in moralisierender und sauteurer Symbolpolitik zu wälzen. 

Ich persönlich glaube nicht an die Klimakatastrophe (zuviel Alarmismus in meinen paar Jahrzehnten Lebenserfahrung lassen einen irgendwann abstumpfen), aber für den Fall, dass sie existiert, muss man eigentlich allen echten und verkappten Grünen ganz schnell die politische Verantwortung entziehen. 

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Llarian

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