4. Juli 2009

Zettels Meckerecke: Kein Krimi auf sächsisch. Über den bürokratischen Wahnwitz des öffentlich- rechtlichen Rundfunks

Erinnern Sie sich noch an Steffen Heitmann? Ja, richtig. Das war der konservative Christ, Theologe aus der DDR, den Helmut Kohl im Jahr 1993 als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorschlug.

Er fiel damals einer Medienkampagne zum Opfer, weil er Äußerungen getan hatte wie diese: "Eine multikulturelle Gesellschaft kann man nicht verordnen, sie kann allenfalls wachsen". Das galt damals - gerade mal sechzehn Jahre ist's her - als "reaktionär".

Ich hatte gar nicht gewußt, daß Heitmann noch ein aktiver Politiker ist. Das ist er. Noch; denn zur Wahl des Sächsischen Landtags am 30. August tritt er nicht mehr an.

Nun also ist er wieder in den Schlagzeilen, der Steffen Heitmann; genauer: in den Vorausmeldungen von "Spiegel- Online".

Wegen dem Sächsischen. Wegen was? Wächn dem Säggsschn. Heitmann nämlich hat sich zu Wort gemeldet und fordert, "wieder mehr die im MDR-'Sendegebiet beheimateten Dialekte' zu pflegen"; so die Vorausmeldung. Vorbildlich sei da der Bayerische Rundfunk. "Skandalös" gar findet es Heitmann, daß selbst im MDR-Tatort nur Nebenfiguren sächsischen Dialekt sprechen dürften.

Falls es stimmt, dann ist das in der Tat ein Skandal. Nicht wegen des sächsischen Dialekts, sondern wegen des Umstands, daß die Bürokraten eines öffentlich- rechtlichen Senders selbst das festlegen - welchen Dialekt die Personen in einer Kriminalserie zu sprechen haben, oder eben nicht.

Und es scheint schon zu stimmen. Denn so schließt die Vorab- Meldung:
Beim MDR heißt es, die Prüfung der Frage, ob Sendungen mit sächsischer Sprachfärbung ausgestrahlt werden könnten, habe kurz vor dem Abschluss gestanden. Doch dann sei die Nachricht gekommen, dass Sächsisch der unsympathischste deutsche Dialekt sei. Man prüfe nun weiter.
Man prüft weiter. Vermutlich ist eine Kommission eingestzt, die jetzt monatelang darüber brütet, ob ein Kriminalkommissar oder ein Mörder im sächsischen "Tatort" leicht, kräftig oder ganz stark sächseln darf oder nur mit geringem sächsischem Akzent sprechen.

Vielleicht findet man nach langen Beratungen und Verhandlungen ja eine Lösung - ein Mörder darf mittelschwer sächseln, ein Kommissar leicht, und eine Leiche hat überhaupt den Mund zu halten.



So ist das, wenn Kultur zur Beute von Bürokraten wird. Statt es den Drehbuchschreibern zu überlassen, ob und wie sie innerhalb der Dramaturgie einer solchen Serie wen welche Mundart sprechen lassen; statt es den Regisseuren und Schauspielern zu überlassen, wie sie das umsetzen, wird so etwas par ordre du mufti festgelegt, von den Damen und Herren Bürokraten höchstselbst.

Auf Kosten der Gebührenzahler, die gezwungen werden, diesen bürokratischen Fettbauch zu mästen. Von seinem "Steuergeld", wie man in Sachsen wohl sagt oder sagte.

Woher ich das weiß? Von einem sächsischen Großonkel, der diese Geschichte zu erzählen pflegte:
Bilden Sie einen Satz mit "Furche", "Sonne", "Norwegen" und "Wasser"! Lösung (auf Sächsisch vorgetragen): "Forche Woche machde mein Vadder bangrod. Sonne Bleide! Nor wächen's Steuergeld. Wasser nu machd, wäs'ch nischd".
In einem "Tatort" MDR hätte - wenn die Meldung des "Spiegel" stimmt - diese Geschichte, die mich als Kind sehr amüsiert hat, kein Kommissar und kein Mörder erzählen dürfen. Allenfalls eine Nebenfigur. Also vielleicht der Gärtner, der es dann doch nicht war.



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