19.10.12

Kurioses, kurz kommentiert: Wissen Sie, warum Deutschland sich zur Energiewende entschlossen hat? Nicht was Sie denken. Professor Klaus Töpfer klärt uns auf

Mit Angst habe der Ausstieg aus der Kernkraft überhaupt nichts zu tun, schon gar nicht sei er ein Symbol für die "German Angst", so begann seine Rückschau auf die Ethikkommission. Man habe sich schlicht eine Welt vor Augen geführt, in der bald neun Milliarden Menschen leben. Neun Milliarden mit einem wachsenden Energiehunger. Dann habe man sich gefragt, welche Technologien denn Deutschland exportieren könne, um diesen Bedarf zu stillen. Und die Kernenergie habe man eben ausgeschlossen. Sie sei für ein Entwicklungsland schlicht zu teuer und zu kompliziert.

Das ist, was Klaus Töpfer unter der Energiewende versteht.
Peter Heller in "ScienceSkeptical" in seinem Bericht über den Abendvortrag, den Klaus Töpfer, vorgestellt als "Exekutivdirektor, IASS Institute für Advanced Sustain­ability Studies e.V.; Vorsitzender der 'Ethik-Kommission Sichere Energieversorgung der Bundesregierung'", vorgestern bei den Niedersächsischen Energietagen gehalten hat.

Kommentar: Nicht wahr, das ist aber einmal eine originelle Begründung für den "Ausstieg".

Wir Deutsche, will uns Töpfer sagen, haben uns gar nicht deshalb für die "Energiewende" entschieden, weil wir nach dem Unfall von Fukushima Angst vor einem GAU in einem deutschen KKW hatten. Sondern wir dachten a) als gute Geschäftsleute an unseren Export und b) als gute Menschen an Hilfe für die Entwicklungsländer.

Töpfer, plaudernd aus dem sozusagen doppelten Näh­kästchen der "Ethikkommission" und des IASS, möchte uns also glauben machen, die deutschen Dächer würden mit Solar­paneelen zugepflastert, damit wir diese exportieren können (bekanntermaßen kommen die meisten inzwischen aus China). Oder geht es nur um Windräder? Und wir sollen Töpfer abnehmen, daß Deutschland deshalb offshore rund 1700 davon bis zum Jahr 2020 errichten muß, damit wir ihre Technologie in die Entwicklungsländer exportieren können?

Das wäre nun allerdings wahrlich seltsam; so ungefähr, als würde Achmed der Obsthändler den ganzen Tag Obst in sich hineinmampfen, um seine Früchte verkaufen zu können.

Es stimmt sicherlich, daß derzeit der Export von Windkraftanlagen boomt. Aber das wäre logischerweise keinen Deut anders, wenn in Deutschland auch weiter Kernkraftwerke betrieben würden; wenn wir nicht mit aller Gewalt die Windkraft forcierten. Die Käufer interessieren sich schließlich für gute und preiswerte Angebote; nicht dafür, ob sich vor der Küste Deutschlands ein Dutzend oder eintausendsiebenhundert Windräder drehen.

Und andererseits: Wenn die deutsche Nukleartechnologie nicht mutwillig zerstört werden würde, dann gäbe es in diesem Bereich ebenfalls glänzende Exportmöglichkeiten; auf Dauer bessere als bei der Windkraft, wo jetzt China ins Geschäft einsteigt. Peter Heller zur weltweiten Entwicklung der Nukleartechnologie:
Natürlich übersieht Klaus Töpfer geflissentlich den Boom, der sich zwar nicht in den Entwicklungsländern, aber immerhin in den zahlungskräftigen Schwellen­ländern Asiens und Südamerikas und auch in Osteuropa abzeichnet. Entwicklungen, von denen nun nicht mehr die Deutschen, wohl aber die Koreaner, Japaner, Russen, Amerikaner und Franzosen profitieren.
Ein illustratives Beispiel ist Indien, das in den kommenden Jahr den Anteil der Kernenergie an seiner Stromversorgung um 400 Prozent steigern will (siehe Australien exportiert verstärkt Uran. Indien wird die Stromerzeugung aus KKWs vervierfachen. Und wo bleiben wir deutschen Vorreiter?; ZR vom 18. 10. 2012).



Kurzum: Die Sache ist so kurios, sie ist derart absurd, daß sie schon wieder glaubwürdig sein könnte.

Vielleicht hat ja Töpfer seine Kollegen in der "Ethikkommission" tatsächlich damit geködert, daß wir mit dem "Ausstieg" Gutes für die Dritte Welt tun; die dort damals Versammelten - darunter zwei Soziologen, eine Politologin, eine Philosophin und zwei Bischöfe - dürften es mit Zustimmung vernommen haben.

Ein Land, das seine Energiepolitik nicht an technologischer und ökonomischer Vernunft orientiert, sondern sie von einer solchen Ethikkommission definieren ließ, ist weltweit ein Unikum. Da staunt das Ausland. Peter Heller über Töpfers Eindrücke von seinen Reisen: "Freimütig räumte er die Skepsis und Verwunderung ein, die ihm dort entgegenschlagen".

Ils sont fous, ces Allemands, kann man mit Anlehnung an Obelix nur konstatieren; die spinnen, die Deutschen.
Zettel



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