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25. August 2009

Marginalie: "Mit mir ist zu rechnen! Physikerinnen machen Karriere". Neues zum Fall der "Atomexpertin" Oda Becker

Am Sonntag schrieb ich einen Artikel, in dem es um ein Gutachten zum KKW Krümmel ging. In diesem Gutachten heißt es laut einer Meldung in "Spiegel- Online", daß in Krümmel "die erhöhte Gefahr" bestehe, daß es "zu einem schweren Unfall" komme. Fazit der Gutachterin: "Zum Schutze der Bevölkerung ist daher von einer erneuten Inbetriebnahme abzuraten."

In dem Artikel habe ich mich mit der Qualifikation dieser Gutachterin, Oda Becker, auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit befaßt. Das Ergebnis war, daß diese Qualifikation, soweit ich es ermitteln konnte, null ist: Sie hat weder jemals im Bereich der Reaktorsicherheit gearbeitet noch dazu irgendwelche wissenschaftlichen Publikationen vorgelegt. Sie hat, soweit ich herausfinden konnte, überhaupt noch nie einen wissenschaftlichen Artikel publiziert.

Ich hatte dieses vorläufige Fazit mit der Bitte an die Leser verbunden, es mir mitzuteilen, wenn ihnen wissenschaftliche Publikationen von Oda Becker bekannt geworden seien. Hier die bisherigen Reaktionen.



In "Zettels kleinem Zimmer" berichtet Dagny, Doktorandin in Physik und Autorin beim Antibürokratieteam, daß in der Datenbasis PROLA der American Physical Society keine einzige Publikation von Oda Becker zu finden ist; ebensowenig in einer entsprechenden Datenbank für europäische Publikationen.

Fündig geworden ist hingegen Stefanolix , der in seinem Blog auf einen Workshop hinweist, den Oda Becker im Oktober 2004 geleitet hat. Titel: "Der Schlüssel zum Erfolg. Soft Skills für Physikerinnen". Die PDF-Datei enthält die Folien zu dem Vortrag. Hier das Programm:
Freitag
16:00 Organisatorische Fragen und inhaltliche Einstimmung
17:00 Einführung in "Softskills" und ihre Bedeutung für den Berufsalltag
19:30 Spielerischer Einstieg in das Thema "Rhetorik"

Samstag
09:00 Theorie und Praxis der Rhetorik (Gründe der Redeangst und Interventionsstrategien, kleine Übungen)
11:00 Kommunikationstheorien (4-Ohren Modell, Transaktionsanalyse)
12:00 Geschlechtsspezifische Kommunikationsunterschiede
14:00 Nonverbale Kommunikation
15:00 Analyse von Gesprächssituationen
16:00 Analyse von Gesprächssituationen (Rollenspiele)

Sonntag
09:00 Auseinandersetzung mit "Macht", "Erfolg", und "Bluffen"
10:00 Zeitmanagement (Teil 1)
11:00 Zeitmanagement (Teil 2)
12:15 Abschlussrunde
Also das Standardprogramm eines Kurses "Rhetorik für Frauen".

Und dann ist da noch ein besonders hübscher Fund, über den in "Zettels kleinem Zimmer" Juno und Gorgasal berichten:

Der einzige bisher zu ermittelnde Vortrag, den Oda Becker auf einer wissenschaftlichen Tagung gehalten hat, fand am 7. Februar 2003 auf einer Veranstaltung des Arbeitskreises Chancengleichheit in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft statt.

Titel der Veranstaltung: "Mit mir ist zu rechnen! Physikerinnen machen Karriere". Titel des Vortrags von Oda Becker: "Nicht nur die fachliche Qualifikation zählt".

Wohl wahr.



Sie werden sich, lieber Leser, vielleicht gefragt haben, warum ich den am Sonntag erschienenen Artikel in die Reihe "Deutschland im Öko- Würgegriff" gestellt habe, in der es sonst überwiegend um Einschränkungen unserer Freiheit durch Umweltzonen, Glühbirnenverbot, zwangsweise verordnete Solardächer und dergleichen geht.

Ich habe es deshalb getan, weil das Bemerkenswerte an dem Fall Oda Becker ist, daß er nicht als der Fall Oda Becker wahrgenommen wird. Wer im Namen von Öko auftritt, der ist offenbar automatisch gegen jede Kritik in der Öffentlichkeit immunisiert. Auch das ist ein Aspekt - und nicht der geringste - des Öko- Würgegriffs, dem wir zunehmend ausgesetzt sind.

Stellen Sie sich einmal vor, Vattenfall hätte ein Gutachten vorgelegt, das Krümmel einen guten Sicherheitsstandard attestiert.

Und dann hätte sich herausgestellt, daß dieses Gutachten nicht von einem Experten für Reaktorsicherheit angefertigt wurde, sondern von einem nicht promovierten Diplom- Physiker, der niemals etwas mit Reaktorsicherheit zu tun hatte, der nie auch nur eine einzige wissenschaftliche Arbeit publiziert hat, der aber im Bereich "Wie mache ich erfolgreich Karriere?" engagiert ist.

Nicht wahr, das wäre ein Skandal, der die Medien kräftig beschäftigen würde. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen aber darf sich so etwas erlauben, und sie kommt damit durch.

Oda Becker, die nichts vorzuweisen hat als ein Diplom in Physik, darf als "Expertin" für Reaktorsicherheit auftreten und gutachten, und niemand widerspricht. Ebenso könnte ein Biologe, der seine Diplomarbeit in Ornithologie geschrieben hat und der nie einen Fuß in ein Krebszentrum gesetzt hat, mit einem Gutachten über ein neues Verfahren der Tumordiagnostik betraut werden.



© Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken.

23. August 2009

Deutschland im Öko-Würgegriff (18): "Erhöhte Gefahr eines schweren Unfalls in Krümmel". Eine Expertin gutachtet

Gestern berichtete das Ressort "Wissenschaft und Technik" von "Spiegel- Online", laut einem neuen Gutachten über das KKW Krümmel bestehe dort, "verursacht durch die mangelhafte Sicherheitskultur des Betreibers, die erhöhte Gefahr, dass eine Kombination aus Bedienungsfehlern und technischen Fehlern zu einem schweren Unfall" führt. "Zum Schutze der Bevölkerung ist daher von einer erneuten Inbetriebnahme abzuraten."

Das ist ein schwerwiegendes Urteil in einem Gutachten. Wenn ein Experte für Reaktorsicherheit derartig über Krümmel urteilt, dann hat das ein anderes Gewicht, als wenn es Politiker sagen. Es bedeutet vernünftigerweise das Ende dieses KKW. Niemand kann es verantworten, ein Kraftwerk weiter zu betreiben, in dem die erhöhte Gefahr eines schweren Unfalls besteht.

Ob ein KKW sicher ist, das ist trivialerweise eine Frage, für den der Forschungsbereich Reaktorsicherheit zuständig ist. Auf diesem Gebiet der Ingenieurwissenschaften ist Deutschland weltweit führend. Umso schwerer wiegt das Urteil eines deutschen Experten.

Lehrstühle und Institute, die speziell zur Reaktorsicherheit forschen, gibt es beispielsweise an der TH Aachen (Prof. Dr. Hans- Josef Allelein), der TU München (Prof. Dr. Adolf Birkhofer), der Universität- TH Karlsruhe (Prof. Dr. D. G. Cacuci) und am Forschungszentrum Karlsruhe.

Wer ein Gutachten zur Sicherheit eines KKW haben möchte, der hat also zahlreiche Experten zur Verfügung; den jeweiligen Lehrstuhlinhaber sowie seine Mitarbeiter, soweit sie durch ihre Forschungsarbeiten hinlänglich ihre Sachkenntnis unter Beweis gestellt haben.



Laut der zitierten Meldung wurde das Gutachten von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen in Auftrag gegeben. Welche deutsche Universität, die über einen Lehrstuhl für Reaktorsicherheit verfügt, haben die Grünen mit dem Gutachten beauftragt?

Gar keine. Sie haben das Gutachten bei Oda Becker bestellt.

Wer ist Oda Becker? Das ist gar nicht so leicht herauszufinden. Ich habe einigermaßen lang recherchiert, und das Ergebnis war dürftig, recht dürftig in der Tat.

Sie wird in Pressemeldungen als "Hannoveraner Physikerin" bezeichnet. Aber in Hannover gibt es gar keine Technische Hochschule und auch sonst keine Einrichtung, die über Reaktorsicherheit forscht. Wo also ist Oda Becker tätig, an welchem Institut ist sie Professorin?

Professorin ist sie gar nicht. Promoviert ist sie auch nicht. Jedenfalls habe ich keine Quelle gefunden, wo sie mit Doktortitel aufgeführt wäre; stets nur als Diplom- Physikerin. An einem Universitäts- Institut ist sie ebenfalls nicht tätig. Sondern sie arbeitet an der Fachhochschule Hannover. Diese hat weder einen Lehrstuhl noch ein Institut für Reaktorsicherheit.

Oda Becker ist an der Fakultät I beschäftigt. Das ist die Fakultät für Elektro- und Informationstechnik. Nukleartechnik kommt dort nicht vor, also auch nicht Reaktorsicherheit.

An dieser Fakultät ist Oda Becker laut Personalverzeichnis "V-Prof.". Das heißt vermutlich "Vertretungsprofessorin". Die übliche Bezeichnung für dieses Amt ist "Lehrstuhlvertreter". Lehrstuhlvertreter sind Wissenschaftler, die bisher keinen Ruf auf eine Professur bekommen haben und die vorübergehend eine nicht besetzte (vakante) Stelle vertreten. Üblicherweise wird dafür an einer Universität die Habilitation verlangt; Fachhochschulen mögen es anders handhaben. Wenn es stimmt, daß Frau Becker nicht promoviert ist, kann sie allerdings auch nicht habilitiert sein.



Nun gut, werden Sie vielleicht sagen, das sind Äußerlichkeiten. Es ist zwar nicht klar, wie man über Reaktorsicherheit forschen kann, wenn man das nicht in einem Team an einem einschlägigen Lehrstuhl oder Institut tut; aber vielleicht hat Oda Becker ja im Ausland geforscht, bevor sie nach Hannover ging?

Was ein Wissenschaftler geforscht hat, das kann man seinem Publikationsverzeichnis entnehmen. Also habe ich herauszufinden versucht, was Oda Becker denn publiziert hat. Beim Internetauftritt der FH Hannover - Fehlanzeige. Also Google scholar, eine spezielle Suchmaschine für wissenschaftliche Arbeiten.

Dort finden sich einige Texte, bei denen Oda Becker als Mitautorin auftritt - aber darunter keine einzige Arbeit, die in einer Fachzeitschrift, als Publikation einer Akademie der Wissenschaften oder sonst in einem wissenschaftlichen Publikations- Organ erschienen wäre!

Es handelt sich im wesentlichen um einen Text für Greenpeace, sodann dessen Übersetzung ins Portugiesische, um einen Text unbekannten Publikationsorts, der von den Grünen Delmenhorst ins Netz gestellt wurde, und schließlich um einen Vortrag auf dem "23. Kongress Frauen in Naturwissenschaft und Technik", dessen Text offenbar nicht publiziert wurde.

Das ist es. Publikationen in Fachzeitschriften: null. Eigene wissenschaftliche Untersuchungen: null.

Ich habe bei allen Recherche- Bemühungen keinen Hinweis darauf gefunden, daß Oda Becker auch nur irgenwann in einem Institut für Reaktorsicherheit gearbeitet hätte. Wissenschaftliche Publikationen sind von ihr auch außerhalb des Gebiets der Reaktorsicherheit nicht zu ermitteln; jedenfalls ist mir das trotz gründlichen Suchens nicht gelungen.

Nach allem, was ich herausfinden konnte, hat Oda Becker in keiner Weise die Voraussetzungen dafür, über Reaktorsicherheit überhaupt auf einem wissenschaftlichen Niveau urteilen zu können; geschweige denn, daß sie die Kompetenz nachweisen kann, die man von einem Gutachter erwartet. Sie hat keine Ausbildung in Reaktorsicherheit. Sie hat auf diesem Gebiet weder geforscht noch publiziert.

Jedenfalls nach allem, was ich herausfinden konnte, um das noch einmal zu sagen. Falls Sie, lieber Leser, wissenschaftliche Publikationen von Frau Becker aus dem Bereich der Reaktorsicherheit finden sollten, bitte ich um Mitteilung (die Mailadresse finden Sie, wenn Sie oben rechts auf das Foto klicken). Ich werde das dann sofort nachtragen.



Was also veranlaßt die Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, jemanden mit einem Gutachten zu einem immerhin doch sehr wichtigen Thema zu beauftragen, der dafür jedenfalls weit schlechter qualifiziert ist als die zahlreichen Experten, die an den Universitäten zu diesem Thema forschen?

Hat Oda Becker vielleicht andere Qualifikationen? Wenn man sich die Fundstellen ansieht, die die Personensuchmaschine "Yasni" liefert, dann springt vor allem eines ins Auge: Sie ist offenbar eine Gegnerin der friedlichen Nutzung der Atomkraft.

Sie hat für den Bund Naturschutz und Umwelt gegutachtet. Sie trat auf einer Pressekonferenz von "Greenpeace" auf, wo sie als "Atom- Sachverständige" vorgestellt wurde. Das Gutachten für Greenpeace habe ich schon erwähnt. Sie war bei der Grünen Jugend Hannover zu Besuch, die sie als "bekennende Anti- AKWlerin" vorstellt.

Das ist sie wohl, die Oda Becker, bekennend. Nur wird man durch Bekennen nicht zum Sachverständigen.



Für Kommentare bitte hier klicken. Links zu allen bisherigen Folgen dieser Serie findet man hier. Titelvignette: Public Domain.

10. Juli 2009

Zettels Meckerecke: Denkt Denkler? Denkste! Der Wahlkampf, der Atomausstieg, die "Süddeutsche Zeitung"

Thorsten Denkler, der Berliner Korrespondent der "Süddeut­schen Zeitung", hat sich einen eigenen Blog eingerichtet, der allerdings noch ein wenig spärlich bestückt ist. Titel: "Denkler denkt".

Es gibt Anlaß, daran zu zweifeln. In der heutigen SZ ist ein Kommentar von Denkler zu lesen mit dem schönen Titel "Atomkraft im Wahlkampf - Es fliegt was um die Ohren".

Als ich das gelesen hatte, spürte ich einen leisen Impuls, ihn dem Denkler um die Ohren zu hauen, diesen Kommentar.

Es geht um den Wahlkampf der SPD; es geht um den Vorfall in Krümmel, der nicht einmal ein Störfall war, sondern - ich habe das hier erläutert - ein "Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung"; Stufe INES 0.

Maschinentransformatoren wie der, in dem der Kurzschluß auftrat, stehen auch in einem Kohlekraftwerk; mit dem Innenbereich, dem nuklearen Bereich des KKW haben sie nichts zu tun. Außer daß dieser eben abgeschaltet wird, wenn der Transformator nicht funktioniert.

Das räumt auch unser Autor Denkler ein, wenngleich ein wenig zögerlich: "Es mag richtig sein, dass der Kurzschluss im Transformator die Sicherheit des Reaktors generell nicht in Frage gestellt hat". Es ist so, lieber Herr Denkler.

Und damit könnte eigentlich die Debatte beendet sein, nicht wahr? Daß einmal etwas nicht funktioniert, das gibt es in jedem technischen System. Entscheidend für die Sicherheit ist, ob das System so ausgelegt ist, daß auch in einem solchen Fall nichts Ernsthaftes passiert. Der Vorfall in Krümmel hat genau das gezeigt: Die Sicherheitstechnik hat einwandfrei funktioniert. Seit es deutsche KKWs gibt, hat noch in jedem die Sicherheitstechnik einwandfrei funktioniert.

Aber es ist ja Wahlkampf. Also empfiehlt Denkler der SPD: "Natürlich muss Gabriel die kurzschlussbedingte Selbst­abschal­tung eines Atomkraftwerkes für den Wahlkampf nutzen: Alles andere wäre eine politische Dummheit und fahrlässig obendrein".

Was er Gabriel anrät, der Kommentator Denkler, das ist also, die Leute zu hintergehen; es gibt dafür auch noch ein anderes deutsches Wort. Ihnen vorzumachen, die Sicherheit von Krümmel sei in irgendeiner Weise in Frage gestellt; KKWs seien überhaupt nicht sicher, und deshalb müsse es beim Ausstieg bleiben.

Denkt er, der Denkler, die Deutschen seien so dumm, darauf hereinzufallen? Ich glaube nicht, daß sie so dumm sind.

Daß die SPD versucht, Krümmel als Wahlkampfthema hochzuspielen, ist für jeden so offensichtlich, daß es für niemanden glaubwürdig ist.

Nachtigall, ick hör dir trapsen, sagt der Berliner zu so etwas.



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7. Juli 2009

Was ist eigentlich im Kernkraftwerk Krümmel genau passiert? Wie gefährlich war es? Nebst einer Bemerkung über eine Hose, die nicht rutscht

Die Lage scheint wirklich dramatisch zu sein. "Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will den Bundesländern nach der weiteren Panne im Kernkraftwerk Krümmel die Aufsicht über die Atomkraftwerke entziehen", meldet zum Beispiel die FAZ.

Nicht wahr, einen solchen radikalen Schritt wird ein Minister doch nur dann tun, wenn eine Notlage entstanden ist? Wenn das AKW Krümmel kurz vor einem GAU stand; jedenfalls etwas sehr Gefährliches passiert ist? So gefährlich, daß das Sozialministerium des Landes Schleswig- Holstein als Aufsichtsbehörde versagt hat und also der Bund ihm die Kompetenz für die Aufsicht entziehen muß?

Rhetorische Fragen, das haben Sie gemerkt. Nichts Ernsthaftes ist in Krümmel passiert. Dieser Minister, der mit seiner absurden Überreaktion wieder einmal zeigt, daß er für ein hohes Amt ungeeignet ist, nutzt einen unbedeutenden Vorfall schamlos aus, um für die SPD Wahlkampf zu machen.

Was er auch gar nicht verheimlicht. Die "Welt" gestern in ihrer Online-Ausgabe:
Im ARD-"Morgenmagazin" zog Gabriel zudem eine Verbindung zur Bundestagswahl. "Am 27. September entscheiden die Deutschen darüber, ob dieser Reaktor und sieben weitere länger betrieben werden, wie es CDU/CSU und Kanzlerin Merkel vorgeschlagen haben. Oder ob wir in der nächsten Periode insgesamt acht dieser schwierigen Reaktoren endlich abschalten können", sagte er.



Wie ist der Vorfall abgelaufen? Ich empfehle dazu die Erläuterungen von Calimero, der sich mit der Technik von Kraftwerken auskennt, in "Zettels kleinem Zimmer".

Man muß unterscheiden zwischen der primären Störung und der Reaktion des Systems auf diese Störung, nämlich die Schnellabschaltung des Reaktors.

Die primäre Störung war ein Kurzschluß in einem von zwei Transformatoren, die - man kann das zum Beispiel in der FAZ nachlesen - den im Reaktor erzeugten Strom auf die im Verteilnetzung herrschende Spannung von 380 Kilovolt transformieren.

In einem solchen Transformator hatte es vor zwei Jahren einen Brand gegeben; und deshalb war das AKW Krümmel zwei Jahre stillgelegt worden. Nicht etwa, weil die Reparatur so lange gedauert hätte. Sondern - man glaubt es nicht, aber bei Calimero ist es dokumentiert -, weil Wartungsbühnen für Notstromdiesel mit Dübeln versehen gewesen waren, die nicht den Spezifikationen entsprachen. Die zwar durchaus ihren Dienst taten; aber der betreffende Typ war eben nicht in der Spezifikation aufgelistet gewesen.

In einem Transformator also trat jetzt der Kurzschluß auf. Die Ursache ist bisher unbekannt. Calimero weist auf die Möglichkeit dessen hin, was man intern "Kaputtwarten" nennt: Ein Aggregat, das immer wieder auseinander genommen und neu zusammengesetzt wird, leidet irgendwann darunter und wird unzuverlässiger.

Wie dem auch sei - der Kurzschluß hatte die zu erwartende Folge, daß es zu einer Ölundichtheit kam, die aber keinen Schaden anrichtete. Die Sicherheitsvorrichtungen funktionierten. Sie sind redundant ausgelegt. Bereits die erste (Diff- Schutz) sprach an; wenn nicht, dann hätte eine zweite (Buchholz- Schutz) zur Verfügung gestanden.

Nun zur Schnellabschaltung des AKW. Auch sie funktionierte. "Die nukleare Kettenreaktion wurde unterbunden, die Leistung des Reaktors auf rund 5 Prozent der thermischen Leistung des Normalbetriebs verringert", schreibt die FAZ.

Allerdings kam es zu zwei kleineren Problemen, wie sie - schreibt Calimero - in solchen technischen Systemen, die schließlich nicht unter Laborbedingungen arbeiten, nichts Ungewöhnliches sind.

Zum einen, so ist es hier nachzulesen, sind "zwar alle 205 Steuerstäbe hydraulisch eingeschossen worden. Bei einem dieser Steuerstäbe sei allerdings die Mutter, die den Stab zusätzlich fixieren soll, nicht elektrisch nachgelaufen". Ein defektes Elektronik- Teil wurde ausgetauscht, und dann war auch dieser Brennstab ordungsgemäß fixiert.

Sodann waren die Kühler der Reaktorwasser- Reinigung ausgefallen. Nicht etwa die des Reaktorwassers selbst. Unbedeutend, schreibt Calimero, denn wenn "diese Reinigung mal für ein paar Stunden ausfällt, ist das Inhaltswasser deshalb trotzdem noch 'rein'. (...) Das ist prinzipiell zwar zu vermeiden, aber nicht sicherheitsrelevant".



So, lieber Leser. Und nun lesen Sie bitte, was "Bild" meldet:
Michael Müller (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, ist alarmiert und schließt einen atomaren GAU (größter abzunehmender Unfall) – ähnlich wie in Tschernobyl ­– in einem deutschen Kernkraftwerk keineswegs aus. (...)

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) rechnet offenbar mit dem Schlimmsten. Die Behauptung der Atomindustrie, in Deutschland stünden die sichersten Kraftwerke, sei falsch. (...)

"Die sieben ältesten Atommeiler und der Reaktor in Krümmel sind in der Pannenstatistik derart auffallend, dass sie sofort abgeschaltet werden müssen", fordert der Energiereferent der Umweltorganisation Robin Wood, Dirk Seifert.
In Wahrheit sind AKWs ja nicht deshalb so sicher, weil es in ihnen nicht - wie in jedem technischen System - einmal zu einer Störung kommen könnte. Sondern weil sie über so zahlreiche und so redundante Sicherheitsvorrichtungen verfügen, daß solche Störungen ohne schwerwiegende Folgen bleiben.

Die jetzige Störung in Krümmel war eine Störung der Stufe INES 0. Diese ist die überhaupt leichteste Stufe und ist definiert als "Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung". Diesem Ereignis sind die Sicherheitsvorrichtungen so begegnet, wie das vorgesehen ist. Noch einmal Calimero:
Je wichtiger eine Anlage ist, desto besser ist sie durch Redundanzen abgesichert. In Kernkraftwerken geht man da noch einen Schritt weiter. Während es bei uns "fossilen" heißt, dass man zur gut sitzenden Hose nicht nur einen Gürtel, sondern auch Hosenträger benutzt, wird in KKW auch noch ein Strick und gegebenenfalls ein zweiter Gürtel um die Hose gewickelt.
Also rutscht sie nicht, die Hose.



Für Kommentare bitte hier klicken. Mit herzlichem Dank an Calimero. Titelvignette: Das Kernkraftwerk Krümmel. Vom Autor Quartl unter Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 License freigegeben.

1. März 2009

Wissenschaftler haben gefunden: Wer in der Jugend Probleme mit den Alten hat, hat als Alter Probleme mit dem Herzen. Über Korrelation und Kausalität

Wir werden bekanntlich älter. Wer das sagt, der meint in der Regel nicht den simplen Sachverhalt, daß auch an uns Menschen der Zahn der Zeit nagt; sondern er meint, daß die Lebenserwartung steigt, es also immer mehr Alte gibt. (Nämlich dann, wenn man die Grenze zum "Alter" in Lebensjahren ausdrückt. Man könnte alternativ ja auch die, sagen wir, ältesten zehn Prozent der jeweiligen Bevölkerung als "die Alten" bezeichnen).

Diese demografische Entwicklung hat einer Wissenschaft Goldene Zeiten beschert: Der Gerontologie. Geron, das ist im Griechischen der Greis; die Gerontologie ist also wörtlich die "Greisenforschung". Im Deutschen sagt man meist "Alternsforschung". Eine deutsche Alternsforscherin, die Ende der achtziger Jahre sogar Bundesministerin war, Ursula Lehr, pflegte großen Wert auf das "n" in diesem Wort zu legen.



Zu berichten ist von der Untersuchung einer angesehenen Gerontologin, der Yale- Professorin Becca Levy. Die betreffende Arbeit von Levy und Mitarbeitern erscheint demnächst unter dem Titel "Age stereotypes held earlier in life predict cardiovascular events in later life" (Alters- Stereotype im früheren Lebensalter sagen Herz- Kreislauf- Probleme im späteren Alter vorher) in der Zeitschrit Psychological Science. Science News berichtet vorab darüber.

Es handelt sich um eine sogannten Längsschnitt- Untersuchung. Dabei untersucht man eine Gruppe von Probanden über einen längeren Zeitraum - oft Jahrzehnte - hinweg immer wieder; man verfolgt sie sozusagen durchs Leben.

Hier waren es 386 Personen, die im Jahr 1968 allerlei Tests und Befragungen unterzogen worden waren. Unter anderem hatte man sie über ihre Einstellung zu alten Menschen befragt. Jetzt wurden sie wieder befragt; unter anderem zu ihren Gesundheitsproblemen.

Und siehe: Diejenigen, die damals negative Stereotype über die Alten hatten erkennen lassen (die zum Beispiel gesagt hatten, daß alte Menschen "schwach" und "hilflos" seien), berichteten nun vermehrt über Krankheiten des Herz- Kreislauf- Systems - beispielsweise Herzkrankheiten und Schlaganfälle.

Von denjenigen, die den Stereotypen zugestimmt hatten, berichteten 25 Prozent über solche Erkrankungen, von den anderen nur 13 Prozent. Dieser Unterschied war unabhängig von anderen Faktoren, von denen bekannt ist, daß sie die Wahrscheinlichkeit einer Herz- Kreislauf- Erkrankung beeinflussen - Bluthochdruck, Depressionen, Geschlecht, Familienstand, Cholesterolspiegel, Rauchen und dergleichen.



Was ist von solchen seltsamen Ergebnissen zu halten?

Methodisch sauber erhoben und statistisch richtig ausgewertet dürften sie sein, denn Psychologigal Science ist eine Zeitschrift mit strengem Peer Reviewing; was dort erscheint, ist also von Fachleuten geprüft.

Soll man also wirklich schließen müssen, daß jemand, der als junger Mensch ein negatives Klischee vom Alter hat, dadurch stärker gefährdet ist, an Herz und Kreislauf zu erkranken?

Sicher nicht. Oder vielmehr: Nicht sicher. Oder noch anders gesagt, dieses "dadurch" ist arg doppeldeutig. Wenn man weiß, daß jemand diese Ansichten hatte, dann kann man (wie es auch im Titel der Arbeit steht) vorhersagen, daß eine erhöhte Gefährdung für Herz- Kreislauf- Erkrankungen besteht. Aber man kann nicht schließen, daß diese erhöhte Gefährdung durch die betreffenden Ansichten verursacht wird.

Gefunden wurde eine Korrelation. Welche ursächlichen Zusammenhänge ihr zugrundeliegen, ist eine offene Frage. Das klassische Beispiel der Statistiker ist die Korrelation zwischen der Zahl der Störche und der Geburtenhäufigkeit, die einmal in einer Untersuchung in Deutschland gefunden wurde. Auch gilt, daß umso mehr Brände entstehen, je mehr Feuerwehrleute es in einer Stadt oder einem Bezirk gibt.

Fachleuten ist natürlich klar: Eine Korrelation sagt nichts über die Richtung der Kausalität aus. Oft besteht der ursächliche Zusammenhang gar nicht zwischen den beiden miteinander korrelierenden Variablen, sondern beide sind von einem dritten Faktor abhängig. Je ländlicher eine Gegend, umso mehr Störche und umso mehr Geburten, beispielsweise.

Und doch, und doch.

Der kalifornische Alternsforscher Howard Friedman wurde von Science News zu dem Artikel befragt::
Absent any detailed understanding of the ways in which age stereotypes may ultimately affect heart health, it’s too early to recommend any preventive programs aimed at altering negative attitudes toward the elderly, Friedman cautions. Possible mechanisms to explain why age stereotypes affect heart health include temperament, behavior and physiological traits.

Solange wir nicht genau verstehen, auf welchen Wegen Stereotype über das Alter am Ende Herzerkrankungen beeinflussen, ist es zu früh, Präventions- Programme mit dem Ziel zu empfehlen, negative Einstellungen gegen die Alten zu ändern, mahnt Friedman zur Vorsicht. Mögliche Mechanismen, die erklären, warum Alters- Stereotype die Herzerkrankungen beeinflussen, sind unter anderem das Temperament, das Verhalten und physiologische Merkmale.
Da ist auf einmal doch von "affect" (beeinflussen) die Rede - ganz so, als seien es die Stereotype, die auf das Krankheitsrisiko einwirken, so wie der Storch die Kinder bringt und Feuerwehrleute für mehr Brände sorgen.

Ähnlich mißverständlich formulierte es Becca Levy selbst:
We found that age stereotypes, which tend to be acquired in childhood or young adulthood and carried over into old age, seem to have far- reaching effects on cardiovascular health.

Wir haben gefunden, daß Alters- Stereotype, die dazu tendieren, in der Kindheit oder im frühen Erwachsenen- Alter erworben und ins hohe Alter übernommen zu werden, weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit des Herz- Kreislauf- Systems zu haben scheinen.
Wissenschaftler neigen zu solchen Formulierungen. Wenn man sie dann fragt, wie sie das denn meinen, werden sie im allgemeinen sagen: Nein, natürlich können wir nur eine Korrelation konstatieren. Wir meinen ja nur, daß man das eine aufgrund des anderen vorhersagen kann. Nicht, daß das eine das andere unbedingt verursacht.

Was die jetzt gefundene Korrelation angeht, kann man nur spekulieren. In welche Richtung, das deutet Friedman im letzten Satz des Zitats an: Es könnten psychische, physiologische oder im Verhalten liegende Faktoren sein, die der beobachteten Korrelation zugrundeliegen.

Konkret könnte man beispielsweise daran denken, daß Menschen, in deren Verwandtschaft gehäuft Herz- Kreislauf- Erkrankungen vorkommen, einerseits dadurch schon als Kind ein negatives Bild von der Hinfälligkeit des Alters bekommen und sie andererseits aufgrund dieser genetischen Disposition selbst zu solchen Erkrankungen neigen. Nicht die Stereotype würden dann die spätere Erkrankung bewirken, sondern beide gingen auf einen gemeinsamen Faktor zurück.



Zu welchen Irrtümern, zu welchen ungerechtfertigten politischen Konsequenzen es führen kann, wenn man Korrelation und Kausalität nicht auseinanderhält, zeigt ein Vorgang, der Ende 2007 in Deutschland zu regen Diskussionen führte: In einer Untersuchung war gefunden worden, daß im Umkreis von Atom- Kraftwerken gehäuft Fälle von Leukämie bei Kindern auftraten.

Eine Korrelation also. Es gab nicht den Schatten eines Hinweises darauf, daß diese Häufung durch die AKWs verursacht wurde. Aber linke und grüne Politiker behaupteten es munter. Sogar das von einem Grünen- Politiker geleitete Bundesamt für Strahlenschutz legte diese Folgerung nahe. Ich habe damals in diesem und noch einmal in diesem Artikel erläutert, wie abwegig, wie völlig unwissenschaftlich diese Interpretation einer Korrelation als Kausalität war.



Titelvignette: Ausschnitt aus einem Gemälde von Francisco Goya. Für Kommentare bitte hier klicken.

17. Dezember 2008

Marginalie: Internationale Verflechtung bei AKW-Terroristen

Von "Behinderungen im Bahnverkehr" war die Rede, Anfang November, als ein Castor- Transport nach Gorleben unterwegs war.

Tatsächlich handelte es sich um Sabotageakte von Terroristen. Sie haben damals ein Bekennerschreiben an die "taz" geschickt, das diese aber nicht abdruckte. Jetzt ist dieses Schreiben in der französischen Presse publiziert worden. In der französischen Übersetzung heißt es darin (es folgt meine Rückübersetzung ins Deutsche):
Avec des incendies criminels et des crochets métalliques, nous avons donné le signal de notre résistance sur les lignes Paris- Strasbourg, Paris- Lille, Paris- Rhône- Alpes, Paris Bourgogne, Ludwigshafen- Mayence (ouest), Kassel- région de la Ruhr (centre et ouest), région de la Ruhr- Hanovre (idem), Brême- Hambourg (nord) et plusieurs lignes des environs de Berlin.

Mit Brandstiftungen und Metallkrallen haben wir unserem Widerstand Ausdruck verliehen, und zwar auf den Strecken Paris- Straßburg, Paris- Lille, Paris- Rhône- Alpen, Paris- Bourgogne, Ludwigshafen- Mainz (Westen), Kassel- Ruhrgebiet (Mitte und Westen), Ruhrgebiet- Hannover (ebenfalls), Bremen- Hamburg (Norden) sowie verschiedenen Linien in der Umgebung von Berlin.
Die französische Polizei vermutet hinter den Anschlägen eine "anarcho- autonome" Zelle, die von einem gewissen Julien Coupat angeführt werden soll. Zwei Verdächtige sind gegenwärtig in Haft, gegen andere wird ermittelt.

Laut dem Journal du Dimanche geht die französische Polizei von internationalen Verbindungen der Politkriminellen nicht nur zwischen Deutschland und Frankreich, sondern auch nach Italien, Großbritannien, Kanada, den USA, Griechenland und Belgien aus.



Daß die "taz" es abgelehnt hat, den Terroristen auch noch eine öffentliche Plattform zu geben und ihr "Bekennerschreiben" zu veröffentlichen, ist lobenswert; früher einmal hat dieses Blatt das anders gehandhabt. Allerdings genügen ein paar Klicks, um im deutschen Web eine Plattform zu finden, die ungeniert solche "Bekennerschreiben" von Terroristen publiziert: "Indymedia".

Das zeigt, wie fließend auf der extremen Linken der Übergang zwischen "gewaltfreiem Protest" und Kriminalität ist; nicht anders als auf der extremen Rechten.



Nachtrag: Mein Lob für die "taz" war leider voreilig; siehe hier.



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13. Juli 2008

Die Deutschen und das Atom (7): Deutsche Irrationalität, französische Rationalität

Was viele Franzosen an uns Deutschen, ihren Voisins d'Outre- Rhin - den Nachbarn am anderen Ufer des Rheins - zugleich fasziniert und beunruhigt, das ist das, was sie als unsere Irrationalität wahrnehmen.

Deutsche, so sehen sie es, erwägen oft nicht nüchtern die Vor- und Nachteile einer Entscheidung, sondern sie lassen sich von vagen Gefühlen oder, noch schlimmer, von "Prinzipien" leiten. "Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun", also ohne Vernunft - das ist für viele Franzosen der Schlüssel zum Verständnis von uns Deutschen.

Wer sich in Frankreich ein wenig in der deutschen Kulturgeschichte auskennt, der sieht da leicht eine lange und verzweigte Entwicklungslinie - von den Exaltiertheiten des "Sturm und Drang" über die Romantik und Nietzsche bis hin zum Expressionismus und zur Blut- und- Boden- Ideologie. Und bis hin zu der Bedeutung, die heute in Deutschland nicht nur die Partei "Die Grünen" hat, sondern eine grüne "Weltanschauung" (im Französischen ein Fremdwort), die weit über diese Partei hinaus ihre Anhänger hat.

Auch in Frankreich gibt es eine Partei der Grünen. Ihre Kandidatin, Dominique Voynet, hat bei den Wahlen 2007 zur Präsidentschaft gerade einmal 1,57 Prozent der Stimmen bekommen; und das als gemeinsame Kandidatin der Partei der Grünen und eines Zusammenschlusses von Regionalparteien, von Korsika bis in die Bretagne.

Daß in Deutschland "Die Grünen" eine Partei mit um die zehn Prozent Stimmenanteil sind; daß sie gar einmal den Außenminister stellen konnten und daß sie mit ihren Themen weitgehend die politische Diskussion in Deutschland bestimmen - das ist aus der Sicht vieler Franzosen Ausdruck dieser seltsamen deutschen Irrationalität und Prinzipienreiterei.



Bei kaum einem Thema wird dieser Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland so deutlich wie in der Atompolitik.

In Frankreich hat es im AKW Trigastin vor knapp einer Woche einen Unfall gegeben, bei dem radioaktiv verseuchtes Wasser in die Umwelt gelangt ist.

Nach Angabe der Betreibergesellschaft Socatri handelte es sich um Flüssigkeit, die 224 kg nicht angereichertes Uran enthielt. Davon seien allerdings nur 74 kg in die Flüsse gelangt, während 150 kg auf dem Gelände der Gesellschaft verblieben.

74 Kilo Uran in den Flüssen! Es gehört wenig Phantasie dazu, sich die Reaktion vorzustellen, wäre so etwas Entsetzliches in Deutschland passiert. Hier in Deutschland, wo es zB die "heute"-Sendung des ZDF bereits eine Meldung unter den Hauptnachrichten wert ist, wenn in Schweden auf dem Dach eines Gebäudes außerhalb des Containment eines Reaktors ein paar Minuten lang Dachpappe gebrannt hatte.

In Deutschland hätte ein Unfall, als dessen Folge kiloweise Uran durch die Flüsse in der Umgebung einer Kernanalage treibt, eine wochenlange Grundsatzdebatte ausgelöst.

Und in Frankreich? Nach ein paar Tagen war das Thema kaum noch irgendwo in den Medien zu finden. In Paris fand gestern eine Demonstration einer Gesellschaft namens Sortir du Nucléaire (Ausstieg aus der Kernenergie) statt, an der "einige Tausend" (nach Angaben der Veranstalter ganze 7000) Personen teilnahmen. Keine maßgeblichen Vertreter von Gewerkschaften oder Parteien sprachen; selbst die Kommunisten sind in Frankreich für die friedliche Nutzung der Kernenergie.



Liegt es nur an dieser Irrationalität der Deutschen, die unsere Nachbarn jenseits des Rheins so staunen läßt, daß wir auch zur Kernkraft ein so irrationales Verhältnis haben? Nein, nicht nur.

Jedenfalls spielt im Fall der Atomkraft nicht nur dieses Rumoren in den Hinterstübchen der deutschen Volksseele eine Rolle, diese Neigung, an jedem Horizont gleich eine Götterdämmerung zu entdecken. Sondern es gibt eine konkrete historische Entwicklung. Eine Entwicklung, die man natürlich ihrerseits - "letzten Endes", auch so eine sehr deutsche Formulierung - auf diese irrationale Seite des deutschen Volkscharakters zurückführen kann.

Ich habe in den ersten vier Folgen dieser Serie beschrieben, wie aus dem Erlebnis des Zweiten Weltkriegs heraus die Bewegung "Kampf dem Atomtod" entstand, die sich zunächst ausschließlich gegen Atomwaffen richtete, und wie diese zunehmend unter linke, überwiegend kommunistische Kontrolle geriet.

Diese Bewegung war eine der wichtigsten Keimzellen der APO, der Außerparlamentarischen Opposition Ende der sechziger Jahre, aus der wiederum die Studentenbewegung und die gesamte linke Bewegung der siebziger Jahre hervorging. Von dort führt ein Weg zu der linken Mobilisierung, die in den achtziger Jahren zuerst mit dem Thema "Frieden" und dann mit dem Thema Nuklearenergie gelang.

Die "Friedensbewegung" und die "Anti- AKW- Bewegung" beherrschten in den achtziger Jahren die Schlagzeilen; ohne sie hätte aus ein paar Vegetariern und Umweltschützern niemals die heutige Partei der Grünen hervorgehen können.

Für die folglich das Thema "Kernenergie" nicht einfach eine politische Streitfrage ist, sondern Glaubenssache. Schon deshalb, weil ihr anderes Gründungsthema, der Pazifismus, ihr abhanden gekommen ist, seit Joschka Fischer seine Partei in diesem Punkt in die Realität gezwungen hat.

Für die Grünen also hieße es ihre Identität opfern, würden sie ihre negative Haltung zur Kernenergie aufgeben. Das wäre nicht so schlimm, wenn nicht auch die SPD in den achtziger Jahren von diesen "Bewegungen" erfaßt und regelrecht durchgeschüttelt worden wäre. So sehr, daß sie noch heute daran trägt.

Der bei den Sozialdemokraten jäh entfachte Pazifismus isolierte damals, Anfang der achtziger Jahre, deren eigenen Bundeskanzler in seiner Partei. Und das Thema Atomkraft ließ diese SPD innerhalb weniger Jahre, zwischen 1982 und 1986, von einer fortschrittsfreundlichen Partei zu einer Weggenossin der Grünen werden.

Die Grünen waren damals die politische Verkörperung der deutschen Irrationalität, des deutschen Weltschmerzes, der deutschen Vorliebe für das Thema Götterdämmerung gewesen. Aber erst dadurch, daß ihre Weltanschauung auch weite Teile der SPD, vor allem deren jüngere Mitglieder ergreifen konnte, wurde sie politisch wirkmächtig.

In der heutigen "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" hat Günter Bannas diese damalige Wandlung der SPD sehr schön beschrieben.



Links zu den bisherigen Folgen dieser Serie findet man hier. Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

11. Juli 2008

Kurioses, kurz kommentiert: Feuer auf schwedischem AKW!

Vor knapp zwei Stunden, um 12.55 Uhr, brachte das Schweizer Fernsehen SF die Meldung. Inzwischen war sie in den 14-Uhr-Nachrichten des ZDF zu hören, fast ganz am Beginn der Nachrichtensendung. Ein Störfall also? Lesen wir die Meldung des SR in der momentanen Fassung:
Auf dem Gelände des schwedischen Atomkraftwerks Ringhals 2 ist ein Feuer ausgebrochen. Der Brand auf dem Dach einer Turbinenhalle sei aber unter Kontrolle, erklärte die Feuerwehr.
Das ist alles; der Rest der Meldung ist Archivmaterial.

Und was ist nun gewesen? dpa meldete es um 13.12 Uhr:
Laut einem Kraftwerkssprecher konnte das Feuer schon nach wenigen Minuten gelöscht werden. Ausgelöst hätten es Dachdecker, als sie auf dem Dach des Turbinengebäudes versehentlich Dachpappe in Brand setzten. Alle vier Reaktoren produzierten während des Zwischenfalls und danach mit voller Kraft weiter.
Und das ist für das ZDF Anlaß zu einer "Meldung" fast am Beginn seiner Nachrichtensendung, komplett mit einer Landkarte, die die Lage des AKW zeigt!

Kommentar: Seltsam, nicht wahr, daß immer dann "Unfälle" in AKWs durch die Medien gehen, wenn über die Nuklearenergie diskutiert wird. Wir hatten das im August 2006 und erst kürzlich Anfang Juni dieses Jahres. Auch vor ein paar Tagen wieder in Frankreich.

"Dieser Mortimer starb euch sehr gelegen" heißt es in Schillers "Maria Stuart". Diese AKWs, so scheint mir, kommen immer dann in die Schlagzeilen, wenn das den AKW-Gegnern sehr gelegen ist.

Auch wenn nur irgendwo für ein paar Minuten die Dachpappe schmurgelt .



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5. Juli 2008

Kurioses, kurz kommentiert: Erhard Eppler hat eine tolle Idee. Und sendet gleich auch noch ein Signal in alle Welt

"Wenn es der Union nur darum geht, den Übergang zu erneuerbaren Energien abzusichern, dann könnte sie der SPD ja ein Angebot machen", sagte Eppler dem SPIEGEL. "Wenn die SPD bereit ist, einige Meiler länger laufen zu lassen, dann schreiben wir gemeinsam in die Verfassung, Atomkraftwerke werden nicht mehr gebaut".

"Spiegel Online" unter der Überschrift "Eppler schlägt Atom-Kompromiss vor".

Kommentar: Lustiger Kompromiß, den Erhard Eppler sich da hat einfallen lassen: Dem "Ausstieg aus der Atomenergie" soll Verfassungsrang gegeben werden, was ihn faktisch unumkehrbar machen würde. Und als Gegenleistung würde man "einige Meiler länger laufen" lassen.

Die AKW-Gegner sollen den vollständigen Sieg für alle Zukunft erhalten und sich dafür bereitfinden, noch ein wenig zu warten, bis ihnen die Trophäe ausgehändigt wird.

Und nicht nur das hat sich Erhard Eppler ausgedacht. Sondern, so sagte er es dem "Spiegel", damit "... könnte Deutschland anderen das richtige Signal geben".

Am deutschen Wesen soll wieder einmal die Welt genesen. Helmut Schmidt wußte schon, warum er als Kanzler gegen seinen Minister Eppler eine herzliche Abneigung hatte.



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29. Juni 2008

Kurioses, kurz kommentiert: Wie weist man nach, daß Atomkraftwerke ein CO2-Problem erzeugen?

Atomkraftwerke sind große Wolkenerzeugungsmaschinen. Sie produzieren viel Wärme, die ungenutzt in die Luft abgelassen wird. Anders geht es auch nicht. Für die Fernwärmenutzung müssten die Atomkraftwerke in der Stadt gebaut sein. Aber das will kein Mensch. Darum heizen die Leute zu Hause mit Gas und Öl. Das eingerechnet wären kleine Blockheizkraftwerke, bei denen Strom und Wärme genutzt werden, für den gleichen CO2-Ausstoß verantwortlich wie ein Atomkraftwerk samt notwendiger Wärmeerzeugung. Also: Auch Atomkraftwerke erzeugen ein CO2-Problem.

Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der "Grünen" im Bundestag, in der "Süddeutschen Zeitung".

Kommentar: Ich habe es geahnt: Die "Klimabilanz" von irgend etwas zu bestimmen, ist ungefähr so, als wolle man die Zahl der Engel berechnen, die auf einer Nadelspitze Platz finden.

Bisher dachten wir Naiven, einer der Vorteile der Kernenergie liege darin, daß AKWs keine fossilen Brennmittel benötigen, also auch kein in diesen gebundenes CO2 emittieren.

Wie beweist uns nun Frau Höhn - studierte Mathematikerin -, daß AKWs dennoch "ein CO2-Problem erzeugen"?

Sie stoßen zwar kein CO2 aus. Aber - das folgende schreibe ich ohne Gewähr, weil ich nicht ganz sicher bin, daß ich den Gedankengang von Frau Höhn richtig verstanden habe - wenn die Leute Atomstrom beziehen, dann beziehen sie keinen Strom aus "kleine(n) Blockheizkraftwerke(n), bei denen Strom und Wärme genutzt werden".

Wenn sie das aber nicht tun, dann werden von diesen Kraftwerken weniger gebaut. Und wenn von denen weniger gebaut werden, dann heizen auch weniger Leute mit der Fernwärme, die sie liefern.

Sondern sie heizen dann mit Gas oder Öl. Und dabei wird CO2 emittiert. Für das also die bösen AKWs verantwortlich sind.

q.e.d.



Ich habe da allerdings noch eine Frage: Warum können die Leute, die Atomstrom beziehen, nicht elektrisch heizen, mit eben diesem Atomstrom? Ohne CO2 in die Luft zu pusten?

Wäre das nicht für die "Klimabilanz" noch besser, als wenn sie aus diesen Heiz- Kraftwerken Fernwärme beziehen, die doch CO2 emittieren, wenngleich vielleicht weniger als die häusliche Ölheizung?

Warum geht das nicht?

Hm, hm. Ich fürchte, weil dann die Rechnung unserer Mathematikerin irgendwie nicht funktionieren würde.

Vorausgesetzt, wie gesagt, ich habe verstanden, was Frau Höhn uns sagen will.



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5. Juni 2008

Zettels Meckerecke: Viel Alarm um nichts

Vor knapp einer Stunde, um sieben Uhr, wurde in den Nachrichten des ZDF noch immer von einem "europaweiten Atomalarm" geredet. In "Spiegel Online", unzuverlässig, wie es seine Art ist, wird (jedenfalls im Augenblick) durch die Wortwahl dafür gesorgt, daß der Leser sich sorgt:
Eine Gefahr für die deutsche Bevölkerung habe nicht bestanden, beteuert Umweltminister Sigmar Gabriel. (...) "Es gibt keine Auswirkungen auf die Umwelt und wir erwarten auch keine", behauptete der Leiter der slowenische Atomaufsichtbehörde, Andrej Stritar.
Ganz anders werden Alarmisten zitiert:
Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete den europaweiten Alarm als "ungewöhnlich". Dies komme nur selten vor, sagte der Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer. (...) Das System sei als Reaktion auf das Reaktorunglück von Tschernobyl eingerichtet worden, erläuterte Breuer.
Also das übliche Spiel: Schon durch die Art, wie "Spiegel Online" eine Stimme zitiert (d.h. wie die einschlägigen Agenturmeldungen ausgesucht und/oder editiert werden), wird dem Leser suggeriert, ob man dem Betreffenden glauben kann oder nicht.



Und was war nun wirklich? Ausgerechnet in der "TAZ", einst das Leib- und Magenblatt der Alarmisten, findet man einen brauchbaren Bericht, geschrieben von Matthias Urbach. Er benutzte dieselben Agenturmeldungen wie "Spiegel Online", stellte sie aber zu einer sachlichen, informativen Meldung zusammen.

Danach ging die Aufregung - wieder einmal, füge ich hinzu - von der französischen AFP aus. "+++ Dringend +++ EU löst europaweiten Alarm nach Atom- Zwischenfall in Slowenien aus", meldete diese Agentur gestern um um 19 Uhr 45.

Wie der Zufall es wollte, lief in Berlin gerade ein Sommerfest von "Greenpeace"; dort sprach sich die Meldung wie ein Lauffeuer herum und wurde per Handy verbreitet.

Nur war die Meldung eine AFP-Ente. "Die EU-Kommission hatte keinesfalls Alarm ausgelöst, sondern lediglich eine Störfallmeldung über ihren Meldungsverbund ECURIE weitergeleitet", ist in der TAZ zu lesen. Der Leiter der slowenischen Atomaufsichtbehörde, Andrej Stritar, hatte den Störfall als "ungewöhnliches Ereignis" eingestuft; das ist die überhaupt niedrigste Stufe. Routinemäßig war das nach Brüssel gemeldet worden. Das ist alles.

Aber nicht für "Greenpeace", das noch aus jedem Mücklein einen Elefanten macht, wenn es hoffen kann, diesen spendenbringend durch die Manege tanzen zu lassen. Von der Gefahr einer "Kernschmelze" sprach vor einer halben Stunde ein Vertreter von "Greenpeace" im ZDF- Morgenmagazin.



Soweit wie gehabt. Leitmedien wie das ZDF und "Spiegel Online" besorgen mit Panikmache das Geschäft der Spendensammler von "Greenpeace". Business as usual.

Daß die TAZ da nicht mitmacht, sondern sachlich informiert, das allerdings ist für mich das Erstaunliche an der Nachrichtenlage zu diesem Thema, heute Morgen.



Nachtrag: Um wen es sich bei dem "Experten" von "Greenpeace" Thomas Breuer handelt, der mit seiner Warnung vor einer drohenden "Kernschmelze" soeben auch wieder im "Mittagsmagazin" des ZDF gesendet wurde, das hat Feynman in "Zettels kleinem Zimmer" mitgeteilt.



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1. Mai 2008

Zitat des Tages: Beifall von der richtigen Seite

Ich persönlich bin gegen die Abschaltung der Kernkraftwerke, wenn sie technisch sicher sind.

Bundeskanzlerin Merkel gestern am Spätnachmittag in einer Diskussion mit Studierenden der RWTH Aachen; eine Aufzeichnung wurde heute Mittag vom Sender "Phoenix" ausgestrahlt.

Kommentar: Nicht weil die Kanzlerin das gesagt hat, bringe ich es als "Zitat des Tages". Sondern wegen der Reaktion des Auditoriums: Tosender Beifall.

Gewiß, das ist eben eine Technische Hochschule in Aachen (übrigens eine der besten Europas). Aber noch vor, sagen wir, fünfzehn Jahren hätten auch dort die Studenten jemanden ausgebuht, der sich für AKWs eingesetzt hätte.

Die Stimmung dreht sich in unserem Land. Allerdings auf eine, wie mir scheint, recht komplexe Weise: Während unter der gesamten Wählerschaft die Linke immer noch die strukturelle Mehrheit hat, die durch die Wiedervereinigung entstanden ist, ist es unter den besser Ausgebildeten, den Studenten, den Akademikern immer weniger selbstverständlich, sozusagen unbesehen politisch links zu stehen.

Da wächst - so, wie in den USA schon seit Jahrzehnten - eine liberale, eine konservative Elite heran. Daß die Naturwissenschaften, daß die Ingenieurwissenschaften seit dem PISA-Schock an öffentlicher Wertschätzung gewinnen, dürfte dabei eine wesentliche Rolle spielen.



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13. April 2008

Zitat des Tages: Sigmar Gabriel hat eine Einsicht

Jetzt ist das eingetreten, wovor früher die ollen Atomlobbyisten gewarnt haben: die Bürger denken, der Strom kommt aus der Steckdose.

Das sagte Umweltminister Gabriel laut einer Vorabmeldung gegenüber dem "Spiegel".

Kommentar: Ob die Bürger das denken, weiß ich nicht. Was mich interessiert, das ist, was Politiker wie Andrea Ypsilanti und die Hamburger Grünen denken, wenn sie den Bau von Kohlekraftwerken verhindern und zugleich die AKWs abschalten wollen.

Ich habe da einen Verdacht. Ich glaube, sie denken, daß es ganz gut ist, wenn der Strom, der aus der Steckdose kommt, immer knapper und immer teurer wird. Bis er so knapp und so teuer geworden ist, daß wir alle das richtige Energiespar- Bewußtsein gelernt haben.



Viele meinen ja, die Knappheit fast aller Güter im Sozialismus liege nur an dessen Ineffizienz. Das sicher auch. Aber ebenso wichtig ist es, daß Knappheit Abhängigkeit bedeutet. Abhängigkeit des Bürgers von "Zuteilungen", von Entscheidungen staatlicher Plan- Kommissionen, von der ganzen Bürokratie, die die Knappheit verwaltet.

Dahin wollen sie, die SPD-Linken, die Grünen. Das scheint mir jedenfalls die einzige rationale Erklärung dafür zu sein, daß sie gezielt die Menge des in Deutschland erzeugten Stroms zu verringern trachten.

Es sei denn, sie glauben wirklich, der Strom käme ja stets und in jeder gewünschten Menge aus der Steckdose.



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19. Januar 2008

Zitat des Tages: Wolfgang Clement zur Wahl in Hessen

Wer es wie sie will, der muss sich klar sein: Das geht nur um den Preis der industriellen Substanz Hessens. (...) Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann – und wem nicht.

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) über Andrea Ypsilanti und die Wahlentscheidung in Hessen. - Kommentar: Warum sind es wohl die ehemaligen Wirtschaftsminister, die sich von der SPD abwenden? Karl Schiller (SPD) war von 1966 bis 1972 deutscher Wirtschaftsminister. 1972 trat er aus der SPD aus, nachdem er bereits von seinem Amt zurückgetreten war.

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10. Dezember 2007

Die Deutschen und das Atom (5): Verursachen AKWs Leukämie bei Kindern?

"Im Umkreis von 30 Kilometern um die großen Dome und Kathedralen Europas - Nôtre Dame, Westminster Abbey, um den Kölner Dom, den Frankfurter Dom - wohnen mehr Moslems, als es dem Anteil der Moslems an der Bevölkerung des jeweiligen Landes entspricht."

Ich kenne keine Daten, die diese Aussage belegen, aber sie ist sehr wahrscheinlich zutreffend. Ob es so ist, das ist aber auch nicht kritisch für das, was ich diskutieren möchte:

Man könnte aus diesem statistischen Zusammenhang schließen, daß irgendetwas von den Domen ausgeht, das Moslems anzieht. Daß es Moslems sozusagen dazu drängt, sich in der Nähe eines Doms niederzulassen.

Das wäre natürlich keine sehr kluge Interpretation derartiger Daten, die vielmehr darauf beruhen (würden), daß Dome in Großstädten stehen und daß in europäischen Großstädten prozentual mehr Moslems wohnen als auf dem flachen Land.



Am Wochenende wurde eine Untersuchung in den Medien diskutiert, die sich mit Fällen von Leukämie bei Kindern befaßte, die im Umkreis von AKWs wohnen. Dazu berichtet die "Süddeutsche Zeitung":
Die Forscher unter der Leitung der Mainzer Epidemiologin Maria Blettner stellten fest, dass zwischen 1980 und 2003 im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie, erkrankt waren. Im statistischen Durchschnitt seien 48 Krebs- beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten gewesen. Etwa 20 Neuerkrankungen seien also allein auf das Wohnen in diesem Umkreis zurückzuführen.
Wenn die Medizinstatistiker, die diese Untersuchung durchgeführt haben, tatsächlich so argumentiert haben sollten, wie es dieses Zitat besagt, dann hätten sie nicht stringenter argumentiert als jemand, der in Domen Anziehungspunkte für Moslems sieht, weil in ihrem Umkreis eben viele Moslems wohnen.

Nun ist Maria Blettner eine angesehene Wissenschaftlerin. Man sollte erwarten, daß ihre und ihrer Mitarbeiter Untersuchung keine groben methodischen Mängel aufweist, zumal aus ihrer Publikationsliste hervorgeht, daß sie im Bereich der epidemiologischen Krebsforschung ausgewiesen ist.

Aber Genaueres über die jetzigen Daten weiß man nicht. Denn die Untersuchung, die so sehr die Gemüter erregt, ist noch gar nicht publiziert!

Auf der Website der Arbeitsgruppe von Prof. Blettner ist dieses Untersuchungsprojekt zwar verzeichnet - aber in Form einer Projektbeschreibung. Die Ergebnisse werden dort für "Ende 2006" in Aussicht gestellt. Offenbar wurde der Text seit längerem nicht mehr aktualisiert.



Immerhin erfährt man aus dieser Projektbeschreibung Genaueres über die Methodik. Es wurden aus dem deutschen Kinder- Krebsregister Fälle von Kindern entnommen, die im Zeitraum zwischen dem 01.01.1980 ­und dem 31.12.2003 an Krebs erkrankt waren. Zum weiteren Verfahren heißt es:
Im ersten Teil der Studie wird individuell der Abstand der Wohnung der Familie des an Krebs erkrankten Kindes zum Kernkraftwerk ermittelt und mit dem Abstand der Wohnung von zufällig ausgewählten Kontrollfamilien verglichen. Als Studienregionen wurden jeweils mindestens 3 Landkreise in der Umgebung der 15 Leistungsreaktoren in den alten Ländern der Bundesrepublik Deutschland definiert. (...) Im zweiten Teil der Studie wird durch ein standardisiertes computergestütztes telefonisches Interview untersucht, ob potentielle Confounder die in Teil 1 untersuchte Beziehung beeinflussen.
Wenn ich das richtig verstehe, hat man die an Krebs erkrankten Kinder in den ausgewählten Landkreisen rund um ein AKW herausgesucht, dann eine gleich große Anzahl von Kindern aus denselben Landkreisen zufällig ausgewählt und ermittelt, wie weit die Kinder der beiden Gruppen vom AKW entfernt wohnten.

Das scheint auch aus der Fragestellung der Untersuchung hervorzugehen: "Wohnen Familien mit unter 5-jährigen Kindern, bei denen eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde, häufiger in der Nähe von Kernkraftwerken als Familien mit nicht an Krebs erkrankten Kindern?"

Wie die Grenze von 5 km zustandegekommen ist (war sie schon vorher für den statistischen Test festgelegt?) und wie überhaupt die Signifikanz getestet wurde, geht weder aus dieser kurzen Projektbeschreibung hervor, noch aus den bisherigen Zeitungsberichten. Wichtig wäre es vor allem, das Signifikanzniveau zu kennen. Häufig wird das 5-Prozent- Niveau gewählt - dessen Erreichen nicht mehr besagt als: Die Wahrscheinlichkeit, daß dieses Ergebnis zufällig zustande gekommen ist, ist ungefähr so groß, wie daß man zweimal hintereinander eine sechs würfelt. (Diese liegt bei knapp drei Prozent).

Alle diese Einzelheiten sind bisher nicht bekannt. Wie wasserdicht die jetzt publizierten Folgerungen der Untersuchung wirklich sind, wird man also erst erfahren, wenn die Untersuchung zur Publikation eingereicht und peer reviewed (also von Fachleuten, die selbst auf diesem Gebiet forschen, begutachtet) worden ist und sie die eventuellen Einwände der Gutachter überstanden hat.



Und wie ist das nun mit den Moslems, die gehäuft im Umkreis von Domen wohnen?

Die Mainzer Untersucher waren sich dieses Problems offenbar bewußt. Deshalb führten sie den Teil 2 der Untersuchung durch, in dem die Familien der einbezogenen Kinder - der erkrankten wie der gesunden - im Hinblick auf "potentielle Confounder" untersucht wurden.

Gemeint sind damit solche Faktoren wie im Beispiel der Moslems der Umstand, daß jemand, der in der Nähe zu einem Dom wohnt, eben zugleich in einer Großstadt wohnt. Die Variablen "Nähe zum Dom" und "Großstadt" sind also, wie man sagt, konfundiert - man weiß nicht, ob ein beobachteter Effekt an dem einen oder dem anderen Faktor liegt.

In der Mainzer Untersuchung wird man also z.B. nach anderen Risiko- Faktoren gefragt haben, denen ein Kind ausgesetzt gewesen sein könnte - etwa der Nähe zu einer chemischem Fabrik. Was sich dabei ergab, ist offenbar der Öffentlichkeit noch nicht mitgeteilt worden.



Führt man sich diesen Stand der Dinge vor Augen, dann wird deutlich, wie leichtfertig es ist, allein aufgrund bruchstückhafter, noch gar nicht publizierter Daten einer noch gar nicht von Fachleuten begutachteten Untersuchung bereits irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

Und das ist reichlich geschehen, innerhalb weniger Tage. Aus der "Süddeutschen Zeitung":

Reinhard Bütikofer von den "Grünen": "Wir Grüne fordern die beschleunigte Abschaltung gerade der ältesten Atomkraftwerke." Wer noch immer "für einen längeren Betrieb von Atomkraftwerken oder gar deren Neubau eintritt, handelt völlig verantwortungslos".

Hans-Josef Fell, auch er von den "Grünen": "Die etablierte, meist atomfreundliche Wissenschaft hat die Gefahren der Atomenergie bisher maßlos unterschätzt."

Freilich sieht es auf der anderen Seite nicht besser aus. "So sehr ich mir Aufklärung über diese Zusammenhänge von der Wissenschaft erhoffe, so sehr kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Studie die Antipathien gegen die Kernkraft schüren soll", erklärte laut SZ Katharina Reiche von der CDU.

Woher weiß Katharina Reiche das? Woher wissen die Herren Bütikofer und Fell das, was sie behaupten?



Es ist schon ein Kreuz mit der Art, wie Politiker, wie auch Journalisten mit wissenschaftlichen Untersuchungen umgehen, die sie gar nicht kennen und die sie nicht beurteilen könnten, würden sie sie denn kennen.

Den Vogel aber hat wieder einmal der Umweltminister Gabriel abgeschossen.

Aus einer heutigen dpa-Meldung, zitiert nach der FAZ:
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte (...), [die] Strahlenbelastung der Bevölkerung müsste durch den Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland um mindestens das Tausendfache höher sein, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos erklären zu können.
Eine klassische petitio principii. Gabriel setzt das als gegeben voraus, was doch gerade untersucht werden sollte: Ob nicht möglicherweis auch viel geringere Strahlendosen, als bisher angenommen, das Krebsrisiko erhöhen können.

Und dann setzt er noch einen drauf, der Strahlenexperte Gabriel. Statt abzuwarten, bis wirkliche Fachleute sich geäußert haben (nämlich die peer reviewers internationaler Zeitschriften, die allein in der Lage sind, die Qualität einer solchen Untersuchung zu beurteilen), hat Gabriel ausgerechnet die Strahlenschutzkommission (SSK) "mit einer umfassenden Bewertung der Ergebnisse beauftragt".

Ein Gremium, dessen wissenschaftliche Reputation erheblich gelitten hat, seit es der Umweltminister Trittin nach der Regierungsübernahme der Rotgrünen aus zwei früheren Kommissionen neu bildete und vor allem neu besetzte, und zwar überwiegend mit Atomkraftgegnern oder -skeptikern, deren wissenschaftlicher Rang weit unter dem der Fachleute lag, an deren Stelle sie traten.

Kritiker sprachen damals davon, Trittin versuche, "systematisch Sachverstand durch Parteiverstand" zu ersetzen; die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter schrieb, daß es dergleichen bisher "nur im Sowjetreich" gegeben habe.

Zu denjenigen, die Trittins Personalpolitik kritisierten, gehörte die damalige Vorsitzende der SSK. Sie trat aus Protest gegen die Berufung eines fachlich nicht ausgewiesenen Mitgliedes durch Trittin sogar von ihrem Amt zurück.

Der Name dieser aufrechten Wissenschaftlerin, die laut "Welt" als atomfreundlich gilt: Maria Blettner.



Der Vorwurf von Katharina Reiche erscheint also als wenig begründet.

Sollten die Ergebnisse der Mainzer Gruppe methodisch hieb- und stichfest sein, sollte insbesondere die Kontrolle von konfundierenden Faktoren gelungen zu sein - dann wird man zumindest den begründeten Verdacht akzeptieren müssen, daß es die Gefahr einer Verursachung von Leukämie durch AKWs gibt.

Man muß das dann akzeptieren, auch wenn man nicht in den Chor der Grünen und Linken einstimmt. Aber es ist so, wie Freud einmal seinen Lehrer Charcot zitierte. In einem Kolloquium hatte jemand Befunde vorgetragen, und ein anderer wendete dagegen ein, diese Befunde widersprächen der gängigen Theorie. Worauf Charcot sagte: "ça n'empêche pas d'exister" - das hindert nicht, daß es das gibt.



Links zu allen Folgen dieser Serie:
  • 1. Der Sonderweg
  • 2. Kampf dem Atomtod
  • 3. Die APO entläßt ihre Kinder
  • 4. Tschernobyl und die Folgen
  • 5. Verursachen AKWs Leukämie bei Kindern?
  • 6. Seriöse Wissenschaft und ihr Mißbrauch durch Politiker

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    26. November 2007

    Deutschland im Öko-Würgegriff (1): Ein ganz normales Wochenende

    Der Traum des kommunistischen Theoretikers Wolfgang Harich von einer Gesellschaft, in der wir Bürger "mittels Umerziehung und aufklärender Überzeugung, doch, falls nötig, auch durch rigorose Unterdrückungsmaßnahmen" alle zu ökologisch korrekten Menschen gemacht werden, rückt der Erfüllung näher.

    Hier sind drei Meldungen von diesem Wochenende, von einem ganz normalen Wochenende.



    Meldung Nummer eins: "Jeder zweite der rund 14 Millionen deutschen Kamin- oder Kachelöfen muss bald mit einem Rußfilter gegen Feinstaub nachgerüstet oder durch eine neue Anlage ersetzt werden." So sieht es eine geplante Verordnung des Umweltministeriums vor.

    Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Bisher war, wo Feuer ist, meist auch Rauch. Rauch fällt heute unter "Feinstaub" und ist also etwas, das bekämpft werden muß. Nämlich durch einen Filter gefangen, damit er nicht, wie bisher, in die Welt entweicht.

    Seit ungefähr 1,5 Millionen Jahren, seit der Homo Erectus die Nutzung des Feuers erfand, haben Menschen Feinstaub erzeugt, indem sie Holz, später Kohle verbrannten, damit sie es warm hatten, um ihre Nahrung zu bereiten und weil es am Feuer so schön gemütlich ist.

    1,5 Millionen Jahre lang war niemandem unserer Vorfahren bewußt, was er da für eine Sünde beging. (Auch ich habe, nichtsahnend sündigend, in aller Unschuld jahrelang täglich den Ofen im Kinderzimmer bestückt, der allerlei Holz verbrannte, sogar Sägespäne). Der deutschen Bundesregierung des Jahres 2007, repräsentiert durch ihren Umweltminister Gabriel, ist es vorbehalten, dem jetzt ein Ende zu machen.

    Und das wird uns ganz schön treffen, wie alles, was uns unsere Sünden austreibt.

    Denn, so lesen wir es in der FAZ: "Wie sich bei Altöfen der Feinstaubausstoß reduzieren lässt, ist umstritten. So scheidet eine zentrale Filteranlage im Bereich des Schornsteins wegen des unverhältnismäßig hohen Aufwands aus. Woran man denkt, sind Filter, die zwischen Ofen und Schornstein installiert werden. An solchen Lösungen wird zwar gearbeitet, verfügbar sind sie jedoch noch nicht. Auch Kosten, die mit der Nachrüstung verbunden sind, können daher heute noch nicht benannt werden."

    Macht nichts, verordnet wird erst einmal. Wolfgang Harich dürfte auf seiner Wolke sitzen und vergnügt lächeln.



    Meldung Nummer zwei: "Hermann Scheer ... will den Atomkraftwerks- Block Biblis A nicht wieder ans Netz gehen lassen. 'Biblis A ist gegenüber den Gefahren des Atomterrorismus das größte anzunehmende Risiko und muss deshalb definitiv abgeschaltet bleiben', sagte Scheer am 26. November." Diese Meldung ging heute durch die Medien, hier zitiert nach der Internet- Zeitung "ngo-online".

    Wenn es nach Scheer, Bundestagsabgeordneter und "Energieexperte" der SPD, ginge, dann würden wir also vor dem Terrorismus sozusagen vorauseilend kapitulieren. Nach dem Prinzip: Wenn die Gefahr besteht, daß Terroristen ein Objekt angreifen - dann beseitigen wir eben dieses Objekt.

    Die Amerikaner sind noch nicht so weit; dort wird ja auf Ground Zero wieder gebaut.

    Wie ist dem Hermann Scheer diese Idee gekommen, das AKW Bliblis A zu schließen, damit Terroristen es nicht mit unabsehbaren Folgen angreifen können? Nun, eine Vereinigung namens Eurosolar hat beim hessischen Öko- Institut Darmstadt eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die zu dem Ergebnis kommt, daß ein Terrorangriff auf Biblis A Radioaktivität freisetzen würde, die bis nach Berlin, Prag, Paris gelangen könnte.

    Diese Untersuchung stellte Hermann Scheer in Wiesbaden vor.

    Warum gerade er? Nun, er ist Präsident von Eurosolar.

    Aber warum gerade in Wiesbaden, der Hauptstadt Hessens, wo doch Eurosolar seinen Sitz in Bonn hat? Und wo doch Scheer Abgeordneter des Wahlkreises 265 (Waiblingen) in Baden- Württemberg ist?

    Nun, Hermann Scheer ist - so steht es in der eingangs zitierten Meldung dort, wo ich die Auslassungs- Pünktchen gesetzt habe - Schattenminister von Andrea Ypsilanti (SPD) in Hessen. Also Wahlkämpfer zu den bevorstehenden Landtagswahlen. So fügt sich alles zusammen - die Untersuchung eines hessischen Öko-Instituts über ein hessisches AKW, in Auftrag gegeben von einem Bonner Institut, dessen Vorsitzender ein württemberger Abgeordneter ist.

    Wolfgang Harich dürfte auf seiner Wolke sitzen und breit grinsen.



    Meldung Nummer drei: "Die Grünen wollen den Weg in die 'solare Gesellschaft' ebnen. Sie verabschiedeten ein Programm für 'Klimaschutz ohne Wenn und Aber'. Dieser soll Grundlage jeglicher Politik sein und als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen werden. Neben dem Atomausstieg fordern die Grünen auch einen Ausstieg aus der Kohle." So kann man es zum Beispiel heute in der net tribune lesen.

    Sehen Sie nun, lieber Leser, wie sich überhaupt alles zusammenfügt? Die AKWs werden abgeschaltet. Die Kohlekraftwerke werden abgeschaltet. Wer glaubt, er käme angesichts der damit logischerweise massiv steigenden Strompreise davon, indem er zu Hause mit Holz heizt, dem wird das ebenfalls durch drakonische Vorschriften vermiest.

    Kurz, "mittels Umerziehung und aufklärender Überzeugung, doch, falls nötig, auch durch rigorose Unterdrückungs- maßnahmen" wird man uns, siehe oben, schon die ökologische Korrektheit beibringen.

    Wolfgang Harich dürfte auf seiner Wolke sitzen und sich laut lachend auf die Schenkel klopfen.




    Dies ist die erste Folge einer Serie, die, wie ich fürchte, viele Folgen haben wird.

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