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7. Januar 2010

Gorgasals Kleinigkeiten: Die Opportunitätskosten des Klimaschutzes

In der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet man als Opportunitätskosten den Nutzen, der einem entgeht, wenn man Ressourcen für eine Alternative einsetzt und damit andere mögliche Verwendungen dieser Ressourcen ausschließt. Wenn ich mir ein neues Auto kaufe, dann kann mir für das Geld keinen Urlaub auf den Malediven leisten. Wenn ich abends mit meinen Kindern spiele, dann kann ich mich in dieser Zeit nicht fortbilden, um meine Karriere zu fördern.

"Ressourcen" sind hier weit gefasst. Ressourcen sind nicht nur Geld, Öl und Eisenerz, sondern auch (Arbeits-)Zeit. Oder im Umweltschutz: Aufmerksamkeit.

Seit einigen Jahren besteht Umweltschutz fast nur noch aus "Klimaschutz". Emissionen kommen nur noch unter dem Gesichtspunkt des Treibhauseffekts in die Nachrichten. Wann haben Sie das letzte Mal einen Artikel darüber gelesen, dass irgendwo auf der Welt ein Industrieunternehmen sein Abwasser ungeklärt in einen Fluss laufen lässt?

In Mitteleuropa können wir es uns leisten, uns weniger für die Entschwefelung von Industrieabgasen zu interessieren und unsere Aufmerksamkeit auf Kohlendioxid zu konzentrieren. In China hingegen gibt es viel dringendere Umweltprobleme als den CO2-Ausstoß (Achtung: diese Bilder sind teilweise nichts für empfindliche Gemüter!).

Die meisten der Probleme in China sind mit moderner Technik lösbar. Aber hören wir etwas von diesen Umweltkatastrophen mit ganz konkreten Opfern? Nein. Wir lesen nur davon, dass die bösen Chinesen in Kopenhagen ein Abkommen zum Klimaschutz verhindert haben. Und wir versuchen, China zur Reduktion seiner CO2-Emissionen zu überreden, statt bei der Aufrüstung der teilweise maroden Industrie auf modernere Umweltstandards zu helfen.

Die Opportunitätskosten der westlichen Klimahysterie sind (zum Teil), dass viel gravierendere Probleme aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwinden.



© Gorgasal. Die Inspiration zu diesem Beitrag verdanke ich einem Hinweis von Zettel auf eine Stellungnahme von Prof. Dr. Horst Malberg, ehem. Direktor des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin, insbesondere dem letzten Absatz in diesem Dokument. Den Link auf die China-Bilder habe ich von Warren Meyers Coyote Blog. Für Kommentare bitte hier klicken.

15. Februar 2009

Zitate des Tages: Wer lag richtig in Bezug auf das Protokoll von Kyoto - der Weltklimarat oder Präsident George W. Bush?

Der Hauptgrund für den rasanten Anstieg der CO2-Emissionen sei die immer schneller um sich greifende Nutzung von Kohle zur Energiegewinnung, insbesondere in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie Indien und China.

Christopher Fields, "einer der führenden Mitarbeiter des Uno- Weltklimarats IPCC", laut einem heutigen Bericht in "Spiegel- Online".

As you know, I oppose the Kyoto Protocol because it exempts 80 percent of the world, including major population centers such as China and India, from compliance

(Wie Sie wissen, lehne ich das Kyoto-Protokoll ab, weil es 80 Prozent der Welt, darunter wichtige Bevölkerungs- Zentren wie China und Indien, davon ausnimmt, sich ihm zu unterwerfen.)

Präsident George W. Bush in einem Brief an US-Senatoren am 13. März 2001

Kommentar: Was Präsident Bush 2001 wußte, das wußte auch jeder Fachmann im IPCC: Wenn denn eine Reduktion des CO2- Ausstoßes das Ziel ist, dann kann dieses Ziel nicht erreicht werden, wenn sich die klassischen Industrieländer selbst Beschränkungen auferlegen, während die sich industrialisierenden Länder ihren CO2- Ausstoß drastisch hochfahren.

Bush wurde wegen seiner Ablehnung des Protokolls von Kyoto geschmäht und angefeindet. Heute ist offensichtlich, daß er Recht gehabt hatte.

Christopher Fields seinerseits wirkt laut "Spiegel- Online" "erstaunlich gut gelaunt".

Wirklich erstaunlich, denn der IPCC hat mit seinen Prognosen nach Fields Eingeständnis so schlimm danebengelegen, wie man überhaupt nur danebenlieben kann:
"Inzwischen liegen die Prognosen des menschlichen CO2- Ausstoßes außerhalb dessen, was man bei der Erstellung des IPCC-Berichts von 2007 für möglich gehalten hätte", meint Field. "Wir haben es in der Zukunft mit einem Klima zu tun, das weit über alles hinausgeht, was wir auf Basis von Simulationen bisher ernsthaft erwogen haben."
Mit anderen Worten, diese Prognosen haben nichts getaugt. Warum sollten die heutigen besser sein?



Für Kommentare bitte hier klicken.

21. Juli 2008

Marginalie: Wie die Amerikanische Physikalische Gesellschaft mit einem Klimaskeptiker verfuhr

Es geht nur um eine kurze Notiz in einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift. Aber was im American Thinker Marc Sheppard am Samstag beschrieben hat, ist doch ein kleiner Skandal.

Jedenfalls wirft der Vorgang ein Schlaglicht auf die Art, wie in der Scientific Community mit Autoren umgegegangen wird - oder sagen wir vorsichtiger: umgegangen werden kann -, die eine "klimaskeptische" Position einnehmen. Womit bekanntlich nicht gemeint ist, daß sie dem Klima skeptisch gegenüberstehen, sondern daß sie Zweifel an der Standard- Story von der vom Menschen verursachten, auf einem Treibhauseffekt basierenden globalen Erwärmung artikulieren.



Was mich angeht - ich bin kein Klimaskeptiker in diesem Sinn. Ich verstehe nichts von Klimaforschung und sehe mich außerstande, in Bezug auf ein so hochspezialisiertes, interdisziplinäres und mit komplexen mathematischen Modellen arbeitendes Forschungsgebiet eine Meinung zu haben.

Also bin ich kein Klimaskeptiker, sondern ein Klimagnostiker: Ich traue mir kein Urteil darüber zu, ob sich das Klima gegenwärtig erwärmt (wofür wohl viel spricht), ob es sich künftig erwärmen wird (was die meisten Modelle vorhersagen; vielleicht stimmen sie, vielleicht nicht) und wenn ja, wieweit dafür ein menschengemachter Treibhauseffekt ursächlich ist.

Das alles weiß ich nicht. Ich weiß aber so ungefähr, wie Wissenschaft funktioniert. Nämlich unter anderem so, daß es zu bestimmten Themen häufig das gibt, was man "das Standardmodell", "conventional wisdom", "a widely held view", die "herrschende Auffassung" und dergleichen nennt - eine Auffassung, die von der Mehrheit der Fachleute zu einem bestimmten Zeitpunkt geteilt wird.

Manchmal erhärtet sich diese wissenschaftliche Position im Lauf der Forschung so, daß sie nah an Gewißheit heranreicht; wie zum Beispiel bei der Darwin'schen Evolutionstheorie. Manchmal erweist sie sich als irrig, wie beim Äther, dessen Existenz bis zum Experiment von Michelson und Morley im Jahr 1887 als sicher galt. Am Häufigsten ist es, daß ein solches Standard- Modell in seinem Kern Bestand hat, aber modifiziert und differenziert wird, wie etwa das Atommodell von Niels Bohr.

Welches dieser möglichen Schicksale einem Standard- Modell, einer herrschenden Meinung widerfährt, das ist trivialerweise offen. Es entscheidet sich erst im weiteren Forschungsprozeß.

Folglich gehört es es zu dessen Grundregeln, daß diejenigen, die der herrschenden Meinung skeptisch gegenüberstehen, dieselbe Stimme, gleiche Publikationsmöglichkeiten, dasselbe Anrecht auf vorurteilsfreie Diskussion ihrer Argumente haben wie seine Anhänger. Nur so kann ja herausgefunden werden, wie es mit der Richtigkeit dieses Modells, dieser Meinung bestellt ist.

Das gilt für Fachwissenschaftler; aber es gilt auch für Laien, die sich in die betreffende Materie eingearbeitet haben und die sich ein Urteil zutrauen. Es gilt zum Beispiel für Al Gore, der kein Klimatologe ist, der aber das Recht hat, daß seine Meinung zur globalen Erwärmung ernstgenommen wird. Ebenso gilt es für einen seiner Antipoden, den britischen Viscount Christopher Monckton of Brenchley.



Soweit eine kleine Erinnerung an das, was eigentlich so selbstverständlich sein sollte, daß es überflüssig sein müßte, daran zu erinnern.

So ist es aber nicht.

Vergangenes Jahr war hier zu lesen, wie das Umwelt- Bundesamt mit der Meinung von Klimaskeptikern verfährt: Nämlich so, wie die römische Inquisition mit dem Galileo Galilei verfahren ist; wenn auch vorläufig ohne deren Machtmittel.

Und jetzt also der Fall in den USA, über den Marc Sheppard berichtet. Es geht um einen Aufsatz im Forum on Physics and Society, einer Internet- Zeitschrift, die von der American Physical Society (APS) herausgegeben wird, der wissenschaftlichen Vereinigung amerikanischer (und vieler internationaler) Physiker.

Die Herausgeber dieser Zeitschrift hatten Autoren eingeladen, ihre Thesen zur globalen Erwärmung in jeweils einem Aufsatz zusammenzufassen; auf der einen Seite die Anhänger des Standard- Modells David Hafemeister und Peter Schwartz und auf der anderen Seite den Klimaskeptiker Christopher Monckton of Brenchley. Wie gesagt, kein Klimaforscher; er hat Altphilologie und Jurnalistik studiert. In der Klimadebatte spielt er, jedenfalls im UK, eine ähnliche Rolle wie Al Gore, nur eben auf der anderen Seite.

Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Ihnen vorschlagen, auf diese WebSite zu gehen. Dort finden Sie den Artikel, um den es geht. Und ganz zu Beginn finden Sie das Skandalöse, nämlich einen redaktionellen Vorspann, rot gedruckt:
The following article has not undergone any scientific peer review. Its conclusions are in disagreement with the overwhelming opinion of the world scientific community. The Council of the American Physical Society disagrees with this article's conclusions.

Der folgende Artikel ist nicht von Experten begutachtet worden. Seine Schlußfolgerungen stehen im Widerspruch zu der überwältigenden Meinung der weltweiten Gemeinschaft der Wissenschaftler. Der Beirat der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft stimmt mit den Folgerungen dieses Artikels nicht überein.
Da haben wir ihn, den Skandal.

Es steht einer Zeitschrift frei, einen eingereichten oder eingeladenen Artikel einem wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren zu unterziehen und ihn dann, wenn die Gutachten negativ ausfallen, abzulehnen. Sie kann selbstverständlich auch dann, wenn sie einen Artikel als kontrovers einstuft, einen Beitrag anderer Autoren hinzusetzen, der die Gegenmeinung vertritt. Der Leser kann sich dann frei seine Meinung bilden.

Aber einen Artikel zur Publikation anzunehmen und dann ex kathedra in einem Vorspann ein negatives Urteil zu fällen - das ist nicht nur völlig unüblich, sondern es ist inakzeptabel. Zumal, so berichtet Marc Sheppard, dieser Vorspann erst nach einigen Tagen dem Artikel vorangestellt wurde. Da dürfte also ein Hintergrund aufklärungsbedürftig sein.

Und zumal Monckton vehement bestreitet, daß sein Manuskript nicht begutachtet worden sei. Er habe ein ausführliches Gutachten von einem Physiker erhalten, dessen Kritik und Verbesserungsvorschläge er bei der Revision des Manuskripts Punkt für Punkt berücksichtigt habe.

Der Brief Moncktons, in dem das steht, ist am Ende des Artikels von Sheppard zu finden. Darin stellt Monckton auch die sehr berechtigten Fragen, wer auf welcher Sitzung des Beirats der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft das vernichtende Verdikt über seinen Artikel gefällt habe und welche von dessen Schlußfolgerungen denn eigentlich von diesem Beirat zurückgewiesen würden.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

13. Juli 2008

Zitat des Tages: Michael O'Leary (Ryanair) sagt, wie es ist

WELT ONLINE: Macht die EU Ihnen das Leben schwer?

O'Leary: Natürlich. Bis vor 20 Jahren war sie ganz wichtig in der Deregulierung. Sie half, die nationalen Monopole zu brechen. In den letzten zehn Jahren hat sie dann verzweifelt versucht, die Regulierung wieder einzuführen. Die Einflussnahme nimmt zu, die Steuern steigen, durch den Emissionshandel werden die Preise steigen. Wir werden uns in Europa dank dieser wunderbaren Kommission noch zu Tode besteuern, während das weder Amerikaner, Russen oder Chinesen tun.

WELT ONLINE: Wie erklären Sie sich das?

O'Leary: Inkompetente Bürokraten und Politiker sind daran schuld. Durch diesen umweltpolitischen Quatsch rutschen wir vielleicht in eine Rezession. Warum? Weil Bürokraten und Politiker mit den wirklichen Dingen des Lebens nichts zu tun haben.


Aus einem Interview, das Andreas Seibel für "Welt Online" mit dem Gründer und Besitzer von Ryanair führte.

Kommentar: Gerade hat ja Michael O'Leary die Regulierungswut, die er beklagt, am eigenen Leib erfahren, als kein Geringerer als das Europäische Parlament festlegte, wo in einem Internet- Buchungsformular der Kunde ein Häkchen einfügen und wo er es wegklicken darf, soll oder muß.

Ansonsten: So wie O'Leary spricht ein freier Bürger eines freien Landes. Wenn man dieses Interview liest, dann versteht man besser, warum die Iren den Vertrag von Lissabon abgelehnt haben.



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9. Juli 2008

Deutschland im Öko-Würgegriff (10): Halo Saibold, die verkannte Prophetin. Quod licet Jovi non licet bovi

Erinnern Sie sich noch an Halo Saibold?

Ja, Halo. Ich muß zugeben, daß mir dieser schöne Vorname nicht mehr präsent war; auch nicht der Nachname; auch nicht das Jahr, in dem Halo Saibold bundesweit zu einer wenn auch kurzzeitigen Berühmtheit gelangte.

Ich erinnerte mich nur noch, daß da eine Grüne gewesen war, tourismuspolitische Sprecherin ihrer Partei oder Fraktion oder so etwas Ähnliches, die sich innerhalb und außerhalb ihrer Partei lächerlich gemacht hatte; die in ihrer Partei sogar in größte Schwierigkeiten gekommen war. Und zwar mit dem Vorschlag, die Deutschen sollten nur noch alle fünf Jahre eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug machen. Wegen der Umweltbelastung durch's Fliegen.

Das, dachte ich, ist doch ein schönes Thema für meine Serie zum Öko- Würgegriff: Wie man noch vor einigen Jahren mit einer derartigen Anregung eine politische Bruchlandung hinlegen konnte; selbst bei den Grünen. Und wie heute diejenige, die das forderte, in eine Reihe mit dem Propheten der Ökodiktatur Wolfgang Harich zu stellen ist; wenn auch vielleicht nicht mit ganz demselben intellektuellen Rang.



Also, nach dem Namen dieser Politikerin suchte ich gestern, und nach Einzelheiten über die damalige Affäre. Und siehe - ein Journalist der taz hatte mir die Arbeit schon abgenommen, Philipp Gessler, der in einem langen Artikel, der auch die Lebensumstände von Halo Saibald erzählt, daran erinnert, wie das damals gewesen ist.

Es war im Jahr 1998; im Wahljahr also. Im Jahr jener Wahl zum Bundestag, bei der die Grünen so stark zu werden hofften, daß sie eine rotgrüne Koalition mit der SPD würden bilden können.

Ausgerechnet im Vorfeld dieser Wahlen erschien am 22. März die "Bild- Zeitung" mit der Schlagzeile: "Grüne: Urlaubs-Flüge müssen teurer werden!" Zitiert wurde Halo Saibold mit dem Vorschlag, weniger oft, aber dafür dann länger per Flieger zu verreisen. Und dann stand da der Satz, der in den Tagen danach den Grünen so viel Ärger machen sollte: "Es reicht vollkommen aus, wenn die Deutschen nicht jedes Jahr, sondern nur alle fünf Jahre eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug machen."

Es erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Flugs distanzierten sich die Granden der Grünen von Halo Saibold. "Bundestagsabgeordnete bekommen auch deshalb 18.000 Mark, damit sie mal die Klappe halten" wurde Joschka Fischer zitiert. In einem "Spiegel"- Gespräch sagte er: "Die Kollegin Halo Saibold - und sie trägt schwer daran - ist der individuellen Überzeugung, es wäre sinnvoll, Flugreisen seltener zu unternehmen". Jürgen Trittin sprach von einem "großen Schwachsinn": "Ich mach' schon kein Wochenende. Da will ich wenigstens zweimal im Jahr in Urlaub."

Und Kerstin Müller, damals Fraktionssprecherin der Grünen, sagte, wie es ist: "Furchtbar. Ein solcher ökodiktatorischer Ton ist sehr kontraproduktiv."



Ein ökodiktatorischer Ton. Wie wahr. Nur war er ein leises Säuseln gegen das, was inzwischen an ökodiktatorischen Tönen von allen Seiten auf uns eindringt.

Getern stand auf der Startseite der "taz" unter "Entscheidung des Tages" eine Umfrage mit folgendem Text:
Schon ein Flug nach Mallorca belastet das Klima so stark wie ein Jahr Autofahren - von Flügen in die Karibik ganz zu schweigen. Darf man angesichts des Klimawandel noch in der Ferne Urlaub machen?
  • Ja. Man kann es auch übertreiben. Der Tourismus hilft den armen Ländern.

  • Na ja. Es muss ja nicht die Karibik sein. Aber einmal im Jahr Mallorca ist okay.

  • Ostsee oder Alpen tun es auch. Bequemer kann man das Klima nicht schonen.
  • Wie die Abstimmung ausgegangen ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen, denn inzwischen ist sie durch eine andere ersetzt worden.

    Anlaß für die Abstimmung dürfte jedenfalls eine Meldung gewesen sein, die gestern durch die Medien ging. Dort, beispielsweise im "Tagesspiegel", las man von einer "Studie, die das Öko-Institut im Auftrag des Umweltverbands WWF erarbeitet hat".

    Eine Studie - Sie ahnen es - darüber, wie viel Schaden wir Deutsche mit unseren Reisen der Umwelt zufügen. Das nicht unbedingt sehr überraschende Fazit: "Der WWF empfiehlt deshalb jedem Touristen, sich über die Folgen seiner Reisepläne bewusst zu werden. Je näher das Reiseziel, desto besser fürs Klima. Wenn auf Flugzeug oder Auto verzichtet werden kann, umso besser".



    "WWF", was heißt das doch gleich? Richtig, World Wildlife Fund. Genauer, so hieß diese Organisation früher; inzwischen World Wide Fund for Nature, weltweiter Fonds für die Natur. Eine Organisation also, die sich um die Artenvielfalt kümmert. Braucht man da nicht auch den Ferntourismus, der Geld in die Länder Afrikas, Asiens, Ozeaniens bringt? Dazu der "Tagesspiegel":
    WWF-Sprecher Ralph Kampwirth sagt dazu: "Für uns ist das kein Widerspruch. Wir geben aber zu, dass auch wir keine endgültigen Antworten haben." Kampwirth weist zudem darauf hin, dass die "Reisen in WWF- Projektregionen ein kleines Marktsegment" seien. Diese Reisen könnten auch nicht "massenhaft" verkauft werden.
    Mit anderen Worten: Die Zielgruppe, der das Fernreisen vermiest werden soll, sind die TUI-Touristen, die All- Inclusive- Urlauber, die es in die Dominikanische Republik zieht oder an die Playa del Inglès auf Gran Canaria. Sie, die Massen - in der DDR nannte man sie "unsere Menschen" - sollen dazu erzogen werden, "sich über die Folgen [ihrer] Reisepläne bewußt zu werden". Nicht die Öko- Touristen, die schon mal in die Zentralafrikanische Republik jetten, um sich dort am Regenwald- Schutzgebiet Dzanga- Shanga zu erfreuen.

    Quod licet Jovi non licet bovi. Das war schon vor zehn Jahren so, als Halo Saibold touristische Askese predigte. In der Legislaturperiode, an deren Ende sie ihren Alle- fünf- Jahre- Vorschlag machte, hatte sie - so berichtet es damals genüßlich der "Spiegel" in Heft 14/1998 vom 30.3. 1998 - unter anderem, streng dienstlich natürlich, Flugreisen auf die Malediven, nach Japan, Brasilien und Lanzarote unternommen. Sogar nach London und Prag hatte sie den Flieger genommen.



    Links zu den früheren Folgen dieser Serie findet man hier. Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

    15. Dezember 2007

    Marginalie: Mein (Un-) Wort des Jahres 2008

    Bis heute war mir entgangen, daß es dieses Wort überhaupt gibt. Aber im ZDF sprach es Peter Kunz, Ostasien- Korrespondent des ZDF und gegenwärtig zur Konferenz nach Bali entsandt, mit so großer Selbstverständlichkeit aus, daß ich dachte: Das ist schon lange ein gängiges Wort, nur bin ich ihm irgendwie nie begegnet.

    Das Wort lautet: "Neue Weltklimaordnung".

    Als ich gegoogelt habe, stellte sich schnell heraus, daß es sich doch nicht um einen eingeführten Begriff handelt. Im deutschen Web liefert Google nur die obskure Rezension eines obskuren Buchs eines obskuren Autors namens Mohssen Massarrat. Wenn man im internationalen Web nach Begriffen wie "world climate order", "international climate order" oder "global climate order" sucht, ist die Ausbeute nur mäßig größer.



    Mir scheint, Peter Kunz hat mit seinem beiläufig eingeführten Begriff eine Pioniertat vollbracht.

    Er hat einem Begriff zu medialem Gehör verholfen, den wir brauchten, der uns fehlte - nur, wir hatten es nicht gemerkt.

    Solche Lücken gibt es ja. Leibniz hatte von einer Characteristica Universalis geträumt, einer Kunstsprache, in der jedem Objekt, jedem Begriff genau ein Symbol zugeordnet ist. Natürliche Sprachen sind nicht so. Es gibt für dasselbe Gemeinte oft viele Wörter. Aber es gibt auch Gemeintes, zu dem das Wort fehlt.

    Ich glaube, es war Robert Gernhardt, der einmal darauf aufmerksam gemacht hat, daß wir im Deutschen für den Zustand, keinen Hunger zu haben, das Wort "satt" haben, daß uns aber ein entsprechendes Wort für den Zustand fehlt, keinen Durst zu haben.

    Ganz ähnlich haben wir für das verstiegene Bestreben, aus einer Ideologie heraus der ganzen Welt ein bestimmtes Wirtschaftsmodell aufzuzwingen, schon lange das Wort "Neue Weltwirtschaftsordnung". Für das entsprechende Bestreben in Bezug auf das Weltklima fehlte uns bisher das Wort.

    Nun haben wir es. Jetzt, im zu Ende gehenden Jahr 2007, ist es noch ein zartes Pflänzchen. Aber vielleicht wird es ja im kommenden Jahr aufblühen, das Wort "Neue Weltklimaordnung". Und wer weiß, vielleicht kann ich ja mit dieser kleinen Marginalie ein wenig dazu beitragen, daß das so sein wird.

    So daß es, wenn alles gut geht, von der "Deutschen Gesellschaft für Sprache" dann in einem Jahr gekürt werden kann.

    Zum "Wort des Jahres"? Oder vielleicht doch besser zum "Unwort des Jahres"?

    Unwort des Jahres, ja, das wäre schön. Kaum eine menschliche Allmachts- Phantasie, kein totalitäres Programm ist ja so bisher so weit gegangen wie der Plan, das Weltklima einer neuen Ordnung zu unterwerfen.

    Aber ich fürchte, kaum jemand wird merken, was für ein monströses Wort das ist, "Neue Weltklimaordnung".

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    26. November 2007

    Deutschland im Öko-Würgegriff (1): Ein ganz normales Wochenende

    Der Traum des kommunistischen Theoretikers Wolfgang Harich von einer Gesellschaft, in der wir Bürger "mittels Umerziehung und aufklärender Überzeugung, doch, falls nötig, auch durch rigorose Unterdrückungsmaßnahmen" alle zu ökologisch korrekten Menschen gemacht werden, rückt der Erfüllung näher.

    Hier sind drei Meldungen von diesem Wochenende, von einem ganz normalen Wochenende.



    Meldung Nummer eins: "Jeder zweite der rund 14 Millionen deutschen Kamin- oder Kachelöfen muss bald mit einem Rußfilter gegen Feinstaub nachgerüstet oder durch eine neue Anlage ersetzt werden." So sieht es eine geplante Verordnung des Umweltministeriums vor.

    Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Bisher war, wo Feuer ist, meist auch Rauch. Rauch fällt heute unter "Feinstaub" und ist also etwas, das bekämpft werden muß. Nämlich durch einen Filter gefangen, damit er nicht, wie bisher, in die Welt entweicht.

    Seit ungefähr 1,5 Millionen Jahren, seit der Homo Erectus die Nutzung des Feuers erfand, haben Menschen Feinstaub erzeugt, indem sie Holz, später Kohle verbrannten, damit sie es warm hatten, um ihre Nahrung zu bereiten und weil es am Feuer so schön gemütlich ist.

    1,5 Millionen Jahre lang war niemandem unserer Vorfahren bewußt, was er da für eine Sünde beging. (Auch ich habe, nichtsahnend sündigend, in aller Unschuld jahrelang täglich den Ofen im Kinderzimmer bestückt, der allerlei Holz verbrannte, sogar Sägespäne). Der deutschen Bundesregierung des Jahres 2007, repräsentiert durch ihren Umweltminister Gabriel, ist es vorbehalten, dem jetzt ein Ende zu machen.

    Und das wird uns ganz schön treffen, wie alles, was uns unsere Sünden austreibt.

    Denn, so lesen wir es in der FAZ: "Wie sich bei Altöfen der Feinstaubausstoß reduzieren lässt, ist umstritten. So scheidet eine zentrale Filteranlage im Bereich des Schornsteins wegen des unverhältnismäßig hohen Aufwands aus. Woran man denkt, sind Filter, die zwischen Ofen und Schornstein installiert werden. An solchen Lösungen wird zwar gearbeitet, verfügbar sind sie jedoch noch nicht. Auch Kosten, die mit der Nachrüstung verbunden sind, können daher heute noch nicht benannt werden."

    Macht nichts, verordnet wird erst einmal. Wolfgang Harich dürfte auf seiner Wolke sitzen und vergnügt lächeln.



    Meldung Nummer zwei: "Hermann Scheer ... will den Atomkraftwerks- Block Biblis A nicht wieder ans Netz gehen lassen. 'Biblis A ist gegenüber den Gefahren des Atomterrorismus das größte anzunehmende Risiko und muss deshalb definitiv abgeschaltet bleiben', sagte Scheer am 26. November." Diese Meldung ging heute durch die Medien, hier zitiert nach der Internet- Zeitung "ngo-online".

    Wenn es nach Scheer, Bundestagsabgeordneter und "Energieexperte" der SPD, ginge, dann würden wir also vor dem Terrorismus sozusagen vorauseilend kapitulieren. Nach dem Prinzip: Wenn die Gefahr besteht, daß Terroristen ein Objekt angreifen - dann beseitigen wir eben dieses Objekt.

    Die Amerikaner sind noch nicht so weit; dort wird ja auf Ground Zero wieder gebaut.

    Wie ist dem Hermann Scheer diese Idee gekommen, das AKW Bliblis A zu schließen, damit Terroristen es nicht mit unabsehbaren Folgen angreifen können? Nun, eine Vereinigung namens Eurosolar hat beim hessischen Öko- Institut Darmstadt eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die zu dem Ergebnis kommt, daß ein Terrorangriff auf Biblis A Radioaktivität freisetzen würde, die bis nach Berlin, Prag, Paris gelangen könnte.

    Diese Untersuchung stellte Hermann Scheer in Wiesbaden vor.

    Warum gerade er? Nun, er ist Präsident von Eurosolar.

    Aber warum gerade in Wiesbaden, der Hauptstadt Hessens, wo doch Eurosolar seinen Sitz in Bonn hat? Und wo doch Scheer Abgeordneter des Wahlkreises 265 (Waiblingen) in Baden- Württemberg ist?

    Nun, Hermann Scheer ist - so steht es in der eingangs zitierten Meldung dort, wo ich die Auslassungs- Pünktchen gesetzt habe - Schattenminister von Andrea Ypsilanti (SPD) in Hessen. Also Wahlkämpfer zu den bevorstehenden Landtagswahlen. So fügt sich alles zusammen - die Untersuchung eines hessischen Öko-Instituts über ein hessisches AKW, in Auftrag gegeben von einem Bonner Institut, dessen Vorsitzender ein württemberger Abgeordneter ist.

    Wolfgang Harich dürfte auf seiner Wolke sitzen und breit grinsen.



    Meldung Nummer drei: "Die Grünen wollen den Weg in die 'solare Gesellschaft' ebnen. Sie verabschiedeten ein Programm für 'Klimaschutz ohne Wenn und Aber'. Dieser soll Grundlage jeglicher Politik sein und als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen werden. Neben dem Atomausstieg fordern die Grünen auch einen Ausstieg aus der Kohle." So kann man es zum Beispiel heute in der net tribune lesen.

    Sehen Sie nun, lieber Leser, wie sich überhaupt alles zusammenfügt? Die AKWs werden abgeschaltet. Die Kohlekraftwerke werden abgeschaltet. Wer glaubt, er käme angesichts der damit logischerweise massiv steigenden Strompreise davon, indem er zu Hause mit Holz heizt, dem wird das ebenfalls durch drakonische Vorschriften vermiest.

    Kurz, "mittels Umerziehung und aufklärender Überzeugung, doch, falls nötig, auch durch rigorose Unterdrückungs- maßnahmen" wird man uns, siehe oben, schon die ökologische Korrektheit beibringen.

    Wolfgang Harich dürfte auf seiner Wolke sitzen und sich laut lachend auf die Schenkel klopfen.




    Dies ist die erste Folge einer Serie, die, wie ich fürchte, viele Folgen haben wird.

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    13. September 2007

    Marginalie: Angela Merkel, die Ökosozialistin

    Als ich die Überschrift "Die Ökosozialistin" der aktuellen Kolumne von Peter Ehrlich, Chef- Korrespondent der "Financial Times Deutschland", las, erwartete ich eine harsche Abrechnung mit der Klima- Politik der Kanzlerin. Aber surprise, surprise ...

    Die Kanzlerin hat, so schreibt Ehrlich, vorgeschlagen, langfristig darauf hinzuarbeiten, daß sich der Pro- Kopf- Ausstoß von CO2 zwischen Industrie- und Entwicklungs- Ländern angleicht.

    Mit anderen Worten: Der Ausstoß in den USA und Europa müßte drastisch gesenkt, der in den meisten anderen Ländern dürfte noch erheblich gesteigert werden. Ehrlich merkt zu dieser Idee an:
    Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Verteilung von Gütern, die jeder braucht. Konsequent zu Ende gedacht, würden Traditionen des weltweiten Kapitalismus infrage gestellt.
    Also müßte er, ein Leitender Redakteur der FTD, doch dagegen sein, nicht wahr? Das ist er aber nicht. Er diskutiert zwar Schwierigkeiten, zu erwartende Widerstände, mögliche kontraproduktive Folgen, aber seine Schlußfolgerung lautet:
    Die Klimaproblematik erinnert daran, dass der reichere Teil der Welt seinen Reichtum partiell ungerechter Verteilung verdankt. Wirksamer Klimaschutz heißt Umverteilung, die auch für die Reichen tragbar ist, weil am Ende alle gewinnen.
    Und ein "einleuchtendes Klimaprinzip" nennt Ehrlich Angela Merkels Idee. Das in der FTD zu lesen - das fand ich schon interessant.

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