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2. September 2008

Zitat des Tages: Eine Prognose bis zum Jahr 2100

Nach jahrelanger Rechenarbeit ist die Wahlprognose der Bundesregierung fertig. In nie erreichter Genauigkeit sagt sie voraus, wie die Wahlen bis 2100 ausgehen - im Bund und Bundesland für Bundesland.

Aus einem Artikel heute in "Spiegel- Online".

Nein, nur fast aus "Spiegel- Online". Ich habe jetzt auch mal ein wenig manipuliert.

Genau genommen heißt es dort natürlich:

Nach jahrelanger Rechenarbeit ist die Klimaprognose der Bundesregierung fertig. In nie erreichter Genauigkeit sagt sie voraus, wie sich das Klima bis 2100 verändert - Region für Region.



Kommentar: In der Tat "in nie erreichter Genauigkeit". So genau ist das Nichtwissen einer Disziplin noch nie in bunte Bilder gegossen worden.

Mathematische Modelle werden in vielen Disziplinen eingesetzt. Sie sind in verschiedener Hinsicht nützlich:

Sie erlauben es vor allem, zu präzisieren, was genau aus bestimmten Annahmen folgt. Sie quantifizieren diese Annahmen. Sie machen unerwartete Konsequenzen dieser Annahmen erkennbar; etwa Interaktionen, an die man gar nicht gedacht hatte.

Sie erlauben es, theoretische Aussagen mit empirischen Daten zu verknüpfen und damit zu untersuchen, wie eine Theorie sich verhält, wenn sie auf realistische Bedingungen bezogen wird. Kurz, sie sind ein Instrument der Forschung.

Mathematische Modelle machen auch Vorhersagen, so wie jede Theorie. Das sind aber keine Prognosen im Sinn eines Blicks in die Zukunft, sondern es sind Wenn- dann- Aussagen: "Wenn xyz der Fall ist und die Annahmen ABC stimmen, dann wird x'y'z' eintreten." Solche Aussagen, nur ungleich komplexer, werden in einem mathematischen Modell quantifiziert.

Man kann dann die Bedingungen xyz herstellen, sich anschauen, inwíeweit tatsächlich x'y'z' eintritt; und man wird aufgrund dieses Resultats gegebenenfalls die Annahmen ABC zu A'B'C' modifizien. Oder sie vielleicht ganz verwerfen. Das ist der Sinn solcher Modelle, das ist ihre Funktion für die Forschung.



Mit Klimamodellen ist es nicht anders. Den Fachleuten ist das natürlich klar. Aber das Publikum möchte gern einen Blick in die Zukunft erhaschen. Es mißversteht die Modelle als "Prognosen", wie sie ein Hellseher anbietet.

Freilich widersprechen die Fachleute dem auch oft nicht allzu laut. Kaum eine Disziplin kann sich im Augenblick über so reiche Forschungsmittel freuen wie die Klimatologie. Dafür muß man schon etwas bieten.

Bunte Bilder beispielsweise. Das schaurig- schöne Gefühl des Betrachters, man wisse schon jetzt, daß sich im Zeitraum von 100 Jahren das Klima in den südwestlichen Teilen Sachsens stärker erwärmen wird als im Norden und Osten dieses Bundeslands.

Wer den Artikel bis zum Ende liest, der erfährt, wie die Klimatologen ihre Modelle tatsächlich sehen: "Dennoch wollen sie ihr Szenario für Deutschland nicht als exakte Vorhersage verstanden wissen."

Ein Szenario ist es, ein Forschungsinstrument. Keine Hellseherei. Aber genau als das wird es in der Öffentlichkeit mißverstanden.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

21. Juli 2008

Marginalie: Wie die Amerikanische Physikalische Gesellschaft mit einem Klimaskeptiker verfuhr

Es geht nur um eine kurze Notiz in einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift. Aber was im American Thinker Marc Sheppard am Samstag beschrieben hat, ist doch ein kleiner Skandal.

Jedenfalls wirft der Vorgang ein Schlaglicht auf die Art, wie in der Scientific Community mit Autoren umgegegangen wird - oder sagen wir vorsichtiger: umgegangen werden kann -, die eine "klimaskeptische" Position einnehmen. Womit bekanntlich nicht gemeint ist, daß sie dem Klima skeptisch gegenüberstehen, sondern daß sie Zweifel an der Standard- Story von der vom Menschen verursachten, auf einem Treibhauseffekt basierenden globalen Erwärmung artikulieren.



Was mich angeht - ich bin kein Klimaskeptiker in diesem Sinn. Ich verstehe nichts von Klimaforschung und sehe mich außerstande, in Bezug auf ein so hochspezialisiertes, interdisziplinäres und mit komplexen mathematischen Modellen arbeitendes Forschungsgebiet eine Meinung zu haben.

Also bin ich kein Klimaskeptiker, sondern ein Klimagnostiker: Ich traue mir kein Urteil darüber zu, ob sich das Klima gegenwärtig erwärmt (wofür wohl viel spricht), ob es sich künftig erwärmen wird (was die meisten Modelle vorhersagen; vielleicht stimmen sie, vielleicht nicht) und wenn ja, wieweit dafür ein menschengemachter Treibhauseffekt ursächlich ist.

Das alles weiß ich nicht. Ich weiß aber so ungefähr, wie Wissenschaft funktioniert. Nämlich unter anderem so, daß es zu bestimmten Themen häufig das gibt, was man "das Standardmodell", "conventional wisdom", "a widely held view", die "herrschende Auffassung" und dergleichen nennt - eine Auffassung, die von der Mehrheit der Fachleute zu einem bestimmten Zeitpunkt geteilt wird.

Manchmal erhärtet sich diese wissenschaftliche Position im Lauf der Forschung so, daß sie nah an Gewißheit heranreicht; wie zum Beispiel bei der Darwin'schen Evolutionstheorie. Manchmal erweist sie sich als irrig, wie beim Äther, dessen Existenz bis zum Experiment von Michelson und Morley im Jahr 1887 als sicher galt. Am Häufigsten ist es, daß ein solches Standard- Modell in seinem Kern Bestand hat, aber modifiziert und differenziert wird, wie etwa das Atommodell von Niels Bohr.

Welches dieser möglichen Schicksale einem Standard- Modell, einer herrschenden Meinung widerfährt, das ist trivialerweise offen. Es entscheidet sich erst im weiteren Forschungsprozeß.

Folglich gehört es es zu dessen Grundregeln, daß diejenigen, die der herrschenden Meinung skeptisch gegenüberstehen, dieselbe Stimme, gleiche Publikationsmöglichkeiten, dasselbe Anrecht auf vorurteilsfreie Diskussion ihrer Argumente haben wie seine Anhänger. Nur so kann ja herausgefunden werden, wie es mit der Richtigkeit dieses Modells, dieser Meinung bestellt ist.

Das gilt für Fachwissenschaftler; aber es gilt auch für Laien, die sich in die betreffende Materie eingearbeitet haben und die sich ein Urteil zutrauen. Es gilt zum Beispiel für Al Gore, der kein Klimatologe ist, der aber das Recht hat, daß seine Meinung zur globalen Erwärmung ernstgenommen wird. Ebenso gilt es für einen seiner Antipoden, den britischen Viscount Christopher Monckton of Brenchley.



Soweit eine kleine Erinnerung an das, was eigentlich so selbstverständlich sein sollte, daß es überflüssig sein müßte, daran zu erinnern.

So ist es aber nicht.

Vergangenes Jahr war hier zu lesen, wie das Umwelt- Bundesamt mit der Meinung von Klimaskeptikern verfährt: Nämlich so, wie die römische Inquisition mit dem Galileo Galilei verfahren ist; wenn auch vorläufig ohne deren Machtmittel.

Und jetzt also der Fall in den USA, über den Marc Sheppard berichtet. Es geht um einen Aufsatz im Forum on Physics and Society, einer Internet- Zeitschrift, die von der American Physical Society (APS) herausgegeben wird, der wissenschaftlichen Vereinigung amerikanischer (und vieler internationaler) Physiker.

Die Herausgeber dieser Zeitschrift hatten Autoren eingeladen, ihre Thesen zur globalen Erwärmung in jeweils einem Aufsatz zusammenzufassen; auf der einen Seite die Anhänger des Standard- Modells David Hafemeister und Peter Schwartz und auf der anderen Seite den Klimaskeptiker Christopher Monckton of Brenchley. Wie gesagt, kein Klimaforscher; er hat Altphilologie und Jurnalistik studiert. In der Klimadebatte spielt er, jedenfalls im UK, eine ähnliche Rolle wie Al Gore, nur eben auf der anderen Seite.

Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Ihnen vorschlagen, auf diese WebSite zu gehen. Dort finden Sie den Artikel, um den es geht. Und ganz zu Beginn finden Sie das Skandalöse, nämlich einen redaktionellen Vorspann, rot gedruckt:
The following article has not undergone any scientific peer review. Its conclusions are in disagreement with the overwhelming opinion of the world scientific community. The Council of the American Physical Society disagrees with this article's conclusions.

Der folgende Artikel ist nicht von Experten begutachtet worden. Seine Schlußfolgerungen stehen im Widerspruch zu der überwältigenden Meinung der weltweiten Gemeinschaft der Wissenschaftler. Der Beirat der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft stimmt mit den Folgerungen dieses Artikels nicht überein.
Da haben wir ihn, den Skandal.

Es steht einer Zeitschrift frei, einen eingereichten oder eingeladenen Artikel einem wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren zu unterziehen und ihn dann, wenn die Gutachten negativ ausfallen, abzulehnen. Sie kann selbstverständlich auch dann, wenn sie einen Artikel als kontrovers einstuft, einen Beitrag anderer Autoren hinzusetzen, der die Gegenmeinung vertritt. Der Leser kann sich dann frei seine Meinung bilden.

Aber einen Artikel zur Publikation anzunehmen und dann ex kathedra in einem Vorspann ein negatives Urteil zu fällen - das ist nicht nur völlig unüblich, sondern es ist inakzeptabel. Zumal, so berichtet Marc Sheppard, dieser Vorspann erst nach einigen Tagen dem Artikel vorangestellt wurde. Da dürfte also ein Hintergrund aufklärungsbedürftig sein.

Und zumal Monckton vehement bestreitet, daß sein Manuskript nicht begutachtet worden sei. Er habe ein ausführliches Gutachten von einem Physiker erhalten, dessen Kritik und Verbesserungsvorschläge er bei der Revision des Manuskripts Punkt für Punkt berücksichtigt habe.

Der Brief Moncktons, in dem das steht, ist am Ende des Artikels von Sheppard zu finden. Darin stellt Monckton auch die sehr berechtigten Fragen, wer auf welcher Sitzung des Beirats der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft das vernichtende Verdikt über seinen Artikel gefällt habe und welche von dessen Schlußfolgerungen denn eigentlich von diesem Beirat zurückgewiesen würden.



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23. Mai 2008

Zitate des Tages: Forscher wußten schon vor dreißig Jahren von einem bevorstehenden Klimawandel. Allerdings ...

At this point, the world's climatologists are agreed on only two things: That we do not have tens of thousands of years to prepare for the next ice age, and that how carefully we monitor our atmospheric pollution will have direct bearing on the arrival and nature of this weather crises. The sooner man confronts these facts (...) the safer he'll be.

(Gegenwärtig stimmen die Klimatologen der Welt nur über zwei Dinge überein: Daß wir nicht Zehntausende von Jahren haben, um uns auf die nächste Eiszeit vorzubereiten, und daß es sich auf das Eintreten und den Charakter dieser Wetterkrise unmittelbar auswirken wird, wie sorgfältig wir die Verunreinigung unserer Atmosphäre überwachen. Je früher sich der Mensch diesen Tatsachen stellt, (...) umso sicherer wird er sein.)

Aus einem Artikel von Douglas Collins im Science Digest, Februar 1973. Überschrift: "Brace yourself for another ice age" (Machen Sie sich auf eine neue Eiszeit gefaßt).



The world's climate is changing. (...) Sooner or later a major cooling of the climate is widely considered inevitable. Hints that it may already have begun are evident.

(Das Weltklima ändert sich. (...) Daß es früher oder später zu einer bedeutenden Abkühlung des Klimas kommt, wird weithin als unvermeidlich betrachtet. Die Anzeichen dafür, daß sie schon begonnen haben dürfte, sind offenkundig.)

Aus einem Artikel in der New York Times vom 21. Mai 1975. Überschrift: "Scientists ask why world climate is changing; major cooling may be ahead" (Wissenschaftler werfen die Frage auf, warum sich das Weltklima ändert; eine ausgeprägte Abkühlung dürfte bevorstehen).



The central fact is that after three quarters of a century of extraordinarily mild conditions,the earth's climate seems to be cooling down. (...) Climatologists are pessimistic that political leaders will take any positive action to compensate for the climate change, or even to allay its effects. (...) The longer the planners delay, the more difficult will they find it to cope with climate change once the results become grim reality.

Der zentrale Sachverhalt ist, daß nach einem Dreiviertel Jahrhundert außerordentlich milder Klimabedingungen das Weltklima sich abzukühlen scheint. (...) Die Klimatologen sind pessimistisch, daß die politischen Führungen irgendwelche konkreten Aktionen unternehmen werden, um den Klimawandel auszugleichen oder wenigstens seine Auswirkungen zu mildern. (...) Je länger die Planer zögern, umso schwieriger werden sie es finden, mit dem Klimawandel fertigzuwerden, wenn seine Resultate erst einmal grauenvolle Wirklichkeit geworden sind.)

Aus einem Artikel in Newsweek vom 28. April 1975. Überschrift: "The cooling world" (Die sich abkühlende Welt).



Die Links zu diesen Artikeln verdanke ich dem Blog von Claudia Rosett.



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3. Februar 2008

Marginalie: Heute erfahren - ich bin ein Klimagnostiker!

In "Letter of Intent" hat Wullenwever einen Begriff eingeführt, der mir sofort eingeleuchtet hat. Einen jener Begriffe, von denen man, kaum hat man sie das erste Mal gelesen, sich fragt, warum es sie nicht schon immer gegeben hat.

"Klimagnostiker". Ja, genau. Endliche habe ich für meine Position in der Klima- Diskussion einen Namen gefunden, oder genauer: ihn entdeckt. Einen Namen, der auch zu meinem Selbstverständnis in einem anderen Bereich paßt.

Es geht mir ein wenig wie dem M Jourdain in Molières Bourgeois Gentilhomme, der Lektionen beim Philosophen nimmt und von ihm den Unterschied zwischen Lyrik und Prosa erfährt. "Par ma foi! il y a plus de quarante ans que je dis de la prose sans que j'en susse rien", ruft er daraufhin aus. "Bei meiner Treu! Seit mehr als vierzig Jahren spreche ich Prosa und wußte nichts davon".

So bin ich schon lange, wenn auch nicht vierzig Jahre, ein Klimagnostiker. Und wußte bis heute nichts davon.

Der Wortschöpfung von Wullenwever wünsche ich, wie übrigens auch seinem schönen Blog, viel Erfolg.

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4. September 2007

Diskussionen über das Klima und das Klima von Diskussionen: Anmerkungen zu einer Kontroverse

Vom Wetter zu reden, das galt einmal als das ideale Thema für einen Small Talk. Beim Plaudern Themen wie Religion, Politik, Sex anzuschneiden, das war schlechter Stil. Aber das Wetter - das ist unverfänglich, da konnte es doch kaum Streit geben.

Das war einmal. Das Wetter im großen geographischen Maßstab und auf längere Sicht - also das Klima - ist zu einem im Wortsinn heißen Thema geworden. Zu einem Thema, das sich zum Small Talk ungefähr so schlecht eignet wie die sexuellen Präferenzen der Plaudernden.

Nein, das ist ein zu milder Vergleich. Über Politik, über Religion, schon ganz und gar über Sexualität kann man heutzutage ja durchaus schon mal im Plauderstil miteinander reden. Aber beim Klima, da hört der Spaß auf.

Da verlieren selbst Wissenschaftler die Contenance. Selbst Meister des eleganten Stils fahren da aus der Haut. Selbst in dem Blatt, hinter dem immer ein kluger Kopf steckt, wird geschimpft und insinuiert, als sei es das Blatt mit der vielen roten Farbe.



Auf das Thema dieses Kommentars hat mich heute ein Beitrag von Rayson in B.L.O.G. aufmerksam gemacht.

Da erschien in der FAZ am 31. August ein Artikel von Stefan Rahmstorf, Ozeanograph an der Universität Potsdam und medienbekannter Klimaforscher; es handelt sich um die gekürzte Version eines Aufsatzes im Septemberheft von "Universitas".

Schon der Titel in "Universitas" läßt nicht unbedingt einen akademischen Stil erkennen: "Alles nur Klimahysterie? - Wie 'Klimaskeptiker' die Öffentlichkeit verschaukeln und wirksame Klimaschutzmaßnahmen verhindern". Die Version in der "FAZ" setzt noch einen drauf: "Klimawandel - Deutsche Medien betreiben Desinformation".

Und dann geht's munter los.

Über Prof. Fred Singer, einen Klimaskeptiker, schreibt Rahmstorf:
Nach einer Studie der Union of Concerned Scientists arbeitet Singer seit vielen Jahren für durch Exxon und andere Industrieunternehmen finanzierte Organisationen wie das Science and Environmental Policy Project (SEPP), deren Geschäft derartige Desinformation ist. Dennoch wird uns Singer von RTL, ntv und von Report München als Klimaexperte präsentiert. Der Zuschauer soll glauben, Singer sei ein Klimaforscher.
Was er nun allerdings ist - nämlich ausgewiesen durch wissenschaftliche Arbeiten als u.a. Direktor des Center for Atmospheric and Space Physics der University of Maryland, Dekan der School of Environmental and Planetary Sciences, University of Miami und Professor of Environmental Sciences, University of Virginia.

Sofern es den Beruf des "Klimaforschers" überhaupt gibt, dürfte Singer also als solcher ausgewiesen sein; Rahmstorf selbst ist ja Ozeanograph, andere sind Metereologen, Glaziologen, dergleichen. Singer ist Physiker und Umweltwissenschaftler.

Und was das SEPP angeht - daß Singer "dafür arbeitet", ist eine etwas eigenwillige Formulierung, denn er ist dessen Gründer. Man muß auch keineswegs auf Erkenntnisse der Union of Concerned Scientists zurückgreifen, um das zu erfahren: Es steht in der Wikipedia. Und der Vorsitzende des Board of Directors des SEPP ist immerhin Frederick Seitz, ehemaliger Präsident der amerikanischen National Academy of Sciences.

"Desinformation"? Hm.

Weitere Kostprobe:
Wer einmal versucht hat, sachlich mit Klimaskeptikern zu diskutieren, der weiß, dass sie keineswegs einen gesunden Skeptizismus pflegen, sich also (wie die meisten Wissenschaftler) nur durch gute Belege von etwas überzeugen lassen. Im Gegenteil: Ähnlich wie Kreationisten haben sie eine festgefahrene Meinung zum Thema, die sich durch kein Sachargument erschüttern lässt. Sie klammern sich an jeden argumentativen Strohhalm, mit dem sich das Klimaproblem verleugnen und die Öffentlichkeit verwirren lässt.
Kurz, für Rahmstorf sind die Auffassungen der Klima- Skeptiker (wie er über ein Argument von Dirk Maxeiner schreibt) "eine klassische, seit vielen Jahren immer wieder benutzte Irreführung der Laien."

Wie auch das Umwelt-Bundesamt sieht er die Klimatologie offenbar als die einzige aller Wissenschaften an, in der die herrschende Meinung nicht mit guten Gründen, sondern allein zur Irreführung und im Auftrag von Lobbys angezweifelt wird.



Nun haben einige der so Attackierten heute in der FAZ geantwortet; Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Wolf Lotter, Dirk Maxeiner, Josef Reichholf und Wolfram Weimer.

Haben sie auf die Polemik von Rahmstorf, auf seine persönlichen Attacken sachlich und faktenbezogen reagiert? Ach nein. Fast möchte man sagen: Im Gegenteil.

Unter der Überschrift "Klimaschutz-Debatte - Der Untergangsterror" liest man Passagen wie diese:
Es ist ein heiliger Krieg, ein Dschihad, den Rahmstorf da führt. Und es werden keine Gefangenen gemacht: Er reißt Zitate aus dem Zusammenhang, streicht, lässt weg - damit seine Weltuntergangsankündigung nicht in Gefahr gerät. (...)

Mit der fanatischen Verfolgung Andersdenkender tut Rahmstorf weder sich noch der Klimadebatte einen Gefallen. Vielmehr weisen Stil und Inhalt auf eine tiefe Unsicherheit und ein bizarres Geltungsbedürfnis hin.
Was bitte ist da los?

Da schreiben Autoren über eine Frage, die eine so empirische ist wie eine Frage überhaupt nur empirisch sein kann - wie sich das Klima entwickelt, welches die Ursachen für diese Entwicklung sind.

Und sie tun das - und zwar beide Seiten - in einem Stil, als stritten sich Maoisten mit Trotzkisten oder Kreationisten mit Darwinisten.



Mir sind die beiderseitigen nachgerade religiösen Gewißheiten nicht nachvollziehbar.

Ich verstehe nichts von Klimatologie und bin also, wie alle Laien, auf das angewiesen, was die Fachleute wissen, vermuten, prognostizieren.

Wenn ich deren Äußerungen folge, dann scheint der Sachverhalt einer globalen Erwärmung inzwischen wahrscheinlich zu sein, während die Ursachen noch immer weitgehend ungeklärt sind. CO2-Emissionen dürften eine Rolle spielen.

Das ist der momentante Erkenntnisstand. Wie jeder Erkenntnisstand kann er sich ändern. Und wie jede Wissenschaft ist die Klimatologie darauf angewiesen, daß die herrschende Meinung in Frage gestellt, daß alternative Ideen vorgetragen, daß Skepsis geäußert wird.

Das Faktum der globalen Erwärmung schlankweg zu bestreiten scheint mir nicht vertretbar. Jeder Kritik an den herrschenden wissenschaftlichen Auffassungen die Berechtigung abzusprechen, scheint mir erst recht nicht vertretbar zu sein.



Es geht schließlich um empirische Fragen; und es geht darum, welche Theorie jeweils am besten mit den Daten zurechtkommt. Das muß man herausfinden, indem man Daten erhebt, Modelle entwickelt, die Modelle auswählt, die den Daten am besten gerecht werden. So, wie immer, wenn ordentlich geforscht wird.

Warum ist die ordentliche wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich aber umgeben von so viel Emotionen, von so viel Irrationalität und Gereiztheit? Warum wird so viel polemisiert statt diskutiert, warum überwuchern Argumente ad hominem oft die Sachdiskussion?

Weil viel Geld auf dem Spiel steht, auf der einen Seite wie der anderen? Vielleicht. Ich vermute aber, daß noch etwas anderes eine Rolle spielt.

Bei der Diskussion über das geozentrische und das heliozentrische Weltbild im 16. und frühen 17. Jahrhundert ging es nicht nur um die wissenschaftliche Wahrheit, sondern es ging auch um Weltanschauung und letztlich um Macht. Das Papsttum sah seine einzigartige Stellung gefährdet, wenn die einzigartige Stellung der Erde im Weltall geleugnet wurde.

So scheint mir auch hinter der Klima-Diskussion ein Weltanschauungs- Kampf zu stehen.

Was der Kommunist Wolfgang Harich einst erhofft hat, das könnte zur Wirklichkeit werden, wenn unter der Flagge des "Kampfs gegen die globale Erwärmung" immer mehr ins Leben der Bürger eingegriffen wird: Eine Öko-Diktatur. Die Anzeichen für einen solchen Trend sind unübersehbar.

Das hoffen die einen, das wollen die anderen verhindern. Das ist es, vermute ich, was dieser Diskussion ihre Schärfe, ihre Gereiztheit verleiht.



Nur ändert das alles ja nichts an den Fakten.

In der weltanschaulichen Diskussion stehe ich sehr überzeugt auf der Seite der Liberalen, die gegen diese Gefahr der Öko- Diktatur mobil machen. Trotzdem halte ich, soweit meine Kenntnisse reichen, die globale Erwärmung, auch den menschengemachten Anteil, inzwischen für sehr wahrscheinlich.

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12. Juni 2007

Fachleute diskutieren. Staun!

Ist das Universum homogen und isotrop? Gibt es also keinen Ort im Universum, der gegenüber anderen ausgezeichnet wäre (etwa als "Ort des Urknalls") und ist das Universum nicht fraktal, sondern gleichförmig ("smooth")? Was spricht für diese Annahmen, was dagegen?

Über diese Fragen diskutierten gestern in einem privaten TV-Sender:
  • ein abgebrochener Soziologiestudent, der auch sonst keinen wissenschaftlichen Abschluß hat und der sich als "Zukunftsforscher" bezeichnet,

  • eine Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin,

  • ein Diplom-Sozialwirt,

  • eine Wirtschaftswissenschaftlerin

  • und ein promovierter Wissenschaftler aus der betreffenden Disziplin, der allerdings zum Thema keine international beachteten Publikationen vorgelegt zu haben zu haben scheint.

  • Absurd? Nein. Diese Diskussion fand gestern in RTL statt. Allerdings ging es nicht - da habe ich ein wenig geschummelt, haha! - um die vergleichsweise einfache Frage, ob das Universum homogen und isotrop ist.

    Sondern es ging darum, wie sich das Klima der Erde - ein so hochkomplexes System, daß es sich auch mit den leistungsfähigsten Computern nicht befriedigend simulieren läßt - entwickeln wird. Eine weitaus schwierigere Frage also.

    Sie hatten eine Meinung dazu, alle, die da diskutierten. Der abgebrochene Soziologiestudent, die Kabarettistin, der Diplom- Sozialwirt, die Wirtschafts- Wissenschaftlerin. Auch der stellvertretende Chefredakteur des "Stern" natürlich, der im Publikum saß und auch seine Meinung sagen durfte.



    Ich habe keine Meinung zur Frage des Klimawandels, anders als die Kabarettistin, der abgebrochene Soziologiestudent, der Diplom- Sozialwirt.

    Mir scheinen, soweit ich das beurteilen kann, die Modelle sehr wackelig, weil die Zahl der Parameter zu groß und ihre Interaktionen zu komplex sind. Man kann vorhandenene Daten zwar mit konnektionistischen Modellen gut simulieren; aber zukünftige vorhersagen - daran hapert es.

    Mir scheinen allerdings viele konvergierende Daten aus vielen Disziplinen - der Glaziologie, der Ozeanographie, der Biologie, der Meteorologie - darauf hinzudeuten, daß wir gegenwärtig in einer Zeit globaler Erwärmung leben.

    Was die Ursachen angeht, kenne ich sie so wenig wie - nach allem, was ich weiß - die betreffenden Wissenschaftler. Die im Augenblick wahrscheinlichste Hypothese ist, soweit ich sehe, daß das von Menschen produzierte CO2 einen Anteil an dieser Erwärmung hat, vielleicht den größten. Wie jede wissenschaftliche Hypothese kann das stimmen oder auch nicht.

    Niemand weiß es. Außer Sozialwirten, abgebrochenen Soziologie- Studenten, Journalisten, ÖkonomInnen; wie es scheint.

    Ach ja, und natürlich außer dem deutschen Umwelt- Bundesamt.

    24. März 2007

    Umwelt-Bundesamt: Propaganda statt Wissenschaft

    Was schert mich mein Geschwätz von gestern.

    Gerade habe ich bekräftigt, daß ich mich zur Klima- Debatte nicht äußern werde, weil ich mich nicht als kompetent ansehe, irgend etwas zur Diskussion unter den Fachleuten beizutragen.

    Jetzt tue ich es doch, mich äußern. In bestimmter Hinsicht allerdings. Nicht zum Klima, aber zur Diskussion.

    In dem verlinkten Beitrag hatte ich auf eine Linkliste der FAZ aufmerksam gemacht, die mir, würde ich mich denn an dieser Klimadiskussion beteiligen wollen, nützlich erschiene.

    Dort war unter anderem das Umweltbundesamt verlinkt. Was ich da gelesen habe, das hat mir nun allerdings die Sprache verschlagen. Also rede ich.

    Freilich nicht zur Klimaentwicklung, von der ich keine Ahnung habe. Auch nicht zur Klimadiskussion, an der ich mich nicht beteiligen kann und will.

    Aber zu dieser Bundesbehörde. Zu dem, was auf ihrer WebSite steht.



    Jedem Erstsemester in einer naturwissenschaftlichen Disziplin wird eingebleut, daß man zwischen Daten und Theorien unterscheiden muß.

    Daten werden in einer anderen Sprache - der Protokollsprache - formuliert als Theorien. An Daten ist der Anspruch zu stellen, daß sie intersubjektiv gültig sind. Theorien können das niemals sein, nur unterschiedlich wahrscheinlich; also mehr oder weniger durch Daten gestützt.

    Man kann bestimmte theoretische Annahmen falsifizieren, eine Theorie in toto aber in der Regel nicht. Theorien werden aufgegeben, wenn es andere Theorien gibt, die denselben Datensatz einfacher, eleganter, mit weniger Annahmen erklären. So bringt man es Erstsemestern bei.

    Grundsätzlich, so lernen es die Erstsemester, kann man nie ausschließen, daß eine Theorie sich als falsch erweist, auch wenn sie sehr gut belegt ist. Auch Theorien, die von einer Minderheit vertreten werden, müssen deshalb immer in der wissenschaftlichen Diskussion bleiben.

    In der Wissenschaft wird nicht durch Handaufheben per Mehrheitsbeschluß entschieden, so sagt man es den Erstsemestern. Minderheitsmeinungen haben denselben wissenschaftlichen Status, verdienen denselben Respekt wie Mehrheitsmeinungen.

    Oft genug, so erklärt man es den Erstsemestern (etwa am Beispiel der Kosmologie, am Beispiel der Relativitätstheorie, mit Verweis vielleicht auf Kuhns The Structure of Scientific Revolutions) haben Minderheitsmeinungen sich am Ende als die richtigen erwiesen.



    Dies gesagt - werfen wir nun einen Blick auf die WebSite des Umweltbundesamts, auf der es sich zur Klimadiskussion äußert. Auf die WebSite einer Behörde, die von unseren Steuergeldern finanziert wird.

    Gehen wir dort einmal zu den häufig gestellten Fragen. Das wird so eingeleitet:
    Trotz des internationalen Problembewusstseins melden sich immer wieder Zweifler, die die Möglichkeit einer durch den Menschen verursachten Klimaänderung entweder generell abstreiten oder die Stichhaltigkeit von Teilen der Argumentation in Abrede stellen.
    "Abstreiten", "in Abrede stellen". Man merkt gleich: Das sind nicht etwa gleichberechtigte, alternative Theorien. Sondern da sind Häretiker am Werk, Ketzer.

    Mit denen also nicht etwa wissenschaftlich zu diskutieren ist, sondern die man widerlegen muß. Oder noch besser: Runtermachen. Denn das ist es, was der Leser dieser WebSite vorfindet, wenn er sich weiterklickt zu den einzelen "häufig gestellten Fragen".

    Zunächst klingt das gar nicht so schlecht:
    In der Forschung werden immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen. Die wissenschaftliche Diskussion läuft nach bestimmten Regeln ab. Ergebnisse, die dem aktuellen Kenntnisstand widersprechen, werden überprüft und die bestehenden Vorstellungen allenfalls revidiert, falls die neuen Erkenntnisse durch unabhängige Resultate bestätigt werden. So werden die wissenschaftlichen Erklärungen und die Vorstellungen zu den Vorgängen in der Natur mit der Zeit umfassender und detaillierter oder können sich in gewissen Fällen auch ändern.
    So ist es. Und was folgt nun für die Klimaforschung? Daß diejenigen, die eine menschengemachte globale Erwärmung vorhersagen, ebenso eine ernsthafte Diskussion ihrer Thesen verdienen wie diejenigen, die anderer Meinung sind?

    Keineswegs. Denn weiter geht's (Hervorhebungen von Zettel):
    Skeptiker: Für Laien schwierig zu beurteilen

    Die Ökoaktivisten geben sich zumeist klar als solche zu erkennen (Umweltorganisationen). Schwieriger zu beurteilen sind hingegen die Skeptiker in der Klimafrage. (...) Gezielt wird primär alles gesammelt, was - zumindest auf den ersten Blick - gegen eine menschverursachte Klimaerwärmung sprechen könnte. Die Skeptiker geben ihren Texten bewusst den Anstrich der Wissenschaftlichkeit, indem sie sehr viele Zitate verwenden. Zumeist zitieren sie jedoch lediglich Zeitungsberichte, ungeprüfte "Ergebnisse" Gleichgesinnter oder einzelne ausgewählte und häufig aus dem Zusammenhang gerissene Forschungsresultate. (...) Die Skeptiker beschäftigen sich weniger mit Forschung, sondern legen das Hauptgewicht auf die Verbreitung ihrer Meinungen in der Öffentlichkeit. (...)

    Die Argumentation der Skeptiker erfolgt meist nach einem sehr ähnlichen Muster: Zwar wird die gegenwärtige Erwärmung nur noch in wenigen Fällen bestritten, doch wird sie als natürlicher Vorgang mit anderen Ursachen als den menschlichen Treibhausgasemissionen dargestellt. (...) Oft werden Zitate oder einzelne Resultate aus dem Zusammenhang der wissenschaftlichen Arbeit gerissen, damit sie ins gewünschte Bild passen. Auch fußt die Argumentation oft auf Arbeiten, die in der wissenschaftlichen Diskussion längst widerlegt worden sind.


    Mit anderen Worten: Glaubt man dem Umweltbundesamt, dann ist die Klimatologie die einzige Wissenschaft, in der genau eineTheorie richtig ist und in der alle alternativen Theorien unwissenschaftlich sind. Jedenfalls, was die zukünftige Entwicklung des Weltklimas angeht.

    Sie sollten zurück auf die Universität, die Wissenschaftler, die für diesen unglaublichen Text verantwortlich sind. Sich mit den Erstsemstern in den Hörsaal setzen. Und endlich - vielleicht ja doch noch - lernen, daß Wissenschaft keine Agitprop ist.

    Denn das ist es, was diese Bundesbehörde sich auf ihrer WebSite leistet: Agitprop. So, wie dieses Bundesamt unter dem Vorwand der Wissenschaftlichkeit jedes wissenschaftliche Denken vermissen läßt, so haben in der DDR die herrschenden "wissenschaftlichen" Marxisten Andersdenkende abgekanzelt.

    23. März 2007

    Marginalie: Eine umfassende Linksammlung zur Klima-Diskussion ...

    ... die ich aber nicht nutzen werde, findet man heute bei FAZ- Online.

    Ich werde sie nicht nutzen, weil ich es für wenig sinnvoll halte, als Nicht- Klimawissenschaftler herausfinden zu wollen, wie denn nun das Klima sich entwickeln wird.

    Ich weiß es nicht. Ich kann es schlicht nicht beurteilen.

    Und wenn ich nun alle diese Texte lesen würde - dann würde ja nur der Schein von Wissen, von Kompetenz entstehen. Scheinwissen hat das Walter Poppelreuter genannt.



    Aber wenn ich's anders sehen würde, wenn ich mich für kompetent hielte, mich unter die Klimatologen zu mischen und mich an ihren Diskussionen zu beteiligen, - dann schienen mir die Links des FAZ-Net sehr geeignet zu sein für einen Einstieg.

    Schienen. Denn im Grunde kann ich noch nicht einmal das beurteilen.

    15. März 2007

    Klimatologie und Kosmologie. Oder: Ist die Erde eine Scheibe?

    In dem TV-Magazin "Monitor" hat die Moderatorin Sonia Mikich vor zwei Wochen einen interessanten Vergleich zwischen Klimatologie und Kosmologie angestellt.

    Sie moderierte einen Beitrag, in dem es um ein Gutachten aus einer Bundesbehörde ging, der "Bundesanstalt für Geo- Wissenschaften und Rohstoffe" in Hannover. Was hatte den Zorn der "Monitor"- Redaktion heraufbeschworen? Mikich sagte es:
    Denn die kommt zu dem Ergebnis: Die Klimaerwärmung ist kein globales, sondern ein regionales Phänomen. Und der Eisverlust ist nicht bewiesen.
    Horribile dictu! Wenn eine dem Bundesministerium für Wirtschaft unterstehende Behörde solche Ketzereien verbreitet, dann muß, nicht wahr, der Minister doch Stellung nehmen. Also fragte ihn die Redaktion von "Monitor", den verantwortlichen Minister Glos:
    Der Klimawandel naturgegeben? Wie denkt der Minister darüber?
    Und der Minister antwortete:
    Man teile die allgemeine Auffassung, dass der Klimawandel überwiegend Menschen gemacht sei. Zitat: "Wir behalten uns trotzdem vor, auch in Zukunft wissenschaftliche Meinungen in einen wissenschaftlichen Diskussionsprozess einzubringen, ohne dass wir sie uns zwingend zu eigen machen."
    Da ist er nun freilich bei Sonja Mikich an die Falsche geraten, der Minister Glos. Schneidend fertigt sie ihn ab:
    Ah ja, logisch, und die Erde ist eine Scheibe und der Mond ist aus Käse! Und auch diese Meinung sollte in den wissenschaftlichen Diskussionsprozess fließen, ohne dass wir uns sie zu eigen machen.



    Rrrums!

    Sonia Mikich, so scheint es, hat eine feste wissenschaftliche Meinung, was einen bevorstehenden Klimawandel und seine Ursachen angeht. Sie ist sich dieser Meinung so sicher, daß sie Wissenschaftler, die anderer Meinung sind, mit Menschen vergleicht, die die Erde für eine Scheibe halten.

    Nun hat Sonia Mikich kein Studium der Klimatologie hinter sich, oder ein Studium irgendeiner der zahlreichen Wissenschaften, die zu diesem interdisziplinären Unternehmen beitragen - Meteorologie, Ozeanographie, Glaziologie, Physik der Atmosphäre usw. Sie hat vielmehr Politologie, Soziologie und Philosophie studiert.

    Mir scheint also, daß ihre Gewißheit, die Gewißheit der Moderatorin Sonia Mikich, eine Glaubensgewißheit ist. Sie ist eine Gläubige. Sie ist von etwas überzeugt, wovon sie in Wahrheit nichts weiß, das zu beurteilen ihr jede Ausbildung fehlt.

    Sie ist von der menschengemachten Klimakatastrophe aus exakt denselben Gründen überzeugt, aus denen der Mönch, der die Ebstorfer Weltkarte zeichnete, die Erde für eine Scheibe hielt:

    Weil er keine Ahnung davon hatte, wie Wissenschaft funktioniert; weil er nicht wußte, daß die Kugelgestalt der Erde schon der Antike geläufig gewesen war; daß bereits Eratosthenes im dritten vorchristlichen Jahrhundert den Umfang der Erde gemessen hatte.

    Weil er, der Mönch, wie Sonia Mikich einen festen Glauben an die Stelle wissenschaftlicher Neugier und wissenschaftlicher Skepsis setzte.

    Es hat etwas Putziges, wenn Sonia Mikich, die mit ihrer Unfähigkeit, Skepsis und Kritik als Teil des wissenschaftlichen Prozesses zu begreifen, in der Tradition jenes Mönchs aus der Lüneburger Heide steht - wenn ausgerechnet sie Wissenschaftlern die flache Erde, naja, sozusagen an den Kopf wirft.



    Was die Unkenntnis der Klimatologie angeht, bin ich nicht besser dran als Sonja Mikisch. Auch ich bin weit davon entfernt, auch nur die Grundlagen der Klimatologie zu kennen; geschweige denn würde ich mir einbilden, bei der Frage mitzureden, wie sich denn das Weltklima in diesem Jahrhundert entwickeln wird.

    Es erscheint mir auch nutzlos, vielleicht gefährlich, wenn ich als Laie jetzt beginnen würde, Klimakurven zu studieren, Modelle zu vergleichen und derart mehr.

    Wenn andere, die fachlich nicht ausgewiesen sind, dergleichen in meinem Fachgebiet versuchen, dann finde ich das ebenso ärgerlich wie lächerlich. So, als würde ich meinem Arzt in seine Diagnose hineinreden oder meinem Bäcker erklären, wie er sein Brot backen sollte.



    Nun kann man sich andererseits einer Diskussion von solcher Breite und Intensität, wie sie jetzt über den angeblichen oder tatsächlichen Klimawandel stattfindet, nur schwer ganz entziehen.

    Was kann man zu ihr beitragen, wenn man von dem Thema so wenig versteht wie beispielsweise ich?

    Erstens auf die irrationalen, quasi- religiösen Momente in dieser Diskussion aufmerksam machen. Für wissenschaftliche Skepsis, für Vorsicht, für Zweifel eintreten.

    Zweitens kann man diese Wissenschaft "Klimatologie" sozusagen ein wenig von außen zu kennzeichnen versuchen. Um deutlich zu machen, wie skeptisch ihre Ergebnisse rezipiert werden sollten. Ein paar Gedanken dazu habe ich vor einiger Zeit bei liberty.li aufgeschrieben.

    3. Februar 2007

    Klimawandel, Unheilspropheten, Wissenschaft

    Das Klima hat sich immer geändert. Einen Klimawandel vorherzusagen ist also eine sichere Wette. Das Weltklima wird sich so gewißlich ändern, wie morgen wieder die Sonne aufgehen wird.

    Als die Diskussion über den Klimawandel begann, in den achtziger Jahren, war das den meisten wohl nicht bewußt. Viele Nicht- Klimatologen schienen die Vorstellung zu haben, daß der Normalfall ein konstantes Klima ist, und daß jeder Wandel nur eine Normabweichung sein kann, also etwas Schlechtes. Etwas, das man zu fürchten hat.



    Etwas, das man nicht nur einfach zu fürchten hat, sondern das man fürchten muß wie die Sünde. Denn den Klimawandel sah man kommen - ihn sahen jedenfalls die von der grün- ökologischen Weltsicht Erfaßten kommen - als eine Apokalypse.

    Der Mensch, er versündigt sich an der Natur, indem er ihre Ressourcen plündert und seinen Dreck in sie hineinbläst. Und dafür wird die Strafe kommen, in Gestalt eines Treibhauseffekts, einer Globalen Erwärmung. Einer Sintflut.

    Ja, einer Sintflut. Der "Spiegel" hatte damals, als das begann, eine Titelgeschichte, die diese religiöse Unterfütterung trefflich visualisierte: Eine Flut, aus der die Türme des Kölner Doms gerade eben noch herausragten, archengleich.



    Sie wird kommen, die Sintflut, die Klimakatastrophe - es sei denn, wir kehren um. Das predigten sie, die Nachfahren der biblischen Propheten, wie diese zottelbärtig, zelotisch, dabei irdische Macht keineswegs verachtend.

    Wie die biblischen Propheten forderten und fordern sie, wir sollten von unserer Gier ablassen - der Gier nach stromfressender Bequemlichkeit, nach Sprit fressenden Urlaubsflügen, nach weltlichem Tand ohne Rücksicht auf unser aller Mutter Gäa. (Da dringt dann ein wenig Heidnisches ins alttestamentarische Predigen ein, wie auch beim Verweis auf den "Häuptling Seattle" und sonst Erdverwurzeltes).




    Wie die meisten Liberalen habe ich in diesen beiden Jahrzehnten der "Klima- Diskussion" immer einen skeptischen Standpunkt vertreten.

    Eine Skepsis, die mir begründet erschien: Gewiß wird sich auch in Zukunft das Klima ändern, wie es sich immer geändert hat. Vor wenigen Jahrhunderten hatten wir ja beispielsweise noch eine Kleine Eiszeit. Vielleicht kommt als nächstes eine Erwärmung. Auch an sie werden wir uns anpassen. Für die Annahme einer Entwicklung, die sich als unbeherrschbar erweisen würde, schienen mir keine Anhaltspunkte vorzuliegen.

    Anfangs waren die Daten, auf die sich die düsteren Prophezeihungen stützten, geradezu erbärmlich unvöllständig und oft widersprüchlich (zum Beispiel zeigten die Satellitenmessungen keine Erwärmung, sondern eher eine Abkühlung). Es gab und gibt jede Menge Fehlerquellen (zum Beispiel die Ausdehnung der städtischen Siedlungen, die zu einer Änderung des Mikroklimas in der Umgebung vieler Meßstationen führen).

    Zudem ist das Wetter derart komplex - ja bekanntlich das Paradigma eines chaotischen Systems -, daß Extrapolationen außerordentlich riskant sind. Sie das jedenfalls damals waren, gegeben die seinerzeitigen simplen Modelle, auf Rechnern mit bescheidener Kapazität laufend.

    Immer wieder haben Klimatologen auf diese Sachlage hingewiesen und es abgelehnt, voreilige Schlüsse zu ziehen. "Jumping to conclusions", das ist nicht die Art guter Wissenschaftler.

    Dem stand und steht die unkritische, quasi- religiöse Gewißheit der Unheilspropheten gegenüber, zunehmend auch die Interessen einer wuchernden internationalen Klima- Bürokratie.

    Wer rational denkt, wer Politik nicht als Religionsersatz versteht; wer politisches Handeln als vernünftigen Interessenausgleich sieht und nicht als ein Unternehmen mit dem Ziel, das Böse aus der Welt zu verbannen, - der konnte und kann solchem quasireligiösen Raunen und Prophezeien, Drohen und Verheißen nichts abgewinnen. Er wird zu der Position neigen: Wir wissen viel zu wenig, um jetzt schon eine katastrophenähnliche Klimaänderung prognostizieren zu können.



    Nun ist aber ein caveat zu beachten. Die Negation von "Ich glaube, daß X der Fall ist" lautet: "Ich glaube nicht, daß X der Fall ist". Sie lautet nicht "Ich glaube, daß X nicht der Fall ist".

    Das Eine kann aber leicht ins Andere umschlagen. Die rationale, den Tatsachen angemessene Skepsis kann ihrerseits Glaubenscharakter bekommen. Ich habe dem zu widerstehen versucht, mich aber doch gelegentlich dabei ertappt, der Hypothese eines Nicht- Klimawandels größere Wahrscheinlichkeit einzuräumen als der Hypothese eines Klimawandels.

    Dennoch schien mir die Hypothese eines bevorstehenden Wandels allmählich wahrscheinlicher zu werden. Maßgeblich war, daß sich die Ergebnisse der Satellitenmessungen mit denen der Erdstationen vereinbaren ließen, ohne noch der Hypothese einer Erwärmung zu widersprechen. Maßgeblich war auch eine gewisse Konvergenz der Modelle. Am meisten überzeugt haben mich Beobachtungen wie der Rückgang der Gletscher, die Veränderungen in Flora und Fauna.



    Haben wir Skeptiker uns also geirrt? Nein. Wir haben uns zu Recht denen entgegengestellt, die damals, vor zwanzig Jahren, aus unzureichenden Daten viel zu weitreichende Behauptungen abgeleitet haben.

    Nun - nachdem wir um Größenordnungen mehr und bessere Daten haben, nachdem die Messungen und Beobachtungen von zwanzig Jahren hinzugetreten sind - sieht es so aus, als hätten sie mit ihren Befürchtungen richtig gelegen. Sicher ist das noch immer bei weitem nicht; aber es spricht wohl mehr dafür als dagegen, daß wir einer globalen Erwärmung relativ starken Ausmaßes entgegengehen, an der auch Emissionen ihren Anteil haben.

    Das ist halt immer auch eine Möglichkeit bei Propheten. Auch Kassandra behielt Recht.

    Nur haben viele Kassandras immer viele Ahnungen geäußert, die sich nicht bestätigten. Propheten ist nicht zu trauen. Ein blindes Huhn wird nicht dadurch zum erfolgreichen Futterpicker, daß es ein Korn findet.