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19. März 2009

Internationale Klimakonferenz äußerst Zweifel an globaler Erwärmung

Nein, kein verfrühter Aprilscherz.

Vom 8. bis 10. März dieses Jahres fand in New York die 2009 International Conference on Climate Change statt, auf der überwiegend skeptische Auffassungen zur Möglichkeit einer vom Menschen verursachten globalen Erwärmung vorgetragen wurden.

Auf der Konferenz trafen sich Klimatologen, Ökonomen, Politiker und Fachleute für Mathematische Modelle und Forecasting, die Wissenschaft von den Möglichkeiten und Grenzen des Vorhersagens künftiger Entwicklungen.

Zur Eröffnung der Veranstaltung sprach kein Geringerer als Vaclav Klaus, Präsident der Tschechischen Republik und derzeit oberster Repräsentant der EU.

Haben Sie in den Medien etwas von dieser Konferenz erfahren? Ich vermute, nein. Ich jedenfalls bin erst jetzt durch einen Artikel im American Thinker darauf aufmerksam geworden, der ausführlich über die wichtigsten Vorträge berichtet.



Ja, aber sind denn diese Klimaskeptiker nicht allesamt Propagandisten, wissenschaftlich überhaupt nicht ausgewiesen? Wie es das Umwelt-Bundesamt auf seiner WebSite über die Klimaskeptiker formuliert:
Gezielt wird primär alles gesammelt, was - zumindest auf den ersten Blick - gegen eine menschverursachte Klimaerwärmung sprechen könnte. Die Skeptiker geben ihren Texten bewusst den Anstrich der Wissenschaftlichkeit, indem sie sehr viele Zitate verwenden. Zumeist zitieren sie jedoch lediglich Zeitungsberichte, ungeprüfte "Ergebnisse" Gleichgesinnter oder einzelne ausgewählte und häufig aus dem Zusammenhang gerissene Forschungsresultate. (...) Die Skeptiker beschäftigen sich weniger mit Forschung, sondern legen das Hauptgewicht auf die Verbreitung ihrer Meinungen in der Öffentlichkeit.
So schreibt es ein Bundesamt, das nicht etwa einem Propaganda- Ministerium untersteht, sondern das eigentlich seriöse, wissenschaftliche Umwelforschung fördern soll. Es tut das Gegenteil: Es diffamiert Wissenschaftler, die abweichende Meinungen vertreten.

Ja, seriöse Wissenschaftler und nicht Scharlatene, wie uns das Umwelt- Bundesamt einreden will. Wenn Sie es nicht glauben, dann schlage ich vor, daß Sie sich das Programm der Konferenz herunterladen.

Sie finden zuerst, wie bei solchen Konferenzen üblich, eine Art Stundenplan mit den einzelnen Sitzungen; dort die Themen, die man von einer Klimakonferenz erwartet - Klimatologie allgemein, Paläoklimatologie, Ökonomische und politische Aspekte des Themas "Klimawandel".

Interessant für die Frage, wie seriös die beteiligten Wissenschaftler sind, wird es, wenn Sie auf Seite 13 und die folgenden Seiten gehen. Dort finden Sie die Liste der Redner, alphabetisch geordnet und ausführlich mit Tätigkeit und wissenschaftlichen Arbeiten vorgestellt. Sie können dort sehen, daß es sich ganz überwiegend um ausgewiesene Fachleute in entsprechenden beruflichen Positionen handelt.



Warum also werden diese Skeptiker kaum zur Kenntnis genommen, diffamiert, als unseriös abqualifiziert?

Die Klimatologie hat in den vergangenen Jahrzehnten eine seltsame Entwicklung genommen; eine Entwicklung wie kaum jemals eine andere Disziplin: Sie wird von einem einzigen Thema beherrscht, und zu diesem Thema herrscht eine einzige wissenschaftliche Meinung.

Es ist dies nun aber ein ausgesprochen unsicheres Thema. Prognosen sind bei einem hochkomplexen, zu chaotischem Verhalten neigenden System wie dem Weltklima (gewiß komplexer als, sagen wir, eine Nationalökonomie) extrem schwierig. Zudem ist die Klimatologie eine ganz junge Disziplin; eine Wissenschaft in den Kinderschuhen. Also sollte man doch meinen, daß gerade hier eine offene Diskussion angebracht wäre, die alle Meinungen einbezieht.

Niemand kann ja sicher sein, Recht zu haben. Diejenigen, die von einer drohenden globalen Erwärmung mit katastrophalen Folgen überzeugt sind, können sich ebenso irren wie die Klimaskeptiker. Worauf die in den vergangenen Jahrzehnten gemessene Erwärmung zurückgeht, kann niemand sagen; außer daß mit Sicherheit eine Vielzahl interagierender Faktoren beteiligt waren. Erst recht weiß niemand, ob diese Entwicklung sich fortsetzen wird und wenn ja, mit welchem Verlauf. Man kann nur Vermutungen äußern, mehr oder weniger gut begründete.

Aber eine offene Diskussion, die alle diese Vermutungen einbezieht, findet nicht statt. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) benimmt sich nicht wie eine wissenschaftliche Organisation, sondern wie eine Religionsgemeinschaft, die Hüter der einzigen Wahrheit ist und die jeden Ketzer exkommuniziert.

Also müssen - ein Unding in einer Wissenschaft - diejenigen, die abweichende Meinungen vertreten, ihre eigene Konferenz organisieren.



Leser von ZR wissen, daß ich mich nicht an der "Klimadiskussion" beteilige. Ich bin kein Klimaskeptiker, sondern ein Klimagnostiker.

Trotzdem bin ich in dieser Debatte engagiert. Und zwar gegen Meinungsdominanz und Ideologisierung. Für die Freiheit der Forschung.



Titelvignette: Frei unter GNU General Public License. Für Kommentare bitte hier klicken.

15. Februar 2009

Zitate des Tages: Wer lag richtig in Bezug auf das Protokoll von Kyoto - der Weltklimarat oder Präsident George W. Bush?

Der Hauptgrund für den rasanten Anstieg der CO2-Emissionen sei die immer schneller um sich greifende Nutzung von Kohle zur Energiegewinnung, insbesondere in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie Indien und China.

Christopher Fields, "einer der führenden Mitarbeiter des Uno- Weltklimarats IPCC", laut einem heutigen Bericht in "Spiegel- Online".

As you know, I oppose the Kyoto Protocol because it exempts 80 percent of the world, including major population centers such as China and India, from compliance

(Wie Sie wissen, lehne ich das Kyoto-Protokoll ab, weil es 80 Prozent der Welt, darunter wichtige Bevölkerungs- Zentren wie China und Indien, davon ausnimmt, sich ihm zu unterwerfen.)

Präsident George W. Bush in einem Brief an US-Senatoren am 13. März 2001

Kommentar: Was Präsident Bush 2001 wußte, das wußte auch jeder Fachmann im IPCC: Wenn denn eine Reduktion des CO2- Ausstoßes das Ziel ist, dann kann dieses Ziel nicht erreicht werden, wenn sich die klassischen Industrieländer selbst Beschränkungen auferlegen, während die sich industrialisierenden Länder ihren CO2- Ausstoß drastisch hochfahren.

Bush wurde wegen seiner Ablehnung des Protokolls von Kyoto geschmäht und angefeindet. Heute ist offensichtlich, daß er Recht gehabt hatte.

Christopher Fields seinerseits wirkt laut "Spiegel- Online" "erstaunlich gut gelaunt".

Wirklich erstaunlich, denn der IPCC hat mit seinen Prognosen nach Fields Eingeständnis so schlimm danebengelegen, wie man überhaupt nur danebenlieben kann:
"Inzwischen liegen die Prognosen des menschlichen CO2- Ausstoßes außerhalb dessen, was man bei der Erstellung des IPCC-Berichts von 2007 für möglich gehalten hätte", meint Field. "Wir haben es in der Zukunft mit einem Klima zu tun, das weit über alles hinausgeht, was wir auf Basis von Simulationen bisher ernsthaft erwogen haben."
Mit anderen Worten, diese Prognosen haben nichts getaugt. Warum sollten die heutigen besser sein?



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15. Dezember 2008

Zitat des Tages: "Schnee wie seit Jahrzehnten nicht mehr". Statt globaler Erwärmung eine neue Eiszeit?

Im Süden Österreichs schneite es in den vergangenen Tagen so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr, berichtet das Österreichische Fernsehen (ORF). In Norditalien und im südlichen Kalabrien sorgten heftige Schneefälle am Sonntag für ein Verkehrschaos. In Nordspanien behinderten stundenlange Schneefälle den Verkehr, im französischen Zentralmassiv fiel nach heftigen Schneefällen bei zehntausenden Haushalten der Strom aus.

Aus einer heutigen Meldung in "Spiegel- Online".

Kommentar: Zeichen einer globalen Abkühlung? Widerlegung der Hypothese von der menschengemachten globalen Erwärmung?

Es wäre albern, einen kalten Winter so zu interpretieren, oder fünf oder zehn kalte Winter. Innerhalb eines stabilen Klimas wird es immer auch kalte und warme Winter geben, wird es auch mal weniger und mal mehr Stürme, Hurricans, Überschwemmungen geben.

Nur daß uns, seit die globale Erwärmung eine quasi- religiöse Überzeugung und eine politische Ideologie geworden ist, jede Flut wie das Hochwasser der Elbe 2002, jeder Hurrican wie Katrina in New Orleans 2005 als angeblicher Beleg für die globale Erwärmung verkauft wird. Nach derselben Logik, mit derselben Berechtigung müßte man extrem kalte Winter wie den jetzigen als Beleg für eine bevorstehende Eiszeit werten.

Es hat in den vergangenen Jahren eine Erderwärmung gegeben; das läßt sich messen. Ob es sich um eine vorübergehende, vielleicht schon wieder ihrem Ende zugehende Schwankung handelt oder um den Beginn einer dauerhaften Veränderung, weiß niemand. Über die Ursachen gibt es Hypothesen, plausible und weniger plausible, mehr nicht.

Es scheint, daß man diese simplen Sachverhalte immer wieder einmal in Erinnerung rufen muß, angesichts der Propaganda, die in diesem Bereich die Wissenschaft überlagert. Bis hin zum Umwelt- Bundesamt, das auf eine skandalöse Weise Wissenschaftler, die von der momentan mehrheitlichen Meinung abweichen, als unseriös verunglimpft.

Da werden abweichende wissenschaftliche Meinungen als "Desinformation" verleumdet. Den Wissenschaftlern wird unterstellt, von der Industrie bestochen zu sein. Da maßen sich Leute, die von Physik so viel Ahnung haben wie ein Nilpferd vom Schachspielen, zu beurteilen an, welche Klimatologen Recht haben und welche Unrecht; sogar ein abgebrochener Soziologiestudent behauptet, das ganz sicher zu wissen.

Man glaubt sich ins Mittelalter zurückversetzt, als über die Richtigkeit wissenschaftlicher Auffassungen als ein Frage von Rechtgläubigkeit oder Ketzerei entschieden wurde.



Ich halte es für wahrscheinlicher, daß wir uns in einer Phase langfristiger Erwärmung des Erdklimas befinden, als daß das nicht der Fall ist; ich halte es für wahrscheinlicher, soweit ich die Diskussion der Fachleute verfolgen kann. Ich halte es auch für wahrscheinlich, daß es dabei einen menschengemachten Anteil gibt. Hier wie dort muß ich mich als Laie darauf verlassen, daß eine wissenschaftliche Mehrheitsmeinung in den meisten Fällen richtig ist.

In den meisten Fällen; keineswegs immer. Bis zum Experiment von Michelson und Morley im Jahr 1887 glaubte die gesamte physikalische Fachwelt, daß es einen Äther gibt. Sie irrte.

Weil ein Irrtum auch einer großen Mehrheit von Fachleuten stets möglich ist, brauchen wir die offene, vorurteils- und wertfreie wissenschaftliche Diskussion. Es muß immer sichergestellt sein, daß es nicht nur mehrere alternative Meinungen gibt, sondern daß auch jeder Beteiligte die Meinungen der anderen achtet. Zum Wissenschafts- Prozeß gehört es, zu akzeptieren, daß möglicherweise jener Andere die Sache richtig sieht und man selbst falsch.

Es ist in der Wissenschaft so wie in der Politik, wo immer eine demokratische Opposition bereitstehen sollte, um die Regierung zu übernehmen, falls die regierende Partei versagt. Wissenschaftliche Minderheiten müssen ihre Theorien entwickeln, ausbauen, für sie eintreten können, weil diese sich jederzeit als die richtige Alternative erweisen können.

Noch sieht es danach aus, daß das gegenwärtige Standard- Modell richtig ist. Vielleicht hat ja aber am Ende doch jemand wie Robert W. Felix Recht, der unverdrossen Hinweise auf eine globale Abkühlung sammelt, Hinweise gar auf eine bevorstehende neue Eiszeit.

Eine WebSite, täglich mit Meldungen aktualisiert, die gegen die globale Erwärmung sprechen. Sehr empfehlenswert als Antidos gegen die Propaganda, die uns eine fortschreitende globale Erwämung und einen Treibhauseffekt als bewiesene Tatsachen darzustellen versucht.



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3. Oktober 2008

Zitat des Tages: Sarah Palin, der Klimawandel und ein Editorial der "Washington Post". Nebst einem Satz von Lichtenberg

Yet her answers on many issues remained puzzling. On climate change, for instance, Ms. Palin acknowledged that "there are real changes going on in our climate. And I don't want to argue about the causes. What I want to argue about is, how are we going to get there to positively affect the impacts?" But understanding the causes of climate change is essential to determining what should be done to address it.

(Jedoch blieben ihre Antworten zu vielen Themen verwirrend. Zum Klimawandel beispielsweise gab Palin zu, daß "in unserem Klima echte Veränderungen stattfinden. Über die Ursachen möchte ich nicht streiten. Worüber ich diskutieren möchte, das ist: Wie können wir die Auswirkungen positiv beeinflussen?" Dabei ist es doch unabdingbar, die Ursachen des Klimawandels zu verstehen, um zu entscheiden, was getan werden sollte, um ihm zu begegnen.)

Die Washington Post heute in einem Editorial zu der Debatte zwischen Palin und Biden in der vergangenen Nacht.

Kommentar: Wenn jemand von dem, was ein anderer sagt, verwirrt ist, dann muß das nicht unbedingt an diesem anderen liegen. (Für den Fall der Verwirrung durch Lektüre hat das Lichtenberg so formuliert: "Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?").

Was Sarah Palin gesagt hat, ist vollkommen klar und vernünftig: Statt darüber zu streiten, woher die globale Erwärmung rührt, sollte man lieber Maßnahmen ergreifen, um ihre Auswirkungen positiv zu beeinflussen. Deiche erhöhen, beispielsweise. Aber auch die Landwirtschaft in Grönland entwickeln und die Erschließung von Bodenschätzen in der Arktis vorbereiten. Dergleichen.

Palin hat mit dieser Bemerkung auf die Schwäche der gegenwärtigen Debatte hingewiesen, die auf die Ursachen der globalen Erwärmung fixiert ist, statt sich um die Bewältigung ihrer Folgen zu kümmern.

Daß es sinnvoll ist, Deiche zu erhöhen, egal, ob der Klimawandel nun menschengemacht ist oder natürliche Ursachen hat, daß man folglich hierfür die Ursachen eben gerade nicht unbedingt kennen muß - das sollte doch eigentlich auch den Redakteuren der Washington Post einleuchten.



Auf die Debatte Palin-Biden werde ich noch zurückkommen. Wer sich über ihren Verlauf informieren möchte, dem empfehle ich vorerst den Bericht im Weekly Standard und, zuverlässig und informativ wie immer, den Live Ticker von Florian Heinhold in Pennsylvania Avenue.



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2. September 2008

Zitat des Tages: Eine Prognose bis zum Jahr 2100

Nach jahrelanger Rechenarbeit ist die Wahlprognose der Bundesregierung fertig. In nie erreichter Genauigkeit sagt sie voraus, wie die Wahlen bis 2100 ausgehen - im Bund und Bundesland für Bundesland.

Aus einem Artikel heute in "Spiegel- Online".

Nein, nur fast aus "Spiegel- Online". Ich habe jetzt auch mal ein wenig manipuliert.

Genau genommen heißt es dort natürlich:

Nach jahrelanger Rechenarbeit ist die Klimaprognose der Bundesregierung fertig. In nie erreichter Genauigkeit sagt sie voraus, wie sich das Klima bis 2100 verändert - Region für Region.



Kommentar: In der Tat "in nie erreichter Genauigkeit". So genau ist das Nichtwissen einer Disziplin noch nie in bunte Bilder gegossen worden.

Mathematische Modelle werden in vielen Disziplinen eingesetzt. Sie sind in verschiedener Hinsicht nützlich:

Sie erlauben es vor allem, zu präzisieren, was genau aus bestimmten Annahmen folgt. Sie quantifizieren diese Annahmen. Sie machen unerwartete Konsequenzen dieser Annahmen erkennbar; etwa Interaktionen, an die man gar nicht gedacht hatte.

Sie erlauben es, theoretische Aussagen mit empirischen Daten zu verknüpfen und damit zu untersuchen, wie eine Theorie sich verhält, wenn sie auf realistische Bedingungen bezogen wird. Kurz, sie sind ein Instrument der Forschung.

Mathematische Modelle machen auch Vorhersagen, so wie jede Theorie. Das sind aber keine Prognosen im Sinn eines Blicks in die Zukunft, sondern es sind Wenn- dann- Aussagen: "Wenn xyz der Fall ist und die Annahmen ABC stimmen, dann wird x'y'z' eintreten." Solche Aussagen, nur ungleich komplexer, werden in einem mathematischen Modell quantifiziert.

Man kann dann die Bedingungen xyz herstellen, sich anschauen, inwíeweit tatsächlich x'y'z' eintritt; und man wird aufgrund dieses Resultats gegebenenfalls die Annahmen ABC zu A'B'C' modifizien. Oder sie vielleicht ganz verwerfen. Das ist der Sinn solcher Modelle, das ist ihre Funktion für die Forschung.



Mit Klimamodellen ist es nicht anders. Den Fachleuten ist das natürlich klar. Aber das Publikum möchte gern einen Blick in die Zukunft erhaschen. Es mißversteht die Modelle als "Prognosen", wie sie ein Hellseher anbietet.

Freilich widersprechen die Fachleute dem auch oft nicht allzu laut. Kaum eine Disziplin kann sich im Augenblick über so reiche Forschungsmittel freuen wie die Klimatologie. Dafür muß man schon etwas bieten.

Bunte Bilder beispielsweise. Das schaurig- schöne Gefühl des Betrachters, man wisse schon jetzt, daß sich im Zeitraum von 100 Jahren das Klima in den südwestlichen Teilen Sachsens stärker erwärmen wird als im Norden und Osten dieses Bundeslands.

Wer den Artikel bis zum Ende liest, der erfährt, wie die Klimatologen ihre Modelle tatsächlich sehen: "Dennoch wollen sie ihr Szenario für Deutschland nicht als exakte Vorhersage verstanden wissen."

Ein Szenario ist es, ein Forschungsinstrument. Keine Hellseherei. Aber genau als das wird es in der Öffentlichkeit mißverstanden.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

21. Juli 2008

Marginalie: Wie die Amerikanische Physikalische Gesellschaft mit einem Klimaskeptiker verfuhr

Es geht nur um eine kurze Notiz in einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift. Aber was im American Thinker Marc Sheppard am Samstag beschrieben hat, ist doch ein kleiner Skandal.

Jedenfalls wirft der Vorgang ein Schlaglicht auf die Art, wie in der Scientific Community mit Autoren umgegegangen wird - oder sagen wir vorsichtiger: umgegangen werden kann -, die eine "klimaskeptische" Position einnehmen. Womit bekanntlich nicht gemeint ist, daß sie dem Klima skeptisch gegenüberstehen, sondern daß sie Zweifel an der Standard- Story von der vom Menschen verursachten, auf einem Treibhauseffekt basierenden globalen Erwärmung artikulieren.



Was mich angeht - ich bin kein Klimaskeptiker in diesem Sinn. Ich verstehe nichts von Klimaforschung und sehe mich außerstande, in Bezug auf ein so hochspezialisiertes, interdisziplinäres und mit komplexen mathematischen Modellen arbeitendes Forschungsgebiet eine Meinung zu haben.

Also bin ich kein Klimaskeptiker, sondern ein Klimagnostiker: Ich traue mir kein Urteil darüber zu, ob sich das Klima gegenwärtig erwärmt (wofür wohl viel spricht), ob es sich künftig erwärmen wird (was die meisten Modelle vorhersagen; vielleicht stimmen sie, vielleicht nicht) und wenn ja, wieweit dafür ein menschengemachter Treibhauseffekt ursächlich ist.

Das alles weiß ich nicht. Ich weiß aber so ungefähr, wie Wissenschaft funktioniert. Nämlich unter anderem so, daß es zu bestimmten Themen häufig das gibt, was man "das Standardmodell", "conventional wisdom", "a widely held view", die "herrschende Auffassung" und dergleichen nennt - eine Auffassung, die von der Mehrheit der Fachleute zu einem bestimmten Zeitpunkt geteilt wird.

Manchmal erhärtet sich diese wissenschaftliche Position im Lauf der Forschung so, daß sie nah an Gewißheit heranreicht; wie zum Beispiel bei der Darwin'schen Evolutionstheorie. Manchmal erweist sie sich als irrig, wie beim Äther, dessen Existenz bis zum Experiment von Michelson und Morley im Jahr 1887 als sicher galt. Am Häufigsten ist es, daß ein solches Standard- Modell in seinem Kern Bestand hat, aber modifiziert und differenziert wird, wie etwa das Atommodell von Niels Bohr.

Welches dieser möglichen Schicksale einem Standard- Modell, einer herrschenden Meinung widerfährt, das ist trivialerweise offen. Es entscheidet sich erst im weiteren Forschungsprozeß.

Folglich gehört es es zu dessen Grundregeln, daß diejenigen, die der herrschenden Meinung skeptisch gegenüberstehen, dieselbe Stimme, gleiche Publikationsmöglichkeiten, dasselbe Anrecht auf vorurteilsfreie Diskussion ihrer Argumente haben wie seine Anhänger. Nur so kann ja herausgefunden werden, wie es mit der Richtigkeit dieses Modells, dieser Meinung bestellt ist.

Das gilt für Fachwissenschaftler; aber es gilt auch für Laien, die sich in die betreffende Materie eingearbeitet haben und die sich ein Urteil zutrauen. Es gilt zum Beispiel für Al Gore, der kein Klimatologe ist, der aber das Recht hat, daß seine Meinung zur globalen Erwärmung ernstgenommen wird. Ebenso gilt es für einen seiner Antipoden, den britischen Viscount Christopher Monckton of Brenchley.



Soweit eine kleine Erinnerung an das, was eigentlich so selbstverständlich sein sollte, daß es überflüssig sein müßte, daran zu erinnern.

So ist es aber nicht.

Vergangenes Jahr war hier zu lesen, wie das Umwelt- Bundesamt mit der Meinung von Klimaskeptikern verfährt: Nämlich so, wie die römische Inquisition mit dem Galileo Galilei verfahren ist; wenn auch vorläufig ohne deren Machtmittel.

Und jetzt also der Fall in den USA, über den Marc Sheppard berichtet. Es geht um einen Aufsatz im Forum on Physics and Society, einer Internet- Zeitschrift, die von der American Physical Society (APS) herausgegeben wird, der wissenschaftlichen Vereinigung amerikanischer (und vieler internationaler) Physiker.

Die Herausgeber dieser Zeitschrift hatten Autoren eingeladen, ihre Thesen zur globalen Erwärmung in jeweils einem Aufsatz zusammenzufassen; auf der einen Seite die Anhänger des Standard- Modells David Hafemeister und Peter Schwartz und auf der anderen Seite den Klimaskeptiker Christopher Monckton of Brenchley. Wie gesagt, kein Klimaforscher; er hat Altphilologie und Jurnalistik studiert. In der Klimadebatte spielt er, jedenfalls im UK, eine ähnliche Rolle wie Al Gore, nur eben auf der anderen Seite.

Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Ihnen vorschlagen, auf diese WebSite zu gehen. Dort finden Sie den Artikel, um den es geht. Und ganz zu Beginn finden Sie das Skandalöse, nämlich einen redaktionellen Vorspann, rot gedruckt:
The following article has not undergone any scientific peer review. Its conclusions are in disagreement with the overwhelming opinion of the world scientific community. The Council of the American Physical Society disagrees with this article's conclusions.

Der folgende Artikel ist nicht von Experten begutachtet worden. Seine Schlußfolgerungen stehen im Widerspruch zu der überwältigenden Meinung der weltweiten Gemeinschaft der Wissenschaftler. Der Beirat der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft stimmt mit den Folgerungen dieses Artikels nicht überein.
Da haben wir ihn, den Skandal.

Es steht einer Zeitschrift frei, einen eingereichten oder eingeladenen Artikel einem wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren zu unterziehen und ihn dann, wenn die Gutachten negativ ausfallen, abzulehnen. Sie kann selbstverständlich auch dann, wenn sie einen Artikel als kontrovers einstuft, einen Beitrag anderer Autoren hinzusetzen, der die Gegenmeinung vertritt. Der Leser kann sich dann frei seine Meinung bilden.

Aber einen Artikel zur Publikation anzunehmen und dann ex kathedra in einem Vorspann ein negatives Urteil zu fällen - das ist nicht nur völlig unüblich, sondern es ist inakzeptabel. Zumal, so berichtet Marc Sheppard, dieser Vorspann erst nach einigen Tagen dem Artikel vorangestellt wurde. Da dürfte also ein Hintergrund aufklärungsbedürftig sein.

Und zumal Monckton vehement bestreitet, daß sein Manuskript nicht begutachtet worden sei. Er habe ein ausführliches Gutachten von einem Physiker erhalten, dessen Kritik und Verbesserungsvorschläge er bei der Revision des Manuskripts Punkt für Punkt berücksichtigt habe.

Der Brief Moncktons, in dem das steht, ist am Ende des Artikels von Sheppard zu finden. Darin stellt Monckton auch die sehr berechtigten Fragen, wer auf welcher Sitzung des Beirats der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft das vernichtende Verdikt über seinen Artikel gefällt habe und welche von dessen Schlußfolgerungen denn eigentlich von diesem Beirat zurückgewiesen würden.



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9. Juli 2008

Deutschland im Öko-Würgegriff (10): Halo Saibold, die verkannte Prophetin. Quod licet Jovi non licet bovi

Erinnern Sie sich noch an Halo Saibold?

Ja, Halo. Ich muß zugeben, daß mir dieser schöne Vorname nicht mehr präsent war; auch nicht der Nachname; auch nicht das Jahr, in dem Halo Saibold bundesweit zu einer wenn auch kurzzeitigen Berühmtheit gelangte.

Ich erinnerte mich nur noch, daß da eine Grüne gewesen war, tourismuspolitische Sprecherin ihrer Partei oder Fraktion oder so etwas Ähnliches, die sich innerhalb und außerhalb ihrer Partei lächerlich gemacht hatte; die in ihrer Partei sogar in größte Schwierigkeiten gekommen war. Und zwar mit dem Vorschlag, die Deutschen sollten nur noch alle fünf Jahre eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug machen. Wegen der Umweltbelastung durch's Fliegen.

Das, dachte ich, ist doch ein schönes Thema für meine Serie zum Öko- Würgegriff: Wie man noch vor einigen Jahren mit einer derartigen Anregung eine politische Bruchlandung hinlegen konnte; selbst bei den Grünen. Und wie heute diejenige, die das forderte, in eine Reihe mit dem Propheten der Ökodiktatur Wolfgang Harich zu stellen ist; wenn auch vielleicht nicht mit ganz demselben intellektuellen Rang.



Also, nach dem Namen dieser Politikerin suchte ich gestern, und nach Einzelheiten über die damalige Affäre. Und siehe - ein Journalist der taz hatte mir die Arbeit schon abgenommen, Philipp Gessler, der in einem langen Artikel, der auch die Lebensumstände von Halo Saibald erzählt, daran erinnert, wie das damals gewesen ist.

Es war im Jahr 1998; im Wahljahr also. Im Jahr jener Wahl zum Bundestag, bei der die Grünen so stark zu werden hofften, daß sie eine rotgrüne Koalition mit der SPD würden bilden können.

Ausgerechnet im Vorfeld dieser Wahlen erschien am 22. März die "Bild- Zeitung" mit der Schlagzeile: "Grüne: Urlaubs-Flüge müssen teurer werden!" Zitiert wurde Halo Saibold mit dem Vorschlag, weniger oft, aber dafür dann länger per Flieger zu verreisen. Und dann stand da der Satz, der in den Tagen danach den Grünen so viel Ärger machen sollte: "Es reicht vollkommen aus, wenn die Deutschen nicht jedes Jahr, sondern nur alle fünf Jahre eine Urlaubsreise mit dem Flugzeug machen."

Es erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Flugs distanzierten sich die Granden der Grünen von Halo Saibold. "Bundestagsabgeordnete bekommen auch deshalb 18.000 Mark, damit sie mal die Klappe halten" wurde Joschka Fischer zitiert. In einem "Spiegel"- Gespräch sagte er: "Die Kollegin Halo Saibold - und sie trägt schwer daran - ist der individuellen Überzeugung, es wäre sinnvoll, Flugreisen seltener zu unternehmen". Jürgen Trittin sprach von einem "großen Schwachsinn": "Ich mach' schon kein Wochenende. Da will ich wenigstens zweimal im Jahr in Urlaub."

Und Kerstin Müller, damals Fraktionssprecherin der Grünen, sagte, wie es ist: "Furchtbar. Ein solcher ökodiktatorischer Ton ist sehr kontraproduktiv."



Ein ökodiktatorischer Ton. Wie wahr. Nur war er ein leises Säuseln gegen das, was inzwischen an ökodiktatorischen Tönen von allen Seiten auf uns eindringt.

Getern stand auf der Startseite der "taz" unter "Entscheidung des Tages" eine Umfrage mit folgendem Text:
Schon ein Flug nach Mallorca belastet das Klima so stark wie ein Jahr Autofahren - von Flügen in die Karibik ganz zu schweigen. Darf man angesichts des Klimawandel noch in der Ferne Urlaub machen?
  • Ja. Man kann es auch übertreiben. Der Tourismus hilft den armen Ländern.

  • Na ja. Es muss ja nicht die Karibik sein. Aber einmal im Jahr Mallorca ist okay.

  • Ostsee oder Alpen tun es auch. Bequemer kann man das Klima nicht schonen.
  • Wie die Abstimmung ausgegangen ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen, denn inzwischen ist sie durch eine andere ersetzt worden.

    Anlaß für die Abstimmung dürfte jedenfalls eine Meldung gewesen sein, die gestern durch die Medien ging. Dort, beispielsweise im "Tagesspiegel", las man von einer "Studie, die das Öko-Institut im Auftrag des Umweltverbands WWF erarbeitet hat".

    Eine Studie - Sie ahnen es - darüber, wie viel Schaden wir Deutsche mit unseren Reisen der Umwelt zufügen. Das nicht unbedingt sehr überraschende Fazit: "Der WWF empfiehlt deshalb jedem Touristen, sich über die Folgen seiner Reisepläne bewusst zu werden. Je näher das Reiseziel, desto besser fürs Klima. Wenn auf Flugzeug oder Auto verzichtet werden kann, umso besser".



    "WWF", was heißt das doch gleich? Richtig, World Wildlife Fund. Genauer, so hieß diese Organisation früher; inzwischen World Wide Fund for Nature, weltweiter Fonds für die Natur. Eine Organisation also, die sich um die Artenvielfalt kümmert. Braucht man da nicht auch den Ferntourismus, der Geld in die Länder Afrikas, Asiens, Ozeaniens bringt? Dazu der "Tagesspiegel":
    WWF-Sprecher Ralph Kampwirth sagt dazu: "Für uns ist das kein Widerspruch. Wir geben aber zu, dass auch wir keine endgültigen Antworten haben." Kampwirth weist zudem darauf hin, dass die "Reisen in WWF- Projektregionen ein kleines Marktsegment" seien. Diese Reisen könnten auch nicht "massenhaft" verkauft werden.
    Mit anderen Worten: Die Zielgruppe, der das Fernreisen vermiest werden soll, sind die TUI-Touristen, die All- Inclusive- Urlauber, die es in die Dominikanische Republik zieht oder an die Playa del Inglès auf Gran Canaria. Sie, die Massen - in der DDR nannte man sie "unsere Menschen" - sollen dazu erzogen werden, "sich über die Folgen [ihrer] Reisepläne bewußt zu werden". Nicht die Öko- Touristen, die schon mal in die Zentralafrikanische Republik jetten, um sich dort am Regenwald- Schutzgebiet Dzanga- Shanga zu erfreuen.

    Quod licet Jovi non licet bovi. Das war schon vor zehn Jahren so, als Halo Saibold touristische Askese predigte. In der Legislaturperiode, an deren Ende sie ihren Alle- fünf- Jahre- Vorschlag machte, hatte sie - so berichtet es damals genüßlich der "Spiegel" in Heft 14/1998 vom 30.3. 1998 - unter anderem, streng dienstlich natürlich, Flugreisen auf die Malediven, nach Japan, Brasilien und Lanzarote unternommen. Sogar nach London und Prag hatte sie den Flieger genommen.



    Links zu den früheren Folgen dieser Serie findet man hier. Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

    23. Mai 2008

    Zitate des Tages: Forscher wußten schon vor dreißig Jahren von einem bevorstehenden Klimawandel. Allerdings ...

    At this point, the world's climatologists are agreed on only two things: That we do not have tens of thousands of years to prepare for the next ice age, and that how carefully we monitor our atmospheric pollution will have direct bearing on the arrival and nature of this weather crises. The sooner man confronts these facts (...) the safer he'll be.

    (Gegenwärtig stimmen die Klimatologen der Welt nur über zwei Dinge überein: Daß wir nicht Zehntausende von Jahren haben, um uns auf die nächste Eiszeit vorzubereiten, und daß es sich auf das Eintreten und den Charakter dieser Wetterkrise unmittelbar auswirken wird, wie sorgfältig wir die Verunreinigung unserer Atmosphäre überwachen. Je früher sich der Mensch diesen Tatsachen stellt, (...) umso sicherer wird er sein.)

    Aus einem Artikel von Douglas Collins im Science Digest, Februar 1973. Überschrift: "Brace yourself for another ice age" (Machen Sie sich auf eine neue Eiszeit gefaßt).



    The world's climate is changing. (...) Sooner or later a major cooling of the climate is widely considered inevitable. Hints that it may already have begun are evident.

    (Das Weltklima ändert sich. (...) Daß es früher oder später zu einer bedeutenden Abkühlung des Klimas kommt, wird weithin als unvermeidlich betrachtet. Die Anzeichen dafür, daß sie schon begonnen haben dürfte, sind offenkundig.)

    Aus einem Artikel in der New York Times vom 21. Mai 1975. Überschrift: "Scientists ask why world climate is changing; major cooling may be ahead" (Wissenschaftler werfen die Frage auf, warum sich das Weltklima ändert; eine ausgeprägte Abkühlung dürfte bevorstehen).



    The central fact is that after three quarters of a century of extraordinarily mild conditions,the earth's climate seems to be cooling down. (...) Climatologists are pessimistic that political leaders will take any positive action to compensate for the climate change, or even to allay its effects. (...) The longer the planners delay, the more difficult will they find it to cope with climate change once the results become grim reality.

    Der zentrale Sachverhalt ist, daß nach einem Dreiviertel Jahrhundert außerordentlich milder Klimabedingungen das Weltklima sich abzukühlen scheint. (...) Die Klimatologen sind pessimistisch, daß die politischen Führungen irgendwelche konkreten Aktionen unternehmen werden, um den Klimawandel auszugleichen oder wenigstens seine Auswirkungen zu mildern. (...) Je länger die Planer zögern, umso schwieriger werden sie es finden, mit dem Klimawandel fertigzuwerden, wenn seine Resultate erst einmal grauenvolle Wirklichkeit geworden sind.)

    Aus einem Artikel in Newsweek vom 28. April 1975. Überschrift: "The cooling world" (Die sich abkühlende Welt).



    Die Links zu diesen Artikeln verdanke ich dem Blog von Claudia Rosett.



    Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

    3. Februar 2008

    Marginalie: Heute erfahren - ich bin ein Klimagnostiker!

    In "Letter of Intent" hat Wullenwever einen Begriff eingeführt, der mir sofort eingeleuchtet hat. Einen jener Begriffe, von denen man, kaum hat man sie das erste Mal gelesen, sich fragt, warum es sie nicht schon immer gegeben hat.

    "Klimagnostiker". Ja, genau. Endliche habe ich für meine Position in der Klima- Diskussion einen Namen gefunden, oder genauer: ihn entdeckt. Einen Namen, der auch zu meinem Selbstverständnis in einem anderen Bereich paßt.

    Es geht mir ein wenig wie dem M Jourdain in Molières Bourgeois Gentilhomme, der Lektionen beim Philosophen nimmt und von ihm den Unterschied zwischen Lyrik und Prosa erfährt. "Par ma foi! il y a plus de quarante ans que je dis de la prose sans que j'en susse rien", ruft er daraufhin aus. "Bei meiner Treu! Seit mehr als vierzig Jahren spreche ich Prosa und wußte nichts davon".

    So bin ich schon lange, wenn auch nicht vierzig Jahre, ein Klimagnostiker. Und wußte bis heute nichts davon.

    Der Wortschöpfung von Wullenwever wünsche ich, wie übrigens auch seinem schönen Blog, viel Erfolg.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    14. Dezember 2007

    Zitat des Tages: Was eine Physikerin versteht

    "Die Kanzlerin ist Physikerin", sagt Hansen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, sie werde die einfachen Zusammenhänge von Kohleverbrennung und Klimawandel wohl verstehen.

    Der Direktor des Goddard Institute for Space Studies der NASA, James Hansen, laut "Spiegel Online" über die Auffassungsgabe einer Physikerin.

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    4. September 2007

    Diskussionen über das Klima und das Klima von Diskussionen: Anmerkungen zu einer Kontroverse

    Vom Wetter zu reden, das galt einmal als das ideale Thema für einen Small Talk. Beim Plaudern Themen wie Religion, Politik, Sex anzuschneiden, das war schlechter Stil. Aber das Wetter - das ist unverfänglich, da konnte es doch kaum Streit geben.

    Das war einmal. Das Wetter im großen geographischen Maßstab und auf längere Sicht - also das Klima - ist zu einem im Wortsinn heißen Thema geworden. Zu einem Thema, das sich zum Small Talk ungefähr so schlecht eignet wie die sexuellen Präferenzen der Plaudernden.

    Nein, das ist ein zu milder Vergleich. Über Politik, über Religion, schon ganz und gar über Sexualität kann man heutzutage ja durchaus schon mal im Plauderstil miteinander reden. Aber beim Klima, da hört der Spaß auf.

    Da verlieren selbst Wissenschaftler die Contenance. Selbst Meister des eleganten Stils fahren da aus der Haut. Selbst in dem Blatt, hinter dem immer ein kluger Kopf steckt, wird geschimpft und insinuiert, als sei es das Blatt mit der vielen roten Farbe.



    Auf das Thema dieses Kommentars hat mich heute ein Beitrag von Rayson in B.L.O.G. aufmerksam gemacht.

    Da erschien in der FAZ am 31. August ein Artikel von Stefan Rahmstorf, Ozeanograph an der Universität Potsdam und medienbekannter Klimaforscher; es handelt sich um die gekürzte Version eines Aufsatzes im Septemberheft von "Universitas".

    Schon der Titel in "Universitas" läßt nicht unbedingt einen akademischen Stil erkennen: "Alles nur Klimahysterie? - Wie 'Klimaskeptiker' die Öffentlichkeit verschaukeln und wirksame Klimaschutzmaßnahmen verhindern". Die Version in der "FAZ" setzt noch einen drauf: "Klimawandel - Deutsche Medien betreiben Desinformation".

    Und dann geht's munter los.

    Über Prof. Fred Singer, einen Klimaskeptiker, schreibt Rahmstorf:
    Nach einer Studie der Union of Concerned Scientists arbeitet Singer seit vielen Jahren für durch Exxon und andere Industrieunternehmen finanzierte Organisationen wie das Science and Environmental Policy Project (SEPP), deren Geschäft derartige Desinformation ist. Dennoch wird uns Singer von RTL, ntv und von Report München als Klimaexperte präsentiert. Der Zuschauer soll glauben, Singer sei ein Klimaforscher.
    Was er nun allerdings ist - nämlich ausgewiesen durch wissenschaftliche Arbeiten als u.a. Direktor des Center for Atmospheric and Space Physics der University of Maryland, Dekan der School of Environmental and Planetary Sciences, University of Miami und Professor of Environmental Sciences, University of Virginia.

    Sofern es den Beruf des "Klimaforschers" überhaupt gibt, dürfte Singer also als solcher ausgewiesen sein; Rahmstorf selbst ist ja Ozeanograph, andere sind Metereologen, Glaziologen, dergleichen. Singer ist Physiker und Umweltwissenschaftler.

    Und was das SEPP angeht - daß Singer "dafür arbeitet", ist eine etwas eigenwillige Formulierung, denn er ist dessen Gründer. Man muß auch keineswegs auf Erkenntnisse der Union of Concerned Scientists zurückgreifen, um das zu erfahren: Es steht in der Wikipedia. Und der Vorsitzende des Board of Directors des SEPP ist immerhin Frederick Seitz, ehemaliger Präsident der amerikanischen National Academy of Sciences.

    "Desinformation"? Hm.

    Weitere Kostprobe:
    Wer einmal versucht hat, sachlich mit Klimaskeptikern zu diskutieren, der weiß, dass sie keineswegs einen gesunden Skeptizismus pflegen, sich also (wie die meisten Wissenschaftler) nur durch gute Belege von etwas überzeugen lassen. Im Gegenteil: Ähnlich wie Kreationisten haben sie eine festgefahrene Meinung zum Thema, die sich durch kein Sachargument erschüttern lässt. Sie klammern sich an jeden argumentativen Strohhalm, mit dem sich das Klimaproblem verleugnen und die Öffentlichkeit verwirren lässt.
    Kurz, für Rahmstorf sind die Auffassungen der Klima- Skeptiker (wie er über ein Argument von Dirk Maxeiner schreibt) "eine klassische, seit vielen Jahren immer wieder benutzte Irreführung der Laien."

    Wie auch das Umwelt-Bundesamt sieht er die Klimatologie offenbar als die einzige aller Wissenschaften an, in der die herrschende Meinung nicht mit guten Gründen, sondern allein zur Irreführung und im Auftrag von Lobbys angezweifelt wird.



    Nun haben einige der so Attackierten heute in der FAZ geantwortet; Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Wolf Lotter, Dirk Maxeiner, Josef Reichholf und Wolfram Weimer.

    Haben sie auf die Polemik von Rahmstorf, auf seine persönlichen Attacken sachlich und faktenbezogen reagiert? Ach nein. Fast möchte man sagen: Im Gegenteil.

    Unter der Überschrift "Klimaschutz-Debatte - Der Untergangsterror" liest man Passagen wie diese:
    Es ist ein heiliger Krieg, ein Dschihad, den Rahmstorf da führt. Und es werden keine Gefangenen gemacht: Er reißt Zitate aus dem Zusammenhang, streicht, lässt weg - damit seine Weltuntergangsankündigung nicht in Gefahr gerät. (...)

    Mit der fanatischen Verfolgung Andersdenkender tut Rahmstorf weder sich noch der Klimadebatte einen Gefallen. Vielmehr weisen Stil und Inhalt auf eine tiefe Unsicherheit und ein bizarres Geltungsbedürfnis hin.
    Was bitte ist da los?

    Da schreiben Autoren über eine Frage, die eine so empirische ist wie eine Frage überhaupt nur empirisch sein kann - wie sich das Klima entwickelt, welches die Ursachen für diese Entwicklung sind.

    Und sie tun das - und zwar beide Seiten - in einem Stil, als stritten sich Maoisten mit Trotzkisten oder Kreationisten mit Darwinisten.



    Mir sind die beiderseitigen nachgerade religiösen Gewißheiten nicht nachvollziehbar.

    Ich verstehe nichts von Klimatologie und bin also, wie alle Laien, auf das angewiesen, was die Fachleute wissen, vermuten, prognostizieren.

    Wenn ich deren Äußerungen folge, dann scheint der Sachverhalt einer globalen Erwärmung inzwischen wahrscheinlich zu sein, während die Ursachen noch immer weitgehend ungeklärt sind. CO2-Emissionen dürften eine Rolle spielen.

    Das ist der momentante Erkenntnisstand. Wie jeder Erkenntnisstand kann er sich ändern. Und wie jede Wissenschaft ist die Klimatologie darauf angewiesen, daß die herrschende Meinung in Frage gestellt, daß alternative Ideen vorgetragen, daß Skepsis geäußert wird.

    Das Faktum der globalen Erwärmung schlankweg zu bestreiten scheint mir nicht vertretbar. Jeder Kritik an den herrschenden wissenschaftlichen Auffassungen die Berechtigung abzusprechen, scheint mir erst recht nicht vertretbar zu sein.



    Es geht schließlich um empirische Fragen; und es geht darum, welche Theorie jeweils am besten mit den Daten zurechtkommt. Das muß man herausfinden, indem man Daten erhebt, Modelle entwickelt, die Modelle auswählt, die den Daten am besten gerecht werden. So, wie immer, wenn ordentlich geforscht wird.

    Warum ist die ordentliche wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich aber umgeben von so viel Emotionen, von so viel Irrationalität und Gereiztheit? Warum wird so viel polemisiert statt diskutiert, warum überwuchern Argumente ad hominem oft die Sachdiskussion?

    Weil viel Geld auf dem Spiel steht, auf der einen Seite wie der anderen? Vielleicht. Ich vermute aber, daß noch etwas anderes eine Rolle spielt.

    Bei der Diskussion über das geozentrische und das heliozentrische Weltbild im 16. und frühen 17. Jahrhundert ging es nicht nur um die wissenschaftliche Wahrheit, sondern es ging auch um Weltanschauung und letztlich um Macht. Das Papsttum sah seine einzigartige Stellung gefährdet, wenn die einzigartige Stellung der Erde im Weltall geleugnet wurde.

    So scheint mir auch hinter der Klima-Diskussion ein Weltanschauungs- Kampf zu stehen.

    Was der Kommunist Wolfgang Harich einst erhofft hat, das könnte zur Wirklichkeit werden, wenn unter der Flagge des "Kampfs gegen die globale Erwärmung" immer mehr ins Leben der Bürger eingegriffen wird: Eine Öko-Diktatur. Die Anzeichen für einen solchen Trend sind unübersehbar.

    Das hoffen die einen, das wollen die anderen verhindern. Das ist es, vermute ich, was dieser Diskussion ihre Schärfe, ihre Gereiztheit verleiht.



    Nur ändert das alles ja nichts an den Fakten.

    In der weltanschaulichen Diskussion stehe ich sehr überzeugt auf der Seite der Liberalen, die gegen diese Gefahr der Öko- Diktatur mobil machen. Trotzdem halte ich, soweit meine Kenntnisse reichen, die globale Erwärmung, auch den menschengemachten Anteil, inzwischen für sehr wahrscheinlich.

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    5. April 2007

    Zettels Oster-LobhudelEi (3): Lob des Klimawandels

    Im Paradies gibt es keine Evolution. Sieben Tage waren nötig, bis alles fertig war - dann aber war es, siehe, gut. Wäre nicht der Sündenfall dazwischen gekommen, dann wäre es so geblieben, für alle Zeiten.

    Nicht nur dieses erinnerte, vergangene Paradies, sondern auch das erhoffte, zukünftige - das Paradies, in das Christen und Moslems dereinst zu kommen hoffen - wird als zeitlos gedacht.

    In der Hölle, ja, da herrscht immerhin Leben, wenn auch kein schönes; Leiden ist aber Leben.

    Aber der Himmel - das ist im Grunde ein Nirwana, zeitlos, also unveränderlich. Von Ewigkeit zu Ewigkeit.



    Wer in einem Goldenen Zeitalter lebt, der hat das Paradies auf Erden. Er möchte es, verständlicherweise, nicht verlieren.

    Also hat er Angst vor Veränderungen. Viel besser kann es eigentlich nicht werden, aber schlechter natürlich. Wem es gut geht, der ist "wertkonservativ".

    Angst vor Veränderung - das ist deshalb nachgerade das Prüfzeiches jeden Goldenen Zeitalters. Heute ist dies, in den reichen Ländern, in denen ein Goldenes Zeitalter herrscht, die Angst vor einer Änderung des Klimas.



    Ja, gewiß, das Klima ändert sich. Wir leben ja nicht in einem klimatischen Steady State. Im Gegenteil - kaum etwas ist unsteter als das Klima.

    Das Klima ändert sich, wie man zum Beispiel hier nachlesen kann, weil die Erdbahn nicht ganz stabil ist, weil die Erdachse ihre Lage ändert, weil die von der Sonne abgestrahlte Energie variabel ist, weil die kosmische Strahlung wechselt, weil Vulkane ausbrechen, weil es tektonische Verschiebungen gibt, weil Asteroiden auf die Erde fallen.

    Das alles interagiert miteinander und mit dem jeweils bestehenden Zustand, und daraus entsteht eben das Klima. Die Dynamik des Weltklimas, die immer extreme Ausschläge gekannt hat.



    Ist diese ständige Klimaänderung gut oder schlecht? Seltsame Frage. Jede Klimaänderung ist schlecht für das Bestehende und gut für das Zukünftige.

    Die Klimaänderung, die vor einigen Millionen Jahren baumbewohnende Primaten, Brachiatoren, die in ihrem tropischen Regenwald- Paradies fröhlich von Baum zu Baum hangelten, in eine karge Savanne versetzte - war sie gut oder schlecht?

    Sie war schlecht für diejenigen, die die Anpassung nicht schafften. Sie war eine bestandene Herausforderung für diejenigen, die sich genetisch so veränderten, daß sie zu den Vorfahren des Homo Sapiens wurden. Sie war gut für den Fortschritt.

    Challenge and Response, das war für Arnold Toynbee die Dynamik der Geschichte: Es sind Herausforderungen, oft Klimaänderungen, die die Menschen dazu gezwungen haben, neue Antworten zu finden. Die Völkerwanderungen, die so Entscheidendes zur Entwicklung der Kulturen beigetragen haben, wurden meist durch Hungersnöte ausgelöst, also durch klimatische Veränderungen.



    Ob uns jetzt eine Klimaänderung bevorsteht, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmaß sie menschengemacht ist, weiß niemand. Alles, was dazu an angeblich unzweifelhaftem Wissen verkündet wird, ist schlicht Agitprop.

    Soweit ich das beurteilen kann, scheinen im Augenblick mehr gute Gründe für als gegen einen bevorstehenden, einen vielleicht schon im Gang befindlichen Klimawandel zu sprechen.

    Im Augenblick. Und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Wie komplex das Thema ist, wie vorsichtig man mit Folgerungen sein sollte, wie fragwürdig insbesondere Computersimulationen sind, das ist in dieser ausgezeichneten Zusammenstellung nachzulesen.

    Nicht die Skeptiker lassen es folglich, wie uns das Umwelt-Bundesamt mit seiner Agitprop weismachen will, an Wissenschaftlichkeit fehlen. Sondern die Gläubigkeit der Klimawandel- Propheten ist Junk Science, Pseudowissenschaft.



    Aber auch diejenigen, die sich nicht nicht anmaßen, als Laien die Diskussion der Fachleute zu beurteilen, sollten zur Kenntnis nehmen, daß unter diesen Fachleuten eine deutliche Mehrheit einen bevorstehenden Klimawandel für wahrscheinlich hält. Sie können sich irren; es wäre ja nicht das erste Mal, daß eine Mehrheit der Fachleute irrt. Aber wir Laien tun doch gut daran, dieses Mehrheitsurteil ernst zu nehmen.

    Was also, wenn das Klima sich wandelt? Sofort steigen vor unserem geistigen Auge Bilder auf: Der Kölner Dom, im Wasser versinkend. Die Eisbären, die unter so warmen Bedingungen leben müssen wie der bedauernswerte Knut. Südsee- Inseln, im Meer versinkend. Hurrikans, die über uns hinwegfegen. Noch nicht ganz der Weltuntergang, aber schon fast.



    Warum waren eigentlich alle früheren Klimaänderungen nicht so katastrophal? Nun, sie waren das ja zum Teil. Sie haben Arten sterben lassen, und sie haben anderen erlaubt, sich zu entwickeln. Nach einer verbreiteten Theorie verdanken wir Säugetiere unserem Aufstieg einem dramatischen Klimawandel, der den Sauriern den Garaus machte.

    Dem einen sin Uhl ist dem anderen sin Nachtigall, sagte meine Großmutter.

    Wenn die CO2-Konzentration in der Atmosphäre anwächst, dann bedeutet das für die Pflanzen mehr Luft zum Atmen, im Wortsinn. CO2 ist ja keine Verschmutzung, kein Gift, sondern bekanntlich für Pflanzen das, was für uns der Sauerstoff ist.

    Ein Experte des Cato-Instituts, Patrick J. Michaels, hat das kürzlich beschrieben:
    Objectively speaking, any environmental change should have both positive benefits and negative effects. For example, theory predicts and observations confirm that human-induced warming takes place primarily in winter, lengthening the growing season. Satellite measurements now show that the planet is greener than it was before it warmed. There are literally thousands of experiments reported in the scientific literature demonstrating that higher atmospheric carbon dioxide concentrations -- cause by human activity -- dramatically increase food production.

    Objektiv gesprochen sollte jede Änderung in der Umwelt sowohl positiven Nutzen als auch negative Folgen haben. Zum Beispiel sagt die Theorie vorher, und Beobachtungen bestätigen es, daß die vom Menschen verursachte Erwärmung sich hauptsächlich im Winter auswirkt und damit die Erntezeit verlängert. Satellitenmessungen zeigen jetzt, daß der Planet grüner ist als vor der Erwärmung. Es gibt buchstäblich Tausende von Experimenten, über die in der wissenschaftlichen Literatur berichtet wird und die nachweisen, daß eine größere Konzentration von CO2 in der Atmosphäre - wie der Mensch sie bewirkt - die Nahrungsmittelproduktion dramatisch steigert.
    Ich werde mich, wie gesagt, nicht in die Diskussion der Fachleute einmischen. Mag das Klima sich schnell ändern, wie das Umweltbundesamt es für die einzige wissenschaftliche Wahrheit hält, oder langsam, wie es das immer getan hat - jedenfalls scheint mir auf der Hand zu liegen, daß in solchen Änderungen Herausforderungen liegen.



    Wenn das Klima in Deutschland sich um einige Grade erwärmt, dann wird es auf Sylt so warm sein wie jetzt in Südbaden. Ist das nicht schön?

    Wenn im äußersten Norden Europas der Permafrost verschwindet und man dort Getreide anbauen kann - was ist daran katastrophal?

    Wenn infolge der Zunahme an CO2 Pflanzen schneller wachsen, wo ist da die Apokalypse?

    Natürlich wird es auch Probleme geben. Der Meersspiegel wird steigen. Also sollte man die Deiche erhöhen, wie es Hamburg nach der Flutkatastrophe getan hat; wie es die Holländer tun, seit sie sich entschlossen haben, einen Teil ihres Landes unter den Meeresspiegel zu legen.

    In den Alpen wird es weniger Wintersport geben, wenn es zu einer Klimaerwärmung kommen sollte. Dafür wird sich die Sommersaison verlängern.

    Biergärten werden sich, über Bayern hinaus, bis nach Flensburg ausdehnen. Der Weinbau wird vielleicht Norddeutschland erreichen. Gut für Mecklenburg; schlecht vielleicht für Baden.

    So ist das eben; selten sind alle glücklich, wenn sich etwas ändert.



    Ja, aber die armen Eisbären? Ja, aber die armen Menschen auf der Insel Tuvalu?

    Man muß ihnen halt helfen. So, wie man immer denen helfen hätte sollen und müssen, die die Leidtragenden einer geschichtlichen Veränderungen sind.

    24. März 2007

    Umwelt-Bundesamt: Propaganda statt Wissenschaft

    Was schert mich mein Geschwätz von gestern.

    Gerade habe ich bekräftigt, daß ich mich zur Klima- Debatte nicht äußern werde, weil ich mich nicht als kompetent ansehe, irgend etwas zur Diskussion unter den Fachleuten beizutragen.

    Jetzt tue ich es doch, mich äußern. In bestimmter Hinsicht allerdings. Nicht zum Klima, aber zur Diskussion.

    In dem verlinkten Beitrag hatte ich auf eine Linkliste der FAZ aufmerksam gemacht, die mir, würde ich mich denn an dieser Klimadiskussion beteiligen wollen, nützlich erschiene.

    Dort war unter anderem das Umweltbundesamt verlinkt. Was ich da gelesen habe, das hat mir nun allerdings die Sprache verschlagen. Also rede ich.

    Freilich nicht zur Klimaentwicklung, von der ich keine Ahnung habe. Auch nicht zur Klimadiskussion, an der ich mich nicht beteiligen kann und will.

    Aber zu dieser Bundesbehörde. Zu dem, was auf ihrer WebSite steht.



    Jedem Erstsemester in einer naturwissenschaftlichen Disziplin wird eingebleut, daß man zwischen Daten und Theorien unterscheiden muß.

    Daten werden in einer anderen Sprache - der Protokollsprache - formuliert als Theorien. An Daten ist der Anspruch zu stellen, daß sie intersubjektiv gültig sind. Theorien können das niemals sein, nur unterschiedlich wahrscheinlich; also mehr oder weniger durch Daten gestützt.

    Man kann bestimmte theoretische Annahmen falsifizieren, eine Theorie in toto aber in der Regel nicht. Theorien werden aufgegeben, wenn es andere Theorien gibt, die denselben Datensatz einfacher, eleganter, mit weniger Annahmen erklären. So bringt man es Erstsemestern bei.

    Grundsätzlich, so lernen es die Erstsemester, kann man nie ausschließen, daß eine Theorie sich als falsch erweist, auch wenn sie sehr gut belegt ist. Auch Theorien, die von einer Minderheit vertreten werden, müssen deshalb immer in der wissenschaftlichen Diskussion bleiben.

    In der Wissenschaft wird nicht durch Handaufheben per Mehrheitsbeschluß entschieden, so sagt man es den Erstsemestern. Minderheitsmeinungen haben denselben wissenschaftlichen Status, verdienen denselben Respekt wie Mehrheitsmeinungen.

    Oft genug, so erklärt man es den Erstsemestern (etwa am Beispiel der Kosmologie, am Beispiel der Relativitätstheorie, mit Verweis vielleicht auf Kuhns The Structure of Scientific Revolutions) haben Minderheitsmeinungen sich am Ende als die richtigen erwiesen.



    Dies gesagt - werfen wir nun einen Blick auf die WebSite des Umweltbundesamts, auf der es sich zur Klimadiskussion äußert. Auf die WebSite einer Behörde, die von unseren Steuergeldern finanziert wird.

    Gehen wir dort einmal zu den häufig gestellten Fragen. Das wird so eingeleitet:
    Trotz des internationalen Problembewusstseins melden sich immer wieder Zweifler, die die Möglichkeit einer durch den Menschen verursachten Klimaänderung entweder generell abstreiten oder die Stichhaltigkeit von Teilen der Argumentation in Abrede stellen.
    "Abstreiten", "in Abrede stellen". Man merkt gleich: Das sind nicht etwa gleichberechtigte, alternative Theorien. Sondern da sind Häretiker am Werk, Ketzer.

    Mit denen also nicht etwa wissenschaftlich zu diskutieren ist, sondern die man widerlegen muß. Oder noch besser: Runtermachen. Denn das ist es, was der Leser dieser WebSite vorfindet, wenn er sich weiterklickt zu den einzelen "häufig gestellten Fragen".

    Zunächst klingt das gar nicht so schlecht:
    In der Forschung werden immer wieder neue Erkenntnisse gewonnen. Die wissenschaftliche Diskussion läuft nach bestimmten Regeln ab. Ergebnisse, die dem aktuellen Kenntnisstand widersprechen, werden überprüft und die bestehenden Vorstellungen allenfalls revidiert, falls die neuen Erkenntnisse durch unabhängige Resultate bestätigt werden. So werden die wissenschaftlichen Erklärungen und die Vorstellungen zu den Vorgängen in der Natur mit der Zeit umfassender und detaillierter oder können sich in gewissen Fällen auch ändern.
    So ist es. Und was folgt nun für die Klimaforschung? Daß diejenigen, die eine menschengemachte globale Erwärmung vorhersagen, ebenso eine ernsthafte Diskussion ihrer Thesen verdienen wie diejenigen, die anderer Meinung sind?

    Keineswegs. Denn weiter geht's (Hervorhebungen von Zettel):
    Skeptiker: Für Laien schwierig zu beurteilen

    Die Ökoaktivisten geben sich zumeist klar als solche zu erkennen (Umweltorganisationen). Schwieriger zu beurteilen sind hingegen die Skeptiker in der Klimafrage. (...) Gezielt wird primär alles gesammelt, was - zumindest auf den ersten Blick - gegen eine menschverursachte Klimaerwärmung sprechen könnte. Die Skeptiker geben ihren Texten bewusst den Anstrich der Wissenschaftlichkeit, indem sie sehr viele Zitate verwenden. Zumeist zitieren sie jedoch lediglich Zeitungsberichte, ungeprüfte "Ergebnisse" Gleichgesinnter oder einzelne ausgewählte und häufig aus dem Zusammenhang gerissene Forschungsresultate. (...) Die Skeptiker beschäftigen sich weniger mit Forschung, sondern legen das Hauptgewicht auf die Verbreitung ihrer Meinungen in der Öffentlichkeit. (...)

    Die Argumentation der Skeptiker erfolgt meist nach einem sehr ähnlichen Muster: Zwar wird die gegenwärtige Erwärmung nur noch in wenigen Fällen bestritten, doch wird sie als natürlicher Vorgang mit anderen Ursachen als den menschlichen Treibhausgasemissionen dargestellt. (...) Oft werden Zitate oder einzelne Resultate aus dem Zusammenhang der wissenschaftlichen Arbeit gerissen, damit sie ins gewünschte Bild passen. Auch fußt die Argumentation oft auf Arbeiten, die in der wissenschaftlichen Diskussion längst widerlegt worden sind.


    Mit anderen Worten: Glaubt man dem Umweltbundesamt, dann ist die Klimatologie die einzige Wissenschaft, in der genau eineTheorie richtig ist und in der alle alternativen Theorien unwissenschaftlich sind. Jedenfalls, was die zukünftige Entwicklung des Weltklimas angeht.

    Sie sollten zurück auf die Universität, die Wissenschaftler, die für diesen unglaublichen Text verantwortlich sind. Sich mit den Erstsemstern in den Hörsaal setzen. Und endlich - vielleicht ja doch noch - lernen, daß Wissenschaft keine Agitprop ist.

    Denn das ist es, was diese Bundesbehörde sich auf ihrer WebSite leistet: Agitprop. So, wie dieses Bundesamt unter dem Vorwand der Wissenschaftlichkeit jedes wissenschaftliche Denken vermissen läßt, so haben in der DDR die herrschenden "wissenschaftlichen" Marxisten Andersdenkende abgekanzelt.

    23. März 2007

    Marginalie: Eine umfassende Linksammlung zur Klima-Diskussion ...

    ... die ich aber nicht nutzen werde, findet man heute bei FAZ- Online.

    Ich werde sie nicht nutzen, weil ich es für wenig sinnvoll halte, als Nicht- Klimawissenschaftler herausfinden zu wollen, wie denn nun das Klima sich entwickeln wird.

    Ich weiß es nicht. Ich kann es schlicht nicht beurteilen.

    Und wenn ich nun alle diese Texte lesen würde - dann würde ja nur der Schein von Wissen, von Kompetenz entstehen. Scheinwissen hat das Walter Poppelreuter genannt.



    Aber wenn ich's anders sehen würde, wenn ich mich für kompetent hielte, mich unter die Klimatologen zu mischen und mich an ihren Diskussionen zu beteiligen, - dann schienen mir die Links des FAZ-Net sehr geeignet zu sein für einen Einstieg.

    Schienen. Denn im Grunde kann ich noch nicht einmal das beurteilen.

    15. März 2007

    Klimatologie und Kosmologie. Oder: Ist die Erde eine Scheibe?

    In dem TV-Magazin "Monitor" hat die Moderatorin Sonia Mikich vor zwei Wochen einen interessanten Vergleich zwischen Klimatologie und Kosmologie angestellt.

    Sie moderierte einen Beitrag, in dem es um ein Gutachten aus einer Bundesbehörde ging, der "Bundesanstalt für Geo- Wissenschaften und Rohstoffe" in Hannover. Was hatte den Zorn der "Monitor"- Redaktion heraufbeschworen? Mikich sagte es:
    Denn die kommt zu dem Ergebnis: Die Klimaerwärmung ist kein globales, sondern ein regionales Phänomen. Und der Eisverlust ist nicht bewiesen.
    Horribile dictu! Wenn eine dem Bundesministerium für Wirtschaft unterstehende Behörde solche Ketzereien verbreitet, dann muß, nicht wahr, der Minister doch Stellung nehmen. Also fragte ihn die Redaktion von "Monitor", den verantwortlichen Minister Glos:
    Der Klimawandel naturgegeben? Wie denkt der Minister darüber?
    Und der Minister antwortete:
    Man teile die allgemeine Auffassung, dass der Klimawandel überwiegend Menschen gemacht sei. Zitat: "Wir behalten uns trotzdem vor, auch in Zukunft wissenschaftliche Meinungen in einen wissenschaftlichen Diskussionsprozess einzubringen, ohne dass wir sie uns zwingend zu eigen machen."
    Da ist er nun freilich bei Sonja Mikich an die Falsche geraten, der Minister Glos. Schneidend fertigt sie ihn ab:
    Ah ja, logisch, und die Erde ist eine Scheibe und der Mond ist aus Käse! Und auch diese Meinung sollte in den wissenschaftlichen Diskussionsprozess fließen, ohne dass wir uns sie zu eigen machen.



    Rrrums!

    Sonia Mikich, so scheint es, hat eine feste wissenschaftliche Meinung, was einen bevorstehenden Klimawandel und seine Ursachen angeht. Sie ist sich dieser Meinung so sicher, daß sie Wissenschaftler, die anderer Meinung sind, mit Menschen vergleicht, die die Erde für eine Scheibe halten.

    Nun hat Sonia Mikich kein Studium der Klimatologie hinter sich, oder ein Studium irgendeiner der zahlreichen Wissenschaften, die zu diesem interdisziplinären Unternehmen beitragen - Meteorologie, Ozeanographie, Glaziologie, Physik der Atmosphäre usw. Sie hat vielmehr Politologie, Soziologie und Philosophie studiert.

    Mir scheint also, daß ihre Gewißheit, die Gewißheit der Moderatorin Sonia Mikich, eine Glaubensgewißheit ist. Sie ist eine Gläubige. Sie ist von etwas überzeugt, wovon sie in Wahrheit nichts weiß, das zu beurteilen ihr jede Ausbildung fehlt.

    Sie ist von der menschengemachten Klimakatastrophe aus exakt denselben Gründen überzeugt, aus denen der Mönch, der die Ebstorfer Weltkarte zeichnete, die Erde für eine Scheibe hielt:

    Weil er keine Ahnung davon hatte, wie Wissenschaft funktioniert; weil er nicht wußte, daß die Kugelgestalt der Erde schon der Antike geläufig gewesen war; daß bereits Eratosthenes im dritten vorchristlichen Jahrhundert den Umfang der Erde gemessen hatte.

    Weil er, der Mönch, wie Sonia Mikich einen festen Glauben an die Stelle wissenschaftlicher Neugier und wissenschaftlicher Skepsis setzte.

    Es hat etwas Putziges, wenn Sonia Mikich, die mit ihrer Unfähigkeit, Skepsis und Kritik als Teil des wissenschaftlichen Prozesses zu begreifen, in der Tradition jenes Mönchs aus der Lüneburger Heide steht - wenn ausgerechnet sie Wissenschaftlern die flache Erde, naja, sozusagen an den Kopf wirft.



    Was die Unkenntnis der Klimatologie angeht, bin ich nicht besser dran als Sonja Mikisch. Auch ich bin weit davon entfernt, auch nur die Grundlagen der Klimatologie zu kennen; geschweige denn würde ich mir einbilden, bei der Frage mitzureden, wie sich denn das Weltklima in diesem Jahrhundert entwickeln wird.

    Es erscheint mir auch nutzlos, vielleicht gefährlich, wenn ich als Laie jetzt beginnen würde, Klimakurven zu studieren, Modelle zu vergleichen und derart mehr.

    Wenn andere, die fachlich nicht ausgewiesen sind, dergleichen in meinem Fachgebiet versuchen, dann finde ich das ebenso ärgerlich wie lächerlich. So, als würde ich meinem Arzt in seine Diagnose hineinreden oder meinem Bäcker erklären, wie er sein Brot backen sollte.



    Nun kann man sich andererseits einer Diskussion von solcher Breite und Intensität, wie sie jetzt über den angeblichen oder tatsächlichen Klimawandel stattfindet, nur schwer ganz entziehen.

    Was kann man zu ihr beitragen, wenn man von dem Thema so wenig versteht wie beispielsweise ich?

    Erstens auf die irrationalen, quasi- religiösen Momente in dieser Diskussion aufmerksam machen. Für wissenschaftliche Skepsis, für Vorsicht, für Zweifel eintreten.

    Zweitens kann man diese Wissenschaft "Klimatologie" sozusagen ein wenig von außen zu kennzeichnen versuchen. Um deutlich zu machen, wie skeptisch ihre Ergebnisse rezipiert werden sollten. Ein paar Gedanken dazu habe ich vor einiger Zeit bei liberty.li aufgeschrieben.

    3. Februar 2007

    Klimawandel, Unheilspropheten, Wissenschaft

    Das Klima hat sich immer geändert. Einen Klimawandel vorherzusagen ist also eine sichere Wette. Das Weltklima wird sich so gewißlich ändern, wie morgen wieder die Sonne aufgehen wird.

    Als die Diskussion über den Klimawandel begann, in den achtziger Jahren, war das den meisten wohl nicht bewußt. Viele Nicht- Klimatologen schienen die Vorstellung zu haben, daß der Normalfall ein konstantes Klima ist, und daß jeder Wandel nur eine Normabweichung sein kann, also etwas Schlechtes. Etwas, das man zu fürchten hat.



    Etwas, das man nicht nur einfach zu fürchten hat, sondern das man fürchten muß wie die Sünde. Denn den Klimawandel sah man kommen - ihn sahen jedenfalls die von der grün- ökologischen Weltsicht Erfaßten kommen - als eine Apokalypse.

    Der Mensch, er versündigt sich an der Natur, indem er ihre Ressourcen plündert und seinen Dreck in sie hineinbläst. Und dafür wird die Strafe kommen, in Gestalt eines Treibhauseffekts, einer Globalen Erwärmung. Einer Sintflut.

    Ja, einer Sintflut. Der "Spiegel" hatte damals, als das begann, eine Titelgeschichte, die diese religiöse Unterfütterung trefflich visualisierte: Eine Flut, aus der die Türme des Kölner Doms gerade eben noch herausragten, archengleich.



    Sie wird kommen, die Sintflut, die Klimakatastrophe - es sei denn, wir kehren um. Das predigten sie, die Nachfahren der biblischen Propheten, wie diese zottelbärtig, zelotisch, dabei irdische Macht keineswegs verachtend.

    Wie die biblischen Propheten forderten und fordern sie, wir sollten von unserer Gier ablassen - der Gier nach stromfressender Bequemlichkeit, nach Sprit fressenden Urlaubsflügen, nach weltlichem Tand ohne Rücksicht auf unser aller Mutter Gäa. (Da dringt dann ein wenig Heidnisches ins alttestamentarische Predigen ein, wie auch beim Verweis auf den "Häuptling Seattle" und sonst Erdverwurzeltes).




    Wie die meisten Liberalen habe ich in diesen beiden Jahrzehnten der "Klima- Diskussion" immer einen skeptischen Standpunkt vertreten.

    Eine Skepsis, die mir begründet erschien: Gewiß wird sich auch in Zukunft das Klima ändern, wie es sich immer geändert hat. Vor wenigen Jahrhunderten hatten wir ja beispielsweise noch eine Kleine Eiszeit. Vielleicht kommt als nächstes eine Erwärmung. Auch an sie werden wir uns anpassen. Für die Annahme einer Entwicklung, die sich als unbeherrschbar erweisen würde, schienen mir keine Anhaltspunkte vorzuliegen.

    Anfangs waren die Daten, auf die sich die düsteren Prophezeihungen stützten, geradezu erbärmlich unvöllständig und oft widersprüchlich (zum Beispiel zeigten die Satellitenmessungen keine Erwärmung, sondern eher eine Abkühlung). Es gab und gibt jede Menge Fehlerquellen (zum Beispiel die Ausdehnung der städtischen Siedlungen, die zu einer Änderung des Mikroklimas in der Umgebung vieler Meßstationen führen).

    Zudem ist das Wetter derart komplex - ja bekanntlich das Paradigma eines chaotischen Systems -, daß Extrapolationen außerordentlich riskant sind. Sie das jedenfalls damals waren, gegeben die seinerzeitigen simplen Modelle, auf Rechnern mit bescheidener Kapazität laufend.

    Immer wieder haben Klimatologen auf diese Sachlage hingewiesen und es abgelehnt, voreilige Schlüsse zu ziehen. "Jumping to conclusions", das ist nicht die Art guter Wissenschaftler.

    Dem stand und steht die unkritische, quasi- religiöse Gewißheit der Unheilspropheten gegenüber, zunehmend auch die Interessen einer wuchernden internationalen Klima- Bürokratie.

    Wer rational denkt, wer Politik nicht als Religionsersatz versteht; wer politisches Handeln als vernünftigen Interessenausgleich sieht und nicht als ein Unternehmen mit dem Ziel, das Böse aus der Welt zu verbannen, - der konnte und kann solchem quasireligiösen Raunen und Prophezeien, Drohen und Verheißen nichts abgewinnen. Er wird zu der Position neigen: Wir wissen viel zu wenig, um jetzt schon eine katastrophenähnliche Klimaänderung prognostizieren zu können.



    Nun ist aber ein caveat zu beachten. Die Negation von "Ich glaube, daß X der Fall ist" lautet: "Ich glaube nicht, daß X der Fall ist". Sie lautet nicht "Ich glaube, daß X nicht der Fall ist".

    Das Eine kann aber leicht ins Andere umschlagen. Die rationale, den Tatsachen angemessene Skepsis kann ihrerseits Glaubenscharakter bekommen. Ich habe dem zu widerstehen versucht, mich aber doch gelegentlich dabei ertappt, der Hypothese eines Nicht- Klimawandels größere Wahrscheinlichkeit einzuräumen als der Hypothese eines Klimawandels.

    Dennoch schien mir die Hypothese eines bevorstehenden Wandels allmählich wahrscheinlicher zu werden. Maßgeblich war, daß sich die Ergebnisse der Satellitenmessungen mit denen der Erdstationen vereinbaren ließen, ohne noch der Hypothese einer Erwärmung zu widersprechen. Maßgeblich war auch eine gewisse Konvergenz der Modelle. Am meisten überzeugt haben mich Beobachtungen wie der Rückgang der Gletscher, die Veränderungen in Flora und Fauna.



    Haben wir Skeptiker uns also geirrt? Nein. Wir haben uns zu Recht denen entgegengestellt, die damals, vor zwanzig Jahren, aus unzureichenden Daten viel zu weitreichende Behauptungen abgeleitet haben.

    Nun - nachdem wir um Größenordnungen mehr und bessere Daten haben, nachdem die Messungen und Beobachtungen von zwanzig Jahren hinzugetreten sind - sieht es so aus, als hätten sie mit ihren Befürchtungen richtig gelegen. Sicher ist das noch immer bei weitem nicht; aber es spricht wohl mehr dafür als dagegen, daß wir einer globalen Erwärmung relativ starken Ausmaßes entgegengehen, an der auch Emissionen ihren Anteil haben.

    Das ist halt immer auch eine Möglichkeit bei Propheten. Auch Kassandra behielt Recht.

    Nur haben viele Kassandras immer viele Ahnungen geäußert, die sich nicht bestätigten. Propheten ist nicht zu trauen. Ein blindes Huhn wird nicht dadurch zum erfolgreichen Futterpicker, daß es ein Korn findet.