Warum ich Agnostiker bin, aber kein Atheist

Atheismus scheint schick zu werden. Der "Spiegel", immer auf der Höhe des Zeitgeists, hatte dazu eine Titel- Geschichte.
Ich bin kein Atheist. Mehr noch: Ich wundere mich, wie jemand Atheist sein kann.
Meistens sind es ja intelligente, oft philosophisch belesene oder wissenschaftlich gebildete Menschen, die sich als Atheisten zu erkennen geben.
Sie haben Einwände gegen die Religionen, die ich auch habe. Trotzdem kann ich ihre Haltung nicht nachvollziehen.
Klären wir die Begriffe: Ein Atheist ist jemand, der zu wissen behauptet, daß es keinen Gott gibt. Ein Agnostiker ist jemand, der sagt, daß er das nicht weiß.
Das erscheint vielleicht als Haarspalterei, aber es ist ein riesiger Unterschied.
Die Aussage: "Ich weiß nicht, daß das Wetter morgen schön werden wird" ist ja nicht äquivalent der Aussage: "Ich weiß, daß das Wetter morgen nicht schön werden wird".
Die Religion hat, trivialerweise, sehr viele Motive.
Man hatte Angst vor Tieren. Fast alle Naturreligionen haben Tiere als Götter. Man wirft ihnen ein Lamm hin als Opfer, mögen sie den Stamm nicht fressen.
Oder auch schon den eigenen Sohn; Abraham war nach der Bibel bereit dazu gewesen. Die Götter als die Raubtiere, denen man ausgeliefert war.
Aber auch als die kleinen Tiere, die man besser beherrschte. Die Schlange, den Schwan, mit dem Leda schon mal sich lieben konnte; was es da so alles gab. Jede Mythologie ist voll davon.
Man versuchte sich sodann die Welt zu erklären, also wirkten da die Geister, die Dämonen, die Götter.
Es ging nicht nur um Tiere. Auch ein Baum war belebt. Erlkönig also. Eine Quelle konnte religiöse Qualitäten haben, ein Felsen, eine Grotte.
Das ist sozusagen die Abteilung "Wie erkläre ich mir die Welt? Wie schütze ich mich vor dem Üblen?"
Religion ist aber auch schön, weil sie sinnlich ist.
Man tanzt gemeinsam, wie in Afrika und den Pfingstgemeinden. Man erlebt das Feierliche, Weihrauch, diese ganze Sinnlichkeit. Das mündet in Verzückung, oft heftige. Die Grenze zum Orgasmus wird da unscharf.
Religion ist auch Sexualiät. Jedenfalls Sinnlichkeit. Den Geist zu "empfangen", eine "Braut Christi" zu sein, das ist ja nicht wenig.
Am Anfang waren aber die Tiere. Die Hochkulturen haben sich allmählich da herausgearbeitet.
Die zwei Götter der Bibel wurden zu einem verschmolzen. Echnaton war es vielleicht, der den Monotheismus, diese so eigenartige Idee, überzeugender proklamierte als jemand zuvor.
Die Griechen und Römer waren sozusagen cool, was die Götter anging. Kein intelligener Mensch glaubte an sie, aber warum sollte man ihnen nicht opfern? Man tat es, als guter Staatsbürger.
Ist es plausibel, daß es einen guten Gott gibt, der die Welt erschaffen hat, der sie regiert, der unsere Gebete erhört, der allwissend und allmächtig ist?
Ja, wie soll ich das denn wissen?
Ich weiß, daß wir Primaten sind, deren Gehirn - die Schätzungen schwanken da sehr - vor vielleicht 40 000 oder 20 000 Jahren seine heutige Form angenommen hat. Vielleicht auch noch früher, vielleicht etwas später.
Wir leben auf einem kleinen Planeten, der um einen nicht besonders großen Stern kreist, der ziemlich am Rand einer nicht besonders großen Galaxie liegt, die eine von Milliarden ist.
Was zum Geier bringt uns auf den Gedanken, die ganze Welt verstehen zu wollen?
Unser Hirn leistet Bewundernswertes, das ist wahr. Aber der Sachverhalt liegt doch auf der Hand, daß es halt in seinen Fähigkeiten begrenzt ist, so wie unsere Arme und Beine.
Diese Grenzen auszuloten war das Lebensthema von Kant, der nur sehr oft mißverstanden wurde.
Es muß eine Transzendenz geben. Es muß unendlich viel geben, was sich diesem Gehirn nicht erschließt. Das erscheint mir offensichtlich.
Vielleicht also einen Gott. Vielleicht einen Olymp mit vielen Göttern (was mir angesichts des Zustands der Welt viel plausibler erscheint als der Monotheismus).
Vielleicht einen Leviathan, was mir allerdings bei Weitem am Plausibelsten vorkommt.
Nur haben wir von Alledem ja null Ahnung. Niente, rien, nothing, nada.
Das ist halt die Condition Humaine. Zu glauben, es gäbe einen Gott, ist vermessen. Zu glauben, es gäbe keinen, ist genauso vermessen.
Wir müssen uns schon mit dem zufriedengeben, was uns zusteht, auch wenn es schwerfällt.
Ich bin kein Atheist. Mehr noch: Ich wundere mich, wie jemand Atheist sein kann.
Meistens sind es ja intelligente, oft philosophisch belesene oder wissenschaftlich gebildete Menschen, die sich als Atheisten zu erkennen geben.
Sie haben Einwände gegen die Religionen, die ich auch habe. Trotzdem kann ich ihre Haltung nicht nachvollziehen.
Klären wir die Begriffe: Ein Atheist ist jemand, der zu wissen behauptet, daß es keinen Gott gibt. Ein Agnostiker ist jemand, der sagt, daß er das nicht weiß.
Das erscheint vielleicht als Haarspalterei, aber es ist ein riesiger Unterschied.
Die Aussage: "Ich weiß nicht, daß das Wetter morgen schön werden wird" ist ja nicht äquivalent der Aussage: "Ich weiß, daß das Wetter morgen nicht schön werden wird".
Die Religion hat, trivialerweise, sehr viele Motive.
Man hatte Angst vor Tieren. Fast alle Naturreligionen haben Tiere als Götter. Man wirft ihnen ein Lamm hin als Opfer, mögen sie den Stamm nicht fressen.
Oder auch schon den eigenen Sohn; Abraham war nach der Bibel bereit dazu gewesen. Die Götter als die Raubtiere, denen man ausgeliefert war.
Aber auch als die kleinen Tiere, die man besser beherrschte. Die Schlange, den Schwan, mit dem Leda schon mal sich lieben konnte; was es da so alles gab. Jede Mythologie ist voll davon.
Man versuchte sich sodann die Welt zu erklären, also wirkten da die Geister, die Dämonen, die Götter.
Es ging nicht nur um Tiere. Auch ein Baum war belebt. Erlkönig also. Eine Quelle konnte religiöse Qualitäten haben, ein Felsen, eine Grotte.
Das ist sozusagen die Abteilung "Wie erkläre ich mir die Welt? Wie schütze ich mich vor dem Üblen?"
Religion ist aber auch schön, weil sie sinnlich ist.
Man tanzt gemeinsam, wie in Afrika und den Pfingstgemeinden. Man erlebt das Feierliche, Weihrauch, diese ganze Sinnlichkeit. Das mündet in Verzückung, oft heftige. Die Grenze zum Orgasmus wird da unscharf.
Religion ist auch Sexualiät. Jedenfalls Sinnlichkeit. Den Geist zu "empfangen", eine "Braut Christi" zu sein, das ist ja nicht wenig.
Am Anfang waren aber die Tiere. Die Hochkulturen haben sich allmählich da herausgearbeitet.
Die zwei Götter der Bibel wurden zu einem verschmolzen. Echnaton war es vielleicht, der den Monotheismus, diese so eigenartige Idee, überzeugender proklamierte als jemand zuvor.
Die Griechen und Römer waren sozusagen cool, was die Götter anging. Kein intelligener Mensch glaubte an sie, aber warum sollte man ihnen nicht opfern? Man tat es, als guter Staatsbürger.
Ist es plausibel, daß es einen guten Gott gibt, der die Welt erschaffen hat, der sie regiert, der unsere Gebete erhört, der allwissend und allmächtig ist?
Ja, wie soll ich das denn wissen?
Ich weiß, daß wir Primaten sind, deren Gehirn - die Schätzungen schwanken da sehr - vor vielleicht 40 000 oder 20 000 Jahren seine heutige Form angenommen hat. Vielleicht auch noch früher, vielleicht etwas später.
Wir leben auf einem kleinen Planeten, der um einen nicht besonders großen Stern kreist, der ziemlich am Rand einer nicht besonders großen Galaxie liegt, die eine von Milliarden ist.
Was zum Geier bringt uns auf den Gedanken, die ganze Welt verstehen zu wollen?
Unser Hirn leistet Bewundernswertes, das ist wahr. Aber der Sachverhalt liegt doch auf der Hand, daß es halt in seinen Fähigkeiten begrenzt ist, so wie unsere Arme und Beine.
Diese Grenzen auszuloten war das Lebensthema von Kant, der nur sehr oft mißverstanden wurde.
Es muß eine Transzendenz geben. Es muß unendlich viel geben, was sich diesem Gehirn nicht erschließt. Das erscheint mir offensichtlich.
Vielleicht also einen Gott. Vielleicht einen Olymp mit vielen Göttern (was mir angesichts des Zustands der Welt viel plausibler erscheint als der Monotheismus).
Vielleicht einen Leviathan, was mir allerdings bei Weitem am Plausibelsten vorkommt.
Nur haben wir von Alledem ja null Ahnung. Niente, rien, nothing, nada.
Das ist halt die Condition Humaine. Zu glauben, es gäbe einen Gott, ist vermessen. Zu glauben, es gäbe keinen, ist genauso vermessen.
Wir müssen uns schon mit dem zufriedengeben, was uns zusteht, auch wenn es schwerfällt.
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Labels: Agnostik, Atheismus, Philosophie, Religion


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