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3. Juli 2009

Zettels Meckerecke: "Schottische Schafe schrumpfen". Die globale Erwärmung und das Elend des deutschen Wissenschafts- Journalismus

Die Meldung ging gestern über die Ticker der Agenturen: Auf einer schottischen Insel namens Hirta schrumpfen die Schafe.

Diese Meldung hat natürlich auch die Wissenschafts- Redaktion von "Welt- Online" erreicht. Und dort hat wer auch immer - der Artikel ist nicht namentlich gezeichnet - etwas dazu zusammengeschustert, das exemplarisch das Elend des deutschen Wissenschafts- Journalismus zeigt.

Nein, nicht des gesamten. Aber wie da mit Fakten umgesprungen wird, als seien sie ein leerer Wahn, das ist leider gar nicht untypisch für das, was man in den Wissenschafts- Rubriken unserer Medien serviert bekommt.

Dies schreibt der unbekannte Wissenschafts- Redakteur von "Welt- Online":
Der Klimawandel lässt schottische Schafe schrumpfen. Diese Beobachtung britischer Forscher widerspricht der klassischen Evolutionslehre und veranschaulicht gleichzeitig die komplexen Auswirkungen der Erderwärmung.
Daran stimmt fast nichts.

Was wirklich der Fall ist, erfährt man, wenn man die Pressemitteilung der Zeitschrift Science liest, in der die betreffende Untersuchung erschienen ist; wenn man deren Abstract zur Kenntnis nimmt und wenn man einen Blick in die Berichterstattung von Medien wirft, die eine Wissenschaftsredaktion haben, die diesen Namen verdient; zum Beispiel die New York Times oder Time Magazine.



Also, worum geht es?

Biologen, die sich für die Entwicklung von Populationen interessieren, nehmen sich gern eine Insel zum Studienobjekt. Dort sind die Populationen oft isoliert; es gibt wenige Veränderungen; man hat sozusagen Laborbedingungen vor sich, wie es sie sonst in der biologischen Feldforschung nur selten gibt.

Die Insel Hirta ist ein solches Beispiel. Dort findet man die Soay- Schafe; ursprünglich Haustiere, die aber, seit sie 1932 nach Hirta kamen, dort wild leben, ohne sich seither mit anderen Schafen gekreuzt zu haben. Nahezu die gesamte dortige Vegetation dient ihnen zur Nahrung. Also ein schön abgeschlossenes Biotop, wie es der Populationenforscher schätzt.

Das Durchschnittsgewicht dieser Schafe nun nimmt ab; darauf wurde man erstmals 2007 aufmerksam. Anhand vorliegender älterer Daten konnte man zurückrechnen, daß diese Veränderung seit mindestens 1985 im Gang ist und von damals bis heute dazu geführt hat, daß die Tiere im Schnitt 5 Prozent an Gewicht verloren haben.



Was ist daran nun wissenschaftlich interessant? Eine solche Veränderung kann im Prinzip zwei Ursachen haben:

Es kann sich um eine evolutionäre Veränderung handeln, also eine Veränderung im Genom (im gesamten Genmaterial) der betreffenden Population. Die Biologen nennen das eine Veränderung im Genotyp.

Es könnte aber auch sein, daß sich am Genmaterial nichts oder nur wenig geändert hat und daß lediglich innerhalb der Variationsbreite, die es in jeder Population gibt, bestimmte Individuen bessere Bedingungen hatten, sich fortzupflanzen. Dann ändert sich der Phänotyp, während der Genotyp unverändert bleiben kann.

Man kann sich das am Beispiel des Vogelflugs und der Ziegen auf Fuerteventura klarmachen: Zugvögel können innerhalb weniger Jahre ihre Flugroute ändern. Dabei verändert sich nichts in ihrem Genmaterial. Sondern dieses läßt verschiedene Flugstrecken zu - so, wie die Ziegen auf Fuerteventura mal schwarz, mal weiß, mal weißbraun gescheckt sind.

Diese Variationsbreite bewirkt, daß eine Ziegenherde sich optisch perfekt der dortigen Landschaft aus trockener, vielfarbiger Erde und Geröll anpaßt.

Eine solche Variantionsbreite gibt es auch bei Zugvögeln: Einige sind schon immer die eine Route geflogen, andere eine davon verschiedene. Wird nun eine Route günstiger, z.B. aufgrund klimatischer Änderungen, dann überleben mehr von denjenigen Individuen, die diese Route bevorzugen; und innerhalb weniger Generationen fliegt die ganze Vogelschar so.

Am Genom hat sich aber nichts geändert. Es ist eben von Vorteil, wenn die Tiere, die einen Genpool gemeinsam haben, doch individuell verschieden ausfallen; ob es Ziegen sind oder Zugvögel.



Oder Schafe? Das war die Forschungsfrage des Teams um den Biologen Tim Coulson vom Imperial College London. Mit Hilfe mathematischer Modelle versuchte man abzuschätzen, welcher der beiden Mechanismen den Gewichtsverlust der Schafe auf Hirta bewirkt hatte - eine Änderung des Genotyps oder nur eine Verschiebung im Phänotyp?

Das Ergebnis war, daß sich vermutlich genetisch wenig verändert hat, aber die veränderten Klimabedingungen - kürzere, weniger kalte Winter - dazu geführt haben, daß auch Schafe den Winter überleben können, die sich ein weniger dickes Speckpolster angefressen haben.

Weiter vermuten die Forscher, daß unter den veränderten klimatischen Bedingungen Schafe früher gebären; damit kleinere Nachkommen zur Welt bringen. Genetische Veränderungen könnten, so die Autoren, beteiligt sein, scheinen aber "wenig von beobachteten Veränderungen zu erklären".



Sie fragen, lieber Leser, wo denn das Meckern bleibt? Gemach, es kommt jetzt.

Der Autor von "Welt-Online" schreibt: "Der Klimawandel lässt schottische Schafe schrumpfen. Diese Beobachtung britischer Forscher ...". Nein, das ist keine Beobachtung, in keiner Weise. Die Beobachtung ist der Gewichtsverlust. Daß dieser auf den Klimawandel zurückgeht, ist eine Hypothese, die richtig sein kann oder auch falsch. Eine alternative Erklärung ist zum Beispiel, daß sich das Nahrungsangebot auf Hirta verändert hat, so daß die Tiere sich weniger gut mästen können.

In den Naturwissenschaften lernen Studenten im ersten Semester, daß man zwischen Beobachtungen und Hypothesen streng zu trennen hat. Beobachtungen müssen beispielsweise repliziert werden können; also von anderen Forschern bestätigt. An Hypothesen (und Theorien) werden ganz andere Anforderungen gestellt.

Der Autor von "Welt-Online" schreibt sodann: "Diese Beobachtung britischer Forscher widerspricht der klassischen Evolutionslehre."

Völliger Unsinn. Der Autor hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Es ging in dieser Untersuchung darum, ob in diesem konkreten Fall Evolution stattfindet, oder ob es sich um nichtgenetische Änderungen handelt. Die Hypothese von Tim Coulson und seinem Team widerspricht der Evolutionstheorie ungefähr so sehr, wie der Umstand, daß Vögel und Flugzeuge fliegen, dem Gravitationsgesetz widerspricht.

Nicht wahr, wenn ein Wissenschaftsredakteur einer der großen deutschen Tageszeitungen einen solchen Unsinn verzapft, den man keinem Erstsemester durchgehen lassen würde - dann ist das schon eine Meckerei wert. Und zwar eine laute. Und wenn er sich den Unsinn gar nicht selbst ausgedacht, sondern ihn von einer Agentur übernommen haben sollte, dann macht das die Sache keinen Deut besser.



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15. Februar 2009

Zitate des Tages: Wer lag richtig in Bezug auf das Protokoll von Kyoto - der Weltklimarat oder Präsident George W. Bush?

Der Hauptgrund für den rasanten Anstieg der CO2-Emissionen sei die immer schneller um sich greifende Nutzung von Kohle zur Energiegewinnung, insbesondere in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie Indien und China.

Christopher Fields, "einer der führenden Mitarbeiter des Uno- Weltklimarats IPCC", laut einem heutigen Bericht in "Spiegel- Online".

As you know, I oppose the Kyoto Protocol because it exempts 80 percent of the world, including major population centers such as China and India, from compliance

(Wie Sie wissen, lehne ich das Kyoto-Protokoll ab, weil es 80 Prozent der Welt, darunter wichtige Bevölkerungs- Zentren wie China und Indien, davon ausnimmt, sich ihm zu unterwerfen.)

Präsident George W. Bush in einem Brief an US-Senatoren am 13. März 2001

Kommentar: Was Präsident Bush 2001 wußte, das wußte auch jeder Fachmann im IPCC: Wenn denn eine Reduktion des CO2- Ausstoßes das Ziel ist, dann kann dieses Ziel nicht erreicht werden, wenn sich die klassischen Industrieländer selbst Beschränkungen auferlegen, während die sich industrialisierenden Länder ihren CO2- Ausstoß drastisch hochfahren.

Bush wurde wegen seiner Ablehnung des Protokolls von Kyoto geschmäht und angefeindet. Heute ist offensichtlich, daß er Recht gehabt hatte.

Christopher Fields seinerseits wirkt laut "Spiegel- Online" "erstaunlich gut gelaunt".

Wirklich erstaunlich, denn der IPCC hat mit seinen Prognosen nach Fields Eingeständnis so schlimm danebengelegen, wie man überhaupt nur danebenlieben kann:
"Inzwischen liegen die Prognosen des menschlichen CO2- Ausstoßes außerhalb dessen, was man bei der Erstellung des IPCC-Berichts von 2007 für möglich gehalten hätte", meint Field. "Wir haben es in der Zukunft mit einem Klima zu tun, das weit über alles hinausgeht, was wir auf Basis von Simulationen bisher ernsthaft erwogen haben."
Mit anderen Worten, diese Prognosen haben nichts getaugt. Warum sollten die heutigen besser sein?



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27. Dezember 2008

Zitate des Tages: Barack Obama über Wissenschaft und Ideologie. Und wie das sein künftiger wissenschaftlicher Chefberater sieht

... the truth is that promoting science isn't just about providing resources – it's about protecting free and open inquiry. It's about ensuring that facts and evidence are never twisted or obscured by politics or ideology. It's about listening to what our scientists have to say, even when it's inconvenient – especially when it's inconvenient.

( ... die Wahrheit ist, daß es bei der Förderung der Wissenschaft nicht nur um Finanzmittel geht - es geht darum, eine freie und offene Forschung zu schützen. Es geht darum, dafür zu sorgen, daß Fakten und Belege niemals durch Politik oder Ideologie verdreht oder verdeckt werden. Es geht darum, dem zuzuhören, was unsere Wissenschaftler zu sagen haben, selbst wenn es unbequem ist - vor allem, wenn es unbequem ist.)

Der gewählte Präsident Barack Obama am vergangenen Samstag in einer Radio- Ansprache zu den Grundsätzen seiner Wissenschafts- Politik.


The few climate-change "skeptics" with any sort of scientific credentials continue to receive attention in the media out of all proportion to their numbers, their qualifications, or the merit of their arguments.

And this muddying of the waters of public discourse is being magnified by the parroting of these arguments by a larger population of amateur skeptics with no scientific credentials at all. (...) The extent of unfounded skepticism about the disruption of global climate by human- produced greenhouse gases is not just regrettable, it is dangerous.


(Die wenigen "Skeptiker" in Bezug auf den Klima- Wandel, die überhaupt in irgendeiner Weise wissenschaftlich ausgewiesen sind, genießen in den Medien eine Aufmerksamkeit, die in keinerlei Verhältnis zu ihrer Anzahl, ihrer Qualifikation und der Triftigkeit ihrer Argumente steht.

Und diese Verschmutzung der Gewässer der öffentlichen Auseinandersetzung wird noch dadurch verstärkt, daß diese Argumente durch eine größere Population von Amateur- Skeptikern nachgeplappert werden, die überhaupt nicht wissenschaftlich ausgewiesen sind. (...) Das Ausmaß eines ungerechtfertigten Skeptizismus über die Zerstörung des globalen Klimas durch vom Menschen produzierte Treibhaus- Gase ist nicht nur bedauerlich, es ist gefährlich.)

Der Physiker John P. Holdren, der in Harvard zugleich an der Fakultät für Geographie und Planetologie (Department of Earth and Planetary Sciences) und am Kennedy- Institut für Politologie (Kennedy School of Government) lehrt, im Boston Globe vom 4. August dieses Jahres.

Kommentar: Finden Sie nicht auch, daß Holdrens Verständnis von Wissenschaft, vor allem vom Umgang mit der Meinung von wissenschaftlichen Minderheiten, in diametralem Gegensatz zu dem steht, was Obama in seiner Ansprache - in dankenswerter Klarheit - vertritt?

Und doch hat Obama in derselben Ansprache angekündigt, daß er Holdren zu seinem wissenschaftlichen Chefberater (Assistant to the President for Science and Technology and Director of the White House Office of Science and Technology Policy) ernennen wird.

Weiteres zu der Art, wie Holdren schon seit Jahrzehnten gerade nicht für "freie und offene Forschung" eintritt, sondern für eine Verquickung von Wissenschaft und Politik, kann man in einem Artikel von John Tierney in der New York Times vom Freitag vergangener Woche finden.



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15. Dezember 2008

Zitat des Tages: "Schnee wie seit Jahrzehnten nicht mehr". Statt globaler Erwärmung eine neue Eiszeit?

Im Süden Österreichs schneite es in den vergangenen Tagen so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr, berichtet das Österreichische Fernsehen (ORF). In Norditalien und im südlichen Kalabrien sorgten heftige Schneefälle am Sonntag für ein Verkehrschaos. In Nordspanien behinderten stundenlange Schneefälle den Verkehr, im französischen Zentralmassiv fiel nach heftigen Schneefällen bei zehntausenden Haushalten der Strom aus.

Aus einer heutigen Meldung in "Spiegel- Online".

Kommentar: Zeichen einer globalen Abkühlung? Widerlegung der Hypothese von der menschengemachten globalen Erwärmung?

Es wäre albern, einen kalten Winter so zu interpretieren, oder fünf oder zehn kalte Winter. Innerhalb eines stabilen Klimas wird es immer auch kalte und warme Winter geben, wird es auch mal weniger und mal mehr Stürme, Hurricans, Überschwemmungen geben.

Nur daß uns, seit die globale Erwärmung eine quasi- religiöse Überzeugung und eine politische Ideologie geworden ist, jede Flut wie das Hochwasser der Elbe 2002, jeder Hurrican wie Katrina in New Orleans 2005 als angeblicher Beleg für die globale Erwärmung verkauft wird. Nach derselben Logik, mit derselben Berechtigung müßte man extrem kalte Winter wie den jetzigen als Beleg für eine bevorstehende Eiszeit werten.

Es hat in den vergangenen Jahren eine Erderwärmung gegeben; das läßt sich messen. Ob es sich um eine vorübergehende, vielleicht schon wieder ihrem Ende zugehende Schwankung handelt oder um den Beginn einer dauerhaften Veränderung, weiß niemand. Über die Ursachen gibt es Hypothesen, plausible und weniger plausible, mehr nicht.

Es scheint, daß man diese simplen Sachverhalte immer wieder einmal in Erinnerung rufen muß, angesichts der Propaganda, die in diesem Bereich die Wissenschaft überlagert. Bis hin zum Umwelt- Bundesamt, das auf eine skandalöse Weise Wissenschaftler, die von der momentan mehrheitlichen Meinung abweichen, als unseriös verunglimpft.

Da werden abweichende wissenschaftliche Meinungen als "Desinformation" verleumdet. Den Wissenschaftlern wird unterstellt, von der Industrie bestochen zu sein. Da maßen sich Leute, die von Physik so viel Ahnung haben wie ein Nilpferd vom Schachspielen, zu beurteilen an, welche Klimatologen Recht haben und welche Unrecht; sogar ein abgebrochener Soziologiestudent behauptet, das ganz sicher zu wissen.

Man glaubt sich ins Mittelalter zurückversetzt, als über die Richtigkeit wissenschaftlicher Auffassungen als ein Frage von Rechtgläubigkeit oder Ketzerei entschieden wurde.



Ich halte es für wahrscheinlicher, daß wir uns in einer Phase langfristiger Erwärmung des Erdklimas befinden, als daß das nicht der Fall ist; ich halte es für wahrscheinlicher, soweit ich die Diskussion der Fachleute verfolgen kann. Ich halte es auch für wahrscheinlich, daß es dabei einen menschengemachten Anteil gibt. Hier wie dort muß ich mich als Laie darauf verlassen, daß eine wissenschaftliche Mehrheitsmeinung in den meisten Fällen richtig ist.

In den meisten Fällen; keineswegs immer. Bis zum Experiment von Michelson und Morley im Jahr 1887 glaubte die gesamte physikalische Fachwelt, daß es einen Äther gibt. Sie irrte.

Weil ein Irrtum auch einer großen Mehrheit von Fachleuten stets möglich ist, brauchen wir die offene, vorurteils- und wertfreie wissenschaftliche Diskussion. Es muß immer sichergestellt sein, daß es nicht nur mehrere alternative Meinungen gibt, sondern daß auch jeder Beteiligte die Meinungen der anderen achtet. Zum Wissenschafts- Prozeß gehört es, zu akzeptieren, daß möglicherweise jener Andere die Sache richtig sieht und man selbst falsch.

Es ist in der Wissenschaft so wie in der Politik, wo immer eine demokratische Opposition bereitstehen sollte, um die Regierung zu übernehmen, falls die regierende Partei versagt. Wissenschaftliche Minderheiten müssen ihre Theorien entwickeln, ausbauen, für sie eintreten können, weil diese sich jederzeit als die richtige Alternative erweisen können.

Noch sieht es danach aus, daß das gegenwärtige Standard- Modell richtig ist. Vielleicht hat ja aber am Ende doch jemand wie Robert W. Felix Recht, der unverdrossen Hinweise auf eine globale Abkühlung sammelt, Hinweise gar auf eine bevorstehende neue Eiszeit.

Eine WebSite, täglich mit Meldungen aktualisiert, die gegen die globale Erwärmung sprechen. Sehr empfehlenswert als Antidos gegen die Propaganda, die uns eine fortschreitende globale Erwämung und einen Treibhauseffekt als bewiesene Tatsachen darzustellen versucht.



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10. September 2008

Kurioses, kurz kommentiert: Zweimal politisch korrekt

Also versuchen wir es mit einer Minderheitsregierung ... Minderheitenregierung.

Andrea Ypsilanti gestern Abend bei Kerner; sie war zu dieser Show zugeschaltet worden.

In dieser Sendung war auch Claus Kleber zu Gast, der aus den USA die Angewohnheit mitgebracht hat, klare Fragen zu stellen und sich nicht mit unklaren Antworten zufrieden zu geben. Er erinnerte Frau Ypsilanti daran, daß sie (auch beispielsweise im "heute- Journal", merkte er genüßlich an) nach dem Verhalten der SPD genau in einer Situation wie jetzt in Hessen - keine eigene Mehrheit für Rotgrün, aber auch keine für Roland Koch - gefragt worden sei.

Und für just diese Situation hätte sie doch jede Zusammenarbeit mit "Die Linke" ausgeschlossen. Was sich denn jetzt geändert habe? Darauf hatte Frau Ypsilanti eine entwaffnende Antwort: Damals hätte sie gedacht, "Die Linke" käme nicht ins Parlament.

Kommentar: Da hat sie sich einen Augenblick verplappert, die Andrea Ypsilanti. Denn was sie damit sagte, das war ja: Ich habe jede Zusammenarbeit mit "Die Linke" ausgeschlossen, weil ich dachte, daß sie gar nicht möglich sein würde. Ich habe ein Versprechen gegeben, weil ich annahm, es käme sowieso nicht zu der Situation, in der ich es hätte einhalten müssen.

Aber nun zum Zitat: "Minderheitsregierung" hatte Ypsilanti richtig gesagt und sich dann in "Minderheitenregierung" verbessert.

Man könnte das als Freud'schen Versprecher interpretieren: In Ypsilantis Hinterkopf habe der Gedanke herumgespukt, daß die Umfragen ja inzwischen in der Tat die SPD als eine Minderheit zeigen. Diese abgesackte Partei plus Kommunisten plus Grüne - das wäre in der Tat eine Regierung von "Minderheiten".

Ich glaube aber nicht an eine Freud'sche Fehlleistung. Schon deshalb nicht, weil solche Fehlleistungen kaum jemals in Korrekturen vorkommen, sondern eher ihrerseits der Gegenstand von Korrekturen sind. Ypsilanti hat sich korrigiert. Sie hatte erst richtig "Minderheitsregierung" gesagt und das dann zu "Minderheitenregierung" verbessert.

Was wollte also Frau Ypsilanti da korrigieren, und warum?

Sie hatte, vermute ich, so etwas im Kopf wie den "politisch korrekten Vielfalts- Plural". Man sagt nicht mehr "Soldaten", sondern "Soldatinnen und Soldaten". Man spricht nicht mehr von "Deutschen" sondern von "den in Deutschland lebenden Menschen". Aus dem Wort "Energie" hat man den Plural "Energien" hervorgezogen.

Wessen Gehirn voll ist mit solchen Pluralen, für den klingt "Minderheit" irgendwie nicht richtig. "Minderheiten", so ist es politisch korrekt.



Das zweite kuriose Zitat stammt von dem amerikanischen Standup Comedian Bill Maher, einer Art amerikanischem Harald Schmidt. Er äußerte sich gestern Abend in CNN über Sarah Palin, wer tut das nicht in diesen Tagen. Und er tat das in der Weise, daß er Gründe dafür aufzählte, warum er sie nicht wählen würde. Darunter war dieser Grund:

Because she doesn't believe in Global Warming.

Kommentar: Ist das nicht schön? Früher einmal verfiel jemand der sozialen Mißachtung, wenn er nicht an Gott glaubte, oder nicht an den Dialektischen Materialismus. Und heutzutage wird man - jedenfalls für Leute wie Bill Maher - unwählbar, wenn man nicht an die Globale Erwärmung glaubt.

Zumindest sollte man als Politiker also seinen Wählern vor der Wahl versprechen, daß man an die Globale Erwärmung glaubt.

Nach der Wahl, das wird man dann sehen.



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21. Juli 2008

Marginalie: Wie die Amerikanische Physikalische Gesellschaft mit einem Klimaskeptiker verfuhr

Es geht nur um eine kurze Notiz in einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift. Aber was im American Thinker Marc Sheppard am Samstag beschrieben hat, ist doch ein kleiner Skandal.

Jedenfalls wirft der Vorgang ein Schlaglicht auf die Art, wie in der Scientific Community mit Autoren umgegegangen wird - oder sagen wir vorsichtiger: umgegangen werden kann -, die eine "klimaskeptische" Position einnehmen. Womit bekanntlich nicht gemeint ist, daß sie dem Klima skeptisch gegenüberstehen, sondern daß sie Zweifel an der Standard- Story von der vom Menschen verursachten, auf einem Treibhauseffekt basierenden globalen Erwärmung artikulieren.



Was mich angeht - ich bin kein Klimaskeptiker in diesem Sinn. Ich verstehe nichts von Klimaforschung und sehe mich außerstande, in Bezug auf ein so hochspezialisiertes, interdisziplinäres und mit komplexen mathematischen Modellen arbeitendes Forschungsgebiet eine Meinung zu haben.

Also bin ich kein Klimaskeptiker, sondern ein Klimagnostiker: Ich traue mir kein Urteil darüber zu, ob sich das Klima gegenwärtig erwärmt (wofür wohl viel spricht), ob es sich künftig erwärmen wird (was die meisten Modelle vorhersagen; vielleicht stimmen sie, vielleicht nicht) und wenn ja, wieweit dafür ein menschengemachter Treibhauseffekt ursächlich ist.

Das alles weiß ich nicht. Ich weiß aber so ungefähr, wie Wissenschaft funktioniert. Nämlich unter anderem so, daß es zu bestimmten Themen häufig das gibt, was man "das Standardmodell", "conventional wisdom", "a widely held view", die "herrschende Auffassung" und dergleichen nennt - eine Auffassung, die von der Mehrheit der Fachleute zu einem bestimmten Zeitpunkt geteilt wird.

Manchmal erhärtet sich diese wissenschaftliche Position im Lauf der Forschung so, daß sie nah an Gewißheit heranreicht; wie zum Beispiel bei der Darwin'schen Evolutionstheorie. Manchmal erweist sie sich als irrig, wie beim Äther, dessen Existenz bis zum Experiment von Michelson und Morley im Jahr 1887 als sicher galt. Am Häufigsten ist es, daß ein solches Standard- Modell in seinem Kern Bestand hat, aber modifiziert und differenziert wird, wie etwa das Atommodell von Niels Bohr.

Welches dieser möglichen Schicksale einem Standard- Modell, einer herrschenden Meinung widerfährt, das ist trivialerweise offen. Es entscheidet sich erst im weiteren Forschungsprozeß.

Folglich gehört es es zu dessen Grundregeln, daß diejenigen, die der herrschenden Meinung skeptisch gegenüberstehen, dieselbe Stimme, gleiche Publikationsmöglichkeiten, dasselbe Anrecht auf vorurteilsfreie Diskussion ihrer Argumente haben wie seine Anhänger. Nur so kann ja herausgefunden werden, wie es mit der Richtigkeit dieses Modells, dieser Meinung bestellt ist.

Das gilt für Fachwissenschaftler; aber es gilt auch für Laien, die sich in die betreffende Materie eingearbeitet haben und die sich ein Urteil zutrauen. Es gilt zum Beispiel für Al Gore, der kein Klimatologe ist, der aber das Recht hat, daß seine Meinung zur globalen Erwärmung ernstgenommen wird. Ebenso gilt es für einen seiner Antipoden, den britischen Viscount Christopher Monckton of Brenchley.



Soweit eine kleine Erinnerung an das, was eigentlich so selbstverständlich sein sollte, daß es überflüssig sein müßte, daran zu erinnern.

So ist es aber nicht.

Vergangenes Jahr war hier zu lesen, wie das Umwelt- Bundesamt mit der Meinung von Klimaskeptikern verfährt: Nämlich so, wie die römische Inquisition mit dem Galileo Galilei verfahren ist; wenn auch vorläufig ohne deren Machtmittel.

Und jetzt also der Fall in den USA, über den Marc Sheppard berichtet. Es geht um einen Aufsatz im Forum on Physics and Society, einer Internet- Zeitschrift, die von der American Physical Society (APS) herausgegeben wird, der wissenschaftlichen Vereinigung amerikanischer (und vieler internationaler) Physiker.

Die Herausgeber dieser Zeitschrift hatten Autoren eingeladen, ihre Thesen zur globalen Erwärmung in jeweils einem Aufsatz zusammenzufassen; auf der einen Seite die Anhänger des Standard- Modells David Hafemeister und Peter Schwartz und auf der anderen Seite den Klimaskeptiker Christopher Monckton of Brenchley. Wie gesagt, kein Klimaforscher; er hat Altphilologie und Jurnalistik studiert. In der Klimadebatte spielt er, jedenfalls im UK, eine ähnliche Rolle wie Al Gore, nur eben auf der anderen Seite.

Bevor Sie weiterlesen, möchte ich Ihnen vorschlagen, auf diese WebSite zu gehen. Dort finden Sie den Artikel, um den es geht. Und ganz zu Beginn finden Sie das Skandalöse, nämlich einen redaktionellen Vorspann, rot gedruckt:
The following article has not undergone any scientific peer review. Its conclusions are in disagreement with the overwhelming opinion of the world scientific community. The Council of the American Physical Society disagrees with this article's conclusions.

Der folgende Artikel ist nicht von Experten begutachtet worden. Seine Schlußfolgerungen stehen im Widerspruch zu der überwältigenden Meinung der weltweiten Gemeinschaft der Wissenschaftler. Der Beirat der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft stimmt mit den Folgerungen dieses Artikels nicht überein.
Da haben wir ihn, den Skandal.

Es steht einer Zeitschrift frei, einen eingereichten oder eingeladenen Artikel einem wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren zu unterziehen und ihn dann, wenn die Gutachten negativ ausfallen, abzulehnen. Sie kann selbstverständlich auch dann, wenn sie einen Artikel als kontrovers einstuft, einen Beitrag anderer Autoren hinzusetzen, der die Gegenmeinung vertritt. Der Leser kann sich dann frei seine Meinung bilden.

Aber einen Artikel zur Publikation anzunehmen und dann ex kathedra in einem Vorspann ein negatives Urteil zu fällen - das ist nicht nur völlig unüblich, sondern es ist inakzeptabel. Zumal, so berichtet Marc Sheppard, dieser Vorspann erst nach einigen Tagen dem Artikel vorangestellt wurde. Da dürfte also ein Hintergrund aufklärungsbedürftig sein.

Und zumal Monckton vehement bestreitet, daß sein Manuskript nicht begutachtet worden sei. Er habe ein ausführliches Gutachten von einem Physiker erhalten, dessen Kritik und Verbesserungsvorschläge er bei der Revision des Manuskripts Punkt für Punkt berücksichtigt habe.

Der Brief Moncktons, in dem das steht, ist am Ende des Artikels von Sheppard zu finden. Darin stellt Monckton auch die sehr berechtigten Fragen, wer auf welcher Sitzung des Beirats der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft das vernichtende Verdikt über seinen Artikel gefällt habe und welche von dessen Schlußfolgerungen denn eigentlich von diesem Beirat zurückgewiesen würden.



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3. Februar 2008

Marginalie: Heute erfahren - ich bin ein Klimagnostiker!

In "Letter of Intent" hat Wullenwever einen Begriff eingeführt, der mir sofort eingeleuchtet hat. Einen jener Begriffe, von denen man, kaum hat man sie das erste Mal gelesen, sich fragt, warum es sie nicht schon immer gegeben hat.

"Klimagnostiker". Ja, genau. Endliche habe ich für meine Position in der Klima- Diskussion einen Namen gefunden, oder genauer: ihn entdeckt. Einen Namen, der auch zu meinem Selbstverständnis in einem anderen Bereich paßt.

Es geht mir ein wenig wie dem M Jourdain in Molières Bourgeois Gentilhomme, der Lektionen beim Philosophen nimmt und von ihm den Unterschied zwischen Lyrik und Prosa erfährt. "Par ma foi! il y a plus de quarante ans que je dis de la prose sans que j'en susse rien", ruft er daraufhin aus. "Bei meiner Treu! Seit mehr als vierzig Jahren spreche ich Prosa und wußte nichts davon".

So bin ich schon lange, wenn auch nicht vierzig Jahre, ein Klimagnostiker. Und wußte bis heute nichts davon.

Der Wortschöpfung von Wullenwever wünsche ich, wie übrigens auch seinem schönen Blog, viel Erfolg.

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1. November 2007

Ein Untoter steigt aus seiner Grube ...

... wie man es zu Halloween, zu Samhain erwarten darf.

Was erhebt sich da klapppernd - und langsam, langsam - aus seinem Grab, in das es vor dreißig Jahren gelegt worden war? Ja, Sie sehen richtig: Es ist das allgemeine Tempolimit. Zu Grabe getragen, schon einmal als Untoter auferstanden, wieder zurück befördert in die Grube, erneut herausgestiegen, wieder begraben.

Und nun ist es wieder da, das Tempolimit, vernehmlicher mit seinem ausgemergelten Gerippe klappernd denn je.



Wer gestern "Hart, aber fair" gesehen hat, der glaubte sich - so er diese Zeit bewußt erlebt hat - in die Zeit Anfang der siebziger Jahre zurückkatapultiert, in die Zeit der "Energiekrise", der "autofreien Sonntage".

In die Zeit, in der - es war am 28. Februar 1974 - der ADAC den Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" kreierte.

Einen Slogan, der ihm dann später, als die Tugendwächter allmählich meinungsführend wurden, oft um die Ohren gehauen wurde.

Damals aber siegte die Vernunft. Es gab nicht mehr als die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen, eingeführt 1976.



Die Zahl der Unfalltoten sank. Aber der Untote rührte sich.

Das erste Mal stieg er, der Untote, Anfang der achtziger Jahre wieder aus seiner Grube. Es war die Zeit der Diskussion um das "Waldsterben". An eine globale Erwärmung dachte damals noch kaum jemand; aber die Abgase, die dem Wald schaden, sollten durch langsameres Fahren verringert werden.

In den Jahren 1984 und 1985 wurde vor diesem Hintergrund ein "Großversuch" mit Tempo 100 auf ausgewählten Autobahn- Abschnitten durchgeführt. Die Ergebnisse waren derart, daß die Bundesregierung am 19. November 1985 beschloß, kein Tempolimit einzuführen.

Zurück in die Gruft!



Die Zahl der Verkehrstoten ging weiter zurück. Dank Verbesserungen in der aktiven, der passiven Sicherheit der Autos. Ohne Tempolimit.

Der Katalysator wurde Pflicht. Die Industrie verpflichtete sich zur Verminderung der Schadstoffe in den Abgasen. Diese nahmen weiter ab. Ohne Tempolimit.

Dennoch reckte er sich wieder aus seiner Grube, der Untote. Kurz nach der Wiedervereinigung, im Jahr 1991, forderte der damalige Umweltminister Töpfer ein Tempolimit auf Autobahnen. Er wurde aber sofort vom Verkehrsministerium gestoppt. "Der Großversuch 1984 bis 1985 hat eindeutig gezeigt, daß ein Tempolimit den Verkehr weder sicherer macht, noch die Abgase wesentlich verringert", bemerkte dazu Gert Scholz, Sprecher des Verkehrsministeriums. Töpfer machte einen Rückzieher und erklärte, er habe nie ein generelles Tempolimit verlangt.

Der Untote hatte kurz aus seiner Grube gewunken, war dann aber wieder in sie zurückgesackt.



Vielen wird es gegangen sein wie mir: Ich hatte das Thema schon vergessen. Das Tempolimit schien so fest in seiner Grube zu ruhen, als habe man ihm einen Pflock ins Herz gerammt und sicherheitshalber noch eine Schicht feinsten Knoblauchs über ihn gestreut, darauf ein Kruzifix.

Aber nein. So leicht wird man mit diesem Untoten nicht fertig. Jetzt hat die SPD ihn also wieder an die Luft, wenn auch vielleicht noch nicht ans helle Tageslicht befördert.

Die Lage hat sich nicht geändert. Die Abgaswerte sinken weiter. Die Zahl der Unfalltoten ist inzwischen niedriger als 1953. Damit liegt Deutschland in Europa bei den niedrigsten Opferzahlen. Ohne generelles Tempolimit.

Um vielleicht 0,3 oder 0,4 Prozent würde der CO2-Ausstoß in Deutschland sinken, führte man ein Tempolimit auf Autobahnen ein. Das sagen die Experten des Verkehrsministeriums, der Industrie.

Genau weiß das aber niemand. Denn die letzten verfügbaren Daten stammen aus den neunziger Jahren. Man dachte ja, der Untote sei endgültig in seine Grube verbannt.



Also, was soll dieser vermuffte Tanz der Vampire? Was in aller Welt denkt sich die SPD dabei, diesem klapprigen, vergammelten Untoten wieder aus seiner Grube zu verhelfen?

In "Hart aber fair" hat es einer der Pro- Tempolimit- Diskutanten gesagt: Es gehe ja gar nicht so sehr um den tatsächlichen Umwelt- Effekt. Es gehe darum, ein Signal zu setzen.

Mit anderen Worten: Es geht, wie beim Rauchverbot in Gaststätten, um eine Schikane.

Es geht darum, "bewußtseinsbildend zu wirken". Die Ideologen wollen denjenigen, die sich ihrer Ideologie nicht fügen, zeigen, wer in diesem Land nicht nur die Meinungsführerschaft hat, sondern auch die Machtmittel, seine Meinung gegenüber Dissidenten durchzusetzen. Und natürlich ist es auch ein gutes Gefühl, den Porsche- und BMW- Fahrern eins auszuwischen.

Dafür lohnt es sich schon mal, einen Untoten aus seiner Grube zu holen.

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27. Juli 2007

Hurricans und globale Erwärmung - ein modernes Märchen?

Erinnnern Sie sich noch? Als vor knapp zwei Jahren New Orleans von der "Katrina"- Katastrophe betroffen war, reagierten viele Deutsche, vor allem aus dem rotgrünen Spektrum, nicht primär mit Mitleid mit den Opfern.

Sondern sie nahmen die Katastrophe zum Anlaß, auf die USA wegen ihrer angeblich schlechten Klimapolitik einzuprügeln. Die englische Ausgabe von "Spiegel-Online" hat damals einige dieser Stimmen zusammengestellt.

Einmal abgesehen vom arroganten Stil dieser Wortmeldungen, einmal abgesehen davon, daß aus Deutschland zwar viel Gerede kam, aber wenig Spenden für die Opfer - davon also abgesehen: Stimmt denn überhaupt die Voraussetzung, daß Katrina, daß überhaupt Hurricans irgend etwas mit Klimawandel zu tun haben?



Im gestrigen "Wall Street Journal" steht dazu ein Artikel von William Gray, Emeritus des Department of Atmospheric Science der Colorado State University.

An dieser Universität erforscht seine Arbeitsgruppe seit Jahrzehnten die Ursachen für Hurricans. Seit 24 Jahren gehört er zu den Experten, die jährliche Hurrican- Vorhersagen für das Atlantik- Becken erarbeiten.

Am 3. August wird er zusammen mit seinem Kollegen Phil Klotzbach eine aktualisierte Vorhersage vorlegen. Sie wird für 2007 eine überdurchschnittliche Zahl von Hurricans vorhersagen.



Denn es gibt seit 1995 eine verstärkte Hurrican-Aktivität in der Karibik. Katrina war ein Beispiel dafür.

Aha, kurzschließen Menschen, die von Klimatologie wenig, von Ideologie aber umso mehr verstehen - also ist es doch die globale Erwärmung, die für die Zunahme der Häufigkeit von Hurricans ist. Denn auch die hat ja auch seit ungefähr 1995 zugenommen.

Und wenn man - siehe den oben verlinkten Artikel damals in "Spiegel-Online" - nicht nur Ideologe ist, sondern auch noch so arrogant wie der damalige Minister Trittin, dann kriegt man von da leicht die Kurve zum USA bashing.



Professor Gray sieht das anders. Verantwortlich für die momentane Zunahme der Hurricans ist, schreibt er, das Salz im Ozean. Jawohl, das Salz.

Seine Argumentation geht so:

Zunächst einmal weist er nach, daß wir zwar seit 1995 eine Periode verstärkter Hurrican- Aktivität haben, daß das aber keineswegs einen langfristigen Trend ausdrückt. Von 1957 bis 2006, also in einer Periode vermutlicher globaler Erwärmung, trafen die USA 83 Hurricans, davon 34 schwere. In der Periode von 1900 bis 1949 gab es aber 101 Hurricans, darunter 39 schwere. Nicht die Spur eines Trends hin zu mehr oder schwereren Hurricans.

Wohl aber Hinweise auf eine zyklische Veränderung. Von den vierziger bis zu den sechziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es eine ähnliche Zunahme wie jetzt seit 1995. Perioden geringer Hurrican-Aktivität waren 1970-1994 und 1900-1925.



Das begründet die Hypothese, daß andere, sich ebenfalls zyklisch ändernde Faktoren für die Hurrican-Aktivität (mit)verantwortlich sein könnten.

Als den entscheidenden Faktor sieht Professor Gray den Salzgehalt des Atlantik an.

Aufgrund dieses - im Atlantik wegen seiner Landbegrenzungen besonders hohen - Salzgehalts gibt es eine Oberflächenströmung warmen Wassers nach Norden, wo es sich abkühlt, absinkt und als Tiefenströmung nach Süden zurückkehrt. Das ist die thermohaline Zirkulation (THC). Je stärker sie ist, umso mehr Luftzirkulation gibt es über dem Atlantik, deshalb umso mehr Hurricans.

Diese THC unterliegt nun Schwankungen aufgrund natürlicher Variationen im Salzgehalt des Atlantik.

Und siehe - schreibt jedenfalls Gray - : Perioden verstärkter THC korrelieren mit Perioden erhöhter Hurrican-Aktivität.



Warum findet diese Theorie - mehr kann es natürlich nicht sein - so wenig Beachtung im Vergleich zu der Theorie, die verstärkte Hurrican-Aktivität gehe auf globale Erwärmung zurück?

Dazu möchte ich die Schlußpassage des Artikels zitieren; auch deshalb, weil sie zeigt, wie es heute einem empirischen Wissenschaftler unter Globalisierungs- Theoretikern ergehen kann. Gray fragt, warum die Arbeiten seiner Gruppe so wenig rezipiert werden, und antwortet:
One reason may be that the advocates of warming tend to be climate modelers with little observational experience. Many of the modelers are not fully aware of how the real atmosphere and ocean function. They rely more on theory than on observation.

The warming theorists -- most of whom, no doubt, earnestly believe that human activity has triggered nature's wrath -- have the ears of the news media. But there is another plausible explanation, supported by decades of physical observation. The spate of recent destructive hurricanes may have little or nothing to do with greenhouse gases and climate change, and everything to do with the Atlantic Ocean's currents.

Ein Grund mag sein, daß die Vertreter der Erwärmung in der Regel Klima- Modellierer sind, die wenig Erfahrung mit Beobachtungen haben. Viele dieser Modellierer wissen nicht so genau, wie die wirkliche Atmosphäre und die Ozeane funktionieren. Sie vertrauen der Theorie mehr als der Beobachtung.

Die Erwärmungstheoretiker -- von denen die meisten zweifellos ernsthaft glauben, daß menschliche Aktivität den Zorn der Natur erregt hat -- haben das Ohr der Medien. Aber es gibt eine andere plausible Erklärung, die sich auf Jahrzehnte der Naturbeobachtung stützt. Die Vielzahl der zerstörerischen Hurricans in letzter Zeit könnte wenig oder nichts mit Treibhausgasen und Klimaänderung zu tun haben, und alles mit den Strömungen im Atlantischen Ozean.



Ich will keineswegs behaupten, daß Professor Gray Recht hat. Wie in früheren Beiträgen - hier und hier - begründet, habe ich zum Klimawandel keine Meinung; so wenig, wie zu anderen wissenschaftlichen Themen, von denen ich nichts verstehe.

Nur: Ich habe schon den Eindruck, daß in der Klima- Diskussion im Augenblick (auch und gerade in der Scientific Community) eine Entwicklung hin zur Dominanz einer einzigen Theorie im Gang ist, während abweichende Meinungen immer weniger gehört werden.

So etwas gibt es immer einmal, auch in einer freien Wissenschaft.

So krass unwissenschaftlich wie auf der WebSite des deutschen Umwelt-Bundesamts, das jede abweichende Meinung als Scharlatanerie darstellt, geht es allerdings in der Wissenschaft zum Glück nicht zu.

Was sich dieses von unseren Steuergeldern bezahlte Amt leistet, das hat in der Tat große Ähnlichkeit mit der Art, wie in totalitären Staaten eine bestimmte wissenschaftliche Meinung staatlich dekretiert wird.

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12. Januar 2007

Zettels Meckerecke: Mündige Bürger? Vollmundige, jedenfalls

In der ORF-Nachrichtensendung "Zeit im Bild" war heute Abend der Meteorologe Herbert Gmoser zu Gast. Natürlich wurde er gefragt, ob der diesjährige milde Winter denn der Ausdruck einer Klimaänderung sei. Und natürlich sagte er das, was jeder ernstzunehmende Wissenschaftler sagen wird: Vielleicht, vielleicht nicht. Wir wissen es nicht. Das Wetter weist nun einmal eine große Variabilität auf. Und er erinnerte daran, daß letztes Jahr der Winter ausgeprochen streng gewesen ist.

Was die Fachleute nicht wissen, das wissen allerdings die Laien. Jedenfalls die deutschen Laien. Jedenfalls die rund tausend Deutschen, die vom ZDF für das heute gesendete Politbarometer befragt wurden. Jedenfalls fast alle von ihnen.

Genauer: Ungefähr 960 von den ungefähr tausend Befragten wußten das, was den Meteorologen leider verborgen ist.

Sie wurden gefragt, ob das diesjährige milde Winterwetter die "Folge des Klimawandels" sei. 60 Prozent bejahten das. 36 Prozent wählten die Alternative, daß es sich um "normale Klimaschwankungen" handle. Die restlichen 4 Prozent entschieden sich für keine der beiden Alternativen - sei es, weil sie die Frage nicht verstanden hatten; sei es, weil sie - vielleicht - den Gedanken fassen konnten, daß sie das gar nicht wußten.

Daß sie schlicht nicht sagen konnten, ob es nun normale Klimaschwankungen sind, die uns diesen Winter beschert haben, oder ob er eine Folge "des Klimawandels" ist.



Ein Anlaß für einen Beitrag in der "Meckerecke"? Ja. Wobei ich weniger über die 960 Menschen zu meckern habe, die etwas zu wissen glaubten, was nicht einmal die Fachleute wissen. Sie haben dumm geschwätzt, ob sie nun dem einen oder dem anderen Statement zustimmten. Sie haben sich auf eine Antwort festgelegt, die sie überhaupt nicht verantworten konnten.

Aber viel mehr Meckerei verdienen natürlich diejenigen, die sich solche saublöden Fragen ausdenken. Und die mit ihrer Formulierung der Frage auch gleich noch suggerieren, ein "Klimawandel" sei bereits bewiesen. Die die Menschen, die sie befragten, dazu aufforderten, zu einer Frage eine Meinung zu äußern, zu der sie überhaupt keine begründete Meinung haben konnten.



Zu einer Frage, die überhaupt nicht der Gegenstand von Meinungen ist; anders, als etwa die Beurteilung eines Politikers oder eine Regierung.

Es geht hier ja vielmehr um Fakten, mindestens um wissenschaftlich begründete Hypothesen. Wer sich in der betreffenden Wissenschaft nicht auskennt, der sollte eigentlich in der Lage sein, sein Nichtwissen zu erkennen. Statt irgend etwas zu behaupten zu einem Thema, von dem er keine Ahnung hat.

Unsere Schulen sollten eigentlich ihre Schüler zu kritischem Denken erziehen. Dazu gehört ganz zuvorderst, daß man ein Verständnis dafür hat, was man selbst weiß, was die Wissenschaft weiß, und was man eben nicht oder noch nicht weiß.

"Kritisches Denken" - das wird aber von vielen Pädagogen, vielen Kultusbürokraten, vielen Politikern umgekehrt gerade so verstanden, daß die Schüler lernen müßten, "sich eine Meinung zu bilden".

Über alles und jedes, wovon sie keine Ahnung haben. Die Sicherheit der Nuklearenergie, die Gefährlichkeit von Genfood. Vor etlichen Jahren über die Wahrscheinlichkeit, daß der "Rinderwahn" zu einer Epidemie unter Menschen führen würde.

Auch damals haben vermutlich die Demoskopen danach gefragt. Und die Befragten, die das so wenig wußten, wie sie heute wissen, ob der milde Winter etwas mit globaler Erwärmung zu tun hat, werden in ihrer Mehrheit dennoch eine Antwort gewußt haben.

Mündige Bürger? Eher vollmundige Bürger.