28.12.12

Wie sehen eigentlich die Amerikaner die "Waffenlobby" in ihrem Land? Eine aktuelle Umfrage von Gallup

Nach der Bluttat von Newtown war in den deutschen Medien nachgerade stereotyp von "der US-Waffenlobby" die Rede; oft mit dem Zusatz "mächtige". Man mußte den Eindruck haben, daß da eine finstere Macht daran arbeitet, vernünftige Gesetze zu verhindern.

Gemeint ist mit "US-Waffenlobby" vor allem die National Rifle Association (NRA). Es handelt sich um eine als gemeinnützig anerkannte Organisation (501(c) organzisation), die für das in der US-Verfassung (Second Amendment) verankerte Recht unbescholtener US-Bürger eintritt, Waffen zu besitzen. Die NRA hat 4,3 Millionen Mitglieder. Sie bietet Sicherheitstraining im Waffengebrauch an und pflegt den Waffensport.

Wie sehen die Amerikaner diese Organisation? Teilen sie die Beurteilung, die man in unseren Medien findet? Gallup hat dazu gestern eine neue Umfrage publiziert.

Die Umfrage wurde vom 19. bis 22. Dezember durchgeführt, also nach der Bluttat von Newtown (siehe Noch einmal die Bluttat von Newtown: Was die Probleme sind, und was nicht; ZR vom 22. 12. 2012). Gefragt wurde:
Was ist, alles in allem, Ihre Meinung über die National Rifle Organisation, auch NRA genannt - ist sie sehr gut (very favorable), überwiegend gut (mostly favorable), überwiegend schlecht (mostly unfavorable) oder sehr schlecht (very unfavorable)?
Eine "sehr gute" Meinung hatten 21 Prozent und eine "überwiegend gute" 33 Prozent; zusammen also 54 Prozent der Befragten.

"Sehr schlecht" war die Meinung von 18 Prozent und "überwiegend schlecht" die von 20 Prozent; zusammen also 38 Prozent.

Gallup hat diese Frage seit 1993 in unregelmäßigen Abständen gestellt. 54 Prozent positive Antworten ist der zweithöchste bisher gemessene Wert; nur 2005 war er mit 60 Prozent noch höher. 38 Prozent negative Antworten ist der zweitniedrigste gemessene Wert; nur 2005 gaben noch weniger der Befragten (34 Prozent) an, eine negative Meinung von der NRA zu haben.

Zwischen Anhängern der Parteien gibt es deutliche Unterschiede. Von denen der Demokraten haben nur 36 Prozent eine positive Meinung von der NRA, aber eine Mehrheit von 58 Prozent eine negative. Bei den Republikanern ist hingegen die Zustimmung massiv (83 Prozent positive Meinungen); nur 14 Prozent haben eine überwiegend schlechte oder sehr schlechte Meinung.



Das Image der NRA ist also in den USA radikal verschieden von dem in Deutschland. Die Organisation findet im Land selbst überwiegend Zustimmung; selbst von den Demokraten haben mehr als Drittel eine gute Meinung von ihr.

Das heißt aber nicht, daß man jeder ihrer Positionen zustimmen würde. Daß sie der NRA immer zustimmen, sagten in der Umfrage nur 6 Prozent; daß sie ihr meist zustimmten, nur 29 Prozent. 32 Prozent stimmen ihr nur manchmal zu, 29 Prozent nie.

Eine ähnliche Umfrage hat das Institut Ipsos im April dieses Jahres durchgeführt.

In ihr gaben sogar mehr als 60 Prozent eine positive Meinung zur NRA an. Zugleich forderte aber eine ebenso große Mehrheit eine bessere Kontrolle des Waffenbesitzes. Wie sie nach Meinung der Mehrheit aussehen sollte, geht aus den Antworten auf Einzelfragen hervor:

  • 75 Prozent befürworteten es, daß gesetzestreue Bürger Waffen besitzen dürfen; nur 13 Prozent lehnten das ab.

  • 67 Prozent waren für gesetzliche Regelungen, die es Bürgern erlauben, sich gegen Verbrecher mit einer potentiell tödlichen Waffe zu wehren (to use deadly force); nur 27 Prozent lehnten das ab.

  • Aber 74 Prozent sprachen sich für Beschränkungen beim Verkauf automatischer Waffen aus; und 91 Prozent forderten, daß jemand, der eine Waffe kaufen möchte, zunächst einer Überprüfung unterzogen wird (background checks).
  • In ihrer großen Mehrheit stehen die Amerikaner also dem privaten Waffenbesitz positiv gegenüber; aber ebenso deutlich ist die Mehrheit derer, die diesen eingeschränkt und besser kontrolliert sehen wollen.
    Zettel



    © Zettel. Für Kommentare bitte hier klicken. Titelvignette vom Autor Daniel X. O'Neil unter Creative Commons Attribution 2.0 Generic-Lizenz freigegeben.