30. Dezember 2012

Zettels Meckerecke: Der sehr funktionsfähige Jörg Schönenborn

Jörg Schönenborn, gegen den ich bis dahin nichts gehabt hatte, ist mir zum ersten Mal im September 2010 zur Zeit der Sarrazin-Diskussion aufgefallen; und zwar unangenehm.

Dieser Chefredakteur des WDR-Fernsehens ist bekanntlich bei der ARD für Umfragen im "Deutschlandtrend" zuständig. Als über Sarrazin diskutiert wurde, brachte er es fertig, daß die einfachste und offensichtlichste Frage nicht gestellt wurde: Ob man nämlich eher Sarrazin zustimmt oder eher seinen Kritikern. Warum das nicht gefragt wurde, hat Schönenborn damals wortreich und windelweich zu begründen versucht

29. Dezember 2012

Deutschland hat wieder einen Weltstar: Helene Fischer


Helene Fischer ist mir vor Jahren das erste Mal aufgefallen, als ich beim Herzumzappen in irgendeiner Show der Volks­musik gelandet bin. Und wow! - da sang eine, die alles andere war als ein dummtreues Mädel der Volksmusik.

Wenn ich danach gelegentlich zu Bekannten gesagt habe, daß mich Helene Fischer beeindruckt, dann mußte ich mich ducken. Mensch, Zettel. Du! Ausgerechnet!

28. Dezember 2012

Aufstieg und Fall der Liberalen. Kommentare und Analysen zur FDP in ZR

In drei Wochen eröffnen die Land­tags­wahlen in Nieder­sachsen das Wahljahr 2013. In allen Umfragen seit Mai 2011 liegt die FDP in Niedersachsen unter 5 Prozent.

Mag sein, daß sie es mit Leihstimmen dennoch wieder in den Landtag schafft; denn die CDU hat ohne den Partner FDP keine Chance, an der Regierung zu bleiben. Aber was, wenn die FDP im Heimatland ihres Vorsitzenden nicht nur aus der Regierung, sondern gleich auch noch aus dem Landtag fliegt?

Ein Menetekel ist es. Eine Schrift an der Wand: Gewogen und zu leicht befunden, so heißt es im Buch Daniel.

Wie konnte es so weit kommen mit der FDP? Wie war der beispiellose Niedergang einer Partei möglich, die im September 2009 mit 14,6 Prozent der Zweitstimmen ihr bestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik geschafft hatte; die damit fast zwei Drittel des Ergebnisses der SPD (23,0 Prozent) eingefahren hatte?

So etwas hat es in der deutschen Parteiengeschichte noch nicht gegeben. Und es gibt keine offensichtliche Erklärung.

Wie sehen eigentlich die Amerikaner die "Waffenlobby" in ihrem Land? Eine aktuelle Umfrage von Gallup

Nach der Bluttat von Newtown war in den deutschen Medien nachgerade stereotyp von "der US-Waffenlobby" die Rede; oft mit dem Zusatz "mächtige". Man mußte den Eindruck haben, daß da eine finstere Macht daran arbeitet, vernünftige Gesetze zu verhindern.

Gemeint ist mit "US-Waffenlobby" vor allem die National Rifle Association (NRA). Es handelt sich um eine als gemeinnützig anerkannte Organisation (501(c) organzisation), die für das in der US-Verfassung (Second Amendment) verankerte Recht unbescholtener US-Bürger eintritt, Waffen zu besitzen. Die NRA hat 4,3 Millionen Mitglieder. Sie bietet Sicherheitstraining im Waffengebrauch an und pflegt den Waffensport.

Wie sehen die Amerikaner diese Organisation?

27. Dezember 2012

Japan setzt weiter auf die Kernenergie. Frankreich und China entwickeln gemeinsam einen neuen Reaktor. Um die Aussteigernation herum wird es einsam


Das vermutlich extremste Beispiel ideologischer Verblendung in der deutschen Politik war und ist die Annahme, daß die Welt im Begriff sei, die Nutzung der Kernkraft zur Stromerzeugung aufzugeben. Mit dem Beschluß, die eigenen Kernkraftwerke zu schließen, wollte man sich an die Spitze dieses unterstellten Prozesses setzen.

Ohne diese Voraussetzung macht der deutsche "Ausstieg" überhaupt keinen Sinn. Sein einziger Effekt wird dann sein, in Deutschland Energie zu verteuern und damit unseren Wohlstand zu mindern.

An unseren Grenzen werden dann weiter KKWs stehen, wie das oben abgebildete in Cattenom im französischen Lothringen; zwölf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Der vorgeblichen Gefahr, Opfer einer Wiederholung des Unfalls von Fukushima zu werden, werden dann auch wir Deutschen weiter ausgesetzt sein; nur minimal verringert.

Wie abwegig die Erwartung ist, daß die Welt hinter uns deutschen "Vorreitern" herreiten wird, geht aus zwei heutigen Meldungen hervor:

26. Dezember 2012

Die Adenauerzeit, die Achtundsechziger, die RAF. Die Deutschen und das Atom. Zeitgeschichtliches in ZR

Wann wird politische Gegenwart zu Zeitgeschichte; wann wird Zeitgeschichte zu Geschichte?

Das, was noch in der Diskussion ist, im Werden, ist noch keine Zeitgeschichte. Dazu wird es erst dann, wenn es eine gewisse Endgültigkeit erreicht hat; wenn aus Dynamik Strukturen entstanden sind. Zur Zeitgeschichte, könnte man vielleicht sagen, wurde die West­integration der Bundes­republik, als auch die SPD sie akzeptiert hatte; und die Ostpolitik, als auch Helmut Kohl sie nicht mehr rückgängig machen wollte. Zur Zeitgeschichte wurde der europäische Kommunismus im Augenblick seines Untergangs; also 1989/90.

Warum zur Zeitgeschichte und nicht gleich ganz einfach zu Geschichte?

25. Dezember 2012

Spargel auf dem Mars? Und warum ist Itokawa nicht rund? Astronomisches in ZR


Dieses Foto zeigt den Planeten Saturn, fotografiert von der Raumsonde Cassini am 6. Oktober 2004. Klicken Sie doppelt darauf, um das Bild in seiner ganzen Schönheit zu sehen.

Solche Bilder sind heute schon fast alltäglich. Noch vor einem halben Jahrhundert waren die Fortschritte nicht absehbar gewesen, die sich für die Astronomie aus der Raumfahrt ergeben würden - durch Teleskope wie Hubble, das um die Erde kreist; durch Raumsonden wie Cassini, die zu Planeten und Asteroiden fliegen.

Asteroiden, Kometen, Planeten, Galaxien, gar eine "zweite Erde" - das sind Gegenstände gelegentlicher Bericht­erstattung, wenn es etwas Spektakuläres zu melden gibt.

Ich habe das durch Beiträge begleitet, die versucht haben, ein wenig auf die Hintergründe einzugehen. Vielleicht mögen Sie in der Zeit "zwischen den Jahren" das eine oder andere davon nachlesen? Hier sind einige Anregungen.

24. Dezember 2012

Allen Lesern ein frohes Christfest!


Diese Darstellung von Maria und Josef (für eine vergrößerte Ansicht bitte zweimal auf das Bild klicken) stammt von dem Nürnberger Maler Hans Pleydenwurff (* um 1420 wahr­schein­lich in Bamberg; † am 9. Januar 1472 in Nürnberg) und gehört zu einem Altargemälde, das den Hochaltar der St.-Elisabeth-Kirche in Breslau schmückte. Jetzt befindet es sich im Polnischen Nationalmuseum in Warschau.

23. Dezember 2012

Was müßte geschehen, damit der Euro funktionieren kann? Vorschläge von Jacques Delors und Henrik Enderlein

Bei dem Patienten Europa sind sich in der Diagnose fast alle einig; nicht aber, was die Therapie angeht.

Die Diagnose lautet, daß durch den Euro Mechanismen geschwächt oder ganz außer Kraft gesetzt wurden, die beim Vorhandensein verschiedener Währungen dafür sorgen, daß Staaten nicht extrem über ihre Verhältnisse leben; hierzu gehören vor allem Anpassungen der Wechselkurse und der Zinsen für Staatspapiere in der jeweiligen Währung.

Fehlen diese Mechanismen, dann verlieren wirtschaftlich schwache Staaten ihre Wettbewerbsfähigkeit, weil sie zu teuer werden; und sie verschulden sich immer mehr, weil sie Staatspapiere zu günstigeren Zinsen ausgeben können, als das bei einer eigenen Landeswährung möglich wäre.

Zwanzig Prozent der Ägypter haben zugestimmt: In Ägypten werden sich künftig Moslembrüder und Generäle die Macht teilen

Wie vor einer Woche ist auch jetzt wieder in Ägypten erstaunlich schnell ausgezählt worden.

Das Ergebnis ist so, wie es zu erwarten gewesen war und wie Sie es am vergangenen Sonntag in ZR lesen konnten:

22. Dezember 2012

Mal wieder ein kleines Quiz: Wie zufrieden sind die Amerikaner mit ihrer Krankenversicherung?

Was in Deutschland unter dem Stichwort "Kranken­versicherung" diskutiert wird, heißt in den USA health care - Gesundheitsfürsorge. Ein ja vielleicht ganz interessanter sprachlicher Unterschied.

Wenn man unseren Medien glaubt, dann litten die US-Amerikaner darunter, daß es dort bisher gar keine richtige Krankenversicherung gab; erst Präsident Obama habe das mit seiner Reform ("Obamacare") gerichtet.

Dazu nun hat Gallup gestern die aktuellen Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die regelmäßig durchgeführt wird.

Noch einmal die Bluttat von Newtown: Was die Probleme sind, und was nicht. Die "Waffenlobby" als Sündenbock


"In den USA sterben immer mehr Menschen durch Feuer­waffen" - richtig oder falsch? Falsch, natürlich. Die Kriminalität ist insgesamt in den USA rückläufig; die Gewaltkriminalität ist es; und es ist auch die Zahl derer, die durch Feuerwaffen ums Leben kommen.

Die Kriminalität in den USA hat seit Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zunächst stetig zugenommen. Das gilt für Eigentumsdelikte wie Einbruch und Diebstahl; es gilt ebenso für die Gewaltkriminalität. Diese Entwicklung erreichte ein Maximum und wurde dann rückläufig.

Allerdings gibt es einen Unterschied im Verlauf:

20. Dezember 2012

"Amerika wird der Energiegigant des 21. Jahrhunderts werden". Die geopolitischen Folgen des Fracking

"Klistier im Gestein" betitelte der gedruckte "Spiegel" Anfang Oktober einen Artikel, der sich mit Fracking befaßte, der Gewinnung von Erdgas und Erdöl aus Schiefergestein. Die Bezeichnung ist flapsig, aber treffend: Man pumpt Wasser in das Gestein hinein, um durch dessen Druck das Öl und das Erdgas herauszuholen.

Schiefergestein ist eine sogenannte unkonventionelle Lager­stätte für Gas und Öl. Sie sind darin eingelagert; aber es fehlt der Druck, der sie aus konventionellen Lagerstätten in der Regel von selbst nach oben preßt, sobald man eine Bohrung niedergebracht hat. Diesen Druck muß man beim Fracking erst erzeugen; eben durch das in die Tiefe gepumpte Wasser.

Wenn Sie ZR regelmäßig lesen, dann wissen Sie, welche große wirtschaftliche Bedeutung das Fracking künftig haben wird und wie schlecht die Aussichten sind, daß davon auch Deutschland profitieren wird:

19. Dezember 2012

Peter Struck ist gestorben. Nachruf auf einen rechten Sozialdemokraten


Peter Struck ist, erst 69 Jahre alt, einem Herzinfarkt erlegen. Aus der aktiven Politik hatte er sich schon 2009 zurück­gezogen, als er nicht wieder für den Bundestag kandidierte. Er wurde Chef der Friedrich-Ebert-Stiftung; erst letzte Woche wiedergewählt.

Struck repräsentierte eine SPD, die es kaum noch gibt. Er war Einer, der die Gesellschaft nicht verändern, sondern sie ordentlich organisieren wollte. Er war kein Karrierist, sondern ein, wie man sagte, "Parteisoldat".

Zitat des Tages: "Wir sind die Verlierer. Der Druck auf Frau Merkel kommt von allen Seiten". Hans-Werner Sinn über die europäische Finanzkrise und ihre gegenwärtige Beruhigung

Hans-Werner Sinn: Im Grunde geht es hier in der Krise um einen Verteilungsstreit zwischen drei Gruppen: Es gibt die Länder Südeuropas, die sich stark verschuldet haben, privat und öffentlich. Es gibt ihre Gläubiger; das sind die Finanzanleger aus aller Welt, aber natürlich auch unsere deutschen Banken, sehr stark die französischen Banken. Und es sind die Steuerzahler und Rentner der noch gesunden Länder, die man jetzt mit reinholt.

Gläubiger und Schuldner haben ein Problem miteinander. Der Schuldner kann nicht zurückzahlen und die bisherigen Gläubiger suchen jetzt jemanden anderen, der an Stelle der Schuldner zurückzahlt. Und das sind letztlich wir, die Steuerzahler Deutschlands.

Interviewer Alfred Schier: Also wir sind die Verlierer?

Sinn: Das würde ich sagen. Wir sind die Verlierer.
Aus einem Interview mit dem Ökonomen Hans-Werner Sinn, das der Sender "Phoenix" am vergangenen Samstag und Sonntag ausstrahlte.

Kommentar: Zum Jahresende faßt Sinn in diesem Interview noch einmal - konzis, druckreif sprechend, anschaulich und auch für den Laien verständlich wie immer - zusammen, was sich in dieser Krise abgespielt hat und wie die jetzt stattfindende Rettung beschaffen ist; auf wessen Kosten sich die Krise jetzt beruhigt hat:

18. Dezember 2012

Zettels Meckerecke: Kristina Schröder und der "Negerkönig". Was ist kritikwürdig?

Zur gedruckten "Zeit" dieser Woche gibt es schon heute die Vorabmeldungen; darunter eine zu einem Interview mit der Familienministerin Kristina Schröder. Darin lesen wir:
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will beim Vorlesen für ihre anderthalb Jahre alte Tochter diskriminierende Begriffe sofort entschärfen. Wenn etwa Pippi Langstrumpfs Vater als "Negerkönig" bezeichnet werde oder Jim Knopf als "Negerbaby", dann werde sie dies bei ihrer Tochter "synchron übersetzen, um mein Kind davor zu bewahren, solche Ausdrücke zu übernehmen. Auch ohne böse Absicht können Worte ja Schaden anrichten. Wenn ein Kind älter ist, würde ich dann erklären, was das Wort 'Neger' für eine Geschichte hat und dass es verletzend ist, das Wort zu verwenden", sagte sie der ZEIT. (...)

Schröder plädierte grundsätzlich für Ehrlichkeit in der Erziehung (...).
Und ist zur Unehrlichkeit entschlossen. Das war meine erste Reaktion, als ich das gelesen habe. Denn was heißt "synchron übersetzen" denn hier anderes als verfälschen? Einen Text nicht so vorlesen, wie er dasteht, sondern ihn zurechtbiegen, bis er politisch korrekt ist?

Die Bluttat an der Sandy-Hook-Schule folgte nicht dem Muster für solche Taten. Informationen zum Hintergrund


Bei einer Bluttat wie der an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut, ist die erste, ist die natürliche Reaktion Entsetzen und die Frage, ob man so etwas Furchtbares nicht hätte verhindern können. Das war in den US-Medien, in der Öffentlichkeit der USA nicht anders als in Deutschland. Jetzt, nach einigen Tagen, tritt die Frage in den Vordergrund, wie es denn zu dieser Tat kommen konnte.

Solche Bluttaten an Schulen kommen immer wieder vor und folgen fast stets demselben Muster; so sehr, daß sich dafür der kriminologische Begriff der school shootings heraus­gebildet hat. Die Merkmale dieser Taten habe ich nach der Bluttat von Winnenden 2009 beschrieben:

17. Dezember 2012

Zitat des Tages: "Wir exportieren hervorragend ausgebildete Forscher statt hoch entwickelte Saatgüter". Nach dem Ausstieg aus der Kernkraft jetzt der deutsche Ausstieg aus der Gentechnik

Wir sind dabei, hervorragend ausgebildete Forscher zu exportieren – statt hoch entwickelte Saatgüter und innovative Agrartechnologien.
Die Nobelpreisträgerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen Christiane Nüsslein-Volhard; zitiert in einem Artikel, der heute in der "Welt" zu lesen ist.

Kommentar: Der Artikel von Horst Rehberger trägt den Titel "Deutschland versperrt sich dem Fortschritt", und er befaßt sich mit einer deprimierenden Entwicklung:

Nachdem wir schon den "Ausstieg" aus der friedlichen Nutzung der Atomenergie beschlossen haben, ist Deutschland jetzt im Begriff, aus einer weiteren Schüsseltechnologie "auszusteigen": der grünen Gentechnik; also der genetischen Veränderung von Pflanzen.

Referendum in Ägypten: Woher kommen die "Ja"-Stimmen? Nicht unbedingt von den Religiösen. Geringe Wahlbeteiligung. Eine Bevölkerung, die Stabilität will

Erstaunlich schnell konnte die Online-Ausgabe der ägyptischen Zeitung Al Ahram bereits in der Nacht zum gestrigen Sonntag das Ergebnis des ersten Teils der Abstimmung melden.

Sie konnten diese Zahlen gestern in ZR lesen. Al Ahram nennt sie unverändert in seiner aktuellen Berichterstattung: 56,5 Prozent "Ja"-Stimmen und 43,5 Prozent "Nein"-Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von nur 33 Prozent. (Zu einer Diskrepanz bei der Berechnung der Wahlbeteiligung siehe diese Anmerkung in Zettels kleinem Zimmer).

Wer sind diese 4,6 Millionen, die mit "Ja" gestimmt haben? Die Antwort "Die Anhänger Morsis und der Moslembrüder" wäre zu einfach.

16. Dezember 2012

Tom und Jerry. Die große Stefan-Raab-Show, gestern mal wieder

Mein Gefallen an "Schlag den Raab" hat sich erst allmählich entwickelt. Anfangs gefiel mir diese Sendung gar nicht, wie sich Stammleser von ZR vielleicht erinnern.

Aber ich habe die Sendung schätzen gelernt. Sie ist gut inszeniert; "Großes Kino", wie man gern sagt.

Das liegt an Raab.

Das Informations-, das Handlungsbedürfnis nach einer Bluttat

Wenn so etwas sich ereignet wie die Bluttat von Newtown, dann gibt es zwei Bedürfnisse: Man möchte genau wissen, wie so etwas geschehen konnte. Und man fragt sich, was denn getan werden muß, damit es nicht wieder passiert.

Die Antwort auf die zweite Frage ist simpel: Man kann nichts tun, damit es nicht wieder passiert.

Kairo hat gegen die Verfassung gestimmt, aber sie wird eine große Mehrheit erhalten. Die Ergebnisse des ersten Wahltags im Einzelnen

Ein endgültiges Ergebnis des Verfassungs­referendums in Ägypten wird es frühestens in einer Woche geben. Denn am vergangenen Mittwoch war kurzfristig entschieden worden, die Abstimmung in zwei Teilen stattfinden zu lassen.

Der Grund ist, wie Al Arabiya berichtete, daß nicht genügend Richter für die Überwachung der Wahl zur Verfügung stehen. Die Richterschaft des Landes ist ebenso gespalten wie die Bevölkerung.

15. Dezember 2012

Zitat des Tages: "Viele Bürger wären empört, würde man sie als Vertreter der Unterschicht bezeichnen". Dorothea Siems über das angebliche Schwinden der Mittelschicht

Nicht nur der Opposition, sondern auch Sozialverbänden und den Gewerkschaften ist daran gelegen, die Gruppe der sozial Schwachen, die der staatlichen Umhegung bedürfen, möglichst groß erscheinen zu lassen. Denn auf diese Weise wird der Boden bereitet für mehr Umverteilung, flächendeckende Mindestlöhne und neue Sozialleistungen. (...)

Die sozialen Eiferer blenden aus, dass Mittelschicht nicht allein durch das Einkommen definiert ist. Auch Bildung und Werte prägen die Mitte. Viele Bürger wären empört, würde man sie als Vertreter der Unterschicht bezeichnen.
Die Chefkorrespondentin für Wirtschaftspolitik der "Welt"-Gruppe Dorothea Siems heute in einem Kommentar in der "Welt" unter dem Titel "Die Mär vom sozialen Absturz des Mittelstandes".

Kommentar: Ich empfehle diesen Artikel dringend zur Lektüre.

Es ist der Linken in den vergangenen Jahren gelungen, ihr gesellschaftliches Narrativ sozusagen zur anerkannten Lehrbuchwahrheit zu erheben: Ihre Interpretation unserer sozialen Wirklichkeit, daß "die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer" werden, daß "der Mittelstand unter die Räder gerät", daß sich die "Schere immer weiter öffnet", und was dergleichen Metaphern mehr sind.

Ist dieses Narrativ erst einmal allgemein akzeptiert, dann ist damit seine Implikation schon so gut wie sicher gesell­schaft­licher Konsens:

Zitat des Tages: "Wieder nach Hause, für nicht allzu lange". Vor vierzig Jahren verließ der letzte "Apollo"-Astronaut den Mond


Bob, hier ist Gene, und ich stehe auf dem Boden [des Mondes]; und während ich die letzten Schritte eines Menschen von diesem Boden weg tue, für einige Zeit jetzt wieder nach Hause - aber wir glauben, für nicht allzu lange -, da möchte ich nur einfach [sagen], was nach meiner Meinung die Geschichte festhalten wird: Daß die Herausforderung, vor der Amerika heute steht, das Schicksal des Menschen morgen gestalten wird.
Eugene Cernan, der als vorerst letzter Mensch auf dem Mond stand, am 13. Dezember 1972; vorgestern vor 40 Jahren. Als Cernan das sagte, befand sich sein Kollege Harrison Schmitt schon wieder in der Landefähre der Mission Apollo 17. (Meine Übersetzung. Den Original­text finden Sie unten).

Kommentar: Das Foto zeigt die Spur des Mondfahrzeugs; im Hintergrund dieses selbst und daneben Harrison Schmitt, einen Geologen; aufgenommen von Cernan.

Während ihr Kollege Ronald E. Evans weiter in der Kommandokapsel den Mond umkreiste, waren Cernan und Schmitt am 11. Dezember auf dem Mond gelandet und verließen ihn wieder am 14. Dezember, nachdem sie die Nacht vom 13. auf den 14. Dezember in der Landefähre verbracht hatten.

14. Dezember 2012

Der Anschlag von Bonn und die drei Organisationsebenen der Kaida

Wie "Spiegel-Online" vor knapp drei Stunden meldete, hat die Bombe im Bonner Hauptbahnhof offenbar gezündet, ist aber nicht detoniert. Wir sind einer Katastrophe gerade noch einmal entgangen.

Weiter heißt es in dem Bericht, der Sprengsatz passe zu einer Bauanleitung aus dem Internet-Magazin Inspire. Dieses stammt von der Kaida-Organisation im Jemen, die gegenwärtig eine der schlagkräftigsten ist. Offenbar hat der oder haben die Täter sich nach dieser Bauanleitung zu richten versucht, aber mangels Erfahrung einen Fehler gemacht.

Der Anschlag paßt damit genau in das Bild, das die Kaida seit einigen Jahren bietet und über das ich im Januar 2010 ausführlich berichtet habe: