Posts mit dem Label Antiamerikanismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Antiamerikanismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

29. Mai 2008

Kurioses, kurz kommentiert: "Trotzdem". Wie man mit einem Wort den Abgrund seiner Ignoranz offenbaren kann

Bei seinem Deutschlandbesuch spricht der Schiitenführer Ammar al-Hakim über den "neuen Irak" der Menschenrechte und Demokratie. Und darüber, warum er trotzdem einen schnellen Abzug der Amerikaner ablehnt.

Vorspann eines (ansonsten sehr lesenswerten) Interviews mit dem Schiitenführer Ammar al-Hakim in der "Süddeutschen Zeitung".

Kommentar: Für dieses "trotzdem" hat der Redakteur, der diesen Vorspann geschrieben hat, eine Woche bei Wasser und Brot verdient. Abzusitzen in Guantánamo, und zwar nicht in dem Bushs, sondern in dem der Brüder Castro Ruz.

Nein, das ist natürlich ein Scherz. Wir sollten diesem ungenannten Schlußredakteur vielmehr Dank zollen für sein "trotzdem". Denn besser als mit diesem einen Wort an dieser Stelle läßt sich die unsägliche Ignoranz, die nachgerade vorsätzliche Ignoranz, mit der in manchen deutschen Medien seit dem Herbst 2002 über den Irak berichtet wird, kaum charakterisieren.



Für Kommentare zu diesem Artikel gibt es einen Thread in "Zettels kleinem Zimmer". Dort findet man auch eventuelle Aktualisierungen und Ergänzungen.

9. Februar 2008

Zitat des Tages: Kein Retter auf einem weißen Pferd

While the three come from two political parties and have quite different backgrounds, Europeans might be dismayed to find that their foreign policy proposals are closer to those of the departing president than to those of some imagined savior on a white horse who would turn the United States into an extension of Europe.

(Zwar gehören die drei zwei politischen Parteien an und haben einen recht unterschiedlichen Hintergrund. Aber manche Europäer dürften bestürzt sein, wenn sie merken, daß ihre außenpolitischen Vorstellungen denen des scheidenden Präsidenten näher stehen als denen eines imaginären Retters auf einem weißen Pferd, der die USA zu einem erweiterten Europa machen würde.)

Der amerikanische Journalist Peter Ross Range, ehemaliger Deutschland- Korrespondent von Time Magazine, in "Spiegel Online International" über Barack Obama, Hillary Clinton und John McCain.

Kommentar: Sollte der nächste Präsident Obama oder Clinton heißen, dann dürfte für alle in Deutschland, die ihren Anti- Amerikanismus jetzt sieben Jahre lang als Kritik an Bush tarnen konnten, schwere Zeiten anbrechen.

Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

29. August 2007

Marginalie: In den USA wächst die Armut. Oder etwa nicht?

In den USA legt das Census Bureau - vergleichbar unserem Statistischen Bundesamt - jährlich einen Bericht über die Entwicklung der Einkommen, der Armut, der Krankenversicherungen vor. Gestern ist der Bericht für das Jahr 2006 erschienen. Die Agenturen berichten darüber in den USA seit dem Abend (deutsche Zeit); zum Beispiel Reuters.

Positives und Negatives halten sich in dem Bericht ungefähr die Waage:
  • Zum ersten Mal in diesem Jahrzehnt ist der Prozentsatz der Armen gesunken, von 12,6 Prozent im Jahr 2005 auf jetzt 12,3 Prozent.

  • Zum zweiten Mal nacheinander ist das Durchschnitts- Einkommen der Haushalte gestiegen. (Der Kennwert ist der Median, nicht das artithmetische Mittel; der Anstieg geht also nicht allein auf die hohen Einkommen zurück).

  • Dies beruht nicht auf höheren Gehältern, sondern darauf, daß mehr Menschen pro Haushalt Jobs haben.

  • Die Einkommen sind (inflationsbereinigt) aber immer noch niedriger als in dem Spitzenjahr 2000.

  • Der Prozentsatz der Amerikaner ohne Krankenversicherung ist gestiegen, weil weniger Unternehmen die Versicherung für ihre Arbeitnehmer übernehmen.
  • Also: Es gibt erfreuliche und unerfreuliche Aspekte der Entwicklungen von 2005 auf 2006, die dieser Bericht des Census Bureau dokumentiert.

    Die verlinkte Meldung von Reuters wird dem mit ihrer Überschrift gerecht: "Poverty rate down but fewer have health insurance" - Prozentsatz der Armen gesunken, aber weniger haben eine Krankenversicherung.



    Nun bin ich sehr gespannt, wie am Mittwoch die Meldungen in den deutschen Medien aussehen werden.

    Wieviele werden, wie Reuters, in der Überschrift Positives und Negatives bringen?

    Wieviele werden nur Negatives in die Überschrift stellen? (Sagen wir: "Mehr Amerikaner ohne Krankenversicherung"; "Einkommen in den USA niedriger als im Jahr 2000"; "Jeder achte Amerikaner ist arm").

    Und wieviele werden spiegelbildlich dazu positive Überschriften bringen? ("Armut in den USA gesunken"; "Einkommen in den USA erneut gestiegen")?



    Zum Thema "Armut" gab es letztes Jahr hier eine Serie, deren einzelne Folgen über Links in Zettels kleinem Zimmer zugänglich sind.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    27. August 2007

    Marginalie: Hinrichtungen

    Aus der heutigen FAZ über Hinrichtungen im Iran:
    Allein zwischen dem 21. Juni und dem 21. Juli wurden 41 Menschen exekutiert. Am 15. Juli kam es in der nordwestiranischen Stadt Täbris zu öffentlichen Hinrichtungen, als man drei Personen henkte. Unter ihnen war eine Frau. (...)

    In der letzten Juliwoche kam es in der Hauptstadt Teheran zu 16 Hinrichtungen. Zwölf der Todesurteile wurden allein am 22. Juli im berüchtigten Evin-Gefängnis vollstreckt. Zwei der Hingerichteten, Fazel Ramazani und Hajat Morad Mohammadi, waren aus politischen Gründen seit acht Jahren inhaftiert
    Aus der FAZ vom vergangenen Mittwoch:
    Die Europäische Union hatte im Vorfeld gegen die Hinrichtung protestiert und die amerikanischen Behörden aufgefordert, die Vollstreckung von Todesurteilen auszusetzen.
    Ja, die amerikanischen. Denn die EU hat nicht etwa gegen die Orgie der Exekutionen im Iran protestiert, sondern gegen die Hinrichtung eines Amerikaners in Texas.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    8. August 2007

    Ketzereien zum Irak (19): Welcome to the club, Ullrich Fichtner!

    David Harnasch hat in der "Achse des Guten" schon darauf hingewiesen; aber ich möchte das Thema doch noch aus meiner Sicht kommentieren:

    Nachdem er bereits die erstaunlich informative und objektive Titelgeschichte des aktuellen "Spiegel" geschrieben hatte, hat der "Spiegel"- Redakteur Ullrich Fichtner jetzt in einem Online-Chat noch einmal mit Geduld und Faktenkenntnis viele Vorurteile und Irrtümer zur Situation im Irak zurechtgerückt.

    Mich hat das besonders gefreut, weil ich mich - wie auch viele andere Blogger- Kollegen vor allem aus der liberal- konservativen Blogokugelzone - immer wieder einmal bemühe, authentische und zuverlässige Informationen über die Lage im Irak in Erfahrung zu bringen.

    Seit Weihnachten 2006 gibt es dazu hier die Serie "Ketzereien zum Irak", deren bisherige Folgen über die in "Zettels kleinem Zimmer" zusammengestellten Links zugänglich sind.



    Warum gibt es so wenige authentische Berichte aus dem Irak wie jetzt den von Ullrich Fichtner?

    Zum einen natürlich, weil es bequemer und vor allem sicherer ist, den Irak von Dubai, Amman oder Kairo aus zu "beobachten", statt sich in diesen zu begeben.

    Zweitens, weil diejenigen, die sich nach Bagdad trauen, dort dann in der Regel in der "Grünen Zone" festsitzen und wieder nur vom Hörensagen berichten können.

    Das sind, so scheint mir, die beiden respektablen Gründe. Hinzu kommen allerdings zwei weniger ehrenhafte.



    In den USA haben bekanntlich die Demokraten der Invasion des Irak zugestimmt; auch Hillary Clinton hat zum Beispiel dafür gestimmt.

    Als dann aber der Wiederaufbau nicht so verlief, wie man sich das vorgestellt hatte; als terroristische Gruppen entstanden, die teils einander, teils die irakische und die US-Armee bekämpfen; als es offensichlich wurde, daß die US-Truppen nicht so schnell würden abgezogen werden können, wie man es sich gedacht hatte - da kippte die Stimmung in den USA. Immer mehr Bürger wollen, wie seinerzeit beim Vietnam- Krieg, nur noch raus.

    Verantwortliche Politiker wie der Präsident widerstehen dieser Stimmung; auch auf die Gefahr hin, drastisch an Popularität zu verlieren. Die Partei der Demokraten aber nutzte sie aus und nutzt sie aus. Nächstes Jahr wird ja ein neuer Präsident gewählt.



    In Europa, zumal in Deutschland, grassiert ein Antiamerikanismus, der von dem seinerzeitigen Kanzler Schröder kräftig geschürt wurde und der in der Invasion des Irak das schlechthinnige Böse sah, veranstaltet von dem Bösewicht Bush.

    Für die derart Eingestellten, unter den deutschen Journalisten vermutlich eine dicke Mehrheit, war und ist jeder Rückschlag der USA ein Triumph. Die Berichterstattung war und ist teilweise derart einseitig, daß sie - "Spiegel-Online" hat sich da besonders hervorgetan - oft mehr an den Journalismus der DDR erinnert als an eine um Fairness bemühte Arbeit.



    Aber "Spiegel-Online" - das ist immer ein anderer, weit schlechterer Journalismus gewesen als der des gedruckten "Spiegel". Gewiß, auch in dessen Auslandsredaktion hatten - vor allem, als Carolin Emcke an der Irak- Berichterstattung beteiligt war - die Antiamerikaner zeitweise das Sagen. Aber es gibt beim "Spiegel" eben auch glänzende Journalisten, es gibt eine ausgezeichnete Chefredakion, es gibt Stefan Aust. Und es gibt das herausragende Ressort "Gesellschaft", zu dem Fichtner gehört.

    Daß Fichtners Bericht als Titelgeschichte erschien, ist ein Glanzpunkt des klassischen, des objektiven und liberalen "Spiegel"- Journalismus. Welcome to the club, Ullrich Fichtner!

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    24. Juli 2007

    Der seltsame deutsche Antiamerikanismus

    Ein aktueller - noch keine vier Wochen alter - Bericht des Pew Research Center enthält Umfragedaten, die weitweit erhoben wurden. Unter anderem wurde in 47 Ländern gefragt, ob man die USA eher positiv oder eher negativ sehe. Der gedruckte "Spiegel" dieser Woche bringt (S. 31) einen Auszug aus den Umfrage- Ergebnissen.

    Danach ist die Meinung über die USA in keinem der berücksichtigten europäischen Länder so negativ wie in Deutschland.

    Negativer ist das Bild der USA nur noch in diesen Ländern: Indonesien, Malaysia, Ägypten, Jordanien, Argentinien, Marokko, Pakistan, Palästinensergebiete, Türkei.



    Gewiß, es handelt sich um eine Momentaufnahme.

    Gewiß, die Antworten fallen deutlich positiver aus, wenn man nicht nach den "USA" fragt, sondern nach den "Amerikanern".

    Dennoch, das Faktum bleibt, daß in Deutschland nach dieser Umfrage ein erschreckender Anti- Amerikanismus herrscht.



    Das ist seltsam. Deutschland ist kein islamisches Land, wie fast alle, in denen der Anti- Amerikanismus noch größer ist.

    Deutschland ist andererseits ein Land, das immer wieder von der Großzügigkeit, von der Freundschaft der USA profitiert hat.

    Nach 1945 wurde in der US-Zone nicht demontiert, sondern es gab Hilfe für hungernde Kinder (sogenannte "Schulspeisung", ich habe sie jahrelang gegessen), es gab die Amerika- Häuser. Es gab schließlich vor allem den Marshall- Plan. Es gab die Luftbrücke, die das blockierte Berlin rettete.

    Die USA haben auch später die Freiheit Westberlins verteidigt und sind dabei bis an den Rand eines Kriegs gegangen.

    Die USA waren die einzige westliche große Macht, die die deutsche Wiedervereinigung bedingungslos unterstützt hat; ganz anders als Frankreich und England.



    Wir Deutsche können uns über die USA wahrhaftig nicht beklagen. Aber mit einer Zweidrittel- Mehrheit beurteilen wir sie negativ. Wie kommt das?

    Natürlich ist das eine Frage für die empirische Sozialforschung. Ich möchte nur einige Hypothesen nennen und sagen, für wie plausibel ich sie jeweils halte.

    1. Es liegt an der Politik der Bush- Administration. Bewertung: Diese ist zwar sehr wahrscheinlich am weltweiten Anstieg des Anti- Amerikanisms beteiligt. Aber eben des weltweiten. Den extrem hohen gegenwärtigen Anti- Amerikanismus gerade in Deutschland erklärt es nicht. Also unplausibel.

    2. Es liegt an der anti- amerikanischen Propaganda, wie sie in den deutschen Medien und im Bildungswesen weit verbreitet ist. In den Politmagazinen der Öffentlich- Rechtlichen zum Beispiel; an vielen Universitäten, an vielen Schulen. Bewertung: Ein Faktor, der eine Rolle spielen dürfte, vor allem in Wechselwirkung mit dem ersten Faktor. Bush liefert der anti- amerikanischen Agitation Material frei Haus, und diese nutzt es.

    3. Die immer noch kurze demokratische Tradition, das immer noch mangelhafte demokratische Denken in Deutschland. Bewertung: Dies könnte ein entscheidender Faktor sein.

    Ähnlich wie in islamischen Ländern gibt es in Deutschland eine Tradition darin, die Welt in Gut und Böse, in Freund und Feind einzuteilen. Dieses undemokratische Denken wurde durch die sogenannte "Demokratisierung" nach 1968 keineswegs vermindert, sondern im Gegenteil gestärkt. Kapitalismus schlecht, Sozialismus gut. Die da oben schlecht, wir da unten gut. Und so fort.

    Hypothese: So, wie die beiden ersten Faktoren einander verstärken, so könnte dieses Denken in manichäischen Kategorien wiederum mit jedem der beiden interagieren. Eine negative Grundhaltung zu den USA gibt es in vielen Ländern, aber sie wird dort nicht verstärkt durch eine einseitige Medien- Propaganda. Deren Wirkung wiederum durch die deutsche Neigung zum undemokratischen Denken verstärkt wird.



    Gegen Ende 2001 haben meine Frau und ich ein Konzert von Konstantin Wecker besucht. Er bedauerte am Anfang den Anschlag vom 11. September und legte dann los mit seinem anti- amerikanischen Programm; Anti- Amerikanismus pur nicht nur in den Liedern, sondern vor allem auch in den gesprochenen Zwischentexten.

    Nun gut, so ist Konstantin Wecker. Das, was mich aber wirklich erschreckt hat, war die Reaktion des - überwiegend jungen - Publikums. Je anti- amerikanischer eine Äußerung, umso größer der Jubel. Der manchmal an eine kollektive Besoffenheit erinnerte, wie bei der Sportpalast- Rede von Goebbels. Nur einige wurden immer stiller und rührten keine Hand mehr. Ich bin der Pause gegangen.

    Da war er förmlich zu spüren, dieser Mangel an demokratischer Reife in Deutschland. Die Großväter dieser jungen Leute hatten den Nazi- Rednern zugejubelt, wenn sie gegen die "US-Plutokraten" zu Felde zogen. Diese jetzigen Gegner der USA ließen eine ähnliche Mentalität erkennen, auch wenn sie sich als Linke verstanden haben dürften und die damaligen "Plutokraten" jetzt "Imperialisten" oder "Neoliberale" nennen.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden.

    5. Juli 2007

    Zettels Meckerecke: Jetzt weiß ich, warum Marc Pitzke in "Spiegel-Online" schreiben darf

    Ich habe mich oft gefragt, wieso die Redaktion von "Spiegel-Online" sich dafür entschieden hat, anti- amerikanische Propaganda zu verbreiten.

    Natürlich besteht die Redaktion zum Teil aus Leuten, die - manche von der "TAZ" kommend - die USA hassen, weil sie den Kapitalismus hassen. Aber sie wollen ja auch Geld verdienen.

    Und diesem Ziel schadet es doch offensichtlich, wenn "Spiegel-Online" unseriös berichtet. Ich jedenfalls glaube kein Wort von dem, was dort steht; es sei denn, ich habe es aus seriöser Quelle verifiziert.

    Ich vermute, daß niemand glaubt, was in "Spiegel-Online" steht. Jeder weiß, daß das tendenziös ist, eine Mischung aus Berichterstattung und Agitation.



    Heute habe ich verstanden, warum die Chefredaktion von "Spiegel-Online" der Meinung ist, sie könne ihrem Antiamerikanismus so frei Lauf lassen wie das "Neue Deutschland" oder die "Junge Welt".

    Der schlichte Grund ist, daß die Redaktion ihre Leser für debil hält.

    Hier ist ein "Großes Quiz" von "Spiegel-Online" zum Wissen über die USA.

    Dort müssen sauschwere Fragen beantwortet werden - wer der momentane (es heißt "aktuelle") Präsident der USA ist (Condoleezza Rice?), wie die Hauptstadt der USA heißt (Los Angeles?), wer der erste Präsident der USA war (Harry S. Truman?), wie man die Fahne der USA nennt (Trikolore?), was am 4.Juli gefeiert wird (Sonnenwende?).

    Und wenn man dann durch ist durch diese Fragen, die sich offensichtlich an Schwachsinnige wenden, dann bekommt man mitgeteilt:
    Hut ab, Sie kennen die USA wie Ihre Westentasche. Zwischen New York und Los Angeles bewegen Sie sich kenntnisreich und souverän, Sie sind sicher, wenn es um Geschichte, Wirtschaft und Politik geht. Unser Tipp: Gründen Sie in Ihrer Stadt den deutsch-amerikanischen Freundschaftsverein.
    Mit anderen Worten - "Spiegel-Online" hält seine Leser für Deppen, was die Kenntnis der USA angeht.

    Kein Wunder, daß man ihnen Marc Pitzke zumuten kann. Sie werden's - so denkt offenbar die Chefredaktion - schon nicht merken, was man ihnen da vorsetzt.

    Für Kommentare und Diskussionen zu diesem Beitrag ist in "Zettels kleinem Zimmer" ein Thread eingerichtet. Wie man sich dort registriert, ist hier zu lesen. Registrierte Teilnehmer können Beiträge schreiben, die sofort automatisch freigeschaltet werden. - Daneben steht auch die Kommentar- Funktion des Blogs wie bisher zur Verfügung.

    29. März 2007

    Zettels Meckerecke: "Spiegel-Online" gegen den Antiamerikanismus!

    "Nichts ist verächtlicher, als wenn Literaten Literaten Literaten nennen", hat Tucholsky geschrieben.

    Daran fühle ich mich erinnert, wenn ich jetzt in - ausgerechnet! - Spiegel- Online eine Philippika gegen den Antiamerikanismus lese. Und zwar nicht von irgendwem, sondern von Claus Christian Malzahn, dem Leiter des Ressorts Politik von SPON.



    Wow! Jahrelang hat der "Spiegel", hat noch viel schlimmer "Spiegel-Online" den Antiamerikanismus gepflegt und gehätschelt wie kaum ein deutsches Medium. Wer's nicht glaubt, der schaue im Archiv von Davids Medienkritik nach und lese zum Beispiel dies. Oder er tue es sich an, in SPON die dort vermutlich archivierten Berichte von Marc Pitzke aus den USA zu lesen.

    Nun also wettert ein Leitender Redakteur von SPON gegen den Antiamerikanismus. Der Literat nennt die Literaten Literaten.

    Ja, wo kommt er denn her, dieser Antiamerikanismus? Sind etwa Medien wie SPON schuld? Wie der "Stern", wie "Panorama" und "Monitor"?

    Sind diejenigen schuld am deutschen Antiamerikanismus, die seit Jahrzehnten nicht im Kommunismus und im Islamismus die Bedrohung für unsere Freiheit sehen (dies jedenfalls so sagen), sondern im "ungezügelten Kapitalismus", im "Neoliberalismus", im "US-Imperialismus"?

    Die uns die USA so schildern, als hätten sie ihr Wissen allein aus den Pamphleten und der cineastischen Agitprop von Michael Moore bezogen?

    Aber nein! Weit gefehlt! "Die offizielle deutsche Politik, die das Ergebnis der Umfrage heftig beweinen wird, hat den Antiamerikanismus größtenteils verursacht" schreibt Malzahn.

    Ob er, wie Herr Keuner, erbleichte, als er das zu Papier oder zu Computer brachte, wird man leider nicht erfahren.

    19. März 2007

    "Der SPD-Vorsitzende Beck bekräftigte seine kategorische Ablehnung des US-Systems" ...

    ... so leitet die Netzeitung den Absatz einer Meldung ein, die sich mit dem befaßt, was Kurt Beck geäußert hat.

    Wie wahr! Wie unfreiwillig wahr freilich; denn natürlich ist mit "System" derjenige Teil des US- Raketenabwehrsystems gemeint, der in Polen und Tschechien errichtet werden soll.



    Zu diesem also hat sich Kurt Beck geäußert. Weil ich wissen wollte, was er nun wirklich gemeint hat, habe ich mir die Meldung auf der WebSite der SPD angesehen. Dort heißt es:
    Keine neuen Raketen in Europa

    Vor einem neuen Rüstungswettlauf hat der SPD-Vorsitzende Kurt Beck gewarnt. "Wir brauchen keine neuen Raketen in Europa", betonte er mit Blick auf das geplante US-Raketenprogramm.

    Im Interview mit der Bild-Zeitung (Montagsausgabe) sprach sich der SPD-Vorsitzende gegen die Stationierung neuer Raketen in Europa aus, die nach dem Willen der Vereinigten Staaten Teil ihres Raketenprogramms sein sollen. "Die SPD will keinen neuen Rüstungswettlauf zwischen den USA und Russland auf europäischem Boden", unterstrich Beck und mahnte eine gemeinsame und geschlossene Positionierung Europas hierzu an.


    Rüstungswettlauf? Die Fakten zu den 10 - in Worten: zehn - Raketen, die die USA in Osteuropa zum Schutz gegen iranische und nordkoreanische Rakten aufzustellen beabsichtigen, habe ich vor ein paar Wochen hier zusammengestellt:

    Als Abwehrwaffe gegen die Hunderte von russischen Mittelstreckenraketen wären sie ein Witz. Sie können gegen diese auch gar nicht eingesetzt werden, weil die Vorwarnzeit zu kurz wäre. Sie sind also eindeutig nicht gegen Rußland gerichtet. Sie bedrohen Rußland nicht, selbst wenn sie in der Weise technisch modifizierbar sind, wie das Torsten Krauel in der Welt beschreibt.

    Diese geplanten Abwehrraketen bieten also für Rußland nicht den geringsten Anlaß, ein "Wettrüsten" zu starten. Das weiß vielleicht nicht Kurt Beck, aber die Wehrexperten der SPD wissen es natürlich.

    Diese Raketen stören Rußland - so habe ich es in dem verlinkten Beitrag zu zeigen versucht - aus einem ganz anderen Grund:

    Wenn in Polen und in Tschechien ein amerikanisches System zur Abwehr von Raketen installiert ist, dann sind diese beiden Länder nicht mehr durch Rußland militärisch erpreßbar. Sie sind gewissermaßen sakrosankt; denn jeder Angriff auf sie wäre ein Angriff auf die USA.

    So sieht es auch die polnische Regierung. Torsten Krauel schreibt:
    Obwohl die amerikanische Technik womöglich tatsächlich nur einen kleinen Teil der russischen Raketen mit erfassen kann, gibt es auch eine politische Wirkung des neuen Projekts, die Russland missfällt. Der polnische Premierminister, Jaroslaw Kaczynski, hatte sie am 20. Februar angesprochen. „Wir reden hier über den Status Polens und über russische Hoffnungen, Polen möge wieder unter die russische Einflusssphäre kommen“, sagte Premier Kaczynski. "Aber nach der Stationierung einer Abwehrbasis wären die Chancen, einen solchen ungebührlichen Einfluss zu nehmen, auf Jahrzehnte verbaut."


    So ist es. Rußland wird durch dieses "System" schon tangiert; nämlich in seinen Ambitionen, das sowjetische Kolonialreich in Osteuropa wiederherzustellen.

    Nicht wahr, das sollte eine freiheitliche Partei wie die SPD eigentlich begrüßen?

    Aber freilich, da ist Becks "kategorische Ablehnung des US-Systems." There's the rub.

    Die SPD steht unter dem doppelten Druck, sich gegen das Abwandern von Wählern zur PDS zu wehren und sich in der Koalition zu profilieren.

    Und da ist das Friedensthema immer ein gefundenes Fressen. Viele Wähler werden sich nicht mit den militärstrategischen Details befassen. Sie sehen nur, daß die USA wieder neue Raketen in Europa stationieren wollen.

    Da sind sie gegen, weil sie ja für den Frieden sind und gegen Wettrüsten, die Deutschen. Und weil sie gegen den amerikanischen Imperialismus sind, die Deutschen.

    Nein, natürlich nicht "die Deutschen". Aber erschreckend viele.

    Also kann man bei ihnen punkten, wenn man den Mund gegen Raketen aufreißt, wenn man den Mund gegen die USA aufreißt.

    Mit einer "kategorischen Ablehnung des US-Systems", mit der bekanntlich Gerhard Schröder die Bundestagswahlen 2002 gewonnen hat.

    Antiamerikanismus, das ist ja inzwischen in Deutschland sozusagen das, was der Antikommunismus zur Zeit Adenauers gewesen war.

    4. Januar 2007

    Rückblick: Verschwörungstheorien

    Hier hat es im August und September 2006 eine kleine Serie über Verschwörungstheorien gegeben; Links zu den einzelnen Folgen der Serie findet man in "Zettels kleinem Zimmer". Ergänzend dazu möchte ich jetzt auf dieses Interview mit dem Journalisten und Buchautor Tobias Jaecker aufmerksam machen, auf das ich wiederum durch Ex-Blond aufmerksam geworden bin.

    Jaecker befaßt sich besonders mit antisemitischen Verschwörungstheorien. Aber andere, vor allem die antiamerikanischen, funktionieren wohl sehr ähnlich.

    19. Dezember 2006

    Rückblick: Ein Schädel und ein Skandal

    Knapp zwei Monate ist er jetzt her, der "Bundeswehr- Skandal", der damals sogar die ARD- Tagesschau zu einem "Brennpunkt" veranlaßte. Von der "Schändung eines Toten" durch Bundeswehr- Soldaten berichtete Spiegel- Online; von "Abscheu" und "Entsetzen".

    In dem Blog zu diesem Thema habe ich damals versucht, die Proportionen zurechtzurücken. "Die an dem Vorfall beteiligten Soldaten haben sich einen Rüffel verdient. Das zu einem Skandal aufzuplustern, ist lächerlich", war das Fazit.

    Aufgeplustertes pflegt früher oder später in sich zusammenzufallen. Das ist jetzt geschehen. Niemand hat "einen Toten geschändet", wie Spiegel- Online phantasiert hatte, oder auch nur die Totenruhe gestört. Es hatte eine Disziplinlosigkeit gegeben, makabre Scherze mit herumliegenden Totenschädeln.

    Die Beteiligten bekommen dafür ihre Disziplinarverfahren, und das war's denn auch. "So endet eine Affäre, deren Wellen hoch schlugen ..., recht sang- und klanglos", schreibt dazu heute die FAZ.



    Den Blog hatte ich an dem Tag geschrieben, als der "Skandal" begann. Alle Fakten, so wie sie jetzt aktenkundig sind, waren damals also schon bekannt. Jeder Journalist, der sich um das Thema kümmerte, mußte zu dem Schluß kommen, den ich damals gezogen habe.

    Warum dann der tagelange "Skandal"? Warum diese Berichterstattung wider besseres Wissen? Manchem mag die Frag naiv erscheinen. Die einen meinen zu wissen, daß es immer nur um Auflage geht, um Sehbeteiligung. Andere sind ebenso überzeugt, daß so etwas politisch gesteuert und gewollt ist; hier als Inszenierung zur Diskreditierung der Bundeswehr, zur Diskreditierung des deutschen Afghanistan- Einsatzes, letztlich ein Stück Agitation im Kampf gegen die USA, gegen die Freiheit.

    Wie will man das herausfinden, wie die Motive ergründen? Ich habe diese Frage in den Blog offengelassen, und ich weiß jetzt nicht mehr als damals. Am ehesten neige ich der Vermutung zu, daß es eine Kombination beider Motive ist; in unterschiedlichem Mischungsverhältnis bei den einzelnen Journalisten, den einzelnen Medien. Mit den Grenzfällen, daß es nur um's Geschäft geht oder nur um politische Agitation.