31. Dezember 2017

2018. Prognosen und Wünsche, ein Ratespiel

Silvester ist jedes Jahr der große Tag der Jahresrückblicke. Die selbst ernante Elite des deutschen Fernsehens hört sich beim Reden zu und schwadroniert darüber was im letzten Jahr so alles passiert ist (und wird versuchen so ungefähr all das, was wirklich passiert ist, möglichst diskret zu umschiffen, "regionale" Ereignisse schaden da nur).
Eigentlich eine gute Gelegenheit mal die Gegenfrage zu stellen: Nicht "Was ist 2017 passiert?" sondern "Was bringt 2018?".

Jahreszeitenklang: 最後一夜 - zuìhòu yī yè

Es gibt, nach dem bescheidenen Dafürhalten des Protokollanten, keinen besseren Abschluß für diese kleine Reihe von Jahresendklängen, als Coda des Jahresausklangs, als die Walzermelodie, die 蔡琴, Tsai Chin 1984 gesungen hat: 最後一夜, zuìhòu yī yè, "Die letzte Nacht". 



踩不完惱人舞步
喝不盡醉人醇酒
良夜有誰為我留
耳邊語輕柔
走不完紅男綠女
看不盡人海沉浮
往事有誰為我訴
空對華燈愁

我也曾陶醉在兩情相悅
像飛舞中的彩蝶?
我也曾心碎於黯然離別
哭倒在露濕台階?
紅燈將滅酒也醒
此刻該向它告別
曲終人散
回頭一瞥
嗯......最後一夜

30. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: "Resonant Chamber"


(Animusic 2, "Resonant Chamber", 2005)

Miszelle: Ein bescheidener Vorschlag

"Manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen, uns in der Zuwanderungsdiskussion in die rechtsextreme Ecke zu rücken, nur weil wir im Zusammenhang mit der Zuwanderung auf die Gefahr von Parallelgesellschaften aufmerksam machen. Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit, und eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wir ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Deshalb werden wir auch weiter eine geregelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern."

Diese Sätze stammen, wortwörtlich, von Dr. Angela Merkel. Sie sagte sie auf dem 17. Parteitag ihrer Partei, der CDU, in ihrer Grundsatzrede am 1. Dezember 2003. Das Protokoll der gesamten Rede ist hier nachzulesen: "Rede der Vorsitzenden der CDU Deutschlands, Dr. Angela Merkel, MdB, auf dem 17. Parteitag der CDU Deutschlands am 1. Dezember 2003 in Leipzig. Es gilt das gesprochene Wort."

Mein Vorschlag ist nun: ich möchte Herrn Gauland bitten, demnächst eine Rede vor dem Deutschen Bundestag mit genau diesen Worten zu eröffnen, Wort für Wort. Allerdings, ohne diese Passage als Zitat kenntlich zu machen. Das sollte im Nachhinein erfolgen, wenn die Empörung im Plenum und den Medien zur erwartbaren Orkanstärke angeschwollen ist.

Zwei Dinge: zum einen ist die Passage nicht völlig unbekannt und auch des öfteren, etwa  von Henryk M. Broder, zitiert worden. Allerdings ist das Kurzzeitgedächtnis unseres polit-medialen Komplexes so auf schiere Tagesaktualität und den Verlust jeglicher Kontinuität abgestellt, daß dies das Überraschungsmoment garantieren würde. Zudem wird der Wahrheitsgehalt - daß Frau Merkel sich diese Aussage zuschreiben lassen muss - in keiner Weise tangiert.

Zum anderen: dergleichen wäre allein in seiner Wirkung auf Dritte von Belang. Wir dürfen getrost davon ausgehen, daß Frau Merkel sämtliche Äußerungen, die sie in der Vergangenheit getätigt hat, null und nichtig sind, so gleichgültig, wie ihr das zukünftige Schicksal dieses Landes, die Flüchtlinge oder auch nur die gegenwärtige Regierungsbildung ebenfalls und unübersehbar sind.
Ulrich Elkmann

© Ulrich Elkmann. Für Kommentare bitte hier klicken.

29. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: 江雪, jiāng xuě

Der Klang der Stille.



Oder, in neuzeitiger Schreibrichtung:

柳 宗 元 - 江雪 

千山鳥飛絕, 萬徑人蹤滅。 
孤舟簑笠翁, 獨釣寒江雪。 

Jiāng xuě
qiān shānniǎo fēi jué, wàn jìng rén zōng miè. Gū zhōu suō lì wēng,
dú diào hán jiāng xuě.

Liu Zongyuan (773-819), "Schnee über dem Fluß"

Über tausend Bergen fliegt kein Vogel.
Auf zehntausend Wegen keine Menschenspur.
Ein einsames Boot, ein alter Mann mit Schilfhut
Fischt im kalten Fluß unter dem fallenden Schnee.

28. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: M. A. Numminen, "Stille Nacht"

Da an dieser Stelle gestern schon von Parodie, Travestie, Persiflage, ironisierender Brechung und satirischer Inversion die Rede war, ein zweites Sa/eitenstück.



Stille Nacht, heilige Nacht...
Drei Männer aus dem Morgenland ritten von Haus zu Haus;
Diese waren wissenschaftlich ihrer Zeit voraus.
In der Nacht, heilige Nacht...
Kaspar, Melchior, Balthasar, die Namen der Herren sind.
Sie hatten Weihrauch und Edelstein als Geschenk fürs Jesuskind.
Stille Nacht, Wundernacht...
Manche Hausfrau beneidet gewiß die Dame im Morgenland
Da wird keine Weihnachtsgans gerupft, kein Schinken in der Hand
Dort leidet man nicht an Sodbrennen, an keiner Chaosband...
Im Morgenland gibts etwas Echtes, zum Beispiel die Pferde und die Kamele, 
zur Abwechslung wackelt dort die Erde, 
wir sitzen im Dreck, müssen kennenlernen A B C und noch mehr D...

Stille Nacht, heilige Nacht...
Hast du die Dromedare satt? Wir reiten ins Morgenland!
Wir gründen eine Buschfabrik und werfen Bananen in den Sand.
Schrille Nacht, Zaubernacht
Stille Nacht, Rille-Nacht
Brille-Nacht, Zille-Nacht
Willenskraft, Triller-Nacht
wie gestrafft, 
ehrenhaft, 
erste Haft, 
keine Pacht 
Muskelkraft
Schrille Nacht
Na, diese Nacht
Naaaaausdempracht
gut gedacht
nicht gebracht
nie gekracht
viel gelacht
weich geschlacht
schrille Jagd!

Streiflicht: Die Qualität des WDR

Zugegeben: Es ist manchmal ­recht billig auf den öffentlich, rechtlichen Rundfunk einzuprügeln, denn so richtig gerne zaht niemand das Zwangsgeld und der Mutantenstadel ist auch eine recht universelle Zielscheibe. Dennoch legt ja der ÖR allergrößten Wert darauf, dass es sich um eine Demokratieabgabe (klingt ja auch besser als Zwangsgeld) handele, und man damit die überragend guten Informationen und das Korrespondentennetz bezahlen müsse, dass den deutschen Zuschauer (oder Hörer) sehr gut informiere.

27. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: "Carol of the Bells"



(Eine Klarstellung vorweg: es handelt sich hierbei NICHT um einen Liveleak aus dem Willy-Brandt-Haus, und gezeigt wird nicht, unerachtet der Physiognomie des Herrn in der Mitte, die dortige Parteiführung bei der Ausarbeitung der Kokotulationsbedingungen, die man der CDU Ende Januar, oder Februar, oder irgendwann später, überreichen wird. Auch bei der aus Binnensicht des Trios linksaußen positionierten, in der Wolle rot gefärbten Person handelt es sich - trotz des Wortschatzes und der hyperaktiven Hibbeligkeit - nicht um die Fraktionsvorsitzende, die demonstriert, wie sie sich die Umsetzung der Handlungsmaxime Bätschi! konkret vorstellt.)

Facebook macht einen "Fehler". Ein Gedankensplitter.

Am vergangenen Dienstag (vor Weihnachten) kam es in Berlin Schöneberg, direkt vor einem israelischen Restaurant zu einem antisemitischen ­"Vorfall". Ein 60 jähriger Mann, vermutlich leicht angetrunken, vermutlich Biodeutscher, nahm eine ins Schaufenster eines Restaurants gestellte Menora zum Anlass seine Meinung über Israel und über Juden im Allgemeinen, zum besten zu geben. Was dabei herauskam war ein Schwall allerfeinsten Antisemitismusses, angefangen vom "Ihr seid verrückt" bis zu "Ihr gehört in die Gaskammer". Eine Besonderheit besteht darin, dass ein (qualitativ durchaus gutes) Video von dem Vorfall existiert, das eventuell entschuldigende Interpretationen schwierig macht und durchaus für sich selber spricht. Das Video ist durchaus ein guter Beleg dafür, dass Antisemitismus nicht immer von den klassischen Stereotypen des Islamfanatikers oder dem kahl rasierten Stumpfnazi kommen muss. Es dürfte sich eher um genau den in Deutschland zunehmend virulenten Antisemitismus handeln, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt.

26. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: "The Atheist Christmas Carol"



Vienna Teng, "The Atheist Christmas Carol" (2004)

Ein Tweet oder Spass zu Weihnachten

Kennen Sie Ulf Poschardt? Nein? Muss man nicht unbedingt kennen, ist der derzeitige Chefredakteur der Welt. Und Herr Poschardt hat, wie vielleicht so mancher andere, etwas Langeweile am heiligen Abend gehabt und daher etwas getwittert. Er schrieb:
Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?­ 

25. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: 小伯利恆, xiǎo bólìhéng

­



陶明潔 - 小伯利恆

美哉小城伯利恆 你是何等清靜
無夢無驚 深深睡着 群星悄然運行
在你漆黑的街道 永遠的光照耀
萬世希望 人類憂喜 今夜集中於你

Tao Mingjie - "xiǎo bólìhéng"

Měizāi xiǎochéng bólìhéng nǐ shì héděng qīngjìng
wú mèng wú jīng shēn shēn shuìzhe qúnxīng qiǎorán yùnxíng
zài nǐ qīhēi de jiēdào yǒngyuǎn de guāng zhàoyào
wànshì xīwàng rénlèi yōu xǐ jīnyè jízhōng yú nǐ

Kleines Bethlehem

Wie still ist es in Bethlehem, der kleinen Stadt
Über deinem tiefen, traumlosen Schlaf ziehen die Sterne dahin
Doch auf deinen dunklen Straßen leuchtet das ewige Licht
Die ganze Welt soll heut Nacht auf dich blicken.



24. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: Renato Texeira, Almir Sater, "Noite Dos Sinos"



Renato Teixereia, Almir Sater - "Noite Dos Sinos" (2015)


Senhora dona da casa, bandeira passou

Todo ano ela passa, cantando em louvor
Porque sempre ela chega e sempre chegou

No dia da graça e do nosso senhor
A bandeira chegou, chegou, chegou
São as cores das fitas, são os cantadores

Viola ponteia os nossos louvores
O povo da roça chegou, chegou

E hoje é dia de reis, dia de reis, dia de reis

Um dia da graça outro é do pecador

E o perdão é o menino, o menino chegou
Para ser nosso rei, nosso redentor

Repiquem os sinos, cantemos o hino
O menino chegou, chegou, chegou

Divino espírito santo, Jesus menino

Milagre do amor, na noite dos sinos
O menino chegou, chegou, chegou

E hoje é dia de reis, dia de reis, dia de reis

Um dia da graça outro é do pecador

E o perdão é o menino, o menino chegou
Para ser nosso rei, nosso redentor

Repiquem os sinos, cantemos o hino
O menino chegou, chegou, chegou

Divino espiro santo, Jesus menino

Milagre do amor, na noite dos sinos
O menino chegou, chegou, chegou

E hoje é dia de reis, dia de reis, dia de reis

É o divino espírito santo é o Jesus menino
A bandeira chegou

23. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: 平安夜, píng'ān yè

Dieses Lied bedarf keiner Textübertragung.



Es handelt sich nämlich um eine wortgetreue Übersetzung der Verse Josef Mohrs (1792-1848), zu denen Franz Xaver Gruber (1787-1863) 1816 die Melodie des wohl bekanntesten Weihnachtslieds überhaupt schrieb.

平安夜 聖善夜 
萬暗中 光華射
照著聖母也照著聖嬰
多少慈祥也多少天真
靜享天賜安眠
靜享天賜安眠
平安夜 聖善夜

píng'ān yè shèngshàn yè 
wàn ànzhōng guānghuá shè
zhàozhe shèngmǔ yě zhàozhe shèng yīng
duōshǎo cíxiáng yě duōshǎo tiānzhēn
jìng xiǎng tiāncì ānmián
jìng xiǎng tiāncì ānmián
píng'ān yè shèngshàn yè

22. Dezember 2017

Jahreszeitenklang: 白色聖誕 - báisè shèngdàn

Besteht eigentlich die Gefahr, daß im verminten Geländer der PC, der Politischen Korrektheit, die man, aus guten, sachlich triftigen Gründen und aufgrund der schieren Genervtheit ob der Penetranz, mit der man von ihren Vertretern behelligt wird, ganz unweihnachtlich zum Teufel wünschen mag, und zwar rund um die Uhr und ganzjährig - mit der wir aber, for the time being, vorerst und wohl auch auf Jahre oder Jahrzehnte hinaus, geschlagen sind - besteht also das Risiko, daß im Frostklima der "verstatteten Diktion" selbst ein so harmloses Faktum wie die Rückstrahlfähigkeit von Dihydrogenmonoxid in Bereich des sichtbaren Lichts in festem Aggregatzustand den Türstehern und Conciergen zum Gegenstand des Ärgernisses gereicht? Mit anderen Worten: könnte es so weit kommen, daß die Erwähnung der Tatsache, daß Schnee dem menschlichen Auge als weiß erscheint, übel notiert wird, als zumindest latenter Rassimus?

18. Dezember 2017

Die berühmteste Weihnachtsfeier

Derzeit wirbt ein Verlag mit einer 30 cm großen Anzeige für ein Weihnachtsbuch mit diesem Rilke-Vers: „Es gibt so wunderweiße Nächte, drin alle Dinge Silber sind./ Da schimmert mancher Stern so lind,/ als ob er fromme Hirten brächte zu einem neuen Jesuskind.“

Wer ist dieses neue Jesuskind? In Friedrich Schleiermachers „Weihnachtsfeier“ war es, gendergerecht schon damals (1806), ein musikalisch begabtes kleines Mädchen als Symbol für eine christlich-festliche Geselligkeit. Schleiermacher wurde lange unterschätzt oder sogar als halber Atheist verdächtigt. Jetzt gilt er als der Kant in der Theologie.

17. Dezember 2017

Liebe alte Tante EsPeDeh ...



... eine kleine Frage mal zu diesem Komischen Kürzel "KoKo", das du vor vor ein paar Tagen, vor zweien? vor drei? vier? - in den Ring des Diskurses, die Agora der Öffentlichkeit, die mediale Arena geworfen hast.

Zuvor ein kleines Beiseit-Gesprochen: ich tue jetzt einfach einmal so, als sei dieses Sonderangebot, diese einmalige Gelegenheit zum politisches Winterschlußverkauf, immer noch gültig. Schließlich ist es schon länger als 48 Stunden her, daß es durch die Kanäle rauschte. Und es ist nun einmal ein Factum brutum, daß keine Nachricht, keine Meldung unserer Medien eine Haltbarkeit von mehr als zwölf Stunden besitzt. Danach verschwindet sie - und zwar egal um worum es sich dabei handelt, ohne jede Folge, ohne jede Konsequenz weit hinten in einem nachgerade prähistorischen Hinterland, in einer opaken Nebelkammer, die in diesem Land, aber nicht nur dort, sondern allgemein in Europa und im Westen, an die Stelle eines zetigeschichtlichen Gedächtnisses getreten ist - ein kollektiver Gedächtnisverlust, der jegliche Einordnung eines Gescheehns, jede Gewichtung, jedes Aufzeigen von Tendenzen unmöglich macht. Eine reine Gegenwart (Theologen sprechen hier von einem nunc stans, von einem Stillstand der Zeit), die sich über alles legt und nicht nur alle Aussichten aus die Zukunft unmöglich macht, sondern auch jeden Blick zurück auf das Terrain, das man beim Flug in diese Gegenwart hinter sich gelassen hat. Walter Benjamins Engel der Geschichte brauchte heute nicht mehr mit aufgerissenen Augen auf eine Trümmerhalde des Gewesenen zu starren, die er nicht wieder zusammenfügen kann, er befände sich im Blindflug in einer Wolkendecke ohne Lücken. Alzheimerpatienten muß die Welt so erschienen, wenn sie ahnungslos um ihren Selbst- und Zeitverlust nur noch dem unmittelbaren, momentanen Erleben ausgeliefert sind, ohne irgendeine facette davon jemals mit Sinn füllen zu können, weil ihr gesamtes Gedächtnis und ihre daraus erwachsende Persönlichkeit gelöscht sind.

12. Dezember 2017

Llarians Filmkritik: Tausend Planeten Zeitgeist

2017 war filmtechnisch betrachtet ein vergleichsweise langweiliges Jahr, sowohl im positiven wie im negativen Sinne. Die wenigen guten Filme kann man an einer Hand abzählen, aber auch die Zahl der Stinker war vergleichsweise übersichtlich. Langweilig eben. Und nicht so richtig viel dabei für das man eine echte Kritik schreiben müsste. Bis mir dann am vergangenen Wochenende der Film "Valerian - Die Stadt der tausend Planeten" begegnete. Zu diesem Film gibt es einiges zu sagen und deshalb soll er hier mit einem kleinen Review geadelt werden. Als Warnung sei vorweg geschickt: Dieser Artikel enthält Spoiler und ob er sich mit vernünftigen Gedanken beschäftigt kann ich auch nicht garantieren.

11. Dezember 2017

6. Dezember 2017

Ein Schritt zum Frieden

Wieder einmal hat es Trump geschafft die Medien damit zu überraschen, daß er einfach nur ein Wahlversprechen umgesetzt hat: Die USA verlegen ihre Botschaft in Israel in die Hauptstadt Jerusalem. Übrigens hat das der US-Kongreß schon 1995 beschlossen, es fehlte nur noch die Zustimmung des Präsidenten. Man kann also wirklich nicht von einer überhasteten Entscheidung sprechen.

Jetzt dominieren in den deutschen Medien natürlich die Journalismus-Lehrlinge, die das "gefährlich" und eine "Gefahr für den Friedensprozeß" nennen. Ein "Friedensprozeß", der aber schon 2000 durch die palästinensische Ablehnung von Camp David am Ende war, inzwischen hat Palästinenser-Diktator Abbas die Gespräche auch offiziell abgebrochen. Es gibt den "Friedensprozeß" schon längst nur noch in den Wunschträumen westlicher Intellektueller.

Befürchtet werden muß jetzt natürlich, daß Hamas und Co. den Anlaß für neue Terrorangriffe nutzen, die entsprechenden Ankündigungen sind ja schon publiziert.
Das heißt aber letztlich nicht viel. Es fehlt den Terroristen nie an Motivation für solche Angriffe. Beschränkt werden diese nur durch die israelischen Gegenmaßnahmen, nicht durch den Verzicht auf "Provokationen". Beeinflußbar ist in Maßen nur der Zeitpunkt solcher Angriffe, denn die Palästinenser nutzen diese natürlich für ihre Propaganda und werden jetzt schon lange vorbereitete Attentate als Antwort auf Trumps Entscheidung präsentieren.

Sowohl die peinlichen Reaktionen in Deutschland und Westeuropa wie der übliche arabische Terror sind aber letztlich Nebensächlichkeiten.
Viel wichtiger ist die Aussicht, daß die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt ein wichtiger Schritt zum Frieden sein kann.

29. November 2017

Mal wieder zwei Fälle

In Deutschland passieren täglich Verbrechen, das ist soweit nichts besonderes. Und die Justiz, die ja blind ist, bemüht sich des Öfteren zu betonen, wie neutral sie versucht damit umzugehen, so dass jedem Verbrechen seine gerechte Strafe folgt und jedes Opfer gleich behandelt wird. Und die deutsche Öffentlichkeit, auch wenn sie sich nicht so blind wähnt, will dem natürlich nachfolgen. Wie schwierig das ist, und wie gut das funktioniert, möchte ich anhand von zwei Beispielen aufzeigen, die sich in den vergangenen Tagen ereignet haben. Natürlich sind zwei Taten nie gleich, aber man kann doch Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen:

Die Stasi ist tot, es lebe die Stasi

Es gibt sicher nur wenige Figuren im deutschen Politikbetrieb die derart massiv polarisieren wie der Fraktionsvorsitzende der AfD in Thüringen Björn Höcke. Auch im kleinen Zimmer ist der Mann öfter thematisiert, weil er schlicht Dinge vertritt, die dem aktuellen, liberalen Staatsverständnis nicht nur ein bischen entgegenstehen. Der Mann ist provokant und setzt diese Eigenschaft auch sehr bewusst ein um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Alles in allem ergibt sich ein Mensch, dessen inhaltliche Positionen wohl von einer vergleichsweise breiten Mehrheit abgelehnt werden. 
Dennoch sollte betont werden, dass (trotz eifriger Versuche) nie nachgewiesen wurde, dass er den rechtsstaatlichen Rahmen verlassen hat, oder simpel gesagt: Er tritt zwar für die Beseitigung des §130 (Volksverhetzung) ein, hat aber selber wohl keine begangen, zumindest ist nichts entsprechendes bekannt.

26. November 2017

方逸華, 1934年7月27日-2017年11月22日. Mona Fong (27. Juli 1934 - 22. November 2017)

Am Donnerstag dieser Woche starb in Hong Kong Fang Yihua, die auch im chinesischen Raum besser unter der anglisierten Form ihres Namens Mona Fong bekannt ist, im Alter von 83 Jahren (oder vielleicht, wie es sich für die Branche, in der sie tätig war, geziemt, von 86 Jahren: viele ältere Quellen nennen als ihr Geburtsdatum den 1. 1. 1931), von den hiesigen Medien, denen sie kein Begriff war, übersehen. Wenn ihr Name hier Kennern des chinesischen Kinos geläufig sein dürfte, dann als zweite Hand und, spät in ihrem Leben, zweite Ehefrau des großen Moguls (und Mäzenaten) der Hongkonger Filmindustrie, Sir Run Run Shaw, dem dritten und einflußreichsten der drei Shaw-Brüder, denen das chinesische Kino eigentlich seine Existenz verdankt. (Das erste vom ältesten Bruder, Runme, gegründete Studio, Tianyi, begann 1925 mit der Filmproduktion, um für die größte chinesische Diaspora in Indonesien und Malaysia "einheimische" Film, mit chinesischen Darstellern und - damals noch - chinesischen Zwischentiteltafeln zu produzieren, die in Kinos gezeigt wurden, die ebenfalls von den Shaw-Brüdern betrieben wurden. 1937, kurz vor dem Ausbruch des japanisch-chinesischen Kriegs, der für China den Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert, verlegten die Brüder ihr Studio von Shanghai ins vermeintlich sichere Hong Kong, das zudem als britische Kronkolonie von den Strikturen und Zensurbeschränkungen der nationalchinesischen Guomindang unter Tschiang Kai-Shek ausgesetzt war.) 1957 gingen aus den Tianyi-Studios die Shaw Brothers Studios hervor, die dann den chinesischen Markt außerhalb der Volksrepublik (und ihrer kulturellen Wüste reiner maoistischer Propaganda)  und für den Rest der Welt beherrschten und das Bild prägten, das die Welt für die nächsten Jahrzehnte von Kino Chinas hatte: schnelle und billige Massenprodukte, die sich auf zwei Sparten beschränkten: Martial Arts-Filme, für deren immergleiche Machart die Namen Bruce Lee und Jackie Chan exemplarisch standen, und seichte Gegenwartskomödien mit trivialen Kabalen, die oft als Musicals angelegt worden waren und bei denen die Güte der Songs in staunenswertem Kontrast zur Seichtheit des Rests stand - bei den US-amerikanischen Musicals, die nicht zufällig zur gleichen Zeit am Broadway aufkamen, läßt sich, als hübsches Beispiel einer kulturellen Parallel-Evolution, genau das gleiche Phänomen beobachten. Man ist immer wieder von der Plattheit und Trivialität der Bühnenshows überrascht, aus denen unverbrüchliche Klassiker des Great American Songbook, bis hin zu den Liedern von George Gershwin und Rogers und Hammerstein bis heute im Ohr geblieben sind (auch As Time Goes By verdankt sich nicht etwa den kreativen Bemühungen um Casablanca, dessen Filmpremiere sich im nächsten Monat zum 75. Mal jährt, sondern wurde von Herman Hupfeld 1931 für das schnellstens von der "Furie des Vergessens" (Hans Magnus Enzensberger) vertilgte Musical Everybody's Welcome getonsetzt).

24. November 2017

Spätherbstliche Elegie in Prosa

Das Leben verläuft in einer Kurve, die sich üblicher- und auch idealerweise zusehends verflacht. Wer kann sich nicht mehr an die unermesslichen Wonnen aus Kindertagen erinnern, als man am Heiligen Abend auf die Bescherung wartete und dann, als das Geschenk ausgepackt war, dieses in seliger Versunkenheit einer Überprüfung nach allen Seiten unterzog? Wer kann sich nicht mehr an die unermesslichen Drangsale erinnern, wenn das Lieblingsspielzeug defekt und Trost schlechterdings unmöglich war? 

Es folgte die Jugend mit ihren Verzückungen – der ersten Liebelei, dem Gefühl des Erwachsenwerdens – und der rezidivierenden Konfrontation mit der subjektiven Gewissheit, nicht liebenswert und doch noch nicht so sehr gereift zu sein. Nach der Volljährigkeit, der Schulzeit wechselten die Erfolge des Wohlbestehenkönnens in der harten Realität mit dem Erschrecken über den kalten Wind, der das Mann- und Frausein umweht. 

Und irgendwann hat man es sich gerichtet. Wenn nichts dramatisch Gutes oder Schlechtes mehr passiert, verwaltet man sein Leben gleichförmig zu Ende – je nach Temperament mit einer Grundstimmung der Zufriedenheit oder des Missmuts. Der Gedanke an das Sterben verliert seine histrionische Überspitzung: Eines Tages wird er kommen, der stachellose Tod, und alles, was in diesem Leben an Schuld und Schmerz, an Lust und Liebe angefallen ist, im Sinne einer Generalbereinigung auf null stellen. 

Die Dinge ereignen sich nicht zweimal, zuerst als Tragödie und danach als Farce, sondern immer nur einmal: als Tragödie und Farce zugleich.

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

22. November 2017

Blick in die Glaskugel: Der 16. März 2018

Viel ist geschrieben worden über den historischen 19. November, an dem in Deutschland zum ersten Mal der Regierungsbildungsautomatismus nach einer Bundestagswahl versagt hat. Und wenn sich die SPD nicht doch noch zu einer Neuauflage der GroKo breitschlagen lässt, werden wir bis weit ins neue Jahr hinein keine sogenannte stabile Regierung haben. 

Ob der Bundespräsident nun eine Minderheitsregierung forciert oder nach einer gescheiterten Kanzlerwahl das Parlament auflöst und den Weg für Neuwahlen - die wahrscheinlich frühestens im April stattfinden könnten - freimacht, ob die Parteivorsitzenden von CDU (wahrscheinlich), CSU (unwahrscheinlich) und SPD (50:50) im Amt verbleiben oder nicht - schon jetzt wirft ein bestimmtes Datum seinen Schatten voraus über den frisch gewählten Bundestag und seine Mitglieder.

Es ist der 16. März 2018.