Loyalität zum "eigenen" Lokal- oder Nationalteam ist in der Sportberichterstattung selbstverständlich. "Wir" sollen natürlich gewinnen, und "wir" jubeln und leiden deshalb gemeinsam. Selbst im Sportjournalismus ist es allerdings heute üblich, die Qualitäten des Gegners halbwegs objektiv darzustellen und zu analysieren. Aus Gründen der Fairness, aber auch, weil "wir" uns ein realistisches Bild vom Stand der Dinge machen wollen. Es hilft ja nichts, über die Spanier nur zu lästern, wenn sie uns aufm Platz dann doch wieder vorführen.
In der Berichterstattung über den US-Wahlkampf ist das seltsamerweise anders. "Wir" - jedenfalls laut Umfragen 80 bis 90 Prozent der deutschen Bürger - sind loyale Obama-Fans (auch wenn er "uns" zuletzt doch ziemlich enttäuscht hat). Und die Medienberichterstattung über den Gegner vom Team Romney/Ryan besteht in wesentlichen Teilen nur aus Hohn und Karikatur.