6. November 2011

Neues aus der Forschung (13): Ein Fall von Wissenschaftsbetrug. Nebst Anmerkungen zur Sozialpsychologie

In den Wissenschaften, jedenfalls den experimentellen Wissenschaften, wird ziemlich selten betrogen. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn jemand gefälschte Daten publiziert, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder beachtet sie niemand. Dann hat ihm die Fälschung wenig eingebracht. Oder er findet mit diesen Daten Beachtung in der Fachwelt. Dann wird in der Regel früher oder später damit begonnen, die betreffenden Daten nachzuprüfen. Andere, die auf demselben Gebiet arbeiten, versuchen sie, wie man im Jargon sagt, zu "replizieren". Scheitert das, dann bringt das allerdings dem Fälscher etwas ein; nämlich Schmach und Schande.

Daten zu fälschen ist also dumm. Da die meisten Wissenschaftler nicht dumm sind, werden Daten selten gefälscht. Aber natürlich gibt es auch dumme Wissenschaftler. Früher oder später fliegen sie auf.

5. November 2011

Zitat des Tages: "Die Kontroverse über das Projekt Europa ist überfällig". Jürgen Habermas, die Zukunft Europas, die Tricksereien Papandreous

Eine Konzentration der Macht bei einem inter-gouvernementalen Ausschuss der Regierungschefs, die ihre Vereinbarungen den nationalen Parlamenten aufs Auge drücken, ist der falsche Weg. Ein demokratisches Europa, das keineswegs die Gestalt eines europäischen Bundesstaates annehmen muss, muss anders aussehen.

Dieses Projekt verlangt nicht nur institutionelle Phantasie. Die überfällige Kontroverse über Notwendigkeit und Nutzen eines solchen Projekts muss in der breiten Öffentlichkeit ausgetragen werden.
Jürgen Habermas heute in der FAZ.

Kommentar: Ich stimme Habermas zu. Wenn die jetzige Krise Europas etwas Positives haben kann, dann dies: Daß endlich die seit Jahrzehnten nicht geführte Debatte darüber einsetzt, was für ein Europa wir eigentlich wollen.

Diese Debatte blieb uns bisher verwehrt.

4. November 2011

Kleines Klima-Kaleidoskop (22): Was ist es denn, das zunimmt? Die Temperatur jedenfalls nicht

Nein, die Theorie des menschengemachten Klimawandels (anthropogenic climate change, ACC) ist nicht widerlegt. Nur wird sie seit einem Jahrzehnt nicht durch die Klimadaten bestätigt. Seit der Jahrtausend-wende gibt es keine globale Erwärmung mehr (siehe Die Energiepreise steigen drastisch. Die globale Temperatur steigt nicht mehr. Die Ersatzreligion bleibt stabil; ZR vom 26. 10. 2011).

Wenn dies der Sachverhalt ist, dann würde man in jeder Wissenschaft darüber nachzudenken beginnen, ob nicht vielleicht die herrschende Theorie falsch ist. Gewiß, man kann sie retten, indem man Zusatzannahmen macht (hier zum Beispiel die Sonnenaktivität betreffend, die Meeres-strömungen). Aber es könnte ja auch sein, daß sie gar nicht stimmt.

Zitat des Tages: Wie der Irak verloren wurde. Ein annus horribilis für den Westen

Barack Obama was a principled opponent of the Iraq war from its beginning. But when he became president in January 2009, he was handed a war that was won. The surge had succeeded. (...)

Al-Qaeda decimated. A Shiite prime minister taking a decisively nationalist line. Iraqi Sunnis ready to integrate into a new national government. U.S. casualties at their lowest ebb in the entire war. Elections approaching. Obama was left with but a single task: Negotiate a new status-of-forces agreement (SOFA) to reinforce these gains and create a strategic partnership with the Arab world’s only democracy.

He blew it. Negotiations, such as they were, finally collapsed last month. There is no agreement, no partnership. As of Dec. 31, the U.S. military presence in Iraq will be liquidated.


(Barack Obama war von Anfang an Gegner des Irakkriegs aus Prinzip. Aber als er im Januar 2009 Präsident wurde, übernahm er einen Krieg, der gewonnen worden war. Der Surge war erfolgreich gewesen. (...)

Al Kaida dezimiert. Ein schiitischer Premierminister, der eine entschieden nationalistische Linie verkündet. Die irakischen Sunniten bereit, sich in eine neue nationale Regierung zu integrieren. Obama blieb nur noch eine einzige Aufgabe: Ein neues Stationierungsabkommen für die amerikanischen Truppen (SOFA) auszuhandeln, um diese Fortschritte zu festigen und eine strategische Partnerschaft mit der einzigen Demokratie der arabischen Welt zu schaffen.

Er vergeigte es. Die Verhandlungen, so wie sie sich gestaltet hatten, brachen schließlich im vergangenen Monat zusammen. Es gibt kein Übereinkommen, keine Partnerschaft. Zum 31. Dezember wird die militärische Präsenz der USA im Irak liquidiert.)
Charles Krauthammer in seiner heutigen Kolumne in der Washington Post; Überschrift: "Who lost Iraq?" (Wer verlor den Irak?)

Kommentar: Welcher Staat der arabischen Welt und des Nahen Ostens gerade unsere Aufmerksamkeit findet, ändert sich in diesen Tagen schnell. Gerade war es Libyen. Dann schwenkte der Scheinwerfer auf Syrien, das einen Plan der Arabischen Liga akzeptieren will, der die die Unruhen in dem Land beenden soll. Zugleich geriet der Iran ins Visier der Aufmerksamkeit, gegen den es wegen seiner Atomrüstung offenbar konkrete militärische Planungen gibt.

Dort, wo es ruhiger ist, entwickeln sich die Dinge; aber wir merken weniger davon.

Der Irak ist das nahezu einzige arabische Land, in dem es nicht einmal in Ansätzen einen "arabischen Frühlings" gegeben hat.

3. November 2011

Zitat des Tages: "Wir tragen ein Kreuz". Papandreous Lamento. Nebst einem Link zur Live-Berichterstattung aus Griechenland

We are bearing a cross and on top of that, they are throwing stones at us.

(Wir tragen ein Kreuz, und sie bewerfen uns auch noch mit Steinen).
Der griechische Ministerpräsident Andreas Papandreou heute um 18.30 Uhr Ortstzeit (17.30 Uhr MEZ) über sein Land und die Reaktion der EU; so zu lesen bei Athens News.

Kommentar: Die Ereignisse in Athen überstürzen sich in diesen Stunden. Wenn Sie aktuell informiert bleiben wollen, dann kann ich den Live Ticker von Athens News nur empfehlen; direkt aus Athen.

Europas Krise (1): Zerfällt Europa?


Für künftige geschichtliche Entwicklungen fehlt uns meist die Phantasie.

Die Juristen sprechen von der "normativen Kraft des Faktischen" und meinen damit, daß etwas allein dadurch, daß es besteht, Recht schafft. Es gibt auch eine Kraft des Faktischen, die das Denken, die unser Vorstellungsvermögen bindet. Allein dadurch, daß etwas der Fall ist, daß es besteht, erscheint es uns, als müsse es so sein.

Aber Europa muß nicht sein. Natürlich hat es Bestand als eine geographische Bezeichnung; eine Halbinsel Asiens, die schon zur Zeit Herodots als einer der (damals drei) Kontinent gesehen wurde. Aber als politische Einheit muß Europa nicht existieren.

2. November 2011

Marginalie: Erdoğans Muttersprache. Die Sprache ist verräterisch

In seinem Interview mit "Bild" hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan eine bemerkenswerte Formulierung gefunden:
"Bild": Bei Ihrem letzten Besuch wurden Sie scharf kritisiert, weil Sie die Türken in Deutschland aufforderten, ihren Kindern zuerst Türkisch und dann Deutsch beizubringen. Wie sehen Sie das jetzt?

Erdoğan: Was ich sagte, ist nur eine sprachwissenschaftliche Erkenntnis. Wenn ein Kind eine neue Sprache erlernen soll, muss es die eigene Sprache gut können. Andernfalls kann man keine zweite Sprache erlernen.
Das ist, in a nutshell, die Überzeugung Erdoğans: Wessen Vorfahren einmal irgendwann aus der Türkei nach Deutschland eingewandert sind, dessen "eigene Sprache" ist Türkisch.

Zitat des Tages: "Die UN sind ein in Teilen zutiefst verlotterter Haufen". Clemens Wergin über die Aufnahme "Palästinas" in die UNESCO

Man hat sich ja längst an die antiisraelische Grundströmung der Vereinten Nationen (UN) und ihrer diversen Unterorganisationen gewöhnt. Aber die Aufnahme der Palästinensergebiete als Vollmitglied in die Unesco ist doch noch einmal ein besonderes Kapitel aus dem UN-Tollhaus. (...)

Die UN sind ein in Teilen zutiefst verlotterter, mehrheitlich undemokratischer und antiwestlicher Haufen. Und man wünschte sich, dass es nicht immer nur die Amerikaner sind, die das deutlich aussprechen und sich nicht alles bieten lassen wollen.
Clemens Wergin gestern in "Welt-Online".

Kommentar: Clemens Wergins Artikel ist von erfrischender Deutlichkeit, was die UNO angeht. Er ist auch von analytischer Klarheit, was die Politik der Fatah betrifft.

1. November 2011

Zitat des Tages: Die Verfehlung des Oberbürgermeisters Jens Beutel. Eine Määnzer Posse. Ein deutsches Lehrstück?

In der ersten Oktoberhälfte besuchte Beutel mit einer Delegation den ostafrikanischen Staat. Es handelte sich um eine Einladung: Ruanda und Rheinland-Pfalz sind seit Jahrzehnten Partnerländer (...)

Abends saßen die Deutschen an der Bar des schmucken Hotel Des Mille Collines in der Haupstadt Kigali. Beutel trank drei Gläser Rotwein, stand auf, entschwand auf sein Zimmer - ohne zu zahlen. Parteifreund und Landesinnenminister Roger Lewentz beglich die Zeche - und ärgerte sich. Offiziell grollt Minister Lewentz bis heute nicht, doch mitreisende Journalisten und Delegationsteilnehmer mit anderen Parteibüchern kolportierten den Vorfall.

Doch der beschauliche Trip nach Afrika löst in Mainz ein politisches Beben aus - die Posse um den Schoppen zwingt Beutel zum Rücktritt.
sueddeutsche.de über den Anlaß für den Rücktritt des Mainzer OB Jens Beutel (SPD).

Kommentar: Was man als Hotelgast an einer Hotelbar konsumiert, kann man im Allgemeinen entweder gleich bezahlen, oder es wird auf die Rechnung gesetzt. Beutel mag das zweite beabsichtigt haben; oder es gab sonst einen Grund, warum er nicht sofort bezahlt hat.

Daß, wie sueddeutsche.de im Vorspann zu dem Artikel behauptet, "Beutel die Zeche geprellt" hätte, ist jedenfalls albern.

31. Oktober 2011

Zitat des Tages: "Mindestlöhne erreichen nicht das angestrebte Ziel"

Based on their comprehensive reading of the evidence, Neumark and Wascher argue that minimum wages do not achieve the main goals set forth by their supporters. They reduce employment opportunities for less-skilled workers and tend to reduce their earnings; they are not an effective means of reducing poverty; and they appear to have adverse longer-term effects on wages and earnings, in part by reducing the acquisition of human capital.

The authors argue that policymakers should instead look for other tools to raise the wages of low-skill workers and to provide poor families with an acceptable standard of living.


(Auf der Grundlage einer umfassenden Auswertung der Daten argumentieren Neumark und Wascher, daß Mindestlöhne im wesentlichen nicht die Ziele erreichen, die von ihren Befürwortern angestrebt werden. Sie vermindern die Beschäftigungschancen für weniger qualifizierte Arbeiter und tendieren dazu, deren Einkommen zu senken; sie sind kein effektives Mittel, Armut zu verringern; und es sieht danach aus, daß sie langfristig nachteilige Auswirkungen auf Löhne und Einkommen haben, zum Teil deshalb, weil sie die Einstellung von Mitarbeitern behindern.

Die Autoren argumentieren, daß die Politik stattdessen nach anderen Mitteln suchen sollte, die Löhne von schlecht qualifizierten Arbeitern zu erhöhen und armen Familien einen aktzeptablen Lebensstandard zu ermöglichen).
Die MIT Press in ihrer Ankündigung des Buchs "Minimum Wages" von David Neumark und William L. Wascher; erschienen im Dezember 2008.

Kommentar: Diese Folgerung aus einer Untersuchung, die als eine der besten zu diesem Thema gilt, deckt sich mit den Ergebnissen anderer Analysen. Die Wikipedia:

Zum Reformationstag: Martin Luther – "ein Dichter und Sprachmeister von sonderlicher Gewalt"

In einigen – nämlich den östlichen – Bundesländern ist der heutige 31. Oktober gesetzlicher Feiertag: Gedenktag der Reformation, weil an diesem Tage im Jahr 1517 Martin Luther seine 95 Disputationsthesen über den Ablass veröffentlicht und wahrscheinlich ortsüblich an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen hat. Obwohl es sich dabei eigentlich um eine bloß universitäre Angelegenheit handelte, wurde dieser Thesenanschlag zum Ausgangspunkt der lutherischen Reformation.

Zettel hat in den vergangenen Jahren jeweils am 31. Oktober der Person des Reformators Martin Luther Beiträge in Zettels Raum gewidmet (2006: Zum Reformationstag: Mein Luther; 2007: Randbemerkung: Was wird am 31. Oktober gefeiert?; 2009: Zum Reformationstag: D. Martin Luther, der deutscheste aller deutschen Denker. Nebst Anmerkungen zum deutschen Michel; 2010: Zum Reformationstag: Von der Freiheit eines Christenmenschen). Diese Tradition möchte ich in diesem Jahr fortsetzen.

Martin Luther ist als Reformator, Theologe, Christ und profilierte Persönlichkeit auf der Grenze von Mittelalter und Neuzeit nicht unumstritten. Weniger umstritten ist, was er für die Entwicklung der deutschen Sprache geleistet hat. Das möchte ich heute würdigen.

30. Oktober 2011

Kurioses, kurz kommentiert: Sarrazin, Naika Foroutan und die Bildung und Ausbildung eingewanderter Türken

Fast ein Drittel aller Frauen und Männer zwischen 25 und 35 mit Wurzeln im Ausland hat keinen Berufsabschluss. Bei den türkischen Zuwanderern, immerhin die mit rund drei Millionen größte Minderheit, sind die Daten besonders alarmierend. Der Anteil der jungen Türken, die keinen Abschluss haben, ist zwischen 2001 und 2006 von 44 Prozent auf 57 Prozent gestiegen.
Aus dem Artikel "Fremde Heimat" im "Spiegel" der kommenden Woche (44/2011 vom 31. 10. 2011, S. 38).

Kommentar: Nein, kurios ist nicht der Sachverhalt, den die drei "Spiegel"-Autoren Özlem Gezer, Maximilian Popp und Christoph Scheuermann beschreiben.

Kurios ist, daß vor einem Jahr Thilo Sarrazin dafür als Ausländerfeind und Rassist beschimpft wurde, daß er genau diesen Sachverhalt in seinem Buch beschrieben hatte:

Zitat des Tages: "Wollen Sie ein weiteres Afghanistan erleben?". Die Wahl zwischen Pest und Cholera in Syrien

Syria is the hub now in this region. It is the fault line, and if you play with the ground you will cause an earthquake ... Do you want to see another Afghanistan, or tens of Afghanistans? ... Any problem in Syria will burn the whole region. If the plan is to divide Syria, that is to divide the whole region.

(Syrien ist in dieser Region jetzt der Dreh- und Angelpunkt. Es ist die Verwerfungslinie, und wenn Sie mit dem Boden herumspielen, dann werden Sie ein Erdbeben auslösen ... Wollen Sie ein weiteres Afghanistan erleben, oder zehn Afghanistans? ... Jedes Problem in Syrien wird die ganze Region brennen lassen. Wenn es der Plan ist, Syrien zu spalten, dann bedeutet dies, die ganze Region zu spalten).
Der syrische Staatspräsident Bashar al-Assad in einem Interview mit Andrew Gilligan, über das dieser heute im britischen Telegraph berichtet.

Kommentar: So unschön das ist - Assad hat recht. Ein Ende seines Regimes hätte unabsehbare Folgen für die ganze Region, und zwar vor allem aus zwei Gründen:

29. Oktober 2011

Stratfors Analysen: Auftrag im Irak beendet? Auftrag in Libyen beendet? In keiner Weise. George Friedman über die künftigen Probleme

Zusammenfassung: Sowohl die Entscheidung der USA, bis Ende des Jahres den Irak zu verlassen, als auch der Tod Gaddafis erzeugen eine Wahrnehmung von mission accomplished - Auftrag erfüllt. Aber in beiden Fällen kann von einem Abschluß keine Rede sein.

Was Libyen angeht, ist als erstes bemerkenswert, daß es volle sieben Monate gedauert hat, bis die Nato den Krieg gegen Gaddafi beenden konnte. Und dies, obwohl es ja nicht nur einen Luftkrieg gab; sondern die Nato-Truppen haben die Aufständischen trainiert, ihnen Kommunikationsmöglichkeiten geboten, ihre Aktionen geplant und diese gelegentlich auch geleitet. Man mag den Krieg zurückhaltend geführt haben, um die Verluste zu minimieren; eher deutet diese Länge aber auf die Schwäche der Aufständischen hin.

Wer soll Libyen jetzt regieren?

Dem Journalisten Zucker geben

Das Flagschiff der deutschen "Qualitätspresse" hat wieder zugeschlagen. Es geht um gesunde Ernährung, es geht um Kinder, also ein wichtiges Thema für die Volkserziehung.

Konkret geht es um die vor allem bei Kindern beliebten Frühstücksflocken, im Spiegel-Jargon "Bomben" genannt. Diese gibt es in einer Vielzahl von Varianten, die meisten davon enthalten eine ordentliche Portion Zucker. Wieviel Zucker, ist auf der Packung genau angegeben. Wer sich die genaue Zusammensetzung seiner Nahrung interessiert, oder gar seine komplette Ernährung über den Tag hinweg planen will, der bekommt alle ausreichenden Informationen. Es ist sogar eine Umrechnungshilfe angegeben, ausgehend von einem normierten Tagesverbrauch.

Für den Spiegel-Autor sind es aber nicht genug Informationen. Denn der Tagesverbrauch ist "nur" für Erwachsene angegeben. Genauer gesagt, für eine durchschnittliche erwachsene Frau. Keine Angaben gibt es nun konkret für den 4-jährigen Sohn des Autors. Also fragt er die Hersteller.

Und es ist vom Start an klar, daß die Hersteller bei der Antwort nur verlieren können.

Marginalie: Ideologie kaputt

Die Energiesparlampe über unserer Haustür war kaputt. Kaufpreis etwa 9 Euro, Lebensdauer um die 9 Monate. Die Beleuchtung vor dem Haus ist mit einem Bewegungsmelder verknüpft. Deswegen wird sie andauernd ein- und ausgeschaltet - das tut der Lebensdauer nicht gut.

Ich habe sie nun durch eine klassische 100W-Glühbirne (Schweiz-Import) ersetzt. Die hat etwa einen Euro gekostet und es ist jetzt sofort hell, wenn man das Schlüsselloch sucht.

Leider macht auch die Schweiz ab 2012 beim Verbotswahn mit. Also rechtzeitig Lagerbestände anlegen.
R.A.



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28. Oktober 2011

Marginalie: Griechenland - seit seiner Geburt ein Ziehkind Europas. Über den historischen Hintergrund der griechischen Schuldenmacherei

Wie konnte sich eigentlich Griechenland fröhlich und offenbar ohne Gewissensbisse bis über beide Ohren verschulden; wohl wissend, daß es seine Schulden niemals würde zurückzahlen können?

Eine Antwort findet man vielleicht in der griechischen Geschichte. Darauf macht heute Stratfor aufmerksam.

Aufruhr in Arabien (23): Eine Analyse des Wahlergebnisses in Tunesien. Unruhen in Sidi Bouzid

Zuerst war es für Montag oder Dienstag angekündigt worden, das vorläufige amtliche Endergebnis der Wahlen in Tunesien. Dann begann ein frustierendes Warten: Immer wieder setzte die Wahlkommission ISIE Pressekonferenzen an, die meist verschoben wurden und dann doch wieder nur Teilergebnisse brachten. Ergebnisse, die meist zuvor schon von der staatlichen Nachrichtenagentur TAP publik gemacht worden waren.

Gestern um 22 Uhr Ortszeit (23 Uhr MEZ) war es endlich so weit: Die ISIE (Instance supérieure indépendante pour les élections; Unabhängige Hohe Wahlbehörde) teilte das vorläufige amtliche Endergebnis mit. Mit Betonung auf "vorläufig", denn es sind noch zahlreiche Wahlanfechtungen zu prüfen. Diese Prüfung soll innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein.

27. Oktober 2011

Zitat des Tages: "Es fehlt der Respekt für die Kanzlerin". Anmerkungen zu einem trefflichen Kommentar von Ulf Poschardt

Es hat sich ein raunziger Ton eingeschlichen in die Kritik an Angela Merkel und ihrer Regierung, der etwas Anmaßendes hat. Altmodisch formuliert könnte man sagen, es fehlt der Respekt für eine Kanzlerin, die Tag und Nacht ohne Schonung der eigenen Physis versucht, mit der Währung die Fundamente unseres Wohlstands zu retten.

In ihrer Regierungserklärung wählte Merkel einmal mehr den unpathetischen und sachlichen Ton. Er steht in scharfem Kontrast zu der Aufgeregtheit vieler selbsterklärter Experten und populistischer Kriegsgewinnler der Krise.
Ulf Poschardt gestern in einem Kommentar in "Welt-Online" zur Regierungserklärung der Kanzlerin.

Kommentar: Poschardts Artikel ist nicht lang. Ich empfehle Ihnen, ihn zu lesen. Er weist auf Selbstverständlichkeiten hin, die aber in der Diskussion dieser Tage oft übersehen werden: Die Kanzlerin tut mit Kompetenz und Standfestigkeit das, was sie tun kann, um ihrem Amtseid gerecht zu werden. Sie hat dafür Anerkennung verdient.

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (5): Obamas Strategie für seine Wiederwahl. Vorbild George W. Bush?

Daß Barack Obama im November 2012 der Kandidat der Demokraten sein wird, ist so gut wie ausgemacht. Nur dann, wenn er physisch ausfallen sollte, könnte ein anderer an seine Stelle treten. Weil das so ist, richtet sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Kandidaten der Republikaner. Auch diese Serie hat sich bis jetzt überwiegend mit dem Vorwahlkampf der Republikanischen Partei (GOP) befaßt.

Aber wenn Obama auch nicht in den Vorwahlkampf muß, so braucht er doch eine Strategie für den eigentlichen Wahlkampf; für einen Wahlkampf, der schon im Gang sein wird, wenn der Kandidat der GOP am 27. August in Tampa, Florida, formell auf den Schild gehoben wird. An dieser Strategie arbeiten Obamas Helfer jetzt.

26. Oktober 2011

Zitat des Tages: "Bionadebourgeoisie". Ein Politikwissenschaftler über die Partei "Die Grünen"

Die Grünen sind also eine Partei der Satten, Saturierten und Abgesicherten, die sich einen Lebensstil leisten können, der vorrangig auf Fragen des "guten Lebens" abzielt: Authentizität, Selbstverwirklichung, kulturelle Reichhaltigkeit, unbedingter Schutz der Natur und der Lebenswelt. (...)

Auf der Basis geregelter und gesättigter Lebensentwürfe wird die grüne Lebensweise zu einem Luxuslifestyle.
Der Politikwissenschaftler Matthias Zimmer über die Partei "Die Grünen", zitiert in der heutigen Frankfurter Lokalausgabe der FAZ.

Kommentar: Originell ist diese Einsicht nicht; aber Zimmer hat sie schön formuliert. Wie auch der Begriff "Bionadebourgeoisie" von griffiger Eleganz ist, den Zimmer verwendet.

Deutschland im Öko-Würgegriff (28): Die Energiepreise steigen drastisch. Die globale Temperatur steigt nicht mehr. Die Ersatzreligion bleibt stabil

Wenn etwas die Bezeichnung "Horror-Szenario" verdient, dann ist es das, worüber gestern die FAZ unter der Überschrift "Energiepreis - Klimaschutz verdoppelt Kosten für Haushalte" berichtete:
Die europäischen Verbraucher müssen sich in den kommenden Jahren auf deutlich höhere Energiepreise einstellen. Die Ausgaben der privaten Haushalte für Energie werden sich bis 2030 voraussichtlich verdoppeln. Dies geht aus einem internen Entwurf für ein Strategiepapier zur EU-Energiepolitik bis 2050 hervor, das der zuständige Kommissar Günther Oettinger bis Ende des Jahres offiziell vorstellen will. (...) Die EU-Kommission hat dazu sieben verschiedene Szenarien analysiert.
Am stärksten werden die Energiepreise steigen, wenn die EU es der Aussteigernation Deutschland nachmacht, "sich weitgehend aus der Kernenergie verabschiedet und keine neuen Atomkraftwerke mehr baut".

25. Oktober 2011

Marginalie: Wahlen in Tunesien - doch absolute Mehrheit für die Islamisten?

Je mehr Ergebnisse der Wahlen am Sonntag bekannt werden, als umso größer stellt sich der Wahlsieg der islamistischen Ennahda dar.

Wie tunesia-live.net heute Mittag meldete, hat das arabische Programm von Al Jazeera jetzt eine erste Projektion erstellt. Danach erhielt die Ennahda 45 Prozent der Stimmen, das CPR (die Menschenrechtspartei von Moncef Marzouki) 15 Prozent, die sozialdemokratische Ettakatol 10 Prozent. Der Rest entfällt auf kleine Parteien.

Marginalie: Mit wem werden die islamistischen Wahlsieger in Tunesien zusammenarbeiten? Wer sind die Verlierer?

Die ersten definitiven Wahlergebnisse aus Tunesien liegen jetzt vor. Es handelt sich um die Stimmen der Auslands-Tunesier. Sie haben in sechs Wahlbezirken abgestimmt: Nordfrankreich, Südfrankreich, Italien, Deutschland, Amerika und Rest Europas, Arabische Welt und Sonstige. Zu vergeben waren 18 der 217 Sitze in der Verfassungsgebenden Versammlung.

Auf die islamistische Ennahda entfielen 9 Sitze. ("Ennahda" scheint sich als Transkription durchzusetzen; in meinem Vorbericht hatte ich die Transkription "Al-Nahda" verwendet). Auch der einzige von den Tunesiern in Deutschland zu vergebende Sitz ging an die Islamisten.

24. Oktober 2011

Zitat des Tages: "Mehr als neunzig Prozent der Tunesier haben gewählt". Behauptet das ZDF. Und läßt damit eine Ente watscheln

Die Beteiligung war überwältigend. Mehr als neunzig Prozent der Tunesier folgten dem Aufruf, eine Verfassungsgebende Versammlung zu wählen.
Das ZDF soeben in der Sendung "heute" von 19 Uhr.

Kommentar: Mehr als neunzig Prozent Wahlbeteiligung in Tunesien?