8. Juli 2012

Nach der Reue

Unser verehrter Gastgeber hat zur Euro-/Schulden-Krise so schön zitiert: "Hänge dich auf oder hänge dich nicht auf, du wirst beides bereuen." Die genaue Formulierung und der Urheber des Zitats sind hier nebensächlich, es gibt ähnliche Aussagen in vielen Varianten und Sprichwörtern.Auf jeden Fall paßt das gut zur Situation.

Es ist letztlich nicht mehr wichtig, wer nun alles wieviel Schuld an den Mißständen trägt. Wann man hätte wie anders entscheiden müssen, um einen besseren Verlauf zu erzielen. Wahrscheinlich ist auch inzwischen unwichtig, ob die Eurobonds dieses oder nächstes Jahr kommen, ob noch ein paar Auflagen verhandelt werden oder nach der nächsten Bundestagswahl die Sozialisten in Deutschland und Frankreich gemeinsam Gas geben, bevor sie vor die Wand fahren.

Der Problemberg ist zu groß, als daß es noch ein gutes Ende geben könnte. Aber das Potential Europas ist andererseits groß genug, daß es keine Katastrophe geben wird.

Zitate des Tages: "Feiern bis spät in die Nacht". Die Wahlen in Libyen und die wirklichen Machtverhältnisse. Nebst einer Erinnerung an den Irakkrieg

Bis spät in die Nacht feierten die Menschen in vielen Städten Libyens den Abschluss der ersten demokratischen Wahl des Landes. Auf dem Märtyrerplatz in Tripolis, wo vor genau einem Jahr über 1000 Libyer beim Kampf um die Freiheit des Landes von Gaddafis Schergen getötet wurden, freuten sich Tausende Fahnen schwenkend über den historischen Tag, erstmals frei gewählt zu haben.
Der ARD-Korrespondent Peter Steffe in seinem Bericht über die Wahlen in Libyen am gestrigen 7. Juli 2012.

I reported on the first elections, which were a flurry of dancing, tears, chanting, colorful traditional attire, halhooleh, camera flashes, children demanding inked fingers and overall joy and awe from all entering the polling station.

(Ich berichtete über die ersten Wahlen, die ein Durcheinander von Tanzen, Tränen, Singen, farbigen traditionellen Gewändern, Halhooleh, Kamerablitzen, Kindern, die Tinte auf ihre Finger wollten, und allgemeiner Freude und Bewegtheit aller war, welche die Wahllokale betraten).
Eine irakische Journalistin, die seit 1995 den Blog Iraq Chick betreibt, in dem sie seit 1995 aus dem Irak berichtet, über die dortigen Wahlen am 15. 12. 2005.

Kommentar: Die Stimmung im Irak war damals wie diejenige heute in Libyen. Aber nach diesen Wahlen Ende 2005 begannen die schwierigsten Jahre des Irak; geprägt durch Aufstände extremistischer Schiiten und Sunniten, durch den Terror der Kaida und von einstigen Schergen des Ba'ath-Regimes.

Vieles spricht dafür, daß Libyen jetzt ähnlich schwere Zeiten bevorstehen.

Pierre Moscovici, Frankreichs Superminister für Wirtschaft und Finanzen. Die Karriere eines Linken. Eine Elitekarriere

Photo: Bresson Thomas

Der Herr, der da am 14. Juni dieses Jahres in der Art der Kommunisten die linke Faust hebt, wenn auch mit verhaltenem Gesichtsausdruck, ist einer der mächtigsten Männer Europas. Es ist Pierre Moscovici, 55, seit dem 21. Juni Frankreichs Ministre de l'Économie et des Finances, Superminister für Wirtschaft und Finanzen (zwischen dem 16. Mai und dem 21. Juni hatte er auch noch die Zuständigkeit für Außenhandel gehabt, die er dann aber an Nicole Bricq abgab).

Wer ist dieser Mann, der Gegenspieler Wolfgang Schäubles, mit dem er sich nach Informationen des "Spiegel" nach dem Rotationsprinzip die Nachfolge Jean-Claude Junckers als Chef der Euro-Gruppe teilen wird?

7. Juli 2012

Zitat des Tages: "Wird Deutschland jetzt eingekreist? Zerbricht die deutsch-französische Achse?" Der Präsident Hollande und Europa

Wird Deutschland jetzt eingekreist? Zerbricht die deutsch-französische Achse? Auf dem Brüsseler EU-Gipfel hatten sich Italien und Spanien vor einer Woche mit Frankreich zusammengetan, um Deutschland erhebliche Zugeständnisse abzuringen. (...)

Das war kein Unfall. Dass so etwas passieren könnte, wurde bereits Anfang des Jahres angekündigt, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand. Ein Wirtschaftsdiplomat aus dem Lager des damaligen sozialistischen Präsidentschaftskandidaten brachte die neue Denkweise auf den Punkt: Der größte Fehler Nicolas Sarkozys sei gewesen, "keine Koalition gegen Angela Merkel geschmiedet" zu haben – Hollande hingegen werde andere Saiten aufziehen.
Gero von Randow, der für die "Zeit" aus Paris berichtet, in deren aktueller Ausgabe ("Die Zeit" 28/2012 vom 5. 7. 2012). Der Artikel ist auch in "Zeit-Online" zu lesen.

Kommentar: Gero von Randow ist ein kluger politischer Analytiker. Früher als viele andere hat er die Gefahren gesehen, die mit einer Wahl Hollandes auf Europa und speziell auf das deutsch-französische Verhältnis zukommen würden ("Mein wahrer Gegner ist die Finanzwelt". Der sozialistische Kandidat François Hollande, trefflich kommentiert von Gero von Randow; ZR vom 3. 2. 2012). Sein jetziger Artikel ist unbedingt lesenswert.

Hollande hat sich im Wahlkampf auf eine Ausweitung der französischen Staatsausgaben festgelegt; beispielsweise soll das Renten-Eintrittsalter auf 60 Jahre gesenkt und sollen 60.000 neue Stellen im Bildungsbereich geschaffen werden; Staatsdiener, versteht sich. Zugleich wird es Steuer­erhöhungen geben, die Frankreich in Richtung auf eine wirtschaftliche Talfahrt befördern dürften.

Marginalie: Seemanöver im Pazifik. Die U-Bootwaffe und die strategische Situation Chinas

Stratfor befaßt sich in einem aktuellen Artikel mit dem groß­angeleg­ten Seemanöver RIMPAC, das im Abstand von zwei Jahren in der Region von Hawaii stattfindet, und geht dabei besonders auf die Bedeutung der U-Bootwaffe ein.

Beteiligt sind an dem Manöver, das seit dem 27. Juni läuft und noch bis zum 7. August andauern wird, neben den USA auch Japan, Südkorea, Australien und weitere Nationen - insgesamt 21. Aber nicht China.

Dieser Umstand beleuchtet den Hintergrund:

Marginalie: Volkswirtschaft, verständlich erklärt: Hans-Werner Sinn zur Eurokrise

Hans-Werner Sinn gehört zu den Wissenschaftlern, die ihr Fachgebiet so souverän beherrschen, daß sie die Zusammenhänge in einfachen Worten schildern können, in plastischen Bildern. Fachchinesisch muß nur reden, wem es an einem solchen überlegenen Verständnis fehlt.

Mir war als jemandem, der sich nie mit Ökonomie befaßt hat, lange unklar gewesen, wie es zur Eurokrise gekommen ist; wie die politischen und ökonomischen Faktoren in ihrer Wechselwirkung zu der jetzigen schwierigen Situation geführt haben.

Vieles habe ich verstanden, nachdem ich Sarrazins Euro-Buch gelesen hatte

6. Juli 2012

Leichter rein als raus

Seit Beginn der "Eurokrise" wird immer wieder locker empfohlen, daß die Griechen (oder die Deutschen) den "Euroraum verlassen" und eine andere Währung einführen sollten. Allgemein scheint die Einstellung vorzuherrschen, daß ein solches Verlassen einer Währungsunion grundsätzlich problemlos machbar wäre - wenn man es politisch will.

Diesen Optimismus habe ich nie verstanden. Die Bildung der Währungsunion aus den diversen Altwährungen war schon ein hochkomplexer Prozeß, der sich über viele Jahre hinzog und enormen Vorbereitungsaufwand erfordete. Und trotzdem war das noch trivial gegenüber der Auflösung einer Währungs­union, wo über den Verbleib bzw. die Aufteilung von Milliarden Einzelguthaben bzw. Schulden entschieden werden muß.

Wie schwer das ist, illustriert eine aktuelle Nachricht: Über eine Viertelmillion Pfund hat da ein Vorschlag zur Auflösung der Währungsunion gewonnen. Der nach Meinung einer offenbar kundigen Jury besser ist als zwei Dutzend weiterer Vorschläge.

Das scheint also die beste bisher bekannte Lösungsidee zu sein - und ist doch ziemlich unbrauchbar.

Marginalie: Linksterrorismus, Rechtsterrorismus, islamistischer Terrorismus. Eine Anmerkung zur Verurteilung von Verena Becker

Politik und Verbrechen sind über Jahrtausende miteinander verbunden gewesen. Sich mit Gewalt durchzusetzen, den Gegner physisch zu vernichten - das war das Übliche, das Wesen der Politik. Man tat es durch Giftmord, beispielsweise; oder dadurch, daß man den Gegner aufs Schafott brachte.

So haben es noch die Nazis und die Kommunisten gehandhabt.

5. Juli 2012

Marginalie: Die Paranoia des Internet

Gestern kam ich nicht mehr in mein eigenes Forum.

Die Software hatte in ihrer unergründlichen Weisheit eine "Sicherheitsabfrage" beschlossen, der ich nicht gewachsen war. Ein System­neustart half in diesem Fall.

Marginalie: China und Kuba wollen Kooperation "vertiefen"

Raúl Castro ist in China, und man hat eine engere Zusammenarbeit beschlossen.

China konzentriert sich auf seinem Weg zur Supermacht überhaupt nicht nur auf Asien. Es betreibt eine weltweite Hegemonialpolitik mit den Schwerpunkten Afrika und Lateinamerika.

Siehe dazu:

Kurioses, kurz kommentiert: Sind Einwanderer besser ausgebildet als Deutsche?

Arbeitsmarkt - Einwanderer sind besser ausgebildet als Deutsche
Überschrift eines Artikels, der seit heute, 13.31 Uhr, bei "Spiegel-Online" zu lesen ist.

Kommmentar: Wirklich?

Von den 6.75 Millionen Einwanderern in Deutschland (Stand: 2006), sind 1.739 Millionen Türken, 535.000 Italiener, 362.000 Polen und 317.000 Serben und Montegriner. 304.000 sind Griechen und 228.000 Kroaten. (Das ist jeweils das Herkunftsland; unabhängig davon, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben).

Und wie heißt es in der Meldung? Es heißt so:

Zitat des Tages: Von Abelshauser bis Zimmermann. 160 Ökonomen gegen eine Bankenunion. Der Kanzlerin wird der Rücken gestärkt

Werner Abelshauser (Bielefeld)
Klaus Adam (Mannheim)
Thomas Apolte (Münster)
Lutz G. Arnold (Regensburg)
Ludwig von Auer (Trier)

Sascha Becker (Warwick)
Gerard J. van den Berg (Mannheim)
Annette Bergemann (Mannheim)
Norbert Berthold (Würzburg)
Thomas Beißinger (Hohenheim)
Martin Biewen (Tübingen)
Charles B. Blankart (Berlin)
Eckhart Bomsdorf (Köln)
Michael Braulke (Osnabrück)
Friedrich Breyer (Konstanz)
Jeanette Brosig-Koch (Duisburg-Essen)
Carsten Burhop (Köln)

Volker Caspari (Darmstadt)
Dieter Cassel (Duisburg/Essen)
Norbert Christopeit (Bonn)

Manfred Deistler (Wien)
Alexander Dilger (Münster)
Klaus Diller (Koblenz)
Jürgen B. Donges (Köln)
Axel Dreher (Heidelberg)

Jürgen Eichberger (Heidelberg)
Peter Egger (Zürich)
Wolfgang Eggert (Freiburg)
Mathias Erlei (Clausthal-Zellerfeld)

Hans Fehr (Würzburg)
Stefan Felder (Basel)
Bernhard Felderer (Wien)
Andreas Freytag (Jena)
Jan Franke-Viebach (Siegen)
Michael Fritsch (Jena)
Markus Frölich (Mannheim)
Wilfried Fuhrmann (Potsdam)
Michael Funke (Hamburg)

Gerhard Gehrig (Frankfurt)
Egon Görgens (Bayreuth)
Volker Grossmann (Freiburg/Schweiz)
Joachim Grammig (Tübingen)
Wolf-Heimo Grieben (Würzburg)
Thomas Gries (Paderborn)
Josef Gruber (Hagen)
Erich Gundlach (Hamburg)

Hendrik Hakenes (Bonn)
Gerd Hansen (Kiel)
Andreas Haufler (München)
Harry Haupt (Bielefeld)
Nikolaus Hautsch (Berlin)
Burkard Heer (Augsburg)
Arne Heise (Hamburg)
Christoph Helberger (Berlin)
Florian Heiss (Mainz)
Thomas Hering (Hagen)
Carsten Herrmann-Pillath (Frankfurt)
Helmut Herwartz (Kiel)
Hans Hirth (Berlin)
Stefan Hoderlein (Boston)
Stefan Homburg (Hannover)

Jürgen Jerger (Regensburg)
Uwe Jirjahn (Trier)

Leo Kaas (Mannheim)
Alexander Karmann (Dresden)
Gebhard Kirchgässner (St. Gallen)
Oliver Kirchkamp (Jena)
Roland Kirstein (Magdeburg)
Kai Konrad (Berlin)
Walter Krämer (Dortmund)
Tim Krieger (Paderborn)
Hans-Martin Krolzig (Canterbury)
Jens Krüger (Darmstadt)
Jörn Kruse (Hamburg)

Franz Peter Lang (Braunschweig)
Bernd Lucke (Hamburg)
Helmut Lütkepohl (Berlin)

Ernst Maug (Mannheim)
Dirk Meyer (Hamburg)
Georg Milbradt (Dresden)
Gertrud Moosmüller (Passau)
Karl Mosler (Köln)
Georg Müller-Fürstenberger (Trier)
Marc-Andreas Muendler (San Diego)

Bernhard Neumärker (Freiburg)
Werner Neus (Tübingen)
Dirk Niepelt (Gerzensee)
Volker Nitsch (Darmstadt)

Peter Oberender (Bayreuth)
Walter Oberhofer (Regensburg)
Ingrid Ott (Karlsruhe)
Max Otte (Graz)

Wolfgang Paffenberger (Bremen)
Hans-Georg Petersen (Potsdam)
Dietmar Petzina (Bochum)
Wilhelm Pfähler (Hamburg)
Michael Pickhardt (Cottbus)
Winfried Pohlmeier (Konstanz)
Mattias Polborn (Urbana-Champain)
Olaf Posch (Aarhus)
Birger P. Priddat (Witten-Herdecke)

Bernd Raffelhüschen (Freiburg)
Olaf Rank (Freiburg)
Franko Reither (Hamburg)
Til Requate (Kiel)
Rudolf Richter (Saarbrücken)
Gerhard Rübel (Göttingen)
Ralf Runde (Siegen)

Wolf Schäfer (Hamburg)
Bernhard Scherer (London)
Burkhard C. Schipper (University of California)
André Schmidt (Witten-Herdecke)
Gunther Schnabl (Leipzig)
Ronnie Schöb (Berlin)
Klaus Schöler (Potsdam)
Siegfried G. Schoppe (Hamburg)
Matthias Graf von der Schulenburg (Hannover)
Christian Seidl (Kiel)
Franz Seitz (Weiden)
Friedrich L. Sell (Neubiberg)
Gernot Sieg (Braunschweig)
Hans-Werner Sinn (München)
Peter Spahn (Hohenheim)
Georg Stadtmann (Frankfurt/Oder)
Joachim Starbatty (Tübingen)
Thomas Steger (Leipzig)
Martin Steinrücke (Greifswald)
Erich Streißler (Wien)
Wolfgang Ströbele (Münster)
Hans Gerhard Strohe (Oppen)

Tymon Tatur (Bonn)
Theresia Theurl (Münster)
Stephan Thomsen (Hannover)
Karl-Heinz Tödter (Frankfurt)
Stefan Traub (Bremen)

Harald Uhlig (Chicago)

Stefan Voigt (Hamburg)

Andreas Wagener (Hannover)
Gerhard Wagenhals (Hohenheim)
Adolf Wagner (Tübingen/Leipzig)
Martin Wagner (Graz)
Klaus Wälde (Mainz)
Martin Wallmeier (Freiburg/Schweiz)
Gerhard Wegner (Erfurt)
Joachim Weimann (Magdeburg)
Thomas Wein (Lüneburg)
Robert K. von Weizsäcker (München)
Frank Westermann (Osnabrück)
Michael Wolf (Zürich)
Elmar Wolfstetter (Berlin)

Klaus F. Zimmermann (Bonn)
Liste der Unterzeichner des Offenen Briefs, den Sie hier lesen können.

Kommentar: Ich bringe als Zitat diese Liste, statt eines Auszugs aus dem Text, weil sie mir das Interessantere zu sein scheint: Wenn 160 Fachleute, viele davon Universitäts­professoren, sich entschließen, in dieser Weise an die Öffentlichkeit zu gehen, dann hat das Gewicht.

Ich denke, daß die Kanzlerin sich über diesen Vorstoß freuen wird.

Faszination des Verbrechens. Wo kommt sie her?

Zu dem gestrigen Artikel über die Bluttat von Karlsruhe hat mir ein Leser eine Mail geschickt und sich "über ein bißchen viel Boulevard" enttäuscht gezeigt. Ich habe ihm geantwortet, er möge doch einen Beitrag in ZR, dessen Thema ihn nicht interessiert, einfach nicht lesen.

Mich jedenfalls hat gestern die Meldung über dieses Bluttat interessiert; und ich habe mich sofort daran gemacht, Näheres in Erfahrung zu bringen. Das Thema hat mich beschäftigt; so, wie es offenbar viele in Deutschland beschäftigt hat. Die Hauptausgabe der Tagesschau brachte es gestern Abend als Aufmacher.

Das Verbrechen fasziniert uns.

4. Juli 2012

Marginalie: Die Bluttat von Karlsruhe. Ein vorläufiger Kommentar. Aktualisierte Fassung: Pressekonferenz der Polizei

Noch sind die Einzelheiten der Bluttat von Karlsruhe unklar. Die ersten Meldungen sind kaum eine Stunde alt.

Nach dem, was bisher bekannt ist, könnte es sich um einen, kriminologisch gesehen, klassischen Ablauf handeln:

Zitat des Tages: 74 Prozent der Deutschen sind gegen Vereinigte Staaten von Europa. Das Euro-Dilemma

74 Prozent der Bundesbürger wollen nach einer Umfrage für das Hamburger Magazin stern nicht, dass sich die EU langfristig zu einem einheitlichen Bundesstaat nach dem Vorbild der USA entwickelt. Lediglich 22 Prozent befürworten eine Aufgabe des Nationalstaats zugunsten einer vereinigten EU. Vorbehalte haben die Befragten auch gegen einen vom Volk gewählten EU-Präsidenten, wie ihn kürzlich Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgeschlagen hat: 63 Prozent sind dagegen, nur 33 Prozent dafür.
Ergebnis einer Umfrage, die heute "stern.de" zitiert.

Kommentar: Diese Umfrage macht das Dilemma deutlich, in das uns die Einführung des Euro gebracht hat.

Er war von vornherein darauf angelegt gewesen, die Rolle des Vorreiters für die Vereinigten Staaten von Europa zu spielen.

July 4, 1776


IN CONGRESS, JULY 4, 1776
The unanimous Declaration of the thirteen united States of America


When in the Course of human events it becomes necessary for one people to dissolve the political bands which have connected them with another and to assume among the powers of the earth, the separate and equal station to which the Laws of Nature and of Nature's God entitle them, a decent respect to the opinions of mankind requires that they should declare the causes which impel them to the separation.

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Schwefelhölzer, Fenchel, Bricken – Die Deutschen und ihr Nationalgefühl. Ein Gastbeitrag von Noricus

In unregelmäßigen Abständen, häufig aber zu Fußball­großereignissen, flammt in Deutschland eine Diskussion auf, die man boshaft als querelle d’Allemand bezeichnen könnte und die mit Etiketten wie Nationalstolzdebatte oder Patriotismusstreit versehen wird. Auf den ersten Blick mag man vermuten, dass diese rezidivierende Kontroverse irgendwann nach 1945 ausgebrochen sein muss. Allzu einleuchtend scheint die Annahme, dass das "patriotische Problem" der Deutschen etwas mit der "Kriegsvergangenheit" zu tun habe. Blickt man jedoch weiter zurück in die Geschichte, und zwar in die Werke der für unser Land angeblich so charakteristischen Dichter und Denker, bekommt dieses klare Bild einige Risse.

3. Juli 2012

Margot Werner ist tot

Hier finden Sie eine WebSite; wohl nicht die ihrige, sondern eine über sie. Ein treffliches Bild gibt es hier. Ein gemeinfreies habe ich leider nicht gefunden; deshalb bleibt dieser kleine Artikel unillustriert.

Aktuelles zum Krieg der Dschihadisten (12): Wenn Rebellen sich zurückziehen. Strategie und Taktik in asymmetrischen Kriegen

In den letzten Wochen wurden in etlichen Ländern islamistische Aufständische gezwungen, sich aus Städten zurückzuziehen, die sie erobert hatten. Das sind Niederlagen für die Dschihadisten; aber bei weitem nicht so schlimme, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Bei Stratfor hat jetzt Scott Stewart dazu eine Analyse geschrieben; auf sie stütze ich mich im folgenden zum Teil.

Marginalie: Was demnächst auf Ihrer Stromrechnung stehen wird. Eine ausbaufähige Idee des Wirtschaftsministers

Bei der "Energiewende" knirscht es bekanntlich gewaltig; vor allem beim Ausbau des Leitungsnetzes.

Anders als konventionelle Kraftwerke kann man "Windparks" nicht dort bauen, wo der Strom benötigt wird; sondern man muß sie (überwiegend) dort hinstellen, wo ein kräftiger Wind weht. Also ins Wattenmeer. Von dort wird der Strom dann quer durch die Republik transportiert. Der dadurch erforderliche Ausbau des Leitungsnetzes ist erstens teuer und zweitens mit technischen und rechtlichen Problemen verbunden.

Wenn jemand nun in Windräder investiert, dann möchte er seinen Strom natürlich auch verkaufen. Was aber, wenn die erforderliche Leitungskapazität noch nicht da ist?

2. Juli 2012

Das Neuerlied

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
wie Schwertgeklirr und Wogenprall:
Zum Tor, zum Tor, zum deutschen Tor!
Wer steht dem deutschen Kasten vor?

Lieb Stürmerstar, magst ruhig sein,
Lieb Mittelfeld, magst ruhig sein:
Doch, doch, der Neuer wacht,
da geht nichts rein!
Doch, doch, der Neuer wacht,
da geht nichts rein!

Kurioses, kurz kommentiert: "In den Zimmern eines Bordells wird nicht geruht". Das Finanzgericht Düsseldorf urteilt aus der Lebenserfahrung

Die ermäßigte Umsatzsteuer für Hoteliers gilt nicht für Bordelle. Das hat das Finanzgericht Düsseldorf in einem Urteil klargestellt. Die Begründung: In den Zimmern werde nicht geruht. (...) "Ein Bordellbetrieb ist keine einem Hotel ähnliche Einrichtung", stellten die Düsseldorfer Richter fest.
Aus einem heutigen Artikel in "Spiegel-Online".

Kommentar: Ein Urteil, das für die Lebenserfahrung der Richter des Finanzgerichts Düsseldorf spricht.

Wie aus dem Artikel hervorgeht, sehen Bordellbetreiber mit ihrer eigenen Lebenserfahrung das aber anders. Einer hatte geklagt, um den ermäßigten Umsatz­steuer­satz zu erhalten, der mit dem Wachstums­beschleunigungs­gesetz vom Dezember 2009 eingeführt worden war.

Das Singen der Nationalhymne, die Piratenpartei und Barack Obama. Eine These

Nach aktuellen Umfragen liegt die Piratenpartei derzeit bei acht bis zehn Prozent. Bundesweit. In Berlin sieht sie eine heute veröffentlichte Umfrage von Forsa bei dreizehn Prozent - einen Prozentpunkt über der Partei "Die Linke", die einst als SED das halbe Berlin regierte.

Bei der gestern zu Ende gegangenen Fußball-EM haben eine Reihe von deutschen Spielern die Nationalhymne nicht mitgesungen; unter anderem der Berliner Jérôme Boateng, der in der Nähe von Stuttgart geborene und aufgewachsene Sami Khedira und der Gelsenkirchender Mesut Özil; wenn ich es recht gesehen habe, auch der aus Riedlingen stammende Mario Gómez nicht.

Ich möchte jetzt die These vortragen und begründen, daß es zwischen diesem Verhalten und dem frappierenden Erfolg der Piratenpartei einen Zusammenhang gibt.

1. Juli 2012

Zitat des Tages: "Das Rettungsgeld wird in Strömen fließen". Über einen Hebel, der nichts mehr hebelt

Am Ende wird in Europa das Rettungsgeld in Strömen fließen, aber niemand wird die Macht haben, seine Verwendung zu kontrollieren und Missbrauch zu sanktionieren. (...) Die Wirtschaftshistoriker sagen uns, dass Zentralstaaten mit einheitlicher Währung nur dann funktionieren, wenn das No-Bailout-Gebot strikt eingehalten wird (wie in der Schweiz und, mit Einschränkungen, in den Vereinigten Staaten). Europa aber will eine Haftungs- und Transferunion. Das wird schiefgehen.
Der Chef des Ressorts Wirtschaft der F.A.S., Rainer Hank, in der heutigen F.A.S. in einem Kommentar mit dem Titel "Zentralwahn".

Kommentar: Wer Thilo Sarrazins aktuelles Buch gelesen hat, der hat verstanden, warum der Euro in seine jetzige Krise geraten ist: Weil sich Haushaltsdisziplin nicht von außen verordnen läßt, solange die Staaten souverän sind; solange also die Regierungen den heimischen Pressionen und Traditionen folgen, die ihnen vielerorts vor allem die Funktion zuweisen, Wohltaten an die jeweilige Klientel unter den Wählern zu verteilen

Exzellentes Brot. Ein Märchen


Es war einmal ein Reich, das aus vielen Ländern bestand. Das Backwesen war in diesem Reich Ländersache, denn sie hatten die Backhoheit.

Im Lauf der Jahrhunderte hatten die Landesherren viele Bäckereien gegründet, große und kleine. In ihnen wirkten die Staatsbäcker. Die meisten wurden nach dem Landes-Angestelltentarif (LAT) bezahlt, die höhergestellten waren verbeamtet und hatten eine eigene Besoldungsordnung Bä, die von Bä1 (Oberbäcker) über Bä2 (Regierungsbäcker) und Bä3 (Oberregierungsbäcker) bis Bä4 (Ministerialbäcker) reichte.

Die Bäckereien gaben ihren Kuchen, ihr Brot und ihre Brötchen kostenlos an die Bürger ab; denn die Verfassung des Reichs sah ein "Recht auf Grundnahrung" für alle vor.