11. Januar 2012

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (10): Informationen zum Verständnis des Wahlergebnisses in New Hampshire. Zwei Sieger. Eine liberale Jugendbewegung?

Die Vorwahl der republikanischen Partei (GOP) in New Hampshire ist so ausgegangen, wie Sie es erwarten konnten, wenn Sie die Bericht­erstattung in diesem Blog verfolgt haben:

Mitt Romney ist keineswegs "gestrauchelt", wie "Spiegel-Online" noch gestern seinen Lesern nahebringen wollte, sondern er hat einen starken Sieg eingefahren. Ron Paul ist zweiter und Jon Huntsman Dritter geworden, so wie es die Umfragen vorhergesagt hatten. Wie meist hat das Modell von Nate Silver das Ergebnis außerordentlich genau getroffen - mit einer bemerkenswerten Ausnahme allerdings.

10. Januar 2012

Zettels Meckerecke: "Es ist zum Verzweifeln". Wie "Spiegel-Online" über die Lage der Kandidaten im US-Vorwahlkampf desinformiert

Bei "Spiegel-Online" macht man sich Sorgen um die Republikanische Partei in den USA. Genauer: Es sind Sebastian Fischer und Marc Pitzke, die sich sorgen. Seit heute um 12.50 Uhr können Sie es lesen:
Es ist zum Verzweifeln. Die US-Republikaner suchen einen Gegenkandidaten zu Präsident Barack Obama. Doch kurz vor der Entscheidung in New Hampshire strauchelt Favorit Mitt Romney und Shooting-Star Rick Santorum verliert die Nerven.
Schlimm, schlimm. Der bisherige Favorit Mitt Romney gestrauchelt, also am Boden. Rick Santorum, so müssen wir befürchten, ein Nervenbündel.

Nur ist es nicht so. Beiden geht es bestens; die heutigen Wahlen dürften für den einen wie den anderen zum Erfolg werden. Schauen wir uns die letzten Umfragedaten zum Primary in New Hampshire an

Zitat des Tages: "Sarrazin hat Özils Erfolg zertrümmert". Der Philosoph, der tritt herein / Und beweist euch, es müßt so sein

Gebauer: Nun hat man leider gesehen, dass Özils Erfolg im Frühsommer 2010 in Südafrika durch den Bestsellererfolg von Thilo Sarrazin im Spätsommer grandios zertrümmert worden ist. Das Komische war, dass Sarrazin weitgehend unwidersprochen vor seinem Publikum behaupten konnte, Türken würden zu dieser Gesellschaft kaum etwas beitragen. Ich fand das bemerkenswert, weil das in Frankreich 1998 auch passiert war ...

Tagesspiegel: ... die Equipe multiculturelle, die Fußball-Weltmeister wurde...

Gebauer: ... ja 1998. Und 2000 kam Le Pen in die Stichwahl ums Präsidentenamt.
Aus einem Interview, das Friedhard Teuffel mit dem Philosophen Gunter Gebauer führte und das im "Tagesspiegel" sowie gestern bei "Zeit-Online" erschien.

Kommentar: Von der Warte des Philosophen aus beschaut, sieht die Welt mitunter erstaunlich aus.

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (9): Die doppelte Bedeutung der heutigen Vorwahlen in New Hampshire

Auch vor vier Jahren, am 8. Januar 2008, waren die Vorwahlen in New Hampshire spannend; damals nicht nur bei den Republikanern, sondern ebenso bei den Demokraten. Dort ging ein gewisser Barack Obama als Favorit ins Rennen; ein Bewerber, dem gegen Hillary Clinton bis zu den Caucuses in Iowa wenig Chancen eingeräumt worden waren.

Zum Favoriten war Obama geworden, weil er ganz unerwartet am 3. Januar in Iowa gesiegt und Hillary Clinton sogar auf den Dritten Platz verwiesen hatte

9. Januar 2012

Apfelbäumchen 2.0

Wenn man sonntags morgens eine private Mail von Zettel bekommt, dann ist man schon sehr neugierig.

Denn es werden ja aktuell ganz heftige Themen in Zettels Raum diskutiert: Die Affären um den Bundespräsidenten, das Versagen deutscher Medien, die Gefahren der Islamisierung, Merkels Marsch in die Schuldenunion, die Zumutungen der Eurokratie, die zunehmende Intoleranz gegen Andersdenkende ...

Was also könnte so wichtig sein, daß der Hausherr außerhalb der Forumsdiskussionen "hinter den Kulissen" eine Mitteilung macht?

Zitat des Tages: Sarrazin über Pharisäer. Auch über Käßmann, Heinrich August Winkler, Sigmar Gabriel. Und über das Verhalten von Bundespräsident Wulff

Welt Online: Worüber regen sich dann so viele auf?

Sarrazin: Das ist die Wut der Pharisäer. Ich spreche etwas aus, was viele denken, sich aber zu sagen nicht trauen. Der Pharisäer ist ein Mensch, der schon etwas weiß, aber in festen Strukturen denkt und sie nicht gefährden will. Er will keine Fragen stellen, weil sie zu ungewollten Folgerungen führen könnten. Damit er weiter sein Leben als Pharisäer führen kann.
Thilo Sarrazin in einem Interview, das Andrea Seibel und Henryk M. Broder mit ihm führten und das seit heute 14.21 Uhr in "Welt-Online" zu lesen ist.

Kommentar: Selten ist es mir so schwer gefallen, aus einem längeren Interview diejenige Passage herauszusuchen, die ich als "Zitat des Tages" verwenden möchte. Denn fast jede Antwort Sarrazins in diesem Interview ist zitierenswert - in einem Gespräch, das von Broder und Seibel professionell geführt wurde; also sachlich, an Auskünften des Gesprächspartners interessiert, und nicht mit der Absicht, ihn fertigzumachen und vorzuführen.

Das sollte man erwähnen, denn es ist ja bei Sarrazin keine Selbstverständlichkeit.

Zettels Meckerecke: "Quelle: F.A.Z.". Der unsäglichste, der geschmackloseste Artikel, den ich seit langem gelesen habe. Nein, ich übertreibe nicht

Im Feuilleton von FAZ.NET ist derzeit ein Artikel mit der Überschrift "In Trümmerhaufen" zu lesen. Er trägt kein Datum. Es wird kein Autor genannt.

Daß derjenige, der das geschrieben - oder vielmehr überwiegend montiert - hat, nicht mit seinem Namen erwähnt wird, daß er vielleicht nicht genannt werden wollte, ist verständlich. Denn ein so schlimmes Machwerk habe ich lange nicht mehr in der Internet-Ausgabe einer deutschen Tageszeitung gelesen; schon gar nicht der FAZ.

8. Januar 2012

Marginalie: Textauszüge aus dem, was Wulff auf Diekmanns Mailbox gesprochen hat. Warum nur hat der Präsident einer Veröffentlichung nicht zugestimmt?

Wie zu erwarten gewesen war, blieb die Abschrift von Bundespräsident Wulffs Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann nicht lange unter Verschluß. Sie wird unter Journalisten längst von Hand zu Hand gereicht.

Der "Spiegel" der kommenden Woche (Heft 2/2012 vom 9. 1. 2012) bringt etliche Textpassagen wörtlich. Sie zeigen, wie das Magazin schreibt, daß die "Wortwahl der Niederschrift zumindest weniger auffällig und dramatisch" ist, "als es in den bisher veröffentlichten Wortfetzen den Anschein gehabt" hat.

"Ein Anschlag auf die Pressefreiheit? Das ist wohl reichlich übertrieben", heißt es nun im "Spiegel", der von einem solchen Anschlag gewiß gern berichtet hätte, gäbe der Text das denn her.

Marginalie: Ägypten hat gewählt. Vermutlich 62 Prozent der Abgeordneten sind Islamisten

Gestern ist in Ägypten die dritte Runde der Wahlen für das Parlament zu Ende gegangen (die sogenannte Volksversammlung; Ende des Monats beginnen die Wahlen zum weniger wichtigen Oberhaus).

Nach dem gegenwärtigen Stand der Auszählung werden die Islamisten 62 Prozent der 498 jetzt vergebenen Mandate in der Volksversammlung haben; hinzu kommen 10 vom regierenden Militärrat zu ernennende Abgeordnete. Der Rest der Sitze verteilt sich auf 13 oder 14 kleine Parteien. Nur rund 1,5 Prozent der Abgeordneten werden Frauen sein.

7. Januar 2012

Europas Krise (8): "Es gibt keine Europäer" (Gareth Harding in "Foreign Affairs"). Warum die Vereinigten Staaten von Europa nicht gelingen können.


"The euro crisis isn't really about money. It's about the fiction that Europeans ever existed at all". So lautet der Untertitel eines Aufsatzes in der aktuellen Ausgabe der außenpolitischen Zeitschrift Foreign Affairs. Zu deutsch: In der Eurokrise geht es in Wahrheit nicht um Geld. Es geht um die Fiktion, daß es jemals Europäer gegeben hätte.

Die Überschrift spricht vom "Mythos Europa", und der Autor ist Gareth Harding; gebürtiger Brite, Politologie-Professor in Missouri und langjähriger Journalist in Brüssel. Er kennzeichnet sich selbst so:

Marginalie: Jetzt Göring-Eckardt? Oder gar Klaus Töpfer? Die Spekulation über Wulffs Nachfolge ist eröffnet

Er ist noch da.

Aber über die Nachfolge wird schon diskutiert; nicht nur hier in ZR. Und über wen da als möglichen neuen Präsidenten diskutiert wird - das läßt einen an das makabre Wort "Genießt den Krieg, der Friede wird fürchterlich" denken: Vielleicht sollten wir in der Tat den Wulff genießen, solange wir ihn noch haben.

6. Januar 2012

Kurioses, kurz kommentiert: "Neokonservatives Rollback". Was man bei "Zeit-Online" alles lesen kann

Während Ex-Verteidigungsminister Guttenberg mit seinem Adels-Populismus immer auch Ängste vor einem neokonservativen Rollback weckte, traut dem Bundes­präsidenten kaum jemand überhaupt eine gezielte Strategie zu.
Christian Bangel heute in "Zeit-Online" über Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg und Christian Wulff.

Kommentar: Dieser Christian Bangel wird mir langsam ... hm, ich will nicht behaupten unheimlich. Sagen wir: Er kommt mir allmählich vor wie der Mann in dem Witz, den mein Großvater gern erzählte:

Zitat des Tages, heute zum Dreikönigstreffen der FDP. Die Methode "Haltet den Dieb!" und die Notwendigkeit einer liberalen Partei in Deutschland

Gerade von der FDP ist man gewohnt, dass sie keinen Stimmungen hinterherläuft, sondern lieber etwas länger, aber dafür gründlicher nachdenkt. Leider war das nach Fukushima nicht der Fall: Auch wir haben uns von Hysterie treiben lassen. Wir haben es einer vermeintlichen Mehrheit recht machen wollen, obwohl es immer eine liberale Stärke war, auch dann für eine Meinung einzustehen, wenn sie unpopulär ist.
Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Holger Zastrow in einem Interview mit Oliver Das Gupta von der "Süddeutschen Zeitung".

Kommentar: Nicht nur zur traurigen und unwürdigen Rolle der FDP, als Deutschland den "Ausstieg" beschloß, spricht Holger Zastrow in diesem Interview klare Worte. Beispielsweise auch zu den Enttäuschungen, die er - in der DDR aufgewachsen - nach der Wende erlebte:

5. Januar 2012

Marginalie: Und wenn "Bild" den Mailbox-Text auch ohne Wulffs Zustimmung veröffentlichen würde?

Vielleicht haben Sie sich das auch gefragt: Wieso bittet "Bild" eigentlich den Bundespräsidenten um seine Zustimmung zur Veröffentlichung dessen, was er dem Chefredakteur Kai Diekmann auf dessen Mailbox gesprochen hat? Darf die Zeitung denn, falls Diekmann selbst zustimmt, nicht das publizieren, was auf dessen Mailbox gespeichert ist - ob es dem Anrufenden nun gefällt oder nicht?

Ich habe dazu heute im Lauf des Tages verschiedene Vermutungen gehört, alle von juristischen Laien.

Kurioses, kurz kommentiert: "Spiegel-Online" und die zitternden Kandidaten Romney und Santorum. Phantasien eines Redakteurs. Nebst einem Nachtrag

Gleichstand bei Vorwahlen in Iowa - Romney und Santorum zittern um jede Stimme.
"Spiegel-Online" heute Vormittag über die Caucuses in Iowa. Inzwischen ist diese Überschrift verschwunden, aber es gibt immer noch eine Fotostrecke, die auf der Startseite mit "Zitterduell Iowa" angekündigt wird.

Kommentar: Die Vorstellung von den "zitternden" Kandidaten Romney und Santorum ist schon kurios und zeigt, wie wenig Ahnung der Redakteur, der sich das ausgedacht hat, von den Caucuses (nicht "Vorwahlen", das sind Primaries) in Iowa hat.

Marginalie: Der Ungeschickte. Ist Wulff ein zweiter Lübke? Schlimmer

Am 19. Dezember - die "Affäre" war eine knappe Woche alt - habe ich mich mit den Gemeinsamkeiten zwischen den Bundespräsidenten Wulff und Lübke befaßt.

Beide Aufsteiger aus einfachsten Verhältnissen, beide vaterlos aufgewachsen und mit Fleiß und Strebsamkeit ganz nach oben gelangt. Beide eher linkisch wirkend, schon bevor sie Präsident wurden, aber mit dem Image des redlichen, ungewöhnlich anständigen Politikers.

Und vor allem: Beide überfordert vom Amt des Präsidenten, das sie nie angestrebt hatten, sondern in das sie hineinbefördert worden waren. Am Ende der eine wie der andere Opfer einer Medienkampagne (Ist Christian Wulff ein zweiter Heinrich Lübke? Respektlosigkeit im Umgang mit dem Bundespräsidenten und Krisen der Bundesrepublik Deutschland; ZR vom 19. 12. 2011).

An dieser Charakterisierung habe ich nichts zu ändern. Es ist ihr aber jetzt ein Nachtrag hinzuzufügen.

4. Januar 2012

Marginalie: Wulffs Interview. Welch ein Jammerschauspiel. Transkript der Kernsätze. Eine Bemerkung zur Person Christian Wulff

Seit 19 Uhr sind Ausschnitte aus dem Interview mit Wulff als Video zu sehen.

Ein Jammerschauspiel. Wulff meist mit gesenktem Haupt, den Blick à la Dackel schräg nach nach oben gerichtet, mit einem eingefrorenen Lächeln um die Lippen. Seine Stimme brüchig, kieksend, oft nachgerade gepreßt. Der personifizierte ertappte und nun Reue demonstrierende Sünder.

Drei Millionen


Heute kurz vor 17 Uhr ist zum dreimillionsten Mal in ZR eine Seite aufgerufen worden.

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (8): Iowa hat gewählt. Romney stark. Bachmann am Ende. Wird Rick Santorum der neue Obama? Über "momentum"

Die beste mathematische Aufarbeitung von Umfragedaten, die exaktesten Vorhersagen von Wahlergebnissen in den USA findet man in Nate Silvers Blog FiveThirtyEight. Während gestern in Iowa die Caucuses im Gang waren, veröffentlichte er einen Artikel, der wieder einmal die Qualität seiner Arbeit zeigt.

Leider kam diese Analyse zu spät, als daß ich sie noch für meinen gestrigen Artikel mit Hintergrundinformationen zu diesen Caucuses hätte verwerten können. (Falls Sie diesen Artikel noch nicht gelesen haben, sollten Sie es vielleicht jetzt vor dem Weiterlesen tun; denn ich beziehe mich im folgenden auf die dortigen Informationen).

Silvers Artikel trägt den Titel "Why I'd bet on Santorum (and against my model)" - Warum ich auf Santorum wetten würde (und gegen mein Modell).

3. Januar 2012

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (7): Iowa wählt. Wie stehen die Chancen der Kandidaten? Was steht auf dem Spiel? Und was ist eigentlich ein Caucus?

Heute vor genau vier Jahren, am 3. Januar 2008, begann der Aufstieg des Kandidaten Barack Obama, der ihn schließlich ins Weiße Haus führte. Er begann mit Obamas überraschendem Sieg in den Caucuses von Iowa.

Zuvor hatte Hillary Clinton als die sichere Siegerin nicht nur in Iowa ausgesehen, sondern überhaupt als die Kandidatin, deren Durchmarsch durch die Vorwahlen, stracks bis zur Nominierung, so gut wie sicher schien. Dann, kurz vor den Caucuses in Iowa, sagten verschiedene Umfragen einen knappen Sieg Obamas vorher (siehe Barack, Hillary und der Caucus; ZR vom 2. 1. 2008). Am Ende gewann Obama souverän mit 37,6 Prozent. Hillary Clinton kam sogar nur auf den dritten Platz; mit 29,4 Prozent knapp hinter John Edwards.

Als ich dieses Wahlergebnis damals kommentiert habe, bin ich auf das spezielle Verfahren bei einem Caucus der Demokraten in Iowa eingegangen, das Obama zugutekam:

Marginalie: Wann tritt Christian Wulff zurück?

Die "Süddeutsche Zeitung" hat in ihrer Online-Ausgabe sueddeutsche.de im Augenblick auf der Startseite die folgenden Artikel; in dieser Reihenfolge:

2. Januar 2012

Zettels Meckerecke: "Anonymous", die Spanner aus dem Hinterhalt. Verlotterung der politischen Sitten. Die "Jagd auf Neonazis" und was dahintersteckt

Zu hart, diese Überschrift, finden Sie? Nein; es ist leider so. "Verlotterung der politischen Sitten" ist eigentlich noch zu milde formuliert. Es handelt sich um den Versuch, mit kriminellen Methoden Politik zu machen.

Eigentlich hatte ich gedacht, zu den Leuten, die das tun, das Erforderliche geschrieben zu haben; zu den Mitgliedern von Anonymous, die sich wie Spanner verstecken und tarnen, die aber die persönlichen Daten ihrer Mitbürger ohne Skrupel ausspähen und veröffentlichen (Zettels Meckerecke: Die Leute von Anonymous - ein Fall nur für die Polizei? Oder auch für den Psychologen? Über Rumpelstilzchen und Peeping Toms; ZR vom 27. 12. 2011). Aber jetzt ist doch noch eine Bemerkung zu ihnen angebracht.

Heute kann man Meldungen lesen wie diese in der "Frankfurter Rundschau":

Gedanken zu Frankreich (39): Sarkozy am Ende? Frankreich steht vor einem beispiellosen Linksrutsch

In diesem Jahr werden in den beiden für Deutschland wichtigsten Ländern neue Präsidenten gewählt: Am 6. November in den USA; bereits am 22. April und 6. Mai in Frankreich.

Während aber über den Vorwahlkampf zu den noch fernen Wahlen in Amerika in unseren Medien ständig berichtet wird, erfährt man vergleichsweise wenig über das, was von der Wahl des Präsidenten in bereits gut einem Vierteljahr in Frankreich zu erwarten ist. Dabei steht das Land vor einer dramatischen Veränderung; vor einer Machtverschiebung, wie es sie seit der Gründung der Fünften Republik am 4. Oktober 1958 nicht gegeben hat.

1. Januar 2012

Marginalie: Die Lage am persischen Golf spitzt sich zu. Informationen zu den Hintergründen. Nebst einer Anmerkung zur bedrohten Informationsfreiheit

Die Lage am Persischen Golf spitzt sich stündlich zu. Der Iran benimmt sich bereits, als sei er der Herr der Region, was in der Tat nicht mehr weit von der Realität entfernt ist.

Wenn Sie ZR regelmäßig lesen, dann wird die jetzige Entwicklung für Sie nicht überraschend gekommen sein. Vielleicht mögen Sie zum Hintergrund der aktuellen Ereignisse das eine oder andere aus diesen Artikeln noch einmal nachlesen:

Zitat des Tages: "Der Westen muß darauf beharren, daß sein Wesenskern nicht zur Disposition steht". Heinrich August Winkler über Abendland und Orient

Historisch betrachtet ist der Westen: das lateinische Europa. Jener Teil Europas, der im Mittelalter und darüber hinaus sein spirituelles Zentrum in Rom hatte. Denn das ist der Teil Europas, in dem die Geschichte der Gewaltenteilung beginnt. Die Trennung zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt, auch die von fürstlicher und ständischer Gewalt. (...) Und nur dort, wo es diese Vorgeschichte gab, konnte sich die Trennung von gesetzgebender, vollziehender und rechtsprechender Gewalt durchsetzen. Nur im Okzident gab es die großen Emanzipationsprojekte, die Renaissance, die Reformation, die Aufklärung. (...)

Die Einwanderung aus nichtwestlichen Ländern kann der Westen sehr gut bewältigen, wenn er darauf beharrt, dass sein Wesenskern nicht zur Disposition steht: die unveräußerlichen Menschenrechte, der Rechtsstaat, die Gleichberechtigung von Mann und Frau. (...) Der Westen würde seine Glaubwürdigkeit und seine Selbstachtung verlieren, wenn er den Anspruch auf die universale Geltung der Menschenrechte leugnen würde.
Der Historiker Heinrich August Winkler in einem Interview mit dem FAZ-Redakteur Claudius Seidl.

Kommentar: Dies scheint mir ein treffendes Zitat zum Jahreswechsel zu sein. Denn die Frage nach unserer westlichen Identität, nach unserem abendländischen Selbstverständnis wird nach meiner Überzeugung die politische Grundfrage der kommenden Jahrzehnte für uns sein.