29. Februar 2012

Zitat des Tages: Schmutzige Phantasien in der Redaktion des NDR? Jedenfalls die Kollaboration mit einem windigen Unternehmen. Noch einmal Stratfor

Stratfor-Quellen wüssten unter Umständen "zu keinem Zeitpunkt, dass sie eine Quelle" waren. Friedman geht sogar noch weiter. In einer Nachricht bedrängt er eine Analystin, "finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle" über einen Informanten zu erlangen - "bis zu dem Punkt, an dem er seine Quellen preisgibt."
tagesschau.de in einem Artikel über die angeblichen Machenschaften des Informationsdienstes Stratfor.

Kommentar: Das klingt aufregend, nicht wahr? Richtig nach Spionage-Krimi. Wir sehen James Bond vor uns, wie er, den gerührten und nicht geschüttelten Martini in der Hand, "sexuelle Kontrolle" über eines der Bond-Girls zu gewinnen trachtet. In diesem Fall also ein weiblicher James Bond, Jane Bond sozusagen; mit vermutlich erotisch umgekehrter, gegen einen Mann gerichteten Zielsetzung.

Es handelt sich um Reva Bhalla.

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (19): "Als der Dampf sich nun erhob, sieht man Romney, der gottlob ...

... lebend auf dem Rücken liegt; doch er hat was abgekriegt". So könnte man in Anlehnung an Wilhelm Busch das Ergebnis der gestrigen Vorwahlen in Arizona und Michigan zusammenfassen.

Hätte Romney in seinem Heimatstaat Michigan verloren, in dem er 2008 souverän gesiegt hatte, dann wäre das Prädikat "lebend" in Frage zu stellen gewesen; dann wäre die Bahn frei gewesen für einen weiteren Aufstieg Rick Santorums (siehe Rick Santorum - der Anti-Obama, ein zweiter Obama? Die Lage vor den heutigen Vorwahlen in Michigan und Arizona; ZR vom 28. 2. 2012). Das ist nicht eingetreten. Aber als strahlender Sieger ist Romney trotzdem nicht aus diesen Vorwahlen hervorgegangen.

Marginalie: Hat Angela Merkel am Montag die Kanzlermehrheit verfehlt? Keineswegs. Entsprechende Berichte sind schlicht falsch

Landauf, landab war es gestern zu lesen, beispielsweise in "Zeit-Online":
Angela Merkel hat ihre Kanzlermehrheit verloren. Insgesamt 17 Abgeordnete der schwarz-gelben Koalition stimmten gegen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Drei weitere, die sich enthielten, verweigerten der Kanzlerin ebenfalls die Gefolgschaft, trotz eindringlicher Apelle in den Fraktionssitzungen und in persönlichen Ermahnungen.
Wer in Zettels kleinem Zimmer mitliest, der wußte es freilich seit gestern Vormittag besser. Präzise: Er konnte es seit gestern um 10.32 Uhr wissen, als Florian darauf aufmerksam machte.

28. Februar 2012

Der Angriff auf Stratfor: Einige Informationen, anhand derer Sie sich selbst ein Bild machen können - von Stratfor, von den Tätern und ihren Helfern

Der Informationsdienst Stratfor - den Lesern von ZR gut bekannt, weil ich ihn oft als Informationsquelle nutze - ist bekanntlich im Dezember vergangenen Jahres Opfer eines Datendiebstahls geworden. Erbeutet wurden Adressen­dateien (einschließlich der Nummern von Kreditkarten), Emails und andere Dokumente.

Offenbar um die erhoffte Publicity zu maximieren, haben die Diebe nicht das gesamte Material zugleich ins Netz gestellt, sondern erst die Adressendateien mit den Kreditkartendaten (die sie, wie erinnerlich auch zum Diebstahl von Geld von den betreffenden Konten nutzten); und dann erst jetzt über Wikileaks die erbeuteten Emails.

Seither wird wieder verstärkt über Stratfor berichtet, diskutiert und vor allem spekuliert; oft mit wenig Rücksicht auf die Tatsachen. Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, möchte ich einige Fakten nennen und auf Informationsquellen aufmerksam machen.

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (18): Rick Santorum - der Anti-Obama, ein zweiter Obama? Die Lage vor den heutigen Vorwahlen in Michigan und Arizona

In den Tagen vor den heutigen Vorwahlen in Michigan und Arizona hat sich die Situation wieder einmal verändert; wie schon so oft in diesem Vorwahlkampf, in dem die einzige wirkliche Überraschung inzwischen darin bestünde, daß Überraschungen künftig ausbleiben.

Bisher allerdings war es das Auf und Ab der Wählergunst im Lager der Republikaner (GOP) gewesen, das für die Überraschungen gesorgt hatte. Mit Ausnahme des einstigen Lieblings der deutschen Medien Jon Huntsman erlebte bei der GOP jeder, der überhaupt seinen Hut in den Ring geworfen hatte, irgendwann einmal seinen surge, seinen Aufschwung - inzwischen schon wieder Vergessene wie Michele Bachmann, Herman Cain und Rick Perry; und auch jeder aus dem jetzt übriggebliebenen Kleeblatt Mitt Romney, Rick Santorum, Newt Gingrich und Ron Paul.

In den letzten Tagen aber gibt es eine Überraschung anderer Art: Es scheint, daß nun Barack Obama so etwas wie seinen eigenen surge erlebt.

27. Februar 2012

Zettels Meckerecke: Dummsprache, Sprache der Dreistigkeit

Zwei heutige Meldungen, die nichts miteinander zu tun haben, außer der Dummheit ihrer Terminologie; im einen Fall kommt noch Dreistigkeit hinzu:

Marginalie: Rick Santorum steht demnächst unter dem Schutz des Secret Service

Wie CNN vor einer Stunde meldete, wird der republikanische Kandidat Rick Santorum im Lauf der Woche in den Schutz durch den Secret Service einbezogen werden. Unter diesem steht der Präsident und in der Zeit unmittelbar vor Wahlen üblicherweise sein Gegenkandidat von der anderen Partei, weil er der künftige Präsident sein kann.

Allerdings handhabt das der Dienst (er untersteht dem Department of Homeland Security, dem Ministerium für Innere Sicherheit) flexibel.

Wir Achtundsechziger und unsere Babyboomer. Anmerkungen zu Frank Schirrmachers autoreferentiellem Klagelied

Frank Schirrmacher, der für das Feuilleton zuständige Herausgeber der FAZ, hat die Fähigkeit - man kann auch sagen: die Spezialbegabung -, aus einer Nabelschau einen Blick auf die Welt zu machen. Seine Probleme mit einer von der technischen Welt überforderten Aufmerksamkeit, seine Schwierigkeiten im Umgang mit modernen Medien der Kommunikation hat er in dem Buch "Payback" zur Kulturkritik erhoben. Jetzt blickt er bekümmert auf seine Biographie als ein "Babyboomer" (Jahrgang 1959) zurück und konstatiert daraus das Scheitern dieser Generation.

Er kann das, er beherrscht es souverän, der Frank Schirrmacher - seinen eigenen Kummer zum Leiden der Welt zu erheben; seinen Weltschmerz zu objektiv Schmerzhaftem zu gestalten, das als solches der Realität anhaftet. Projektion nennt das die Psychoanalyse.

26. Februar 2012

Zitat des Tages: Die Kommunisten, die Grütze und der neue Bundespräsident. Klarsfeld oder nicht Klarsfeld? Das ist ihre Frage

Wir dürfen uns nicht noch weiter in die Grütze reiten.
Laut "Spiegel-Online" sagte das "ein Linker" über die Situation in Bezug auf die Findung eines Kandidaten der Kommunisten für die Gauck-Nachfolge.

Kommentar: Der "Spiegel-Online"-Artikel von Björn Hengst basiert offenkundig auf Insider-Informationen aus der Partei "Die Linke". Danach stellt sich deren Kandidatensuche gegenwärtig so dar:

Mal wieder ein kleines Quiz: Wer ist da ausgebrannt und ohnmächtig?

Ausgebrannt, ohnmächtig, abgestumpft – fast ein Viertel aller *** ziehen diese Bilanz, wenn sie gefragt werden, welche Gefühle sie nach einer typischen Arbeitswoche haben. Weitere 15 Prozent antworten mit "geladen, angewidert, wütend" (...).

Um wen handelt sich in dieser aktuellen Meldung bei "***" ?

"CIA glaubt nicht an Teherans Bombe" schreibt "Spiegel-Online". Der wahre Sachverhalt ist etwas anders. Anmerkungen zum politischen Hintergrund


"Iran-Atomprogramm - CIA glaubt nicht an Teherans Bombe" betitelt "Spiegel-Online" einen Artikel, der gestern gegen Mittag publiziert wurde.

Falls Sie das gelesen haben, mag Ihre Reaktion eine gewisse Verwunderung gewesen sein. Die Gefahr einer iranischen Atomrüstung ist ja ständig in den Medien. Gerade erst am Freitag ist ein besorgniserregender Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) publiziert worden. Und da soll die CIA "nicht an Teherans Bombe glauben"?

25. Februar 2012

Zitat des Tages: "Erinnerung an die osteuropäische Geschichte". Anmerkung zu einer Formulierung von Joachim Gauck gestern in Fürth

"Ich kann nicht glauben, dass manche die Stasi nicht kennen." Die Veranstaltung in der ausverkauften Comödie war der erste öffentliche Auftritt Gaucks nach seiner Nominierung zum Kandidaten für das Amt des Staatsoberhauptes. Generell fehle es im heutigen Europa an einer Auseinandersetzung mit dem Osteuropa des Kalten Krieges. "In Europa wird gerade so getan, als ob es nur eine Erinnerung an eine westdeutsche Geschichte gibt, nicht aber auch eine osteuropäische."
Aus einem Artikel in der FAZ über die Lesung Joachim Gaucks am Freitag Abend in der Fürther "Comödie".

Kommentar: Ich zitiere das wegen einer Formulierung Gaucks: "Osteuropäische Geschichte". Nicht "DDR-Geschichte".

Joachim Gauck, der seinen Worte zu wählen weiß, macht damit auf etwas Wichtiges aufmerksam:

Marginalie: Zu wieviel Prozent ist die globale Erwärmung menschengemacht? Fritz Vahrenholt und Mojib Latif geben fast dieselbe Antwort

Es hat bekanntlich eine globale Erwärmung gegeben. Sie fand in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts statt. Um die Jahrtausendwende hat sie aufgehört. Es ist seit 1997 nicht mehr wärmer geworden, aber auch nicht kälter. Das ist schlicht das Faktum; und wer es leugnet, der nimmt die Daten nicht zur Kenntnis (siehe Jetzt liegen auch die globalen Temperaturdaten des Jahres 2011 vor; ZR vom 30. 1. 2012).

Wissenschaftler unterscheiden aber strikt zwischen der Datenebene auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Ebene der theoretischen Deutungen und der Modelle für diese Daten. Auch wenn die Daten als solche nicht strittig sind, gibt es in der Regel verschiedene Möglichkeiten, sie zu interpretieren.

24. Februar 2012

Zitat des Tages: "Schuld sind immer die anderen". Harald Martenstein über den Trend, keine Verantwortung mehr zu übernehmen

Jeder ist seines Glückes Schmied. So lautete eine, selbstverständlich ideologische und nicht ganz wahre, Kernidee des Kapitalismus. Das Individuum soll frei sein, es hat die Wahl, es kann scheitern oder gewinnen. Wir haben jetzt eine neue Ideologie: Schuld sind immer die anderen. Handlungen dürfen niemals Folgen haben. Deshalb glaube ich, dass wir in Wahrheit längst nicht mehr im Kapitalismus leben, sondern in etwas anderem, einem System, für das es noch keinen Namen gibt und dessen erster Systemkritiker ich gern wäre.

Ich lehne es, aus Gründen, die Sie jetzt sicher begreifen, ab, für meine Kolumnen irgendeine Verantwortung zu übernehmen. Ich bin für das, was ich schreibe, nicht zuständig.
Harald Martenstein in seiner aktuellen Kolumne im "Zeit-Magazin" (9/2012 vom 23. 2. 2012) unter der Überschrift "'Ich bin für das, was ich schreibe, nicht zuständig'".

Kommentar: Harald Martenstein hat in seinen Kolumnen im "Zeit-Magazin" einen sehr eigenen Stil entwickelt; eine Art Antipolemik. Er posaunt seine Meinung nicht heraus; er spitzt nicht zu und arbeitet nicht mit dem Stilmittel der Hyperbel, der Übertreibung. Ganz im Gegenteil:

23. Februar 2012

Marginalie: Eine würdige Gedenkfeier, eine gute Rede der Kanzlerin. Aber "Verzeihung" war das falsche Wort

"Es ist der Versuch einer Wiedergutmachung. Stellvertretend für das ganze Land bat die Bundeskanzlerin die Angehörigen der Neonazi-Opfer um Verzeihung und rief bei dem bewegenden Staatsakt zu mehr Wachsamkeit auf gegenüber Rechtsextremismus". So begann die Moderation der "heute"-Sendung des ZDF heute um 19 Uhr.

Auch in vielen Artikeln zu der Gedenkfeier wird "Verzeihung" in den Mittelpunkt gestellt. "Zeit-Online" beispielsweise titelt "Gedenkfeier in Berlin - Merkel bittet Angehörige um Verzeihung"; die "Financial Times Deutschland" überschreibt ihren Artikel mit "Merkel entschuldigt sich bei Neonazi-Opfern".



Diese Gedenkfeier war richtig, ja sie war notwendig; so, wie das seinerzeit die Gedenk- und Trauerfeiern für die Opfer der RAF gewesen waren, oder jüngst in Norwegen die Feiern für die Opfer des rechtsextremen Mörders Breivik.

Zitat des Tages: "Ich antworte so, wie ich es will". John King, Mitt Romney und der Umgang amerikanischer Medien mit Politikern

You get to ask the questions you want. I give the answers I want.

(Sie können hier das fragen, was Sie fragen wollen. Ich antworte so, wie ich es will).
Der Kandidat für das Amt des US-Präsidenten Mitt Romney gestern Abend (vergangene Nacht MEZ) in einer Debatte der republikanischen Kandidaten bei CNN.

Kommentar: Zu dieser Bemerkung Romneys kam es folgendermaßen:

Für die Schlußrunde hatte der CNN-Redakteur John King, der die Debatte moderierte, die Frage gestellt "What's the biggest misconception the public has about you?"; also etwa: "Was ist der größte Irrtum über Sie in der Öffentlichkeit?" Diese Frage sollte das Thema für die Schlußrunde vorgeben; sie war auch die ganze Zeit am unteren Bildrand eingeblendet.

Gefragt wurden die vier Kandidaten, wie das bei solchen Debatten üblich ist, in der Reihenfolge ihres Rangs in den Umfragen - beginnend mit dem Schwächsten.

Das ist derzeit Ron Paul.

22. Februar 2012

Marginalie: Beate Klarsfeld Kandidatin der Kommunisten? Das wäre für diese ein Coup. Warum aber sollte Beate Klarsfeld sich dafür hergeben?

Es mehren sich die Berichte, daß die Partei "Die Linke" Beate Klarsfeld als ihre Kandidatin für die Nachfolge Christian Wulffs aufstellen will, und daß diese ihre Bereitschaft zu einer Kandidatur signalisiert hat. In dem Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe "Der Westen" ist seit 19.28 Uhr zu lesen:
Die als "Nazi-Jägerin" ­bekannt gewordene Beate Klarsfeld ist bereit, für die Linkspartei als Gegenkan­didatin von Joachim Gauck bei der Bundes­präsidenten­wahl am 18. März anzutreten. "Es wäre eine Ehre für mich", sagte sie der WAZ. Sie bestätigte damit Kontakte zur Linken. Die Linkspartei will heute entscheiden, ob sie einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt.
Eine Nominierung von Beate Klarsfeld entspräche der Strategie der Kommunisten, über die ich am Sonntag Abend geschrieben habe:

Marginalie: Huber und Gauck, Käßmann und Göring-Eckardt als Kandidaten für die Nachfolge Wulffs - eine Renaissance des deutschen Protestantismus?

Bemerkenswert ist das schon: Von dem guten halben Dutzend Namen von Kandidaten für die Nachfolge Wulffs, die in den letzten Tagen kursierten, bevor am Sonntag die überraschende Entscheidung für Gauck fiel, waren vier die Namen von evangelischen Theologen; von zwei ehemaligen Bischöfen (Huber und Käßmann), einem Pfarrer im Ruhestand (Gauck) und mit Katrin Göring-Eckardt der Name der Frau, die gegenwärtig das Amt des Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland innehat; auch sie hat Theologie studiert.

Zum Teil ist das sicherlich Zufall; Gaucks Popularität hat nichts damit zu tun, daß er in der DDR Pfarrer war, sondern basiert auf seiner Persönlichkeit, seinen Ansichten und seiner Bekanntheit aus der Zeit als Leiter der Stasi­unterlagen-Behörde. Aber auffällig ist diese Häufung doch. Was könnten die Ursachen sein?

Stratfors Analysen: "Eine zwanzigjährige Epoche geht zu Ende". George Friedman über die weltpolitische Situation (mit deutscher Zusammenfassung)

Mit diesem Artikel beginnt George Friedman eine neue Stratfor-Serie über die aktuelle Weltlage. Im jetzigen ersten Teil beschreibt er die Entwicklung seit dem Ende der Sowjetunion:

Zusammenfassung: In den Jahren zwischen 1989 und 1991 gingen zugleich zwei geschichtliche Perioden zu Ende; eine lange und eine kürzere: Erstens diejenige der Vorherrschaft Europas, deren Anfang man mit der Entdeckung Amerikas 1492 datieren kann und während derer eine europäische Nation nach der anderen Weltmacht gewesen war - Portugal, Spanien, Frankreich, England, die Sowjetunion. Zweitens endete mit dem Untergang der UdSSR am 25. Dezember 1991 die Zeit der bipolaren Weltordnung der Nachkriegsjahrzehnte.

Es brach eine zwanzigjährige Periode der unangefochtenen amerikanischen Vorherrschaft an.

21. Februar 2012

Zitat des Tages: "Allmächt". Daniela Schadt, unsere künftige First Lady. Grüne Soße und Äppelwoi

"Allmächt" habe sie gedacht, als ihre Mutter sie übers Handy auf den neuesten Stand der Dinge bringt – darüber informiert, dass sie wahrscheinlich die nächste First Lady sein wird. An dem fränkischen Ausruf freilich erkennt man leicht die Sozialisation der gebürtigen Hessin: In Nürnberg und der NZ-Redaktion hat die 52-Jährige längst eine zweite Heimat gefunden – wenngleich sie die Vorzüge von grüner Soße und Äppelwoi immer wieder gerne hervorhebt.
Die "Nürnberger Zeitung" heute in ihrer Internet-Ausgabe über die künftige First Lady Daniela Schadt.

Kommentar: Das "Allmächt" kommt auch im Untertitel des Artikels vor; da hatte ich als Nichtfranke, dem dieser Ausruf bisher unbekannt gewesen war, erst "Allmacht" gelesen.

Nanu, überschätzt sie da nicht ein wenig die Machtfülle des Bundespräsidenten? ging es mir durch den Kopf.

Aber es war ja nur jener Ausruf höchsten Erstaunens, der in vielen Sprachen und Dialekten gern in der Anrufung des Göttlichen besteht - "Oh Gott", "Jesses", "Oh my God".

Toben und schreien

Natürlich war die Situation im Kanzleramt angespannt, als am Sonntag über die Wulff-Nachfolge verhandelt wurde. Schließlich stand nicht nur eine Personalie auf dem Spiel, sondern der Bestand der Regierung selber.

Dennoch konnte man davon ausgehen, daß der Ton zwischen zwei so sachlichen, fast unterkühlten Politikern wie Merkel und Rösler im gepflegten Rahmen bleibt. Diverse Quellen berichten aber inzwischen, dem wäre überhaupt nicht so gewesen: Merkel hätte getobt, hätte Rösler angebrüllt und ihm gedroht, die FDP-Minister rauszuschmeißen. Eine ungewöhnliche Reaktion. Offenbar ist das System Merkel an seine Grenzen gestoßen.

Friendship 7. Vor einem halben Jahrhundert begann die bemannte US-Raumfahrt


Gestern vor 50 Jahren umkreiste, nein, nicht der erste Mensch die Erde - nur der erste Amerikaner, John Glenn. Auf dem Foto sehen Sie ihn während des Flugs in seiner Kapsel, die er Friendship 7 getauft hatte; Freundschaft 7. Die technische Bezeichnung für den Flug war MA-6 (Mercury-Atlas 6; Atlas war die Rakete, Mercury der Name der Kapseln dieser Serie). Die Nummer 6 war die laufende Nummer des Starts in diesem Programm; die Zahl 7 hingegen stand für die sieben Astronauten, die damals das US-Astronautenkorps bildeten. Von ihnen leben noch zwei, außer Glenn der zweite US-Astronaut, der die Erde umkreiste, Scott Carpenter.

20. Februar 2012

Marginalie: Gauck und Merkel - ein Traumpaar? Präsident und Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik

Gauck habe, so kolportiert es "Spiegel-Online", vor Rührung geweint, als er gestern den Kabinettssaal betrat, wo die Parteiführer versammelt waren. Angela Merkel hätte in einer solchen Situation nicht geweint.

Ich erinnere mich an eine Szene im Jahr 2005, als sie nach dem knappen Ausgang der Wahl Kanzlerin geworden war. Auf einer Pressekonferenz kurz danach stellte eine ausländische Journalistin eine persönliche Frage: Was denn Frau Merkel jetzt empfinde? Diese antwortete sinngemäß, daß Deutschland in einer schwierigen Situation sei und daß jetzt viele Aufgaben vor ihr lägen. Die Journalistin hakte nach: Ja, aber ihr ganz persönliches Gefühl? Glück, Stolz? So ungefähr. Die Kanzlerin wiederholte, wie schwierig die Aufgaben seien und daß sie diese jetzt anpacken werde.

Da haben wir die beiden, die Rollenerwartungen für Männer und Frauen vertauschend:

Zitat des Tages. Heute, wie anders, von Joachim Gauck

Ich habe vor anderthalb Jahren mein Erinnerungsbuch gemacht, das heißt "Winter im Sommer, Frühling im Herbst". Und da gibt es ein Schlußkapitel über die Freiheit. Und das fange ich so an:

Ich begegne einem Professor, eigentlich einem Alt-Achtundsechziger, aber sehr nett und sehr gebildet, also, und ...

(Lachen im Saal, Zuruf)

... ja, ja, ja. Schon, schon "aber". Ja, ja. Weil ... ts ts naja, das ist ein breites Thema.
Joachim Gauck am 23.03.2011 am Beginn eines Vortrags in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Thema lautete: "Freiheit, Verantwortung, Gemeinsinn – Herausforderungen an Bürger, Staat und Politik". Die Aufzeichnung dieses in freier Rede gehaltenen Vortrags können Sie hier ansehen. Eine (leicht redigierte) schriftliche Fassung gibt es hier.

Kommentar: Ein hörenswerter Vortrag; wie das meiste von Joachim Gauck. Ein Lob unserer freiheitlichen Gesellschaft, eine Kritik ihrer Schwächen. Zum Beispiel mit diesen Sätzen über die breite Zustimmung, die seine Kandidatur 2010 in der Bevölkerung erfahren hat:

19. Februar 2012

Joachim Gaucks Nominierung: Sieg für die Freiheit, Erfolg der FDP. Eine List der Vernunft


Je mehr parteipolitisch taktiert wird, umso eifriger versichern die Beteiligten, daß sie keineswegs parteipolitisch taktieren.

Natürlich haben alle taktiert. Daß aus dieser Taktiererei am Ende ein für Deutschland optimales Ergebnis hervorgegangen ist - das mag man als ein Beispiel für das nehmen, was Hegel die "List der Vernunft" nannte. Auch wenn keiner dies als sein Hauptziel verfolgte - am Ende ist es so gekommen, wie es für das Land am besten ist.



Es gibt unter den Parteien einen Sieger, einen Verlierer und zwei, die eigentlich nicht zufrieden sein können, für die es aber schlimmer hätte kommen können: