Zettels Raum: 1977 - 2007: Stehen wir vor einer neuen Periode politischer Kriminalität in Deutschland? Vernünftige Gedanken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt

Saturday, June 2, 2007

1977 - 2007: Stehen wir vor einer neuen Periode politischer Kriminalität in Deutschland?

In dem Film von Alexander Oey, in dem der Ex- Terrorist Hans- Joachim Klein über seine terroristische Vergangenheit Auskunft gibt, geht es auch um die Frankfurter Putztruppe; eine Vereinigung von politischen Gewalttätern, zu denen unter anderem Joschka Fischer gehörte und derjenige, den er später zum Planungs- Chef des Auswärtigen Amts machte, Georg Dick.

Klein schildert, wie man damals in den Wäldern um Frankfurt die Gewalt gegen die Polizei vorbereitete. Zum Beispiel habe man herausgefunden, daß Polizisten durch das Festhalten ihres Schilds in ihrer Bewegungsfreiheit behindert waren. Mit einem bestimmten Griff konnte man ihnen deshalb Schmerzen zufügen. Das wurde regelrecht trainiert, so wie die gesamte Gewalttätigkeit, die man zu verüben gedachte.

Da war nichts von "Spontaneität" dieser "Spontis". Sie waren Verbrecher, die ihre Gewalttaten planmäßig vorbereiteten.

Diese Leute wollten Straftaten begehen; zu diesem Zweck gingen sie zu Demonstrationen. Natürlich haben sie aber gutwilligen Linken und Liberalen weisgemacht, sie würden sich nur gegen "Polizeigewalt" wehren; die Polizei würde sie "provozieren" usw.

An diese Zeit fühle ich mich erinnert, wenn ich Bilder wie die heute aus Rostock sehe.

Und wieder hebt ein Gejammer über die angebliche Schuld der Polizei an. In der Internetausgabe der "Jungen Welt" zum Beispiel ist zu lesen:
RAV wirft Polizei Brutalität vor
Rostock. Der Republikanische Anwaltsverein (RAV) hat der Polizei in Rostock brutales Verhalten, tätliche Angriffe auf Anwälte sowie den Bruch von Vereinbarungen vorgeworfen. (...) Am Rande der Demonstration gegen den G-8-Gipfel sei die Arbeit des anwaltlichen Notdienstes von der Polizei massiv behindert worden, heißt es weiter in der RAV-Mitteilung. Einzelne Anwältinnen seien bedroht und tätlich angegriffen worden. (...) Kein Polizist habe auf Nachfrage einen Namen genannt, auch nicht, als der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele (Grüne) eingetroffen sei.

Die Berliner Polizeieinheit 31139/Einsatzhundertschaft 25 wurde laut RAV dabei beobachtet, wie sie Festgenommene in Einsatzfahrzeugen knebelte und fesselte, um jegliche Kontaktaufnahme nach Außen zu verhindern.



Ich habe die Berichterstattung im britischen Sender "Sky News" verfolgt, die von britischer Gelassenheit und Objektivität gekennzeichnet war. Alle an dieser Sendung beteiligten Reporter haben gesagt, daß die Polizei sich stundenlang um äußerste Zurückhaltung bemüht hatte.

Man konnte das auch den Bildern entnehmen: Die Gewalttäter warfen Pflastersteine, die sie aus der Straße gerissen hatten, sie gingen mit Stangen (die zuvor als Teile von Fahnen und Transparenten getarnt gewesen waren) gegen die Polizei vor. Die Polizei antwortete zunächst lediglich damit, daß sie eine Phalanx bildete, die schnell vorrückte und die Kriminellen einfach zurückzudrängen versuchte.

Erst später sah man gelegentlich einen Gummiknüppel, und erst am Abend wurden Tränengas und Wasserwerfen eingesetzt, als die Zurückhaltung der Polizei offenbar nur zu immer mehr Gewalttätigkeiten der Kriminellen geführt hatte.



Es ist wieder wie zur Zeit der "Putztruppe". Gewalttätigkeiten entstehen nicht aus kritischen Situationen in Demonstrationen heraus. Sondern ein Teil der Linken ist zur Gewalt entschlossen, egal, wie eine Demonstration verläuft. Gewalt ist für sie ein Mittel der Politik. Und sie schwimmen in einem linken und linksliberalen Umfeld wie die Fische im Wasser.

Auch sonst scheinen mir die Parallelen offensichtlich zu sein.

Es ist wieder dieselbe Atmosphäre des Hasses wie in den siebziger und frühen achtziger Jahren zu spüren. Wieder wirken Kommunisten im Hintergrund.

Wieder deklarieren sich die Kriminellen und ihre Unterstützer als Kämpfer gegen das Böse in der Welt; wieder wird dieses Böse für sie durch die USA und Israel verkörpert.

Sie hatten damals keine Ahnung von den Realitäten, als sie sich ausgerechnet die Regimes in China, Nordvietnam und Cuba zum Vorbild für ihren angeblichen Traum von einer besseren Welt nahmen.

Sie haben heute keine Ahnung von den Realitäten, wenn sie glauben, daß die Globalisierung nur den USA und Europa nutzt. Und nicht vielmehr Ländern wie China, Indien, Brasilien, langfristig allen sich entwickelnden und Schwellenländern endlich die Chance gibt, zu uns aufzuschließen.



Ist es Zufall, daß zwischen den Politkriminellen der siebziger und achtziger Jahre und den heutigen Gewalttätern eine friedliche Zeit von der Dauer ziemlich genau einer Generation liegt?

Daß es also die Großeltern der heutigen Gewalttäter sind, denen diese nacheifern? So wie die gewalttätigen Achtundsechziger die Enkel derjenigen waren, die sich um 1930 herum als junge Leute in politischer Kriminalität geübt hatten?

Vielleicht ist es Zufall. Vielleicht ist es aber auch ein Phänomen des Vergessens. Was die Gewaltbereitschaft einer Generation anrichtet, ist vielleicht danach eine Generation lang präsent.

Niemand, der nicht völlig schwachsinnig oder völlig amoralisch war, konnte nach der Erfahrung der siebziger und frühen achtziger Jahre noch für Gewalt als Mittel der Politik sein.

Jetzt gerät diese Erfahrung, so scheint mir, in Vergessenheit, oder diese Zeit wird sogar in der Rückschau verklärt.

Und in der heutigen Jugend gibt es offenbar genug Unbelehrbare, die es jetzt wieder einmal versuchen. So, wie die gewalttätigen Achtundsechziger zu weit von der Politkriminalität der Weimarer Republik entfernt gewesen waren, um noch daraus zu lernen.

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10 Comments:

Anonymous Zuppi said...

Lieber Zettel,
diese Aktionen der Autonomen in Heiligendamm sind nur ein kleiner Abklatsch von den Aktionen,die ich in den letzten 25 Jahren auch persönlich bei linken Demos erlebt habe.
Die Zahlen aus Rostock schwanken ja zwischen 500 und 2000 gewalttätigen Demonstranten von 30 bis 60 000 friedlichen Demonstranten.Ich habe schon in den 80igern "autonome" Blöcke mit 4000-10 000 Leuten miterlebt. Nach der Wende haben diese linken Massenorgien aber deutlich abgenommen und das rechtsradikale Spektrum hat sich hervorgetan - eher in der Ostzone, z.B. in Rostock Lichtenhagen in 1992.
Gegen Ende der 90iger bis heute gab es im Rahmen von Antifa-Demos gegen die NPD und ihr Kameradschaftsumfeld immer wieder grössere, gewalttätige Aktionen meist mit der Polizei, z.B. in Leipzig und Dresden.
So absolut neu ist diese heute in Rostock beobachtbare Form der linkspolitischen Riots nicht. Neu ist nur der Aufhänger des G-8-Gipfels in Deutschland, dass der Bush jun. - nach dem grossen Vorsitzenden aus Caracass der leibhaftige Satan - auch Kommt und die Presse den Globalisierungsgegnern aufgeschlossener gegenüber tritt - das Kalkül dafür ist mir aber noch schleierhaft.
Und dieser anti-amerikanische Konsens scheint in diesen sonst ideologisch eher verfeindeten Strömungen der Weltbeglückung das autonome Spektrum an die Ostsee kanalisiert zu haben - das hat Ende der 80iger schon mit Reagan in Berlin geklappt.
Mir perönlich haben die Bilder im TV und das Vorbereitungs-Tammtamm völlig ausgereicht,um zu erkennen,das ist nicht meine Party: Weder die Friedenshanseln noch die "Putztruppen" verfolgen durchdachte, unterstützbare Ziele.
Da halte ich es dann doch lieber mit Statler:"Eine andere Welt ist möglich (i.e. das attac-mantra seit 2001). Aber ich hätte dann ehrlich gesagt doch lieber diese Welt. Denn wenn die globalisierungskritischen Sektierer, die in Rostock gerade demonstrieren, die Welt so gestalten könnten, wie sie es wollen, dann wäre sie ein Irrenhaus."
Ein erkenntnisreiches und erträgliches Restwochenende wünscht
Zuppi

02:51  
Blogger Zettel said...

Lieber Zuppi.

ja, es gab diese Zahlen in den 80ern.

Ich habe das freilich nicht mehr erlebt; meine Demo-Erfahrungen spielten sich hauptsächlich ab 1967 ab, und danach gefiel mir das immer weniger ;-)

Einmal bin ich in Berlin, es mag 1981 gewesen sein, noch mal in eine Demo geraten, die den Ku'damm sozusagen stürmte.

Die hatten damals sogar kleine Wägelchen dabei, in denen die Steine lagen. Und auch mir sind ein paar davon ziemlich um die Ohren geflogen.

Ich stand, wie der Zufall es wollte, gerade vor Beate Uhses Laden an der Gedächtniskirche, und flüchtete in eine Kabine.

Da war ich sicher, und es war auch sonst deutlich schöner.

Tja, so Erinnerungen. :)

Sehr herzlich, Zettel

03:04  
Anonymous Zuppi said...

Lieber Zettel,

der Mensch muss eben intuitiv Priotitäten setzen. Eine herrliche Anekdote,ich liege jetzt noch unterm Schreibtisch vor lachen ;)
Ahoi
zuppi

03:17  
Anonymous adlatus diaboli said...

Lieber Zettel,

angesichts meiner bisherigen Kommentare glaube ich nicht, daß ich einer besonderen Links-Affinität verdächtig wäre, deswegen erlaube ich mir den folgenden - umfänglichen - Einwand: es gab bisher im wesentlichen drei Situationen, wo ich mit Demonstrationen und den Reaktionen darauf aus der Position des Vojeurs konfrontiert war:

1. In der elften Klasse wurde unsere Schule von dem üblichen Lehrerkollegium dazu mißbraucht, einen letztlich sinnlosen (gab es eigentlich schon mal eine Demonstration, die wirklich etwas geändert hätte?) Demonstrationszug gegen die Startbahn West durchzuführen. Ich war Schüler einer der drei Kurse, die sich dieser Sache verweigert haben - aber wir haben zugeguckt, wie alle anderen Schüler durch die Straße zogen - voyeuristische Solidarität ist noch weniger als keine ... Als kurze Zeit später jemand, der zufälligerweise genauso hieß wie ich, einen Polizisten erschoß, brach der zivile Ungehorsam zusammen, weil er kein ziviler, sondern ein militanter war. So weit , so schlecht.
Daß sich im nachhinein unsere Verweigerung der Wenigen als vernünftig herausgestellt hat ... drauf geschissen; die, die vorher alles gefressen haben, waren nach dem Mord auch nicht betroffener als wir.

(Aber jetzt kommt's)

2. Im Sommer 1989 renovierte ich meine erste eigene Wohnung und wie ich da so im Wohnzimmer Tapeten von der Wand kratzte ... (wichtig: Wohnung am Marktplatz), hörte ich plötzlich ein Getümmel vor dem Fenster und unterbrach mein Gekratze: da waren ca. 8 - 10 Linke, die für irgendwas demonstrierten, vielleicht für die Solidarität mit Che oder Fidel oder gegen Atomkraft oder sonst was, keine Ahnung, auf jeden Fall waren sie nicht vermummt, trugen wohl ein Plakat, waren einfach ein paar Bewegte, die ich zum Teil vom Sehen aus dem Äppelwoi-Garten kannte, stritten sich wohl mit einem oder zwei Polizisten (aus 'nem Streifenwagen, wahrscheinlich war die "Demo" nicht genehmigt, aber das wäre auch nicht notwendig gewesen, weil um die Zeit es eh keinen interessiert hat) ... nun, plötzlich kam ein Mannschaftswagen Polizei, es sprangen drei, vier Mann Polizei heraus, die sofort auf die armen Schweine einprügelten. Und das meine ich ernst. Das konnte doch nicht wahr sein, da werden ein paar harmlose Demonstration weggeknüppelt, und ich hätte liebend gerne die Polizei gerufen, wenn sie nicht schon da gewesen wäre.

Das machte ich dann bei Punkt 3.

3. 1990, Überschwang der Gefühle, Fußballweltmeisterschaft, Deutschland kriegt die DDR und den Pokal, großes Halligalli direkt vor meinem Fenster - Massenveranstaltungen sind mir inzwischen retrospektiv seit der Sportpalastrede doch eher suspekt - betrachte das Gehupe, Feuerwerkskörper, Fähnchenschwingen usw. Um dann festzustellen, daß direkt unter unserem Fenster ein Auto mit amerikanischem Kennzeichen steht, deren Insassen (=Amerikaner, die irgendwie mit der in der Stadt gelegenen Kaserne verbandelt sind) sich fröhlich am deutschen Jubel mittun zu versuchen. Was einige deutschnationale Fratzen nicht davon abhält, aus ihrem Kofferraum einen Baseballschläger(!) zu nehmen und dem amerikanisch gekennzeichneten Wagen die Scheinwerfer einzuschlagen. Was deren Besitzer nicht freut, weswegen sie dann ihrerseits mit den Baseballschlägern traktiert werden ... jaja, Geschichten aus der Provinz ... während meine Frau und ich die Vollkrise am Fenster bekommen, was mich dazu bringt, mit durchaus - zugegeben, ich bin ein Vertreter der Gewalt des Wortes, nicht der Fäuste - massiv zitternder Stimme den Notruf anzuwählen, um mitzuteilen, daß da irgendwelche Amerikaner von irgendwelcben toitschen Fußballfans gerade mit einem Baseballschläger traktiert werden. Angesichts meiner zitternden Stimme kommen mehrfach Rückfragen, die ich dann auch verständlich beantworte, beantworten muß, weil sonst gleich vom diensthabenden Polizisten wieder eine nicht-verstehenwollende Rückfrage kommt.
Was nicht kommt, ist die Polizei. Sondern nach einer Viertelstunde die Feuerwehr, was in der Lokalpresse zwei Tage später dann so berichtet wird, irgendein Irrer habe während der Feierlichkeiten angesichts des WM-Gewinns unsinnigerweise am Marktplatz ein Feuer gemeldet.
Glücklicherweise hat sich seitens des - jetzt konnte man es sehen - amerikanischen Paares ein Deutscher eingemischt, der etwa so breit war, wie die Deutschnationalen hoch, so daß es letztlich ohne zerprügelte Amerikaner ausging.

****************************

Jajaja, und warum lasse ich hier so'nen ewig langen Sermon ab? Um die Gewaltaten der G8-Autonomen-SA zu legitimieren, weil ich ein Agent von indymedia oder dem nur noch ansatzweise unverdächtigeren telepolis bin, um zu erklären, warum ich Zyniker bin? Naja, Punkt 3 ...

Oder vielleicht um darzustellen, daß im Staate Dänemark noch mehr faul ist als bloß das linksradikale Gesindel und Schäubles Orwell-Visionen ...

Shit, Empirie vs. Ideologie, Empirie: wins. Individuum: lost.

Beste Grüße

03:42  
Anonymous Anonymous said...

Lieber Herr Zettel

Der Kommentar bezieht sich auf die Gewalttaten in Rostock und die verbale Gewalttaten in Köln durch diese dumme Frau.

manchmal staune ich. Wie kommen Sie eigentlich auf den putzigen Gedanken, jemand, der in einer Umwelt- oder Tierschützer- oder Vegetarierbewegung ist, ist automatisch links. Das ist absurd, schon die Lebensreformer waren politisch sehr heterogen. Natürlich gibt es einen hohen rechten Anteil in diesen Gruppen. Von Anfang an. Ich habe den Eindruck, Sie wollen ihr Links Rechts Schema mit brachialer Gewalt aufrechthalten. So einfach ist das eben nicht.

Wenn ich das Phänomen Globalisierung betrachtet, nehme ich Menschen war, die Pro und Contra argumentieren. Weder sind die Pro nur Liberale, noch die Contra nur Linke. Wobei Teile der Contra keineswegs die Globalisierung generell ablehnen.

Was jetzt folgt, schweift anscheinend ab, aber führt zum Ziel.

Sie, Herr Zettel, sind nicht sehr technologienah. Damit meine ich Technologien, in der sehr große Stoff- und Energiemengen bewegt werden. Das ist mein Gebiet und nicht Ihr Gebiet. Auch dürfte die erste technologische Revolution des Mittelalters ihnen nicht sonderlich geläufig sein, die noch auf der Holzenergie aufbaute. Auch das ist mein Gebiet. Geben Sie mal Holznot als Suchbegriff ein. Die Steinkohle und die Dampfmaschine war die Rettung Europas vor den endgültigen Landschaftszerstörung. Wenn Sie etwas von Bodenkunde verstehen, wissen sie,wie heruntergewirtschaftet die Waldböden sind. Durch massive Übernutzung.

Sehen Sie sich mal die Abfolge der Hochkulturen an. Erst Ägypten und Zweistromenland, dann Verlagerung an das Mittelmeer, dann nach Mitteleuropa, dann nach Amerika. Warum? Unerschlossen Waldreserven, die als Holzenergie nutzbar waren. Praktisch jungfräuliche Wälder. Die Länder der ehemaligen Hochkulturen sind hinsichtlich der Landschaften abgewirtschaftet.

Ein Frühkapitalismus wäre in den Ländern des Orients gar nicht möglich gewesen. In Mitteleuropa war die Basis für die Metallurgie, die Glasherstellung und die Keramikherstellung große Wälder, die es im Orient seit Jahrhunderten schon nicht mehr gab. Amerika war im Osten ein riesiges unberührtes Waldland mit ausreichend Holzreserven, bis erst Steinkohle, dann Erdöl an die Stelle der Holzenergie trat. Hinzu kommt, daß das Klima gemäßigt und die Böden wesentlich langsamer verwittern als zum Beispiel in Indien.

Indien und China bestehen aus Landschaften mit sehr alten Hochkulturen. Die Landschaften waren viel früher Kulturlandschaften als die Deutschen. Auch die Bevölkerungsdichte war ja höher. Es ist selbst bei schonendsten Umgang mit einer Landschaft, der nicht mit viel Geld, sondern mit viel Verstand möglich ist, schwierig, sie nur zu gebrauchen und nicht auch zu verbrauchen. Wenn sie das nicht beachten, wie es teilweise im Amerika und Europa geschieht, merkt man rasch die Folgen. Sehen Sie sich an, wie innerhalb der kurzen Zeit in der USA sich die Humusschicht der Böden verringert hat. Sehen Sie sich an, wie die fossilen Grundwasservorkommen schwinden und die Versalzung zunimmt.

Nun verlagert sich also die Industrialisierung in Landschaften, deren ökologischen Systemen wesentlich fragiler sind. Diese Landschaften können Sie bis auf wenige Ausnahmen nur gebrauchen und nicht verbrauchen. Die Toleranz dieser Landschaften für einen Mißbrauch ist einfach viel geringer als in Europa oder den USA. Der Mißbrauch findet statt. Indikatoren gibt es genug. Versalzung durch nur Bewässerung und nicht auch Entwässerung, das drastische Fallen der Grundwasserspiegel, das Fortschreiten der Versteppung und Verwüstung durch Zerstörung der Vegetation und Fehlnutzung, zum Beispiel an nicht terrassierten Hanglagen. Warum erhöht sich wohl der Flußlauf des Huang-Ho gegenüber seinem Umland? Warum hat er wohl die größte Schwemmfracht aller großen Flüsse?

Ich bin selbst in einem Land geboren, daß vor den Spaniern Hochkulturen kannte und heute arm ist. Aber 1957 waren das auch nur 33 Millionen Menschen und heute sind es 108 Millionen, nicht gerechnet die Millionen, die heute in den USA leben. Ich weiß, das die Globalisierung, vor allem der freie Warenverkehr und der freie Informationsaustausch notwendig ist. Die Globalisierung ist gut gemeint, aber dilletantisch durchgezogen. Eben nicht gut gemacht.

Ich schätze Sie als aufrechten ehrlichen Menschen ein, der tatsächlich nur das Gute an der Globalisierung sehen will. Eben, weil Sie so sind, aufrecht und ehrlich, werden Sie selbst der unerbittlichster Richter für ihre heutige Wahrnehmung sein, die nur das Gute wahrnehmen will und das Schlechte nicht wahrnehmen will. Dabei ist es gar nicht schlecht, es zeitigt nur schlechte Folgen. Sicherlich gibt es gewissenlose Menschen, die genau wissen, wie sie Landschaften zerstören. Aber die meisten sind nur weit entfernt vom Ort des Geschehen, gedankenlos oder einfach nur dumm. Meistens ist es kein böser Wille, der zu den von mir skizzierten landschaftlichen Folgen führt. Lassen Sie ihre Einteilungen in 100 % schwarz und 100 % Weiß, sonst werden Sie in wenigen Jahren ihr eigener Inquisitor sein. Sie werden es ohnehin sein, wenn Sie merken, daß sie bei einigen Entwicklungen einfach zu blauäugig waren. Wenn Sie dann zu hart gegen sich urteilen, denken Sie an meine Worte. Ihre heutige Blauäugigkeit entsprang einem guten Willen, einer selektiven Informiertheit, einer Fixierung auf eine Ablehnung der politischen Irrtümer der eigenen Jugend. Wir sind aber Menschen und nur den wenigsten ist es gegeben, fehlerfrei ihren Lebensweg zu beenden.

Sie werden noch erleben, welcher Landschaftsmißbrauch in China, Indien und anderern Ländern stattfindet. Es ist bitter, gegen Ende seines Lebens festzustellen, daß alles, woran man geglaubt hat, leider nicht sehr durchdacht und oberflächlich war.

Werden Sie selbstkritischer gegenüber Ihrer Begeisterung und Zustimmung einerseits und Ihrer Ablehnung andererseits.

Libero

08:08  
Anonymous Anonymous said...

Lieber Herr Zettel

ich glaube nicht, daß Gewalttätigkeiten bei Demonstrationen irgendetwas mit politischen Überzeugungen zu tun hat. Ich glaube eher, daß es NUR Hooligans sind, die eine Bühne suchen, wo sie ihre Gewalttätigkeiten ausleben können. Das die auch politische Überzeugungen haben können, schließe ich nicht aus. Notwendig sind sie nicht, um gewalttätig zu sein.

Libero

08:24  
Blogger str said...

Ich will adlatus nicht widersprechen aber:

*Demonstrationen muß man anmelden, nicht genehmigen lassen.

*Mit Interesse daran hat das gar nichts zu tun.

09:57  
Anonymous F. Hoffmann said...

Vielleicht nicht ganz vergleichbar, aber dennoch...
Mitte/Ende der 70er Jahre hatten wir eine Mediziner-Demo (ich weiß, ich weiß, harmloses Völkchen...) organisiert, bei der zwar nicht Zigtausende, aber etliche Hundert Studenten teilnahmen. Es erfolgte auch eine Absprache mit der Polizei, die Organisatoren sagten zu, daß die Demo friedlich verlaufen werde.
Während der Demo mischte sich auch eine Gruppe Linksradikaler unter die Teilnehmer und versuchte eigene Flugblätter zu verteilen. Wir haben ihnen die Flugblätter abgenommen, sie zur Seite gedrängt (es genügte, daß ein paar Leute sich diesen Typen widersetzten, viele machten dann mit) und ihnen Prügel angedroht, wenn sie sich nicht verziehen würden. Die Polizei brauchte nichts zu tun.
Wenn es die Veranstalter der G8-Demo mit ihren friedlichen Zielen ernst meinen, könnten sie es dann nicht organisieren, daß sie, sobald gewalttätige Demonstranten auftauchen, erst einmal selbst gegen diese vorgehen? Die konterkarieren ihre Ziele doch in extremer Weise. Wäre dies nicht der beste Weg, um sich von solchen Typen und nebenbei von Kommies und Nazis zu distanzieren?
Könnten sie damit nicht auch zeigen, daß sie, um Frieden zu schaffen, bereit sind auch mal den eigenen Kopf hinzuhalten?
Und nicht nur couragiert sind, wenn´s nicht kostet?

11:51  
Blogger Fotobilderbuch said...

Herr Schäuble hat im Vorfeld die Demonstrationen begrüßt. Nie und nimmer hat er gedacht, daß davon solche Gewalttaten ausgehen könnten. Nie und nimmer hat er etwas von Genua gehört, von den Randalen am 1. Mai, von der Frankfurter Putztruppe mit dem ehemaligen deutschen Außenminister (der als Putzgruppenmitglied noch kein Außenminister war) und von der RAF.

So möchte man jedenfalls meinen, aber ganz so unwissend schätze ich den Innenminister doch nicht ein.

13:05  
Anonymous Thomas Wolf said...

Niemand, der nicht völlig schwachsinnig oder völlig amoralisch war, konnte nach der Erfahrung der siebziger und frühen achtziger Jahre noch für Gewalt als Mittel der Politik sein.

Jetzt gerät diese Erfahrung, so scheint mir, in Vergessenheit, oder diese Zeit wird sogar in der Rückschau verklärt.


Vielleicht ist es auch viel einfacher. Vielleicht sind die KrawallbrüderInnen aus dem Schwarzen Block ganz einfach völlig schwachsinnig und völlig amoralisch, und fertig.

14:57  

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