Zettels Raum: Zettels Meckerecke: Filbinger, Hochhuth und die Verurteilung des Matrosen Gröger Vernünftige Gedanken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt

Saturday, April 14, 2007

Zettels Meckerecke: Filbinger, Hochhuth und die Verurteilung des Matrosen Gröger

Rolf Hochhuth soll Günther Oettinger in der "Süddeutschen Zeitung" einen "Lügner" genannt haben. So steht es in der FAZ. In einem Artikel, in dem, laut FAZ, Hochhuth auf den Fall des Matrosen Gröger einging, "den Filbinger persönlich noch in britischer Kriegsgefangenschaft hat ermorden lassen".



Das hat mich gewundert. Ich hatte das anders in Erinnerung gehabt, nachdem ich vor knapp zwei Wochen die Fakten über den Fall Filbinger nachgesehen hatte.

Hatte mich da mein Gedächtnis im Stich gelassen? Also nochmal ein Blick in den Artikel des Zeithistorikers Günter Gillessen, der den Fall sorgfältig recherchiert hat. Wie war das mit Gröger? Ich zitiere die Passage über den Fall Gröger jetzt in voller Länge:
Walter Gröger, ein einundzwanzig Jahre alter Matrose, war im Oktober 1943 auf das Schlachtschiff „Scharnhorst“ versetzt worden, das in einem nordnorwegischen Fjord lag. Während er in Oslo auf die nächste Transportmöglichkeit zu warten hatte, lernte er eine Norwegerin kennen, schlüpfte zu ihr, und alsbald planten beide eine Flucht nach Schweden.

Die Frau aber zögerte und bat nach vier Wochen einen ihr bekannten Feldwebel um Mithilfe für Grögers Verschwinden. Das führte zur Festnahme Grögers und der Frau durch die deutsche Militärpolizei. Der Untersuchungsführer und das Gericht in Oslo suchten beide Delinquenten zu schonen.

Der Matrose war zwar schon dreizehnmal disziplinarisch und einmal kriegsgerichtlich (wegen Urlaubserschleichung) bestraft worden, aber das lag schon ein Jahr zurück. Inzwischen trug er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse und die Ostmedaille. Das Gericht erkannte auf Fahnenflucht. Die Absicht der Fahnenflucht und die Länge der Abwesenheit von der Truppe ließ keine andere Deutung zu. Das Gericht verurteilte Gröger zu acht Jahren Zuchthaus und sah von der Todesstrafe ab, weil es in dem Matrosen trotz seines beträchtlichen Strafregisters einen "guten Kern" entdeckt hatte. Die Frau wurde zu zwei Jahren Gefängnis wegen "Wehrkraftzersetzung" verurteilt. Ihre Strafe wurde ausgesetzt.

Das Bestätigungsverfahren führte in Etappen bis zum Flottenchef. Der erste Gerichtsherr, der Befehlshaber der Seeverteidigung Oslo- Fjord, entschied sich für die Bestätigung des Urteiles über Gröger, aber gegen die Strafaussetzung für die Frau. Der Flottenchef, Generaladmiral Schniewind, bestätigte die Feststellung der Fahnenflucht des Matrosen, aber nicht die Zuchthausstrafe für Gröger. Er forderte die Todesstrafe.

Damit ging der Fall zurück an das Militärgericht in Oslo. Der Untersuchungsführer, derselbe wie im ersten Verfahren, setzte alle Hebel in Bewegung, um günstige Zeugnisse früherer Vorgesetzter Grögers herbeizuschaffen, damit das Gericht mildernde Umstände nachweisen und am ersten Urteil festhalten könne.

Das Leben Grögers hing am Nachweis guter Führung. Doch alle zusätzlich eingeholten Beurteilungen fielen niederschmetternd aus. Auch die Uniformjacke mit dem Band des Eisernen Kreuzes und der Ostmedaille war gestohlen. Der Fall war aussichtslos geworden.

Filbinger war bis dahin nicht damit befaßt. Am Tag der Hauptverhandlung, Mitte Januar 1945, war der Untersuchungsführer verhindert, die Anklage zu vertreten. Filbinger, erst im Dezember nach Oslo versetzt, mußte eine Anklage übernehmen, auf deren Vorbereitung er keinerlei Einfluß hatte nehmen können. In diesem späten Stadium des zweiten Verfahrens war Filbinger angewiesen, die Todesstrafe zu fordern. Das Gericht fand keine Gründe, am milderen ersten Urteil festhalten zu können. Die Behauptung des "guten Kerns" Grögers war kollabiert.

Franz Neubauer weist in seinem Buch mit Entschiedenheit Ansichten von Kritikern zurück, Filbinger hätte Widerspruch gegen die Weisung des Flottenchefs einlegen können; aber die Weisung war nicht gesetzwidrig ergangen. Oder: Filbinger hätte um Gnade bitten können. Doch das war dem Anklagevertreter nach der Gnadenordnung verwehrt. Nur der Verteidiger konnte den Gerichtsherrn um Gnade bitten.

Immerhin waren bei Verurteilungen zum Tode die Richter verpflichtet, in verschlossenen Umschlägen dem Gerichtsherrn Gründe für einen Gnadenerweis darzustellen. Am Ende war es nicht der Flottenchef, sondern der Oberbefehlshaber der Marine selbst, Admiral Dönitz, der den Begnadigungsantrag des Verteidigers für Gröger ablehnte und die Vollstreckung verfügte. Als die Akte am 15. März 1945 in Oslo eintraf, ordnete Filbinger die Vollstreckung für den nächsten Tag an.
Hochhuths Behauptung, daß Filbinger den Matrosen Gröger "persönlich noch in britischer Kriegsgefangenschaft hat ermorden lassen", steht in krassem Gegensatz zu dem, was Gillessen schreibt.

Nach Gillessen spielte sich der Fall weder in britischer Kriegsgefangenschaft ab, noch wurde Gröger "ermordet"; sondern er wurde aufgrund der Bestimmungen des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Militärstrafrechts rechtmäßig wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt. Und Filbinger hat ihn auch nicht hinrichten "lassen", sondern er hat, nachdem die Situation für Gröger aussichtslos geworden war, die Weisung des Gerichtsherren ausgeführt, für ihn die Todesstrafe zu beantragen.



Nun gilt Hochhuth als der schlechthinnige Filbinger- Experte. Immerhin hat er seinerzeit die Affäre ins Rollen gebracht.

Also wollte ich seinen gestrigen Artikel in der SZ nachlesen. Aber seltsam - er scheint sich in Luft aufgelöst zu haben.

In der SZ Online gibt es zwar allerlei zum Fall Filbinger/ Oettinger, nämlich hier. Aber der Artikel von Hochhuth, der doch gestern erschienen sein soll, wird nicht verlinkt. Als Links werden nur angeboten:
Chronik
Hans Filbinger und die Militär-Justizweiter

Günther Oettinger
Gefährliche Ausflüge in die Historie

Kommentar
Das schrille Totenglöckchen

Filbinger-Verteidigung
Merkel rückt von Oettinger ab

Dokumentation
Oettingers Rede im Wortlaut



Er kann doch nicht einfach verschwunden sein, der Artikel des Filbinger-Experten Hochhuth.

Also weiter. Suche bei Paperball. Und in der Tat, dort finde sich:
Süddeutsche Zeitung (Freitag, den 13. April 2007 - 00:03 Uhr)
13.04.2007 00:03
Herr Oettinger soll gesagt haben - und ich kann das nicht glauben: "Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.
Noch ein Klick, und ich habe ihn, den Artikel des Filbinger- Experten Rolf Hochhuth. Dachte ich. Aber was liefert der Klick? Dies:
Seite nicht gefunden. Das gewünschte Dokument konnte nicht gefunden werden. Möchten Sie die Suche benutzen um das Dokument zu finden?
Die hat auch nichts gebracht, die Suche. Das "gewünschte Dokument" scheint wie vom Erdboden verschwunden.



Hochhuth hat nach seinen Angaben "die Akte des Matrosen Gröger im Bundesarchiv in Koblenz gefunden".

Ich wüßte gern, was aus dieser Akte ihn zu der Überzeugung gebracht hat, daß der Fall nicht, wie Gillessen berichtet, im besetzten Oslo spielte, sondern in britischer Kriegsgefangenschaft.

Ich wüßte gern, was in dieser Akte Hochhuth zu der Überzeugung gebracht hat, daß Gröger ermordet und nicht vielmehr nach dem Militärstrafgesetzbuch aus dem 19. Jahrhundert rechtmäßig zum Tode verurteilt wurde.

Ich wüßte gern, was in dieser Akte Hochhuth zu der Überzeugung gebracht hat, daß die Hinrichtung Grögers von Filbinger "persönlich" herbeigeführt worden ist, und nicht vielmehr dem Urteil eines Gerichts entsprach, in dem Filbinger lediglich, für einen verhinderten Kollegen in letzter Minute eingesprungen, weisungsgemäß das Todesurteil beantragt hatte.

Ich würde also gern den Artikel des Filbinger- Experten Rolf Hochhuth lesen und ihn mit dem vergleichen, was Gillessen recherchiert hat. Nur - Hochhuths Artikel scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein.



Noch eine Bemerkung: In heutigen Kommentaren wird argumentiert, ein Militärstaatsanwalt hätte sich in der Nazi- Zeit durchaus entgegen der Weisung des Gerichtsherren verhalten können, ohne deshalb persönliche Nachteile fürchten zu müssen.

Ich kann das nicht beurteilen. Nur geht es ja darum gar nicht. Hätte Filbinger die Ausführung der Weisung verweigert, dann wäre ja Gröger nicht etwa zu einer geringeren Strafe verurteilt worden. Sondern das Gericht hätte entweder auch ohne einen entsprechenden Antrag die Todesstrafe verhängt, oder aber der Gerichtsherr hätte die Bestätigung verweigert.

Mag sein, daß Filbinger sich selbst hätte durch eine Gehorsamsverweigerung exkulpieren können. Den Matrosen Gröger retten - so, wie er andere gerettet hatte - konnte er nicht.



Und noch eine letzte Bemerkung: Ich bin, wie hier ausgeführt, für eine harte Bestrafung politisch motivierter Verbrechen. Ich war und bin insbesondere dafür, daß jemand, der sich in einer totalitären Diktatur an deren Verbrechen beteiligt hat, dafür zur Verantwortung gezogen werden sollte.

Nur wurde Gröger nicht von einem Nazi- Standgericht nach Nazi- "Recht" zum Tode verurteilt, sondern von einem regulären Marinegericht aufgrund eines Militär- Strafgesetzbuchs, das schon lange vor der Nazi- Zeit formuliert worden war.

Nur hat Filbinger es nicht betrieben, daß in diesem Fall das Todesurteil verhängt wurde, sondern er hat einen Fall in einem späten Stadium als Anklagevertreter übernommen und sich dann so verhalten, wie er vom Gerichtsherren angewiesen worden war.

Und das geschah in einer Situation, in der bereits alle Möglichkeiten geprüft worden waren, das Leben des Angeklagten zu retten.

Wenn ich diesen Fall zu beurteilen habe, dann hilft mir meine allgemeine Einstellung zu politisch motivierten Straftaten überhaupt nichts. Ich muß mich schon an den Fakten orientieren. Und ich bin in der Tat der Meinung, daß jeder das tun sollte, bevor er nicht nur über Filbinger, sondern auch über Oettinger urteilt.

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19 Comments:

Anonymous Patridiot said...

Oettinger ist ein Stern der Deutschen Leitkultur geworden.

Er hat das Zeug , um Kanzler zu werden.

12:57  
Anonymous Anonymous said...

Hi,
Oettinger wird kein Kanzler, weil er als Verwaltungsmensch viel zu schwach und hölzern ist. Der paßt grad mal eben in sein Land, wo er sich auskennt.
Grüßchen,
Inger

13:36  
Anonymous Filio said...

Lieber Zettel,

der Text von Hochhuth in der Süddeutschen ist tatsächlich nur noch im Google-Cache zu finden

Dieser ganz interessante FAZ-Artikel vermutete übrigens, dass Hochhuth den Fall Gröger mit dem Fall Petzold verwechselt haben könnte.

Ich finde Hochhuths Anwürfe völlig daneben. Aber der Mann lebt wohl sowieso manchmal in einer ganz eigenen Welt. Das haben auch seine positiven Äußerungen u.a. in der Jungen Freiheit zum Holocaust-Leugner Irving gezeigt. Auch wenn er dies schnell korrigierte und ich ihm keine Nähe zu derartigen Positionen unterstellen kann - der Vorgang ist für Hochhuth kein Ruhmesblatt

15:24  
Anonymous S1IG said...

Hallo Zettel!

Ich habe mit Interesse alle Filbinger-Beiträge hier gelesen. Danke für die vielen Recherchen - war ein guter Kontrast zur sonstigen Berichterstattung.
VG S1IG

15:28  
Blogger Zettel said...

Lieber Filio,

Danke für den Link zum Google-Cache!

Was da steht, ist nun allerdings wirklich seltsam.

Hochhuth wirft Oettinger eine "unverfrorene Erfindung" vor und liefert dann etwas ab, das als Erfingung zu bezeichnen vielleicht allerdings in der Tat berechtigt wäre:

"Die britische 'Gewahrsamsmacht', wie das im Rotwelsch der damaligen Epoche hieß, hatte in ihren Gefangenen-Lagern den Nazi-Offizieren die Gerichtsbarkeit über ihre Mitgefangenen belassen; daher der ebenfalls von den Briten gefangene Marine-Stabsrichter Filbinger noch darauf bestehen konnte, gegen seinen Mitgefangenen, den Matrosen Gröger, ein im Kriege, der längst durch die totale Kapitulation beendet war, wegen Fahnenflucht ergangenes Urteil noch zu vollstrecken - wozu nichts Filbinger genötigt hat als die Tatsache, dass er ein sadistischer Nazi war!"

Ich habe das auch gelesen, daß der Autor der FAZ eine Verwechslung mit dem Fall Petzold vermutet.

Nur paßt das ja auch nicht. Petzold wurde keineswegs zum Tode verurteilt, sondern zu sechs Monaten Gefängis, und zwar weil er sich geweigert hatte, den Befehl zum Umzug in eine andere Baracke auszuführen, und stattdessen den Offizier beschimpft hatte.

Bekanntlich gelten auch in Kriegsgefangenenlagern weiter die Befehle von Vorgesetzten; man kann das zum Beispiel in Filmen wie "Die Brücke am Kwai" sehen, wie es die Briten handhabten.

Wo Hochhuth her hat, daß sich Filbinger zwölf Gewehre ausgeliehen hätte, ist unerfindlich.

Und daß jemand, der sich brüstet, die Akte Gröger im Bundesarchiv eingesehen zu haben, noch nicht einmal weiß, daß der Fall sich nicht in einem Kriegsgfangenenlager abspiele, ist unfaßbar.

Es bestätigt mein Bild dieses Herrn Hochhuth, der seine mangelnde Begabung als Dramatiker immer durch das Gehabe des Moralisten und durch eine gute Witterung für heiße Themen kompensiert hat; schon seit "Der Stellvertreter".

Herzlich, Zettel

16:50  
Blogger Zettel said...

Lieber S1IG,

danke für die Zustimmung!

Daß in der Presse, die ja unter Konkurrenzdruck steht, mal wieder das übliche Empörungstheater abläuft, bevor man die Fakten geprüft hat, kann ich ja verstehen.

Was mich eigentlich mehr wundert, ist daß auch in verschiedenen Blogs, in denen sonst sehr kritisch berichtet wird, wenn es um die USA, Israel, die "Klimakatastrophe", antiliberale Tendenzen usw. geht - daß auch dort zum Teil sehr unkritisch kommentiert wird.

Ich weiß nicht, wie das kommt.

Allerdings ging es mir ja selbst nicht viel anders. Bis genau zum Oktober 2003 war auch ich überzeugt gewesen, daß Filbinger ein Nazi und ein "furchtbarer Jurist" gewesen war.

Damals habe ich den Artikel von Gillessen gelesen, in der FAZ oder FAS, das weiß ich nicht mehr. Ich habe dann weiter recherchiert und festgestellt, daß - soweit ich das in Erfahrung bringen konnte - Gillessen Recht hat und Filbinger Unrecht geschehen ist.

Daß hinter der Kampagne wieder einmal die berüchtigte, für Desinformation im "Operationsgebiet" BRD zuständige Abteilung X der HVA des MfS steckte, habe ich erst kürzlich erfahren.

Es rundet das Bild ab.

Herzlich, Zettel

16:56  
Anonymous AHS said...

Filbinger war sicher kein Held, sondern eher ein Mitläufer. Sein Rücktritt war gerechtfertigt, weil er sich in der Affäre einfach mangelhaft verhalten hatte.
Aber: Anfang der 90er wurde bekannt, dass Hochhuth seine Informationen nicht in Koblenz gefunden hat, sondern dass ihm diese von der Stasi zugeteilt wurden. Das ging damals durch den ganzen Blätterwald, nachdem man Hinweise darauf in der Gauck-Behörde gefunden hatte. Damals war man zu der Meinung gekommen, es sei eine strategisch geplante Kampagne der SED gewesen, um der CDU zu schaden.
Ich finde es schon fast eine Ironie der Geschichte, dass heute wieder so viele Menschen auf diese Kampagne hereinfallen.

17:05  
Blogger Zettel said...

Lieber AHS,

ich habe mich das auch gefragt, warum Filbinger nicht die Canossa-Taktik versucht hat; also etwa gesagt: Es tut mir leid, daß ich nicht alle retten konnte, an deren Fälle ich beteiligt gewesen war. Das lastet auf mir, und mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Etwas in dieser Art.

Warum hat er das nicht getan? Vielleicht, weil er unter der Wucht der Angriffe, die unberechtigt waren und die an seine persönliche Integrität rührten, sein Heil nur in einer totalen Abwehrhaltung sah.

Ich kann das nachvollziehen. Wenn mich jemand derart unverschämt angeht, wie man das mit Filbinger gemacht hat, dann würde ich auch nicht mit Nachdenklichkeit und Selbstzweifeln reagieren, sondern mich nach Kräften verteidigen.

Übrigens finde ich es eigenartig, daß der Stasi-Hintergrund der Affäre in der jetzigen Medien-Diskussion kaum erwähnt wird.

Herzlich, Zettel

17:17  
Anonymous Filio said...

Lieber Zettel,

ja, sich mit Hochhuths argumentativen Wirrungen zu beschäftigen, kann zu einem irritierenden Unterfangen geraten...

Zum Fall Gröger hier noch ein FAZ-Text mit anderen Quellen, als den bislang meist zitierten. Ist vielleicht noch interessant als Beitrag zur allgemeineren Debatte (wieviel Spielraum Filbinger hatte).

19:07  
Anonymous Dirk said...

Sehr guter Beitrag. Vielen Dank. Du triffst genau die beiden Punkte, die für Filbnger sprechen. Erstens, sein größter Kritiker ist Hochhuth und zweitens die Todesstrafe für Fahnenflucht in einem unsinnigen Krieg mag zwar grausam sein, ein Verstoß gegen universelles Recht, wie etwa die Ermordung der Juden, ist sie jedoch nicht, wie Filbinger in seiner unglücklichen Bemerkung zum Ausdruck brachte. Ob das jedoch Grund genug ist, Filbinger und Oettinger zu verteidigen bezweifel ich. Mir sind beide unsympathisch.
(Das ändert sich allerdings schlagartig, sobald ich an an Hochhuth denke. Mein Ekel vor ihm ist einfach zu groß)

23:40  
Blogger Zettel said...

Lieber Filio,

Danke für den Hinweis auf den FAZ-Artikel, der noch einmal das bestätigt, was auch Gillessen hervorhebt: Daß Filbinger, anders als in anderen Fällen, keine Chance hatte, Gröger zu retten.

Je mehr ich mich mit der jetzigen und der damaligen Diskussion beschäftige, umso mehr interessiert mich sozusagen die Meta-Ebene.

Daß Filbinger 1978 Unrecht getan wurde, daß viele - auch ich damals - auf eine Operation der Abteilung X und die Unverantwortlichkeit eines eitlen Künstlers hereingefallen sind, scheint mir offensichtlich zu sein.

Aber warum sind wir damals darauf hereingefallen? Warum empören sich auch jetzt tutti quanti, ohne daß sie sich offensichtlich die Mühe gemacht haben, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen?

Warum werden solche peinlichen Figuren wie Claudia Roth und Thierse ernst genommen, die sich hinstellen und Blech reden?

Was ist los in und mit einer Gesellschaft, die die Frage, ob eine Person X schuldig war, mit der Frage durcheinanderbringt, ob der Nationalsozialismus ein verbrecherisches System gewesen, ob der Holocaust ein ungeheures Menscheitsverbrechen gewesen ist?

Sind denn die Verbrechen der Nazis weniger monströs, wenn Filbinger nicht an ihnen beteiligt gewesen ist? Wenn er, wie Oettinger richtig gesagt hat, kein Nazi gewesen ist?

Wie kann es sein, daß eine von mir hochgeschätzte Blogger-Kollegin mich in die Nähe der Nazis rückt, nur weil ich darauf hingewiesen habe, daß Filbinger keine Möglichkeit mehr hatte, Gröger zu retten?

Mir scheint, da stimmt etwas nicht in Deutschland.

Vielleicht sind wir über die Nazi-Verbrechen, die Verbrechen der Kommunisten und auch die Verbrechen der RAF, bei deren Diskussion es ja ähnliche Unfaßbarkeiten gibt, doch noch nicht so weit hinweg, wie wir es uns einreden.

Herzlich, Zettel

00:41  
Blogger Zettel said...

Lieber Dirk,

ob Filbinger die Bemerkung "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein" gemacht hat, ist ja ungewiß.

Er hat sie weder schriftlich noch öffentlich gemacht, sondern der "Spiegel" hat ihn damals so zitiert.

Sinngemäß könnte er das gegenüber dem Reporter des "Spiegel" schon gesagt haben, und zwar zu Recht: Er hat nicht nach Nazi-Recht die Todessstrafe beantragt, sondern nach einem Militärrecht, wie es ähnlich in nahezu allen Armeen der damaligen Zeit galt.

Ich habe das früher schon einmal erwähnt: Kein DDR-Täter ist bisher verurteilt worden, wenn er nicht gegen damals geltendes DDR-Recht verstoßen hatte.

Wo in irgendeinem Land ist jemals einem Militärrichter vorgeworfen worden, daß er sich an das geltende Militärrecht gehalten hat?

Herzlich, Zettel

00:48  
Anonymous Filio said...

Lieber Zettel,

"Wie kann es sein, daß eine von mir hochgeschätzte Blogger-Kollegin mich in die Nähe der Nazis rückt..."

Ich bin mal neugierig... Um welches Blog handelt es sich? Klingt nach einem grotesken Vorwurf.

Momentan bin ich dabei, mich stärker mit dem Fall an sich zu beschäftigen. Je länger ich das tue, desto mehr gelange ich zu dem Eindruck, dass sehr vieles, was momentan so an Bewertungen herumschwirrt, Filbinger nicht gerecht wird.

Einerseits geht es mir zu weit, Filbinger als NS-Regimegegner zu bezeichnen. Andererseits war er für mich kein Nazi. Und zu dieser Bewertung muss man nach sorgfältiger Sichtung der verfügbaren Fakten kommen dürfen, ohne selbst in die Nazi-Ecke gerückt zu werden.

Natürlich kenne ich Filbingers Lebenslauf tatsächlich immer noch nicht gründlich genug, um ihn abschließend und vollständig einordnen zu können. Ich halte mich jedoch durchaus für so offen, aufgrund zusätzlicher Erkenntnisse die Bewertung erneut ändern zu können. Ich hoffe, dass dies auch für viele derjenigen gilt, die momentan Filbinger undifferenziert verurteilen, ohne sich wirklich mit den Details (auf die es ankommt) herumzuschlagen.

Die Fragen, die Sie zur "Meta-Ebene" aufwerfen, würde ich tatsächlich mit Ihrem letzten Absatz beantworten wollen: Wir sind wohl einfach noch zu nah dran, um mit damit in einer Weise umzugehen, wie es wünschenswert wäre.

Und ich möchte ja hier kein Link-Bombardement betreiben, jedoch bin ich über eine Webseite gestoßen, die den Fall Filbinger sehr sachkundig und umfangreich aufbereitet. Bemerkenswerterweise handelt es sich um eine explizit linke Perspektive. Der Text setzt sich zwar primär kritisch mit einem Vortrag, den der Historiker Wolfram Wette über Filbinger hielt, auseinander, ist jedoch ansonsten sehr allgemein/informativ gehalten und holt weit aus.

Hans Filbinger und seine selbstgerechten Richter

Hier außerdem noch eine kritische Bewertung des jüngsten Aufsatzes von Hochhuth in der SZ: Journalismus am Abgrund

02:03  
Blogger Zettel said...

Lieber Filio,

Ich bin mal neugierig... Um welches Blog handelt es sich? Klingt nach einem grotesken Vorwurf.

In Fakten Fiktionen hat die von mir hochgeschätzte Gudrun Eussner mir die "typische Argumentation der Nazis" unterstellt.

Ich habe versucht, dort darauf zu antworten. Aber meine Kommentare werden nicht freigeschaltet; vielleicht liegt es an dieser seltsamen Buchstaben- Überprüfung. Deshalb hier das, was ich dort gern kommentiert hätte:

"Geschätzte Gudrun Eussner,

Sie schreiben:

"Bei Zettels Raum steht:

Ich kann das nicht beurteilen. Nur geht es ja darum gar nicht. Hätte Filbinger die Ausführung der Weisung verweigert, dann wäre ja Gröger nicht etwa zu einer geringeren Strafe verurteilt worden. Sondern das Gericht hätte entweder auch ohne einen entsprechenden Antrag die Todesstrafe verhängt, oder aber der Gerichtsherr hätte die Bestätigung verweigert.

http://zettelsraum.blogspot.com/

Das ist die typische Argumentation der Nazis nach dem Kriege: wenn ich es nicht getan hätte, ein anderer hätte es getan. Wenn ich den Zug nach Auschwitz nicht gefahren hätte, mein Kollege wäre gefahren usw. "

Nein, Sie irren. Sie haben vielleicht den Kontext überlesen. Hier also die vollständige Passage aus "Zettels Raum":

"Noch eine Bemerkung: In heutigen Kommentaren wird argumentiert, ein Militärstaatsanwalt hätte sich in der Nazi- Zeit durchaus entgegen der Weisung des Gerichtsherren verhalten können, ohne deshalb persönliche Nachteile fürchten zu müssen.

Ich kann das nicht beurteilen. Nur geht es ja darum gar nicht. Hätte Filbinger die Ausführung der Weisung verweigert, dann wäre ja Gröger nicht etwa zu einer geringeren Strafe verurteilt worden. Sondern das Gericht hätte entweder auch ohne einen entsprechenden Antrag die Todesstrafe verhängt, oder aber der Gerichtsherr hätte die Bestätigung verweigert.

Mag sein, daß Filbinger sich selbst hätte durch eine Gehorsamsverweigerung exkulpieren können. Den Matrosen Gröger retten - so, wie er andere gerettet hatte - konnte er nicht."

Ich habe mich also mit einem Argument auseinandergesetzt: Dem nämlich, daß Filbinger den Matrosen Gröger hätte retten können, wenn er nur den Gehorsam verweigert hätte.

Dieses Argument ist schlicht falsch. Punktum. Das habe ich gesagt.

Ich finde es erschreckend, daß Sie mir daraufhin eine Nähe zur Argumentation von Nazis unterstellen.

Wenn Sie meinen Blog lesen, dann werden Sie finden, daß ich nicht die geringste Sympathie für irgendeine Form des Totalitarismus habe, nicht die nazistische, nicht die kommunistische, nicht die islamistische.

Ihr Beitrag hat mich, hm, sagen wir es neudeutsch, "betroffen gemacht".

Oder, in einfachem Deutsch: Er hat mich wütend gemacht. ;)

Unverändert herzlich, Zettel"

So weit diese Antwort, die ich am richtigen Ort leider nicht loswerden konnte.

Herzlich, Zettel

02:21  
Anonymous S1IG said...

Hallo Zettel!

Das es in linken Blogs/Medien/Gruppen keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema gibt, hat meiner Meinung nach verschiedene Gründe. Als erstes sind da die Leute, die die Wahrheit nicht interessiert und die nicht differenzieren wollen. Es passt ins Konzept (damals Filbinger, heute Oettinger?). An dieser Stelle hat AHS mit der Ironie der Geschichte ganz recht.

Für viel Linke ist doch Kommunismus oder Sozialismus immer noch ein Traum. Man verdrängt die Verbechen und sagt sich immer wieder: Es war doch nicht so schlimm. Diese Leute sind scheinbar der Meinung, die Stasi war so eine Art DDR-Trachtenverein. Auf Kuba ist auch alles paletti und Chavez ist gut, weil er gegen die Imperialisten kämpft.

Es gibt dann noch eine andere (wesentlich kleinere) Gruppe - die hat erkannt, dass sie von der Stasi vor deren Karren gespannt wurde. Das kann man doch nicht zugeben... Da wird einfach stur nach "Fahrplan" weiter verfahren.

Dass der Stasi-Hintegrund nicht in der Medien-Diskussion besprochen wird, ist in der Tat bitter. Das ist aber in meinen Augen Normalität. Einige Leute schieben das auf die linke Orientierung der deutschen Presse.Ich stelle mir immer die Frage: Was ist mit den Journalisten los - warum wird nicht gegraben? Keine Lust? Oder doch Order von oben?

Was den Nazi-Vorwurf angeht - damit hatte ich schon nach dem ersten Beitrag hier gerechnet. Ganz ehrlich! Die guten Recherchen und die sachlichen Ausführungen waren für mich eine gewisse Garantie, dass die "andere Seite" die Hintergrundinformationen liest und versucht zu verstehen. Man muss ja den Schlussfolgerungen nicht zustimmen. Das es jetzt diesen Vorwurf gibt, tut mir leid!

VG S1IG

22:37  
Blogger Zettel said...

Lieber S1IG,

Dass es in linken Blogs/Medien/Gruppen keine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema gibt, hat meiner Meinung nach verschiedene Gründe. Als erstes sind da die Leute, die die Wahrheit nicht interessiert und die nicht differenzieren wollen. Es passt ins Konzept (damals Filbinger, heute Oettinger?).

Ja, das ist wohl leider so. Was mich beunruhigt, das ist, daß auch in etlichen Blogs aus der "Blogokugelzone", der ich mich zugehörig fühle, dieselbe unkritische Haltung zu finden ist.

Wir sind - denke ich doch - alle in dieser liberalkonservativen USA- und Israelfreundlichen, sagen wir einmal, Gemeinschaft von Bloggern gegen die Nazis; selbstverständlich.

Aber deswegen muß man doch nicht alles für wahr halten, was das MfS in der alten Bundesrepublik veranstaltet hat, um mißliebige Politiker zu diskreditieren und die Bundesrepublik zu destablisieren. Das hat man ja nicht nur mit Filbinger so gemacht, sondern auch mit Lübke, Kiesinger und vielen anderen.

Für viel Linke ist doch Kommunismus oder Sozialismus immer noch ein Traum. Man verdrängt die Verbechen und sagt sich immer wieder: Es war doch nicht so schlimm. Diese Leute sind scheinbar der Meinung, die Stasi war so eine Art DDR-Trachtenverein. Auf Kuba ist auch alles paletti und Chavez ist gut, weil er gegen die Imperialisten kämpft.

Das ist genau der Punkt, mit dem ich mich im zweiten Teil des Beitrags über den Fall Filbinger, die RAF und die Achtundsechziger befassen will.

Es gibt dann noch eine andere (wesentlich kleinere) Gruppe - die hat erkannt, dass sie von der Stasi vor deren Karren gespannt wurde. Das kann man doch nicht zugeben... Da wird einfach stur nach "Fahrplan" weiter verfahren.

Warum aber? Ich bin ja auch darauf hereingefallen und sage jetzt, daß ich mich damals geirrt habe. Das ist doch keine Schande.

Vielleicht irre ich mich auch jetzt. Wer sein Geld in der Wissenschaft verdient, der ist doch damit vertraut, daß man sich ständig korrigieren muß, wenn es neue Erkenntnisse gibt.

Ich stelle mir immer die Frage: Was ist mit den Journalisten los - warum wird nicht gegraben? Keine Lust? Oder doch Order von oben?

Ich glaube, es ist erstens schlicht der Zwang, schnell zu allem etwas schreiben zu müssen. Also schreibt man das, was halt so als richtig gilt.

Zweitens können das diejenigen ausnutzen, die gezielt desinformieren wollen. Das MfS war deshalb so erfolgreich, weil es die Personen, die es belieferte, ja in die Position brachte, Exklusivmaterial zu haben.

Heute spielt auch eine allgemeine Moralisiererei eine Rolle. Wir sind ja sozusagen von einem Wald erhobener Zeigefinger umgeben. ;-)

Und jeder hält seine moralische Position für die einzig anständige, und alle anderen werden runtergemacht.

Wie jetzt der arme Oettinger; da greifen dann auch sozialpsychologische Mechanismen

Das es jetzt diesen Vorwurf gibt, tut mir leid!

Ich fand es schade, daß er von Gurdun Eussner kam, die ich sehr schätze und mit deren Meinung ich fast immer übereinstimme.

Aber das ist offenbar einseitig. ;)

Naja, c'est la vie.

Herzlich, Zettel

VG S1IG

01:01  
Blogger Oliver Luksic said...

Sätze mit definitorischem Charakter, etwa „Hans Filbinger war kein Nationalsozialist“ oder „Er war ein Gegner des NS-Regimes“ oder „Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte“ sind in dieser Ausschließlichkeit von Oettinger selten zu hören – zumindest in der Öffentlichkeit.

Oettinger wollte aber die Trauerrede anscheinend in dieser Deutlichkeit halten und verzichtete auf Relativierungen. Hätte er stärker die Zwänge der nationalsozialistischen Diktatur geschildert, die Ambivalenzen von Filbingers Leben, hätte er vielleicht davon gesprochen, dass Filbinger kein fanatischer nationalsozialistischer Ideologe gewesen ist und sich wie viele Deutsche mal opportunistisch, mal ablehnend verhalten hat, dann wäre die Empörung gering ausgefallen. Das wollte Oettinger nicht.

Zu Recht empört sich ein teil der Öffentlichkeit. Das hat auch nichts mit links zu tun, man lese dazu Frank Schirrmacher in der FAZ.

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E04BC207F84EE4614B6923F723ACA3591~ATpl~Ecommon~Scontent.html

"In den entscheidenden Passagen ist seine Trauerrede keine Würdigung, sondern eine Polemik, und ehe man seine Kritiker kritisiert, sollte man aussprechen, dass er es war, der willentlich oder unwissentlich den Anlass missbrauchte. Jedenfalls bedient sich die Rede in den historischen Passagen so eindeutig des Vokabulars der Opferbiographien, das von einem „Missverständnis“, wie Oettinger mutmaßt, keine Rede sein kann. Hier wird von einem „Gegner des NS-Regimes“ gesprochen, der „die schreckliche erste Hälfte des letzten Jahrhunderts . . . erlitten hat“ - und das ist, angesichts der wirklichen Gegner und ihres Leides, tatsächlich eine Erläuterung, zu der, bei allem Drang, die Toten ruhen zu lassen, die Öffentlichkeit nicht schweigen konnte.Es ist schwer vorstellbar, dass ein Mensch, der im Dritten Reich Todesurteile beantragt, verkündet oder angeordnet hat, ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen ist.

Diese Öffentlichkeit hat sich mit Recht gegen die unzutreffende These von „Hitlers willigen Vollstreckern“ gewandt; sie wird aber jetzt auch nicht zulassen, diejenigen, die Todesurteile vollstreckt haben, unter Verweis auf eine Gesinnung, der keine Tat folgte, zu Gegnern zu machen.

Das Neue und Berechnende an Oettingers Vorstoß - und in nichts zu vergleichen mit dem missverstandenen Jenninger - ist, dass er nun die Semantik des Leidens in die Funktionsträger des Verbrecherregimes verlagert - ein Verfahren, das ausgiebig von diesen selber angewandt wurde, noch niemals aber von einem Repräsentanten des Staates bei einem Staatsakt.

Das Deutschland des Jahres 2007 richtet nicht vorschnell. Hans Filbingers Verdienste wären ohne Oettingers Manipulationsversuch angemessen und vermutlich ohne Zwist gewürdigt worden. Wir, die Nachgeborenen von 2007, sind uns im Übrigen unserer eigenen Zuverlässigkeit - anders als Oettinger es ebenfalls polemisch suggeriert - keineswegs sicher.

Allen Tadel verbittet sich Oettinger mit dem Verweis auf seine „innere Haltung“. Er hat gar nicht begriffen, dass der Protest an Äußerlichkeiten Anstoß nimmt wie der Tatsache, dass er im entscheidenden Punkt der Todesurteile Wort für Wort abgelesen hat, was Filbinger ins Internet stellen ließ... Filbinger ist keine Handlung zum Verhängnis geworden, sondern seine demonstrative Uneinsichtigkeit, die äußere Haltung, die er von 1978 bis zu seinem Tod wahrte. "

13:35  
Anonymous Robin said...

Hallo,

hat vielleicht jemand einen Hinweis darauf, worauf Hochhuth verweist, wenn er in seinem SZ-Artikel "Der Lügner" angibt, dass "im Rowohlt-Verlag [...] als Buch die Tragödie des Matrosen Walter Gröger erschienen" sei.
Ich habe ein Bisschen bei Rowohlt gestöbert, habe aber das von ihm bezeichnete Buch nicht finden können. Meint er evtl. sein eigenes Buch "Täter und Denker", das bei Rowohlt erschienen ist? Doch will ich Hochhuth schon einräumen, dass er sich bei der ganzen Angelegenheit nicht nur auf sich selbst berufen wird.
Kann jmd. weiterhelfen?

22:42  
Anonymous Anonymous said...

@robin
Jochen Missfeldt: Steilküste. Ein See- und Nachtstück.
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2005.
283 Seiten, 19,90 EUR.
ISBN 3498044931

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=8506&ausgabe=200509

15:44  

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