22. Juni 2013

Der Mensch-Natur-Dualismus als zentrales Dogma grüner Religion.

Die großen christlichen Kirchen erleben gegenwärtig einen beschleunigten Bedeutungsverlust, immer mehr Menschen kehren den Amtskirchen den Rücken. Auch bisweilen vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Zeitgeist vermag hieran nicht wirklich etwas zu ändern. Gleichwohl ist das Bedürfnis des Menschen nach Religion evident. Mir ist historisch kein Kulturvolk bekannt, das nicht religiöse oder quasi-religiöse Riten betrieben hätte oder keine "übergeordnete Instanz" angebetet hätte. Es sind die Fragen nach den letzten Dingen, nach dem "woher kommen wir, wohin gehen wir", die den Menschen spirituell suchen (und finden) lassen. Religion mag, zumindest historisch, auch in der Hoffnung fußen, daß "jemand" oder "etwas" uns vor Unbilden des Lebens bewahren möge, vor Mißernten oder Krankheit etwa. 

20. Juni 2013

Obama und Reagan in Berlin: Versuch einer Ikonographie zweier Staatsbesuche

Verehrter Leser, darf ich Sie bitten, zunächst einmal das hier verlinkte Bild aufzurufen (aus urheberrechtlichen Gründen darf ich es leider nur verlinken) und einen Moment auf sich wirken zu lassen. Es zeigt Präsident Obama bei seiner gestrigen Rede vor dem Brandenburger Tor. Wir sehen den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zwischen zwei Panzerglaswänden stehend, den Blick, man kann es schwer erkennen, auf den Teleprompter vorne links gerichtet oder aber über die Köpfe des Publikums hinweg gehend. Das Publikum seinerseits spiegelt sich verschwommen und unklar in der vorderen Panzerglaswand; vorne links scheint im Spiegelbild ein Sicherheitsbeamter, stehend mit Sonnenbrille, erkennbar zu sein. Hinter dem Präsidenten, aber noch innerhalb des durch Panzerglas abgeschirmten Bereiches, die Flaggen der Bundesrepublik, der USA sowie der EU.

19. Juni 2013

Der Nahe Osten als Wille und Vorstellung


Wie in den Medien berichtet, ist Claudia Roth vor einigen Tagen Opfer eines polizeilichen Tränengaseinsatzes im Istanbuler Gezi-Park beziehungsweise einem nahe gelegenen Hotel geworden. Das ist schlimm, und man kann nur hoffen, dass ihr aus diesem Übergriff keine bleibenden gesundheitlichen Folgen erwachsen.

Roths in einem bekannten Video verlautbarter Affinität zur Türkei scheint diese schmerzhafte Erfahrung jedenfalls keinen Abbruch getan zu haben. Wobei die Grünen-Politikerin im Zeit-Interview definiert, was ihre Vorstellung von dem vorderasiatischen Land ausmacht:
„[…] Erdoğan und seine Regierung, diese staatliche Gewalt gestern gegen einen Teil der eigenen Bevölkerung, das ist nicht 'die Türkei'.“ Die Türkei, das sind die Menschen im Gezi-Park, die Menschen, die in mehr als 80 Städten der Türkei auf die Straße gehen, die haben genau die gleichen Werte wie wir. [Anführungszeichen im Original]

Kurioses, kurz kommentiert: Gendergerechte Sprache in Country-Texten

Wie SPON heute berichtet, hat sich eine feministische Aktivistin in den USA endlich einer wirklich dringenden Aufgabe gewidmet: Die Country-Songs der Sängerin Taylor Swift werden via Twitter in eine gendergerechte Sprache übersetzt. Das liest sich dann so:

She wears high heels

I wear sneakers

We're each expressing our gender identities

in ways that make us feel comfortable

Solche Aussagen hätten Sie nicht in einem Country-Text erwartet? Sie kennen noch die herkömmliche Art der Country-Musik, in der die Sängerin über Liebe und andere Gefühle singt? Dann sind Sie vermutlich völlig von gestern.

Ein Country-Text kann doch heute unmöglich ohne die Erwähnung von »gender identities« verfasst werden. Man fragt sich: Wie konnten es die Leute nur so lange mit den alten Texten aushalten? Mit Texten ohne diese Zeilen:

It feels like a perfect night

For breakfast at midnight

To acknowledge that sex doesn't imply gender

Or vice versa

Uh-huh

Ist dieser Rhythmus nicht wunderbar?

17. Juni 2013

Meckerecke: Herr Lehmann


"Ich heiße Harry Lehmann, bin von Ausbildung her Physiker und Biophysiker, habe in der Grundlagenforschung sehr lange gearbeitet und nach einer Sinnkrise bin ich in die Umweltwissenschaften gegangen." 
Wer sich immer schon gefragt hat, was das für Leute sind, die von Amts wegen verkünden was richtig und was falsch ist und den-Menschen-da-draußen offenbaren wollen, wer "die Verursacher des Zweifels an der anthropogenen Erwärmung des Klimas (sind), sowie deren Methoden" entlarven, wird durch dieses kleine Video aufgeklärt. 

16. Juni 2013

Der 17. Juni 1953: Zündfunke der Freiheit

Heute jährt er sich zum sechzigsten Mal, der "Volksaufstand" in der DDR, der seinen Höhepunkt und seine blutige Niederschlagung am 17. Juni 1953 erlebt hat. Im Jahr zuvor hatte Staatschef Walter Ulbricht verkündet, den "Sozialismus planmäßig aufbauen" zu wollen. Die "Diktatur des Proletariats" sollte den Übergang bilden hin zum sozialistischen Himmelreich auf Erden. Tatsächlich erlebten die Menschen jedoch vor allem Mangelwirtschaft. Durch die Enteignung und Zwangsvereinigung der Bauern in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften war der seit Jahrhunderten freie Berufsstand des Bauern zunehmend zu einer Ansammlung abhängig beschäftigter Lohnarbeiter geworden. Jahrhundertealte Höfe verfielen; die Versorgungslage der Bevölkerung wurde immer schlechter. Und nun kam auch noch die Erhöhung der Arbeitsnormen  um 10% ohne Lohnausgleich. Das Regime hatte den Bogen überspannt.

15. Juni 2013

Mal wieder ein kleines Quiz, diesmal als Doppelquiz: Wer hat es gesagt?

1. „Wir brauchen ein besseres Währungssystem, in dem es auch nationale Währungen wieder geben kann, zum Beispiel in Zypern und Griechenland.“ 
(A) Frank Schäffler
(B) Winfried Kretschmann
(C) Oskar Lafontaine
(D) Guido Westerwelle

2. „Ein zweistelliges Ergebnis wie bei der Wahl 2009 ist möglich.“ [Mit Bezug auf die Bundestagswahl; Anmerkung Noricus]
(A) Frank Schäffler
(B) Winfried Kretschmann
(C) Oskar Lafontaine
(D) Guido Westerwelle

Die Auflösung gibt es hier.

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

12. Juni 2013

Zitat des Tages: Wir wollen den Preis ganz einfach nicht und lassen uns nicht für politische Statements mißbrauchen

So die Rektorin der Düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule, Alexandra Haußmann, zur Begründung der Ablehnung des diesjährigen Aachener Friedenspreises. Die Schule sollte, neben zwei weiteren Schulen in Berlin und Offenbach, den Preis erhalten, und zwar
stellvertretend für alle Schulen, die per Schulkonferenzbeschluss festgelegt haben, die Bundeswehr nicht an ihre Schule einzuladen.
Gemeint sind jene Informationsveranstaltungen, die  über Arbeit, Aufgaben und Berufsmöglichkeiten der Bundeswehr aufklären, und denen zukünftig, zumindest in NRW, Friedensaktivisten, gleichsam als Aufpasser, zur Seite gestellt werden. In der Begründung der Preisverleihung heißt es:

10. Juni 2013

Wann es Schwarmintelligenz gibt - und wann nicht

Ich weiß nicht, wann ich angefangen habe, bei Amazon Bewertungen zu schreiben. Ach ja, doch: meine erste Bewertung handelte von einem Computerspiel, das ich über alle Maße liebte. Ich schrieb die Bewertung, um andere ebenfalls von dem Spiel zu überzeugen. Inzwischen stehe ich irgendwo knapp über der Position 2000 in der Rezensenten-Rangliste. Ja, so was gibt es bei Amazon: die Rezensenten bekommen Punkte (nach einem System, das Amazon geheim hält) und die Punkte ergeben eine Rangliste. Warum macht Amazon das? 
Stellen wir diese Frage kurz zurück und beschäftigen uns zuerst damit, warum Amazon überhaupt die Kundenbewertung eingeführt hat. Amazons Erfolg ist wesentlich durch dieses ausgefeilte System der gemeinschaftlichen Bewertung und Rezension von Produkten gegründet. Erinnern wir uns: es ist noch keine Generation her, da wurden Produktempfehlungen von (teilweise selbsternannten) Experten verkündet. Zum Beispiel bei Büchern. Die Einzelmeinungen sollten so fundiert sein, dass viele sich an den intellektuellen Vorkostern orientieren konnten. Diese Form der Rezension war so beliebt, dass sich ein eigener Berufszweig entwickelte: der Literaturkritiker. Ähnliches gab es auch bei Technikprodukten, wo sich in Deutschland insbesondere Stiftung Warentest hervortat. Oder bei Restaurants, wo beispielsweise der Michelin-Restaurantführer Ton angebend war. 
Inzwischen sind alle diese Expertengremien im Niedergang begriffen und werden ersetzt durch anonymisierte Kundenbewertungen: die "Schwarmintelligenz". 

KKK: Hunde beissen. Menschen lügen. Regierungen bespitzeln. Überraschung!

PRISM - dieses Thema beschäftigt die Medien seit einigen Tagen. Die Journalisten sind empört und vielleicht auch die Bevölkerung auf der Straße (wobei es schwer ist herauszubekommen, was der Mann auf der Straße wirklich denkt).
Ich bin nicht überrascht. Überrascht wäre ich, wenn man mal die Nachricht bekäme, eine Regierung würde freiwillig auf Steuern verzichten. Oder wenn wir lesen könnten, eine Regierung hätte freiwillig Ministerien geschlossen und Bürokratie abgebaut. DAS wäre eine Sensation! Und ich erwarte auch nicht lesen zu können, dass eine Regierung von allein beschließt, Überwachungsmittel abzuschaffen.

9. Juni 2013

Kaskadeneffekte. Über die Folgen eines großflächigen und langandauernden Stromausfalls

Unter einer Kaskade (von ital. cascare "fallen") versteht man gemeinhin einen in Stufen angeordneten Wasserfall. Man mag hier an Wasserspiele im Garten von Versailles denken oder an Händels Wassermusik. Spricht man dagegen, etwa in technischen Zusammenhängen, von einem Kaskadeneffekt, dann ist damit eine Stufenfolge von Ereignissen gemeint, wobei Ereignis A Ereignis B auslöst oder verursacht; Ereignis B wiederum zu Ereignis C führt usw. Kaskadeneffekte lassen sich in einer Vielzahl von Zusammenhängen entdecken. So kann (oder muß) man wohl bei der Berichterstattung über den havarierten Atomreaktor von Fukushima 2011 von einem medialen Kaskadeneffekt sprechen. Die Dramatik und zunehmende Irrationalität, in der ein Bericht versuchte, noch das Katastrophisieren des vorangegangenen Berichts zu übertreffen, was zu einem Wiedererstarken der Anti-AKW-Bewegung führte  an deren Ende die Regierung Merkel nachgab und die "Energiewende" ausrief: kaskadierende Unvernunft, gegen die Zettel, der Begründer dieses Blogs, sich seinerzeit sichtbar die Finger wund geschrieben hat. 

8. Juni 2013

Möchte-gern-Propheten des Untergangs

Der Club of Rome hat mal wieder in die Glaskugel geschaut und gesehen, was er immer sieht, wenn er über die Zukunft dozieren will: 
Die Apokalypse. 

Es drohe ein Rückfall in vorindustrielle Zeiten, schreibt er in "Der geplünderte Planet". So weit, so bekannt, so langweilig. Wäre da nicht ein eigenartiger Widerspruch. 
Soll die Menschheit nicht ablassen von der industriellen Landwirtschaft, von Kraftwerken, von Auto- und Flugverkehr? Wieso droht dann solch ein Rückfall, wenn dies doch die einzige Rettung ist? 

7. Juni 2013

Protestkultur in Düsseldorf

Die Firma Vodafone eröffnet kommende Woche ihre neue Konzernzentrale in Düsseldorf, einen Glaspalast, in dem 5000 Angestellte arbeiten werden. Gefeiert wird die Eröffnung jedoch nicht, aus Furcht vor gewerkschaftlichem Protest. Vodafone ist nämlich gerade dabei, 500 Arbeitsplätze nach Rumänien zu verlagern und eine "Service-Gesellschaft" zu gründen, die mit niedrigen Einstiegsgehältern dient.

6. Juni 2013

Zitat des Tages: Kongo sorgt sich um die „Zerstörung des deutschen Naturerbes“

Frisch aus dem Newsticker:

Kinshasa: Die Regierungsfraktionen des kongolesischen Parlaments wollen die „Zerstörung des deutschen Naturerbes“ verhindern. Photovoltaikplantagen und Windparks, insbesondere in Ostdeutschland, seien eine der zentralen Quellen der Gewalt gegen Mensch und Natur, schreiben die Abgeordneten in einem Antrag, der am Freitag erstmals auf der Tagesordnung des Parlaments in Kinshasa steht. Darin wird unter anderem auch auf deutsche Pläne für einen „systematischen, großflächigen Ausbau der Solarmodulfelder“ für die Energiewende verwiesen. Die institutionellen Grundlagen dafür aber seien nicht gelegt; zu befürchten sei vielmehr, dass der Ausbau nicht zum Nutzen der Bürger, sondern zum Nutzen „einzelner einflussreicher Personen und Gruppen bei gleichzeitiger Zerstörung der Natur“ erfolgen könnte. Die Abgeordneten besorgt, dass die Bundesrepublik Deutschland den Aufbau von Windparks auch in Schutzgebieten, „einschließlich des Naturschutzgebiets Butendiek in der Nordsee mit seinen unermesslichen Seevögel- und Robbenvorkommen“ gesetzlich erlauben will.
Die kongolesische Regierung wird in der Vorlage unter anderem aufgefordert, auf die EU-Länder und insbesondere auf die Bundesrepublik Deutschland mit dem Ziel einzuwirken, dem Biodiversitäts- und Waldschutz oberste Priorität einzuräumen. Weiterhin soll sie gegenüber der Regierung in Berlin dafür eintreten, vom „vorliegenden Gesetzentwurf zum Ausbau von Windkraftanlagen in Schutzgebieten Abstand zu nehmen“. Die deutsche Seite soll ferner darin unterstützt werden, „nachhaltige Lösungen für drängende Energiefragen zu finden, die den künftigen Schutz der Nationalparks und Schutzgebiete nicht in Frage stellen“.

Das bedarf eigentlich keines Kommentars. Lesen Sie aber bitte unbedingt die Quelle dieses Zitats nach.

Kallias

© Kallias. Für Kommentare bitte hier klicken.

5. Juni 2013

Rundfunk und Freiheit: Der Ursprung des öffentlich ‐ rechtlichen Rundfunks



Wie für viele öffentliche Strukturen in Deutschland, so gab es auch für den Rundfunk nach Ende des zweiten Weltkrieges eine Stunde Null, von der an der Rundfunk quasi gänzlich neu aufgebaut werden musste. Es war klar, dass die gleichgeschalteten, von den Nazis kontrollierten und durchsetzten Medien gegen etwas gänzlich neues ersetzt werden mussten.

Natürlich bestanden noch technische Einrichtungen, die schnellsmöglich von den Alliierten besetzt und übernommen wurden, denn organisatorisch und inhaltlich war ein Neuanfang notwendig. Nach ursprünglicher Planung sollte das Programm nach der Übernahme zu Beginn ausschließlich von Radio Luxemburg mit eingestreuten Programmbeiträgen der BCC und Voice-of-America produziert werden, doch die zuständigen Rundfunktrupps der Alliierten begannen sofort damit – eigenständig – selbst produzierte Beiträge zu erstellen. Ein fertig ausgearbeiteter Plan zum Wiederaufbau des Rundfunks in Deutschland bestand zuerst nicht, einen solchen gab es lediglich für die Neugestaltung der Presselandschaft, wobei auch hier jede Besatzungszone eine etwas andere Strategie verfolgte. Die zur damaligen Zeit wichtigste Regelung, sowohl für die Presse, als auch für den Rundfunk, war jedoch der Ausschluss und das Berufsverbot für Journalisten und Redakteure, die zwischen 1933 und der Kapitulation 1945 in Deutschland tätig waren, von Ausnahmen abgesehen. Wer am gleichgeschalteten Rundfunk der Nazis beteiligt war, sollte nicht direkt wieder die Medien unterwandern dürfen. Zumal regimetreue Journalisten vorher ohne Unterbrechung Berufserfahrung sammeln und auffrischen konnten, während Regimegegner, wenn sie nicht ins Exil gingen, eine Zwangspause einlegen mussten.

4. Juni 2013

Hilfspakete

Wenn Menschen in Not geraten, dann sollte man ihnen helfen - soweit man kann. Das gilt besonders bei Unfällen und Naturkatastrophen. Und deswegen ist es gut und richtig, wenn den aktuell vom Hochwasser Betroffenen geholfen wird.

Hilfskräfte aus ganz Deutschland verstärken die Deiche und helfen beim Evakuieren. Wer sein Haus verlassen mußte wird mit einer Unterkunft versorgt, mit Kleidung und Essen. Und Politiker fliegen ein und versprechen Geld. Viel Geld, unbürokratisch und schnell. Das kommt gut an bei den Wählern, die dieses Geld bezahlen sollen.

Mit diesem Geld soll aber nicht nur die aktuelle Katastrophenhilfe bezahlt werden, nicht nur die Unterkünfte, die Sandsäcke, das Benzin der Rettungsfahrzeuge. Sondern das "schnell und unbürokratisch" bezieht sich auf eine Entschädigung der Leute, deren Häuser von der Flut beschädigt wurden.

Wieso eigentlicht?

2. Juni 2013

Was ist eigentlich aus der Exhumierung des Jassir Arafat geworden? Eine Spurensuche.

Er war wohl eine der schillerndsten Figuren der arabischen Welt des 20. Jahrhunderts. Mitbegründer der PLO und Fatah, bekennender Terrorist, der jahrzehntelang Attentate, insbesondere gegen israelische Ziele, verübt hat -ein Verbrecher also- und Träger des Friedensnobelpreises: Jassir Arafat. 

Vor allem aber war er, dessen politischer Stern seit dem Einmarsch des Irak in Kuweit 1990 und endgültig mit der Zweiten Intifada gesunken war, in den letzten zehn Jahren seines Lebens eines: eine Symbolfigur. Symbol für die Palästinenser und die Arabische Welt. Symbol für den Kampf für ein "freies Palästina", wenngleich die Forderung nach einem "freien Palästina" sich meist im Bekämpfen und Vernichtenwollen des Staates Israel erschöpfte, und sich gegen Zivilisten richtete; also eben kein Freiheitskampf war, sondern Terrorismus. Symbolfigur aber auch für die internationale Linke. Die von Arafat mitbegründete Fatah ist bis heute beratendes Mitglied der Sozialistischen Internationalen (aktueller Präsident: der sozialistisch hochbegabte Georgious A. Papandreou) und der Sozialdemokratischen Partei Europas

1. Juni 2013

Katholischer Wissenschaftsbeirat lehnt vorehelichen Sex als als unnütz ab.

Würden Sie eine solche Meldung ernst nehmen, verehrter Leser? Vermutlich ebenso wenig wie ich, da von einem solchen Gremium wohl kaum eine sachliche, neutrale Stellungnahme zu erwarten wäre. Natürlich soll die Überschrift nur auf das eigentliche Thema vorbereiten, das gestern von den Medien mit breiter Resonanz aufgenommen wurde. Die hier zu kommentierende Meldung lautete, daß der Sachverständigenrat für Umweltfragen von der Gasgewinnungsmethode Fracking (Hydraulic Fracturing) abrät.

31. Mai 2013

Einheit ohne Basis

Die zunehmend kritisierte EU-Kommission möchte sich etwas beliebter machen. Und billigeres Handy-Telephonieren würde natürlich vielen EU-Bürgern gefallen. Also fordert EU-Kommissarin Kroes, daß die Roaming-Gebühren EU-weit wegfallen sollen. Mobiles Telephonieren soll immer gleich viel kosten, egal wo sich der Bürger in Europa aufhält.

Einmal abgesehen davon, daß staatliche Preisfestsetzungen dieser Art mitnichten die Bürger entlasten können. Planwirtschaft führt immer nur zu mehr Ineffizienz und mehr Ungerechtigkeit. Im konkreten Fall hieße das, daß die Roaming-Kosten dann nicht mehr von den Verursachern getragen werden, sondern von den Providern auf alle Handy-Nutzer umgelegt werden müssen.

Darüber hinaus übersieht die Kommissarin, daß für ihre Vorstellung vom gemeinsamen Binnenmarkt für Handy-Gespräche die Basis fehlt.

Menschenklon – Nicht die Naturwissenschaft ist zu fürchten, sondern das Versagen der Kirchen. Ein lehrreicher Blick auf eine vergleichbare historische Stunde. Gastbeitrag von Ludwig Weimer

Niemand will Menschen klonen. Ziel des Projekts ist nicht das Kopieren kompletter Menschen, sondern die Zucht von Ersatz-Organen für kranke Kinder. Aber allein die Möglichkeit, dass man es jetzt tatsächlich machen könnte, jagt vielen Schauder ein. Sie wünschen, die Ehrfurcht vor dem Schöpfer würde nicht angetastet. Aber die Wissenschaft wünscht, den Kindern zu helfen. Meine These ist: Wenn die Sicht des Menschen als eines je einmaligen Ebenbilds Gottes – so die Christen – fällt, wenn die Würde der Person – so die Agnostiker und die Humanisten – einstürzen wird, dann nicht wegen des Triumphs der Naturwissenschaft, sondern durch die Saft- und Kraftlosigkeit der Kirchen im ehemaligen christlichen Abendland. Wie ist diese These begründet?

30. Mai 2013

Zitat des Tages: Die Einigung zur Stärkung des Schengenraums zeigt, dass wir in Europa auch hier in der Lage sind, Fehlentwicklungen entgegenzuwirken.


Dieses Zitat stammt vom Bundesinnenminister Friedrich und bezieht sich auf die Reform des Schengenraumes. Jedenfalls wird das von ihm so genannt, wenn Deutschland wieder Grenzkontrollen einführen will und das bisher nicht konnte, sondern die Kontrollen auf die Autobahn verlagern musste. 
Zur Politik gibt es mit "Achtung Kontrolle!" schon lange die passende Aufklärungssendung. 
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. 

29. Mai 2013

Von letzten Dingen. Und von Vorletzten.

Am vergangenen Sonntag habe ich einen Friedhof besucht. Genauer gesagt die letzte Ruhestätte eines Bekannten. Es war eine sehr schöne Friedhofsanlage, eigentlich mehr ein Park.  Der Ruhe solcher Orte kann ich mich nur schwer entziehen; eine gewisse Entschleunigung innerer Prozesse stellt sich dann bei mir fast automatisch ein. Und manchmal stellt sich dann die Frage nach den letzten (und den vorletzten) Dingen.
Ich habe beruflich bisweilen mit Menschen zu tun, deren zeitliche Lebensperspektive nach vorne hin begrenzt ist. Alte Menschen, kranke Menschen.

Wenn ich diesen Menschen zuhöre, wenn sie über ihr Leben sprechen oder gar Bilanz ziehen, dann fällt mir oft ein Bedauern, manchmal sogar Reue, in ihren Schilderungen auf.

Was aber bedauern Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben?

28. Mai 2013

(Nicht) Kurioses, kurz kommentiert: Ein Lebensweg. Ein ungewöhnlicher?


Regelmäßige Tatort-Zuschauer mögen sich noch an den saarländischen Kommissar Stefan Deininger erinnern, der zunächst als Assistent von Max Palu und schließlich bis 2012 neben dem bayerischen Neuzugang Franz Kappl auf Mörderjagd ging. Gespielt wurde Deininger von Gregor Weber, der einem breiten Publikum zweifellos auch noch als Sohn der Familie Heinz Becker in Erinnerung ist.

26. Mai 2013

Fußballpazifismus

Ich sehe selten fern, noch seltener Sport. Und schon gar nicht die Eröffnungsshows vor großen Sportereignissen. Die sind oft nur Kitsch mit Massenszenen, irgendeine Inszenierung von Frieden, Freude, Eierkuchen. Dann doch lieber ein gutes Buch lesen.

Es sei die Eröffnungsshow wird von Engländern gemacht. Dann wird das durch guten britischen Humor aufgelockert, das ist immer sehr kreativ. Man denke da nur an die Olympia-Eröffnung 2012 mit der Kurzdarstellung der britischen Geschichte, hervorragend choreographiert, mit den Auftritten von Mister Bean und James Bond.

Auch die Eröffnung des Champions-League-Finale gestern war originell. Da ließen die Briten zwei mittelalterliche Heere gegeneinander antreten. Erst die Langbogenschützen, dann die Fußkämpfer mit Axt und Schwert. Gekleidet in den Farben der beiden Mannschaften des Abends, Dortmund gegen München.

Da sind Weihnachtswünsche geboren worden. Die 80.000 Fans im Stadion und viele mehr vor den Fernsehen werden sich gesagt haben: So einen Schild mit dem Wappen meines Vereins, den will ich zu Weihnachten.

Und dann noch der Auftritt des alten Recken Paul Breitner im silbernen Harnisch, der mit einem englischen Kollegen zusammen die große Trophäe auf dem Ehrentisch platzierte - wie die Siegesprämie eines Ritterturniers.

Gut, Rüstungen und Waffen sahen deutlich nach Plastik und Kindergeburtstag aus. Der Harnisch Breitners hätte eher zu napoleonischen Zeit gepaßt als ins Mittelalter. Und wenn die englischen Truppen im Mittelalter eine so lausige Schlachtformation geboten hätten wie ihre Nachfahren im Stadion - da hätten sie wohl keine Schlacht gewonnen.
Aber was solls, es geht um den Spaß.

Aber Spaß darf natürlich nicht sein. Jedenfalls nicht für deutsche "Qualitätsmedien". Igitt, Waffen - wenn auch aus Plastik. Es wird nicht mit Wattebäuschchen geworfen. Das kann doch nur die Jugend verderben.
Und wie gemein etwas kriegerisches zu inszenieren, nur weil die Deutschen im Finale sind.

Was natürlich Unsinn ist: Die Inszenierung wird schon seit vielen Wochen geplant, da waren die Finalisten noch völlig unbekannt. Nur die Farben auf den Schilden sind erst in den letzten Tagen aktualisiert worden.

Und auch sonst ein lächerlicher Kommentar. Fußball und ähnliche Sportarten sind domestizierter Krieg, auch das macht ihren Reiz aus und deswegen fiebern die Fans mit ihrer Mannschaft.
Das in der Eröffnungsfeier ironisch darzustellen mag zwar für Gutmenschen nicht ertragbar sein - aber wer Humor hat, wird es schätzen.

R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

25. Mai 2013

Werden die Eltern immer ehrgeiziger?

In Diskussionen höre ich immer wieder mal die Behauptung, Eltern wären heute in Bezug auf ihre Kinder ehrgeiziger als früher und würden ihre Kinder mehr antreiben und einspannen. Meine Kinder sind hohem Druck ausgesetzt und zeitlich stark eingespannt. Aber liegt das an an meiner Frau und mir? Oder gibt es da ganz andere Faktoren, die den elterlichen Einfluss übersteuern?
Zunächst sollten wir uns verdeutlichen, dass zu diesem Thema gutes Zahlenmaterial rar ist. Wir können uns dem Thema nur argumentativ annähern. Was für Fakten haben wir überhaupt?

  1. Wir wissen, dass sich die Art der Familien geändert hat. Ein-Kind-Familien haben stark zugenommen und sind inzwischen der Normalfall. Nur noch etwas mehr als ein Viertel der Familien haben drei oder mehr Kinder
  2. Wir wissen, dass die Anzahl der Schüler im Ganztagsunterricht zugenommen hat
  3. Wir wissen, dass die Anteile der Schulformen sich verschoben haben. Die Hauptschule hat deutlich Anteile verloren.
  4. Wir wissen, dass sich die Anzahl der Schuljahre bis zum Abitur (in vielen Fällen) durch G8 verkürzt hat