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12. Januar 2023

#Panzerwende



Der polnische Präsident Andrzej Duda hat heute nachmittag um 14 Uhr bei einem treffen mit seinen Amtskollegen aus der Ukraine, Wolodmyr Selenskij und aus Litauen, Gitanas Nausėda, der Ukraine fest zugesagt, ihr zur Verteidigung gegen die russischen Invasoren „ein Bataillion Kampfpanzer des Typs Leopard 2“ zur Verfügung zu stellen. Eine Stunde später erfolgte aus London die Zusage, man habe sich auch zu diesem Schritt entschlossen und werde MBTs (im offiziellen NATO-Jargon für „Main Battle Tanks“ stehend) des Typs Challenger 2 bereitstellen, die seit 1994 das Rückgrat der englischen Landstreitkräfte darstellen. Von der Menge auf den Straßen von Lviv ist Duda heute „wie ein Rockstar“ gefeiert worden.



Im zweiten Fall wurden keine genauen Zahlen genannt, man kann aber davon ausgehen, daß es sich auch hier um 10 bis 14 Panzer handelt. Diese „nackten Zahlen“ mögen sich auf den ersten Blick nicht besonders eindrucksvoll ausmachen, etwa, wenn man im Hinterkopf behält, daß die russische Armee bis heute, dem 11. Januar, nach den Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums 3094 verloren hat. Allerdings täuscht ein solcher Eindruck. Es handelt sich hier um die modernsten und schlagkräftigsten Modelle, die der Westen in seinen Armen einsetzen kann – und die entscheidende Funktion solcher Panzer auf dem Schlachtfeld ist der Einsatz im Rahmen einer Offensive an der Spitze nachrückender Infanterie und unter ausreichender Luftunterstützung. (Der völlig unzureichenden Luftunterstützung auf russischer Seite ist es zu verdanken, daß seit Monaten, seit April, keine ihrer Offensiven einen nennenswerten Erfolg zu verzeichnen hatte.) Die russische Armee kämpft seit dem Sommer an der Frontlinie im Donbass einen Stellungskrieg; die Linien weichen ohne nennenswerte Geländegewinne ein paar Kilometer vor oder zurück; große Abschnitte auf dem linken Ufer des Dnipro und im Nordteil der Krim sind seit dem Herbst zu einem Verteidigungsnetzwerk aus Schützengräben und Panzersperren ausgebaut und – geschanzt worden, eine Konsequenz daraus ist, daß die russische Armee nicht in der Lage sein dürfte, eine wirksame Offensive zu führen, während die Fernwaffen der ukrainischen Seite, wie etwa die HIMARS, bei Geländegewinnen durchaus in der Lage wären, die russische Logistik (etwa Kommandozentralen und Magazine) gezielt unter Beschuß zu nehmen, wie es seit September immer wieder der Fall ist, und die russischen Nachschublinien zu unterbrechen.

16. März 2022

Herr Musk twittert auf Russisch (und Ukrainisch)



(Netzfund)

"'Große wissenschaftliche Ausgabe?' (Oh, ich weiß schon, was die Brüder so nennen: wenn sie uns zu dem Kind noch die placenta servieren!" – Arno Schmidt, Brand’s Haide (1951)

Auch die Aufgabe des gewissenhaften Philologen, des Hieronymus im Gehäus der Letternwüsten, unterliegt, so kann es mitunter scheinen, einem zeitgeistlichen Paradigmenwechsel. Während die Aufgabe des „klassischen Philologen“ etwa darin bestand, die vom Namenspatron dieses Netztagebuchs genannten Opera omnia zusammenzustellen, zu erläutern und zu klären, was wohl Homer gemeint haben könnte, als er in der Ilias und der Odyssee vom „weinfarbenen Meer“ - οἶνοψ πόντος – sprach und warum er den Himmel an keiner Stelle „blau“ (auf altgriechisch: γαλανό) nennt. Stattdessen findet sich bei ihm das Epitheton ornans χάλκεος, „Bronze“ oder „bronzefarben.“ William Gladstone hat das 1858, lange bevor er das Amt des englischen Premierministers bekleidete, damit zu erklären versucht, „die ollen Griechen“ seien halt samt und sonders farbenblind gewesen.

Wie dem auch sei: mit dem Aussterben der klassischen humanistischen Bildung ist man, wenn man diese spezielle Narrenkappe trägt, froh, wenn einem die (post-)modernen Kommunikationsmittel die Gelegenheit bieten, mit seinem Füllhorn des nutzlosen Wissens eine kleine erläuternde Fußnote zu irgendeinem kryptischen, rätselhaften Wellenschlag liefern zu können, der ein kurzes Kräuseln an der Oberfläche der diversen Dorfteiche namens „Facebook,“ „Instagram“ oder „Twitter“ im „Global Village“ ausgelöst hat. Vier Monate, nachdem es an dieser Stelle hieß „Herr Musk twittert auf Chinesisch“ (Zettels Raum vom 4. November 2021) hat der reichste Mann der Welt gestern, am Montag, den 4. März 2022, wieder einmal Gelegenheit dazu geboten – und darüber hinaus das Urteil bestätigt, wonach es sich beim Firmenchef von SpaceX nach dem Ausschluß des vorherigen Champions Donald „Orange-Man-Bad“ Trump von Facebook und Twitter um den unangefochtenen König in dieser Disziplin handelt. Elon Musk hat gestern auf Twitter dem gegenwärtigen RL-Wiedergänger von Sauron im dunklen Turm von Barad-dûr im Lande Mordor – Wladimir Wladimirowitsch Putin in der Zitadelle (russisch Кремль) von Moskau im Lande der Rus‘ – das Angebot gemacht, den Konflikt um das im Westen gelegende Land Gondor ganz nach dem Vorbild der alten Heldenepen zu entscheiden: durch einen Kampf Mann gegen Mann, bzw. Recke gegen Recke. (Isengard, Heimstatt von Saurons Verbündetem und Vasallen Saruman in Tolkiens „sekundärem Kosmos“ entspräche in dieser Sicht der Weltlage Weißrussland und seinem Potentaten Lukaschenko).

I hereby challenge Владимир Путин to single combat

Stakes are Україна

3. Januar 2021

McDonald's in Pompeji. Nachschlag: Garum, Garum, Garum



(Moretum)

Und ein kleines Quiz.

* * *

Der Esprit de l'escalier, der Treppenwitz (die Wendung findet sich zuerst bei Denis Diderot) bezeichnet gemeinhin eine Pointe, eine Volte, ein Antwort, die einem erst im Nachhinein einfällt, wenn man die Konversation, in die sie gepaßt hätte, schon verlassen hat: auf der Treppe halt. (Das ist nicht zu verwechseln mit der bekannten Anekdote, in der Alexandre Dumas pêre seinen Sohn, der ihm den täglichen Morgenbesuch abstatten wollte, von einem Diener hinauskomplimentieren ließ. Am nächsten Morgen entschuldigte sich der Autor der Drei Musketiere mit der Begründung. "Ich lag mit einer kleinen Erkältung im Bett." "Ich weiß," gab der Verfasser der Karneliendame zur Antwort, "Sie ist mir auf der Treppe begegnet.")

So (also im Sinne von Diderot, nicht A.D. fils), ging es mir auch mit dem in Folgenden übersetzten kleinen Text, der mir erst einfiel, als mein Beitrag zum kürzlich ausgegrabenen Straßenimbiß in Pompeji schon eingestellt war. So möge es denn als zweiter Besuch in der Kulinarik der Antike durchgehen.

6. Januar 2016

Jagdszenen aus Köln und Hamburg: Staatsversagen auf ganzer Linie

Drei Anmerkungen zu den unfassbaren Szenen der Menschen- genauer: der Frauenjagden, die sich vor und nach Mitternacht in der Sylvesternacht vor der Kölner Domplatte, der Hamburger Reeperbahn und wohl auch in Stuttgart abgespielt haben. Als ich gestern, am Montagmorgen dem 4. Januar, um 08:37 Uhr, im Diskussionsforum dieses Blogs, dem "Kleinen Zimmer" meinen ersten Beitrag zu diesem Thema mit längeren Zitaten zu ersten Äußerungen und Meldungen eingestellt habe, mußte ich mich auf die Netzbeträge von Michael Klonovsky sowie der Achse des Guten beschränken. Mitforist HR hat dankenswerterweise unabhängig davon ebenfalls darauf aufmerksam gemacht. Erst im Laufe des Morgens, und dann mit ansteigender Amplitude über den Tag hinweg ist das Thema zu der alles beherrschenden Causa geworden, die auch von Politikern nicht mehr mit Schweigen, Abwiegeln und zynischen tu-quoque Fingerzeigen auf PEGIDA oder andere dunkeldeutsche Manifestationen kleingehalten werden kann.

Ich habe meine Meldung im Strang "Aus der Gespensterrepublik" plaziert, die ich am 13. Oktober 2015 angelegt habe: zur sukzessiven Dokumentation von Vorfällen, Zitaten, und den zu immer höherer Amplitude ausschlagenden Anzeichen, die [Zitat] "den Beginn der finalen Agonie dieses kollabierenden Staatsgebildes nüchtern ins Auge fassen".














2. Oktober 2015

Alte Rivalen

Eine erstaunliche Schlagzeile: "Russische Luftangriffe verärgern die Türkei". Erstaunlich nicht nur inhaltlich: Sowohl Rußland wie die Türkei kämpfen offiziell gegen den IS, aber real bombardieren sie dessen Gegner. Rußland die syrische Opposition, die Türkei die Kurden. Bei so viel Gleichklang müßten die Türken sich ja freuen, nicht verärgert sein.
Aber erstaunlich auch wegen der Details des Protests. Der wurde nämlich von den Alliierten erhoben, also den USA, Frankreich, Großbritannien und dann noch diversen arabischen Staaten und eben der Türkei. Und übrigens auch Deutschland - aber das ist nur unwichtige Folklore.

Wie kommt also der Spiegel dazu, nur über die Türkei zu reden, wenn normalerweise die USA als Hauptakteur gelten? Das liegt wohl nur daran, daß die Erklärung von der türkischen Regierung veröffentlicht wurde. Es ist eher unwahrscheinlich daß der Spiegel-Reporter begriffen hat, was er da eigentlich abschreibt.

Denn eigentlich geht es um etwas ganz Anderes: Den Konflikt der beiden traditionellen Gegner Rußland und Türkei um ihre Einflußsphären im Nahen Osten.

10. September 2015

Die Kolonialherren

Eigentlich sollte der Vortragende über Geschichte sprechen, über 200 Jahre Wiener Kongreß. Aber die Parallele lag halt nahe: Damals durfte man ja noch Länder erobern und aufteilen, und der russische Zar war dabei geschätzter Partner. Und heute sind diese schönen Sitten außer Mode gekommen und der arme Wladimir muß deswegen draußen bleiben. Was dem Vortragenden überaus mißfiel und nach den üblichen Klagen über den Verfall von Bildung und Moral zur Aufzählung des großen Sündenregisters führte: "Wir" wollen den Russen wie schon damals im Krimkrieg ihre Gebiete wegnehmen, und "wir" haben den Zerfall Jugoslawiens verursacht und "wir" haben das osmanische Reich zerschlagen und damit die Konflikte in Nahost verursacht.

Wenn man deutsche Medien verfolgt, bekommt man von linker Seite Ähnliches serviert: "Wir" haben die Taliban und ISIS gegründet und unterstützt, "wir" hatten auch seinerzeit zu verantworten, daß die Mullahs den Iran übernommen haben. "Wir" sind schuld an der Armut in weiten Teilen der Welt und "wir" sind schuld an Afghanistan, Irak und Libyen, weil "wir" interveniert haben und an Eritrea, dem Sudan und Burundi, weil wir nicht interveniert haben.
In Syrien sind sich die Kommentatoren noch uneinig, ob "wir" schuld sind wegen Intervention oder "wir" schuld sind wegen Nicht-Intervention. Auf jeden Fall sind sie eich einig: Die Einheimischen haben mit dem Bürgerkrieg sicherlich nichts zu tun.

3. September 2015

Humanismus? Erste Ergänzung zu Llarians "Pack"-Zettel-Beitrag

Habt Dank, dass Ihr nie fragt / Was es bringt, ob es lohnt / Vielleicht liegt es daran / Dass man von draußen meint / Dass in Euren Fenstern / Das Licht wärmer scheint. (Reinhard Mey, 1972)

Es fällt mir zunehmend schwerer, mich zur Flüchtlingsproblematik zu äußern. Nicht nur, dass die Debatte völlig polarisiert ist. Es gibt nur noch zwei Positionen: "Alle rein" oder "Alle raus". Jeder Zwischenton, jeder Hinweis auf die Komplexität der Situation wird gnadenlos zerrieben. Aber ich möchte hier auch nicht meine Position darlegen, das hat der Kollege Herr in so überzeugender Weise hier getan, dass ich mich vollständig darin wiederfinde. 

Außerdem möchte ich keinesfalls zu den gefühlt 99% Mitbürgern gehören, die ganz genau wissen, was zu tun ist, und das in schlüssigster Weise damit begründen, dass sie es ja schon immer gewusst haben. Um es ganz offen zu sagen: Ich habe keine Ahnung, wie man das Problem am besten in den Griff bekommt. Und von den out-of-the-box-Argumenten hat mich bisher noch keines überzeugt. Ich hänge nicht so sehr an der Deutschtümelei, dass ich sie vermissen würde, auch bin ich kein Karl-May-Fan, der sich wünscht, auf der A9 von Bagdad nach Stambul zu fahren. Kurz gesagt, weder die bevorstehende Bereicherung des Abendlandes noch dessen dräuender Untergang will mir einleuchten. Und von beidem wird mir zu viel dahergefaselt.

Genau genommen will ich mich damit persönlich gar nicht mehr beschäftigen, weil es mich so frustriert. Ich zahle der deutschen Verwaltung jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag allein an Einkommenssteuer, und dafür möchte ich doch erwarten können, dass eine bestehende Situation legislativ, juristisch und administrativ bewältigt werden kann. Wenn ein ganzes Mittelmeerland scheinbar problemlos alimentiert werden kann, dann muss es doch auch für dieses Flüchtlingsproblem eine Lösung geben. Wie gesagt, ich habe mich daran gewöhnt, dass mit meinem Steuergeld ziemlich viel Unsinn angestellt wird, und den Gedanken aufgegeben, dass man ja auch auf die Idee kommen könnte, es mir zu lassen, um damit meinen ganz persönlichen Unsinn anzustellen. Wenn's also ein paar Mark fuffzig mehr kostet, sei's drum. 

Wenn mich aber etwas an der Debatte aufregt, ist es ihre unsägliche Verlogenheit, das schier unerträgliche Ausmaß an Hybris und Selbstbetrug, dem ich tagtäglich ausgesetzt bin. Dies möchte ich in zwei Artikeln tun, dabei beginne ich mit der Bereicherungsfraktion.

17. Juli 2013

Das Dilemma des Westens in Syrien


Der seit nunmehr zwei Jahren andauernde Krieg in Syrien berührt die Interessen einer ganzen Reihe von Nationen. Abzulesen ist dies an den Ländern welche den Nachschub an Waffen sicherstellen. 
Aber nicht nur Nationen haben Interessen dort.

Neben der Freien Syrischen Armee und den Truppen Assads gibt es noch eine dritte Partei in diesem Krieg - Al-Qaida.  

3. Februar 2013

Zettels Meckerecke: Deutschland macht sich lächerlich

"Deutsche Peinlichkeiten" ist der Artikel von Eric Gujer betitelt, den man seit heute Vormittag in der Internetausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung" lesen kann. "Peinlich" ist sanft augedrückt. Deutsch­land macht sich lächerlich.

Es geht um Mali; um die Intervention Frankreichs und die deutsche Unterstützung.

31. Januar 2013

Die Bedrohung Israels. Hintergründe der gestrigen Luftschläge

Rechts oben auf der nebenstehenden Karte (für eine vergrößerte Ansicht zweimal auf die Abbildung klicken) sehen Sie das Dreiländereck zwischen Syrien, dem Libanon und den von Israel besetzten Golanhöhen. Dort, in Syrien nahe der libanesischen Grenze, flogen gestern israelische Jagdflugzeuge zwei Angriffe gegen syrische Ziele.

Gestern Abend gegen 22 Uhr MEZ verbreitete die New York Times eine Eilmeldung, die auf einen gemeinsam vom Jerusalemer und Washingtoner Büro der NYT verfaßten Artikel verwies. Darin beruft sich die Zeitung auf anonyme Quellen in der US-Regierung, laut denen Israel die USA über einen Angriff auf einen Militärkonvoi informiert habe.

Dieser habe sich, beladen mit sophisticated antiaircraft weaponry, also hochentwickelten Luftabwehr-Waffen, in Syrien in Richtung libanesische Grenze bewegt. Die Waffen seien für die Hisbollah bestimmt gewesen. Weitere amerikanische Quellen sprechen davon, daß es sich um russische SA-17-Luftabwehrraketen gehandelt habe.

27. Januar 2013

Aktuelles zum Krieg der Dschihadisten (13): Ethnische Strukturen des Dschihadismus in Nordafrika

Vorgestern wurde gemeldet, daß westliche Regierungen, darunter die britische, die holländische und auch die deutsche, ihre Staats­angehörigen aufgefordert haben, die Stadt Bengasi in Ostlibyen zu verlassen. Es gebe eine "konkrete Bedrohung". Die Regierung der Niederlande begründete ihre Warnung damit, daß seit der französischen Intervention die Gefahr von Anschlägen auf westliche Ziele gestiegen sei. Offenbar gibt es aber jetzt über diese allgemeine Bedrohungslage hinaus unmittelbare Hinweise auf eine von Dschihadisten geplante Aktion in Bengasi.

Der Mali-Konflikt, der bereits zu dem Anschlag auf die Gasanlage in Algerien geführt hatte, droht offenbar jetzt auf Libyen überzugreifen.

Das wirft ein Schlaglicht darauf, wie wenig der Dschihadismus in Nordafrika sich um Grenzen kümmert.

22. Januar 2013

Das Ziel der französischen Intervention ist "die vollständige Rückeroberung Malis". Was das bedeutet, und was nicht

Falls Sie eine gute halbe Stunde Zeit haben und Französisch verstehen, dann empfehle ich Ihnen, sich die gestrige Hauptnachrichtensendung des malischen Fernsehens anzusehen. Sie bekommen dann einen Eindruck von der Stimmung, die derzeit in Mali herrscht: Eine Welle des Patriotismus, gerichtet auf die reconquête Nordmalis; seine Rückeroberung von den Terroristen (das ist die in dieser Sendung häufigste Bezeichnung für die Dschihadisten). Die französische Intervention hat offenbar eine massive psychologische Wirkung; die Malier glauben jetzt an den Sieg.

Am Sonntag hat der franzlösische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dieselbe Parole ausgegeben: Das Ziel der Intervention sei die "vollständige Rückeroberung" Malis.

19. Januar 2013

Warum schlug die Regierung Algeriens mit einer solchen Härte zu? Hintergründe der heute beendeten Geiselnahme


Schauen Sie sich bitte einmal diese Karte Algeriens an (für eine vergrößerte Version bitte zweimal auf die Abbildung klicken). Sie sehen im Südwesten und Südosten wie mit dem Lineal gezogenen Grenzen, wie sie typisch für eine künstliche Grenzziehung am Reißbrett sind.

Die Sahara ist geographisch und ethnisch nicht in einen algerischen, einen malischen und einen Anteil von Niger geteilt. Die Bevölkerung - vor allem Tuareg - wohnt diesseits und jenseits der Grenzen und bewegt sich oft frei über diese hinweg. Dasselbe können Dschihadisten, wenn sie auch mit ihren Pickups mehr auf Pisten angewiesen sind.

Wie denken die Bewohner Malis über die Scharia? Eine Gallup-Umfrage

Auch in Mali führt Gallup regelmäßig Umfragen durch. Gestern hat das Institut Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die im Oktober und November 2012 stattfand. Gleichlautende Fragen waren auch 2010 und 2011 gestellt worden.

In diesen beiden vorausgehenden Jahren waren die Malier mit ihrer - demokratisch gewählten - Regierung überwiegend zufrieden gewesen (in beiden Jahren hatten 71 Prozent "Vertrauen in die Regierung"). Nach dem Militärputsch im März 2012 hat sich die Stimmung offenbar gedreht.

12. Januar 2013

Mali: Befinden sich bereits deutsche Soldaten einer Spezialeinheit im Land?

Stratfor hat gestern in einem - nicht allgemein zugänglichen - Artikel Informa­tionen zusammengestellt, die den Hintergrund der inzwischen bekannt­gegebenen französischen Intervention erhellen.

Danach haben verschiedene Gruppen von Dschihadisten seit einigen Tagen das von ihnen kontrollierte Gebiet beträchtlich ausgedehnt; von der algerischen Grenze bis bereits kurz vor Mopti, das sie aber noch nicht genommen haben. Hier sehen Sie die Lage dieses Gebiets:

9. Januar 2013

Christenverfolgung in kommunistischen und islamischen Ländern


Die Hilfsorganisation Open Doors hat ihren Jahresbericht 2013 zur Verfolgung von Christen vorgelegt. Hier ist die Liste der 25 Staaten, in denen Christen am meisten in der Ausübung ihrer Religion behindert werden:

7. Januar 2013

Wie wird es in Syrien weitergehen? Die Vorhersage von Stratfor und das Problem arabischer Nationalstaaten

Wir tendieren dazu, uns kriegerische Auseinandersetzungen wie jetzt in Syrien so vorzustellen wie den russischen oder den spanischen Bürgerkrieg im vorigen Jahrhundert: Zwei Parteien stehen sich gegenüber. Nach einigen Jahren des Bürgerkriegs siegt eine; in Rußland damals die Bolschewiken, in Spanien die Faschisten. Aber muß das eigentlich auch in Syrien so sein? Muß es überhaupt in Arabien so sein?

Stratfor hat heute seine Vorhersagen für 2013 vorgelegt. Der Bericht ist nicht allgemein zugänglich; aber ich kann zusammenfassen, was dort über Syrien zu lesen ist (eines der vielen Themen dieser ausgezeichneten Analyse):

14. Dezember 2012

Der Anschlag von Bonn und die drei Organisationsebenen der Kaida

Wie "Spiegel-Online" vor knapp drei Stunden meldete, hat die Bombe im Bonner Hauptbahnhof offenbar gezündet, ist aber nicht detoniert. Wir sind einer Katastrophe gerade noch einmal entgangen.

Weiter heißt es in dem Bericht, der Sprengsatz passe zu einer Bauanleitung aus dem Internet-Magazin Inspire. Dieses stammt von der Kaida-Organisation im Jemen, die gegenwärtig eine der schlagkräftigsten ist. Offenbar hat der oder haben die Täter sich nach dieser Bauanleitung zu richten versucht, aber mangels Erfahrung einen Fehler gemacht.

Der Anschlag paßt damit genau in das Bild, das die Kaida seit einigen Jahren bietet und über das ich im Januar 2010 ausführlich berichtet habe:

7. Dezember 2012

Rüstungsexporte, Siedlungspolitik. Automatismen der Gedankenlosigkeit und die strategische Lage im Nahen Osten

Es gibt in der deutschen Außenpolitik Stichwörter, die unweigerlich eine bestimmte - und nur diese eine - Reaktion hervorrufen; so, wie aus dem Automaten die Colaflasche purzelt, wenn man das Geld eingeworfen hat. Solche Stichwörter sind "Israels Siedlungspolitik" und "Waffenlieferungen in Krisengebiete". Die zugehörigen Reaktionen sind: Waffenlieferungen - unmoralisch, also nicht erlaubt. Israelische Siedlungen - nicht erlaubt, also unmoralisch.

Wenn sich solche Automatismen des Denkens, oder vielmehr der Gedankenlostigkeit, erst einmal festgesetzt haben, dann ist es schwer, dagegen anzugehen.

Hinzuweisen ist auf zwei Artikel, die - beide gestern erschienen - das dennoch versuchen; verfaßt von zwei Autoren, die es sich leisten (und sich das leisten können), auch einmal gegen den Strom zu schwimmen, oder quer zu ihm.

6. Dezember 2012

Aufruhr in Arabien (37): Chemiewaffen, Patriot-Raketen, das Schicksal des Assad-Clans. Hintergründe der aktuellen Entwicklung in Syrien

Das Interesse der Medien ist, was den Aufruhr in Arabien angeht, im Augenblick auf Ägypten gerichtet. Aber es spricht Vieles dafür, daß der Fokus demnächst wieder nach Syrien schwenken wird. Denn dort könnte sich der Endkampf anbahnen.

Die Rebellen rücken, so berichtete es gestern Stratfor, auf Damaskus vor. Das hat zu diplomatischen Aktivitäten geführt, die vor allem um zwei Fragen kreisen: