27. Juli 2016

Sind wir schon wieder so weit ?

Der Gegensatz zwischen dem Lippenbekenntnis zur Meinungsfreiheit und der Schwierigkeit diese dann auch tatsächlich zu ertragen, ist schon früher einmal Thema in diesem Blog gewesen. Ein sehr markantes Beispiel hat sich in den vergangenen Tagen in NRW zugetragen. 

26. Juli 2016

Grundsätzliches (0): Über das Nichts - und die Lust daran

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde.
Lesern dieses Blogs braucht man nicht zu sagen, dass dieses Zitat aus Johann Wolfgang von Goethes Faust - dem "Schicksalsbuch der Deutschen" (Meister Petz, Faust, Mephisto, Beelzebub, Zettels Raum vom 11.03.2016) stammt.

25. Juli 2016

Die Schutzlosigkeit

Ebenso wie das Ritual der Sprechblasen, dass nach jedem mehr oder minder erfolgreichen Anschlag im Bätterwalt aufgeführt wird, gibt es auch ein Ritual, dass sich unweigerlich nach jedem Anschlag oder Verbrechen durch die deutschen Talkshows zieht: Die Frage danach, wie man das "in Zukunft" verhindern kann.

Ein Mann kann eine Millionenstadt lahmlegen?

- Für die Toten in München -

Am Hauptbahnhof, am Stachus, am Marienplatz, am Isartor und vor der Abendzeitung hörten Menschen Schüsse, die gar nicht fielen. Es gab dort Verletzte, aber nur, weil Menschen panisch in Panik davonstürzten. Leute hörten auch den Ruf, den es nicht gab: „Allahu akbar!“

Herz und Hirn riefen „Panik akbar.“

23. Juli 2016

Zum mutmaßlichen* Amoklauf von München

Einschließlich des Täters sind gestern in München 10 Menschen ums Leben gekommen; 16 weitere wurden verletzt. Mir scheint angemessen, an diesem Punkt kurz innezuhalten. Neun Menschen, deren Lebenslauf jäh endete, ohne ihr Zutun. Menschen, die gestern Morgen wie Sie und ich aufgestanden und ihren täglichen Verrichtungen nachgegangen sind. 10 Menschen, deren Angehörige wohl nie wieder in die gewohnten Lebenskreise zurückfinden werden, denen sie gestern entrissen worden sind, und die noch versuchen werden, das geschehene zu bewältigen lange nachdem die mediale (und Blogger-) Karawane weitergezogen sein wird. 

20. Juli 2016

Die Re-Stigmatisierung psychisch Kranker

Es darf wohl als eine der großen Aufklärungsleistungen freiheitlicher Gesellschaften gelten, daß Menschen mit psychischen Störungen in den letzten Jahrzehnten aus der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Ächtung haben heraustreten können. Ein breit gefächertes, professionelles Behandlungsangebot steht Menschen zu Verfügung, die in anderen Gesellschaften bis heute ein randständiges Dasein fristen. Daß es im Gegenzug in den letzten Jahrzehnten manche Tendenz zu einer „Überpsychologisierung“ und -pathologisierung des Alltags gekommen ist, mag man als kritisierbare Nebenwirkung einer insgesamt positiven Entwicklung sehen.

17. Juli 2016

Zwei Urteile

Richterschelte hat immer etwas billiges, weil natürlich der komplette Sachverhalt einer Tat, die Komplexität des Rechtes wie auch die Erwägungen, die ein Richter durchführt, sich kaum in dem einfachen Zahlenwertes eines Urteils ausdrücken können. Urteile, die auf den ersten Blick zumindest etwas Stirnrunzeln verursachen, sind bei näherer Betrachtung der Fakten oftmals vielleicht nicht perfekt verständlich, aber dann doch zumindest so weit in der Bewertung verschoben, dass man nicht mehr mit beiden Augen seltsam dreinschaut. Dennoch müssen alle Urteile natürlich irgenwie in einer Konstellation zusammen liegen, bzw. untereinander eine gewisse Konsistenz haben.

15. Juli 2016

Das Ritual

"Wir müssen alle zusammenhalten und dürfen uns durch solche Abscheulichkeiten nicht voneinander entfernen."

"Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun."

"Wir müssen jetzt zusammenstehen und dürfen uns nicht vom Terror einschüchtern lassen."

"In diesem Moment sind wir alle Franzosen."

"Ein irrer Einzeltäter."

"Versagen der Behörden und Geheimdienste."

"Müssen jetzt verhindern, dass Fremdenfeinde die Stimmung für sich ausnutzen."

"EU plant bessere Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung."

"Parallelen zum nahen Osten drängen sich auf."

"Polizei und Geheimdienste haben keine Antwort auf diese neue Bedrohung."

"Die Maß Bier auf dem Oktoberfest wird schon wieder teurer."­

Llarian

© Llarian. Für Kommentare bitte hier klicken.

14. Juli 2016

Der Rechtsstaat schafft sich ab

Die Vorstellung, daß ein einfacher Ladendieb, der auf frischer Tat ertappt worden ist, eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen müßte, ist absurd. Die Straftat ist bereits erfolgt, die Beweislage klar. Eine solche Hausdurchsuchung wäre völlig unverhältnismäßig, da sie erwartbar nicht zu einer weiteren Erhellung des Sachverhaltes beitrüge.
Gestern erfolgten bundesweit Hausdurchsuchungen gegen 60 Verfasser sogenannter Haßpostings.  Die medial kolportierten Äußerungen sind höchstwahrscheinlich in der Tat justiziabel, und der Rechtsstaat tut gut daran, z. B. Anstiftungen zu Straftaten im Rahmen seiner rechtsstaatlichen Möglichkeiten zu verfolgen. 

13. Juli 2016

Ein Mittsommernachtstraum: "Die Morgentür"



"Öreland: Dies hab ich am 22.3. gegen Morgen get(bäh! wird gerade getrennt!)räumt: kein Wort verstellt. [...] Nochmals: dies ist ein wörtlicher Traumbericht vom 22. März 1946." - Arno Schmidt, Brand's Haide (Reinbek b. Hamburg, Rowohlt, 1951, S. 20 u. 22)

Und dies ist das exakte Protokoll eines Traums, den der Endunterzeichnete am Morgen des 10. Juli 2016, sozusagen in Echtzeit, zwischen 07 Uhr 30 und 07 Uhr 40, im virtuellen Bereich des nächtlichen Kopfkinos betrachten durfte. "Nächtlich" trotz der sonntäglich vorgerückten Morgenstunde; da die "fünf Pforten der Sinne", wie Sir Thomas Browne sie genannt hat, noch geschlossen waren & die Bühne der Wahrnehmung von den Truppen bespielt wurden, die, gemäß der antiken Auffassung, aus den Toren aus Horn oder Elfenbein entweichen - 

Sunt geminae somnī portae, quārum altera fertur
cornea, quā vērīs facilis datur exitus umbrīs,
altera candentī perfecta nitēns elephantō,
sed falsa ad caelum mittunt īnsomnia Mānēs.
Hīs ibi tum nātum Anchīsēs ūnāque Sibyllam
prōsequitur dictīs portāque ēmittit eburnā,
ille viam secat ad nāvīs sociōsque revīsit. 
(Vergil, Aeneis, Buch 6, 893-98)

10. Juli 2016

Vom Fin de Siècle, dem Zauberberg und Putins Eiern

Geschichte wiederholt sich nicht, sagt man, und vermutlich haben die Historiker damit recht. Auch ist es wohl schwierig, die Gegenwart mit gleichsam historisch-distanzierten Augen zu betrachten, um Parallelen zu vergangenen Epochen entdecken zu können. Zur Kennzeichnung der  europäischen Gegenwart wird in letzter Zeit öfters das Bild des Historikers Christopher Clark bemüht, der den Ausbruch des ersten Weltkriegs als Ergebnis eines kollektiven Schlafwandelns der europäischen Regierungen, mit ihren komplexen Bündnisstrukturen und ethnischen Konflikten, beschrieben hat. Das mag zutreffen, aber ich glaube, daß die Ereignisse von 1914 nicht zu begreifen sind ohne Betrachtung von etwas, das man vielleicht das kollektive Stimmungsbild jener Zeit nennen könnte. Zur Kennzeichnung dieser Stimmung und einer ihr entspringenden künstlerischen Strömung hat man den Begriff des Fin de Siècle geprägt, jene charakteristische Mischung aus Dekadenz, Endzeitstimmung und Überdruß, die zu einer Geringschätzung und Abkehr von den politisch-gesellschaftlichen Strukturen jener Zeit geführt haben. „Das alte“ sollte zerschlagen werden, damit „neues“ daraus erwachsen könne; der große, reinigende Hammerschlag, der überkommene gesellschaftliche Strukturen beseitigen sollte, erschien vielen nicht als Bedrohung sondern als Verheißung. 

9. Juli 2016

Marginalie: Die Angst vor dem Wort

Nach den Morden von Dallas am vergangenen Freitag kommen so langsam die ersten Erkenntnisse über Hintergründe und Ablauf ans Tageslicht. Nach derzeitigem Stand handelte es sich um einen Einzeltäter, der gezielt versucht hat möglichst viele weisse Polizisten zu ermorden. Bei fünf Opfern ist ihm das gelungen bis er selber von der Polizei getötet wurde.

Rechtsstaat und Vernuft. Ein Gedankensplitter.

Stellen Sie sich folgende Situation vor, lieber Leser, und achten Sie auf jedes Details: In einem Wohngebiet, irgendwo in Deutschland, kommt es zu einem Überfall. Der Täter verletzt sein Opfer schwer, hinterlässt aber unfreiwillig ein paar Tropfen Blut. Das Opfer hat das Gesicht nicht gesehen, konnte aber eine blonde Haarfarbe erkennen. Das Wohngebiet wird abgesperrt und durchsucht. Mit Einwohnern werden in dem betreffenden Wohngebiet etwa 2000 Personen gezählt. Die Staatsanwaltschaft entscheidet sich zu einem Massengentest und bittet alle blonden, männlichen Bewohner des Gebietes zwischen 15 und 65 Jahren zum Gentest, das sind in diesem Fall 200 Männer (und Jugendliche). 

6. Juli 2016

Prankenhieb: Huhu, AfD-Wähler in Brandenburg! Aufwachen!

Liebe AfD-Wähler in Brandenburg,

in letzter Zeit wurde ich oft darauf hingewiesen, dass ich euch fürchterlich unrecht getan habe. 

Dass es euch ja gar nicht nur um so Themen wie Zuwanderung, Putinverehrung und Merkelbeseitigung geht. Sondern z.B. auch um direkte Demokratie! Jawoll! Gebt dem verratenen Volk die Souveränität zurück! Außerdem habe ich gelesen, Eure Partei ist die Anti-Grüne Bewegung! Wird ja auch Zeit, dass die linksgrünversifften Blockparteien mit ihrer Energiewende endlich aufhören. 

Dafür habt ihr in Brandenburg einen sehr rührigen energiepolitischen Sprecher namens Sven Schröder. Der ist sich nicht mal zu schade, gemeinsam mit einer Saskia Ludwig von einer Altpartei (muss sich wohl verlaufen haben, da linksgrünversiffter Konsens), ja sogar der Partei von Frau Merkel (muss weg) in Potsdam aufzutreten, um für ein Volksbegehren für höhere Abstände von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung zu werben. Geht dieses durch, können die da oben die meisten neu geplanten Windkraftanlagen in die Tonne kloppen. Gut für den Braunkohlestandort Brandenburg!

4. Juli 2016

Die Atomverschwörung (3): Gesamtgesellschaftlicher Konsens

Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) sagte, sie sehe die Entscheidung als Bestätigung des gesamtgesellschaftlichen Konsenses über den Atomausstieg. "Am Atomausstieg wird nicht gerüttelt - spätestens 2022 geht der letzte Reaktor vom Netz." Der Rückbau der Kernkraftwerke sei nun eine der größten umweltpolitischen Aufgaben. "Der Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität - sowohl beim Betrieb der Kernkraftwerke als auch beim Rückbau. Es gibt bis zum letzten Tag keinen Sicherheitsrabatt."
Quelle

Im Gegensatz zu den Linkspopulisten Natascha Kohnen (SPD) und Ludwig Hartmann (Grüne), die in der E.on-Klage in gewohnter Manier lediglich einen Versuch sehen, die Steuerzahler zu melken, gab sich die Umweltministerin Scharf deutlich staatstragender: Nicht um den schnöden Mammon ging es ihr, sondern um den Schutz der Bevölkerung und den gesamtgesellschaftlichen Konsens. 

2. Juli 2016

Mal wieder zur Dummheit. Und zum Brexit.

Vor gut 3 Jahren habe ich in Zettels Raum einen Gastbeitrag zum Recht auf Dummheit veröffentlicht (einer meiner besseren Artikel). Aufhänger ist zwar die damalige Gesetzesvorlage zu Schockbildern auf Zigarettenpackungen (auch eine EU Idee) gewesen, aber der zentrale Inhalt beschäftigte sich mit der Idee, dass man sehr vorsichtig damit sein sollte, anderer Verhalten als dumm oder klug zu bezeichnen und noch vorsichtiger Andere an der vermeintlichen Dummheit hindern zu wollen. Und ich kann mich auch erinnern, dass dieser These ziemlich breitflächig zugestimmt worden ist.
Umso erstaunlicher ist es (zumindest in meiner Wahrnehmung), wie selbstverständlich, auch im kleinen Zimmer, das Mantra gehämmert wird, der Brexit sei unvernünftig und eine verantwortungsvolle Regierung sei gut beraten auf die eine oder andere Art den Brexit entweder nicht durchzuführen oder zumindest so lange zu verzögern, bis man noch die eine oder andere Abstimmung ansetzen könne, um die Entscheidung zu revidieren.

1. Juli 2016

Das zweite Elfmeterschießen um die Hofburg

Die vorübergehende Atempause, von der andernorts in diesem Blog in Bezug auf die bewegten politischen Gewässer Österreichs die Rede war, hat sich als sehr kurz erwiesen: Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat heute sein Erkenntnis verkündet, dem zufolge die Stichwahl zum österreichischen Bundespräsidenten im gesamten Bundesgebiet wiederholt werden muss.

29. Juni 2016

Aus der Schwalbenperspektive (10): Lob des Party-Patriotismus. Eine Provokation

Dem überkommenen Klischee gemäß ist der durchschnittliche deutsche Fußballfan männlich, weiß und - zurückhaltend formuliert - nicht gerade der raffinierteste aller Schöngeister. Genau der Typ also, der bei der Weltmeisterschaft 2010 die bunte südafrikanische Tradition des Vuvuzela-Blasens als nervtötend empfand. Lassen wir hier mal großzügig außer Acht, dass die akustische Umweltbeeinträchtigung mittels Trötenkakophonie am Kap der guten Hoffnung ein rezentes Phänomen ist. Außerokzidentale Usancen sind in der maasgerechten Welt unabhängig von ihrem Alter keiner Kritik zugänglich.

28. Juni 2016

Eklatante Verachtung der Demokratie

Zugegeben: Von der deutschen Presse erwartet man nicht mehr allzuviel. Wenn es um die "richtige Sache" geht, dann sind journalistische Prinzipien zweitrangig, wenn nicht gleich total unwichtig. Grundsätze wie Neutralität, kritisches Nachfragen, Recherche oder Reflektion sind sicher nett, wenn man über Rudolph Sharpings Urlaub schreibt, sollten aber nicht im Weg stehen, wenn man gewichtige Forderungen erheben will. 

27. Juni 2016

Antisemitische "Querfront(en)"

Dieser Tage kommt mir öfters dieses Gedicht von Ernst Jandl in den Sinn:
lechts und rinks
kann man nicht
velwechsern
werch ein illtum!  
Wolfgang Gedeon, Arzt, ehemaliger bekennender Marxist und, so seine Selbstbeschreibung laut Wikipedia, als junger Mann „praktizierender Kommunist“ ist heute dem rechten AfD-Flügel zuzurechnen, und hat ein offensichtliches Problem mit dem Judentum, sowie der moderate Jörg Meuthen wiederum ein Problem mit ihm. Von ganz links nach weit rechts; der Weg scheint nur auf den ersten Blick ein weiter zu sein. Der mehrfach vorbestrafte Holocaustleugner Horst Mahler (NPD), von Gedeon gelegentlich empathisch als „Dissident“ bezeichnet, war Gründungsmitglied der Rote Armee Fraktion. Gemeinsame Klammer der Extremen war und blieb der Antisemitismus. Der Weg von ganz links nach ganz rechts; er bedeutet am Ende wohl nur ein paar begriffliche Korrekturen; statt der "Juden" sind es dann die "Zionisten"; dergleichen. 

26. Juni 2016

Das hässliche Gesicht von Europa

Den bisher intelligentesten Satz zum Brexit hat Donald Tusk vorgestern von sich gegeben: Man solle jetzt nicht hysterisch werden. Eigentlich ein sehr vernünftiger Satz, der nach kurzem Nachdenken gar nicht unbedingt zu seinem Urheber passen möchte, nichtsdestotrotz wäre er sicher eine gute Leitlinie für den Tag gewesen. Nur wäre es eben auch nicht genau jene EU, die die Briten nun gerne verlassen würden, wenn sie der Vernunft ein besonderes Vorrecht einräumen würde. Eher im Gegenteil muss man den Eindruck bekommen, dass vorgestern ein inoffizieller Wettbewerb abgelaufen ist, wer sich am schrillsten zum Thema zu äussern wusste.

25. Juni 2016

Das unentdeckte Land oder: Präzedenzfall Brexit?

„We’re out“, titelte der Internet-Auftritt der Daily Mail bereits vor Beendigung des Auszählvorganges zum Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union. Ungeachtet des nun vorliegenden Endergebnisses und der in den Medien teilweise verbreiteten Weltuntergangsstimmung ist diese Aussage natürlich grundfalsch. Der Inselstaat ist nach wie vor Mitglied des supranationalen Verbundes und wird das auch noch einige Zeit bleiben.

24. Juni 2016

Der "Brexit" -aus deutscher Sicht kein Grund zur Freude

Nun ist er also da, der „Brexit“, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, mit einem Ergebnis von 51,9% der abgegebenen Stimmen zugunsten der Befürworter. Allein, ist dies ein Grund zu Freude aus deutscher Sicht? Vermutlich eher nicht. Abseits von dem vielleicht befriedigendem Gefühl, daß man es der abgehobenen  Brüsseler Bürokratenkaste mal so richtig gezeigt hat, erscheinen zwei Szenarien für die Zukunft Deutschlands in der EU möglich. Die weniger wahrscheinliche: der Brexit ist der Beginn eines langfristigen Erosionsprozesses, an dessen Ende eine weitgehende oder komplette Rückabwicklung der EU steht. Diese wiederum kann geordnet oder chaotisch erfolgen, wobei zumindest letzteres nicht wünschenswert erscheint.

22. Juni 2016

Die Lust am Bösen, das Paradies der Verbote

Ein Racheakt aus Verzweiflung, der das Scheitern in Beruf oder Liebe kompensiert, oder aus politischer Verblendung, auch der krankheitsbedingte Tötungsakt eines Einzeltäters liefern wenig Einsicht zum Verstehen des falschen Lebens einer ganzen Gesellschaft. Man kann dagegen auch keine Mauern bauen wie dort, wo sie nicht nur in die Höhe, sondern wegen der Tunnel auch noch 20 Meter in die Tiefe zu bauen sind. Der Selbstmord-Attentäter, der mit einer spektakulären Tat seinem glanzlosen Leben einen Wert geben will, ist eine Ausnahme. Der „wertkonservative Rebell“, der eine Politikerin tötet, deckt schon mehr auf, dass das Böse die Regel wäre, wenn es keine Richter und Gefängnisse gäbe.

19. Juni 2016

Fünf Jahre Energiewende. Zwischenbilanz zu einem deutschen Alptraum

Am 30. Juni  um 12.18 Uhr jährt sich der Bundestagsbeschluß zu „Atomausstieg und Energiewende“ zum fünften Mal. Fünf Jahre, das ist nach gängigem Sprachgebrauch der Zeitraum, nach dem „mittelfristig“ in „langfristig“ übergeht; es handelte sich um den endgültigen Sieg jener Bewegung, die unfreiwillig ironisch einen gigantischen thermonuklearen Fusionsreaktor, unsere Sonne, in ihrem Zeichen trägt. Aus der Trittinschen Kugel Eis, die die Energiewende einen durchschnittlichen Haushalt monatlich kosten sollte, sind bis August 2015 bereits jährlich 250 Kugeln geworden; immerhin hat sich Herr Trittin somit auf den Monat und einen Durchschnittshaushalt gerechnet um den Faktor 23 verschätzt. Dabei sind die Kosten durch verteuerte Produkte, Investitionszurückhaltungen von Unternehmen oder das Abwandern ganzer Industrien nicht berücksichtigt. Ein Ende der Kostensteigerungen für Bürger und Industrie ist indes nicht abzusehen.