4.8.15

Meckerecke: Die PRD

Das sogenannte System Merkel wird ja vorrangig dadurch charakterisiert, dass die Kanzlerin sich "vom Volk entfernt", "unserem Ansehen Schaden zufügt" (hauptsächlich in einer bestimmten Mittelmeerrepublik) usw., vor allem aber, dass sie bevorzugt gar nichts tut oder erst dann, wenn die Sache schon gelaufen ist. 

Für Angela Merkel mag letzteres in gewisser Hinsicht sogar zutreffen. Und ich habe den Verdacht, dass das der Grund dafür ist, warum sie der Großteil des medial-politischen Berlins nicht leiden kann. Weil sie nicht über jedes Stöckchen springt, das ihr hingehalten wird. Und wenn sie es in der Vergangenheit getan hat, hat sie in der Regel daraus gelernt. Jedenfalls hat man seit dem Atomausstieg keine energiepolitische Äußerung mehr von ihr gehört - da lässt sie lieber den Kollegen Gabriel mit schöner Regelmäßigkeit ins offene Messer rennen, genauer gesagt in den offenen Hirschfänger aus München.

Ähnliches gilt noch für Schäuble, der einfach sein Ding durchzieht, ob es irgendwem passt oder nicht.

Ansonsten gleicht das politische Berlin, das in einer nie da gewesen Symbiose mit dem journalistischen Berlin lebt, einem aufgescheuchten Hühnerhaufen, das vor nichts mehr Angst zu haben scheint als vor dem Shitstorm, den irgendein Redaktionspraktikant lostritt und von seinen genauso unbedeutenden Followern geteilt wird.

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30.7.15

Hitzewellenlektüre: Heinrich Nowak, "Die Sonnenseuche"

Obwohl der turnusgemäß zu den Großen Ferien ausgebrochene Sommer sich mittlerweile etwas verkühlt hat - kein Wunder bei der feuchten Witterung und Mittagstemperaturen von 15° C - und "Rekordwerte" von mehr als 40 Grad wie am 5. Juli vorerst Schnee von gestern sind (zu diesem "Temperaturrekord" sh. diesen Beitrag auf dem Blog des Europäischen Zentrums für Klima und Energie [EIKE]) - oder vielleicht gerade als Kontrastprogramm dazu - bietet sich der Blick in einen literarischen Text an, der den Sommer in Höchstpotenz nicht nur als Hintergrund des Geschehens, als lähmende, glühende Kulisse einer stauberstickten Metropole wie beispielsweise das mörderische Kammerdramaspiel von Alfred Hitchocks "Rope" von 1948, Albert Camus' "L'Entranger" oder das phantasmagorische Kalkutta in Dan Simmons erstem Roman "Song of Kali" (1985) hat, sondern dessen einziger Fokus auf der Präsentation der blendenden, erblindenden Hitze liegt. Und der vor genau* 100 Jahren erschien.
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19.7.15

Und sie rufen nicht mal morgens an und sagen Danke dafür. Ein Gedankensplitter zu Anspruch und Dankbarkeit.


In einem heute fast vergessenen Film fällt das obige Zitat: Und sie rufen nicht mal morgens an und sagen Danke. Gemeint in diesem Kontext ist die Regierung der vereinigten Staaten, die eine Menge Geld – Steuergeld – für einen fragwürdigen Zweck ausgibt. Eine solche Regierung hat die Bundesrepublik ebenso. Und Narrhallamarsch, es ist eine Menge Geld. 
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17.7.15

Die Dicke singt nicht

"It ain't over till the fat lady sings" wird gerne einmal zitiert, wenn eine Sache sich lange hinzieht und jemand die Hoffnung äußert, nun wäre es aber gleich vorbei. Mit der dicken Dame ist wahrscheinlich die stimmgewaltige Walküre gemeint, deren Einsatz bei Wagner den Weltuntergang ankündigt. Mit dem Weltuntergang ist die Oper dann auch zuverlässig aus. Und egal wie gut der Zuschauer die Oper anfangs vielleicht fand - irgendwann hat er doch genug und wartet ungeduldig auf die dicke Dame.

Das gilt um so mehr bei Vorführungen, die man schon von Anfang an nicht wirklich gut fand. Z. B. die Griechenlandkrise.
Immer noch ein Krisengipfel, immer noch eine letzte Frist, eine allerletzte Nachverhandlung, immer wieder Bedingungen, immer wieder Zahlungen - und dann wieder ein Krisengipfel mit Sitzungsende spät in der Nacht.
Begleitend dann eine Kakophonie von Meinungsäußerungen, von Politikern, "Experten" und Kommentatoren. Man kann gar nicht so unwichtig sein, daß man mit einer schrägen Position nicht eine Tickermeldung spendiert bekommen würde.

Nein, keine schöne Show. Und der Wunsch wächst, daß endlich der Auftritt der Dicken kommen würde. Egal ob dann der Weltuntergang kommt, oder der Grexit, oder der Banken-Crash, oder der Zusammenbruch der Demokratie, oder die völlige Entwertung des Geldes, oder, oder, oder ...
An Katastrophenszenarien wäre kein Mangel. Wenn nur endlich die Schlußarie käme.

Aber die Dicke singt nicht.
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16.7.15

Gedanken zum Kulturpessimismus. Ein Gastbeitrag von nachdenken_schmerzt_nicht


Wenn man sich fragt, was Kulturpessimismus ist, und ob er angebracht sei, sollte man ihn auf keinen Fall mit einem allgemeinen „Zukunftspessimismus“ verwechseln. Diese Forderung nach einer Unterscheidung mag zunächst verwunderlich erscheinen, weil doch beide Formen der negativen Erwartungshaltung auf das Gleiche hinauslaufen: Eine düstere Zukunft.

Der Unterschied liegt allerdings in der jeweiligen Begründung, warum man eine düstere Zukunft zu erwarten hat, und in welchem Rahmen sich diese auswirkt.

Der Zukunftspessimist erwartet allgemein nur das Schlechteste vom Menschen: Der Mensch ist ein hoffnungsloser Egoist, zerstört seine Umwelt, beutet seine Mitmenschen aus, ist nur auf seinen Vorteil bedacht und nimmt das Leid anderer bei vollem Bewusstsein für einen eigenen Vorteil billigend in Kauf. Der Untergang des Menschen ist daher nur eine Frage der Zeit. Es ist das zeitgeistige, grüne Bild des „Virus Mensch“, welches unseren Planeten befallen hat, bis es schlussendlich seinen Wirt und damit auch sich selbst zerstört. Der Zukunftspessimist denkt global.

Der Kulturpessimist erwartet im Gegensatz dazu, dass sich lediglich die Bedingungen seines direkten gesellschaftlichen Umfelds nachteilig verändern, da die Generationen, die dieses prägen, sich nachteilig entwickeln.

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13.7.15

Miszelle: Ein Götterliebling

Es ist natürlich tragisch, keine Frage, wenn ein Mensch in einem Alter, in dem es niemand erwartet, noch bevor er "seine besten Jahre" erreicht hat, "plötzlich und unerwartet" stirbt, so wie man es heute in dieser Meldung auf "Spiegel Online" nachlesen kann:

Noch vor wenigen Tagen saß Philipp Mißfelder im CNN-Studio in London. Der Außenpolitiker der Unionsfraktion gab der Starreporterin des US-Senders, Christiane Amanpour, ein Interview. Es ging um die Lage in Griechenland, um die Politik der Kanzlerin. Mißfelder sprach Englisch, er wirkte ruhig und gelassen. Er machte seine Sache gut.


In der Nacht von Sonntag auf Montag ist der 35-Jährige völlig überraschend gestorben. Eine Lungenembolie ist eine tückische Krankheit, die jeden treffen kann, in jedem Alter. Wer Glück hat, kann noch durch eine Infusion gerettet werden. Mißfelder hatte es nicht, obwohl er noch ins Krankenhaus gebracht wurde.

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12.7.15

Eine Bemerkung zu einer googlefreien Filterblase


­Vor ein paar Tagen ist ein Interview mit Frauke Petry in der Zeit erschienen. Von einer Menge inhaltlicher Fragezeichen abgesehen, fand dieser Autor eine Antwort als besonders hervorstechend, so hervorstechend, dass sich eine kurze Reflektion darüber anbietet. So antwortete sie auf eine Frage nach Mehrheitsfähigkeiten:
Wir haben mehr Stimmenpotenzial. Unser Ziel muss die eigene Mehrheit sein. 

(Zitat muss aus rechtlichen Gründen eingekürzt sein, um den ganzen Absatz nachzulesen, bitte hier klicken)
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9.7.15

„Wer bist du denn?“ Nora Gomringer

So fragt die Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises den Lektor und sich in ihrem Beitrag „Recherche“. Darin geht es um die Schuldfrage am Sturz eines dreizehnjährigen schwulen Jungen aus dem Fenster. Für die Polizei ein Unfall, für die recherchierende Dichterin ein Verbrechen. Sie will nicht nur das fünfstöckige Mehrfamilienhaus entlarven, sondern unsere ganze Gesellschaft.

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3.7.15

Sieben griechische Wahrheiten

Die Krise eskaliert wieder einmal, die üblichen Verdächtigen in Politik und Medien geben ihren Senf dazu und alle haben schon immer gewußt, wie man es hätte besser machen können.
Und es werden - wie seit Jahren - diverse Falschaussagen wiederholt.

Deswegen einige Klarstellungen:

1.) Die Milliardenkredite sind den Griechen zugute gekommen, nicht den Banken.

2.) Die griechische Regierung will etwas von der EU, nicht umgekehrt.

3.) Die Sparmaßnahmen seit 2010 haben nicht zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung geführt.

4.) Die Sparmaßnahmen seit 2010 sind nicht schuld an sozialen Problemen in Griechenland.

5.) Die EU respektiert die demokratischen Entscheidungen in Griechenland.

6.) Die Syriza-Regierung ist verantwortlich für die griechische Überschuldung.

7.) Eine Rückkehr zur Drachme würde Griechenland nichts bringen.

Im Detail:
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21.6.15

Marginalie: Die junge Union macht sich Gedanken ums Kinderkriegen


Eigentlich müsste diese Marginalie unter die Kategorie "Dummes, kurz kommentiert" fallen, aber da der Vorsitzende der jungen Union nur die Idee seiner ganzen Organisation weitergibt, passt das nur am Rande. Die Kategorie dumm würde es allerdings durchaus treffen.
Was also fordert die junge Union ? Sie fordert eine Kopfprämie von 1000 Euro für jedes neu geborene Kind. Und zahlen sollen das diejenigen, die halt keine Kinder haben. Tolle Idee. Vor allem da der Mechanismus in Deutschland ja bekanntlich seit Jahren so gut funktioniert, dass knapp 2000 Euro Kindergeld per annum ja dazu geführt haben, dass das Land -wow- schon knapp 1,4 Kinder pro Frau an Nachwuchs generiert.
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19.6.15

Bevor Europa zerbricht


Zum typischen Sprachgebrauch eines Europapolitikers dieser Tage gehört es unbedingt zu betonen, dass Griechenland in der Euro Zone bleiben muss, damit Europa nicht zerbricht. Es ist die gängige wie unterschwellige These, dass ein Ausscheiden von Griechenland aus der Eurozone gleichzeitig die Gefahr birgt, dass die europäische Einigung, ja die europäische Freundschraft generell, mit dem Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion bedroht ist, oder anders gesagt, dass die Freundschaft inzwischen vor allem durch eine gemeinsame Währung geprägt sein soll. 

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17.6.15

Deutscher Übersetzer tot: Jameson!

Der letzte noch lebende Mensch, der Harry Rowohlt nicht leiden konnte, hat sich in Person von Fritz J. Raddatz vor ein paar Monaten umgebracht. Damit ist sichergestellt, dass genügend nichtssagende Lobeshymnen (bevorzugt mit missglückten "Bären"-Wortspielen) über ihn im Umlauf sind.

So bleibt mir nur, ihm die Überschrift zu verehren, die er sich selbst (im großartigen Dialog mit Ralf Sotschek namens In-Schlucken-zwei-Spechte) für den Fall seines eventuellen Ablebens zugeschrieben hat.

Sláinte, Haeraidh!
 

­
Meister Petz

© Meister Petz. Titelvignette: Harry Rowohlt auf der Frankfurter Buchmesse 2003. Foto von Hans Weingartz, vom User Frau Olga unter CC-BY-SA-2.0-DE lizenziert. Für Kommentare bitte hier klicken.

13.6.15

Martin Buber starb am 13. Juni vor 50 Jahren

Er blieb, so scheint es mir, immer ein Sucher und hatte den chassidischen Glauben seines Großvaters im galizischen Lemberg durch das Studium der Aufklärung verloren. Ältere erinnern sich vielleicht noch an Radiovorträge, in denen das Wort vom heutigen Schweigen Gottes vorkam. Damals liefen auch alle in Ingmar Bergmans Film „Das Schweigen“. Und fand der jüdische Sucher etwas?

Buber (1878-1965) berichtet über seine Suche nach der Wahrheit: „In jüngeren Jahren war mir das ‚Religiöse‘ die Ausnahme. (…) Das ‚Religiöse‘ hob einen heraus. Drüben war nun die gewohnte Existenz mit ihren Geschäften, hier aber waltete Entrückung, Erleuchtung, Verzückung, zeitlos, folgelos.“ Das Ereignis eines schicksalshaften Besuchs eines jungen verzweifelten Menschen habe ihn bekehrt. Er habe dessen Fragen zwar beantwortet, aber es unterlassen, „die Fragen zu erraten, die er nicht stellte“ und von denen er später durch einen Freund erfuhr. „Seither habe ich jenes ‚Religiöse‘, das nichts als Ausnahme ist, Herausnahme, Ekstasis, aufgegeben oder es hat mich aufgegeben. Ich besitze nichts mehr als den Alltag. (…) Ich kenne keine Fülle mehr als die Fülle jeder sterblichen Stunde an Anspruch und Verantwortung. (…) Wenn das Religion ist, so ist sie einfach alles, das schlichte gelebte Alles in seiner Möglichkeit der Zwiesprache.“ ( Zwiesprache, Traktat vom dialogischen Leben, Heidelberg 1978, 31-33)

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30.5.15

Kinderverwahranstalt, Indoktrinationsinsel oder doch ein Ort zum Lernen ? Ein Gedankensplitter zur real existierenden Bildungsgerechtigkeit.


Der grosse Bildungskampf der siebziger Jahre ist inzwischen schon vielen nicht mehr vertraut, aber vor nicht ganz 40 Jahren tobte in Deutschland ein Grundsatzkampf um das zukünftige Schulsystem. In der sechziger Jahren konzeptionell aus der Taufe gehoben, versuchten diverse Politiker die Idee Gesamtschule in den siebziger Jahren als die einzige weiterführende Mittelschule durchzusetzen. 
Man kann sich die Größe dieses Kulturkampfes vorstellen, wenn man bedenkt, dass damals 3,6 Millionen Unterschriften zusammengebracht wurden (in einer Zeit vor dem Internet), um den Beschluss der damaligen NRW Regierung umzuwerfen, die Gesamtschulen als einzige Mittelschule einzuführen. Der Versuch ist gescheitert und seitdem dümpelt die Gesamtschule neben den anderen Schulformen her, in einigen Bundesländern dominanter, in anderen weniger dominant.

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29.5.15

Die Sonne scheint

Fußball-Fangesänge müssen nicht literarisch anspruchsvoll sein. Und wenn in Darmstadt die Fans ihr Lieblingslied anstimmen kann auch die große Begeisterung nicht verdecken, daß die meisten nur den Refrain wirklich können.
Aber egal wie das Wetter auch sein mag - derzeit scheint die Sonne über dem Sensationsaufsteiger. Ein echtes Fußballmärchen, wie die "Lilien" von der vierten in die erste Bundesliga aufgerückt sind.

Ebenfalls unabhängig vom realen Wetter läßt der Sonnenschein für manche Fußball-Funktionäre etwas weiter südlich zu wünschen übrig. Anstatt feudal im Baur au Lac zu residieren und den FIFA-Paten erneut zu inthronisieren, müssen sie wegen Korruptionsvorwürfen in eidgenössischen Gefängniszellen trauern.

Ein spannender Kontrast.

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28.5.15

"Die Caine war sein Schicksal" - Herman Wouk zum 100.

Wenn man die Literatur, zumindest die erzählende, die sich direkt mit der Erfahrung des Krieges auseinandersetzt, überfliegt, fällt auf, daß viele dieser Romane das übrige Werk ihres Autors überschatten, wenn sie nicht sogar das einzige Buch des Verfassers geblieben sind. Für Werke, die aus dem Abstand von einer oder zwei Generationen als umfangreiche tour d'horizon entstanden sind und den Gesamtverlauf des Konflikts, mit dem sie befasst sind, abschildern, gilt das nicht: Tolstois "Krieg und Frieden" oder auch Fontanes "Vor dem Sturm", die beide den zentralen Bruch der napoleonischen Kriege ins Auge fassen, sind nicht als Solitär im Œuvre ihrer Verfasser verblieben. Die Ausnahme bildet hier Margaret Mitchells "Gone with the Wind" von 1936, der nach dem Muster Tolstois den amerikanischen Bürgerkrieg als die Erfahrung zu schildern versucht, aus dem das Geschichtsbewußtsein des modernen Amerika hervorgegangen ist. (Daß das Ergebnis in diesem Fall zudem eine abstandslose Verklärung der Antebellum-Epoche der amerikanischen Südstaaten war und das Panorama mit dem breiten Weichzeichnerpinsel des sentimentalen Bestsellermodus ausgeführt wurde, hat dem Buch nicht eben gutgetan.) 





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22.5.15

Verkehr 2025 (Nachtrag)

Manchmal läuft technischer Fortschritt nicht nur schneller, sondern vor allem völlig anders als man vorher dachte.

Wenn sich das so wie beschrieben bestätigt, dann wäre autonomes Fahren schon dieses Jahr (!) serienreif möglich.
Vorerst mit einem eingeschränkten Funktionsumfang, aber schon in wenigen Jahren soll dann weitgehend autonomes Fahren möglich sein. "Weitgehend", weil immer noch für den Notfall ein einsatzbereiter und fahrtüchtiger Mensch gebraucht wird:
Im Durchschnitt trifft die Software einmal alle 400.000 Kilometer auf eine unbekannte Situation und übergibt dann dem Fahrer die Kontrolle.

Damit wären dann noch nicht alle der in meiner Artikelserie beschriebenen gesellschaftlichen Veränderungen möglich, aber das wäre dann wohl nur noch eine Frage der weiteren Entwicklung. Die trotzdem deutlich schneller kommen wird als bisher absehbar.

Bemerkenswert finde ich den komplett anderen Ansatz gegenüber Google und anderen "konventionellen" Forschungsansätzen. Das ist wirklich innovativ.

R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

11.5.15

Meckerecke: Der beleidigte Böhrnsen

Man wählt und wählt, doch was man kriegt, das weiß man nicht.

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9.5.15

Das deutsche Ideal

"Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehn. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen."

So lautet ein - tatsächlich belegtes - Zitat von Kurt Tucholsky. Die alte Aphorismenschleuder Tucholsky ist ein Phänomen in der deutschen Geisteswelt, weil er ständig zitiert (oft mit Sätzen, die er nie gesagt hat), aber kaum gelesen wird. Macht nix - es genügt zu wissen, dass Tucholsky ein großer Satiriker (aufgeregtes Schnipsen in der ersten Reihe: "Darf alles!") war und deshalb für die Königsdisziplin, ja die einzige überhaupt mögliche Disziplin deutschen Humors steht. 
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8.5.15

Zitat des Tages: Das kurze Gedächtnis des Jakob Augstein

Weselsky und seine Lokführer machen von ihrem Streikrecht Gebrauch. Bislang hat kein Arbeitsgericht sie aufgehalten. Wann wurde zuletzt jemand, der von seinem Recht Gebrauch macht, zum Gegenstand so einhelliger Verachtung wie dieser Mann? (Jakob Augstein, SPON vom 08.05.) 

­Diese Frage ist ganz leicht zu beantworten: Vor ungefähr dreieinhalb Monaten, an gleicher Stelle.

Da schimpfte Augstein nicht nur über die Pegida-Anhänger, sondern vor allem über jene in Politik und Medien, die sie nicht zum Gegenstand einhelliger Verachtung gemacht haben.

Nun ist es nicht das Thema, dass Augstein die einen unterstützt und die anderen ablehnt (zur Hälfte stimme ich ja mit ihm überein). Sondern dass er das Streikrecht als Argument anführt, warum die Lokführer nicht kritisiert werden sollen:
Vor Jahren haben die meisten Lokführer ihren Beamtenstatus verloren. Nun sollen sie - de facto - ihres Streikrechts beraubt werden. Das ist die höchste Vollendung der Privatisierung. Es geht dabei nicht nur um die Lokführer. Der Wirtschaftsflügel der CDU möchte die Gelegenheit nutzen, das Streikrecht grundsätzlich einzuschränken. Im Bereich der "Daseinsvorsorge" sollen strengere Regeln gelten. Das kann man weit fassen: Verkehr in der Luft und auf dem Land, Erziehung, was noch? Heute trifft es die Lokomotivführer. Morgen Lehrer und Erzieher. Und übermorgen?
­Abgesehen davon, dass diese Untergangsrhetorik durchaus an Pegida unter umgekehrten Vorzeichen erinnert und einige Ungereimtheiten enthält (als ob Lokführer als Beamte überhaupt ein Streikrecht gehabt hätten oder es mit einer einheitlichen Tarifgemeinschaft keine Mitbestimmung mehr gäbe): Es gibt noch eine andere Parallele.

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5.5.15

Quo vadis, Blogosphäre?

Über das Wochenende war es etwas ruhiger im kleinen Zimmer. Denn diverse Autoren und Forumsteilnehmer waren in Bamberg beim "Liberalen 1. Mai" der Blogger-Kollegen vom Antibürokratie-Team.

Ein schönes Treffen, ein schönes Programm:
Freitag abend die Gründung des Hayek-Clubs Bamberg mit Einführung von Günter Ederer und einem Vortrag von Sascha Tamm zur liberalen Sozialpolitik.
Samstags eine Stadtführung mit Schwerpunkt "Hexenverfolgung" - dieses Thema werde ich bei Gelegenheit hier vertiefen. Nachmittags dann zwei sehr gute Vorträge von Christian Hofmann ("Lügenpresse? Wahrheitsblogger?") und Igor Ryvkin ("Liberalismus und Libertarismus in Rußland"). Und noch einer zur Währungspolitik, bei dem ich mal "nil nisi bene" anwende.
Abends eine Podiumsdiskussion mit Frank Schäffler, dem bayrischen FDP-Vize Körber und dem Politikwissenschaftler Saalfeld aus Bamberg zum aktuellen Stand der Schuldenkrise.
Und am Sonntag dann einen leckeren Brunch mit einer Diskussion zwischen dem Öko-Autor Michael Miersch und einem Ex-Bio-Landwirt.

Wichtiger als das offizielle Programm waren aber die persönlichen Gespräche mit Kollegen aus der deutschen Blogger-Szene.
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30.4.15

Literarisches Neuland

Deutschland hat so seine Schwierigkeiten mit Innovationen. Jedenfalls das aktuelle Deutschland, früher galt die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Entwicklungen als eine Hauptstärke unseres Landes.
Ein Beispiel, an dem sich die Überforderung der Verantwortlichen (oder sich verantwortlich Fühlenden) immer wieder zeigt, ist der Umgang mit "E-Books". Sind das jetzt "richtige" Bücher?

Sind sie, meinen die Verbraucherschutzorganisationen (die sich völlig unabhängig von Sachkenntnis immer gerne verantwortlich fühlen). Und fordern von den Verlagen, daß man "E-Books" genauso weiterverkaufen können sollte wie gedruckte Bücher.
Vor Gericht sind sie damit wieder einmal gescheitert. Die deutsche Justiz scheint also technisch schon etwas weiter zu sein als die Streitparteien. Denn ein "Weiterverkauf" ist bei einer Datei eigentlich kaum möglich. Die wird kopiert, und ist dann beim "Verkäufer" immer noch vorhanden. Selbst wenn er sie - eine eher unrealistische Annahme - nach dem "Verkauf" ordentlich löscht: In seinen Datensicherungen ist sie natürlich immer noch vorhanden.
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24.4.15

Wahl im UK: Die Last der Vergangenheit

Großbritannien ist das Land der Traditionen - und die politischen machen einen nicht geringen Teil davon aus. Wo sonst sitzt der Sprecher einer Parlamentskammer nicht auf einem nach neuesten Ergonomierichtlinien konstruierten Bürostuhl, sondern auf einer ca. 650 Jahre alten Matratze? Auch die beiden großen Parteien, die Tories und die Labour Party können auf eine lange Tradition zurückblicken. Vor dem Hintergrund der anstehenden Wahl zum House of Commons zeigt sich aber, dass sie sich beide im Umbruch befinden. 

Der Wahlkampf für die general election im Vereinigten Königreich am 7. Mai geht in die heiße Endphase. Nach den aktuellen Umfragen steht ein Kopf-an-Kopf-Rennen an. 

Wieso es überhaupt so knapp wird, mag man sich fragen - sitzt doch die aktuelle Koalitionsregierung alles andere als fest im Sattel. Cameron schlingert in der Europa-Frage, und vor allem Juniorpartner Nick Clegg von den LibDems trug bis vor kurzem regelmäßig die rote Laterne als unbeliebtester Politiker und verliert möglicherweise sogar sein Mandat in Sheffield, das er 2010 mit über 15.000 Stimmen Vorsprung gewonnen hat. 

Schauen wir uns also die aktuelle politische Situation im UK etwas genauer an. Ich glaube nämlich, dass sie sowohl in den Gemeinsamkeiten als auch in den Unterschieden ein interessanter Spiegel zu Deutschland ist.
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23.4.15

Es kommt, wie es kommen muss. Ein kurzes Streiflicht zur AfD.


Schon der Rücktritt von Dagmar Metzger war ein ziemlich klares Signal in welche Richtung die AfD in Zukunft nicht segeln will. Luckes klare Positionierung, dass er eben kein Liberaler sei, tat da ein übriges. Jetzt ist mit Hans-Olaf Henkel wohl der letzte von Bord gegangen, dem man noch ein liberales Profil abgenommen hätte, somit hat sich die AfD von ihren liberalen Einschlägen erst einmal deutlich getrennt.
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22.4.15

Meckerecke: Nach zweihundert Metern nationalsozialistisch abbiegen

Hitler und sein Chauffeur überfahren ein Schwein. Der Chauffeur geht zum Bauern, kommt nach drei Stunden zurück. Mit Geschenken überladen. ,Was hast du gesagt', fragt der Führer. Fahrer: ,Heil Hitler, das Schwein ist tot!'

An diesen Klassiker unter den politischen Witzen musste ich heute denken, nachdem ich über eine Entscheidung des Amtsgerichts in Bremen gelesen habe. Es hat einen Betreiber einer Facebook-Seite zu 1.500 Euro Geldstrafe wegen übler Nachrede verurteilt, weil er einen Politiker der "Bürger in Wut" als "rechtes Schwein" bezeichnet hat. 

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21.4.15

Russisches Roulette im Mittelmeer

Und wieder einmal kommt einer der Schiffsuntergänge im Mittelmeer groß in den Medien. Nicht zum ersten Mal, wohl auch nicht zum letzten Mal - es scheint ziemlicher Zufall zu sein, wenn eines dieser Unglücke plötzlich in den Schlagzeilen erscheint. Und dann beginnt wieder einmal die übliche Diskussion. Wahrscheinlich auch diesmal wieder ohne wesentliche Folgen.

Denn Europa hat es sich recht bequem in der Realitätsverweigerung eingerichtet.
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18.4.15

Großmutti for President?

Bei erfahrenen Politikern, die seit Jahrzehnten in den verschiedensten Rollen im politischen Geschäft unterwegs sind, sollte man eigentlich meinen, genau zu wissen, wofür sie stehen, und was man von ihnen erwarten kann, wenn sie sich anschicken, ein neues Amt zu übernehmen. Mal stillschweigend vorausgesetzt, es handelt sich nicht um Horst Seehofer. Oder um Hillary Clinton. 

Hillary Diane Rodham Clinton als erfahrene Politikerin zu bezeichnen, ist schon untertrieben. Sie war jahrelang demokratische US-Senatorin für den Bundesstaat New York, dann Secretary of State - und zwar die deutlich kompetentere der beiden Amtsinhaber in der außenpolitisch allgemein recht chaotischen Ära Obama. Glaubt man ihrem aktuellen Buch, wäre den USA unter einer Präsidentin Clinton im Vergleich zu Obama einiges erspart geblieben.

Und für ihren anstehenden Präsidentschaftswahlkampf bringt sie nicht nur die Erfahrung mit, schon einmal an einer primary teilgenommen zu haben, sondern ist auch als ehemalige first lady bestimmt die Einzige, die schon acht Jahre lang den berühmten west wing bewohnt hat, noch bevor sie selbst in ein Amt gewählt wurde.

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16.4.15

Das Stigma

Und wieder einmal eine neue Runde mit den altbekannten Stellungnahmen.
Auf der einen Seite diesmal der Papst himself und das Europäische Parlament. Ein Papst, der aus seiner theologischen Stellung offenbar schließt, er wäre auch in Wirtschaftsfragen, Pädagogik und nun Geschichte und Justiz unfehlbar. Und ein EP, das sonst dem Beitritt der Türkei entgegenfiebert - aber doch der Versuchung erliegt, seinen eigenen Popularitätsproblemen mit großen Vorwürfen nach außen zu begegnen.
Auf der anderen Seite gewohnt uneinsichtig und mit hysterischen Gegenvorwürfen konternd die türkische Regierung. Die auch nach Jahrzehnten nicht einsehen will, daß man das Armenier-Thema nicht mit blind wiederholten Dementis aus der Welt schaffen wird.

Dabei ist die Sachlage nicht wirklich umstritten. Es gab 1915 systematische Massenmorde durch türkische Truppen und Zivilisten an Armeniern und anderen Minderheiten. Die Massaker und die unmenschliche Behandlung während der "Umsiedlung" forderten viele hundertausend Menschenleben. Das Alles wird grundsätzlich von der türkischen Regierung auch anerkannt und als massive Menschenrechtsverletzung eingestuft. Es hat auch offizielle Entschuldigungen gegeben und Versuche, sich mit den Armeniern auszusöhnen.
Aber was die Türkei nicht akzeptiert, und was diesen wütenden Protest verursacht, das ist das Etikett "Völkermord", auf dem europäische Politiker bei ihrer Einschätzung der Ereignisse von 1915 bestehen.
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13.4.15

Günter Grass (1927-2015)

 "In dreißig Jahren wird niemand mehr von der deutschen Literatur der letzten dreißig Jahre sprechen" (Johannes Gross, 1985)



In Nachrufen, Elogen, Gedenkreden, Nekrologen, nicht zuletzt Obituarien gilt als oberste Richtschnur das klassische Motto: "De mortuis nil nisi bonum". Das griechische  Vorbild, dem diese Sentenz nachgebildet ist, das dem griechischen Weisen zugeschriebene "Τὸν τεθνηκότα μὴ κακολογεῖν, γῆρας τιμᾶν", gebietet nicht nur, von den Toten nur Gutes zu reden, sondern auch das Alter zu ehren.
Zum anderen gebietet es der Anlaß, keine Unwahrheiten zu verbreiten. Diesen Grundsätzen verpflichtet, sei hiermit dem Andenken an Herrn G. Genüge getan.
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12.4.15

Aus der Schwalbenperspektive: Kulturpessimismus

„Elf Freunde müsst ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen“
(Gravur auf der "Victoria", dem Meisterschaftspokal des DFB von 1901 bis 1944)


Die Debatte in Zettels Raum und Zimmer zum Thema "Kulturpessimismus" hat mich dazu veranlasst, dieses Phänomen mal aus der Schwalbenperspektive zu betrachten. Denn auch wenn culture crumbles and religion stumbles (Bob Geldorf), gibt es in Deutschland noch einen Hort des Wahren, Guten und Schönen. Für die einen ist er das aufgrund seiner integrativen Wirkung auf Menschen mit Migrationshintergrund ("Özil" etc.) - für die anderen aufgrund seiner integrativen Wirkung auf Menschen ohne Migrationshintergrund ("Der Stolz einer ganzen Region", diese meistens strukturschwach). Und wofür braucht die Friedensmacht Deutschland funktionierende Sturmgewehre, wenn Jogis Buben den Brasilianern jederzeit völlig gewaltfrei sieben Buden einschenken können? 

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11.4.15

Von Feiertagen und Laternenfesten. Ein Gedankensplitter zu Kulturpessimismus und dem Kitt des Zusammenlebens.


„Frohe Feiertage“, ersatzweise auch nur ein „schönes, langes Wochenende“ ist das, was einem letzte Woche gerne gewünscht wurde, wenn man sich noch die Mühe gemacht hat einkaufen zu gehen. Ich habe dazu meistens eine ziemlich deutliche Antwort: Ich wünsche frohe Ostern. Explizit und das auch in einer Lautstärke, das man mich versteht (sprich: es ist nicht hingenuschelt). Erstaunlich oft ernte ich dann einen ganz freundlichen Blick und ein „Ebenfalls“. Zu Weihnachten erlebe ich dasselbe, nur eben ein paar Tage länger. Der Wunsch ist gerne „Frohe Feiertage“ oder „Schönen Urlaub“, aber das simple „Frohe Weihnachten“ höre ich nur dann, wenn ich es selber deutlich sage. Ich sage es auch deutlich, denn es ist eben Weihnachtszeit. Und nicht Jahresendfest. Die Kinder gehen auch zum Martinszug. Und nicht zum Laternenfest. 
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9.4.15

Seidenstraße auf russisch

In China plant man langfristig. Auch in der Außenpolitik. Die Strukturierung der künftigen Außenhandelspolitik wird daher von der Regierung unter dem Titel "Neue Seidenstraße" unter die Medien gebracht. Ein sehr geschickt gewähltes Etikett für eine im Kern produktive Infrastrukturinitiative, gemischt mit solider Machtpolitik. Unter anderem kommt dabei auch Rußland als eines der vielen Länder vor, denen eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit in Aussicht gestellt wird.

In Rußland hat Putin wohl auch langfristige Ziele, aber mit der taktischen Umsetzung ist er aktuell ziemlich im Sumpf steckengeblieben.
Das führte dann zu einer recht eigenartigen Reaktion auf die "Seidenstraße"-Initiative in Form eines fiktiven Rückblicks aus dem Jahr 2025. Sie zeigt, wie weit sich die russische Politik von der Realität entfernt hat.
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8.4.15

Unbestellte Leistungen

Nachdem es mit dem Sparen traditionell nicht klappt, probiert es der marode Bremer Senat nun mit Einnahmenerhöhungen. Und am einfachsten - so die rot/grüne Kalkulation - kassiert es sich dort, wo ordentlich Geld vorhanden ist. Also z. B. beim Profi-Fußball.

Wie Medienberichte und Internet-Kommentare zeigen, kommt dieser populistische Vorstoß bei einigen Leuten auch gut an. Hilft ja vielleicht bei den anstehenden Bürgerschaftswahlen.

Sollte der Versuch dann hinterher bei den Gerichten scheitern, ist die Wahl schon lange vorbei.
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4.4.15

Zitat des Tages: Eine Frage der Zeit


Islamische Beschneidungsfeiern in einer Gaststätte sind bei uns am Karfreitag untersagt. Dies hat das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden. Die Richter verweisen darauf, solche Feiern seien auch unterhaltsam, weil unter anderem getanzt werde. Der Karfreitag sei als christlicher Feiertag so schützenswert, dass die Religionsfreiheit von Muslimen zurückstehen müsse (Aktenzeichen 20 L 1916/14).


Kommentar: Es war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Einschränkungen an den sogenannten "stillen Feiertagen" (die entgegen ihres Namens nichts mit der Lautstärke von Geräuschen zu tun haben, sondern freudige Ereignisse und Handlungen unterbinden sollen, wenn sie außerhalb von Privatwohnungen stattfinden) mit religiösen Riten anderer Religionen kollidieren. Mit Atheisten und Agnostikern kann man es ja machen. Offenbar versucht man es bei Muslimen auch.

Dabei macht sich der Staat und (nicht kulturrelativistische) Politik lediglich absolut überflüssig angreifbar. Wir reden hier nicht über regelmäßige Muizin-Rufe, durch die sich Anwohner belästigt fühlen könnten. Wir reden hier nicht über eine öffentliche, staatliche Förderung von Moschee-Bauten. Wir reden hier nicht über Versuche Religionskritik zu diffamieren oder das Christentum zu dämonisieren. Wir reden hier nicht über eine Forderung, die Mehrheitsgesellschaft müsse sich an den Islam anpassen. Wir reden hier nicht über eine Verteidigung von Ehrenmorden, Tötung von Apostaten oder Veranstaltungen, auf denen zur Gewalt aufgerufen wird. Wir reden hier nicht über Akte der Barbarei (es sei denn, man hält schon die Beschneidung an sich für einen Akt der Barbarei, worum es hier aber eindeutig nicht geht). Das Verbot dient nicht der Verteidigung der aufgeklärten, freiheitlichen und westlichen Kultur.

Es geht hier darum, ein Fest zu verbieten, weil Christen an diesem Feiertag nicht Feiern wollen. Das Verbot ist nicht mit Ruherstörung zu begründen. Lärm ist ja grundsätzlich in dem selben Maße wie an normalen Feiertagen und Sonntagen auch erlaubt. Verboten ist es, außerhalb von Privatwohnungen, sich zu einer fröhlichen Veranstaltung zu treffen. Zumindest versucht man einem solchen Verbot nahe zu kommen. Ob jemand durch den Lärm belästigt wird, interessiert dabei gar nicht. Es ist nicht der Grund des Verbotes. Der Grund ist, dass sich eine  Minderheit in diesem Land immer noch daran stört, wenn Andere manche Tage ihres Leben anderes gestalten, als es dem Idealbild dieser Kulturpessimisten in diesem Fall von Rechts entspricht.



Techniknörgler



© Techniknörgler. Für Kommentare bitte hier klicken.

3.4.15

Gewalt in der jüdischen Bibel

„Frage: kennst Du ein Buch, in dem das Töten im Alten Testament besprochen wird?

Unsere Kinder sind alle aus der Kirche ausgetreten. N. [ein Sohn] sagt, Gott hat 1 Million Morde angeordnet. Das ist kein Gott.“ (Anfrage von einer besorgten Mutter, Ende Febr. 2015)

Ich versuche eine Antwort.

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2.4.15

Phantomschmerzen

Nicht nur für die Linke und ihre Genossen in Athen, sondern auch für die breite Mehrheit in den deutschen Medien ist klar: Griechenland leidet. Die von der Troika aufgezwungenen Sparmaßnahmen treffen bevorzugt die Schwächsten, Millionen Griechen sind an den Rand des Existenzminimums gedrängt, noch weitere Einschnitte sind völlig unzumutbar.

Wenn man etwas näher hinschaut, ist an dieser Sicht so ziemlich alles falsch.
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31.3.15

Dummes, kurz kommentiert: Günther Öttinger und die Netzneutralität


Prinzipiell verbindet dieser Autor mit dem Wort Öttinger zunächst eher Positives: Nämlich ein süffiges, ausgesprochen günstiges Supermarktbier, das in seinem Preissegment eine durchaus hohe Qualität erfüllt. Wenn da nicht, ja, wenn da nicht auch Günther Öttinger wäre, ehemaliger Ministerpräsident, später Energiekommissar und heute  EU Kommissar für Digitalwirtschaft. Letzteres ist das Problem. Denn von einem Kommissar für Digitalwirtschaft sollte man auch eine gewisse Fachkenntnis seines Fachbereiches erwarten, die über das Lesen seiner Emails hinausgeht. 

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30.3.15

Ein jeder koche sein eigenes Süppchen. Ein Gedankensplitter zu wildem Aktionismus.


Die Maschine von Germanwings war noch keinen halben Tag abgestürzt, als die ersten Experten uns bereits erklärten, was wir nun unbedingt tun müssen. Da war die Rede davon, dass jeder A320 jetzt unbedingt sofort überprüft werden müsse. Und das man bestimmte Teile an jedem Flugzeug dieses Typs sofort austauschen müsse. Zu diesem Zeitpunkt wusste man nicht das Geringste über die Ursachen. 
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22.3.15

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern. Ein Gedankensplitter zu Pegida und der Frage wem man zustimmen darf.

Pegida war von Anfang an ein spaltendes Thema, nicht nur für unsere Gesellschaft, sondern auch für Zettels Raum und seine Autoren. Die starke Emotionalität liegt vermutlich weniger an den Vertretern von Pegida selber, sondern darin begründet, dass Pegida ein Thema anspricht, das seit mehreren Jahrzehnten unter der Oberfläche brodelt, öffentlich allenfalls in Alibiveranstaltungen behandelt wird, deren Verlogenheit dem schwarzen Kanal zur Ehre gereichen würde, aber uns alle irgendwie betrifft. Das wirkt. Und es schürt Emotionen. Starke Emotionen, die so heftig ausbrechen können, dass selbst Leute, die sich ansonsten gut vertragen, sich plötzlich starken Konflikten ausgesetzt sehen, die sie so nicht erwartet haben. Das ist typisch für Themen, die eigentlich nur abseits des Tisches besprochen werden, man ist erstaunt und verwundert, was der Gegenüber denkt. Weil man vorher nie gefragt hat, aber doch meint des anderen Meinung gekannt zu haben. 
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20.3.15

SoFi


"Ob denenjenigen Kindern, welche um die Zeit geboren werden, da sich Sonnen- oder Mondfinsternissen am Firmamente präsentieren, mit Recht besondere Fatalitäten zu prognostizieren sein?"
 
So beginnt der Erzähler von Johann Gottfried Schnabels ab 1731 in vier Bänden erschienener "Wundersamen Fata einiger Seefahrer", die allen späteren Lesern nur unter dem griffigeren Titel der "Insel Felsenburg" bekannt ist, seinen Lebensbericht, und fährt fort:
 
"Diese Frage will ich den gelehrten Naturkündigern zur Erörterung überlassen, und den Anfang meiner vorgenommenen Geschichtsbeschreibung damit machen: wenn ich dem geneigten Leser als etwas Merkliches vermelde: daß ich Eberhard Julius den 12. Mai 1706 eben in der Stunde das Licht dieser Welt erblickt, da die bekannte große Sonnenfinsternis ihren höchsten und fürchterlichsten Grad erreicht hatte."
 
Die Eklipse von 1706, die gegen elf Uhr morgens Zürich in zwei und das sächsische Zittau vier Minuten lang in völlige Finsternis tauchte, dürfte im deutschen Sprachraum die letzte gewesen sein, die in Beobachtern ein elementares Entsetzen auslöste und Gedanken an das bilbisch angekündigte Ende der Welt hervorgerufen hat:
 
"1706 d. 12. Maji Morgens zwischen 9.10 und 11 Uhr ist auch allhier eine sehr große Sonnenfinsterniß gewesen, da darüber Mensch und Vieh sich entsetzt und nicht anderst vermeinit haben, als ob er folge darauf der jüngste Tag selber" - heißt es in der "Lindauer Chronik". Auch im Zittauer Bericht schwingt das Fraglichwerden der Weltordnung mit: "Aber wir entsetzten uns nicht wenig, als wir sahen, daß  der Mond, im Augenblick, und als wenn er mit macht, von jemand fort- und fürgeschoben würde, alles Sonnenlicht  bedeckte, und eine totale Finsternis bey uns verursachte... Wir stunden also mitten am Tage in einer stockfinsteren  Nacht... Wiewohl diese Finsternis noch gar etwas sonderlich und entsetzliches bey sich hatte, welches ich selbst  nicht recht ausdrücken kan, ohne daß ich sagen muß, es sei eyne bleich und todten-gelbe, und also viel betrübtere und jämmerliche Finsternis gewesen, als etwan die gewöhnliche Finsternis der Nacht ist. Sonderlich, weil auch die unvernünftigen Creaturen darüber bestürzt waren, und sich gleichsam in eine so unzeitige Nacht nicht zuschicken wusten. Die Schwalben, flogen stille schweigend, gantz nahe bey den Menschen heran, als wenn sie bey selbigen Hülfe suchen wolten. Die Tauben, deren etliche zu meiner ergetzung halte, sassen theils auf dem Dache theils waren zu Felde, und mußten beyderseits an ihrem Orte bleiben, biß die Sonne sich wieder blicken ließ; da jene gantz zitternd nach ihren Höhlen flogen; diese aber wie die Pfeile von dem Feld geschossen kahmen, und vor Furcht zitternd und bebend, jene nacheileten."



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18.3.15

Berechtigt und unwichtig

Angesichts der ausufernden Blockupy-Gewalt gilt immerhin positiv festzustellen, daß es doch noch einen weitgehenden Konsens gibt, der diese Gewalt ablehnt. Kollege Llarian hat zwar recht, daß diese Ablehnung nicht zu besonderen Konsequenzen führen wird. Aber die lächerlichen Ausreden der Veranstalter, das wäre alles eine Folge von Polizei-Provokationen, werden nicht einmal mehr beim Hessischen Rundfunk akzeptiert.

Um so mehr liegen den Journalisten die "friedlichen Demonstranten" am Herzen. Fast schlimmer als Verletzte und Sachschaden scheint ja vielen Kommentatoren ein anderer Aspekt zu sein: Die Krawalle würden die Inhalte in den Hintergrund drängen. Also den "berechtigten und wichtigen Anliegen" der protestierenden Bürger schaden. Und es schwingt deutlich durch, daß mit "berechtigt und wichtig" auch "inhaltlich richtig" gemeint ist.

Nun, bei der inhaltlichen Richtigkeit werde ich mit Spiegel, Tagesschau und Co. ohnehin nicht überein kommen - das hat auch wenig mit dem aktuellen Thema zu tun.
Und klar ist natürlich, daß die Anliegen berechtigt sind. Denn jeder Bürger ist berechtigt, seine persönlichen Positionen vorzubringen.

Aber wieso sollen die Forderungen der "friedlichen Demonstranten" wichtig sein?
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Wo bleibt der Domprobst? Eine kleine Anmerkung zu „Blockupy“.



Es ist schon ein Trauerspiel, wenn man sich ansieht was heute in Frankfurt so alles passiert ist: Die (extreme bis weniger extreme) Linke demonstriert ihr besonderes Verhältnis zur Gewaltfreiheit und verbittet sich Provokationen der Polizei. Man muss ja auch verstehen, dass das Anzünden von Autos, Mülltonnen oder dem einen oder anderen Autoreifen ja nun auch Dinge sind, die die Polizei hinzunehmen hat, dagegen vorzugehen ist die reine Provokation. 
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14.3.15

Neo–Kolonialismus

Bei einem schrecklichen Brandunglück starben 250 Menschen. Die eigentliche Ursache ist ungeklärt, angeblich handelte es sich um Brandstiftung. Sehr wahrscheinlich war es aber mangelhafter Brandschutz im Gebäude, der zu dieser hohen Opferzahl beigetragen hat.

Die Opfer bzw. ihre Hinterbliebenen klagen nun auf Schadenersatz. Das ist normal und verständlich. Aber sie klagen nicht gegen den Eigentümer des Gebäudes und den Betreiber der dort tätigen Textilfabrik. Sondern sie klagen gegen einen Kunden dieser Fabrik. Das ist ungewöhnlich.

Genauer gesagt klagen auch gar nicht die Opfer, sondern die Klage wird von europäischen Gruppen organisiert. Es geht wahrscheinlich auch nicht wirklich um Schadenersatz. Die Forderung von 30.000 € pro Opfer ist eher bescheiden, die Chancen des Gerichtsprozesses sind noch bescheidener.
Es geht wohl in erster Linie um ein öffentlichkeitswirksames Signal: Die klagenden Gruppen sehen die deutschen Textilvermarkter als Verantwortliche, die für bessere Produktionsbedingungen in Pakistan sorgen sollen.
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Keine Oberschicht, nur die da oben

"Your name is heard in high places / You know the Aga Khan / He sent you a racehorse for Christmas / And you keep it just for fun..."
Peter Sarstedt, 1969


Diese großartige Ballade ist entstanden, als der internationale Jet-Set auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung war. Gunter Sachs und Brigitte Bardot trennten sich 1969 so aufsehenerregend, wie sie drei Jahre vorher zusammengekommen waren. Diese Verbindung von ererbtem Reichtum, aber auch Unternehmertum mit einem feinsinnigen Geschmack auf der einen Seite und der Inkarnation einer ganzen Nation im Bikini (die übrigens selbst eine Industriellentochter war) auf der anderen steht exemplarisch für alles, was das kontinentaleuropäische Bild des Begriffs "Oberschicht" auf Jahrzehnte geprägt hat. 

Fast fünfzig Jahre später ist in Deutschland zwar ständig von "denen da oben" im pejorativen Sinne die Rede, auch von den "Reichen". Und Verschwörungstheorien, die elitäre Zirkel annehmen, unter denen Macht und Geld aufgeteilt ist, haben Hochkonjunktur. Ein Schattendasein in der öffentlichen Wahrnehmung führt dagegen die "Oberschicht". Im traditionellen Volksmund auch nicht ohne Respekt als "die oberen Zehntausend" genannt, ist der Begriff der Oberschicht durchaus immer als etwas erstrebenswertes betrachtet worden - zumindest auch als Rollenmodell für den Lebenswandel. 

So kam es, dass in einem Thread hier im kleinen Zimmer bislang kein Konsens darüber entstanden ist, nach welchen Kriterien man heute eine Oberschicht beschreiben kann, geschweige denn ob bestimmte Berufs- oder Personengruppen oder gar Einzelpersonen ihr zuzuordnen sind. 

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11.3.15

Luxusproblem

Apple hat es wieder getan.
Nachdem es bei den MP3-Playern, den Smartphones und den Tablets als neuer Anbieter mit seinem Produkt die Situation auf den Kopf gestellt hat, versucht es das nun bei den Armbanduhren. Und die Reaktionen sind exakt wie bei den ersten drei Versuchen:
Die Kritiker finden das Apple-Angebot völlig überflüssig, weil es ja angeblich technisch nichts Neues bietet und den schon längst im Markt befindlichen Konkurrenzangeboten nicht das Wasser reichen könnte.
Und die Fans stehen in Schlange vor den Apple-Stores und wollen möglichst als Erste das neue Gadget haben.
Beide Reaktionen sind so absehbar wie uninteressant: Über den eigentlichen Erfolg des Produkts entscheiden die "Normalkunden", und man wird erst in ein/zwei Jahren sehen können, ob das Angebot überzeugt hat.

Deswegen hier keine Diskussion über die Apple-Watch selber, über ihre Möglichkeiten und Beschränkungen.

Sondern was ich faszinierend finde, das ist etwas wirklich Neues: Apple verkauft nicht nur in klassischer Weise Varianten, die sich technisch unterscheiden.
Sondern es wird neben der Normalausführung auch eine Luxusversion geben, und dann noch einmal eine atemberaubend teure Goldvariante. Da geht es dann wirklich nur noch um Design und Status.
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6.3.15

Eine kurze Anmerkung zur Mietpreisbremse



Die große Koalition hat inzwischen so manchen Unsinn auf den Weg gebracht, von der neuen Frührente, über das Ökostromreförmchen, bis zum Mindestlohn. Allen diesen Gesetzen ist vor allem eins gemeinsam: Nahezu alles was ein bisschen wirtschaftlichen Sachverstand hat, ist dagegen Sturm gelaufen ist. Und ohne Erfolg. Natürlich. Um diese Serie nicht zu brechen (wenn man einen guten Lauf hat, soll man ja weitermachen) hat sich die GroKo jetzt auf das neueste Projekt Mietpreisbremse verständigt. 
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4.3.15

Mai-Feier

"Heraus zum 1. Mai" wird es demnächst wieder heißen. Ein Ruf, dem dieser Autor zugegebenermaßen noch nie gefolgt ist. Aber wenn dieses Jahr der Ruf von den lieben Blogger-Kollegen vom A-Team kommt, ist das doch etwas anderes.

Wer also den Mai-Anfang im schönen Franken genießen möchte, mit einem spannenden politischem und kulturellem Programm, wer Michael Miersch, Frank Schäffler, Albert Duin und diverse andere liberale und libertäre Vordenker erleben möchte, wer vielleicht auch Blogger vom A-Team oder Zettels Raum kennen lernen möchte - der sollte nach Bamberg fahren.

Das Programm klingt jedenfalls recht vielversprechend.
R.A.

© R.A.. Für Kommentare bitte hier klicken.

26.2.15

Das tut gar nicht weh. Ein Gedankensplitter zum Impfen und anderen Pflichten.



„Wissen sie was sich auch gut verkauft? Kindersärge, die gibt es auch in Froschgrün und Feuerwehrrot"
                                              --- Dr. Gregory House

Will man in einer großen Runde junger Eltern möglich schnell die Stimmung verderben und eine schnelle, emotionale Kamikazefahrt erleben, so startet man am besten eine Diskussion über Impfkritik. Und will man dann noch richtig vor die Wand fahren, dann sollte noch das Wort Impfpflicht fallen.
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19.2.15

Salonlinke Popmusik


Ach ja, die Popmusik. Entstanden in den USA der 50er Jahre, hat sie schon bemerkenswerte stilistische Wandlungen über die Jahrzehnte durchgemacht. Von Elvis über die Beatles und Stones, erfuhr sie spätestens in den 60er Jahren ihre Politisierung. Bezüge zu den Bürgerrechtsbewegungen in den USA oder die Anti-Vietnamkriegsbewegung steigerten sich zu radikalpazifistischen Bekenntnissen und kaum verhohlenen Sympathien für sozialistische Gesellschaftsexperimente. Gesungen wird für eine gerechtere Welt. Pop ist links, soviel ist sicher.
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18.2.15

Sie haben die Wahl

Wieder einmal ruft die Friedrich-Naumann-Stiftung auf, den "Autor der Freiheit" für das vergangene Jahr zu küren.

Ich empfehle eifrige Teilnahme.

Und besonders empfehle ich natürlich einen Klick beim Kollegen Andreas Döding.
R.A.

© R.A..

Der Pyrrhussieg (2)

Debalzewe ist gefallen. Ein weiterer militärischer Erfolg für Putin. Seine Truppen haben den strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkt erobert, damit ihre Kontrolle über den Donbass gesichert und sich neue Angriffsoptionen geöffnet.

Die Eroberung wurde durchgeführt, nachdem die in Minsk vereinbarte Waffenruhe begonnen hatte. Womit diese vom Start weg Makulatur ist - auch wenn die an der Verhandlung beteiligten Hauptstädte das noch mit diplomatischen Formulierungen vernebeln wollen.
Es kann sein, daß es trotzdem eine gewisse Pause gibt. Schließlich müssen Putins Leute das eroberte Gebiet erst einmal konsolidieren. Aber einen stabilen Frieden kann es in der Ukraine nicht mehr geben, solange es nicht einen Machtwechsel im Kreml gibt.

Ein Sieg für Putin, und eine bewußte Demütigung für seine Verhandlungspartner Merkel und Hollande. Schmerzlich mußten sie lernen, daß Verhandlungen nur dann erfolgreich sein können, wenn man auch Druckmittel hat. Diese fehlen dem abgerüsteten Westeuropa.
Und trotzdem: Auch dies ist wieder nur ein Pyrrhussieg für den Kreml.
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15.2.15

Gesetzliche Betreuung


Bundesarbeitsministerin Nahles packt mit der ihr eigenen Beherztheit ihr nächstes Regierungsprojekt an. Nach der Rente mit 63 und dem Mindestlohn hat sie es diesmal auf die unmittelbar-dingliche Umwelt von Arbeitnehmern abgesehen. Mittels Revision der Arbeitsstättenverordnung soll sichergestellt werden, daß jeder Mitarbeiter jedes Unternehmens einen eigenen Spind bekommt, Mitarbeitertoiletten und -pausenräume künftig mit Tageslicht zu versorgen sowie Home-Office-Arbeitsplätze nach neuesten ergonomischen Standards zu gestalten sind. Zur Sicherstellung von letzterem sollen Arbeitgeber verpflichtet werden, die entsprechenden Räume ihrer Mitarbeiter (also bei ihnen zuhause!) kontrollierend zu begehen. 
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13.2.15

Der Pyrrhussieg

Jacques Schuster hat recht, Putin ist der Sieger der Vereinbarungen in Minsk.
Er hat seine Eroberungen in der Ost-Ukraine konsolidiert, er hat Deutschland und Frankreich zu Bittstellern degradiert, er hat die USA vorgeführt. Und er kann auch nach Belieben wieder mit neuen Angriffen weitermachen, wenn ihm dies nützlich erscheint - den versprochenen Abzug von Truppen und schweren Waffen wird er bestimmt nicht einhalten.

Der Westen hat nur eine Verschnaufpause gewonnen. Eine echte Friedenslösung ist nicht in Sicht. Putin kehrt im Triumph nach Moskau zurück und kann sich innenpolitisch als durchsetzungsstarker Weltmachtführer präsentieren.
Aber welche Perspektive hat er denn noch?
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12.2.15

Neues von der Quote: Frauen in der Falle

Mein verehrter Kollege Andreas Döding hat hat es bereits für einen kurzen Kommentar aufgegriffen und zeitgleich hat auch mich der heutige Artikel in der online Ausgabe der FAZ zur Frauenquote motiviert einen Kommentar zu schreiben. Deswegen wird das Thema heute doppelt versorgt.

Der Artikel der FAZ beginnt mit der Beobachtung das von den 17 Frauen, die in den letzten Jahren in DAX Vorstände berufen wurden, nun insgesamt acht nach nicht einmal der Hälfte ihrer Amtszeit vorzeitig geschmissen haben. Also gut die Hälfte. Die Verweildauer von weiblichen Voständen liegt damit im Schnitt bei drei Jahren und damit extrem niedriger als bei Männern (mit acht Jahren).

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Kurioses, kurz kommentiert: Hasta la vista, Genderista!


Unter dem Titel "Sie scheitern reihenweise" (inzwischen wurde der Titel bezeichnenderweise zu „Wurden sie in die Falle gelockt?" geändert) wird auf der Onlinepräsenz der FAZ aktuell nach den Ursachen gefahndet, weshalb Frauen in DAX-Vorständen überdurchschnittlich kurze Zeit dort verweilen. Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, die im Schnitt 8 Jahre auf den Vorstandsposten bleiben, schaffen es Frauen durchschnittlich gerade einmal drei Jahre lang, sich dort zu halten. Aus Sicht der Genderwissenschaften, sekundiert von Familienministerin Schwesig, die bereits einen "Kulturwandel" fordert (und somit zukünftige Gesetzgebungsinitiativen, etwa ein Unternehmenskulturgleichstellungsfördergesetz, erwarten läßt), scheint der Fall klar zu sein: Männliche Seilschaften wollen ihre Pfründe wahren und lassen ihre weiblichen Kollegen beherzt ins offene Messer laufen; dergleichen.

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8.2.15

Ein Blick hinter die Theke: Warum wir moderieren, warum wir nicht darüber reden und was wir nicht sind.



Dies ist kein politischer Artikel. Es ist auch kein technischer Artikel. Es ist auch, anders als sonst, keine Aufforderung zum Gedankenaustausch. Es sind meine persönlichen Gedanken zu Moderation, Metadiskussion und Höflichkeit in Diskussionsforen im Allgemeinen. Doch auch wenn es meine Gedanken sind, so spreche ich an dieser Stelle ebenso für meine Mitautoren (auch wenn sie meinen gleich kommenden Vergleich vielleicht nicht ganz so kitschig sehen mögen). Es sind meine Gedanken und entsprechend sind sie gefärbt. 
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7.2.15

Zitat des Tages: Verbot der "Legida"-Demonstration

Die Stadt Leipzig hat heute die für Montag geplante Demonstration des Pegida-Ablegers "Legida" verboten. Die Polizei sei außerstande, den Aufzug abzusichern. Der Oberbürgermeister Burkhard Jung von der SPD erklärte dazu: "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass in Sachsen offenbar Polizeinotstand herrscht und es nicht möglich ist, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten." ("Die Welt" vom 7.2.2015.)

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5.2.15

Unterwerfung unter den Islam

Zufällig geschahen die Attentate auf „Charlie Hebdo“ und den koscheren Supermarkt am Tag, als Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ erschien. Er beschreibt das Frankreich in sieben Jahren: islamisiert durch Dschihadismus und Selbstunterwerfung. Wie das?

Die Religionen arrangierten sich, der Islam sei die kräftigste unter ihnen. Und die einfachste. „Es ist vielleicht zu kompliziert mit dem Katholizismus, im Islam gibt es den Schöpfer, und Schluss“, sagte der Schriftsteller im Interview. „Jedes Mal, wenn ich auf eine Beerdigung gehe, spüre ich, dass der Atheismus unserer Gesellschaften unerträglich geworden ist.“ („Der Tod ist nicht auszuhalten“, DIE ZEIT vom 22.01.2015)

Vom französischen bekennenden Juden Eric Zemmour (Bestseller „Der französische Selbstmord“) wird auf der gleich folgenden ZEIT-Seite noch Schärferes berichtet: Der Blick auf die Ausländerghettos zeige einen Kriegsgrund. „Man schneidet unsere christlichen Wurzeln ab und zwingt uns den allgemeinen Multikulturalismus auf.“ Was ist zu fürchten? „Wenn zwei Völker auf einem Territorium leben, dann herrscht normalerweise Krieg. Das habe ich schon vor den Attentaten gesagt.“

Zwei Feuer brennen und in Frankreich liegen sie nah zusammen: der Dschihadismus gegen die Dekadenz des Westens und der Bruderstreit mit den Juden.

Kann man aus der Geschichte etwas lernen?

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30.1.15

Clemens Wergins USA-Beobachtungen und der Blick in die Kristallkugel


Die hysterische Kultur des Nanny-Staats USA lautet der Titel eines exzellenten und unbedingt zur Lektüre empfohlenen Essays von Clemens Wergin auf Welt online. Er beschreibt hier anhand persönlicher Erfahrungen (Wergin ist im letzten Jahr mit seiner Familie als Ressortleiter nach Washington übergesiedelt) Art und Ausmaß, in dem Kinder in den USA inzwischen von überängstlichen Helikoptereltern (und die Eltern wiederum zunehmend durch Helikopterbehörden), drangsaliert werden. Im Interesse eines völlig überzogenen "safety first" scheint es inzwischen jenseits des Atlantiks sogar unüblich zu sein, Kinder allein im eigenen Garten spielen zu lassen; Eltern die dies dennoch erlauben, riskieren nicht nur Verständnislosigkeit und Argwohn seitens der Nachbarschaft, sondern auch Besuch von Polizei oder Jugendamt. Zu Fuß zur Schule gehen: undenkbar. Zehnjährige, die allein in der New Yorker U-Bahn angetroffen werden, werden, wie Wergin anhand eines Beispiels aufzeigt, inzwischen in behördliche Obhut genommen. Seine (Wergins) Töchter seien aufgrund der liberalen Erziehungsmethoden in der Vorortsiedlung inzwischen als die exotischen "German Girls" bekannt.
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28.1.15

(357439) 2004 BL86




Computerlogbuch, Sonnensystem, Orbis Tertius. Sternzeit 2457072,6:
 
Wenn Sie, lieber Leser, am gestrigen späten Nachmittag es verabsäumt haben sollten, einen Blick gen Himmel zu werfen, um wenigstens einen flüchtigen Blick auf den himmlischen Besucher zu erhaschen, der der Erde im Fall einer Kollision gefährlich hätte werden können, wie die Medien (wie in solchen Fällen üblich) warnten - was die Webseite der Welt zu der hübschen Fehlleistung
        "Heute verfehlte der Asteroid "2004 BL86" unsere Erde. Das ist
       gut so, er wäre sonst gefährlich gewesen"
 veranlaßte - oder wenn Sie all dies nicht einmal zur Kenntnis genommen haben sollten, dann sind Sie aus drei Gründen entschuldigt.
 
Zum einen war es der Beschluß der Olympischen, daß der Bereich der ehemaligen *Germania transalpina* ganztägig unter die Schirmherrschaft des *Jupiter pluvius* gestellt sei, so daß ein Blick nach oben dazu angetan war, den Titel des späten Fernsehmonologs von Samuel Beckett zu evozieren: "Nur noch Gewölk..."
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25.1.15

Wie einem der Schnabel gewachsen ist


Die Basler Zeitung brachte schon vor einem Jahr auf ihrer Website einen Artikel mit dem interessanten Titel "Der Besuch der Sextante D.". Dieser Bericht wurde jedoch nicht von einem Journalisten verfasst, sondern von der Schülerinnen der Klasse 3s, Sekundarschule Binningen, Basel Landschaft, Schweiz. Es handelt sich um ungefähr 12- bis 13-jährige Schülerinnen, nicht um Grundschüler. Die männlichen Schüler wurden im Verlauf der Veranstaltung an dem sogenannten "Pubertätstag", von dem berichtet wird, von den weiblichen Schülern getrennt.

In dem Bericht fand ich zwei Absätze wegen der schönen Wiedersprüchlichkeit der titelgebenden Sextante interessant. Eine Widersprüchlichkeit, welche der Sextante in ihrem Wunsch oder besser Eifer Hemmungen abzubauen, selber vermutlich nicht auffällt.

Im ersten Zitat wird noch von einer Aussage der Sextante berichtet, die für sich genommen durchaus auch als zwanglose Akzeptanz der Individualität der einzelnen Schülerinnen und Schüler gedeutet werden könnte.


Am Nachmittag begrüsste uns die Sextante zuerst und stellte sich mit ­Vornamen D. und ihren Arbeits­partner vor. Dann sagte sie – weil offensichtlich einige gehemmt waren – wir müssten bei manchen vulgären Begriffen einfach so reden, «wie uns der Schnabel gewachsen sei».
Das klingt doch erst einmal sehr vielversprechend und Sicherheit spendend. Jeder soll so reden, wie ihm "der Schnabel gewachsen sei". Niemand muss sich verstellen.

Doch das wird schnell richtig gestellt, denn so war das offenbar nicht gemeint. Direkt als erstes mussten die Schülerinnen und Schüler ein kleine Spiel spielen:
Erst mussten wir «Sex-Tabu» ­spielen, welches wie ein herkömmliches im Handel erhältliches «Tabu» funktioniert, aber nun nur mit Sex­begriffen wie Oralverkehr, Schwangerschaft, Quickie, Anal­verkehr und so weiter. Manche von uns hatten ­Probleme mit einigen Begriffen oder wollten sie aus Scham nicht erklären. Sie mussten es dann aber trotzdem tun. Die Begriffe waren zum Teil oft nicht einfach zu erklären, wenn man sich nicht traut, manche Wörter vor seinen Klassen­kameraden und -kameradinnen zu sagen.
Bis zu diesem Spiel waren die Geschlechter noch nicht getrennt, dies geschah erst im Anschluss an das Spiel.

Offenbar hat die Sextante eine ganz bestimmte Vorstellung davon, wie der Schnabel gewachsen zu sein habe.

Auch der Rest des Berichts ist zu empfehlen, denn offenbar hat die Dame eine etwas seltsame Vorstellung vom Liebesleben der 12- bis 13-jährigen, die sie meint komplett zu verstehen. Da mir eine Wiedergabe des Berichts der Schülerinnen in eigenen Worten keinen Mehrwert zu bringen scheint, insbesondere auch, das es viel interesannter ist, es in ihren eigenen Worten zu lesen, verweiße ich an dieser Stelle einfach noch einmal auf der Artikel in der Basler Zeitung selber:
­
Techniknörgler


© Techniknörgler. Für Kommentare bitte hier klicken. Dies ist der erste von zwei Nachfolgeartikeln zum Artikel "Sexualaufklärung abnorm" von Calimero.

20.1.15

Zitat des Tages: Lechts und Rinks



„Das Traurige ist für mich, dass es weder eine linke Gesellschaftsströmung von irgendeiner Relevanz gibt, die mit einem aufklärerischen Impuls Massen begeistert, noch eine konservative Strömung, die die westlichen Werte populär verteidigen kann. Links hat sich als esoterisch-evangelisches Beamtentum etabliert, rechts als besserverdienendes Ignorantentum.“ 

Ein Leser an , zitiert nach "Na dann ohne mich", erschienen auf der Achse des Guten am 20.01.2015, Michael Mirschs Abschiedsartikel von der Achse des Guten
Kommentar: Besser kann man es eigentlich kaum Treffen. Es ist traurig, aber wahr. Es ist eingetreten, was ich immer befürchtet habe: Das Pendel wird von Links nach Rechts ausschlagen oder zwei große, verfeindete Lager, die sich gegenseitig mit illiberalen (aber zum Glück nicht gleich totalitären) Mitteln bekämpfen wollen, stehen einander gegenüber.

Doch was mich an dem Zitat wirklich fasziniert, ist die prägnante Formulierung, mit der das heutige linke Establishment und Salon-Linke auf der einen Seite und die konservative Gegenströmung auf der anderen Seite charakterisiert werden.

Zur treffenden Bezeichnung des grünen Milieus als esoterisch-evangelisches Beamtentum ließe sich noch viel sagen. Es sagt viel über den kulturellen Ursprung der Entwicklung des grünen Zeitgeistes aus und warum er dem Liberalismus das Potential geraubt hat. Der Liberalismus hat ja auch seinen Ursprung und seine ersten Erfolge nicht zufällig in protestantischen Gebieten gefeiert, er speist sich quasi aus dem gleichen kulturellen Kern, was nicht heißt, dass Grün und Liberal nicht zwei vollkommen unterschiedliche Strömungen wären oder die einen leicht zum anderen wechseln würden (natürlich gibt es auch hier Schnittmengen). 

Die Charakterisierung macht aber auch eines deutlich: Wir haben es auch bei Pegida nicht mit Dummköpfen zu tun. Die AfD ist mindestens so intellektuell wie das grüne, post-moderne Milieu. Die wird durch das adjektiv "besserverdienend" deutlich, was sich hier vermutlich auch noch eher auf den Teil der Besserverdiener bezieht, welche ihr Einkommen in der Privatwirtschaft oder als Freiberufler verdienen. Es sind auch nicht Aufsichtsräte in großen Aktienunternehmen gemeint, die ihre hoch dotierten Aufsichtsratsposten durch Beziehungen, eventuell in der Politik geknüpfte Beziehungen erhalten haben. Und auch war nicht vom Adjektiv "reich" die rede, es geht also auch nicht um ererbten Wohlstand. Eigentlich wäre es gemäß grünem Klischee das typische FDP-Klientel. Ist es aber größtenteils nicht, die Schnittmenge zwischen klassischen FDP-Wählern und AfD-Wählern ist gering und diejenigen, die sich in dieser Schnittmenge befinden, werden in der AfD immer weiter an der Rand gedrängt - und zwar von denjenigen rechten Konservativen, um die es hier eigentlich geht. Natürlich stammen auch viele (frühere) FDP-Wähler aus einem Milieu, welches mit Besserverdiener aus der Privatwirtschaft und den freien Berufen umschrieben werden kann. Aber es ist ein politisch ganz anders eingestellter, von anderen Idealen geprägte und mit anderem Weltbild ausgestatteter Menschenschlag. Aber bei beiden liegt die Mutmaßung nahe, dass es sich um überdurchschnittlich gebildete Menschen handelt, einfach weil dies mit höherem Einkommen statistisch korreliert (und auch in eine Richtung kausal zusammen hängt, die gerade von Grünen gerne bestritten oder verleugnet wird) und, da nicht durch politisch motiviert geschaffene Arbeitsplätze erworben, vermutlich auch mit einer handfesten, produktiven und Mehrwert schaffenden Bildung.

Das unterscheidet die AfD sowohl von den Piraten als auch von Rechtsradikalen, NPD, und ihren Vereinigungen. Diese haben keine Chance (oder wie die Piraten verspielt, in dem man gescheiterte Grüne und Feministinnen und allerlei andere komische Gestalten die Partei hat übernehmen lassen), weil ihnen der Intellekt fehlt.

Und deshalb wird die AfD aller Voraussicht nach eine bleibende Kraft in der Bundesrepublik werden und sich etablieren. Zuerst mag das ein erfrischendes Aufbrechen des grünen Mehltaus sein, aber irgendwann wird es zu einer ermüdenden Dauermehlschlacht werden, mit zwei wahrgenommenen Fraktionen in Dauerkonfrontation. Auf der einen Seite grüner, auf der anderen Seite nationalkonservativer Mehltau.


Techniknörgler


© Techniknörgler. Für Kommentare bitte hier klicken.

19.1.15

Demonstrationsverbot gegen die Pegida?


Gestern wurde gemeldet, die Polizeidirektion Dresden hat die für heute angekündigte  Pegida-Demonstration verboten.
Das ist rein rechtlich betrachtet, korrekt.
Aber was erfüllt das Verbot einer Demo für einen Zweck, wenn sie zuvor von den Veranstaltern abgesagt wurde?
Gar keinen. 
Es gab jedoch für den heutigen Montag noch eine weitere angekündigte Demonstration. Sie ist diejenige, die realiter verboten wurde, weil die Veranstalter weit davon entfernt sind, sie abzusagen. 
Die Terrorgefahr interessiert sie nicht. Auch nicht das Risiko für die Demonstrationsteilnehmer, auf das die Polizei noch nicht eingestellt ist.
Es aber hoffentlich schnellstens sein wird.
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18.1.15

Verkehr 2025 (4)

Ob 2025 wirklich die "richtige" Jahreszahl für diese kleine Serie ist, das ist natürlich völlig offen. Aber wenn überhaupt, dann würde das maximal die Markteinführung selbstfahrender Autos betreffen. Bis sie unseren Verkehr dominieren würde es ein gutes Stück länger dauern. Schon etwas Zeit für die Gesellschaft, diese heftige Umstellung zu verdauen.

Ganz wesentlich betroffen ist natürlich Deutschlands größte Branche: Die Autoindustrie.
Auf den ersten Blick würde sie profitieren. Es werden Millionen neue Autos gebraucht, und die wären technisch aufwendiger und damit teurer als die bisher üblichen. Und es würden sich zusätzlich Leute Autos kaufen, die bisher mangels Fahrerlaubnis keine hatten.
Aber auf den zweiten Blick kommt schon die Frage, ob gerade die deutschen Autobauer Gewinner der Umstellung sein werden. Denn gerade ihre Lieblingsverkaufsargumente beruhen auf überlegener Fahrtechnik und wären dann eher wertlos. Es hat schon seinen Grund, daß die Autobauer zwar bei der Forschung an der neuen Technik dabei sind - die Einführung aber nicht forcieren. Sie können es sich nicht leisten, auf die Automatisierung nicht vorbereitet zu sein. Aber sie fürchten sie auch. Wie oft bei Technikumbrüchen kommt der entscheidende Druck von Außenstehenden, hier von Google.

Entscheidender für die ganze Branche wird aber sein, daß die Automatisierung wahrscheinlich dazu führt, daß sehr viele Autofahrer gar kein privates Fahrzeug mehr anschaffen, sondern nach Bedarf auf Mietwagen setzen. Damit würde der Gesamtfahrzeugbestand drastisch reduziert.
Auch wenn es einige gegenläufige Effekte gäbe: Die Mietwagenflotten wären differenzierter als heute, nicht mehr von Standard-Fahrzeugen dominiert, die für vier Leute plus Gepäck ausgelegt sind. Insbesondere gäbe es wohl einen großen Bedarf nach Fahrzeugen, die auf das bequeme Reisen einer einzigen Person optimiert sind.
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17.1.15

Die Atomverschwörung (1): Die Fakten

"Schmutziger Deal: wie die Politik den Atomkonzernen zu Millionen-Klagen verhilft" (Titel eines MONITOR-Berichtes vom 15.01.2015)

Was für ein Scoop! Die sowieso unter dem Generalverdacht der Atomfreundlichkeit stehende CDU schustert den bösen Atomkonzernen auf deren eigenen Wunsch eine Möglichkeit zu, den Steuerzahler um dreistellige Millionenbeträge zu prellen.

Das investigative Flaggschiff des WDR hat zwei "geheime Dokumente" entdeckt. Nein, eigentlich nur eines, denn das andere war bereits zum Zeitpunkt seines Versandes vor dreieinhalb Jahren bekannt. Obwohl: eigentlich gar keines, denn auch das erste lag dem Biblis-Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtages von Beginn an vor.

Es geht dabei um eine Korrespondenz zwischen dem hessischen Ministerpräsidenten Bouffier (CDU) und dem damaligen RWE-Chef Großmann über die Frage der Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Biblis nach dem Moratorium vom 15. März bis 15. Juni. Im (zeitlich) zweiten Brief, der aber schon länger bekannt war, warnt Bouffier RWE davor, Biblis wieder hochzufahren, denn ansonsten werde die hessische Atomaufsicht dagegen vorgehen. Im zeitlich vorangegangenen Schreiben, das aber erst jetzt durch Monitor an die Öffentlichkeit kam, beruft sich Großmann auf eine Ankündigung von Kanzleramtsminister Pofalla, dass Bouffier vorhabe, die Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks zu verhindern und bittet darum, ihm dieses schriftlich zu bestätigen.   

Der Schluss von Monitor lautet nun: RWE hat bei der hessischen Regierung eine Möglichkeit bestellt, Schadenersatz einzuklagen, und aus alter Verbundenheit heraus auch bekommen. Gewohnt reißerisch kommen die Vorwürfe daher; bitte nehmen Sie sich die Zeit und sehen sich das oben verlinkte Video an. 

Starker Tobak, nicht wahr? 

Ich nehme mal ganz frech das Ergebnis meiner Recherche vorweg: Es ist nicht mal eine Marlboro Light.
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16.1.15

Interview mit einem Intellektuellen


Er war gerade in einem Museum. Klar, denke ich, wo sonst hält sich ein Intellektueller tagsüber auf. Vielleicht noch in einem Cafe, nach dem Museumsbesuch. Schließlich muss man auch mal raus, wegen der Eindrücke, der Inspiration und den Menschen da draußen. 
Der Intellektuelle darf nicht den Faden abreißen lassen an dem sein Schwebezustand behäbig zieht.
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15.1.15

5 Millionen Mal Satiremagazin

Ein weinender Mohammed zeigt sein Schild „Je suis Charlie“. Und die Überschrift dieser Titelseite lautet: „Alles ist vergeben“. Der Idee-Geber und die Redaktion haben sich auf ein Niveau erhoben, das angesichts der früheren vulgären Karikaturen niemand erwartet hätte. Ein Sieg der besten abendländischen Tradition. Man schaut noch einmal hin: Und das hat nicht ein Papst gemalt und gesagt.

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