31. Dezember 2011

Ein gut selig ior! Als Neujahrsgabe ein Text von Rayson über Linke und Liberale


"Ein gut selig ior" wünscht der Gestalter dieses Kalenders, gedruckt zwischen 1480 und 1490 in Basel, seinen Lesern*). Ja, das wünscht das ZR-Team auch Ihnen, unseren Lesern.

Es ist ein Wunsch, den wir alle in dem bevorstehenden, fast könnte man sagen: dem drohenden Jahr 2012 gut werden brauchen können.

30. Dezember 2011

Einmal grundsätzlich gefragt: Wie steht es eigentlich um Deutschland?


Zum Jahreswechsel darf man einmal grundsätzlich werden. Ja das Grundsätzliche gehört zu ihm, zum Rückblick und Vorausblick; wie das Feuerwerk und der Sekt und die guten Vorsätze. Also, einmal grundsätzlich gefragt: Wie steht es eigentlich um Deutschland?

29. Dezember 2011

Marginalie: Wie aus einer Berliner Problemschule eine Musterschule wurde. Das Selbstverständliche als Sensation

Nein, ein "Zitat des Tages" ist das nicht wert, was man seit heute um 8.44 Uhr in "Zeit-Online" lesen kann. Aber doch eine Erwähnung und einen kleinen Kommentar.

Die folgende triviale, diese vor Selbstverständlichkeit sozusagen strotzende Meldung handelt von einer Berliner Schule:

Zitat des Tages: "Die FDP hat keine Daseinsbegründung mehr". Eine kluge These. Nur ist sie falsch

So lange die Welt dem Einzelnen als straff reguliert erschien, hatte die FDP eine selbstredende Daseinsbegründung. Seit aber im politischen Deutschland jeder geradezu in wörtlichem Sinne tut oder lässt, was er will, und das strengste staatliche Alltagsdiktat die Straßenverkehrs-ordnung ist, erachten es die Bürger nicht mehr als zwingend, die FDP samt deren Heilsversprechen am Leben zu erhalten.
Georg Paul Hefty heute in der FAZ in einem Artikel ("Drei Punkte für die FDP"), in dem er über die Zukunft der FDP reflektiert und ihr Ratschläge zum Überleben erteilt.

Kommentar: Der Artikel ist klug geschrieben, wie das meiste von Georg Paul Hefty, dem Ressortleiter "Zeitgeschehen" der FAZ. Lesen Sie ihn!

Heftys These ist bestechend: Die anderen Parteien stehen für inhaltliche Ziele: "Die einen wollen für das politische Gemeinwesen das Christliche (religionsübergreifend: das transzendental zu Verantwortende) demokratisch oder sozial ausmünzen, andere vorrangig die Umwelt schonen oder Demokratie und Wirtschaft sozial beziehungsweise sozialistisch gestalten". Die FDP aber wolle nur, daß jeder sich frei entscheiden kann. Wenn das aber ohnehin so ist, dann braucht man sie nicht mehr, argumentiert Hefty.

Eine kluge These. Überzeugt hat sie mich nicht.

28. Dezember 2011

Marginalie: "Es geht nicht um die Religion". Die Gewalt in Nigeria und das marxistische Weltbild. "Fürchterliche Vereinfacher"

Jeder Marxist weiß es. Sofern er in einem kommunistisch regierten Staat aufwuchs, hat er es auf Schule und Universität eingebleut bekommen: Politische Konflikte sind letztlich immer ökonomisch bedingt. Sie sind Konflikte zwischen Reichen und Armen; im Inneren zwischen Klassen, in der Weltpolitik als eine Art Klassenkampf zwischen den kapitalistischen Ausbeuterländern und den anderen, die von ihnen einst imperialistisch, jetzt neoimperialistisch ausgebeutet werden.

Es ist die Ökonomie und es sind keinesfalls Ideen, welche die Geschichte bestimmen; derart hat bekanntlich Karl Marx den Hegel "vom Kopf auf die Füße" gestellt.

Belege für diese Theorie gibt es nicht.

Marginalie: Noch einmal die "Affäre" Wulff: Die Chance einer Selbstanzeige. Die Karriere des Sigmar Gabriel

Die Sau ist durchs Dorf getrieben. Wie immer bei solchen Medien-Hypes - bei wirklichen oder, wie hier, bei Schein-affären - gibt es noch ein Nachgeplänkel; aber alles in allem sieht es so aus, als sei Wulff gerettet.

Aber es sieht nur so aus. Wulff hat sich durch das lächerliche Schauspiel seiner Weihnachtsansprache gequält - vor ihm quengelnde Kinder, zur Rechten ein Kopftuchmädchen, zur Linken "Menschen aller Hautfarben"; kitschiger geht's nimmer. Er nimmt, natürlich, seine Pflichten wahr. Aber er ist ja nicht mehr der, welcher er bis zu dieser "Affäre" war.

27. Dezember 2011

Zettels Meckerecke: Die Leute von Anonymous - ein Fall nur für die Polizei? Oder auch für den Psychologen? Über Rumpelstilzchen und Peeping Toms

Sehen Sie sich bitte einmal diese Fahne an:


Ich habe die Abbildung Wikimedia Commons entnommen. Dort trägt sie die Bezeichnung "Anonymous Flag" (Fahne von Anonymous). Als Autor wird D3L1GHT genannt, dessen Wahlspruch offenbar lautet: "Fight the Order!" (Bekämpft die Ordnung!).

Diese Fahne ist trefflich entworfen, denn sie zeigt, eingebettet in das Schwarzrot der Anarchisten, einen Menschen, dem der Kopf fehlt.

In der Tat: Mir scheint, daß diese Zeitgenossen, die sich der Bewegung Anonymous zurechnen, just dies fehlt: Der Kopf. Jenes Organ, das man nun einmal in einigermaßen guter Verfassung braucht, um klar zu denken.

Marginalie: "Jeder von uns möchte einmal etwas Gerechtes für diese Welt tun". Der Stratfor-Daten- und Gelddiebstahl in den deutschen Medien

Gestern habe ich über den Diebstahl von vertraulichen Kundendaten bei Stratfor und die Plünderung von Bankkonten mit Hilfe der erbeuteten Daten berichtet (Transparenz dank "Anonymous"? Nein, ganz normale Internet-Kriminalität. Auszug aus einer Mail, die ich heute von Stratfor erhalten habe; ZR vom 26. 12. 2011). Ich möchte das jetzt mit einer kleinen Medienschau ergänzen.

Bemerkenswerterweise wurde diese Sache nämlich in Deutschland hochgespielt, während sie in den USA selbst nur geringe Beachtung in den Medien fand; die im übrigen durchweg zurückhaltend und sachlich berichteten.

Zitat des Tages: Frankfurter Schüler und ihre "Berührung" mit Goethe

Kein Schüler darf eine Frankfurter Schule verlassen, ohne dass er einmal mit dem Werk Goethes in Berührung gekommen ist.
Die Frankfurter Schuldezernentin Jutta Ebeling ("Die Grünen"), zitiert von der heutigen FAZ in ihrer Lokalrubrik "Rhein-Main".

Kommentar: "Einmal in Berührung gekommen". Wie schön.

Wenn die Schuldezernentin von, sagen wir, Manchester sagen würde, kein Schüler dürfe eine dortige Schule verlassen, ohne mit dem Werk Shakespeares "einmal in Berührung gekommen" zu sein, dann würde ein homerisches Gelächter durch das Vereinigte Königreich erklingen.

26. Dezember 2011

Marginalie: Transparenz dank "Anonymous"? Nein, ganz normale Internet-Kriminalität. Auszug aus einer Mail, die ich heute von Stratfor erhalten habe

Falls Sie noch der Meinung sein sollten, daß die Aktionen von Anonymous etwas anderes seien als gewöhnliche Internet-Kriminalität, dann lesen Sie bitte, was mir - als betroffenem Abonnenten - Stratfor in der vergangenen Nacht u.a. geschrieben hat:

Zitat des Tages: "Paris ist der schärfste Ort im Universum". Eine kleine Hommage an Woody Allen. Nebst einem ganz rückwärtsgewandten Bildkommentar

I sometimes think, how is anyone ever gonna come up with a book, or a painting, or a symphony, or a sculpture that can compete with a great city. You can't.

Because you look around and every street, every boulevard, is its own special art form and when you think that in the cold, violent, meaningless universe that Paris exists, these lights, I mean come on, there's nothing happening on Jupiter or Neptune, but from way out in space you can see these lights, the cafés, people drinking and singing.

For all we know, Paris is the hottest spot in the universe.


(Ich denke manchmal, wie kann jemals ein Mensch ein Buch erschaffen, ein Gemälde, eine Symphonie oder eine Skulptur, die einer wunderbaren Stadt gleichrangig wären. Das geht nicht.

Denn man schaut sich um, und jede Straße, jeder Boulevard ist eine eigene, besondere Art von Kunst. Und wenn man sich vorstellt, daß in diesem kalten, brutalen, sinnlosen Universum Paris existiert, diese Lichter, also wirklich, auf dem Jupiter oder dem Neptun ist nichts los, aber aus der Ferne des Alls kann man diese Lichter sehen, die Cafés, Menschen, die trinken und singen.

Paris ist bestimmt der schärfste Ort im Universum).
Gil - Woodys alter ego - zu Adriana in Woody Allens sehr schönem Paris-Film "Midnight in Paris".


Bildkommentar:


Dieses Foto zeigt eines meiner beiden alten Lieblings-restaurants in Paris, das "Le Béarn" an der Place Sainte-Opportune im 1. Arrondissement.

25. Dezember 2011

Marginalie: Komet? Meteorit? Nein, es war 2011-078B (#38037)

In den deutschen Medien wird noch munter darüber spekuliert, was denn da gestern, just zu der Zeit, da in vielen deutschen Wohnzimmern die Kerzen an den Weihnachts-bäumen entzündet wurden, über dem Himmel Mitteleuropas geschah. Hier ein Amateurvideo, auf dem diese seltsame Himmelserscheinung sehr schön zu sehen ist.

Nein, es war kein Komet, kein Meteor und natürlich auch kein Ufo und keine kollektive Sinnestäuschung.

Literarische Randnotizen (5): Auf und davon. Die Leselust an der Reiselust. Teil 1: Von Karl Philipp Moritz zu Karl May

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann das Reisen zu einem Vergnügen zu werden. Bis ins 18. Jahrhundert hinein reiste man selten zum Spaß. Das Reisen war eine anstrengende, eine auch langwierige Sache. Oft ging man schlicht zu Fuß; wie noch Johann Gottfried Seume im Jahr 1802 bei seinem "Spaziergang nach Syrakus".

Wer es sich leisten konnte, nicht zu Fuß zu gehen, der fuhr meist mit der Postkutsche. Auch damals gab es schon den "Omnibus"; eine größere Kutsche "für alle" (so die wörtliche Übersetzung). Der Omnibus war billiger als die normale "Post", aber auch unbequemer. Hier sehen Sie einen Omnibus im New Yorker Linienverkehr; eine Aufnahme aus den Anfangsjahren der Fotografie (ca. 1850):

24. Dezember 2011

"Und siehe, der Stern, den sie gesehen hatten, ging vor ihnen hin". Ein Komet zu Weihnachten, wie ihn die ISS-Astronauten sehen. Die alten Mythen


Dieses Foto des Kometen Lovejoy wurde vom Kommandeur der Expedition 30 der ISS, Dan Burbank, am 22. Dezember 2011 aus der Beobachtungskupppel der Raumstation aufgenommen.

Kometen werden, ebenso wie Asteroiden, oft von Amateurastronomen entdeckt und tragen dann deren Namen.

23. Dezember 2011

Allen Lesern ein schönes und frohes Christfest!


Dieses Mosaik einer Krippenszene (für eine Großansicht bitte zweimal auf das Bild klicken) entstand um 1150. Es befindet sich in der Cappella Palatina (Palastkapelle) in Palermo, die unter dem Normannenkönig Roger II (1095 - 1154) erbaut wurde.

Die Inschrift STELLA PARIT SOLEM ROSA FLOREM FORMA DECOREM (Der Stern gebiert die Sonne, die Rose die Blume, die Anmut die Holdseligkeit) meint Maria (deren Symbole der Stern und die Rose sind) und Jesus (mit den Symbolen der Sonne und der Blume).

Das Normannenreich auf Sizilien war der Treffpunkt vieler Kulturen - der römischen, der byzantinischen, derjenigen der Normannen und auch der arabischen Kultur.

Zitat des Tages: "Daß es 60 Jahre gut ging, sagt über unsere Zukunft nichts". Die Sorgen eines Ostdeutschen. Meine Sorgen sind ganz andere

Gut möglich, dass Deutschland stabil, demokratisch, offen, prosperierend und rational bleibt. Und gut, dass daran geglaubt wird – auch in der Krise. Nur ist die optimistische Unbeirrbarkeit, die Jürgen Klinsmann zur WM 2006 zur populärsten deutschen Sekundärtugend machte, nicht besonders beruhigend. Einstweilen wäre schon viel gewonnen, würde regelmäßig jemand Wichtiges einwerfen, dass wir für unsere schöne Demokratie weiterhin ernsthaft kämpfen müssen. Dass es 60 Jahre lang gut ging, sagt über unsere Zukunft nichts.
Letzter Absatz eines Artikels mit dem Titel "Der gefährliche Optimismus der Westdeutschen", der gestern in "Zeit-Online" erschien. Der Autor wird im Vorspann als "unser ostdeutscher Redakteur Christian Bangel" vorgestellt.

Kommentar: Allerdings war Christian Bangel beim Fall der Mauer zarte zehn Jahre alt.

Das ist das eine, was ich an diesem Artikel interessant finde. Jemand, der die DDR nur als Kind erlebt hat, entwickelt eine dezidiert "ostdeutsche" Identität; sie ist ihm augenscheinlich so wichtig, daß er seine ganze Analyse von ihr her aufbaut:

22. Dezember 2011

Zitat des Tages: "Jedes Modell stößt an seine Grenzen". Über Klimamodelle, eine kluge Doktorandin und Wissenschaft als Vereinfachung

Die Leistungsfähigkeit von Modellen kann sich allerdings leicht ins Gegenteil wenden, sobald die Modelle hinsichtlich ihres Verhältnisses zum modellierten Objekt oder Prozess nicht kritisch genug hinterfragt werden. Gefährlich ist, wenn eingehende Vereinfachungen, Auslassungen und Gültigkeits-beschränkungen nicht quantitativ auf ihren Einfluss geprüft oder im Grenzfall blinden Vertrauens vollständig missachtet werden.

Diese Gefahr falscher und daraufhin enttäuschter Erwartungen an Modelle ist in der Wissenschaft aber im Übrigen die gleiche wie im Alltag: Wenn Kinder vom Raumschiffmodell erwarten, dass es mit fast Lichtgeschwindigkeit fliegen kann, oder man sich frühzeitig für Weihnachten zum Schlittenfahren verabredet, weil Wettermodelle fest mit Schnee rechnen, dann kann man feststellen, dass jedes Modell die Möglichkeit beinhaltet, irgendwann an seine Grenzen zu stoßen.
Sibylle Anderl gestern in der Rubrik "Wissen" der FAZ in einem Aufsatz, der sich mit Modellen in der Wissenschaft befaßt; Titel "Wirklichkeit richtig simuliert? - Die Kunst modellhafter Welterkenntnis".

Kommentar: Ich empfehle Ihnen diesen Artikel aus drei Gründen:

21. Dezember 2011

Marginalie: Kommunistische Diktatur und Realpolitik: Die machtpolitische Lage nach dem Tod Kim Jong-ils


In Nordkorea herrscht ein abstoßendes Regime; eine der schlimmsten Diktaturen, die es in diesem Jahrhundert noch gibt. Nun ist dessen bisheriger "Lieber Führer" Kim Jong-il tot, und ein junger, unerfahrerer Mann hat in der Herrschaft der Kim-Dynastie dessen Platz eingenommen: der Viersterne-General Kim Jong-un; am 8. Januar wird er 29.

Das Abtreten eines Diktators - sei es durch einen Putsch, sei es durch den Tod - ist in einem totalitären Regime oft ein Augenblick der Krise; denn da es, anders als in einem Rechtsstaat, keine kodifizierten Regeln für die Ermittlung des Nachfolgers gibt, kommt es nicht selten zu Machkämpfen. Angesichts der Jugend und Unerfahrenheit des neuen Führers - sein momentaner Titel scheint "Großer Nachfolger" zu sein - ist das jetzt in Korea besonders wahrscheinlich.

Wenn eine Diktatur in einer Krise ist, dann kann das die Chance für ihren Sturz sein. Man könnte meinen, daß zumindest die demokratischen Nachbarn Nordkoreas - Südkorea, Japan - sowie die USA eine solche Entwicklung begrüßen würden; sie vielleicht sogar zu fördern trachten. Aber davon kann keine Rede sein.

Marginalie: Ein bemerkenswertes Interview mit Thomas de Maizière. Nebst einer Anmerkung zur Familiendynastie de Maizière und zum Aufsteiger Wulff

Die "Berliner Zeitung" bringt heute ein Interview mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière, auf das ich Sie aufmerksam machen möchte. De Maizière wird zu verschiedenen Themen befragt; durchweg äußert er sich klug, maßvoll und souverän.

Beispielsweise gleich zu Beginn:

Zitat des Tages: Christian Wulff, der "Meistkommentierte". Über das Interesse am Fall Wulff. Über mögliche Interessen hinter dem Fall Wulff

MEISTKOMMENTIERT

BUNDESPRÄSIDENT Neue Details im Fall Wulff(252)

BUNDESPRÄSIDENT Verleger verteidigt Werbung für Wulffs Buch(213)

BUNDESPRÄSIDENT Privatkredit verschaffte Wulff beachtlichen finanziellen Vorteil(183)

SICHERUNGSVERWAHRUNG Unter Menschen(118)

CHRISTIAN WULFF Leerstelle Bellevue(110)
Die gegenwärtige Liste der meistkommentierten Artikel bei "Zeit-Online".

Kommentar: Wie erklärt sich dieses geballte Interesse an einer "Affäre", die in kaum einem anderen Staat der Welt als eine solche rubriziert werden würde?

20. Dezember 2011

Gewalt in der christlich-jüdischen Kultur, Gewalt im Islam: Eine eigenartige Ringvorlesung und ihr wissenschaftlicher Hintergrund


Sehen Sie sich bitte einmal diese Themenliste einer Ringvorlesung an:
05.04. Gottesfrevel und Gotteszorn als Quellen der Religionsgewalt

12.04. Zum Ursprung und Wesen religiöser Gewalt

19.04. Zum Guten zwingen. Das Reformpapsttum und die Gewalt im Mittelalter

26.04. Helden und Heilige. Das Vorbild der Makkabäer und die Legitimation von Gewalt im Mittelalter

03.05. Wortgewalt, Kampf und Seelenheil: Warum es nicht den einen Dschihad gibt

10.05. Mit unsichtbaren Waffen gegen die sichtbaren Feinde. Krieg und Liturgie im Mittelalter

17.05. "Yr sollet euch nit erbarmen…" Biblische Legitimation religiöser Gewalt bei Thomas Müntzer

24.05. Wehrlos um Christi willen. Zur Delegitimierung von Gewalt im Täufertum

31.05. Religiöse Gewalt im konfessionellen Zeitalter?

07.06. Christlich-jüdische Zwangsdisputationen

21.06. "Gott segne Euch!" Die Legitimation physischer Gewalt im Spanischen Bürgerkrieg

28.06. Mit der Hilfe Gottes? Die Militärdiktaturen in Argentinien und Chile und die katholische Kirche

05.07. "...und steuere deiner Feinde Mord." Gewalt im Kirchenlied

12.07. Von der "Kriegstheologie" zur Friedensethik. Zum Wandel der Kriegswahrnehmung im deutschen Protestantismus der letzten 100 Jahre
Dies ist das Programm einer Ringvorlesung des Exzellenzclusters "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne" an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Das Thema dieser Veranstaltung im Sommersemester 2011 lautete: "Religion und Gewalt - Erfahrungen aus drei Jahrtausenden Monotheismus".

Fällt Ihnen an der Auswahl der Themen etwas auf?

19. Dezember 2011

"Klassenfeinde, wer immer sie sind, müssen über drei Generationen ausgerottet werden". Kim Jong-il und das System der koreanischen Konzentrationslager


Als heute der Tod des "Lieben Führers" Kim Jong-il bekanntgegeben wurde, ging - so stellt es das koreanische Fernsehen dar - eine Welle der Trauer, nein fassungsloser Verzweiflung durch das Land. Bei Russia Today können Sie ein Video sehen, das diese zutiefst erschütterten, weinenden Menschen zeigt. Ihnen wurde, so können wir es anschaulich sehen, das Liebste genommen, das sie hatten.

Daß dieser liebe Führer in Wahrheit einer der schlimmsten Diktatoren unserer Zeit war, der sein Volk hungern ließ, während er selbst in jedem erdenklichen Luxus schwelgte, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt sind die scheußlichen Verbrechen, die unter Kim - und auch schon seinem Vater Kim il-Sung - in den Konzentrationslagern des koreanischen Gulag begangen wurden und werden.

Ist Christian Wulff ein zweiter Heinrich Lübke? Respektlosigkeit im Umgang mit dem Bundespräsidenten und Krisen der Bundesrepublik Deutschland


Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen Christian Wulff und Heinrich Lübke.

Beide wechselten direkt aus der aktiven Politik in das Amt des Bundespräsidenten; oder vielmehr: Sie wurden unversehens, ohne daß sie das angestrebt hatten, aus der aktiven Politik herausgeholt und ins Amt des Präsidenten hineinbefördert.

Als Politiker hatten beide als solide, aber langweilig gegolten; Wulff als jemand, "den man gern zum Schwiegersohn hätte", Lübke als der ungelenke Mann aus dem Sauerland, der als Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Gipfel seiner Karriere erreicht zu haben schien.

Beide waren in kleinen Verhältnissen in der Provinz ohne Vater aufgewachsen; beide hatten sich mit Fleiß und Disziplin nach oben gearbeitet. Beiden merkte man diesen harten Lebensweg an, die Herkunft aus dem Milieu der kleinen Leute und die Anstrengung, die es sie gekostet hatte, ganz nach oben zu kommen.

18. Dezember 2011

Marginalie: Die Ukraine gerät immer mehr unter russischen Einfluß. Die Gasversorgung als außenpolitisches Druckmittel Moskaus

Die Ukraine gehört zu den Ländern, auf die sich eine Zeitlang die Aufmerksamkeit unserer Medien richtete und die dann bald wieder aus dem Fokus des Interesses verschwanden.

Die Zeit der ausführlichen Befassung mit der Ukraine war vor allem die Periode der "Orangenen Revolution" des Jahres 2004, als jeder politisch Interessierte Namen wie Juschtschenko, Janukowitsch und Timoschenko flüssig aussprechen konnte. Dann wurde es still um die Ukraine. Jüngst mag sich Mancher gewundert haben, daß die doch vom Volk so verehrte Julija Timoschenko nun auf einmal vor Gericht stand und zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde.

17. Dezember 2011

Marginalie: "Weil du arm bist, mußt du früher sterben". Eine Pressemitteilung der Fraktion "Die Linke" und was daraus wurde

Das Thema ist nicht eben neu. Im Jahr 1956 brachte der "Gloria"-Filmverleih den Film "Weil du arm bist mußt du früher sterben" in die Kinos. Er wurde als der "mutigste und aktuellste Film des Jahres" beworben; und den Kinobesitzern versicherte die "Gloria": "25 Millionen sind versichert! 25 Millionen warten auf diesen Film!" Der Film (Regisseur Paul May; unter den Darstellern Bernhard Wicki, Hans Christian Blech und Ilse Steppat) floppte aber.