23. Januar 2012

Zitat des Tages: "Demographische und militärpolitische Faktoren werden das Gewicht Europas reduzieren". Wolfgang Ischinger zur Geopolitik

Das relative Gewicht Europas wird sich aufgrund ... [von] demografischen und damit gekoppelt auch ökonomischen und militärpolitischen Faktoren im Vergleich zu anderen Regionen im Laufe der nächsten Jahrzehnte erheblich reduzieren. Es ist jetzt schon klar, dass es eine ganz erhebliche Machtverlagerung nach Asien geben wird. Fakt ist, dass die Anzahl der rund 500 Millionen Europäer zurückgehen und die Anzahl der bereits jetzt vier oder fünf Milliarden Asiaten weiter zunehmen wird. Das bedeutet einen Zuwachs an ökonomischem sowie militärischem Gewicht. Diese Tatsache ist schon heute allen bewusst; die USA haben diese Entwicklung bereits zum Gegenstand ihrer strategisch-politischen Entscheidungen gemacht.
Wolfgang Ischinger, langjähriger deutscher Spitzendiplomat und gegenwärtig Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, in einem Interview mit The European.

Kommentar: In knapp zwei Wochen, am 3. Februar, beginnt die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz; eine Veranstaltung, auf der sich die Sicherheitspolitiker der wichtigsten Länder treffen.

Oft werden auf diesen Konferenzen Trends der Außen- und Sicherheitspolitik erstmals für die Öffentlichkeit deutlich. Vor fünf Jahren beispielsweise markierte ein Auftritt Putins die damals neue, auf eine Wiederherstellung der Sowjetunion in Form von Einflußzonen gerichtete Außenpolitik Rußlands

Zu Friedrichs 300. Geburtstag: Ein ungewöhnliches Porträt. Ein lesenswerter Aufsatz mit einem bedrückenden Bezug zur Gegenwart


Dieses Porträt Friedrichs II. von Preußen entstand 1775. Da war der König, dessen Geburtstag sich morgen zum 300. Mal jährt, also 63 Jahre alt.

Gemalt hat dieses eigenartige Bild Anna Dorothea Therbusch; eine Porträtmalerin aus einer Berliner Malerfamilie, die sich in Paris, Wien, Brüssel, Den Haag und Amsterdam künstlerisch gebildet hatte, bevor sie mit fast fünfzig Jahren 1769 nach Berlin zurückkehrte.

Ein verwunderliches Bild ist das, weil es einen ganz anderen Friedrich zeigt, als wir ihn von den meisten Porträts kennen.

22. Januar 2012

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (12): Gingrichs Triumph. "Noch nie gab es ein solches Auf und Ab". Obama, Wählbarkeit und Rückkopplung

"Wir sehen dieses Jahr mehr Bewegung, mehr Auf und Ab bei republikanischen Vorwahlen als irgendwann, seit wir dazu Daten erheben". Das sagte am Vorabend der gestrigen Entscheidung in South Carolina der Chefredakteur von Gallup, Frank Newport, im amerikanischen TV-Sender MSNBC. Was sich in der vergangenen Woche in diesem Wahlkampf abgespielt hat, ist in der Tat bemerkenswert:

Noch in der ersten Wochenhälfte sah bei den Republikanern (GOP) alles klar und sozusagen normal aus: Mitt Romney hatte in New Hampshire gewonnen und schien nun auf dem Weg zu einem sicheren Sieg auch in South Carolina zu sein

Zitat des Tages: "Die Palästinenser werden von den Israelis entsetzlich verfolgt". Worte des Ex-Präsidenten Jimmy Carter

Wer are completely in bed with the Israelis who are persecuting the Palestinians horribly. (...) ... the religious leaders of Iran have sworn on their word of honor that they're not to manufacture nuclear weapons. If they are lying, then I don't see that as a major catastrophe becauce they'll only have one or two military weapons. Israel probably has 300 or so.

(Wir stecken völlig mit den Israelis unter einer Decke, die die Palästinenser entsetzlich verfolgen. (...) ... die religiösen Führer des Iran haben mit ihrem Ehrenwort beschworen, daß sie keine Atomwaffen herstellen werden. Wenn sie lügen, dann sehe ich darin keine große Katastrophe, denn sie werden nur eine oder zwei militärische Waffen haben. Israel hat wahrscheinlich ungefähr 300).
Jimmy Carter in einem Interview in der aktuellen Ausgabe von Time Magazine (Erscheinungsdatum 30. 1. 2012).

Kommentar: Jimmy Carter hat sich bekanntlich seit dem Übereinkommen von Camp David 1978 immer wieder als ein neutraler Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern dargestellt. Er ist das nicht.

21. Januar 2012

Mal wieder ein kleines Quiz: Staat, Flagge, Verfassung

Die Flagge welches Staates ist das?


Bonusfrage: Die erste Verfassung dieses Staats wurde von einem Philosophen verfaßt. Wer war es?

20. Januar 2012

Zitate des Tages: "Man muß dann sehen ...". "Wenn sich neue Tatsachen ergeben ...". Wann endlich hört Wulff die Signale?

Es geht um Vorwürfe, die sich an einen Mitarbeiter richten, und erst wenn man die erhärtet hat, dann muss man sehen, ob man hier Vorwürfe an den Bundespräsidenten richten kann, ob er das wissen konnte, wissen musste.
Der Generalsekretär der CDU Hermann Gröhe im ARD-Fernsehen, zitiert von FAZ.NET.
Der Bundespräsident sollte alles tun, um Vertrauen zurückzugewinnen. (...) Wenn sich neue Tatsachen ergeben, gehören sie bewertet.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Intervew in der morgigen FAZ, ebenfalls zitiert von FAZ.NET.

Kommentar: Deutlicher kann man sich von einem Amtsträger aus dem eigenen politischen Lager kaum noch distanzieren.

Hört den Wulff die Signale nicht? Er wird mir immer rätselhafter.

Generalprobe mißglückt

Nun wird es also doch Neuwahlen im Saarland geben. Damit hatte Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer wohl nicht gerechnet, als sie zu Dreikönig ihren Koalitionspartner FDP medienwirksam feuerte und auf eine große Koalition zusteuerte.
Offen bleibt, ob Kramp von ihrem Wunschpartner Maas reingelegt wurde, oder ob er sich intern nicht durchsetzen konnte - oder ob sie so naiv war, ohne verbindliche SPD-Zusage die bestehende Koalition platzen zu lassen.

Stratfors Analysen: George Friedman über die immer bedrohlichere Lage am Persischen Golf und das Machtspiel USA-Iran (mit deutscher Zusammenfassung)

Zusammenfassung: Die Spannungen am Persischen Golf wachsen. Die USA ziehen dort Flottenverbände zusammen oder stellen sie bereit. Hinter den Kulissen läuft zwischen den USA, dem Iran, Israel und der Türkei eine umfangreiche Diplomatie.

Auch andere Krisen - die Eurokrise, Chinas drohende Exportkrise - werden das internationale System verändern. Aber die Dynamik der Entwicklung zwischen den USA und dem Iran könnte die ernstesten Folgen für die Welt haben.

Die Stärke des Iran liegt nicht nur darin, daß er die größte Militärmacht der Region ist, sondern vor allem auch in seinen geheimdienstlichen Fähigkeiten und seinem politischen Einfluß.

Kurioses, kurz kommentiert: Der freundliche Wulff und der au ... e Horst Köhler

Während seines Antrittsbesuchs in der Schweiz im September 2010, gut zwei Monate nach seiner Wahl, hielt Wulff allerlei belanglose Reden und Grußworte. Es handelte sich um einen Freundschaftsbesuch. Anders als sein zuweilen authentisch wirkender Vorgänger Horst Köhler aber suchte Wulff – ganz Parteipolitiker und Landesvater – stets Kontakt zu Journalisten.
Aus einem Artikel von Daniel Friedrich Sturm in "Welt-Online" zur Haussuchung bei Olaf Glaeseker ("Wie Wulffs Spindoctor plötzlich zur Gefahr wird").

Kommentar: Wer nicht stets Kontakt zu Journalisten sucht, der verhält sich "authentisch"? Eigenartig, nicht wahr? Oder sollte der Autor doch eher "autistisch" gemeint haben?

19. Januar 2012

Marginalie: Haussuchung bei Glaeseker. Wann ist eine Haussuchung zulässig? Nebst (wieder einmal) etwas zu Wulffs eklatanter Ungeschicklichkeit

Mehr als das, was alle Agenturen melden, scheint noch nicht bekannt zu sein; auch die in solchen Dingen stets wohlinformierte Hannoversche "Neue Presse" weiß offenbar noch nichts weiteres: Bei Bundespräsident Wulffs ehemaligem (bis zu seiner abrupten Entlassung am 22. Dezember 2011) Pressesprecher Olaf Glaeseker hat es heute eine Haussuchung gegeben; in privaten und geschäftlichen Räumen. Es geht um den Verdacht der Bestechlichkeit.

Wie sieht in einem solchen Fall die Rechtslage aus?

Marginalie: Mitt Romney "strauchelt" schon wieder. "Spiegel-Online" und die Vorwahl in South Carolina

Erinnern Sie sich? Zu der Vorwahl in New Hampshire brachte "Spiegel-Online" einen Bericht, dessen Autoren - Marc Pitzke und Sebastian Fischer - sich schier verzweifelt zeigten über die Lage der Republikaner (GOP) und besonders des armen Kandidaten Mitt Romney, der "gestrauchelt" sei ("Es ist zum Verzweifeln". Wie "Spiegel-Online" über die Lage der Kandidaten im US-Vorwahlkampf desinformiert; ZR vom 10. 1. 2012).

Jetzt ist es dem Bedauernswerten, falls wir "Spiegel-Online" Glauben schenken wollen, schon wieder passiert, das Straucheln. Dort kann man heute einen Artikel mit der Überschrift "Kandidat Superreich strauchelt" lesen; wieder aus der Feder von Sebastian Fischer:

Marginalie: Aktion "Träume einfangen". Wie Barack Obama seine Sympathisanten analysieren läßt

Wenn Sie Kunde bei Amazon oder einem ähnlichen Unternehmen sind, dann kennen Sie das: Sie bekommen Angebote zugeschickt, die gemäß Ihrem bisherigen Kaufverhalten zusammengestellt sind.

Manchmal ist das intelligent, manchmal weniger. Ich habe zum Beispiel im kalten Winter 2010/2011 ein paar warme Winterstiefel gekauft; seither erhalte ich regelmäßig Angebote für Herrenstiefel. Offenbar vermutet das Programm in mir einen Stiefel-Fetischisten. Ich habe aber mit einem Paar Stiefel vorerst genug. Auch daß jemand, der, sagen wir, gerade ein Notebook gekauft hat, nun gleich wieder eines haben möchte, ist nicht so sehr wahrscheinlich.

Immerhin: In vielen Fällen ist dieses selektive Anbieten vernünftig. Ich bekomme Angebote für Bücher, die meist ziemlich nah an meinen Interessengebieten liegen; manches andere Interesse spiegelt sich in den Angeboten ebenfalls trefflich wider.



Wahlkämpfe haben heutzutage, zumal in den USA, viel Ähnlichkeit mit der Vermarktung von Produkten. Alle Kandidaten, die gern Präsident werden wollen, haben folglich in ihren Teams Spezialisten für Marketing.

18. Januar 2012

Zettels Meckerecke: "Döner-Morde". Der Unfug des Unworts. Und Prantl hebt den Zeigefinger, sich mit der anderen Hand an die Brust klopfend

Das "Unwort des Jahres 2011", so ging es gestern durch die Presse, ist "Döner-Morde". Wer denkt sich so etwas aus? Und warum? Und was ist das überhaupt, ein "Unwort"?

Ein Unfug ist etwas, das sich nicht fügt. Ein Unmensch ist einer, der kein Mensch mehr ist. Was also ist ein "Unwort"? Ein Wort, das eigentlich gar keines ist? Ein Wort, das man nicht verwenden kann, das sich nicht aussprechen läßt?

Nein, bekanntlich meinen diejenigen, die diese sprachliche Mißgeburt "Unwort" erdacht haben, etwas anderes: Ein Wort, das ihnen nicht gefällt. Ein Wort, an dessen Bedeutung, an dessen Verwendung sie gern, den Zeigefinger hochgereckt, öffentlich Kritik üben möchten.

Wer ist das, der da alljährlich den Zeigefinger in die Höhe hält?

17. Januar 2012

Gedanken zu Frankreich (40): Marine Le Pen - die große Unbekannte. Schon stärker als Sarkozy? Oder darf sie am Ende gar nicht antreten?

Die Kandidatin des rechts­populistischen Front National (FN), Marine Le Pen, hat weiter ausgezeichnete Umfragewerte. Je nach Institut liegen sie zwischen 16 und 20 Prozent; bei den (unter der Woche) täglichen Umfragen des Instituts Ifop am vergangenen Donnerstag und Freitag sogar bei je 21,5 Prozent.

Le Pen ist damit nicht mehr sehr weit von Nicolas Sarkozy entfernt; am Donnerstag beispielsweise lag der Staatspräsident bei Ifop mit 23,5 Prozent nur noch zwei Prozentpunkte vor ihr. Andere Institute geben ihm einen etwas größeren Vorsprung; aber keines sieht ihn gegenwärtig bei mehr als 26 Prozent.

Diese Daten sind in zweierlei Hinsicht interessant. Erstens nämlich gibt es Indikatoren und Überlegungen, die darauf hinauslaufen, daß die Chancen von Marine Le Pen noch deutlich besser sein könnten, als es in ihnen zum Ausdruck kommt; sie wäre damit eine reale Gefahr für Sarkozy. Und andererseits ist es paradoxerweise möglich, daß sie es trotz dieser Umfragewerte noch nicht einmal schafft, überhaupt zur Wahl anzutreten. Wie kann es zu einer solchen Situation kommen?

Zitat des Tages: "Bitte lassen Sie Ihre Stimme hören!". Die Erklärung "Die Wikipedia wird abgeschaltet" im Wortlaut und übersetzt; nebst Kommentar

English Wikipedia to go dark January 18 in opposition to SOPA/PIPA

San Francisco -- January 16, 2012 -- On January 18, 2012, in an unprecedented decision, the Wikipedia community has chosen to blackout the English version of Wikipedia for 24 hours, in protest against proposed legislation in the United States — the Stop Online Piracy Act (SOPA) in the U.S. House of Representatives, and PROTECTIP (PIPA) in the U.S. Senate. If passed, this legislation will harm the free and open Internet and bring about new tools for censorship of international websites inside the United States. Wikipedia administrators confirmed this decision Monday afternoon (PST) in a public statement:

16. Januar 2012

US-Präsidentschaftswahlen 2012 (11): Das Rennen bei der GOP scheint gelaufen. Es siegte der Verstand über das Herz. Nebst Anmerkungen über tricky Newt

Es sieht im Augenblick so aus, als werde diese Serie erheblich kürzer ausfallen als die zur Wahl des US-Präsidenten vor vier Jahren.

Zum einen, weil es damals zwei parallele Abläufe von Vorwahlen gab, aus denen bei den Republikanern John McCain und bei den Demokraten Barack Obama als die Sieger hervorgingen. Diesmal wird nur bei den Republikanern (der GOP) gekämpft; gegen Obama kämpft allenfalls ein Vermin Supreme (siehe Wie hat eigentlich Barack Obama bei der gestrigen Vorwahl abgeschnitten?; ZR vom 11. 1. 2012). Zweitens aber auch, weil der Kampf bei den Republikanern sich schon seinem Ende zu nähern scheint, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Wie kam es dazu?

Ist Wulff durch? Unten. Brauchen wir überhaupt einen Bundespräsidenten? Nebst einer Liste der Artikel in ZR zum Thema Wulff

Christian Wulff ist ein sturer Westfale. Möglicherweise muß man dieses psychologisierende Klischee zur Hilfe nehmen, um zu verstehen, warum er an seinem Sessel klebt, als sei er dort mit Pattex befestigt; dazu noch mit eisernen Ketten angeschmiedet. Denn Christian Wulff ist unten durch. Da ist nichts mehr zu retten.

Er ist nicht deshalb unten durch, weil er sich etwas hätte zuschulden kommen lassen, das einen "Skandal" gerechtfertigt hätte. Am Anfang stand ja nichts als die Beschuldigung, er habe den Niedersächsischen Landtag nicht vollständig informiert, als dort die Roten und die Grünen ihn mit einer Anfrage in die Enge zu treiben gedachten. Wenn eine solche Taktik skandalträchtig wäre, dann steckte dieses Land bis über beide Ohren in Skandalen.

15. Januar 2012

Zitat des Tages: "Verblendet". Der solare Gau. Nebst einer Erinnerung an den 30. Juni 2011

Seit Wochen haben die 1,1 Millionen deutschen Photovoltaikanlagen so gut wie keinen Strom mehr erzeugt. (...) Damit die Lichter nicht ausgehen, muss Deutschland zur Zeit große Mengen Atomstrom aus Frankreich und Tschechien importieren. Der Stromnetzbetreiber Tennet griff bereits auf eine Notreserve zurück: Ein betagtes Ölkraftwerk im österreichischen Graz wurde hochgefahren, um den Ausfall der Sonnenkraft zu kompensieren.
Der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe (3/2012 vom 16. Januar 2012) über die gegenwärtige Lage der Stromversorgung in Deutschland. Überschrift des Artikels von Alexander Neubacher: "Verblendet".

Kommentar: Ja, verblendet ist eine Energiepolitik, die zu solchen Zuständen geführt hat.

Daß die Photovoltaik eine energiepolitische Sackgasse ist - ebenso überteuert wie unzuverlässig -, war immer klar. Sie wurde und wird mit Milliardenbeträgen (bereits jetzt laut "Spiegel" mehr als 100 Milliarden, die ausgegeben oder zugesichert sind) allein deshalb gepäppelt, weil es so romantisch ist, sich auszumalen, wie eine lachende und gütige Mutter Sonne uns direkt ihre Energie spendet, die unausschöpfliche; siehe das Logo der "Grünen".

Sie ist aber, wie man jetzt sieht, sehr ausschöpflich, die Energie vom mit Solarpaneelen gepflasterten Dach und aus unseren "Solarparks".

Aufruhr in Arabien (24): Guido Westerwelle und "demokratisch-islamische Parteien". Die deutsche Nordafrika-Politik vor einer verhängnisvollen Wende?

Am Donnerstag habe ich eine Vorabmeldung in FAZ.NET kommentiert, die einen Artikel von Bundesaußenminister Westerwelle zur Entwicklung in den arabischen Ländern ankündigte; Überschrift in FAZ.NET: "Westerwelle fordert Islam und Demokratie zu vereinen" (Westerwelle tritt für islamisch-demokratische Parteien ein. Dazu vorerst nur einige Fragen; ZR vom 12. 1. 2012). Ich habe diesen Artikel jetzt gelesen und komme, nun besser informiert, noch einmal auf das Thema zurück.

Ich tat gut daran, mich am Donnerstag zunächst auf das Formulieren von Fragen zu beschränken und mit einer Stellungnahme zu warten, bis ich wußte, in welchem Kontext die Zitate in der Vorabmeldung stehen. Denn manches erscheint jetzt in einem anderen Licht.

14. Januar 2012

Zitat des Tages: "Zynisch und menschenverachtend". Sie lebt noch, die alte DKP-Bündnisstrategie. Nur jetzt auch im Bundestag verankert

Zynisch und menschenverachtend versuchen USA und EU, mit Embargos ihren Außenhandel und Zahlungsverkehr planmäßig lahm zu legen. Die Wirtschaft des Iran und Syriens soll bewusst in eine tiefe Krise gestürzt, ihre Arbeitslosenzahlen erhöht und die Versorgungslage ihrer Bevölkerung drastisch verschlechtert werden. Die inneren sozialen Konflikte sollen ethnisiert und zugespitzt, ein Bürgerkrieg entfacht werden, um einen Vorwand für die längst geplante militärische Intervention zu schaffen. An diesem Embargo gegen Iran und Syrien beteiligt sich auch ganz maßgeblich die deutsche Bundesregierung.
Aus dem "Aufruf" eines Vereins mit dem Namen "Freundschaft mit Valjevo e.V.", der in den letzten Tagen Furore machte, weil er auch von MdBs der Partei "Die Linke" unterzeichnet wurde - Dieter Dehm, Eva Bulling-Schröter, Annette Groth, Heike Hänsel und vor allem Sevim Dağdelen, die als Fraktionssprecherin für Internationale Beziehungen von Amts wegen für dieses Thema zuständig ist.

Kommentar: Ist eine solche "Aktion" erwähnenswert; verdient sie es, kommentiert zu werden?

Wer ist überhaupt dieser Verein mit dem seltsamen Wort "Valjevo" im Vereinsnamen? Das kann man einem Aufsatz von Bernhild Vögel in der Zeitschrift "Ossietzky" entnehmen: Es handelt sich um einen in Pfaffenhofen ansässigen Verein, der im Juli 1999 als Hilfsverein für die vom Jugoslawienkrieg betroffenen serbische Stadt Valjevo gegründet wurde.

13. Januar 2012

Zitat des Tages: "Am schwächsten ist die nationale Identität in Deutschland". Eine empirische Untersuchung bestätigt das leider Offensichtliche

Im Vergleich mit anderen Ländern ist die nationale Identität in Deutschland am schwächsten. Das hat nicht nur unsere Studie gezeigt, auch bei anderen Untersuchungen ist Deutschland immer das Schlusslicht
Der Kölner Psychologe Ulrich Schmidt-Denter als Fazit eines über zehn Jahre laufenden Forschungsprojekts, in dem 6122 Jugendliche und ihre Eltern aus Deutschland, Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden befragt wurden; zitiert in einem gestrigen Artikel von Maria Braun in "Welt-Online".

Kommentar: Es ist ja eigentlich erfreulich, wenn das, was man als einen Eindruck aus der allgemeinen Erfahrung gewonnen hat, durch eine wissenschaftliche Untersuchung bestätigt wird; noch dazu von einer so gründlichen und umfassenden Forschungsarbeit wie derjenigen von Professor Schmidt-Denter und seinen Mitarbeitern.

Weniger erfreulich ist der Inhalt dessen, was wir alle schon wußten und was diese sozialpsychologische Untersuchung nun nicht nur bestätigt, sondern auch in seinen Details untersucht hat:

Ist Anders Breivik schuldunfähig? Über den Unterschied zwischen einer paranoiden Schizophrenie und einer paranoiden Persönlichkeitsstörung

Eine Marginalie mit dem Titel "Ist Anders Behring Breivik schuld­unfähig?" konnten Sie in ZR schon einmal lesen; am 30. November 2011, als das Gutachten der beiden norwegischen Psychiater Sørheim und Husby bekanntgeworden war, demzufolge der Massenmörder Anders Behring Breivik an einer paranoiden Schizophrenie leidet und somit schuldunfähig ist (früher hieß das im deutschen Strafrecht "zurechnungsunfähig"; umgangssprachlich hat sich die Bezeichnung "unzurechnungs­fähig" eingebürgert).

Ich habe damals vorsichtige Zweifel an der Eindeutigkeit dieser Diagnose geäußert und Beispiele für politische Attentäter genannt, bei denen die Diagnose "Paranoide Schizophrenie" aufgrund einer eindeutigen Symptomatik zu Recht gestellt worden war:

12. Januar 2012

Zitat des Tages: Westerwelle tritt für islamisch-demokratische Parteien ein. Dazu vorerst nur einige Fragen

Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich das Leitbild islamisch-demokratischer Parteien verfestigt. Deshalb sollten wir es nach Kräften unterstützen.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle in einem am morgigen Freitag erscheinenden Gastbeitrag in der FAZ; als Zitat heute zu lesen in einer Vorabmeldung von FAZ.NET.

Kommentar: Ich zitiere das jetzt hauptsächlich, um auf den morgigen Artikel aufmerksam zu machen. Vielleicht kaufen Sie sich ja die FAZ oder lesen sie - was ich tun werde - auf dem Kindle oder einem anderen Gerät. Denn ein solches brisantes Zitat sollte man erst kommentieren, wenn man den Kontext kennt.

Ein Stück Kontext ist allerdings schon bekannt, und das läßt Schlimmes erwarten.

Marginalie: Stratfor ist wieder online. Neue Informationen über den Hackerangriff

Gestern Nachmittag erhielten die Abonnenten von Stratfor die Nachricht, daß der Informationsdienst wieder online ist. Sie finden seine Site hier.

Es lohnt sich, einmal dorthin zu gehen; aus zwei Gründen:

11. Januar 2012

Marginalie: Wie hat eigentlich Barack Obama bei der gestrigen Vorwahl abgeschnitten? Was schätzen Sie? Nebst etwas über Vermin Supreme

Eine Vorwahl fand gestern nicht nur bei den Republikanern von New Hampshire statt, sondern, wie man sich denken kann, auch bei den Demokraten. Von ihr hört und liest man aber wenig. Wie ist sie eigentlich ausgegangen?

Sie meinen, das sei eine dumme, eine überflüssige Frage, weil bei den Demokraten ja nur Barack Obama zur Wahl stand? Nein.