20. Juli 2020

Streiflicht: Haste ma ne Mark?

Die Älteren werden sich an den Satz noch erinnern: "Haste ma ne Mark?" Da der Euro immer noch gefühlsweise viel wert ist (obschon deutlich weniger als "die Mark") hört man heute eher die Version: "Haste ma n bischen Kleingeld?". Inhalt der selbe, es ist das klassische Anbetteln. Nahezu jeder der nicht gerade auf dem Dorf wohnt hört diesen Satz in dieser oder ähnlicher Form mehrmals im Jahr, diejenigen, die in Bahnhofsnähe leben und arbeiten vermutlich mehrmals die Woche. Alter Hut. 

Neu wäre dagegen der Satz: Gib ma Kleingeld, sonst rede ich nicht mehr mit Dir. Zumindest dieser Autor kann sagen, dass nie gehört zu haben, ja auch nie gehört zu haben, dass jemand anders diesen Satz in diesem Kontext je gehört hätte. Es ist zur Vermutung zu neigen, dass das wohl auch nicht allzu erfolgreich ausgehen würde. 

16. Juli 2020

Die Afd mal wieder. Heute in Thüringen.

Vor gar nicht langer Zeit erklärte mir ein Kollege, dass in Zettels Raum zu viele (oder nur noch) AfD Beiträge stehen würden. Nun, diese Beurteilung verdient heute einmal wieder der Bestätigung.

Am 30.7.2019 verabschiedete der Thüringer Landtag ein Gesetz zur paritätischen Besetzung von Wahllisten für die Landtagswahl. Ein verfassungsrechtlich massiv fragliches Gesetz, aber das Demokratieprinzip wird ja nach Meinung der vier Linksparteien ohnehin weit überschätzt. Verabschiedet wurde es von einer Mehrheit aus SPD, SED und den Grünen und sollte dann auch -wenn schon denn schon- bei der nächsten Wahl gelten. 

15. Juli 2020

Hat jermand meinen Elefanten gesehen?

Ein großer, weißer Elefant steht mitten im Raum. Er steht da, den Blick vorwurfsvoll dem Beobachter zugewandt, die Stoßzähne erhoben und den Rüssel bereit zum trompeten. Doch der Beobachter weigert sich den Elefanten zu sehen und faselt nicht nur etwas davon, dass ein paar Ameisen den Boden beschädigt haben, er fährt auch jedem über den Mund, der es wagt den Elefanten zu erwähnen. Es ist kein Elefant in diesem Zimmer, schon gar kein weißer Elefant und überhaupt gibt es keine weißen Elefanten, und wenn es sie gäbe, dann wären sie nicht im Zimmer und wenn jemand einen Elefanten sehen würde, dann einzig und alleine deshalb, weil er was gegen Tiere an sich habe und jedes Tier für einen Elefanten hielte, so auch die Ameisen, die den Raum beschädigt haben. Was aber gar nicht passiert ist.

14. Juli 2020

Lord Dunsany, "Das Haus der Sphinx" (1911)

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(Sidney H. Sime, "The House of the Sphinx")


Als ich das Haus der Sphinx erreichte, war es schon dunkel geworden. Man hieß mich dort freudig willkommen. Und trotz der Tat war ich froh über jeden Ort, der mir in diesem bedrohlichen Wald eine Zuflucht bot. Ich sah sofort, daß hier eine Tat geschehen war, obwohl man einen Mantel darüber gebreitet hatte, um sie zu verbergen. Allein die falsche Fröhlichkeit der Begrüßung ließ mir diesen Mantel verdächtig erschienen.

Die Sphinx war verdrossen und schweigsam. Ich war nicht hergekommen, um die Geheimnisse der Ewigkeit zu erfahren oder etwas über ihre kleinen Geheimnisse, und so hatte ich nicht viel zu sagen und kaum Fragen an sie, aber sie schwieg zu allem, das ich vorbrachte. Es war deutlich, daß sie mich im Verdacht hatte, die Geheimnisse ihrer Götter ausspähen zu wollen, oder ihren Umgang mit der Zeit; vielleicht sann sie aber auch über die Tat nach.

Mir wurde alsbald klar, daß außer mir noch jemand erwartet wurde. Ich erkannte es daran, wie die unsteten Blicke von der Tür zu der Tat und wieder zurück zur Tür wanderten. Und es war deutlich, daß der Willkommensgruß eine verriegelte Tür sein würde. Aber was für Riegel waren das, was für eine Tür! Rost und Moder und Schimmel hatten viel zu lang daran genagt; nicht einmal für einen entschlossenen Wolf stellte sie ein Hindernis dar. Und was immer es war, das hier erwartet wurde, schien ärger zu sein als nur ein Wolf.

13. Juli 2020

Tönnies und der Rechtsstaat: Ein Jammerspiel

Clemens Tönnies hat es wirklich geschafft: In nicht einmal drei Monaten vom hofierten Großunternehmer und Sportfunktionär zum absoluten Paria der Republik. Respekt. Das hat nichtmal Uli Hoeness so schnell geschafft und der ist immerhin Chef vom FC Bayern gewesen, wo die halbe Republik sich freut, wenn man dort auf die Nase fällt. 

12. Juli 2020

"...daz ist der stern Kometa..."

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...Vnd wie der stern Kometa
Den lovf und sine meta
Tovgen in dem firmament
Gut untz uf den innsten sent
Der stern ist lúzil liut erkant
Und ist vmb in also gewant
Daz er sich selten schowen lat
Vnd swenner verborgen stat
So gat ein rovch und ein kunst
Uon im als von dez tievils tunst
Von swenne man den sternen siht
Der tiutit gerne so man giht
Urlug oder manslaht
Daz man tribet tac und naht
Er tiutet och gemeinen tot
An liuten an vihe dez todis not
Er tiut och gerne tiure jar
Ich han den selben sternen fúr war
Mit minen ogen wol gesehin
Dez war ich mit warheit vil veriehin
Si warn an dem gestirne
So kvnste rich so virne

Hugo von Langenstein, Martina (1293 abgeschlossen), 14,110 - 15,20

Es kommt nur sehr selten vor (eigentlich nie), daß ich eine Weichenstellung, eine vor langer Zeit getroffene Entscheidung bedauere, gerade wenn es um recht triviale Aspekte geht. So etwa der Entschluß, nie im Leben zu fliegen, keinen Führerschein zu besitzen und niemals einen Fuß auf Berliner Gebiet zu setzen. Heute morgen, kurz vor Beginn der Dämmerung, ergab sich eine solche Gelegenheit. Ich habe vor über dreißig Jahren darauf verzichtet, zu fotografieren, weil mir das angelegentliche Fixieren aus Ausflugzielen oder seltenen geselligen Anlässen als zu trivial erschien und der Aufwand, sich hier mit einer halbwegs professionellen Ausrüstung, Teleobjektiven, Stativen und Blitzgeräten angesichts der wenigen Male, in denen ich mich damit beschäftigt habe, finanziell und vom Zeitaufwand her gesehen als völlig unangemessen wirkte. Das Ergebnis solcher Enthaltsamkeit ist, daß das einzige bildgebende Medium, das mir zur Verfügung steht, die im Smartphone eingebaute Weitwinkelkamera ist - die aber für Fernaufnahmen und das Heranzoomen astronomischer Objekte weder gedacht noch geeignet ist.

...irgendwas mit Pferden...

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Es widerspricht der Tradition dieses Netztagebuchs, Fundstücke unkommentiert zu präsentieren. Aber es gibt auch Funde, bei denen jedes Wort der Erläuterung eines zuviel wäre. Außer vielleicht dieses hier: Ja, das ist echt. 

P.S. Das SPD kann man dies nachsehen, da man dort auch Herrn Stegner, Frau Esken und Herrn Maas für Politiker hält.

P.P.S. Es ist, rein theoretisch, auch denkbar, daß Frau E. hier versucht hat, einen Scherz zu reißen, auch wenn sich Anlaß und Kontext nicht ausmachen lassen. Nur ist die Schalheit in diesem Fall so klafterstark, daß es die Sache keinen Deut besser macht.

U.E.

© U.E. Für Kommentare bitte hier klicken.

11. Juli 2020

周作人 《入厕读书》 / Zhuo Zuoren, "Lesen auf dem Klo" (1935). Mit einem Seitenstück zu Jun'ichirō Tanizaki

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 (周作人 / Zhou Zuoren)



郝懿行著《晒书堂笔录》卷四有《入厕读书》一条云:

旧传有妇人笃奉佛经,虽入厕时亦讽诵不辍,后得善果而竟卒于厕,传以为戒。 虽出释氏教人之言,未必可信,然亦足见污秽之区,非讽诵所宜也。 《归田录》载钱思公言平生好读书,坐则读经史, 卧则读小说,上厕则阅小词,谢希深亦言宋公垂每走厕必挟书以往,讽诵之声琅然闻于远近。 余读而笑之,入厕脱裤,手又携卷,非惟太亵,亦苦甚忙,人即笃学,何至乃尔耶。 至欧公谓希深言平 生所作文章多在三上,乃马上枕上厕上也,盖惟此尤可以属思尔,此语却妙,妙在亲切不浮也。

定,但总未必很短,而且这与吃饭不同,无论时间怎么短总觉得这是白费的,想方法要来利用他一下郝君的文章写得很有意思,但是我稍有异议,因为我是颇赞成厕上看书的。 小时候听祖父说,北京的跟班有一句口诀云,老爷吃饭快,小的拉矢快,跟班的话里含有一种讨便宜的意思,恐怕也是事 实。 一个人上厕的时间本来难以一。 如吾乡老百姓上茅坑时多顺便喝一筒旱烟,或者有人在河 沿石磴下淘米洗衣,或有人挑担走过,又可以高声谈话,说这米几个铜钱一升或是到什么地方去。 读书,这无非是喝旱烟的意思罢了。

9. Juli 2020

Lord Dunsany, "Das wundervolle Fenster" (1911)

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Der alte Mann in seiner orientalisch anmutenden Gewandung fiel Mr. Sladden, der seinen Lebensunterhalt im Kaufhaus von Messr. Mergin und Chater verdiente, deshalb auf, weil ihn ein Polizist weiterscheuchte, und wegen des Pakets, das er unter dem Arm trug.

Mr. Sladden hing der Ruf an, der geistesabwesendste Berufsanfänger in seinem Metier in ganz London zu sein; der kleinste Anlaß, der geringste Anklang an Romantik, an Fernweh und Abenteuer, brachte ihn zu träumen, und er blickte dann vor sich hin, als ob sich die Wände des Kaufhauses in Nebel auflösten und London ein Märchenland wäre, anstatt sich um die Wünsche der Kunden zu kümmern.

Schon die Tatsache, daß das Packet, der der alte Mann unter dem Arm trug, in schmutziges Packpapier gewickelt war, das mit arabischer Schrift bedeckt war, war für Mr. Sladden wie ein Versprechen von ungeahnten Abenteuern, und er folgte ihm, bis sich die kleine Menge, die der Zwischenfall angelockt hatte, zerstreut hatte und der alte Mann an einer Straßenecke anhielt, sein Paket auspackte und sich offenkundig anheischig machte, den Inhalt feilzubieten. Es handelte sich um ein kleines Fenster mit bleigefaßten Scheiben; es war nur gut einen Fuß breit und weniger als zwei Fuß hoch. Mr. Sladden hatte noch nie erlebt, daß jemand ein Fenster mitten auf der Straße zum Verkauf anbot, und fragte nach dem Preis.

"Der Preis ist: alles, was Sie besitzen," sagte der alte Mann.

"Wo haben Sie es bekommen?" fragte Mr. Sladden, denn es handelte sich um ein seltsames Fenster.

"Ich habe dafür alles, was ich besaß, auf den Straßen von Bagdad hergegeben."

"Und haben Sie vorher viel besessen?" fragte Mr. Sladden.

"Ich besaß alles, was ich mir wünschen konnte," war die Antwort, "außer diesem Fenster."

"Es muß ein besonderes Fenster sein," sagte der junge Mann.

"Es ist ein magisches Fenster," sagte der Alte.

8. Juli 2020

Die Welt am Scheideweg durch Donald Trump

Ob sich Europa, insbesondere Deutschland, von Merkel und ihrer fundamental grünen Politik wird erhohlen können erscheint derzeit, insbesondere im Schatten von Corona, unwahrscheinlich. Zumindest kurz- oder mittelfristig. Der Schaden ist angerichtet und derart massiv das selbst bei einer Kurskorrektur nicht davon auszugehen ist, dass Europa in naher Zukunft noch eine große weltpolitische Bedeutung zufällt (zumal der deutsche Wähler bis dato immer noch nicht so richtig realisiert, wer ihm die Entwicklung der letzten Jahre so aufgedrückt hat). Vielleicht ist das, auch wenn es für die Europäer eher bitter ist, am Ende für die Welt nicht das schlechteste, in der Vergangenheit waren die Ansätze aus Europa (und auch da gerade wieder aus Deutschland) ihre Werte in die Welt zu exportieren von teilweise recht verheerenden Folgen.

6. Juli 2020

Corona und kein Ende

Das Christentum ist 2000 Jahre alt, die CDU 75. Diese Partei brauche jetzt eine weltliche Daseinsbegründung, meint Thomas Schmid. Selbst die Kirchen zeigten in der gegenwärtigen Krise ja, dass sie nichts zu sagen wissen.

4. Juli 2020

Tönnies zum zweiten. Oder: litterae in ovo

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Mitunter frage ich mich: soll ich es eigentlich bedauern, daß aus mir kein Romanautor geworden ist? Das ist nun nicht so sehr eine Frage des Wollens, sondern der Einsicht in die eigenen, sehr bescheidenen Fähigkeiten auf dem Gebiet des Kreativität und des literarischen Vermögens. Denn ich erzähle ja niemals Geschichten, schon gar keine erfundenen; für das Ersinnen einer Fabel geht mir jegliche Begabung ab; das Schildern von Persönlichkeiten, von einer Entwicklung, der stimmigen Ausmalung der couleur locale, des Wechselgeflechts der Beziehung, die Ambivalenzen: Fehlanzeige auf der ganzen Linie. (Vom "Stilgefühl" will ich gar nicht erst beginnen.) Was bliebe also übrig als Metier, wenn schon die triste gegebene Realität nicht um das Ausschlagebende, den narrativen Kosmos, erweitert werden kann? Eines der wenigen Genres, das sich anböte, wäre der Schlüsselroman, der Roman à clef, das tatsächlich gegebene - oder vermutete - Skandale der unmittelbaren Gegenwart in literarischer Verlarvung präsentiert, hinter neuen Namen, neuen Örtlichkeiten - aber den Zeitgenossen sofort entschlüsselbar. Nicht in sublimierter Form, die eine chronique scandaleuse zum Anlaß nimmt, um ein umfassendes Portrait der Moral, der Widersprüche und Spannungen einer Gesellschaft zu zeichnen, wie es etwa Theodor Fontane mit dem "Fall Ardenne" für Effi Briest tat, oder mit dem heute vollkommenen "Fall Ravené" für seinen kleinen Roman L'adultera ein Dutzend Jahre vorher. Das entfällt aus den oben genannten Gründen. Nein: Als grelle Kolportage, deren einziger Zweck wäre, dem Leser Insinuationen nahezulegen, den allgemeinen Zustand eine Gesellschaft - oder einer Unterabteilung, etwa der unternehmerischen Klasse und der classe politique  - als korrupt, verblendet, bar jeder Verantwortung und von strahlender Unfähigkeit zu schildern. Natürlich ist dergleichen ungerecht, immer und zu jeder Zeit. Aber der grobe Holzschnitt ist die Natur dieser Art von Kolportage.

2. Juli 2020

Der letzte Grandseigneur des deutschen Journalismus: Zum Tod von Dieter E. Zimmer

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Am 19. Juni, also bereits vor zwei Wochen, ist Dieter E. Zimmer in Berlin im Alter von 85 Jahren gestorben. Die Nachricht von seinem Tod ging aber erst vor zwei Tagen "durch die Medien" - insofern mag man mir diesen verspätete Eintrag nachsehen, nicht zuletzt, weil mir diese Nachricht Anlaß war, in seinen Büchern, von denen sich ein gutes Dutzend auf den unterschiedlichsten Regalen meiner Bibliothek verteilt finden, wieder einmal zur Hand zu nehmen.

1. Juli 2020

Wenn die Polizei nicht mehr kommt. Ein schöner Gruß nach Berlin.

In der gemeinen deutschen Presse eher unter ferner liefen, aber in den USA vergleichsweise viel diskutiert ist die "Capitol Hill Autonomous Zone" (kurz "Chaz"), ein Gebiet von einigen Straßenblöcken im Herzen von Seattle, dass sich vor knapp drei Wochen für "unabhängig" erklärt hat. Na ja, was man heute so nennt: Genaugenommen hat eine Gruppe von BLM (Black Lives Matter) Aktivisten, unterstützt von der lokalen (oder zugereisten) Antifa derart randaliert, dass die Seattler Polizei ein Revier aufgeben musste (um zu "deeskalieren"), was dann prompt besetzt wurde. Inzwischen kontrollieren die "Aktivisten" (allmählich gehen mit die Anführungszeichen aus) das Gebiet mit Waffen, die Polizei fährt nicht hinein und es gibt Checkpoints, an denen sichergestellt wird, dass auch kein Polizist etwa das böse "rassitische" Recht durchsetzen kann.

30. Juni 2020

Jonathan Swift, "On Stella's Birthday" / "Auf Stellas Geburtstag" (1719)

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(Esther Johnson, "Stella," 1681-1728; unbekannter Künstler)


"On Stella's Birth-Day"

Written 1718/19

Stella this Day is thirty four,
(We won't dispute a Year or more)
However Stella, be not troubled,
Although thy Size and Years are doubled,
Since first I saw Thee at Sixteen
The brightest Virgin of the Green,
So little is thy Form declin'd
Made up so largely in thy Mind.
Oh, would it please the Gods to split
Thy Beauty, Size, and Years, and Wit,
No Age could furnish out a Pair
Of Nymphs so gracefull, Wise and fair
With half the Lustre of Your Eyes,
With half thy Wit, thy Years and Size:
And then before it grew too late,
How should I beg of gentle Fate,
(That either Nymph might have her Swain,)
To split my Worship too in twain.


29. Juni 2020

周作人 《鬼的生长》 / Zhou Zuoren, "Vom Altern der Gespenster" (1934)

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(周作人 / Zhou Zuoren)


发挥一点考据癣,从古今人的纪录里去找寻材料,或者能够间接的窥见百一亦未可知。 但是千百年来已非一日,载籍浩如烟海,门外摸索,不得象尾,而且鬼界的问题似乎也多得很,尽够研究院里先生们一生的检讨,我这里只提出一个题目,即上面所说的鬼之生长,姑且大题小做,略陈管见,仁候明教。关于鬼的事情我平常很想知道。 知道了有什么好处呢? 那也未必有, 大约实在也只是好奇罢了。 古人云,唯圣人能知鬼神之情状,那么这件事可见不是容易办到的,自悔少不弄道学,此路已是不通,只好人死后为鬼,鬼在阴间或其他地方究竟是否一年年的照常生长,这是一个问题。 其解决法有二。 一是根据我们这种老顽固的无鬼论,那末免文不对题,而且也太杀风景,

其次是普通的有鬼论,有鬼才有生长与否这问题发生,所以归根结底解决还只有这唯一一法。 然而有鬼虽为一般信士的定论,而其生长与否却占人人殊,莫衷一是。 清纪昀《如是我闻》卷四云:
“任于田言,其乡有人夜行,月下见墓道松柏问有两人并坐,一男子年约十六七,
韶秀可爱,一妇人白发垂项,佝偻携杖,似七八十以上人,倚肩笑语,意若甚相悦,窍讶何物淫妪,乃与少年儿狎昵,行稍近,冉冉而灭。 次日询是谁家冢,始知某早年夭折,
其妇孀守五十馀年,殁而合窆于是也。 ”照这样说,鬼是不会生长的,他的容貌年纪便以死的时候为准。不过仔细想起来,其间有许多不方便的事情,如少夫老妻即是其一,
此外则子老父幼,依照礼法温清定省所不可废,为儿子者实有竭暇难当之势,甚可悯也。

27. Juni 2020

Lord Dunsany, "Armer alter Bill" (1910)

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In der alten Taverne am Hafen, in der Matrosen Gesellschaft finden, wurde es langsam dunkel. Ich hatte die Kneipe seit einigen Tagen aufgesucht, in der Hoffnung, von den Seeleuten, die da über ihren Wienen aus fernen Ländern saßen, Näheres über ein Gerücht zu erfahren, das ich aufgeschnappt hatte und das besagte, daß irgendwo in den Weiten der Südsee noch eine alte, aufgegebene Flotte spanischer Schatzgaleonen gesichtet worden sein sollte.

Auch an jenem Abend erfuhr ich darüber nichts Neues. Die Stimmung war gedämpft, die Matrosen redeten nicht viel, und ich wollte gerade gehen, als ein Seemann, der Ohrringe aus purem Gold trug, den Kopf hob, seinen Blick auf die Wand vor sich richtete und anfing, mit lauter Stimme seine Geschichte zu erzählen:

(Während er sprach, brach draußen ein Platzregen los und schlug prasselnd gegen die Butzenscheiben. Seine Stimme übertönte den Lärm mühelos. Je dunkler es wurde, desto klarer funkelten seine Augen.)

"Wir waren auf einem Schiff, das noch auf die alte Art getakelt war, und wir liefen seltsame Inseln an. Keiner von uns hatte je zuvor solche Inseln gesehen.

"Jeder von uns haßte den Kapitän, und er seinerseits haßte jeden von uns. Man muß es ihm lassen: da war er gerecht. Er verabscheute uns alle in gleichem Maß. Und er redete kein einziges Wort mit uns, außer wenn es abends dunkel wurde - dann ging er manchmal an Deck auf und ab und sprach zu denen, die er tagsüber an der Rah hatte hängen lassen.

26. Juni 2020

Lord Dunsany, "Die Plünderung von Bombasharna" (1910)

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(Sidney H. Sime: "I Wish I Knew More About the Way of Queens")

Für Shard, den Piratenkapitän, war die Lage allmählich zu brenzlich geworden, auf allen Weltmeeren, die er befahren hatte. Die Häfen Spaniens blieben ihm verschlossen; in San Domingo war er kein Unbekannter mehr; in Syrakus nickten sich die Leute wissend zu, wenn sie seiner ansichtig wurden; die Könige beider Sizilien versagten sich das Lächeln, wenn ihre Rede auf ihn kam, und in allen Hauptstädten war ein hoher Preis auf seinen Kopf ausgesetzt worden mit seinem Konterfei auf den Steckbriefen - und keines dieser Porträts war schmeichelhaft. Und so war Käpt'n Shard zu dem Entschluß gekommen, daß es an der Zeit war, seinen Männern sein Geheimnis zu verraten.

Er rief sie zusammen, als sie eines Nachts vor Teneriffa auf Reede lagen. Er gab freimütig zu, daß es so einige Dinge gab, die der Erklärung bedurften: die Kronen, die die Prinzen von Aragon an ihre Neffen, die Könige beider Amerikas, gesandt hatten, hatten, hatten dero durchlauchtige Majstäten nie erreicht. Was war mit Kapitän Stobbuds Augen geschehen? Wer hatte die Küstenstädte Patagoniens gebrandschatzt? Warum hatte ein Schiff wie das ihre Perlen als Fracht geladen? Warum war das Deck so häufig rutschig vor Blut, und wofür brauchte man so viele Kanonen? Wo waren die Nancy, die Lärche und die Margaret Bell geblieben? Solche Fragen, gab er zu, könnten dem einen oder anderen Neugierigen durchaus in den Sinn kommen, und falls solche Leute mit den Gebräuchen des See unvertraut wären, könnten sich daraus knifflige rechtliche Fragen ergeben. Und Bloody Bill (wie Mr. Gagg von einigen Unverfrorenen  genannt wurde) blickte zum Himmel empor und bemerkte, daß es eine stürmische Nacht war und das Wetter ganz dazu geeignet war, ein paar solcher Kandidaten an der nächsten Rah zu hängen. Und einige der Anwesenden rieben sich nachdenklich den Nacken, während Käpt'n Shard ihnen seinen Plan darlegte. Er erklärte, daß die Zeit gekommen wäre, um die Verzweifelte Lärche aufzugeben; sie war den Kriegsmarinen von vier Königreichen allzugut bekannt, und eine fünfte war gerade dabei, sie auf ihre Liste zu setzen, und es würde nicht dabei bleiben. (In Wahrheit gab es noch mehr Kapitäne, die nach ihrer hübschen schwarzen Flagge mit dem schmucken Totenschädel und den gekreuzten gelben Knochen Ausschau hielten.) Er kannte einen kleinen Archipel, auf der anderen Seite des Sargassomeers; es mochten an die dreißig Inseln sein, die üblichen, unbewohnten Eilande; aber eine davon war eine schwimmende Insel. Er war vor vielen Jahren dort vorbeigekommen und war an Land gegangen, aber er hatte nie einer Seele davon erzählt, aber er hatte die Insel mit seiner Ankerkette am Meeresboden verankert und die Sache als sein größtes Geheimnis für sich behalten. Er hatte beschlossen, sich dort zur Ruhe zu setzen, wenn es ihm nicht mehr möglich war, sein Leben auf ehrliche Seeräuberweise zu fristen, nachdem er sich ein Weib genommen hatte. Als er auf die Insel stieß, trieb sie langsam vor dem Wind, der durch die Baumkronen blies; aber wenn die Ankerkette nicht durchgerostet war, sollte sich noch dort liegen, und sie würden sich ein Steuerruder zimmern und Kabinen im Inselboden ausheben und des Nachts Segel zwischen den Bäumen hissen und Kurs setzen, wohin immer es ihnen beliebte.

24. Juni 2020

Lord Dunsany, "Das Geheimnis der See" (1914)

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(Sidney H. Sime, "The Secret of the Sea")

In der alten, finsteren Hafenkneipe, die ich gut kenne, erzählt man sich viele Geschichten über die See; aber die Geschichte, auf die ich über ein Jahr lang vergeblich gewartet hatte, erfuhr ich erst durch die kräftige Mithilfe des Weins namens Gorgunder, den ich mit so vieler Mühe den Zwergen abgehandelt hatte.

Ich kannte meinen Pappenheimer und hatte viele seiner Geschichten gehört, während mir die Ohren von seinen wilden Flüchen klingelten. Ich hatte ihm Rum und Whisky und noch so allerhand andere potente Getränke spendiert, aber er hatte nie die Geschichte erzählt, auf die ich wartete, und als ich mir keine anderes Mittel mehr wußte, reist ich in die Huthneth-Berge und verhandelte eine ganze Nacht hindurch mit dem Anführer der  Zwerge.

Als ich in den alten Kaschemme eintraf und in den niedrigen Schankraum trat, war mein Mann noch nicht vor Ort. Die Matrosen lachten, als sie die alte eiserne Flasche sahen, die ich dabeihatte, aber ich kümmerte mich nicht um sie und setzte mich; wenn ich die Flasche geöffnet hätte, wären sie in Tränen ausgebrochen und hätten lauthals gesungen. Ich hatte Geduld und konnte warten, denn ich wußte, daß mein Mann die Geschichte kannte, auf die ich hoffte, und die schon oft die Skepsis der Zweifler befeuert hat.

23. Juni 2020

Lord Dunsany, "Die Pfeilspitze aus Opal" (1920)

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"Einmal, auf dem Bernsteinfluß..." begann Locquialton.

Wir alle hielten fast den Atem an und hörten ihm zu in unserer Runde um den alten Wirtshaustisch, an dem Locquialton saß. Außer ihm waren wir zu fünft. Ein alter, schwerer Tisch, ein niedriger Schankraum, hinter Locquialton ein großer, alter Kamin, in dem man ganze Baumstämme hätte verbrennen können. Die Scheite waren heruntergebrannt, das Feuer loderte nur noch schwach, draußen war es dunkel. Der Raum war nur noch ein paar Kerzen erhellt. Blauer Zigarrenrauch waberte durch den Raum. Ich sehe die Szene noch lebhaft vor mir: der hellblaue Zigarrenqualm, das tiefe Blau der Nacht hinter den Fenstern, das Kastanienbaun des Tisches und Locquialton, wie er sich vorbeugt. Ich höre noch seine Stimme, wie sie "einmal, auf dem Bernsteinfluß..." sagt. Uns war bekannt, was er für ein Weltreisender gewesen war. Oder genauer gesagt: es war uns eben nicht bekannt; niemand wußte, wo er sich herumgetrieben hatte. Wir erinnerten uns nur daran, daß er jahrelang fortgewesen war, ohne jede Nachricht, und dann plötzlich wieder auftauchte. Daß er nichts von seinen Reisen berichtet hatte. Und so entstanden Gerüchte, über unbekannte Flüsse und ferne Länder, die er erkundet hate. Er selbst sprach nicht davon; keiner von uns wußte, wohin er gereist war und zu welchem Zweck. Und eines Tages, während wir zusammensaßen und rauchten, fing er an: "einmal, auf dem Bernsteinfluß..." Wir hörten gespannt zu, und er erzählte uns eine seiner Geschichten. Noch nie zuvor hatte er von sich selbst erzählt. Bald danach änderten sich die Dinge zwischen uns; so weit wir das sagen können, ist dies die einzige Geschichte, die er erzählt hat. Ich kann nicht sagen, ob sie wahr ist; niemand kann das. Ich kannte Locquialton so gut wie wir alle, und kann mit Bestimmtheit sagen, daß er keinen Funken Phantasie besaß. "Einmal, auf dem Bernsteinfluß...": das waren genau die Worte, an die ich mich erinnere - und an den Rest seiner Geschichte erinnere ich mich nach all dieser Zeit eher wie eine Folge von Bildern, die sich in unserer Phantasie abspielten, die vor uns vorbeizogen wie die Schwaden des blauen Zigarrenrauchs vor dem Kaminfeuer. Und diese Geschichte gibt keine Aufklärung über ihn; sie ist so seltsam, wie er es selbst war. Ich halte sie für die seltsamste Geschichte, die ich je gehört habe - aber das mögen meine Leser beurteilen, falls ich nichts vergesse.

21. Juni 2020

Gütersloh: Tönnies. Beijing: Xinfadi-Markt

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Es gibt noch Meldungen, auch jetzt, im fünften Monat der Corona-Krise (oder dem vierten, je nachdem, wann man das pandemische Geschehen für den eigenen Standort als relevant einschätzt), die einem Betrachter der Zeitläufe den Kiefer gepflegt nach unten klappen lassen. Oder ungepflegt, je nach dem Ausmaß der Abgebrühtheit und des Zynismus, der sich mittlerweile eingestellt hat. Hier geht es um den akuten Ausbruch von SARS-CoV-2-Infektionen am Firmenhauptsitz der Tönnies-Holding im Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh, von dem sich die ersten Nachrichten vor drei Tagen, am 18. Juni, zuerst verbreiteten und deren Befund mit Stand von heute nachmittag ist, daß von rund 7000 Mitarbeitern dort bislang 1331 positiv auf das Coronavirus getestet worden sind (mit dem Stand von heute nachmitag liegen die Ergebnisse von 5899 der insgesamt 6139 durchgeführten Tests vor).

20. Juni 2020

Lord Dunsany, "Die Gespenster" (1908 / 1938)

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"Die Gespenster" (1908)


(Sidney. H. Sime, "Oneleigh")
 
Ich nehme an, daß es für meine Leser kaum von Belang sein dürfte, aus welchem Grund ich mich mit meinem Bruder in seinem großen, einsam gelegenen Landhaus zerstritten hatte - zumindest nicht jene, von denen ich hoffe, daß sie das Experiment interessiert, zu dem mich dieser Streit verleitete, und das, was mir dabei in jenem gefährlichen Bereich widerfuhr, den ich dabei so leichtsinnig betrat. Es war bei meinem Besuch in Oneleigh.

Oneleigh befindet sich in einer einsamen ländlichen Gegend, umgeben von einem Bestand altehrwürdiger Zedern, in deren Zweigen es flüstert, wenn der Wind hindurchfährt. Wenn der Nordwind bläst, stecken sie die Köpfe zusammen und nicken mit ihren Wipfeln, und stimmen einander zu und werden wieder still. Der Nordwind ist für sie wie ein angenehmes Rätsel, über das uralte Weise nachsinnen und ein Schwätzchen halten. Diese Zedern wissen so manches, so lang stehen sie schon dort. Ihre Ahnen kannten den Libanon, und die Vorfahren dieser Ahnen dienten den Königen von Tyros und der Palast König Salomos wurde aus ihnen gefertigt. Und von diesen schwarzhaarigen Kindern der ergrauten Zeit war das alte Haus von Oneleigh umgeben. Ich kann nicht sagen, wie viele Jahrhunderte an seine Mauern gebrandet waren wie flüchtiger Gischt, aber noch standen sie fest, und im Lauf der Zeit hat sich dort vieles Alte und Ehrwürdige angesammelt, wie Algen auf einem Felsen, der der See trotzt. Hier fanden sich Rüstungen, die vor Zeiten Kämpfer geschützt hatten wie die Schalen toter Muscheln; Gobelins bedeckten die Wände wie Seetang in bunten Farben; hier fand sich kein neumodisches Treibgut, kein Mobiliar aus der Zeit Königin Viktorias, kein elektrisches Licht. Die Handelswege, die leere Konservendosen und billige Romane an Land spülten, verliefen andernorts. Gewiß: die Jahrhunderte werden ihr Werk vollenden und seine Trümmer an ferne Küsten schwemmen. Doch noch stand es, und ich hatte meinem Bruder dort einen Besuch abgestattet, und unser Gespräch war auf das Thema Gespenster gekommen. Mir schienen seine Ansichten dazu nicht ganz aufgeklärt. Er hielt Dinge, die nur in der Phantasie vorkommen, für real, er befand, daß Berichte aus zweiter Hand, daß jemand ein Gespenst gesehen hätte, Beweis dafür seien, daß es sie gäbe. Ich antwortete ihm, daß sie auch dann keinen Beweis darstellten, wenn die Betreffenden tatsächlich Gespenster gesehen hätten; niemand glaubt daran, daß es rote Ratten gibt, obwohl es genügend Beweise gibt, daß sie im Säuferwahn gesehen werden. Schließlich erklärte ich, daß ich selbst auch dann noch ihre Existenz bestreiten würde, wenn ich sie mit eigenen Augen sehen sollte. Also versorgte ich mich mit ein paar Zigarren und trank mehrere Tassen Tee, der eine halbe Ewigkeit lang gezogen hatte, verzichtete aufs Abendessen und zog mich für die Nacht in ein Zimmer zurück, dessen Wände mit dunkler Eiche vertäfelt und wo die Möbel unter Laken verborgen waren, und ließ mich nicht von meinem Bruder von meinem unsinnigen Vorhaben abbringen. Noch als er mit der Kerze in der Hand die Treppe zu seinem Schlafzimmer hinaufstieg, beschwor er mich, doch bitte etwas zu Abend zu essen und mich ins Bett zu legen.

18. Juni 2020

Lord Dunsany, "Die beunruhigende Geschichte von Thangobrind dem Goldschmied" (1911)

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 (Ill. Sidney H. Sime, "The ominous cough")

Als Thangobrind der Goldschmied das unheilvolle Räuspern vernahm, dreht er sich stracks auf dem engen Pfad um. Ein Dieb war er, von ausgezeichnetem Ruf, dessen Dienste die Reichen und Vornehmen in Anspruch nahmen, denn er stahl niemals etwas Geringeres als das Ei des Moomoo, und sein Lebtag lang hatte er nur vier Arten edler Steine entwendet - Rubine, Diamanten, Smaradge und Saphire -, und als Goldschmied war seine Redlichkeit exemplarisch. Ein hoher Handelsherr war an ihn herangetreten und hatte die Seele seiner Tochter als Preis für den Diamenten geboten, der größer ist als der Kopf eines Menschen und der im Schoß des Spinnengötzen Hlo-hlo in dessen Tempel von Moung-ga-ling ruht, denn es war ihm berichtet worden, daß Thangobrind ein Dieb war, dem man vertrauen könne.

16. Juni 2020

Lord Dunsany, "Eine knappe Rettung" (1912)

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Es war tief unter der Erde.

In der feuchten Katakombe unter dem Belgrave Square rann die Feuchtigkeit an den Wänden herab. Aber was kümmerte das den Magier? Er suchte das Verborgensein, nicht die Trockenheit, und hier im Dunkel sann er über den Gang der Dinge nach, schmiedete seine Pläne und braute seine Wundertränke.

In den vergangenen Jahren war seine Ruhe durch das Rumpeln der Busse mit ihren neuen Motoren empfindlich gestört worden; von fern her drang der Lärm der U-Bahn wie der Dröhnen eines fernen Erdbeben an sein empfindliches Ohr, und was er von der Welt über sich vernahm, war nicht geeignet, ihn für sie einzunehmen.

Eines Abends, als er in seinem feuchten Kämmerlein seine übelriechende Pfeife rauchte, kam er zu dem Entschluß, daß London lange genug bestanden hätte, daß es den Bogen überspannt hätte und es mit den Absurditäten seiner sogenannten Zivilisation übertrieben hätte. Und er beschloß, die Stadt zu vernichten.

15. Juni 2020

Lord Dunsany, "Carcassonne" (1910)

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(Die Zitadelle von Carcassonne im Languedoc)

« Je me fais vieux, j’ai soixante ans,
J’ai travaillé toute ma vie,
Sans avoir, durant tout ce temps.
Pu satisfaire mon envie.
Je vois bien qu’il n’est ici-bas
De bonheur complet pour personne.
Mon vœu ne s’accomplira pas :
Je n’ai jamais vu Carcassonne !

« On voit la ville de là-haut,
Derrière les montagnes bleues ;
Mais, pour y parvenir, il faut,
Il faut faire cinq grandes lieues ;
En faire autant pour revenir !
Ah ! si la vendange était bonne !
Le raisin ne veut pas jaunir :
Je ne verrai pas Carcassonne !

« On dit qu’on y voit tous les jours,
Ni plus ni moins que les dimanches,
Des gens s’en aller sur le cours,
En habits neufs, en robes blanches.
On dit qu’on y voit des châteaux
Grands comme ceux de Babylone,
Un évèque et deux généraux !
Je ne connais pas Carcassonne !

« Le vicaire a cent fois raison :
C’est des imprudents que nous sommes.
Il disait dans son oraison
Que l’ambition perd les hommes.
Si je pouvais trouver pourtant
Deux jours sur la fin de l’automne…
Mon Dieu ! que je mourrais content
Après avoir vu Carcassonne !


- Gustave Nadaud (1820-1893)


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(In a letter from a friend whom I have never seen, one of those that read my books, this line was quoted—"But he, he never came to Carcassonne." I do not know the origin of the line, but I made this tale about it. - L.D.)

Im Brief eines Freundes, den ich persönlich nie kennengelernt habe - er zählt zu meinen Lesern - zitierte er diese Zeile: "doch er kam nie bis Carcassonne." Ich weiß nicht, woher dieses Zitat stammt, aber ich habe diese Erzählung darüber geschrieben.


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Zu jener Zeit, als Camorak in Arn herrschte, und als die Welt schöner war als in unseren Tagen, gab er ein Fest für alles Volk im Weiten Land, um den Glanz seiner Jugendzeit zu feiern.

Man erzählt sich, daß sein Palast in Arn weite hohe Säle besaß, deren Decken blau bemalt waren. Abends stiegen die Bediensteten auf Leitern und zündeten die unzähligen Kerzen in den Kandelabern an, die an Ketten darunter hingen. Manchmal sollen Wolken durch die Erkerfenster hoch oben an den Wänden hereingeschwebt sein, und über die steinernen Fensterstreben geflossen sein wie der Meernebel, den der Wind über bis Klippen in der Brandung treibt (er hat Tausende von toten Blättern und tausende von verflossenen Jahren davongeweht, sie sind ihm alle eins; er schuldet der Zeit nichts). Und die Wolken ballten sich hoch oben in den hohen Sälen zu neuer Form und segelten langsam dahin, bis sie durch ein anderes Fenster wieder davonschwebten. Und die Ritter in Camoraks Festsaal konnten aus ihren Formen den Ausgang der Schlachten und Belagerungen vorhersagen, die ihnen bevorstanden. Der Palast Camoraks zu Arn hatte nie seinesgleichen im Land gehabt, und es heißt, er werde es niemals wieder haben.

Dorthin zogen also die Bewohner des Freien Landes, von ihren Weiden und vom Wald her, während ihre Gedanken um Essen, Obdach und Liebe kreisten, und sie nahmen in der sagenumwobenen Halle Platz, neben den Bürgern von Arn, der Stadt, die sich um den Palast den Königs drängte und deren Dächer allesamt von  roter, schützender Erde bedeckt waren.

Und wenn es stimmt, was in den alten Lieder erzählt wird, war dieser Festsaal ein Wunderwerk.